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Samstag, 18. April 2020

Tag 34 der Quarantäne

Ana, die Nachbarin unserer Nachbarin, hatte schon angefangen, die Tage rückwärts zu zählen. Am 26. sollte die Quarantäne enden. Jetzt verdichten sich die Gerüchte, dass sie bis zum 11. Mai verlängert wird. Morgen soll es offiziell verkündet werden. Und was kommt danach? Weiß man nicht. In Deutschland darf man wenigstens zum Sport und zum Spazierengehen raus, hier nicht.
Jemand hat mir erzählt, dass er erwägt, in den Zweitwohnsitz in unserer Siedlung zu kommen, wo er einen Garten hat und auch einen Heimtrainer. Gerade gestern ist aber verkündet worden, dass die Strafe für den Versuch, einen Zweitwohnsitz zu erreichen, 1500 Euro beträgt, falls man erwischt wird. Ich hatte der in Rede stehenden Person versichert, die Leute in unserer Siedlung würden garantiert nichts verraten, aber nachdem, was mir heute erzählt wurde, bin ich mir nicht mehr sicher: Eine Freundin in unserer Straße hatte ihren hochbetagten Vater, der allein in der Stadt lebte, für die Zeit der Quarantäne zu sich geholt. Einmal am Tag ging er mit seinem Rollator knapp 100 Meter weit spazieren, 100 Meter hin, 100 Meter zurück. Ein Anwohner beobachtete dies und beschimpfte ihn wüst: Verantwortungslose Menschen wie er seien daran schuld, dass wir alle eingesperrt seien. Danach traute er sich nicht mehr hinaus.
Die Karwoche ohne Prozessionen war unspanisch. Im Fernsehen wurden Prozessionen aus vergangenen Jahren übertragen. In der Nacht vom Gründonnerstag auf Karfreitag wurde die berühmteste aller Prozessionen, die Madrugada in Sevilla, von 2018 gezeigt. 
Die Sorge, ob es wohl regnet oder nicht, die die Teilnehmer in Salamanca fast jedes Jahr quält, hatten sie dieses Jahr nicht. 
Der Papst bei seinen Gottesdiensten fast allein im Petersdom. Diese Bilder werden sich einem auch ins Gedächtnis einprägen. 
Naja, wir versuchen, es uns zuhause so gemütlich wie möglich zu machen.
Am Karfreitag kochte ich die typische spanische Karfreitagssuppe: Stockfisch, Kichererbsen, frischer Spinat, Kartoffel und Rosinen. Da ich keinen Stockfisch hatte, verwendete ich Thunfisch aus der Dose, frischen Spinat hatte ich auch nicht, den ersetzte ich durch Tomaten, die Rosinen passten nun aber gar nicht mehr dazu und obwohl ich welche hatte, ersetzte ich sie durch eine rote Paprikaschote. Kichererbsen und Kartoffeln waren aber drin in meiner Potaje de vigilia. Das gekochte Ei obendrauf zur Deko hatte ich bloß vergessen.


Am Ostersonntag gab es einen Salat in Frühlingsfarben als Vorspeise: 


Mein Gatte sagte, ich solle nicht unsere Gesundheit in Gefahr bringen, um Lamm zu kaufen. Also taute ich eine Hirschkeule auf. Sie war wunderbar zart. Ich hatte sie im Le Creuset-Topf im Ofen zubereitet. 


Da wir auch keine Gelegenheit hatten, Ostereier zu kaufen, backte ich nach dem Rezept für fränkische Hausfreunde ein paar Plätzchen: Es ist Buttergebäck mit Marmelade und Marzipan gefüllt und mit Schokoguss verziert.


Ja, das hausgemachte Ostergebäck erklärt so manches: Als ich unser Bankkonto am Computer prüfte, stand da so ziemlich in der Mitte ein Posten 0,00 Euro, der mir noch nie aufgefallen war. Ich schaute genauer hin: Es waren die mit dem Kärtchen getätigten Ausgaben. Da steht nie 0,00. Es ist der 17. des Monats und wir haben noch nichts ausgegeben. Und wir sind sicher nicht die einzigen. Gut für die Wirtschaft ist das nicht.  

Samstag, 11. April 2020

Tag 28 der Quarantäne

Was machen wir den ganzen Tag? Zuerst einmal: Ich bin eh sehr häuslich und arbeite sowieso von zuhause aus, von daher... und dann fehlt ja auch unsere Perle und ich muss selber saubermachen.  Und von den 100 Tonnen Staub, die Tag für Tag aus dem Weltraum auf die Erde rieseln, landet ein guter Teil in unserer Wohnung. Mein Gatte und mein Sohn arbeiten auch von zuhause aus und stellen außerdem mit dem 3-D-Drucker Teile für Gesichtsschutzmasken her. Siehe unten.


An diese Dinge werden die durchsichtigen Plastikschilde "geknöpft", hintenherum kommt ein Gummi. Fertig. Sie haben auch schon komplette Schilde hergestellt, es wurde aber kein Foto davon gemacht. Bisher haben 150 Stück unser Haus verlassen. Die ersten gingen an Krankenhäuser, jetzt gehen sie hauptsächlich an Altenheime und sonstige Einrichtungen, Apotheken usw. Die ersten Plastikschilde wurden von Copyshops gespendet. Es sind die Plastikblätter, die Titelseiten abdecken. Mein Sohn ist Teil eines Netzwerks, das sich um die Herstellung und Verteilung kümmert. Die Schutzschilde werden sehr gelobt. Total positiv.
Durch das Eingesperrtsein wird man ja auch ein kleines bisschen verwirrt. Letzte Woche habe ich Minilebkuchen gebacken, siehe unten. Lebkuchen unterm Flieder statt unterm Weihnachtsbaum, hahaha. Heute will ich aber auch noch etwas Österliches backen.


Dann habe ich noch 'n büschen Deko gemacht, siehe unten. Die Eier sind alle vom Dachboden, ausgeblasen. Die Wirtschaft hat aber durch meine Wiederverwendung von Vorhandenem keinen Schaden erlitten, ich hätte heuer eh nichts neues gekauft.



Dann haben wir auch noch Speisen verkostet, zum Beispiel das Joghurt von Danone mit Cheese Cake-Geschmack, das überraschenderweise ganz leicht nach Chorizo schmeckte und roch. Außerdem haben wir noch eine Ochsenschwanzsuppe getestet, aber die bekommt einen eigenen Eintrag.

Sonntag, 20. April 2014

Semana Santa - die Karwoche in Salamanca II

So, hier die Bilder von gestern. Die Prozession der Bruderschaft Nuestra Señora de la Soledad, die um Mitternacht begann und wohl um fünf Uhr morgens endete.Wir waren in der Straße Palominos, in der man auch einen schönen Blick auf die Clerecía, die Kirche im Hintergrund, hat.
Wir warten auf die Prozession. Zeit für ein Schwätzchen und den Austausch von Anekdoten. Hier gebe ich eine wieder: Eine der Bruderschaften, nämlich die Hermandad de Nuestro Padre Jesús del Perdón,  lässt alljährlich einen Gefangenen aus der hiesigen Justizvollzugsanstalt begnadigen. Der Freigelassene läuft dann mit dem Capirote genannten spitzen Hut bei der Prozession dieser Bruderschaft mit. Einmal nutzte der frisch begnadigte, ehemalige Strafgefangene das Durcheinander nach der Prozession, um die Brüder zu bestehlen und wurde umgehend wieder festgenommen.   
 Die Vorhut der Prozession.
 Die Bruderschaft "Unsere liebe Frau von der Einsamkeit".
Hier ihr zweiter Paso, der vor wenigen Jahren angeschafft werden musste, weil gar so viele Leute tragen wollten. Die dicken Engelchen werden im Volksmund "Los Tocinillos", "Die Speckbröckelchen" genannt.
 Eine der Musikgruppen. Diese Prozession ist riesig. 
 Eine Gruppe Damen mit Mantillas. Das ist für Salamanca ziemlich untypisch.
 Und dann kam sie endlich, Nuestra Señora de la Soledad.

Und da geht sie hin. Dies ist die beliebteste und am meisten verehrte Darstellung der Muttergottes in Salamanca. Man kann die Figur immer anschauen, wenn sie nicht gerade in den Straßen ihrer Stadt unterwegs ist. Sie steht in der Kathedrale vorn links in einer eigenen Kapelle, wo man ihr auch Kerzen anzünden kann. Die Figur stammt aus dem Jahr 1941. 
Nächtliche Impression aus Salamanca. Der Turm der neuen Kathedrale (ja, man kann ihn besteigen).
Hier seht Ihr La Soledad ein paar Stunden später auf der Plaza Mayor. Wenn sie vor dem Rathaus eintrifft, werden die Lichter abgeschaltet und eine Sängerin singt ein Ave María. Da war es fast vier Uhr morgens. Bedenkt, dass bei dieser Prozession auch etliche Kindergruppen dabei sind! Anschließend gingen wir noch eine heiße Schokolade trinken, dann machten wir uns auf den Weg nach Hause. Die Semana Santa in Salamanca, man kann sie nicht genug empfehlen.

Freitag, 18. April 2014

Semana Santa - die Karwoche in Salamanca

Wie ich Euch schon vor drei Jahren angedeutet habe, nämlich hier, ist die Semana Santa, die Karwoche, in Salamanca weiterhin ein absoluter Geheimtipp. Hier ein paar Bilder von gestern:
Wir waren in der Straße Tentenecio, ziemlich weit oben. Als erstes wurde der gekreuzigte Christus vorbeigetragen. Unten seht Ihr die Träger.
 Dann kam eine Musikkapelle.
Die Stelle, an der wir über eine Stunde warteten, bis die Prozession kam, ist die beste Stelle auf dem ganzen Weg. Es ist beeindruckend, wenn die Prozessionsfigur, von vielen Kerzen beleuchtet, um die Ecke kommt. Vom Dach des Hauses wurden Blütenblätter geworfen, die Musik spielte, nämlich diesen Prozessionsmarsch (hier klicken), der berühmt ist und "La Saeta" heißt. Joan Manuel Serrat hat mit dieser Melodie ein Gedicht von Antonio Machado vertont. 
Die Muttergottes, die Ihr unten seht, wird nur von Frauen getragen. Der Nachteil dieser engen Stelle, an der nur eine Reihe Zuschauer erlaubt ist, war, dass in dem Moment, als die Heilige Jungfrau um die Ecke kam, plötzlich zig Fotografen von irgendwo angeschossen kamen und sich vor die Zuschauer stellten. Fotografen mit professionellen Kameras, denn die Zuschauer mit ihren Handy- oder Klickkameras, die brav an ihrem Platz stehen bleiben, stören ja keinen. Ich frage mich, wo diese Bilder erscheinen werden. Wenn sie dazu dienen, ausländischen Touristen die Schönheit und Würde der Semana Santa in Salamanca nahezubringen, dann wäre das ja wunderbar.  


Eine weitere Musikgruppe:
Dies war die Prozession von El Arrabal. Dieser Stadtteil liegt auf der anderen Seite des Tormes und die Prozession kommt über die römische Brücke in die Stadt herein. 
Heute abend gehen wir wieder zu einer Prozession. Sie beginnt um Mitternacht, wenn Nuestra Señor de la Soledad in einem Blütenregen die Kathedrale verlässt. Das erinnert mich an eine Anekdote, die wir vor ein paar Jahren in der Karwoche erlebten. Wir warteten auf der Plaza de Anaya, direkt vor der Kathedrale, auf den Beginn einer Prozession. Am Himmel war eine große, schwarze Regenwolke aufgezogen und bei Regen dürfen die Pasos, die Prozessionsfiguren, nicht hinaus, damit die teilweise Jahrhunderte alten Figuren nicht nass werden. Man wartete also erst einmal ab. Schließlich schien die Wolke vorüber zu ziehen und die Prozession kam heraus. Kaum war der größte Teil der Teilnehmer und der eine oder andere Paso draußen, als ein heftiger Platzregen einsetzte. Die riesige Prozession kehrte stehenden Fußes um, was an sich schon sehenswert war, die Zuschauer strömten ebenfalls Schutz suchend in die Kathedrale. Es schüttete, was vom Himmel konnte, und die Mitglieder der Bruderschaft und die Zuschauer füllten gemeinsam das riesige Gotteshaus, während es draußen blitzte und donnerte. Nach einer Weile war der Spuk vorbei, das Publikum ging zuerst hinaus, die Prozession begann endlich. War irgendwie gut.

Montag, 25. März 2013

Osterdeko



Ich habe meinen Båmbustøllär wieder schön jahreszeitlich dekoriert. Die Eier sind alle ausgeblasen und können mehrfach verwendet werden (juhuu!). Heuer neu hinzugekommen: Die blau gefärbten Eierschalen. Diese Idee habe ich auf Martha Stewarts Webseite gesehen, nämlich hier. Ich finde, die Schalen sehen echt gut aus, irgendwie natürlich. Bei den kleinen Eiern handelt es sich um Wachteleier. 
Mein Tipp: Wenn Ihr irgendwann im Laufe des Jahres viel Zeit habt und einen Kuchen oder ein Gericht mit vielen Eiern zubereitet, dann blast diese aus und hebt sie im Eierkarton bei den Dekoartikeln auf. Wenn dann vor Ostern Eier gefärbt werden, dann färbt ihr die ausgeblasenen einfach mit. Nach Ostern wieder im Eierkarton aufbewahren. Ja, da muss man erstmal draufkommen (Spässle).


Freitag, 6. April 2012

Ostervorbereitungen - Der Weg ist das Ziel

So, am Donnerstag habe ich mein Osterbrot gebacken. Der Teig war nicht fest genug, um einen Laib zu formen - obwohl ich vergessen hatte, Orangenmarmelade reinzutun. Anstatt mehr Mehl hinzuzufügen, entschied ich mich dafür, ihn in einer Form zu backen. Als ich ihn zum Abkühlen vor's Küchenfenster stellte, sah das neben den Primeln so süß aus, dass ich natürlich gleich ein Foto machen musste. Ich hatte jedoch ein bisschen Bedenken, ob ich das Ding gut aus der Form bringen würde. Ich habe da schon das eine oder andere "Desaster" erlebt. Aber ...


Er ging super aus der Form! Er sprang mir praktisch entgegen (ich hatte die Form sorgfältig mit Butter eingestrichen und mit Semmelbröseln bestreut, was aber auch keine Erfolgsgarantie ist).


Mit meinem Osterkranz aus demselben Teig (+ etwas Mehl) bin ich auch zufrieden:



Am Karfreitag, also heute, standen wir um acht Uhr auf. Als wir aus dem Schlafzimmerfenster schauten, erwartete uns folgender Anblick:



"Jo, ist denn schon We-ihnachten!" (Franz Beckenbauers Stimme). Es hatte geschneit! 
Eine weitere Osterprozession, eine der größten, die morgens um fünf hätte beginnen sollen (und fünf Stunden dauert), musste abgesagt werden, denn die kostbaren, alten Holzfiguren können natürlich nicht durch den Regen bzw. Schnee getragen werden. Und auch die Kleidung der Mitglieder der Bruderschaften, zu denen die berühmten hohen, spitzen Hüte gehören, ist nicht wettertauglich. Schade!

Wir haben dann mal begonnen, Eier zu bemalen. Das haben wir bisher:


Nicht so der Brüller, oder? Hier in Spanien gibt es mittlerweile nur noch braune Eier. Einen Teil hatte ich mit einer grünen Farbtablette gefärbt und erhielt dann dieses (ziemlich hässliche und unösterliche) olivgrün bzw. bundeswehrgrün. Das eine Ei wurde dann auch gleich in Tarnfarben gestaltet. Das findet am Sonntag keiner, hehehe. Rosa ist nicht ganz so schlecht, färbte aber auch nicht genug. Ich habe jetzt nochmal eine Ladung Eier in das kalte rosafarbene Wasser gelegt, darin sollen sie erstmal ein paar Stunden liegen, danach werde ich sie nach Vorschrift kochen. Mal sehen, wie das wird. Viel Spaß bei Euren Vorbereitungen!

Montag, 26. März 2012

Ostervorbereitungen

Frühlingsdeko der Marke "Kost' nix": Blühende Blutpflaumenzweige
Nächsten Sonntag ist Palmsonntag! Der Weckruf/Warnschuss, der uns darauf hinweist, dass bald Ostern ist. Spätestens bis Gründonnerstag sollte der Frühjahrsputz vollendet sein und die Deko sollte stehen (Eier ausblasen, Tortilla damit machen, alten Dekokram vom Dachboden holen). Der Speiseplan ist schnell erstellt: Am Gründonnerstag gibt es bei uns traditionell Spinat mit Spiegeleiern und Kartoffen, am Karfreitag nach spanischer Tradition Potaje de bacalao (Kichererbseneintopf mit Fisch) http://www.mew1988.blogspot.com.es/2010/03/potaje-de-bacalo-y-garbanzos-oder.html,
Am Samstag gibt's den Rest des Eintopfs, am Ostersonntag ein Zicklein, das ich vorher auf dem Markt besorgen muss und das ich nach einem superguten und sehr einfachen Rezept meiner Schwiegermutter zubereiten werde. Backen möchte ich wieder das Osterbrot und den Osterkranz (ein Rezept für beides) aus dem Buch "Backvergnügen wie noch nie" aus dem Verlag Gräfe und Unzer. Ich backe dieses Rezept mit etwas mehr und verschiedeneren kandierten Früchten und gebe zusätzlich zum Zucker noch ein ganzes Glas Bitterorangenmarmelade hinzu, damit der Teig saftiger wird. Guuut! Dann müssen noch ein paar Schokoeier beschafft werden, für den Fall, dass uns der Osterhase vergisst. Aber als erstes steht der Frühjahrsputz an. Heute: Die Terrasse vorn (die Terrasse, die ich im Geiste gern "die italienische Terrasse" nenne, weil sie so aussehen soll, wie eine Terrasse aus einem alten! Unopiu-Katalog (bevor diese strengen, gradlinigen Möbel modern wurden).

Mittwoch, 20. April 2011

Torrijas - Spanische Spezialität für die Karwoche

In der Karwoche, wenn man sich ja insbesondere beim Fleischverzehr zurückhalten sollte (Karfreitag!) sind Torrijas eine beliebte Spezialität. Sie ähneln den deutschen Armen Rittern/Kartäuserklößen. Ich bereite sie wie folgt zu: Während ich auf dem Herd einen halben Liter Milch mit 100 g Zucker, einer halben Zimtstange und einem halben Teelöffel Anis (wenn man den leichten Lakritzgeschmack mag, wenn nicht, lässt man ihn weg oder ersetzt ihn durch ein bisschen Zitronenschale) unter gelegentlichem Umrühren zum Kochen bringe, schneide ich ein zwei Tage altes Stangenweißbrot schräg in eineinhalb Zentimeter dicke Scheiben. Die Brotscheiben werden dann auf einen Teller - oder heute in meinem Fall auf eine Fleischplatte - gelegt und mit der heißen Milch übergossen. Während das Brot die Milch aufsaugt, gebe ich ein Ei in einen tiefen Teller und schlage es leicht. Dann mache ich in einer großen Pfanne etwas Olivenöl heiß. Die vollgesaugten Brotscheiben werden durch das Ei gezogen, dann im Öl ausgebacken. Ich machte das Öl erstmal richtig heiss, hatte es dann aber während der mehrminütigen Backphase auf 3 (von 6) stehen. So sahen die Torrijas aus, während sie in der Milch lagen (das braune Zeug sind Reste der Zimtstange und Aniskörner):
  

Und so, als sie fertig waren:


Die Torrijas werden gebacken, bis sie schön angebräunt sind und lecker! aussehen. Wann isst man sie? Warm oder kalt zum Frühstück, als Nachspeise, als Merienda (die spanische Stärkung am späten Nachmittag). Was gibt's dazu? Normalerweise nichts, außer einem Getränk. Während ich gerade meine Torrijas backte, kam meine Nachbarin herein und informierte mich, dass sie diese Spezialität anders zubereitet. Sie gibt weniger Zucker in die Milch, wendet dafür aber die fertigen Torrijas noch einmal in Zucker und Zimt. Okay. Ich kenne das Rezept so, wie ich es beschrieben habe, und ich finde es gut so. Zucker, der nicht außen dran ist, ist Zucker, der nicht hinterher herunterrieselt, wenn jemand die Torrija isst und dabei durch die Küche läuft. Kurzum, der Hauptunterschied zu den deutschen Armen Rittern, dem französischen Pain Perdu und dem amerikanischen French Toast liegt darin, dass das Brot in Olivenöl ausgebacken wird.   

Dienstag, 19. April 2011

Semana Santa - die Karwoche in Salamanca

Die Karwoche in Salamanca ist ein echter Geheimtipp für alle, die den wahren Geist der spanischen Semana Santa erleben wollen. Sie wurde zum "Fest von internationalem touristischem Interesse" erklärt, dennoch finden sich nur wenige ausländische Touristen ein. Die Besucher der Prozessionen sind hauptsächlich Einheimische, die aus religiösen Gründen kommen, und Leute aus anderen Teilen Spaniens, welche sich die Atmosphäre von rührender Volksfrömmigkeit vor atemberaubender historischer Kulisse anschauen wollen. Gestern standen Sevillanos, die vor ihren Touristenmassen geflohen waren, neben uns! Ein paar Franzosen haben wir auch noch gesehen. Die Prozessionen sind sehr ernst und feierlich. Wer so etwas noch nie gesehen hat, dem werden sie mit Sicherheit Gänsehaut verursachen. Sehr beeindruckend! Ein Erlebnis, das man im Leben nicht vergessen wird.




Samstag, 16. April 2011

Nachhaltige Osterdeko


Oh nein, was müsst Ihr für einen Eindruck von mir bekommen! Schon wieder was, was nix kost'! Es handelt sich um ein natürliches Vogelnest, gefüllt mit Wachteleiern. Das Nest habe ich im Spätherbst beim Heckenschneiden gefunden und es sah sehr ordentlich aus. Vogelnester sind so eine Sache, ich habe nämlich auch mal ein ekliges gefunden, das ich in der Hoffnung, es würde von allein sauber, in den Regen legte, wo es sich dann auflöste. In Vogelnestern können allerhand Parasiten sein, also Vorsicht, und man darf sie natürlich auf keinen Fall klauen, wenn die Vögel sie noch selbst benötigen könnten (also jetzt, um diese Jahreszeit, zum Beispiel nicht). Bei den Eiern handelt es sich um im Laden gekaufte Wachteleier, die ich ausgeblasen habe. Das geht genau wie bei Hühnereiern. Ich habe aus dem Ausgeblasenen dann Rühreier gemacht (5 Wachteleier entsprechen etwa einem Hühnerei). Die waren sehr lecker, denn Wachteleier haben im Verhältnis viel mehr Eigelb als Hühnereier und schmecken dadurch cremiger.
Da ich keine blaue Eierfarbe hatte und hier in Spanien auch keine bekommen kann, färbte ich ein paar der Eier mit blauer Lebensmittelfarbe. Ich füllte ein Wasserglas zur Hälfte mit kochendem Wasser, gab einen Esslöffel Essig und ein paar Tropfen Lebensmittelfarbe hinzu und ließ die ausgeblasenen Eier darin 15 Minuten liegen. Das Ergebnis seht Ihr oben. Ich find's schön.

Samstag, 3. April 2010

Osterhasen

Auch 150 Jahre nach der Veröffentlichung von Charles Darwins bahnbrechendem Standardwerk "Die Entstehung der Arten" gibt es immer noch Menschen, die die Existenz des Osterhasen leugnen.
Ob dies der Entfremdung des modernen Städters vom Landleben im Allgemeinen oder der Unkenntnis einfacher biologischer Zusammenhänge im Besonderen geschuldet ist, wird noch endgültig zu klären sein.
Es jedoch jedem freigestellt, sich an den Ostertagen persönlich durch Augenscheinnahme von der Existenz des Osterhasen zu überzeugen.
Wir haben folgende Aufnahmen gemacht:


Das erste Bild zeigt den Rammler Fritzi, Alter 3 Jahre, Gewicht etwa 2500 g, Schulterhöhe 12 cm, beim Sammeln von Material für den Nestbau.




Hier hat Fritzi gerade ein Schokoladenei der Marke Lindt mit Cappuccino-Trüffel-Füllung gelegt.



 Fritzi umsorgt erschöpft, aber mit unverkennbarem Stolz im Blick sein gesamtes Gelege.

(Entspricht der EU-Richtlinie 2092/91 über nachhaltige Tiergesundheit und Lebensmittelsicherheit im ökologischen Landbau, nach den englischen Anfangsbuchstaben SAFO (Sustaining Animal Health and Food Safety in Organic Farming), Fördermittel wurden nicht beantragt.) 

Dank an alle, die mich bei diesem Photoshoot unterstützt haben, insbesondere an mein Patenkind. 

Montag, 29. März 2010

Frohe Ostern!



ICH BIN DIE AUFERSTEHUNG UND DAS LEBEN

Dieses Foto mit dem Titel "Bendita Luz" von José Ángel Barbero wurde heuer für das offizielle Plakat der Karwoche in Salamanca ausgewählt und hängt nun überall in der Stadt. Man kann José Ángel Barbero nur gratulieren, er hat den Geist der Karwoche perfekt eingefangen. Ebenso erfreulich ist, dass sich die Stadtverwaltung für dieses Meisterwerk entschieden hat. Schaut es Euch im Internet mal größer an, es ist beeindruckend.