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Sonntag, 26. April 2020

Wir nutzen die Quarantänezeit sinnvoll: Lustiger spanischer Witz

Eine alte Dame sitzt beim Tee als das Telefon klingelt.
"Ja?"
"Mmmh, mein süßer Engel, gleich bin ich bei dir. Zieh dich schon mal aus, ich bin so heiß auf deinen nackten Körper."
"Mit wem möchten Sie denn sprechen, junger Mann?"
"Oh, mein Gott, ich habe die falsche Nummer gewählt. Es tut mir so leid. Ich bitte tausendmal um Entschuldigung!"
"Dann kommen Sie also nicht?"

Samstag, 18. April 2020

Tag 34 der Quarantäne

Ana, die Nachbarin unserer Nachbarin, hatte schon angefangen, die Tage rückwärts zu zählen. Am 26. sollte die Quarantäne enden. Jetzt verdichten sich die Gerüchte, dass sie bis zum 11. Mai verlängert wird. Morgen soll es offiziell verkündet werden. Und was kommt danach? Weiß man nicht. In Deutschland darf man wenigstens zum Sport und zum Spazierengehen raus, hier nicht.
Jemand hat mir erzählt, dass er erwägt, in den Zweitwohnsitz in unserer Siedlung zu kommen, wo er einen Garten hat und auch einen Heimtrainer. Gerade gestern ist aber verkündet worden, dass die Strafe für den Versuch, einen Zweitwohnsitz zu erreichen, 1500 Euro beträgt, falls man erwischt wird. Ich hatte der in Rede stehenden Person versichert, die Leute in unserer Siedlung würden garantiert nichts verraten, aber nachdem, was mir heute erzählt wurde, bin ich mir nicht mehr sicher: Eine Freundin in unserer Straße hatte ihren hochbetagten Vater, der allein in der Stadt lebte, für die Zeit der Quarantäne zu sich geholt. Einmal am Tag ging er mit seinem Rollator knapp 100 Meter weit spazieren, 100 Meter hin, 100 Meter zurück. Ein Anwohner beobachtete dies und beschimpfte ihn wüst: Verantwortungslose Menschen wie er seien daran schuld, dass wir alle eingesperrt seien. Danach traute er sich nicht mehr hinaus.
Die Karwoche ohne Prozessionen war unspanisch. Im Fernsehen wurden Prozessionen aus vergangenen Jahren übertragen. In der Nacht vom Gründonnerstag auf Karfreitag wurde die berühmteste aller Prozessionen, die Madrugada in Sevilla, von 2018 gezeigt. 
Die Sorge, ob es wohl regnet oder nicht, die die Teilnehmer in Salamanca fast jedes Jahr quält, hatten sie dieses Jahr nicht. 
Der Papst bei seinen Gottesdiensten fast allein im Petersdom. Diese Bilder werden sich einem auch ins Gedächtnis einprägen. 
Naja, wir versuchen, es uns zuhause so gemütlich wie möglich zu machen.
Am Karfreitag kochte ich die typische spanische Karfreitagssuppe: Stockfisch, Kichererbsen, frischer Spinat, Kartoffel und Rosinen. Da ich keinen Stockfisch hatte, verwendete ich Thunfisch aus der Dose, frischen Spinat hatte ich auch nicht, den ersetzte ich durch Tomaten, die Rosinen passten nun aber gar nicht mehr dazu und obwohl ich welche hatte, ersetzte ich sie durch eine rote Paprikaschote. Kichererbsen und Kartoffeln waren aber drin in meiner Potaje de vigilia. Das gekochte Ei obendrauf zur Deko hatte ich bloß vergessen.


Am Ostersonntag gab es einen Salat in Frühlingsfarben als Vorspeise: 


Mein Gatte sagte, ich solle nicht unsere Gesundheit in Gefahr bringen, um Lamm zu kaufen. Also taute ich eine Hirschkeule auf. Sie war wunderbar zart. Ich hatte sie im Le Creuset-Topf im Ofen zubereitet. 


Da wir auch keine Gelegenheit hatten, Ostereier zu kaufen, backte ich nach dem Rezept für fränkische Hausfreunde ein paar Plätzchen: Es ist Buttergebäck mit Marmelade und Marzipan gefüllt und mit Schokoguss verziert.


Ja, das hausgemachte Ostergebäck erklärt so manches: Als ich unser Bankkonto am Computer prüfte, stand da so ziemlich in der Mitte ein Posten 0,00 Euro, der mir noch nie aufgefallen war. Ich schaute genauer hin: Es waren die mit dem Kärtchen getätigten Ausgaben. Da steht nie 0,00. Es ist der 17. des Monats und wir haben noch nichts ausgegeben. Und wir sind sicher nicht die einzigen. Gut für die Wirtschaft ist das nicht.  

Samstag, 11. April 2020

Tag 28 der Quarantäne

Was machen wir den ganzen Tag? Zuerst einmal: Ich bin eh sehr häuslich und arbeite sowieso von zuhause aus, von daher... und dann fehlt ja auch unsere Perle und ich muss selber saubermachen.  Und von den 100 Tonnen Staub, die Tag für Tag aus dem Weltraum auf die Erde rieseln, landet ein guter Teil in unserer Wohnung. Mein Gatte und mein Sohn arbeiten auch von zuhause aus und stellen außerdem mit dem 3-D-Drucker Teile für Gesichtsschutzmasken her. Siehe unten.


An diese Dinge werden die durchsichtigen Plastikschilde "geknöpft", hintenherum kommt ein Gummi. Fertig. Sie haben auch schon komplette Schilde hergestellt, es wurde aber kein Foto davon gemacht. Bisher haben 150 Stück unser Haus verlassen. Die ersten gingen an Krankenhäuser, jetzt gehen sie hauptsächlich an Altenheime und sonstige Einrichtungen, Apotheken usw. Die ersten Plastikschilde wurden von Copyshops gespendet. Es sind die Plastikblätter, die Titelseiten abdecken. Mein Sohn ist Teil eines Netzwerks, das sich um die Herstellung und Verteilung kümmert. Die Schutzschilde werden sehr gelobt. Total positiv.
Durch das Eingesperrtsein wird man ja auch ein kleines bisschen verwirrt. Letzte Woche habe ich Minilebkuchen gebacken, siehe unten. Lebkuchen unterm Flieder statt unterm Weihnachtsbaum, hahaha. Heute will ich aber auch noch etwas Österliches backen.


Dann habe ich noch 'n büschen Deko gemacht, siehe unten. Die Eier sind alle vom Dachboden, ausgeblasen. Die Wirtschaft hat aber durch meine Wiederverwendung von Vorhandenem keinen Schaden erlitten, ich hätte heuer eh nichts neues gekauft.



Dann haben wir auch noch Speisen verkostet, zum Beispiel das Joghurt von Danone mit Cheese Cake-Geschmack, das überraschenderweise ganz leicht nach Chorizo schmeckte und roch. Außerdem haben wir noch eine Ochsenschwanzsuppe getestet, aber die bekommt einen eigenen Eintrag.

Montag, 23. März 2020

Ab heute geöffnet!!!

Wie Ihr wisst, ist unser Anwesen auch als "der spanische Keukenhof " bekannt. Ab heute haben wir wieder geöffnet.


Es ist uns gelungen, den Eintrittspreis bei 20 Euro stabil zu halten und noch eine Tasse Kaffee in den Preis einzuschließen, drinnen oder draußen, nach Wahl und Witterung.


Unseren Investoren können wir versichern, dass unser Umsatz auch im äußerst schwierigen Umfeld des Jahres 2020 um keinen einzigen Euro sinken wird. Diese Resilienz verschafft uns eine Alleinstellung am Markt. Vielleicht sollten wir an die Börse gehen!



Donnerstag, 25. Oktober 2018

Mal wieder was zum Thema Putzen...

Der Beruf meines Gatten bringt es mit sich, dass er ziemlich viele Kongresse besucht und von dort stets mit frischem Wissen und einem Rucksack/einer Mappe/einem Beutel/einer Tasche, zur Erinnerung mit dem Titel des jeweiligen Kongresses bedruckt, zurückkehrt. Diese/r Rucksack/Mappe/Beutel/Tasche liegt eine Weile in seinem Arbeitszimmer und wandert dann auf den Dachboden zu seinen/ihren Artgenossen, die dort in einer Umzugskiste, die schon nicht mehr zugeht, ihrer Verwendung harren.
Da der Sommer nun doch langsam zu Ende geht, wollte ich heute die Gartenstühle in ihr Winterquartier auf dem Dachboden bringen. Dort war ganz, ganz wenig Platz und wieder einmal fiel mein Blick auf die Kiste mit den Rucksäcken/Mappen/Beuteln/Taschen aller Art, die an so viele schöne Kongresse erinnern. Ich hatte in der Vergangenheit schon mehrfach versucht anzudeuten, dass man sich gegebenenfalls mit dem Gedanken beschäftigen könnte, was langfristig mit den Rucksäcken/Mappen/Beuteln/Taschen geschehen soll, und eventuell sogar die Entsorgungsfrage zu stellen. Seine immer wiederkehrende Antwort: "Schmeiß doch dein eigenes Zeug weg!"
Es ist keine Sammlung im eigentlichen Sinne. Es ist nur so, dass die Behältnisse zu gut sind, um sie einfach so wegzuwerfen, dass man aber ü-ber-haupt keine Verwendung dafür hat und auch niemanden kennt, an den man sie weiter verschenken könnte.
Wie würde denn die Situation aussehen, in der man zig Kongresstaschen benutzt? Ich will nicht behaupten, dass es fünfzig Stück sind, aber viel weniger sind es gewiss nicht. Wer könnte denn so etwas wollen? Schulkinder in der Dritten Welt? Da sind richtig gute Taschen dabei, auch Laptop-Taschen, alles, was man sich nur vorstellen kann.
Jedenfalls hat mir mein Sohn mit den Gartenstühlen geholfen und die Rucksäcke/Mappen/Beutel/Taschen sind jetzt im Müllcontainer. Gut, dass mein Gatte diese Zeilen nicht liest. Spätestens dann, wenn er den/die nächste/n Rucksack/Mappe/Beutel/Tasche in die Kiste legen will, wird er bemerken, dass sie nicht mehr da ist. Soll ich dann tun als wüsste ich von nichts oder die ganze Schuld auf unseren Sohn schieben? Ich habe ein richtig schlechtes Gewissen. Das wird ein Donnerwetter geben. Dann werde ich endlich zustimmen müssen, die ganzen Videos wegzuschmeißen, die ebenfalls mindestens eine Kiste füllen. Dabei haben die doch viel Geld gekostet! Und wir hatten unsere Freude daran! Die Technologie ist völlig überholt, das findet man jetzt alles im Internet, sagt mein Sohn und hat -nicht nur wahrscheinlich- recht. Mist. Ein Teil meiner Dekoartikel wird auch in Gefahr sein. Und altes Kinderspielzeug. Oh je. Wir müssen ein bisschen Ordnung machen auf unserem Dachboden...

Dienstag, 14. November 2017

Bigger brother

Ich höre mir gerne auf Youtube Musik an und bekam da in letzter Zeit häufiger Werbevideos für Kopftücher zu sehen, ich konnte mir nicht erklären wieso. Ich habe noch niemals irgendetwas gegoogelt oder angeklickt, was auch nur im Entferntesten als Interesse an islamischem Kopfputz oder islamischer Damenoberbekleidung ausgelegt werden könnte. Schließlich fiel mir ein, daß ich vor ein paar Wochen auf Expedia und Kayak nachgeschaut habe, was Flüge in den Iran kosten. Das kann nichts miteinander zu tun haben, oder? Oder? 

Freitag, 1. September 2017

Veintiochominutos.tumblr.com

Okay, also: Ihr wisst, dass nur ganz wenige Leute wissen, dass ich diesen Blog habe. Meine einzigen Leser sind meine Kinder und gelegentlich mein Vater, sowie Leute, die zufällig vorbeikommen. Nun beabsichtige ich, nächsten Samstag mit meinem ältesten Sohn nach Hongkong zu fliegen, wo er zu einer Hochzeit eingeladen ist. Ich war noch nie in Asien und die Aussicht auf diese lange und komplizierte Reise (Macao, Vietnam, Angkor Wat, Thailand) macht mich ziemlich nervös, da ich keine Ahnung habe, was uns dort erwartet (meine Furcht wird dadurch gemildert, dass wir nur sehr gute Hotels gebucht haben). Und wenn ich nervös bin, beruhigt es mich, wenn ich schreibe, gleich, ob es dann jemand liest oder nicht.
Ja, und dass wir diese Reise antreten, wissen viele Leute und ein paar haben uns Tipps gegeben und mich ermutigt, als ich im Zweifel war, ob ich mitkommen sollte oder nicht. Ich beschloss also, einen Blog zu schreiben - auf Spanisch, weil ich in dieser Sprache mit den meisten Menschen in meiner Umgebung kommuniziere - um unsere Freunde und Bekannten bezüglich der Vorbereitungen auf dem Laufenden zu halten und dann später unsere Erlebnisse zu berichten. Nun begab es sich aber, dass im Gespräch mit meinen Freundinnen die Rede auf die vielen Leute kam, die ihr Leben im Internet ausbreiten und mit ihren Erlebnissen angeben. Ujujui, dachte ich. Und eine Freundin sagte, dass sie Facebook im besten Fall aufmachte, um sich über die Leute lustig zu machen. Ujujui, dachte ich. 
Trotzdem richtete ich unter großen Mühen mir (Frau, vierundfünfzig) bei Tumblr einen Blog ein, lud ein Foto hoch und schrieb einen spanischen Text dazu. Ich brauchte zwei Tage und die Unterstützung meines jüngsten Sohnes dafür.
Mein Gatte kann meinen Schreibstil nicht leiden. Ich habe gar keinen Schreibstil, ich schreibe nur das auf, was aus meinem Hirn tropft. Er findet, es ist eine Zumutung für jeden möglichen Leser. Naja. 
Eigentlich hatte ich auf Facebook und im WhatsApp und so weiter meine Freunde und Bekannten einladen wollen, meinen Reiseblog zu lesen. Gut, er hat mir die Augen geöffnet, ich lasse es also bleiben. Ich lade nur Euch, die Ihr diesem Blog folgt und an mich gewöhnt seid, auf den neuen Blog, veintiochominutos.tumblr.com ein, der jetzt doch, da wir entre nous bleiben werden, auf Deutsch sein wird. Hier habt Ihr noch ein direktes Link: http://veintiochominutos.tumblr.com
P.S.: Vielleicht fragt Ihr Euch, was der Name veintiochominutos bedeutet. Das ist spanisch für achtundzwanzigminuten. Ich habe mir nämlich vorgenommen, während der Reisevorbereitungen und auf der Reise jeden Tag eine halbe Stunde für den Blog zu schreiben, aber der Name mediahora.tumblr.etc. war schon vergeben, und neunundzwanzig Minuten auch, dann mussten es eben achtundzwanzig Minuten sein.

Donnerstag, 2. Februar 2017

Computer

Was mir gerade durch den Kopf gegangen ist, als ich auf meiner Tastatur so vor mich hintippte: Ich kann mich erinnern, als ich zum ersten Mal auf einer elektrischen Schreibmaschine geschrieben habe. Die Tasten waren viel leichter gängig als bei der mechanischen Schreibmaschine und dann gab es diese phantastische - äh, fantastische, oder? - Sache mit diesem Laufband, wo immer stand, was man zuletzt geschrieben hatte und man konnte Fehler korrigieren bevor sie auf dem Papier landeten und mit Tipp-Ex angegangen werden mussten. Ich bin echt froh, dass es mir vergönnt war/ist, diesen wahnsinnigen technischen Fortschritt zu erleben. 

Mittwoch, 4. Mai 2016

Wie man Freunde verliert und sich Feinde macht

Naja, so dramatisch ist es jetzt auch wieder nicht, aber die Überschrift ist mir so eingefallen und da habe ich gedacht, schreibst's halt hin. Es ist mir wiiieder passiert, nach Jahren, und ich hole ganz weit aus, um Euch zu erzählen, was.
Als ich noch in der Schule war, kam dieses Buch heraus, "Die unendliche Geschichte", und da war diese Gruppe von Mitschülern, die cool waren (weiß gar nicht mehr, wie man das damals gesagt hat) und die das Buch lasen und darüber sprachen und die waren alle gescheit und das war so toll und ich hätte gerne auch dazu gehört. Aber das Buch war so uninteressant, so unendlich laaangweilig... und obwohl ich mich nicht einmal mehr an die Namen der Leutchen der Gruppe erinnere, sehe ich sie noch im Geiste vor mir, wie sie zusammen stehen. Ich habe das Buch nie zu Ende gelesen.
Und in meiner Studienzeit hatte ich eine Freundin, eine sehr gute Freundin, eine der besten Freundinnen, die ich je hatte, die gab mir erbauliche Bücher zu lesen. Eines davon war "Johannes" von Heinz Körner, wie ich durch Internet-Recherche feststellen konnte. In einem anderen ging es um einen gelähmten Menschen, der durch Liebe und die richtige Einstellung wieder gehen konnte. Trotz intensiver Suche kann ich nicht feststellen, wie letzteres Buch hieß. Ich sagte zu meiner Freundin, ich fände diese Bücher nicht nur schlecht, ich fände sie ärgerlich und beleidigend schlecht. Ich glaube, da hat unsere Freundschaft den ersten Sprung bekommen. Ich hätte schweigen sollen, weiß ich jetzt im Nachhinein.
Und dann, als diese erbaulichen Präsentationen im Internet modern wurden und einem den Posteingang füllten, schöne Fotos von Wasserfällen und Sonnenuntergängen, Wüsten und Landschaften im Schnee, und dazu "Geh deinen Weg und du wirst deine Bestimmung erreichen", "Niemand kann dir etwas eröffnen, was nicht schon im Dämmern deines Wissens schlummert ", "Ich bin, heute und hier im Sein" und was es da sonst noch für Kacke gibt, ich will da jetzt gar keine Autoren nennen. Und ich sagte zu meinen Freundinnen: "Bitte schreibt mir nur, wenn ihr mir etwas mitteilen wollt." Das kam ganz schlecht an. Das war keine gute Idee. 
Ich wollte doch immer ein tiefgründiger, feinsinniger Schöngeist sein, ehrlich, echt. Echt!!!
Und als dann das WhatsApp aufkam... und ich bin jetzt in diesen WhatsApp-Gruppen, da ist es wieder passiert. Ich nehme diese ganzen erbaulichen Sachen hin, kommentarlos, aber letztens - und ich kann Euch sogar genau sagen, wann es war, nämlich an Cervantes' 400. Todestag - kam wieder so ein Text... Oh, wie sinnig, oh, wie schön, antworteten die Leser, aber eine Freundin schrieb, dieser Text sei gar nicht von Cervantes. Und ich schrieb: "Das habe ich mir gleich gedacht. Dieses dümmliche, esoterische Gewäsch sieht eher nach Paulo Coelho aus." Und das war wieder ganz, ganz falsch. Gott sei Dank sind wir jetzt in einem Alter, in dem man über so etwas hinweg sieht, sonst hätte ich wieder Freunde verloren. Aber Leute, liebe Leser, über Paulo Coelho nichts, es sei denn, es wäre etwas Gutes. Ich denke insbesondere an junge Menschen, die vielleicht mit dem Asperger-Syndrom behaftet sind und nicht wissen, wie wichtig den Tiefgründigen ihre tiefen Gründe sind. Seid vorsichtig!!! Im Zweifel wenn möglich Mund halten, falls dies nicht möglich sein sollte, "wie schön" oder Vergleichbares sagen.
Andererseits: Wenn mein späterer Gatte so gehandelt hätte, hätte ich ihn nie näher kennengelernt, ich bin nämlich, wie ich an anderer Stelle schon erzählt habe, nämlich hier, im Rahmen einer Gedichtinterpretation auf ihn aufmerksam geworden und wenn er nicht sein wahres Ich gezeigt hätte, wäre nie etwas aus uns geworden.
Da fällt mir eine andere Episode aus unserem Leben ein: Versetzt Euch in das Jahr 1986. Ich schleppte meinen späteren Gatten ins Kino, den Film "Momo" anschauen. An einer besonders berührenden Stelle (ich kann mich nicht mehr an die Handlung erinnern) machte er plötzlich seltsame Geräusche. Weinte er? Hatte er Schnupfen? Was war denn das für ein seltsames Grunzen? Ich schaute zu ihm hin. Er konnte nur mit Mühe ein Lachen unterdrücken. Da wurde mir bewusst, was das alles doch für ein Kitsch war und ich begann auch zu kichern. Daraufhin platzte es aus ihm heraus und er lachte laut und ich auch, wir lachten schallend und störten den weihevollen Moment. Die Mütter, die mit ihren Kindern da waren, drehten sich um und machten "Pssst!" und wir mussten mit Tränen in den Augen den Saal verlassen. Es war die fehlende Tiefe, die ihn in meinen Augen so attraktiv machte...
(Gut, dass das hier niemand liest, sonst würden sich meine Leser enttäuscht von mir abwenden, obwohl ich gerade mit meinem ganzen Sein hier im Jetzt bin, auf dem Weg zu meiner Bestimmung im Tau meines Wissens, äh, Wesens, oder?)

Neuwahlen in Spanien am 26. Juni

Wie Ihr wisst, waren in Spanien letztes Jahr im Dezember Parlamentswahlen. Mit dem Wahlergebnis war es nicht möglich eine Regierung zu bilden, deshalb wird am 26. Juni noch einmal gewählt. Zu diesem Thema habe ich bisher noch nichts geschrieben und das ist vielleicht auch besser so, denn ich lag mit meinen Einschätzungen stets falsch. Zuerst hatte ich gedacht, nach den Wahlen im Dezember gäbe es eine Regierung PP (Volkspartei, Mitte rechts, das sind die mit Rajoy, die jetzt gerade dran sind) plus Ciudadanos (neue Partei der Mitte). Damit lag ich falsch. Dann dachte ich aha, es gibt eine große Koalition PP plus PSOE (Mitte links). Damit lag ich auch falsch. Was ich vollkommen ausgeschlossen hatte, waren Neuwahlen. Damit lag ich auch falsch, es gibt nämlich Neuwahlen. Wollt Ihr trotzdem lesen, was ich als Ergebnis der Neuwahlen erwarte? Wie beim letzten Mal, PP plus Ciudadanos, mit Rajoy an der Spitze, obwohl Ciudadanos gesagt hat, dass Rajoy als Symbol der Fäulnis weg muss bevor sie mit PP eine Koalition bilden würden. Oder vielleicht überholt Podemos (die neue Linkspartei) PSOE und es gibt eine Linkskoalition, gegebenenfalls auch mit Ciudadanos, obwohl Podemos gesagt hat, dass sie nicht mit PSOE koalieren, sofern PSOE sich nicht von Ciudadanos lossagt (Ciudadanos tanzt auf beiden Hochzeiten). Es bleibt spannend!

Montag, 4. April 2016

Einbrecher in Spanien

Ich stand mit meinen Nachbarn auf der Straße und wir unterhielten uns. Das Gesprächsthema war die neuerliche Einbruchsserie. Es war eine Weile Ruh', jetzt geht es wieder los. Der private Sicherheitsdienst ist verstärkt worden. Ein Wagen des Wachdienstes kam vorbei, während wir uns unterhielten, der Wachmann stieg aus und erzählte und gab Tipps.
Der letzte Einbruch fand vor ein paar Tagen in einem Haus in unserer Straße statt. Die Einbrecher waren über den Garten eingedrungen, während niemand zu Hause war. Nach einer Weile kamen jedoch die Besitzer vorn zur Türe herein. Die unmaskierten Einbrecher, zwei Männer und eine Frau, flohen nicht, sie gingen einfach. Von solchem Verhalten habe ich jetzt schon mehrfach gehört. Letzten Sommer wurden in unserer Siedlung ein Opa und sein kleiner Enkel sehr von einem Mann erschreckt, der durch das offene Wohnzimmerfenster hereinhüpfte. Als der Einbrecher die Bewohner sah, ging er einfach wieder durch die Haustüre hinaus.
Meine Nachbarin (T.) sagte, wir müssen uns eben daran gewöhnen, dass unser Privateigentum nicht mehr so privat ist. Sie hätte manchmal Angst gehabt, einen Einbrecher vorzufinden, wenn sie nach Hause käme, aber durch diese neuen Sitten hätte sich ihre Angst etwas gelegt. Die Diebe gehen, wenn die Besitzer nach Hause kommen. Sie fliehen nicht, sie entfernen sich in aller Ruhe. Manchmal nehmen sie Diebesgut mit und manchmal nicht, je nachdem, was sie in der Zeit, die ihnen zur Verfügung stand, gefunden haben. 
Die Polizei kümmert sich um Einbrüche gar nicht, sagte uns der Wachmann. Man solle gleich die Guardia Civil rufen, die käme wenigstens, wohl aus Höflichkeit, denn dann wird nichts weiter unternommen. Bei meiner Freundin, die massiv beraubt wurde, kam die Polizei und sagte: "Das waren Rumänen, da können wir nichts machen". Das mit den Rumänen sagen sie häufig, unabhängig davon, ob es tatsächlich Rumänen waren oder nicht, um ihr Nichtstun zu rechtfertigen. Die Diebe haben gar nichts zu befürchten. Das ist es vielleicht, was für diese Ruhe sorgt, die letztlich auch den Opfern zu Gute kommt. In keinem der Fälle, von denen ich gehört habe, waren die Täter maskiert, von Waffen weiß ich auch nichts.
Bei einem Vortrag habe ich letztens gehört, dass wir den Übergang von einer Kultur der Konfrontation zu einer Kultur des Miteinanders und des Dialogs vollziehen sollen. Und ja, da ging es ausdrücklich auch um Straftaten. Unser Nachbar Luis hat jedoch erklärt, dass er künftig sein Jagdgewehr geladen neben sein Bett legen wird. Er scheint kein Interesse an friedlicher Konfliktlösung im Dialog und in beiderseitigem Einvernehmen zu haben. Den Menschen, die womöglich nachts maskiert sein Schlafzimmer betreten, wird es nur schwer möglich sein, ruhig ihre Beweggründe zu schildern und auf ihre Notlage aufmerksam zu machen, wenn Luis ein Gewehr auf sie richtet. Luis untergräbt die Bemühungen der Polizei, durch Nichtstun und Gewährenlassen für Abrüstung auf beiden Seiten und eine neue Art von Ordnung zu sorgen. 
Der Wachmann empfahl uns dringend, unser Zuhause besser zu sichern.
Falls Euch echte Zahlen interessieren: In unserer gesamten Straße ist bereits in jedes dritte oder vierte Haus eingebrochen worden. In unserem Straßenabschnitt (Ja bedeutet es wurde eingebrochen): 1. Haus: Kameras, Alarmanlage und vergitterte Fenster: Nein. 2. Haus: Alarmanlage und Gitter: Nein. 3. Haus: früher ungesichert: Ja, jetzt Fake-Alarmanlage und Gitter. 4. Haus: Alarmanlage: Ja. 5. Haus (unseres) ungesichert: Nein. 6. Haus: Gitter: Nein. 7. Haus: Fake-Kameras, Alarmanlage, Gitter, bewaffnet (Luis): Nein. Die Häuser gegenüber: 8. Haus: hohe Mauer, ungesichert: Nein. 9. Haus: hohe Mauer, ungesichert: Nein. Weiter unten in der Straße kommen noch ein paar mit Gittern, hohen Mauern und Alarmanlagen und ein paar, bei denen eingebrochen wurde. Fällt Euch was auf? Wer sind die Ungeschütztesten? Die Familie der Schreiberin dieser Zeilen. Bei wem wird am ehesten eingebrochen? Beim Ungeschütztesten. Wir spielen Vabanque!!!!!!!!! Heute nachmittag werde ich mir einen Kostenvoranschlag für Fenstergitter geben lassen.

Montag, 7. März 2016

Happy Birthday, Opi!

Diesen Link widmete ich meinem Opa Hans seligen Angedenkens, der gestern seinen 102. Geburtstag gefeiert hätte. Er war ein großer Fan von Männerchören und hat auch selbst in einem Chor gesungen. Dieses Stück hätte ihm sicher sehr gefallen:


(Keine Beileidsbekundungen erforderlich, da er bereits seit 51 Jahren tot ist).

Sonntag, 24. Januar 2016

Eine kleine Sammlung zu einem aktuellen Thema

Ich habe eine kleine Sammlung von Synonymen zur Bezeichnung von Kritikern der deutschen Flüchtlingspolitik angelegt. Verzeiht mir, aber ich finde/fand sie echt lustig. Stellt Euch vor, da sitzen Leute in Redaktionsstuben, in Werbeagenturen oder als Privatpersonen zuhause vor ihren Computern und überlegen sich neue Beleidigungen. "Besorgte Bürger" ist auch nicht wohlwollend-verständnisvoll gemeint, sondern herablassend. Also, was habe ich bis jetzt: Besorgte Bürger, Populisten, Rechtspopulisten, Rassisten, Nazis, Hassfratzen, Rechtsradikale, Pegida, die braune Soße, der braune Rand, die AfD, die braune Pest, die Fremdenfeinde, die hässlichen Deutschen, das Pack, die Faschisten, die Faschos, der braune Mob, der Pöbel, die Asylgegner, die Reaktionäre, die Rechtsextremisten, die Dunkeldeutschen, der Stammtisch, die geistigen Brandstifter, die Verfechter kleinbürgerlicher nationalstaatlicher Interessen, die rechten Rattenfänger, Schande für Deutschland, widerliche Menschenverächter, Pegidioten, Dumpfbacken, Kaltdeutschland, die Ewiggestrigen, die Islamophoben (oder auch "islamophob" als Adjektiv vor allen obigen Wörtern), die rechten Hetzer, engstirnig Bornierte, Provinzler, Volksverhetzer, Monster, NPD light... (Es gibt kein Copyright auf die Nutzung dieser Wörter, oder? Die letzten beiden sind von Hans Olaf Henkel, nur für den Fall, ich bin da immer ein bisschen ängstlich)..., Vollpfosten mit kruden Thesen, Dummköpfe, gruselige Gestalten, Ausgrenzer, Dummbeutel, Egoisten, Untermenschen äh, nee, pardon, pardon, war nicht Untermenschen, war Unmenschen, Alternative für Doofe, Unbelehrbare, brauner Bodensatz (hier 50 (damit ich nicht immer von vorn anfangen muss zu zählen.))... Der Gegenseite genügt zum Ausdruck ihrer Verachtung meist ein Wort: Lü-gen-pres-se, aber auch: Volks-ver-rä-ter oder schlicht: Merkel muss weg!
Mir ist übrigens eine hübsche Kombination mit -leugner eingefallen: Notleugner. Wie findet Ihr das? 
Ja, gut, der Notleugner ist nichts gegen die Hassfratze. Wie hasserfüllt muss man sein, dass einem so ein Wort einfällt??? Seht Ihr den Redakteur vor Eurem geistigen Auge, wie er nach Gift und Galle sucht, und dann plötzlich die Erleuchtung: Hassfratze. Jubel unter den Kollegen. Vielleicht stelle ich mir das Ganze aber auch völlig falsch vor, vielleicht kommt das Wort auch vom evangelischen Kirchentag... Keine Ahnung.
P.S.: Um meine Sammlung auf den neuesten Stand zu bringen, musste ich natürlich die Kolumne mit dem Titel "Rechtsschwenk, marsch" lesen, die Jakob Augstein - wahrscheinlich mit Schaum vorm Mund - für Spiegel Online verfasst hat, die ist nämlich eine ziemliche Goldgrube. Ich zitiere einen kompletten Satz: 
"Die Stars der neuen Rechten haben die Gesichter von gewissenlosen Kindern. Aus ihren lächelnden Mündern strömt grauenhaftes Zeug." Deutschland, Land der Dichter und Denker!
P.P.S.: Was mir übrigens gerade aufgefallen ist... was mir gerade aufgefallen ist: Bei diesem Meinungsaustausch zwischen Bärchenwerfern und Bodensatz verzichten beide Seiten auf politische Korrektheit! Wo bleiben die weiblichen Formen? Besorgte Bürgerinnen und Bürger, Populistinnen und Populisten, Rassistinnen und Rassisten, Fremdenfeindinnen und Fremdenfeinde, Faschistinnen und Faschisten, etc. Die weibliche Form von Fascho, ist die Fascha? Wird das wie im Spanischen gebildet? Faschos und Faschas? Und für die andere Seite gilt natürlich auch: Volks-ver-rä-ter-in-nen-und-Volks-ver-rä-ter!!!!!
P.P.P.S.: Leute, als ich anfing mit der Sammlung fand ich das noch witzig. Jetzt ist mir aber das Lachen vergangen, angesichts der schieren Menge der Beleidigungen. Wird es den etablierten Parteien gelingen, die neue Partei verbal zu zertreten?
P.P.P.P.S.: Neu dazu (Februar 2016), vom Spiegeltitelbild, nada menos: Die Hassprediger - Frauke Petry und die AfD: Bericht aus dem Innern einer gefährlichen Partei. Aha, ne? Dabei sind die doch die einzige Partei, die im Bundestag in der Flüchtlingsfrage Opposition macht und dafür sorgt, dass das Thema diskutiert und nicht einfach zusammen mit einer Million Schutzsuchender durchgewunken wird, oder? Halt, nee, die sind gar nicht im Bundestag, da gibt es ja überhaupt keine Opposition. Naja, diejenigen, die das Sagen haben, werden es schon schaffen, die AfD zu vernichten. Ich glaube, da dürfen wir uns sicher fühlen. Vielleicht sollte man es mal mit Beschimpfung ihrer Anhänger versuchen?
V.P.S.: Boah, jetzt geht es aber ad hominem et ad feminam: "Wenn die komische Petry meine Frau wäre, würde ich mich heute Nacht noch erschießen" (Günther Oettinger, EU-Kommissar). Wann sind denn diese Wahlen? Ist es noch lang hin? ROFL!
VI.P.S.: So, und zum Abschluss dieses Themas gehe ich den "Brief an die Flüchtlingsfeinde von Clausnitz" von Stefan Kuzmany auf Spiegel Online, siehe hier, und das dazugehörige Forum durch. Aus rein sprachlichem Interesse, ich schwör'. Also, let's go: Ihr seid nicht "das Volk"... uff, nee, geht gar nicht, der ganze Brief ist ja einzige Beleidigung von vorn bis hinten, einschließlich Bedrohungen "Jetzt kennt Euch jeder" (wahrscheinlich weiß Herr Kuzmany auch, wo Ihr wohnt). Leute, wie traurig das alles ist. Wenn Ihr Euch mal so richtig schlecht, ratlos und traurig fühlen wollt, dann empfehle ich Euch diesen Artikel.
Ich persönlich denke, man müsste mit ihnen, also den Clausnitzern oder den Sachsen oder den deutschen [hier irgendein Wort aus der Sammlung oben oder unten einsetzen] auf folgende Weise reden: "Ihr habt hier nichts zu melden. Ihr müsst akzeptieren, was aus Berlin angeordnet wird. Unter Honecker hat das doch auch geklappt. Ihr könnt nichts machen. Ihr könnt ja auch nicht sagen "Wir sind das Volk und wir wollen kein Hochwasser." Also, geht heim und fügt euch in das Unvermeidliche." Ich glaube, das würden die in Sachsen am ehesten verstehen und dann würden sie Ruhe geben. Falls es nicht reicht, um sie zur Räson zu bringen, schmeißt man den einen oder anderen Ruhestörer in den Kerker und die Angehörigen hören jahrelang nichts mehr von ihm. Dann würden sie vielleicht endlich begreifen, was Sache ist.
Also, schauen wir mal in das Forum (es geht hier um die Leute, die den Bus mit den Flüchtlingen angegriffen haben): Krakeeler, Brut, rechte Schwachmaten, Zombies, die aus finsteren Löchern kriechen, "Asylkritiker", miefige Kleingeister, DDR-Zombies, der Jammer-Ossie mutiert zum Wutbürger und Rassisten, Wutsachsen, durchgeknallte Wildsäue, kleinkarierte Heimatschützer, Mob aus Neandertalern, ahnungslose Feiglinge, dumpfe, gewaltgeile Meute, geifernde "Bürger", die Tumben, faschistoider Mob, hirntoter Mob, Besorgtheitsmob, Randale-Rechte, rassistischer Sumpf, die moralisch Verkommenen, Hohlköppe, Schreihälse, brandschatzende Nazihorden, deutschtümelnde Mentaldissidenten, Krüppel, Neobraunhemden, entartete ostdeutsche Landsleute, rechtsextreme Agitatoren... So, fertig jetzt. Ich höre auf. Ich habe das halbe Forum gelesen und es deprimiert mich. Viele schreiben enorm Schlechtes über die neuen Bundesländer, auch Leute, die von dort stammen. Ist es wirklich so schlimm? Ich war dort noch nie. Armes Deutschland.

Freitag, 18. Dezember 2015

Wollt Ihr unsere Weihnachtsdeko sehen?

Dieser Türkranz und der Befestigungshaken sind die einzigen Elemente, die ich dieses Jahr neu gekauft habe. Obwohl ich, wie jedes Jahr, nichts Neues kaufen wollte, hat mir dieser Kranz dann doch zu gut gefallen, als dass ich hätte widerstehen können:
Er hängt auf der Innenseite. Auf Außendeko habe ich heuer verzichtet.
Ich lüge. Ich habe noch etwas Neues gekauft, nämlich die grüne Girlande unten, die ich mit LED-Lämpchen bestückt und mit Kugeln und Tannzapfen aus meinem Bestand geschmückt habe. Bei Tag und in der Dämmerung sieht sie sehr, sehr gut aus und ich bin stolz darauf, aber abends, wenn es ein bisschen dunkler ist, wenn man den Kamin anhat und den Fernseher und ansonsten nur ein schwaches Lämpchen, dann brennen einem die LED-Dinger praktisch die Augen aus. Sie sind viel zu hell. Da muss ich mir was einfallen lassen (für nächstes Jahr). Man müsste irgendwie kleine, weiße Papierkugeln drüber stülpen...   
Auf das Möbel neben dem Kamin habe ich ein schönes, künstliches Bäumchen gestellt. Das sieht an dieser Stelle nach meinem Dafürhalten so gut aus, dass ich es wahrscheinlich ganzjährig stehen lassen werde.

Ganz schlicht ist auch die Tischdeko: Ich habe einfach ein paar Tannenzapfen auf meinen IKEA-Bambustöllar gelegt. Ein paar davon sind gold lackiert, das kommt auf dem Foto nicht so raus. Ihr meint jetzt vielleicht: "zu schlicht", oder sogar: "faule Tussi". Leute, der Arbeitsaufwand, da noch ein paar rote Kugeln dazu zu legen, wäre ja echt nur minimal, aber ich freue mich jedesmal, wenn ich es anschaue. Ich find's gut so.
Und, la pièce de résistance, der Christbaum: Da wir über Weihnachten in Deutschland sind, begnügen wir uns in diesem Jahr mit einem Miniexemplar. Ist aber auch hübsch, oder? Den haben wir aus unserer Zeit in London. Er passte zur Größe der Wohnung.
Bitte betrachtet den Hinweis, dass wir die nächsten paar Wochen weg sind, nicht als Aufforderung einzubrechen, da mein Sohn und seine Freundin im Haus sein werden. Auch über die Feiertage. Soll ich ihnen noch ein Krippchen aufstellen? Ja, ne, ein kleines, grad mal Vater, Mutter, Kind, Ochs und Esel, schlichter Stall. 

Samstag, 21. November 2015

Herbst und büschen Deko

Herbst... Hähärbst... rasch noch die letzten Gartenarbeiten... 
Wir hatten Mitte November noch ein paar wunderschöne Tage und ich richtete uns einen kleinen Essplatz auf der Südterrasse (im sogenannten "Hof") ein. Dort kann man im Sommer tagsüber nicht sitzen, weil es zu heiß ist. Es ist trotzdem unsere meistgenutzte Fläche im Freien: hier stelle ich die Wäscheständer hin, es ist unser Grillplatz, hier hängen wir die Hängematte auf, hier liegt das Holz, hier steht außerhalb des Sommers meine Regentonne. Als die Kinder klein waren, stand hier ihr Planschbecken. Gleichzeitig ist es auch unsere kleinste Terrasse. Wie viele Terrassen haben diese Spinner denn, fragt Ihr Euch jetzt vielleicht. Hier habe ich schon mal was zum Thema Wie viele Terrassen hat man idealerweise? geschrieben. (Wir haben fünf, wenn man das Gartenzimmer/den Wintergarten/die Orangerie, das/der/die unsere einzige Terrasse war, als wir das Haus kauften, als Terrasse zählt.) Ja, okay, ne? So sieht/sah das kuschelige Plätzchen aus:
Die Frau mit dem Tischdeko-Blog, den ich unten rechts verlinke, die zeigt nicht, was es dann an ihrem schönen Tisch zu essen gibt, das finde ich schade. Was es bei uns gab, seht Ihr oben, nämlich eine Grießklöschensuppe. Hmhmhm, lecker.
Und am nächsten Tag, siehe unten, Rinderrippe in Barbecue-Gemüsesauce, gemischten Salat und gebackene Süßkartoffeln. Letztgenanntes empfehle ich Euch sehr, also mir schmeckt's und es ist sehr einfach zuzubereiten: Süßkartoffeln in Pommes-Frites-Form schneiden, in eine ofengeeignete Form geben, mit Salz, Pfeffer und braunem Zucker würzen, bisschen Olivenöl darüber gießen, vermischen, 30 Minuten (oder bis weich) bei 230º Grad in den Ofen, nach der halben Backzeit wenden. Wozu die passen? Zu Hamburger, zu allem mit Barbecue im Namen, oder einfach zu einem Salat, solo, die sind sooo gut...
Auf dem Bild unten seht Ihr die Herbstdeko an unserem Kamin. Der Hirschkopf ist nicht echt, der ist aus Plüsch. Ich habe ihn bei Butler gekauft, ebenso wie den Teller für die Süßkartoffeln auf dem Bild oben, der aussieht wie ein Pappteller vom Schnellimbiss, der aber aus Porzellan ist, hahahaha.
 Und hier noch mal im Querformat:
Auf dem Möbel links vom Kamin habe ich eine kleine Bar eingerichtet. Das sieht man immer auf Dekoseiten im Internet. Wir sind keine großen Trinker und ich benutze das Zeug hauptsächlich zum Kochen. Bisher stand es im Schrank und nahm dort Platz weg, jetzt steht es dekorativ auf der äh, Kommode? Anrichte? Ist ein ehemaliges TV-Möbel, in das der neue, moderne Fernseher nicht passt und das folglich zur/zum ... (hier korrekte Bezeichnung einsetzen) umgebaut wurde.
Und dann habe ich auch schon angefangen mir Gedanken über die Weihnachtsdeko zu machen. Ich wollte diesen Türkranz hier unten machen (von der folgenden Website kopiert: Delightfully Noted, da findet Ihr auch eine komplette Anleitung). Es geht supereinfach. Einen Drahtkleiderbügel rund biegen und Kugeln darauf auffädeln. Easy, ne?
Easy and Inexpensive! Step-by-Step Guide on How to Make a Christmas Ornament Wreath with a Wire Hanger
Ich habe zwei Nachmittage (inklusive passende Kugeln auf dem Speicher suchen, etc.) dran gesessen, dann habe ich geahnt, dass das bei mir nichts wird. Bei diesem Stand habe ich aufgegeben. So groß war dann mein Wille, einen solchen Kranz zu basteln und zu besitzen, doch nicht.
Ich habe aber schon das nächste Projekt im Auge, nämlich so eine grüne, mit Kugeln und Tannzapfen verzierte Girlande für um den Kamin: Wille (vorhanden), Ausdauer (vorhanden), Material (teilweise vorhanden, ich habe das künstliche Grünzeug, aber noch keine passende Lichterkette), Zeit (vorhanden). Gebt mal bei Google "Fireplace Christmas decoration" ein, dann seht Ihr, was mir (mit gewaltigen Abstrichen) vorschwebt. Some people really go all out for Christmas, ne?

Sonntag, 8. November 2015

Oh güldener Herbst...

 Blick aus unserem Schlafzimmerfenster...
 Blick von der Terrasse...
Gestern wunderschönes Wetter, 22 Grad, heute soll es wieder so warm werden, die ganze Woche soll es schön bleiben. Und das im November! Ich sage Euch nur eins: Klimawandel!

Montag, 2. November 2015

Spanischer Witz zu Halloween

"Ich verkleide mich an Halloween als Stromrechnung, da erschrecken die Leute am meisten."
Hahaha, ich fand's witzig.

Donnerstag, 29. Oktober 2015

Deko mit Mandarinen + Rezept Arroz con Pollo

So, mal wieder was gebastelt:
Inspiriert von Pinterest, siehe hier: Dekoideen mit Kerzen, da gibt es mehrere gute Ideen mit Kerzen. Für die Mandarinendeko müsst Ihr ein bisschen herunter scrollen. Achtet darauf, dass Ihr Mandarinen habt, bei denen man die Schale leicht vom Fruchtfleisch trennen kann. Und bei den Blättern würde ich darauf achten, dass sie grün sind, damit sie nicht so leicht Feuer fangen. Nicht unbeaufsichtigt brennen lassen!
In der Ex-Mandarine steht ein Teelicht mit Orangenduft (ohne Metallhülle). Mit dem Wachs des ersten Teelichts habe ich die Schale innen ausgekleidet. Schön, ne? Und komplett umweltfreundlich. 
War heute unsere Tischdeko. Siehe unten.
Bei dem Essen handelt es sich um Arroz con Pollo, Reis mit Hähnchen, einem Gericht, das bei meiner Familie ziemlich beliebt ist. Es ist die spanische Alltagsvariante der Paella. Wollt Ihr das Rezept? Okay, hier ist es:
Ich benötige: Hähnchenfleisch (Menge und Stücke nach Wahl, zum Beispiel Hähnchenkeulen oder - ganz mager aber weniger schmackhaft - Hühnerbrust. Heute hatte ich entbeinte Hähnchenkeulen, die ich zufällig beim Metzger sah. Die sind natürlich ideal. Nehmt nicht zu viel Fleisch, im Mittelpunkt sollte der Reis stehen, aber Ihr kennt ja Eure Esser selbst am besten), Salz, und Pfeffer, Olivenöl. Für vier Personen (Maßeinheit 1 Glas = ein gewöhnliches Wasserglas mit gut 200 ml Fassungsvermögen): 1 Zwiebel, 2 Knoblauchzehen, 1 rote und 1 grüne Paprikaschote, 1 Tomate (die kann man auch getrost weglassen), 2 Lorbeerblätter, Paellagewürz oder Safran (oder auch nicht, falls nicht verfügbar), 1 Glas Weißwein, 1 Hühnerbrühwürfel, 1 1/2 Gläser Reis (idealerweise nehmt Ihr Reis vom Typ "Bomba", mit seinen kurzen, dicken Körnern. Er ist zwar viel teurer, aber es ist ein Unterschied wie Tag und Nacht zwischen einem Billigreis und diesem Reis. Nehmt guten Reis!), 1 Glas mit Paprika gefüllte Oliven.   
Zubereitung: Hähnchenstücke salzen, pfeffern und in Olivenöl anbraten und bräunen. Aus dem Topf nehmen. Gewürfelte Zwiebel ins Öl geben, fein gehackten Knoblauch und gewürfelte Paprikaschoten hinzugeben, fünf Minuten (oder so) braten, gewürfelte Tomate und Lorbeer zugeben, braten bis weich. Salz (nicht zu viel, im Brühwürfel ist auch Salz!), Pfeffer und 1 Tl Paellagewürz oder eine Prise Safran zugeben (oder auch nicht), mit 1 Glas Weißwein ablöschen, kurz einkochen lassen. 2 Gläser Wasser und einen Brühwürfel sowie 1 1/2 Gläser Reis, das Hähnchen und die Oliven zugeben, kochen bis weich (Bomba-Reis wird nicht so superweich). Fertig. Ich benutze hierfür meine Le Creuset-Topf, in dem ich auch serviere. Natürlich tut's auch jeder andere Topf, wollt's nur gesagt haben. Nein, ich wollte auch nicht mit moim Dibbåågäwwe, isch wollt's nuä gsacht ham. Oddä ach nit.

Dienstag, 29. September 2015

Naaaaaiiiiiiinnnn, naaaiiiiinnnn, naaaaiiiinnnn, Glücksmoment!!!!!!! Eeeeeendlich!!!!!!!!! Rohe Kartoffelsuppe!!!

Is' jetzt für Euch vielleicht nicht so toll, aber für mich!!!!! Leute, ich habe einen "Quetschekuche" gebacken, siehe unten, aber darum geht es nicht.
Meine Mutter, die vor nun mehr fast dreißig Jahren aus dem Leben gerissen wurde, reichte zu diesem Kuchen eine Suppe, die sie als "rohe Kartoffelsuppe" bezeichnete. Die Kombination von Quetschekuche und roher Kartoffelsuppe... köööstlich!!! Wenn man ausgehungert aus der Schule nach Hause kam und fand diese Delikatessen vor... hmhmhmhmhm. Das Rezept für die rohe Kartoffelsuppe ging mit ihr verloren. Ich erinnerte mich nur, dass die Kartoffeln irgendwie in die Suppe gerieben wurden. Ich habe über die Jahre immer mal wieder nach einem Rezept gesucht und es nie gefunden, weder in Kochbüchern noch im Internet noch sonst irgendwo. Und gerade eben, vor fünf Minuten, habe ich es gefunden und zwar in Kombination mit Quetschekuche. Und ich kopiere es jetzt mal, wahrscheinlich völlig illegal, hierher: Hier ist ein Link zur Website. Meine Mutter nannte die Suppe, wie gesagt, "rohe Kartoffelsuppe". Schweineschmalz wurde bei uns zum Kochen auch nicht verwendet, sondern Margarine. Meine Mutter tat auch noch Sellerieblätter hinein, daran kann ich mich erinnern, und die Suppe war grünlich. Sie wurde auch püriert, bevor die Kartoffeln hinein gerieben wurden. Sobald ich die Suppe gemacht habe, kommt noch ein Rezept von mir, das dem meiner Mama weitgehend entsprechen wird. Habe aber im Moment weder Lauch noch Gelberüben (Gelberüben fehlen hier auch!!!, waren aber bei meiner Mutter drin, Gelberüben waren bei uns überall drin, hahaha). 

Wie bereitet man die Grumbeeresupp (Gemüsesuppe) zu?
Für die Grumbeeresupp dünsten Sie gut zehn Minuten lang folgendes feingeschnittenes Gemüse in einer ordentlichen Portion Schweineschmalz:
zwei große Zwiebeln,
eine halbe Knolle Sellerie,
drei Stangen Lauch.
Füllen Sie mit einer kräftigen Gemüse- oder Fleischbrühe auf und würzen Sie mit MajoranThymian,Pfeffer und Salz.
Kurz bevor das Gemüse durchgegart ist, reiben Sie vier rohe Kartoffeln in die köchelnde Brühe und lassen das Ganze aufkochen, so dass die Suppe eine sämige Konsistenz bekommt.
Gegessen wir dieses Gericht wie folgt:
Man nimmt einen Bissen Quetschekuchen und ißt dazu einen Löffel Grumbeeresupp. 

Genau so haben wir die Suppe gegessen: zum Kuchen. Schade, dass die Website keine Funktion hat, wo man kommentieren oder sich bedanken kann. In Zukunft werden es die Leute, die nach diesem Rezept suchen, leichter haben: ROHE KARTOFFELSUPPE, rohe Kartoffelsuppe, rohe Kartoffelsuppe, rohe Kartoffelsuppe, Zwetschgenkuchen, Quetschekuche, rohe Kartoffelsuppe, Quetschekuche, Zwetschgenkuchen.
UPDATE:
So, ich habe die Suppe gestern nach bestem Wissen und Gewissen gemacht. Fazit: Ich habe zuviel Gemüse benutzt, Stangensellerie statt Knollensellerie geht auch nicht, er ist zu faserig, vier Kartoffeln reingerieben war auch zu viel. Ergo: Meine Suppe war zu dickflüssig. Geschmacklich hatte ich es allerdings hingebracht.
 Und wir konnten uns eine rohe Kartoffelsuppe mit Quetschekuche einverleiben.
 Das Rezept für nächstes Mal (kann ich jetzt allerdings nicht sofort nachprüfen, wir können uns ja nicht nur noch von roher Kartoffelsuppe ernähren, hahahaha).

Also: Rohe Kartoffelsuppe nach alter Art
1 Zwiebel, 1 Gelberübe, 1/4 Sellerieknolle, 1 Stange Lauch kleinschneiden und in Margarine anbraten. Sellerieblätter, 1 Liter Wasser und 2 Fleischbrühwürfel hinzugeben, mit Majoran, Thymian, Salz (Achtung, in den Brühwürfeln ist schon Salz!) und reichlich Maggi würzen, kochen bis weich. Sellerieblätter rausfischen. Bisschen Petersilie rein... Pürieren (meine Mutter nannte den Pürierstab "Zauberstab"). 2 Kartoffeln hineinreiben (fein reiben), noch drei, vier Minuten kochen lassen. Eventuell mit Salz, Pfeffer und Maggi abschmecken.
Dazu gab es manchmal auch Apfelküchelchen!!!!! Hmhmhmhm.
Warum findet man dieses Rezept nicht mehr? Es ist so lecker, es ist mir echt unerklärlich. Und gesund ist es auch... Und wenn man in den Teig vom Kuchen statt Butter Margarine gibt und keine Eier rein tut, dann ist es auch noch vegetarisch und vegan, also absolut auf der Höhe der Zeit. Versteh' ich nicht. 

Todo positivo...

Ja, ja, ja, ich bin entschlossen, dem Blog eine andere Richtung zu geben und zwar mit deutlich weniger Gejammer. Alles positivo, nada negativo. Ich erzähle Euch, wie es zu dieser Überlegung kam: Im Juli war mein Gatte zu einem glanzvollen Abendessen in Madrid eingeladen. Wir werden so selten zu glanzvollen Abendessen eingeladen, dass man die Häufigkeit mit dem Begriff "nie" recht gut beschreiben kann. Wir beschlossen, noch zwei Tage dranzuhängen und es uns in Madrid ein bisschen schön zu machen und das Museum Reina Sofia und das Thyssen-Museum zu besuchen, damit wir in Zukunft, wenn jemand sagt "ich war im Thyssen", "da waren wir auch schon" antworten können. Im Reina Sofia hängt das berühmte Werk "Guernica" von Picasso, das genauso aussieht wie auf den Postern, aber viel größer ist. Im Thyssen-Museum hängen, wie mein Gatte sagte, der von Kunst mehr versteht als ich, mindere Werke bedeutender Künstler und bedeutende Werke minderer Künstler, aber auch zwei oder drei Werke von Christian Schad.
Um auf das Abendessen zurückzukommen: Unter dem guten Dutzend Gäste war auch ein älteres adeliges Ehepaar der höchsten Gesellschaft. Wäre das nicht tolle, wenn ich neben der Tussi zu sitzen käme? dachte ich mir, hatte aber kaum Hoffnung... Ich saß neben ihr! Auf der anderen Seite von ihr saß der Gastgeber, ein wichtiger Mann. Naja, da wird sie wohl kaum mit mir sprechen, dachte ich mir... Sie quasselte den ganzen Abend nur mit mir! Und es war sehr unterhaltsam! Abgesehen davon, dass die Frau sehr nett und sympathisch war, muss ich Euch sagen, ich finde reich sein soooooo toll! Ich bin da auch gar nicht neidisch oder hasserfüllt klassenkämpferisch, ich finde es einfach nur toll. Zum Abschied sagte sie: "Ach, eigentlich wollten wir gar nicht kommen, man hetzt ja von einer Einladung zur anderen, Sie kennen das ja, aber jetzt war es doch ein richtig schöner Abend." "Sie kennen das ja", hahahahahaha. Uns lädt keine Sau ein. Also zu glanzvollen Abendessen. Solche Leute/Familien schwimmen gesellschaftlich immer oben, als Sahnehäubchen quasi, da kann unten los sein, was will, Franco, Sozialisten, Arbeitslosigkeit, alles wurscht, das geht gar nicht an die ran. Toll, ne? Todo positivo. Wie viel schöner ist das Positive.
Ja, und am Tisch mir gegenüber saß eine Tussi, die nach dem Regierungswechsel (PSOE - PP) die Macht hatte, viele Freunde, Verwandte und Bekannte sowie verdiente Parteimitglieder der sozialistischen Partei, die auf hohen Posten hockten, ins zweite oder dritte Glied oder ganz nach Hause zu schicken und gegen Freunde, Verwandte und Bekannte sowie verdiente Parteimitglieder der konservativen Partei (unabhängig von ihrer Kompetenz und Eignung) auszutauschen. Sie entließ aber nicht nur sozialistische Günstlinge, sondern auch Menschen, die - unabhängig von ihrer Parteizugehörigkeit - ihren Posten aufgrund ihrer Fähigkeiten und Kenntnisse innehatten, um Platz für Söhne und Töchter, Cousins und Cousinen, Neffen, Nichten und Freunde - unabhängig von ihren Fähigkeiten und Kenntnissen - zu schaffen. Ich hab' schon mehrmals das Thema Nepotismus in Spanien angesprochen, z.B. hier mit einem leicht abgewandelten, mir persönlich bekannten Fall, und hier, mit Informationen aus einem Artikel in El Pais. Eklig, ne? Was denkt man, wenn man so einem Menschen, einem direkt verantwortlichen, gegenüber sitzt? Der Ochsenschwanz, der als Hauptgericht serviert wurde, war zu trocknen. Echt jetzt, ne? Was soll man denn denken? Der Ochsenschwanz, der entbeint und mit einem Ring modisch geformt serviert wurde, war wirklich zu trocken. Mein Gatte und ich hatten mittags in einer einfachen Wirtschaft das Tagesmenü gegessen, bei dem wir uns als Hauptgericht zufällig ebenfalls Ochsenschwanz (mit Knochen) bestellt hatten und dieser Ochsenschwanz war sooo lecker gewesen, perfekt zubereitet, was ja bei Ochsenschwanz kein großes Kunststück ist. Okay, der Ochsenschwanz abends wurde in beeindruckendem, sehr gehobenem Ambiente serviert, aber..., ne? Todo positivo. Tooooodo positivo. Todo, todo, todo.