Sonntag, 17. August 2014

Wir waren wo - und zwar in Laredo

Wir waren wo - und zwar in Laredo, einem Dorf an der spanischen Nordküste, in Kantabrien. Ein Ort, den ich sehr gerne mag.
Auf dem Foto unten seht Ihr den Teil des Dorfes, wo die Leute ganzjährig wohnen.
Im Hintergrund des nächsten Bildes seht Ihr den touristischen Teil. Vom Hafen bis zur Spitze des touristischen Teils führt eine mehr als vier Kilometer lange Strandpromenade. Ideal für Spaziergänger und Radfahrer. Lustig: Zwischen relaxten Urlaubern marschiert gelegentlich eine zweite Spezies: schweißgebadet, rotgesichtig, Bergschuhe und dicke Socken statt Flipflops, riesige Rucksäcke, strähniges Haar im erschöpften Gesicht. Der nördlichste Jakobsweg führt direkt am Strand von Laredo entlang, bis zum Puntal, wo die Pilger die Fähre nach Santoña nehmen. Wie Marsmenschen laufen sie dort herum, von den Sommerfrischlern taktvoll ignoriert. Aber wer ist am Ende des Urlaubs spirituell maximal gepimpt? Eh? Eh? Der, der sich am ersten Arbeitstag noch die letzten Sandkörner aus dem Bauchnabel pult, bestimmt nicht. 
Ein Blick auf den Strand (Textilstrand). Voller wird's nicht. Laredo ist ideal für Familienurlaube. Das Meer ist warm (es hatte 22 Grad als wir dort waren), es geht sehr flach und langsam rein, dadurch ist das Wasser am Ufer noch viel wärmer. Die Wellen sind schwach und werfen auch kleine Kinder nicht um. Für kleine Kinder ist es sowieso ein Paradies. Schaut Euch den breiten Streifen mit nassem Sand an! Der schreit nach Eimerchen und Schippchen. Leider gibt es hier nicht viele Hotels, weil die Badesaison am Atlantik eben doch kurz und das Wetter nicht sehr zuverlässig ist. Dafür gibt es Ferienwohnungen en masse.
Das Wasser ist absolut sauber.
Früher gab es hier nur einen Fischereihafen. Im Rahmen der Blase wurde auch ein Jachthafen gebaut.
Blick durch das Tor der wunderschönen Kirche aus dem 13. Jh. auf die Altstadt.
Die Altstadt ist zugleich das Kneipenviertel. Hier stehen sehr viele Immobilien zum Verkauf, auch Herrenhäuser aus dem 15. oder 16. Jahrhundert. Damit es bei Tag ein bisschen belebter aussieht, wurden in manche Fenster Figuren gemalt. Die davor stehenden Blumen sind echt. Diese Fenster sehen ganz toll aus.
Kennt Ihr den Spruch: "Hier möchte ich nicht einmal begraben sein"? Für Laredo trifft das bestimmt nicht zu. Hinter der alten Kirche auf dem Berg ist ein wunderschöner, sehr gepflegter Friedhof, mit angenehmer Musik vom Band. Wer hier die ewige Ruhe findet, ist zu beneiden!
Der Hof unseres Hotels. Schön, ne?
Bei den Urlaubern handelt es sich zu 95%, schätze ich mal, um Spanier (Basken) und Franzosen. Spanier und Franzosen können am selben Ort urlauben, denn sie sind sich darin einig, dass ein Croissant und ein Milchkaffee ein leckeres und nahrhaftes Frühstück darstellen (für die Spanier das Croissant gerne auch vom Grill - Cruasán a la plancha, und mit Marmelade bestrichen). Ja, die Spanier essen ihr Hörnchen gerne mit Messer und Gabel.
Ich warne: Laredo hat keine deutsche Zone! Das Speiseangebot ist auf Spanier zugeschnitten, siehe die Platos combinados unten, Franzosen finden ihr Steak Frites. Wer seinen Veggie Burger bzw. Grünkernbratling braucht, der wird hier wahrscheinlich nicht fündig!
Unten seht Ihr ein Bild der Patisserie "Elysees". Für Euch ist dieses Bild wahrscheinlich irrelevant, aber wir haben hier vor 26 Jahren zum ersten Mal köstliche Butterhörnchen gekauft, seitdem kontrollieren wir alle paar Jahre mal, ob der Laden noch da ist und die Hörnchen noch so lecker sind. 2014: Laden ist noch da, Hörnchen sind noch so lecker, Bedienung ist auch noch dieselbe, leider ist aber die Ladeneinrichtung, insbesondere der Bezug der Stühle, auch noch derselbe, was irgendwie schade ist. Ja, man möchte, dass sich bei den anderen Leuten nie etwas verändert, dass man Urlaubsorte immer so vorfindet, wie man sie in träumerisch verklärten Erinnerungen sieht... aber einen Stoffbezug!?!?!?! Also, bei Verschleissartikeln verzeihe ich kleinere Neuerungen. Naja, irgendwann werden wir hinkommen und der Laden wird zu sein.
Dieses Foto widme ich meinem Bruder. ¡Sólo sabe a agua! (Solares ist ein kantabrisches Quellwasser, das sich damit brüstet, dass es nur nach Wasser schmeckt.)
Es gibt auch Restaurants, in denen fangfrischer Fisch serviert wird. Bei La Marina Company hatten wir ein leckeres Probiermenü:
Vorspeise: Boquerones (kleine Sardellen, die für diese Gegend typisch sind). In Laredo und dem Nachbarort Santoña gibt es auch mehrere Konservenfabriken, in denen Sardellen und Thunfisch in Dosen gebracht werden. Hier ein Foto von den Boquerones vom Probiermenü:
Laredo ist der ideale Ort für Strandspaziergänge. Mein Gatte und ich auf unserem Weg durch's Leben:
Cantabria rocks!!!!!

Sonntag, 20. Juli 2014

X. Aus meinem Garten

Wie ich Euch in meinem Eintrag über unsere Reise nach Sevilla erzählt habe, gab es dort sehr viele wunderbare Orangenbäume als Straßenbäume. Die Orangen sind zum Verzehr nicht geeignet, es sind Bitterorangen, ihre Blüten duften aber köstlich. Ich hob mir zwei Früchte vom Boden auf und nahm die Kerne mit nach Hause. Ich hatte das riesengroße Glück, im Internet einen 65-seitigen, wissenschaftlichen Bericht über die Orangen Sevillas zu finden, der vom Umweltamt der dortigen Stadtverwaltung erstellt worden ist. Wenn Ihr ihn einsehen wollt, hier klicken, ist aber auf spanisch. Aus diesem Bericht erfährt man so ziemlich alles über die in Rede stehende Frucht. Zuerst die beste Nachricht: DIESE ORANGEN SIND SORTENECHT!!! So nennt man das, glaube ich, wenn man die Bäume aus Kernen ziehen kann und sie nicht veredeln muss. Für alle, die hier gelandet sind, weil sie bei Google eingegeben haben "Orangenbäume aus Kernen ziehen": Man kann DIESE Orangen, bei denen es sich, genauer gesagt, um Pomeranzen handelt, aus Kernen ziehen, andere müssen veredelt werden. Man sät die Kerne im zeitigen Frühjahr, steht im Bericht, und es dauert zwanzig bis sechzig Tage, bis sie keimen. Ich habe sie nicht im zeitigen Frühjahr gesteckt, sondern vor ungefähr dreißig Tagen. Da sprießt nix und ich glaube, da kommt auch nix mehr. Ich gieße sie täglich und sprühe sie zwei-, dreimal täglich mit dem Frufru ein (unsere Perle nennt Sprühflaschen Frufrú (Betonung auf dem zweiten u), ich finde das so lustig, ich habe es übernommen). Ich hatte 19 Kerne, die Erde ist eine Mischung aus Blumentopferde und Sand, die ich in einen Eierkarton gab, der auf einem Plastiktablett steht, auf das ich das Wasser gieße. Also Frufru von oben, Gießwasser von unten. Ich glaube, es wird nix. Und ich habe mir schon überlegt, was ich mit meinen 19 Pomeranzenbäumen machen soll. Ich wollte unseren Wintergarten/das Gartenzimmer in Orangerie umbenennen! Wissen die Kerne, dass jetzt nicht zeitiges Frühjahr ist? Wie wollen die das denn wissen? Merken die, dass die Tage kürzer statt länger werden? Und denken dann: So nicht! Zeitiges Frühjahr haben wir gesagt und nicht Sommer! 
Jetzt mal ehrlich: Woher wollen die Kerne denn wissen, welche Jahreszeit es ist??? Es kann ihnen doch wurscht sein, ich pflege sie gut.
Noch was Interessantes, das im Bericht steht: Aus diesen sevillanischen Bitterorangen wird die berühmte englische Marmelade gemacht, fast die gesamte Ernte wird nach England exportiert. Man kann die Schalen auch kandieren (Orangeat wird aus Bitterorangen gemacht) und ich vermute mal, auch zum Backen verwenden. Vielleicht keimen sie ja doch noch. Wenn Ihr irgendwas über Pomeranzen wissen wollt (Düngung, optimale Erde, etc.) und kein Spanisch könnt, dann sagt es mir, dann schaue ich es für Euch im Bericht nach.
Ihr fragt Euch jetzt vielleicht: Gehen die botanischen Experimente der Hausfrau eigentlich immer alle in die Hose? Und die Antwort lautet ganz klar: Nein!!! Manche sind erfolgreich und manche nicht, wie das halt so ist im Leben. Ich zeige Euch mal ein paar Sachen in unserem Garten (alle Fotos von heute): Mein größter Erfolg: Die Trauben tragende Tanne.

Was hat es mit der auf sich? Ich hatte diesen Traubenstock, der an einer theoretisch günstigen Stelle stand und jedes Jahr irgendwelche Krankheiten hatte. Irgendwann war ich es leid und pflanzte ihn in eine völlig dunkle Ecke und dachte: so, hier kannst du machen, was du willst. Er wollte sich an eine benachbarte Tanne schmiegen, wuchs an ihr empor, hatte keine Krankheiten mehr und trug fleißig. Wer also fragt: Ist eine Tanne als Rankhilfe für einen Traubenstock geeignet? JA!
Und da wir gerade beim Thema Trauben sind:
Aus einem in Wasser gestellten Ästchen gezogen (ist eine andere Sorte als oben).
Die Mama von obigem Traubenstöckchen, die ihrerseits von einem Traubenstock meines Urgroßvaters stammt. Geht aber auch nicht mit allen Traubensorten. Viele müssen veredelt werden.
So, und nach den Erfolgen mal wieder ein Fehlschlag: 
Jemand hat mir erzählt, dass Zucchini nur Wasser und Sonne zum Wachsen benötigen. Also setzte ich ein paar Pflanzen an Stellen, an denen der Rasen schlecht wächst, weil der Boden so schlecht ist. Werden nix, Zucchini brauchen zum Wachsen mehr als nur Wasser und Sonne.
Und wieder ein Erfolg: 
 Meine tausendjährige Eiche 4/996. Foto von heute.
Mein Weihnachts- oder Osterkaktus. Dieses Ding ist viele Jahre alt. Es stand im Haus und blühte nie. Letzten Herbst dachte ich: raus mit dir, du faules Ding. Friss oder stirb.
Er verbrachte den Winter also im Freien, direkt am Fenster des Arbeitszimmers. Er überlebte und blühte im späten Frühjahr wie bekloppt. Merke für nächsten Winter: Draußen, aber vor Frösten geschützt.
 Brombeeren, gezogen aus einem im Boden bewurzelten Ästchen. Rekordernte vor ein paar Jahren: 11 kg.
Oleander. Foto von heute, gestern hatten wir ein Unwetter, bei dem die Blüten gelitten haben. Abgeschnittenes Ästchen in ein Glas Wasser gestellt, irgendwann kamen Würzelchen. Bei dieser Vermehrungsmethode muss man echt Geduld haben. Und manchmal wird es natürlich auch nichts, wie zuletzt bei den Ästchen einer besonders guten Minze, die mir eine Freundin gegeben hatte. Obwohl Minze normalerweise eine sehr sichere Bank ist, gingen die Ableger sang- und klanglos ein.
Und weil er heuer gar so schön da steht: Unser Zitronenbaum. Vor vielen Jahren gekauft, ein ewiges Sorgenkind. Der hat, glaube ich, schon alle Krankheiten gehabt, die ein Zitrusbaum haben kann. Ich will ihn jedoch nicht spritzen, damit ich verwendbare, natürliche Zitronenschalen ernten kann. M.-L. hat mal persönlich sämtliche Schildläuse, die er damals hatte, abgelesen. Theoretisch ist es ein schönes Stämmchen mit einer schönen Krone. Ich ließ dieses Jahr jedoch alle Triebe unten rauswachsen, er wird also langsam zum Busch, aber dafür ist die Zitronenausbeute für seine bescheidenen Verhältnisse riesig. Das Bäumchen hatte vielleicht einfach nur Probleme mit seiner Identität und wollte lieber ein Busch sein.
Und zum Schluss noch unsere Esskastanie, die auch schon etliche Jahre auf dem Buckel hat. Die ersten verbrachte sie in einem Blumentopf. Sie wurde von einem Nachbarn aus einer Kastanie gezogen. Heuer trägt sie zum ersten Mal. Wenn Ihr genau hinschaut, seht Ihr vielleicht die grünen, stacheligen Hüllen. Ein Freund hat gesagt, Esskastanien müssten unbedingt veredelt werden, sonst bekämen sie nur kleine, minderwertige Früchte. Naja, wir werden bald sehen, nicht wahr?
 So, das war's mit meinem kleinen Überblick über mehr oder weniger gelungene botanische Experimente (von den misslungenen Experimenten bleibt ja meist nicht mehr als ein wenig Kompost, hahaha).

Samstag, 12. Juli 2014

IX. Lustiger Wortwechsel

Bei uns ist es ungewöhnlich, dass eine Frau fährt, wenn ein Mann im Auto ist. Ich fahre mit meinem Sohn einkaufen.
"Warum fahre eigentlich ich?" frage ich.
"Ich habe meine Brille nicht dabei," antwortet mein Sohn.
"Und ohne Brille kannst du nicht fahren?" frage ich.
"Doch, ich sehe halt bloß nichts," antwortet er. Hahahahahaha.

Donnerstag, 10. Juli 2014

VIII. Sehr lustig

Ich glaube, man versteht dieses 32 Sekunden lange Video auch, wenn man der spanischen Sprache nicht mächtig ist. Worum geht es? Radioübertragung: Kolumbien spielt gegen Deutschland und hat ein Tor geschossen. Der kolumbianische Komiker macht sich über die in Spanien ebenfalls verbreitete Sitte von Fußballkommentatoren lustig, nach einem Tor gefühlt minutenlang Goooooool zu schreien und in Emotionen zu versinken. Aus lauter Liebe zu seinem Vaterland und überwältigt vom Erfolg seiner Mannschaft bricht er sogar in Tränen aus. Am Schluss des Videos resümiert er den Spielstand. Falls Ihr die letzten vier Worte, die sehr einfach sind und in denen sich der Gag versteckt, nicht versteht, klickt auf die Kommentarfunktion, dort gebe ich sie wieder.  

Mittwoch, 9. Juli 2014

7:1 gegen Brasilien, ein historischer Tag! (Ist übrigens Nr. VII)


Fido im Freudenrausch!

Von diesem Ergebnis wird man noch lange, lange sprechen. 

Mein jüngster Sohn ist Betreuer in einem Ferienlager, in dem es weder Handy-Empfang noch Internet noch Fernseher gibt. Die wissen womöglich gar nicht, was sie verpasst haben. Letztes Jahr waren sie an einem Ort, wo sie Empfang hatten, wenn sie auf einen bestimmten Berg stiegen, ich glaube jedoch, dass sie heuer woanders sind (mit noch weniger Empfang). Vielleicht haben sie das Spiel in einer Dorfkneipe gesehen... Naja, wir werden es erfahren, wenn er wieder kommt, so, wie das früher war. Ging auch.

Donnerstag, 3. Juli 2014

Lustiger? Wortwechsel

Mein Gatte (52) und ich (50) sitzen auf dem Sofa und schauen fern. Das Telefon klingelt, mein Bruder ist am Apparat. Ich erzähle: "Wir sitzen hier wie ein altes Ehepaar." Mein Bruder: "Ihr sitzt da nicht wie ein altes Ehepaar, ihr seid ein altes Ehepaar!" Uuuaaaahhhhhhh!!! (Das kriegt jetzt aber wirklich keine römische Ziffer.)

Freitag, 27. Juni 2014

VI. Erfrischender Artikel gestern in "El País"

In unserer Welt, in der alles reglementiert und zertifiziert ist bis zum Abwinken, gibt es sie doch noch, die Horte der Verrücktheit und Anarchie, z.B. am spanischen Rechnungshof. Gestern in der Zeitung "El País" ein Artikel, nämlich hier klicken, in dem das schön dargelegt wird. Überschrift: Nur fünf der sechzig Informatiker des Rechnungshofs sind Fachleute. Ich fasse mal rasch das wichtigste zusammen: Der Rechnungshof hat 700 Mitarbeiter, davon sind 100 Familienangehörige der Führungskräfte. Dort arbeiten unter anderem die Schwester, der Bruder, der Sohn, ein Schwager und noch ein Schwager sowie der Neffe des Betriebsratsvorsitzenden, die Exfrau, der Sohn aus erster Ehe, die Tochter aus erster Ehe, die zweite Frau, die Schwiegertochter, die Schwägerin, der Neffe, noch ein Neffe und ein enger Freund des ehemaligen Betriebsratsvorsitzenden, sowie viele Angehörige anderer leitender Mitarbeiter. Das ist in einem Schaubild, das zum Artikel gehört, teilweise dargestellt. Sogar der Bruder des ehemaligen Präsidenten Aznar und die Gattin des spanischen Botschafters in England (der, so unglaublich das scheinen mag, nicht Englisch spricht), sind dort tätig.
In seiner Abteilung für elektronische Datenverarbeitung beschäftigt der Rechnungshof sechzig Mitarbeiter, von denen die meisten nur über einen Hauptschulabschluss (graduado escolar) verfügen, manche haben auch Abitur. Ihre Kenntnisse beschränken sich auf die Benutzung von Windows. Ein Teamleiter in dieser Abteilung verdient um 3000 Euro. Der Rechnungshof muss auf externe Dienstleister und Informatiker aus anderen Ministerien zurückgreifen. "Praktisch alle Mitarbeiter sind nicht für diese Posten geeignet", zitiert El País aus einem Bericht, den der stellvertretende Leiter des Zentraldienstes für Informatik der Staatsverwaltung erstellen ließ. Von 60 Informatikern haben nur fünf Informatik oder Telekommunikation studiert. Die anderen können Windows benutzen. 
Bei den Leserkommentaren schreibt einer, dass es für das spanische System unerlässlich ist, dass der Rechnungshof wirkungslos sei. Wenn da kompetentes Personal arbeiten würde, wäre es ein Desaster für die politische Kaste, und damit der Rechnungshof eine solche Nullnummer bleibt, müssten die schlechtest möglichen Mitarbeiter ausgewählt werden. 
Da könnte was dran sein, ne? Das würde so manches erklären.
Wer jetzt meint, dieser Blogeintrag sei negativ: Neeeeeee! Ich finde diese Dreistigkeit einfach geil. Der Mut, der dazu gehört, eine für spanische Verhältnisse hochdotierte Stelle anzunehmen, für die man überhaupt nicht qualifiziert ist! Und ich mache mir ins Hemd, wenn ich einen Adventskranz binden soll, weil ich meine, er wird nicht rund genug! Ich finde diese Zustände lustig und den Artikel wirklich erfrischend, denn normalerweise wird das Thema Unfähigkeit und Vetternwirtschaft in Spanien nicht öffentlich angesprochen.

Donnerstag, 26. Juni 2014

V. Es war echt Zufall!

Heute früh habe ich mir in aller Ruhe Zwieback bestrichen, mit Blaubeer-, Erdbeer- und Orangenmarmelade, und plötzlich hatte ich das hier auf meinem Brettchen:
Ts. Mein Gatte meint, da wäre mein Unterbewusstsein am Werk gewesen, aber ich glaube, es war wirklich nur Zufall.

Mittwoch, 25. Juni 2014

IV. Fußball-Weltmeisterschaft 2014

Wie auch seine Herrchen ist Fido enttäuscht über das frühe Ausscheiden der spanischen Nationalmannschaft. Hier seht Ihr, wie er traurig seine Schnauze im Sofa vergräbt.
Aber hey, er hat ja noch ein Trikot im Schrank! Hehehe, da wechseln wir doch mal rasch. Wofür hat man denn zwei? Jetzt blickt er wieder zuversichtlich in die Kamera.
Und so sah es in Spanien vor vier Jahren aus: In unserem Dorf waren fast alle Balkone beflaggt:



  Mann, waren das Zeiten! Und es ist als wäre es gestern gewesen. 
(Ist ein positiver Blog-Eintrag, oder? Die Erinnerung an die phantastische Stimmung vor vier Jahren, Fido immer schick... Deutschland hat noch gute Chancen... Also kriegt der Eintrag eine römische Nummer.)

Sonntag, 15. Juni 2014

III. Spanische Spezialitäten: Altramuces

Altramuces auf einem von den neuen Keramikschälchen aus Sevilla
Altramuces (sprich wie geschrieben, aber das "c" wie das "th" im Englischen. Wenn das zuviel verlangt ist, dann das "c" wie "s", also "Altramuses". "C" im Spanischen vor "e" und "i" immer wie tiäitsch, ansonsten wie "k"). Altramuces also sind die Samen der weißen Lupinen. Sie sind so ähnlich wie dicke Bohnenkerne. Früher waren sie in Spanien eine Speise für die Armen, heute werden sie als Knabberzeug gegessen. Man isst nur den Kern und wirft die Schale fort. Man schält sie mit Hilfe der Zähne.
Zu den Altramuces gibt es eine schöne Geschichte, die mein Gatte gern erzählt. Sie erscheint in einer Geschichtensammlung von Don Juan Manuel aus dem 14. Jahrhundert, die El Conde Lucanor heißt und zur bedeutendsten Prosa des spanischen Hochmittelalters zählt (trotzdem gut):
Ein reicher Mann hat sein Vermögen verloren. Das Einzige, was er noch zu essen hat, ist ein Beutel voll Altramuces. Sich selbst bemitleidend läuft er einen Weg entlang. "Ach, ich armer, armer Teufel. Alles ist Scheiße. Was geht es mir so schlecht. Viel schlimmer kann es nicht mehr werden. Was hab' ich doch für ein Pech!" In solche Gedanken versunken kaut er auf seinen Altramuces herum und spuckt die Schalen auf den Weg. Nach einer Weile bemerkt er, dass ihm jemand folgt. Jemand, der noch ärmer ist und nichts anderes zu essen hat als die Schalen der Altramuces, die auf dem Boden liegen.                                          
Altramuces sind in allen spanischen Supermärkten erhältlich (normalerweise bei den Oliven).

Mittwoch, 11. Juni 2014

II. Wir waren wo - und zwar in Sevilla


Ja, liebe Leser, wir waren wo, und zwar in Sevilla. Am Samstag früh fuhren wir los, am Dienstag früh fuhren wir zurück. Am Dienstag mittag waren wir in Mérida, aber davon erzähle ich Euch (vielleicht) ein anderes Mal. 
Ich war von Sevilla positiv überrascht. Wir waren vor der Hitze gewarnt worden, das Wetter war aber sehr angenehm: um dreißig Grad, aber in den engen Gassen war überall Schatten, es wehte ständig eine leichte Brise, es gab sehr viele Brunnen, auf den breiteren Straßen stehen massenweise Orangenbäume (tooolll, es sind nämlich keine gewöhnlichen Orangenbäume. Die Früchte riechen wunderbar, ein bisschen wie Mandarinen. Ich habe mir ein paar Kerne mitgenommen, die ich in die Erde stecken werde. Mal sehen, was daraus wird. Leute, wie muss es hier erst duften, wenn die Bäume blühen!) Kennt Ihr das berühmte Lied von Los del Río (das sind die von "Macarena") Sevilla tiene un color especial (Sevilla hat eine besondere Farbe)? Das stimmt auch. Mein Gatte fragte mich, was mir in Sevilla am besten gefallen hätte und auch nach längerem Überlegen konnte meine Antwort nur lauten: Die Farbe des Himmels und die Palmen und Gärten davor. Sevilla hat wirklich ein besonderes Licht.
Okay, fangen wir an mit dem, was wir gesehen haben: Auf dem ersten Bild seht Ihr die berühmte Kathedrale und ihren Glockenturm, ein ehemaliges Minarett.
La Giralda
Das zweite Bild zeigt den Blick vom maurischen Palast Reales Alcázares zurück zur Giralda. Wunderschöne Gebäude, Palme, Himmel, vielleicht wird hier ein bisschen deutlich, was ich meine.

Und hier ein Blick in die andere Richtung, in die traumhaften Gärten der Reales Alcázares. Hier kann man sich vorstellen, wie Prinzen und Prinzessinnen an heißen Tagen zwischen üppigen Pflanzen lustwandelten, begleitet vom Murmeln der vielen Brunnen... Du meine Güte, wenn es eine Stadt gibt, die zum Entspannen einlädt, dann ist es diese!
Unterhalb des Palasts befand sich dieses Gewölbe, das sich in der Zisterne spiegelte. Sieht es nicht beinahe verwunschen aus?
Das haben wir auch im Garten des Palastes gesehen. Was ist es? a) ein Dinosaurierfuß; b) ein besonders schwerer Fall von Elephantiasis; c) mal wieder meine Fußzehen; d) ganz was anderes
d) ganz was anderes, nämlich Baumwurzeln, hahaha.
Blick auf den Innenhof des Hotels Alfons XIII. Wir nahmen dort eine Erfrischung zu uns. Ein Hamburger oder ein Sandwich mit allem Pipapo kostet dort so um die zwanzig Euro. Dafür bekommt Ihr Genuss pur. Es ist ein herrlicher Ort. In den Ecken stehen schöne Pflanzen, in der Mitte sprudelt ein Brunnen. Habe ich schon erwähnt, dass Sevilla eine Stadt ist, die extrem zum Ausruhen einlädt?
Weiter geht's im Park María Luisa. Dort gab es diese schönen, gekachelten Bänke (und gekachelte Geländer und also mögliche sonstige Gekachelte).
Und Pferdekutschen...
Wir entschieden uns aber für eine Fahrt auf einem Fahrrad für sechs Personen (mein Bruder mit seiner Gattin und seinen zwei Kindern, mein Gatte und ich, je zwei in drei Reihen, das Ganze überdacht, 30 Minuten = 20 Euro). Leute, wir haben so gelacht auf dieser Fahrt... Wir fuhren flott dahin, da war plötzlich vor uns ein Zweierfahrrad (nebeneinander sitzendes romantisches Pärchen). Mein Bruder und mein Gatte fühlten sich bemüßigt, die beiden zu überholen und traten heftiger in die Pedale. Das war an sich schon lustig. Wir fuhren dann wieder gemütlich weiter, plötzlich kam von hinten das Pärchen angebraust, überholte uns heftig gestikulierend und raste davon. Was sich bei den beiden zwischen dem Moment, als sie von uns überholt wurden, und dem Moment, als sie zu rasen begannen, abgespielt hat, können wir nur erahnen. 
Die Kathedrale haben wir nicht nur von außen angeschaut, sondern auch von innen. Sie ist riesig! Falls Ihr hinfahrt, plant viel Zeit ein! In der Kathedrale befindet sich auch die Grabstätte von Christoph Kolumbus. Siehe unten. Schön, ne?
Die Giralda, den Turm der Kathedrale, kann man besteigen. Einen Aufzug gibt es nicht, aber auch keine Treppenstufen. Man erklimmt den Turm auf Rampen. Von oben hat man eine wunderschöne Aussicht, z.B. auf die Dachterrassen von Sevilla...
und die Stierkampfarena, in der wir eine Führung mitmachten, spanisch und englisch. Ich setzte mich auf einen Platz in dem Bereich, in dem die Herzogin von Alba normalerweise Platz nimmt.
Blick von oben auf das Dach der Kathedrale:
"Und zu Futtern gab's nix?" werdet Ihr Euch spätestens jetzt fragen. Am ersten Tag aßen wir die andalusische Spezialität Tortillitas de Camarones, auf die sich mein Gatte sehr gefreut hatte. Das sind kleine Pfannkuchen mit Krabben. Sie sehen so ähnlich aus wie Kartoffelpfannkuchen und sind leeecker!!! Dazu gab es noch Pescaditos fritos, frittierte Fischchen, ebenfalls eine andalusische Spezialität. Abends gönnten wir uns eine gemischte Platte Montaditos, das sind kleine, belegte Brote. Die meisten waren mit den in Spanien üblichen Belägen versehen, z.B. Olivenöl, Tomatenmus und Schinken, Mayo und Thunfisch, usw. Ein Montadito ragte aber heraus: Süße Kondensmilch (vom schon häufiger erwähnten Typ "Milchmädchen") und Anchovis!!! Und das war guuut! Man sollte es nicht glauben, nicht wahr, klingt total beschissen, aber... Und natürlich verleibte ich mir auch einen Teller Salmorejo ein, das ist eine kalte Suppe/ein Püree aus Tomaten, Brot, Olivenöl, Essig, Knoblauch und Salz. Ich muss gestehen, dass ich gelegentlich das fertige Salmorejo von Mercadona kaufe, das sehr gut ist. Ich lege dann einfach nur noch ein hartgekochtes Ei in Scheiben und ein paar Streifchen Serrano-Schinken obendrauf und fertig.
Ich habe in Sevilla auch ordentliche Lammkotelettchen gegessen, verhungern muss dort keiner, aber Ihr wisst ja, wie das ist mit dem Essen in Touristengegenden, mal hat man Glück, mal nicht so. Ach übrigens, was ich Euch noch nicht gezeigt hatte: Unser Hotelzimmer!
Im Hotel "Europa" in der Calle Jimios. Zentraler geht's nicht. 55 Euro die Nacht, ohne Frühstück, plus 17 Euro pro Nacht für das sehr enge Parkhaus. Wenn Ihr ein großes Auto habt, rate ich von diesem Parkhaus ab. Gutes spanisches Frühstück mit guter Bedienung gab's gleich, wenn man rauskommt, rechts um die Ecke, in der ersten Gaststätte. Übrigens: Ich wollte das Hotel im Internet reservieren, rief dann aber an, um wegen der Parkmöglichkeiten zu fragen. Ich wurde gefragt, für wie viel ich das Zimmer im Internet buchen würde. Ich sagte "Für 65 Euro". Daraufhin bot mir meine Gesprächspartnerin das Zimmer 10 Euro billiger an. Bloß, dass Ihr's wisst. In Frankreich ist mir allerdings auch schon das Gegenteil passiert, nämlich dass ich beim Hotel buchen wollte und dann darauf hingewiesen wurde, dass es im Internet 10 Euro billiger sei.
Ein Ausflug führte uns in das Stadtviertel Triana auf der anderen Seite des Flusses Guadiana. Dort stießen wir auf die Werkstatt eines Herrgottschnitzers! Triana ist nicht nur als Heimat von Toreros, Flamencosängern und Seefahrern berühmt (der Typ, der als Erster "Tierra!!!" gerufen hat, als Amerika entdeckt wurde, war Rodrigo de Triana), sondern auch für seine Keramikwerkstätten. Ich wollte mir dort Kacheln mit einer Muttergottes drauf für eine Wand im Hof kaufen, aber ich habe nicht genau das gesehen, was ich wollte, also kam ich mit etwas anderem zurück, nämlich mit einer Tortillaplatte und bunten, fröhlichen Keramikschälchen für die Knabbersachen für die Fußballweltmeisterschaft, die ja morgen beginnt. Ich werde Euch noch Bilder davon zeigen.
Das Bild unten zeigt den Goldturm, den Torre de Oro, den man besonders gut von den Brücken oder vom Fluß aus sieht (eine Bootsfahrt haben wir natürlich auch gemacht).
So, und auf dem letzten Bild seht Ihr die Kathedrale bei Nacht, aufgenommen von der Dachterrasse eines Hotels aus, auf der wir uns ein paar Erfrischungen gönnten. Drinks auf Dachterrassen, das hat sowas Erhabenes, stimmt's? Es ist etwas ganz Besonderes (für uns zumindest, es war erst unser zweites Mal).
Und das war's auch schon mit meinem Reisebericht. Nein, ich habe wichtige Sachen vergessen: wir haben auch die "Esperanza de Triana" und den "Jesús del Gran Poder", zwei der wichtigsten Figuren der Prozessionen der Karwoche gesehen. Wenn ich da jetzt auch noch was dazu schreiben würde, würde es zuviel. Also, zusammenfassend meine ich, dass Sevilla auf jeden Fall eine Reise wert ist, wobei man die Sommermonate sicher meiden sollte.

Montag, 2. Juni 2014

I. Wunderschönes Wort gefunden: Rügeobliegenheit

Heute ist mir dieses wunderschön klingende Wort begegnet: Rügeobliegenheit. Ja, ich muss Euch gestehen, ich kannte es vorher nicht. Ich zitiere die Bedeutung aus Wikipedia: "Beim Handelskauf trifft den Käufer die Obliegenheit, die Ware unverzüglich zu untersuchen und, wenn er Mängel feststellt, diese zu rügen. Unterlässt er dies, verliert er v.a. sein Recht auf Gewährleistung." Zu Deutsch: Wenn man etwas kauft, muss man gleich schauen, ob es okay ist, später kann man nicht mehr reklamieren. So verstehe ich es wenigstens. Genaueres findet man im § 377 des Handelsgesetzbuches (nicht gelesen). Es geht ja auch nicht um die Bedeutung des Wortes, sondern um seinen Klang: Rügeobliegenheit. Es gibt auch die Mängelrügeobliegenheit, die finde ich aber ein bisschen too much.  
Leider, leider kann ich mir keine Alltagssituation vorstellen, in der ich dieses Wort verwenden kann. Schade. Oder doch? T-Shirt gekauft, zu Hause festgestellt, dass eine Naht nicht richtig geschlossen ist: "Ich sollte meiner Rügeobliegenheit nachkommen!" Geht doch, oder? Ah, die Freude an den kleinen Dingen des Lebens, wie zum Beispiel schöne Wörter.