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Freitag, 13. März 2020

Neues vom Coronavirus in Spanien - Die Nachrichten überschlagen sich

Als ich heute morgen die Augen öffnete, begrüßte mein Gatte mich mit der Information, dass die USA den Flugverkehr mit Europa einstellen. 
Auch unsere Nachbarn, die ein wenig zögerlich waren, haben sich jetzt endlich entschlossen, Vorräte einzukaufen. 
Irene Montero, die Ministerin für Gleichstellung, die die Demonstration am Weltfrauentag angeführt hat, ist am Coronavirus erkrankt. Ihr Gatte, der Vizepräsident, muss ebenfalls in Quarantäne. Königin Letizia muss getestet werden, weil sie von Irene Montero, der spanischen Sitte entsprechend, geküsst wurde. 
Ich begegnete einer der zahlreichen Personen, die Madrid verlassen und sich übers ganze Land verteilt haben. Diese Person war ziemlich stark erkältet (?????). Sie kam von einer Uni, an der es zwei Fälle gegeben hatte. Ich begegnete ihr auf engem Raum. Ich wusste nicht, wie ich mich aus der Situation befreien sollte ohne unhöflich zu sein. Wenigstens hat sie mich nicht geküsst. Das wird mir nicht noch einmal passieren.
Ich wurde von einem Sohn gebeten, seine betagten Eltern aufzufordern, am Sonntag nicht in die Kirche zu gehen. Ich habe es noch nicht gemacht, weil ich nicht wusste, wie ich das Thema angehen sollte. Nachdem was mir heute passiert ist, weiß ich es.
Die spanische Börse ist heute um 14 Prozent gefallen.
Morgen gehe ich noch einmal frisches Obst und Gemüse einkaufen, dann mache ich für mich die Schotten dicht. Das heißt nicht, dass ich nur zuhause bleibe. Wir haben die Wohnung renoviert, in der wir vor vielen Jahren gewohnt haben. Die muss jetzt auf Hochglanz gebracht werden und es sind noch ein paar Kleinigkeiten zu machen. Gestern war ich dort und habe das Balkongitter gestrichen. Es war ein wunderschöner, warmer Frühlingstag. In den Bäumen vor dem Balkon zwitscherten die Vögel und ich strich zufrieden vor mich hin. Mir wurde bewusst, was für ein glücklicher Moment das war. Ich muss noch eine zweite Schicht auftragen. Außerdem ist im Garten viel zu tun. 
An der Uni, wo mein Gatte arbeitet, wird ab Montag der Lehrbetrieb eingestellt. Am 19. habe ich einen Termin mit Handwerkern. So, wie sich die Ereignisse im Moment überstürzen, kann man nicht sagen, ob der eingehalten wird. Heute ging den ganzen Tag über das Gerücht, dass Madrid bald abgeriegelt wird. Ich schreibe diese Zeilen beim Stand Spanien 3146, Deutschland 2745, Italien 15.113. Kiko Rivera, der Sohn der Pantoja, ist übrigens auch erkrankt. Und Santiago Abascal, der Vorsitzende der rechten Partei Vox. Und noch eine Ministerin...

Donnerstag, 10. September 2015

"Refugees welcome" in Spain, äh, in Spanien

Am Rathaus von Madrid wurde ein riesiges Plakat (8 x 4 Meter) angebracht mit der Aufschrift "Refugees welcome". Das ist sehr, sehr seltsam, denn Spanien ist ja das Land, welches unter erheblichen Anstrengungen das westliche Tor zu Europa zuhält. Sind die Refugees jetzt wirklich welcome? Habt Ihr schon mal Bilder von den meterhohen, mit Natodraht bewehrten Zäunen gesehen, mit denen die Spanier versuchen, afrikanische Flüchtlinge davon abzuhalten, in Melilla und Ceuta, in die spanischen Enklaven in Nordafrika, einzudringen? Da rennen manchmal hunderte von Schwarzafrikanern - wahrscheinlich hervorragend ausgebildete, händeringend gesuchte Fachkräfte - gegen den Zaun an, klettern hinauf, schneiden sich an den Klingen die Hände auf und fallen runter und brechen sich die Knochen. Willkommenskultur vom Feinsten. Hoffentlich sehen diese Leute keine Bilder vom Madrider "Refugees welcome"-Plakat. 
Und dann noch die, die übers Meer nach Spanien kommen, auf Schlauchbooten, auf wackeligen Fischerbooten und überhaupt irgendwie. Und dabei ertrinken viele und werden dann irgendwo angespült und Spanien tut alles, um zu verhindern, dass die Flüchtlinge losfahren, und wenn sie doch losfahren und es bis ans europäische Festland oder bis auf die Kanaren schaffen, dass man sie wieder los wird. Spanien hütet das westliche Einfallstor. Wenn Spanien dieses öffnen würde, würde sich womöglich halb Afrika auf den Weg nach Norden machen.
12.000 Flüchtlinge vom östlichen Einfallstor sollen jetzt in Spanien untergebracht werden. Unter anderem in Castilla y León. Heute habe ich im Radio eine Politikerin aus dieser spanischen Region sagen hören, wie gut es doch ist, dass diese Menschen kommen. Sie können zum Wirtschaftswachstum beitragen und die demographische Entwicklung verbessern, also, die Überalterung bremsen. Da hat sie sicher recht, nicht wahr, denn die Überalterung ist in Castilla y León wirklich ein massives Problem, nicht zuletzt deshalb, weil so viele junge Spanier ins Ausland gehen müssen, weil es hier keine Arbeit gibt. Junge spanische Akademiker wandern in Scharen aus... so, hier hör' ich auf zu schreiben, ne? Und ab jetzt kommen nur noch positive Blogeinträge, wirklich, echt, ich werde mich anstrengen. Keine Kommentare mehr zum Zeitgeschehen.

Sonntag, 19. Juli 2015

Die Lage in Spanien im Sommer 2015

In Deutschland wird ja immer wieder berichtet, wie brav die Spanier gehorchen und sparen und wie schön es deshalb aufwärts geht. Aha, soso, hmhm. Tja. Hmhm. Die, die das schreiben, glauben das, oder? Ich meine, die erfinden nicht bewusst irgendwas, oder? Denn: seit Mariano Rajoy an der Macht ist, also in den letzten dreieinhalb Jahren, ist die Staatsverschuldung Spaniens um 300 Milliarden Euro gestiegen. Die megablühenden Landschaften, durch die wir jetzt vor den Wahlen stolpern dürfen, wurden mit 300 Milliarden neuen Schulden erkauft. 
Und leider, leider sieht die Lage vor Ort, zumindest in der spanischen Provinz, ganz, ganz anders aus als uns die offizielle Propaganda glauben machen will. Man beobachtet immer wieder schockierende - ja, doch, schockierende ist das Wort - Kleinigkeiten: Zum Beispiel war ich neulich abends mit meinen Freundinnen unterwegs und wir liefen eine tagsüber sehr belebte Straße entlang. Mir fiel auf, dass praktisch alle Läden geschlossen waren, also geschlossen im Sinne von aufgegeben und für immer zugesperrt. Ich dachte mir, sagst lieber nichts, sonst stehst du wieder als negativer Mensch da. Eine meiner positiven Freundinnen wies aber darauf hin: Der Geschenkeladen - zu. Der Handtaschenladen - zu. Die Bankfiliale - zu. Das Reisebüro - zu. Und was da noch alles ist und war - zum größten Teil zu. Und wenn ein neuer Laden aufmacht, muss man sich echt sputen, sonst ist er wieder zu. Ist mir mit einem Spielwarenladen passiert, der vor Weihnachten aufgemacht hatte. Letztens wollte ich mir endlich anschauen, was es so Neues an Kinderkram gibt (ein kleines Mädchen hatte festgestellt, dass ich nicht mal wusste, wer Peppa Pig/Peppa Wutz ist, und das ist ja wohl der Gipfel der Ignoranz), zu spät, der Laden war schon wieder verschwunden.
Mein Nachbar sagte mir heute: "Ich habe die Webseite angeschaut, die du mir empfohlen hast. Bei Gottes Liebe, ich kann es nicht glauben." Bei der Webseite, die er angeschaut hatte, handelte es sich um die spanische Immobilienseite www.idealista.com und was ihn geschockt hatte war die Anzahl der Häuser, die in unserer Siedlung zum Verkauf stehen. In unserer kleinen Straße, zum Beispiel, werden fünf Häuser (HWUs) offiziell zum Verkauf angeboten. Die Preise liegen zwischen 260.000 und 290.000 Euro. Zu Spitzenzeiten, nämlich so um 2006, 2007, wurden deutlich über 400.000 verlangt. Was wird gezahlt? Das weiß man nicht, es ist schon seit vielen Jahren (sechs, sieben Jahren?) keins mehr verkauft worden. Dann gibt es noch ein paar Anwohner, die gerne verkaufen würden und nur darauf warten, dass die Preise wieder steigen. Geht der ganze Irrsinn noch irgendjemand in den Kopf? Wer, um alles in der Welt, soll denn unsere Häuser kaufen? Die Jugendarbeitslosigkeit, also der Prozentsatz der Menschen zwischen 16 und 25, die arbeiten möchten, aber keine Arbeit finden, liegt bei über 50%. Dazu kommen noch die, die einfach irgendwas studieren und dann noch irgendwas, und dann noch einen Master und dann was anderes..., die in der Statistik nicht auftauchen, weil sie ja studieren. Und wenn sie dann doch irgendeine Arbeit finden, dann können sie nicht in ihrem Heimatort bleiben und verdienen auch nicht genug zum Leben. Nur Senioren haben genug Geld, um Häuser zu kaufen. Und Senioren wollen keine großen Häuser, die für junge Familien ideal sind, welche aber nicht das Geld haben, um sie zu bezahlen. 
Von den Griechen hört man, dass sie hohe Renten brauchen, weil alte Leute häufig junge Familien mit durchschleppen. Für die Deutschen klingt das fremd und unverständlich, für Spanier ist das real. Auch Studenten, welche die spanische, dem Bafög entsprechende Unterstützung erhalten, kommen häufig aus Familien, die das Bafög ihrer Kinder zum Überleben brauchen. In Spanien gab es im Frühjahr 2015 ganze 770.000 Haushalte ohne Einkommen. Diese Zahl habe ich gesucht, wer sehen will, wo ich sie gefunden habe, hier klicken. Ohne Einkommen bedeutet nicht Hartz 4 oder irgend sowas. Ohne Einkommen bedeutet ohne Einkommen. Wir können nur hoffen, dass die Mama schwarz putzt (was aber auch im Rahmen des guten Weges und der verschärften Gesetze immer schwieriger wird. Mittlerweile muss man Putzfrauen anmelden, auch wenn sie nur eine einzige Stunde in der Woche kommen. Nebeneffekt: Arbeitsmarktstatistik!). Ihr fragt Euch jetzt vielleicht, wie kann denn das sein? Wie darf man sich das vorstellen? Ohne jedes Einkommen? Ich hörte einmal eine Frau, bei der ich mir echt nicht erklären kann, wovon ihre Familie lebt, über andere Leute sagen: "Ich kann mir echt nicht erklären, wovon diese Familie lebt." Einkommen: Vaters Arbeitslosengeld für Langzeitarbeitslose mit Familie in Höhe von 426 Euro. Die Schwarzarbeit wird massiv bekämpft. Für den IWF ist das vielleicht toll, für arme Familien nicht so. 
Letzten Samstag war ich mit einer Freundin in Medina del Campo, der kastilischen Möbelstadt. Wir besuchten ein sehr großes Möbelhaus, das hauptsächlich klassische Modelle anbietet. Wir hielten uns an einem Samstagmorgen dort eine gute Stunde auf und in dieser ganzen Zeit waren wir die einzigen Kunden. Die Geschäftsleute scheinen aber die Dauerbeschallung mit positiver Propaganda zu verinnerlichen (neulich hat einer im Radio gesagt: "Ich möchte immer in einem Wahljahr leben, da ist alles so positiv", hahaha.). Im nächsten Geschäft, wo ich das Möbel für unseren Eingangsbereich in Auftrag gab und wo auch in der ganzen Zeit, in der ich dort war, keiner hereinkam, war so ein Propagandagläubiger: "Kaufen Sie rasch, die Hersteller warten nur darauf, die Preise wieder zu erhöhen, sobald es weiter aufwärts geht", sagte der Verkäufer und Ladenbesitzer in Personalunion. "Es geht nicht aufwärts, das hoffen Sie bloß", antwortete ich ihm. "Doch", sagte er. "Rajoy wird wiedergewählt und dann geht es richtig aufwärts." "Ich teile Ihre Meinung, dass Rajoy wiedergewählt wird, aber danach kommt eine Austeritätsorgie, dass uns Hören und Sehen vergehen wird", sagte ich. "Wir werden es ja sehen", sagte er. Meine Freundin war während dessen in einem anderen Möbelladen, in dem auch keine Sau war. Ich weiß aber, dass sie die Meinung des Möbelhändlers geteilt hätte, weil dies für ihre seelische Gesundheit wichtig ist.
Klar, es geht zurzeit ein bisschen aufwärts, weil die Banken die Kredithähne wieder geöffnet haben. Im Fernsehen machen mehrere Wucherer Reklame. Ich verstehe nicht, wie der Staat das erlauben kann. Vor ein paar Tagen habe ich einen Artikel gelesen, in dem stand, dass einer dieser Wucherer, der Wohnungen als Garantien nimmt, bereits 4000!!! Immobilien in seinen Besitz gebracht hat. Das ist wie damals, vor vier oder fünf Jahren, als Nueva Rumasa für ihre Anleihen mit 8 % Zinsen im Fernsehen Reklame machten. Die Leute, die dachten, na, wenn die im Fernsehen Reklame machen, wird das wohl rechtens sein, wurden um ihr Geld gebracht.
Ja, doch, es geht dank der scharfen Sparpolitik aufwärts, ich bestreite es ja gar nicht. Die Autokäufe sind stark gestiegen. Die L.s haben auch ihrem seit fünf Jahren arbeitslosen Sohn ein neues Auto gekauft. Für das laufende Jahr ist für Spanien ein Wirtschaftswachstum von 4 % vorhergesagt. Vielleicht konzentriere ich mich zu stark auf das Negative. Ist doch positiv: Familie L. hat einen Neuwagen gekauft. Im Möbelladen war am Samstagvormittag ein Kunde. Es gibt immer noch Leute, die versuchen, Läden aufzumachen. Von jemandem aus unserem Bekanntenkreis, der in letzter Zeit Arbeit gefunden hätte, kann ich leider nicht berichten, da es niemanden gibt, und Ihr wisst, dass ich mich echt bemühe, Euch die Wahrheit zu sagen, zumal ich es auch für mich selber aufschreibe, damit ich in ein paar Jahren schauen kann, wann was war. Der Sohn von MJ hat seinen Job verloren. Ein Vater von fünf Kindern, von denen das kleinste erst ein paar Monate alt ist, ist entlassen worden. Er war seit fast zwanzig Jahren bei einer religiösen Einrichtung tätig. Wow, ne?
Und wovon ich Euch gar nicht erst berichten werde: ein Freund meines Gatten, der in einem Ministerium arbeitet, war zu Besuch. Er brachte uns auf den neuesten Stand, welche Verwandten von wem auf welchen hohen Stellen arbeiten. Das ist völlig legal, deshalb ist es auch kein Skandal. Es ist aber sehr deprimierend, es zu hören. Unvergessen der Satz von A., deren Sohn ebenfalls in einem Ministerium arbeitet: "Mein Sohn ist noch einmal befördert worden. Er arbeitet jetzt auf einer Ebene, auf der es Verwandte von Ministern gibt." Da muss er schon ziemlich weit oben sein, ne?
Übrigens (ich erinnere rasch): Seit Mariano Rajoy an der Macht ist, ist die Staatsverschuldung Spaniens um 300 Milliarden gestiegen.          

Donnerstag, 19. März 2015

Ich frage mich das wirklich...

also ganz ehrlich, ohne Ironie, Sarkasmus, Zynismus oder sonst irgendwas, sondern ganz nackt, echt und ehrlich. Hinleitung zur Frage: Wie Ihr wisst, arbeiten in Spanien viele der jungen Menschen, die einer bezahlten Arbeit nachgehen, weit unter ihrer Qualifikation. Callcenter-Mitarbeiter sind Philologen, Soziologen oder Musikwissenschaftler, Gefängniswärter Volljuristen, die Schalterbeamten bei der Sparkasse, die die Sparbücher der Rentner aktualisieren, haben BWL und Jura studiert und einen Master in International Finance. Das ist so in Spanien. It's a fact. Ich sagte neulich zu meinem Gatten: "Wirklich nur Leute mit guten Beziehungen können ihre Kinder noch ordentlich unterbringen." "Nein, nicht einmal mehr die," antwortete mein Gatte und führte zwei Beispiele von Leuten mit guten Beziehungen an, deren erwachsene Kinder mit ihren Familien in Armut darben. Also, nur noch Leute mit sehr, sehr guten Beziehungen können ihre Kinder beruflich ordentlich unterbringen.   
2005 schrieb eine Frau einen Leserbrief an die größte spanische Zeitung "El País", in dem sie das von ihr erfundene Wort "Mileurista", deutsch wörtlich "Tausendeurist", verwendete, mit dem sie junge Menschen beschrieb, die hervorragend ausgebildet waren und dennoch Stellen hatten, auf denen sie nur tausend Euro verdienten. Dieses Wort ging sofort in den allgemeinen Wortschatz über, weil es so treffend war. Mittlerweile dürften viele ehemalige Mileuristas diese Zahl nur noch von unten betrachten. Tausend Euro sind mittlerweile ein gutes Gehalt. Nach der nächsten Austeritätsrunde werden die jungen Leute gar nicht mehr verstehen, was dieses Wort einst bedeutete und worüber sich die Mileuristas beklagten.
Ja, gut, ne? Und jetzt verlassen viele Menschen eben Spanien und versuchen, ihr Glück anderswo zu finden. Der ausgebildete Ingenieur z.B. als Kellner in England, dabei würde er in Deutschland als Fachkraft so händeringend gesucht (okay, der letzte Satzteil war jetzt ironisch gemeint, aber nur der!). Spanische Lehrerinnen in England als Putzfrauen. Die Leute nehmen so viel auf sich, um im Ausland das vermeintliche Glück zu finden... Und die Gastarbeiter z.B. in Deutschland in den Siebzigerjahren konnten Geld nach Hause schicken, die neuen Gastarbeiter brauchen manchmal sogar noch finanzielle Unterstützung aus ihren Heimatländern, um ihre Miete zu bezahlen.
So, und jetzt die Frage, die diesem Eintrag zugrunde liegt: Ist es nicht besser, sich mit dem zufrieden zu geben, was es in Spanien gibt, als zu versuchen, sein Glück draußen in der Welt zu finden? Der Pianist als Kellner, der Jurist als Bürogehilfe, die Pharmazeutin als Verkäuferin, die Ärztin als Gelegenheitsarbeiterin? Aber in der Nähe der Familie, mit spanischer Lebensqualität, in der eigenen Wohnung, die einem der Papa gekauft hat, der noch in der guten alten Zeit lebte, als man noch zu etwas kommen konnte, also so bis 2007? 
Mein Gatte meint: nööö. Und ich, ehrlich gesagt, ich weiß es nicht.
Allerdings ist zu bedenken: Man weiß nie, wann der nächste Würgegriff kommt, weil die herrschende Kaste wieder Kohle braucht... wann die Löhne wieder gesenkt und die Steuern wieder erhöht werden...
Wenn man also sagt, gut, ich akzeptiere das, ich arbeite für 800 Euro. Aber dann hat man jeden Monat 100 Euro Stromrechnung, muss 130 Euro Hausbeitrag bezahlen und 100 Euro für irgendwelche Umlagen, z.B. für eine Aufzugrenovierung, und dann kommt noch ein Strafzettel über 200 Euro (bei den extremen Strafzetteln, die heutzutage in Spanien ausgestellt werden, scheint sich die Polizei nur noch über dieselben zu finanzieren) und dann wird's irgendwann eng. Und wenn dann die nächste staatliche Sparrunde kommt und man verdient nur noch 600 Euro und der Strom kostet 200 und die Heizung 300... und man muss ins Dorf seiner Väter ziehen und dort Ziegen züchten, um über die Runden zu kommen... akzeptiert man das dann immer noch? Ich meine, where does it end?????

Mittwoch, 18. Februar 2015

Deflation in Spanien

Leute, es ist zum ersten Mal jemand auf meinem Blog gelandet, der etwas zur "Krise" bzw. "dem guten Weg" in Spanien gesucht hat! Die in Rede stehende Person gab "Deflation Situation Spanien Krise Näheres" ein und wurde von Google hierher geschickt. Hmhm. Okay, dann schreibe ich heute mal was zur Deflation in Spanien: Zuerst die offiziellen Zahlen: im Januar allein sind die Preise in Spanien um 1,6 % gefallen, hauptsächlich aufgrund des Winterschlussverkaufs und der gefallenen Ölpreise, im gesamten Jahr 2014 sind sie um 1,3 % gefallen. Diese Zahlen habe ich diesem Artikel hier entnommen. Wie es auch bei der Inflation ist, besteht doch ein gewisser Unterschied zur gefühlten Deflation. Also: Wie bemerkt man die Deflation? Die Preise sinken. Merkt man das deutlich? Ja. Für Benzin usw. wisst Ihr das ja selber, weil es in Deutschland genauso ist. Also widmen wir uns spanischen Sonderfällen: Zum Beispiel im Supermarkt. Es ist nicht so, dass die Preise für Waren konkret gesenkt worden wären (obwohl das teilweise auch der Fall ist, z.B. Hipercor, der (teure) Supermarkt des Corte Inglés hat seine Preise auf breiter Front gesenkt), aber es gibt dauernd irgendwelche Rabattaktionen und Sonderangebote, die früher selten waren, also der eigentliche Preis ist gleich geblieben, aber man bekommt 3 zum Preis von 2 oder 50-100% Rabatt auf das zweite Produkt. Darum würde ich sagen, dass der Preis für Lebensmittel, Putzmittel etc., der früher vielleicht etwas höher war als in Deutschland, durch die mittlerweile häufigen Sonderangebote deutlich gesunken ist.
Kleider etc.: Das kann ich schwer beurteilen. Da maße ich mir keine Meinung an. Auf der einen Seite die teuren Markenklamotten, auf der anderen Seite der Billigkram aus den Billigländern, wobei die Markenklamotten wohl zum größten Teil auch aus den Billigländern kommen, hahaha. Primark hat in Spanien Einzug gehalten.
Die Mieten sinken. Die Leute gehen zu ihrem Vermieter und sagen: "Ich möchte 50 Euro weniger Miete bezahlen" und dann sagt der Vermieter "De acuerdo", spanisch für d'accord oder okay, weil er die Wohnung sonst gar nicht vermieten kann, denn es steht ziemlich viel Wohnraum leer, zumindest hier, wo wir uns befinden. Und dadurch, dass viele junge Leute wieder bei ihren Alten einziehen und viele Alte bei ihren Jungen und sich weniger Leute scheiden lassen, werden auch weniger Wohnungen gebraucht.
Von den Immobilienpreisen will ich gar nicht angefangen, denn die sind seit Beginn "des guten Weges", wie Ihr wisst, um 45% gefallen.
Gibt es auch Dinge, die teurer geworden sind? Aber hallo. So ziemlich alles, was Steuern, Gebühren etc. sind. Ich such' mal ein paar Zahlen. In den ersten eineinhalb Jahren an der Macht hat Rajoy 30 Steuern erhöht und 12 neue eingeführt. Das habe ich hier gefunden. Trotz aller Steuererhöhungen und Kürzungen steigt die Staatsverschuldung und beträgt mittlerweile über 1 Billion (siehe hier). Außerdem ist Strom viel teurer geworden. Für eine vierköpfige Familie in einem Reihenhaus darf man mittlerweile 120-130 Euro hinblättern. Alles, woran die Kaste verdient, ist teurer geworden. Abartig die Bankgebühren: 3 Euro für eine Einzahlung. Ts. Und diese Gebühr betrifft ja hauptsächlich ältere Menschen, denn junge Leute tätigen ihre Überweisungen sicher mittlerweile meist online.
Also, Zusammenfassung: Supermarkteinkäufe sind billiger geworden. Überhaupt, es heißt ja immer, diese Deflation wäre etwas ganz Schreckliches für die Wirtschaft. Die Hofschreiber der Kaste wollen ja mittlerweile sogar, dass wir uns über steigende Ölpreise freuen. Geht's noch? Die Deflation ist diese ganz schreckliche Spirale, die man sofort nach Senkung der Löhne stoppen muss, damit nicht auch noch die Waren billiger werden, das ist der offizielle Tenor, nicht wahr? Ich sehe da einen gewissen Interessenkonflikt zwischen den Leuten mit den gesenkten Löhnen und denen, die Deflation verhindern wollen. Aber ich gestehe, ich habe von Wirtschaft keine Ahnung.    
Wollt Ihr noch was über die Auswirkungen der Einsparungen wissen? Also, was ich so mit bloßem Auge sehen kann? Willkürliches Beispiel: D., der privatversichert ist, hat sich einen Termin beim Facharzt geben lassen. Wartezeit zwei Monate!!! Wie ich Euch in einem anderen Eintrag erzählt habe, müssen Kassenpatienten teilweise zwei Jahre auf einen Arzttermin warten. Deshalb gehen sie zu den Privatärzten, wo sie ihre Untersuchung bzw. Behandlung selbst bezahlen müssen. Die Privatärzte sind dieselben wie die Kassenärzte. Sie arbeiten morgens in Kliniken etc., nachmittags in ihrer eigenen Praxis (ich beschreibe dies alles in sehr groben Zügen, es ist ja keine wissenschaftliche Arbeit). Und dadurch, dass die Kassenpatienten als Selbstzahler zu den Privatärzten kommen, steigt dort natürlich auch die Wartezeit auf einen Termin für Privatpatienten.
Letztens habe ich einen Artikel gelesen über die Wartezeiten auf Gerichtstermine. Es gibt Gerichtsbezirke, die bereits Termine für 2018 ausgeben. "Erscheinen Sie bitte am 7. Februar 2018 um 9:00 Uhr." Also auch im Justizwesen machen sich die Einsparungen bemerkbar. Beamte, die in den Ruhestand gehen, werden kaum ersetzt und so. Meine Großnichte, die die vierte Klasse besucht, hat seit einem Monat keinen Lehrer mehr, weil der alte in Pension gegangen ist. Im Laufe der letzten fünf Jahre durfte für jeden zehnten Lehrer, der in den Ruhestand ging, ein neuer eingestellt werden. Das ist der gute Weg, den Spanien und Portugal gehen, Griechenland aber anscheinend nicht. Die wollen wohl weiterhin Arzttermine binnen Monatsfrist, einen Lehrer pro (womöglich gar im Winter beheiztem!!!) Klassenzimmer und Gerichtstermine zu Lebzeiten der Geschädigten. Echt, hey. Aber ganz, ganz spannend dieser Showdown zwischen den Griechen und der EU, ne?

Donnerstag, 12. Februar 2015

Der Chinese hat zugemacht plus ein Kessel Buntes für regelmäßige Leser

Alle erfolgreichen Geschäfte ähneln sich irgendwie, aber von denen, die scheitern, scheitert jedes auf seine eigene Weise. Ja, Leute, der Chinese hat den Laden dicht gemacht. Ich habe Euch bereits hier und an anderen Stellen von ihm und dem Lebensmittelladen in unserer Siedlung erzählt. Am tragischsten war für mich allerdings nicht das Scheitern des Chinesen (am Schluss sind wir Klatschweiber übereingekommen, dass er wahrscheinlich von Geldwäsche gelebt hat), sondern das des portugiesischen Familienvaters, der es davor probiert hatte und der mit dem Laden seine arbeitslosen Kinder in Lohn und Brot bringen wollte. Das war sooo traurig. Der Chinese machte einen eher aggressiv, weil er den Laden so schlecht führte. Kein Mitleid hatte man auch mit den beiden Weibern, die den Laden auch mal hatten und ihre wenigen Kunden in typisch kastilischer Weise wie lästige Bittsteller behandelten. Oder mit den Zahnlosen, die einen derart unhygienischen Eindruck machten... geht gar nicht. Ja, mit diesem Laden haben es schon allerhand Leute probiert. Nun steht er zum Verkauf. Der Chinese will jetzt in der Stadt einen kleineren Laden aufmachen. Er wird wieder scheitern, das ist so sicher wie das Amen in der Kirche. Apropos Amen und Kirche: Der Papst kommt 2015 nicht nach Alba de Tormes. Miiist!!! Und wenn der 500. Geburtstag der hl. Teresa von Avila kein Grund ist zu kommen, wird es wohl auch sonst in der Zukunft keinen geben. Was hatte wohl Johannes Paul II. dazu veranlasst, 1982 in die tiefste spanische Provinz zu reisen?
War es eine irre Hoffnung der Albenser, zu meinen, der Papst würde kommen? Da muss ich an die spanische Komödie Bienvenido, Mr. Marshall/Willkommen, Mr. Marshall aus der Franco-Zeit denken. Wenn Ihr hier klickt, könnt Ihr bei Wikipedia eine Zusammenfassung der Handlung lesen. Dieser Film ist ziemlich gut und zeigt den spanischen Charakter, wie er auch heute noch ist (ich sage nur "Eurovegas"). 
Ich wurde neulich von einer gewissen Person (aus Deutschland) schallend ausgelacht, als ich sagte, ich glaube, es geht in Spanien aufwärts. Als ich meinem Gatten gegenüber dieselbe Meinung äußerte, antwortete er mir wenigstens mit ernstem Gesicht: "Nein, es geht nicht aufwärts." Mein Gatte lässt diesen Mist aber gar nicht an sich heran. In Spanien wird man mit wirtschaftlichen Jubelmeldungen bombardiert, z.B. vom Typ "im Januar ist die Arbeitslosigkeit nur um 78.000 Personen gestiegen, das ist der geringste Anstieg in einem Januar seit x." Die Fallgeschwindigkeit der Immobilienpreise hat sich auf 6 Prozent pro Jahr reduziert (seit Platzen der Blase im Jahr 2007 sind die Preise um insgesamt 45 Prozent gefallen). In diesem Jahr gibt es in Spanien, glaube ich, vier große Wahlen, deshalb wird bei den Jubelmeldungen noch ein weiterer Gang zugelegt.
Ja, gut, man verachtet diesen ganzen Zirkus, aaaaaaaber, aber: Ich hatte hier schon geschrieben, dass ich mir die Meinung leiste, dass es sein kann, dass es wirklich aufwärts geht und dass ich gemäß dem amerikanischen Motto "put your money where your mouth is" handelte und ein paar spanische Aktien kaufte (Banco Santander und Telefonica). Dieser Spaß hat mir exakt 2317,24 Euro eingebracht. Ja, das ist nicht viel, aber dafür müssen die Leutchen, die schon unter der neuen spanischen Ordnung arbeiten und gerade mal 800 Euro heimbringen, fast 3 Monate arbeiten. Ich habe die Aktien bereits wieder verkauft, es ist also nicht nur ein Buchgewinn. Andererseits war ich vorgestern in der Stadt und habe das Elend der vielen geschlossenen Geschäfte gesehen. Okay, ich meine nicht, dass es aufwärts geht. Ich habe - wie immer - gar keine Meinung. 

Dienstag, 27. Januar 2015

Neues aus Spanien

Wie Ihr wisst, gibt es in Spanien auch eine neue Partei wie die griechische Syriza. Sie heißt Podemos und ihr Alexis Tsipras heißt Pablo Iglesias. Sie haben einen meteorhaften Aufstieg hingelegt und werden nun natürlich von den alten Parteien, die sich bisher an der Macht abwechselten, heftig angegriffen. Und so manche Schläge treffen. Der eine der Anführer der neuen Partei hat z.B. ein Gehalt von einer Uni kassiert, an der er gar nicht gearbeitet hat, ein anderer hat anscheinend eine halbe Millionen Euro, die er von bolivarianischen Ländern bekommen hat, zum großen Teil an der Steuer vorbei geschleust, usw. 
Mein Gatte hat sich vorhin über folgendes Argument der Alt-Parteien aufgeregt: "Seht ihr, die sind genauso korrupt wie wir. Da wählt lieber uns, uns kennt ihr schon." "Wie kann denn das ein Argument sein?" hat er gesagt. Aber dieses Argument zieht, denn die Spanier sind es ja gewohnt für Volksvertreter zu stimmen, die unter Korruptionsverdacht stehen, es gibt ja kaum andere. Das Problem ist, dass es für Podemos richtig schlecht ist, wenn solche Fälle aufgedeckt werden, während bei PP und PSOE schon gar keiner mehr hinhört.

Donnerstag, 22. Januar 2015

Jubel in Spanien - die sind auf einem mega guten Weg!

Als mein Gatte gestern von der Arbeit nach Hause kam, sagte er: "Du ahnst nicht, wie lange mittlerweile die Wartezeit auf Augenarzttermine für die gesetzlich Krankenversicherten ist." "Zwei Jahre", antwortete ich, mir hat es nämlich auch schon jemand erzählt, der sich Termine für seine Kinder hat geben lassen. Zwei Jahre. Wenn man heute anruft, erhält man einen Termin im Januar 2017. Viele meinen, daran würde man das Elend erkennen, aber das stimmt nicht. Nach der neuen Logik erkennt man daran, dass wir auf einem guten Weg sind! Es wird gespart, und wie! 
Ärzte, die in den Ruhestand gehen, werden nicht ersetzt. Da steigt dann einfach die Wartezeit. Eine Bekannte hat erzählt, ihrem Bruder sei eine Computertomographie verschrieben worden (oder wie man das ausdrückt). Er bekam einen Termin acht Monate später. Es ist keine bedrohliche Krankheit, aber er kann nicht gescheit laufen. Sein Arzt sagte: "Sie können nicht so lange warten. Sie müssen sich einen privaten Termin geben lassen und die Untersuchung bezahlen." Es handelt sich um einen arbeitslosen Familienvater und auf den ersten Blick könnte man meinen, das wäre richtig übel, aber wenn man es genau betrachtet, also nach der neuen Logik, der wir uns nun alle alternativlos unterwerfen, ist es doch total gut: Der Staat spart und die Privatwirtschaft wächst. Da steigen die Aktien!
Jetzt geht es in Spanien mal wieder an die Leistungen für die Beamten. Die meisten Beamten sind über ihre Beamtenkasse privat versichert und die privaten Versicherungen streichen nun ihre Leistungen zusammen. Eine der großen Privatversicherungen (Sanitas) arbeitet gar nicht mehr mit der Beamtenkasse. Bisher konnte der Beamte seinen Augenarzt - den, den er kennt, bei dem er immer ist - anrufen und bekam einen Termin ein oder zwei Wochen später. Wer solche Leistungen für absurd hält, wird sich natürlich freuen, dass jetzt auch die Beamten von den Kürzungen im Gesundheitsbereich  betroffen sind. Vor allem werden teuere Behandlungen gestrichen bzw. deren Inanspruchnahme erschwert. Darüber kann man denken, was man will, aber man muss doch anerkennen...- nein, ich bringe es nicht über mich zu schreiben, dass das Teil des guten Weges ist. Wer Milliarden und Abermilliarden für die Banken hat, muss auch Geld für Augenärzte haben.
Fun Fact aus dem Gedächtniskurs: Am Ende der Stunde schlug eine Teilnehmerin vor, die gesamten Kursgebühren gleich zu bezahlen. Die junge Kursleiterin sagte: "Ui, ich habe die Rechnungen noch gar nicht geschrieben." Sämtliche Teilnehmerinnen schnappten hörbar nach Luft. "Sie schreiben auf gar keinen Fall Rechnungen," wurde das Mädchen von den Damen angewiesen, die ihm ein bisschen Geld zuschieben wollten. Und davon sollte noch ein Teil beim Staat landen? No way, José. Das Geld ist doch schon x-mal versteuert worden! 
Viele spanische Bürger haben die Schnauze voll, von der korrupten Kaste und den vielen Lügen und allem, was dazu gehört. 

Sonntag, 21. Dezember 2014

Weihnachtsvorbereitungen - die fünfte

Gestern schauten mein Gatte und ich im spanischen Fernsehen einen Krimi und danach schaltete er hin und her und stieß dabei auf ein Interview mit dem Fernsehstar und Komiker El Gran Wyoming. Leute, echt. El Gran Wyoming hatte nichts besseres zu tun als das Ende der Krise in Zweifel zu ziehen (der neue Status Quo, jeder dritte Arbeitnehmer verdient den spanischen gesetzlichen Mindestlohn (645 Euro) oder weniger) und das politische Desaster zusammenzufassen. Die Sendung hatte schon begonnen, als wir reinschalteten und wir schauten auch höchstens 10 Minuten zu, aber was wir in dieser Zeit alles hörten: El Gran Wyoming sagte z.B.: Wenn Ministerpräsident Rajoy vor der Wahl wahrheitsgemäß angekündigt hätte, was er nach der Wahl zu tun gedachte, hätte ihn kein Mensch gewählt: Ausgaben für Gesundheit und Bildung radikal senken, Kündigungsschutz aufheben, den Banken zig Milliarden schenken, die vom Steuerzahler zurückzuzahlen sind... Und dann erinnerte El Gran Wyoming noch daran, wie oft die Schuld für die Krise auf Lehman Brothers und Co. geschoben würde und dass der spanische Wirtschaftsminister Luis de Guindos der ehemalige Chef von Lehman Brothers für Spanien und Portugal sei. Dass es in Spanien keine Gewaltenteilung gibt und dass auf vielerlei Weise verhindert wird, dass die Justiz die ganzen korrupten Politiker verurteilt, dass sich zum Beispiel das Verfahren gegen Carlos Fabra zehn Jahre lang hinzog und viermal der Staatsanwalt und zehnmal der Richter gewechselt  wurde. Dass im Falle der Tochter des ehemaligen Königs (Steuerhinterziehung, Geldwäsche) der Staatsanwalt ganz offiziell als ihr Verteidiger auftritt... usw. usw. usw. Carlos Fabra, der jetzt endlich einsitzt, hat übrigens in zwölf Jahren zehnmal in der Lotterie gewonnen. Geldwäsche per Lotteriegewinn. Er kaufte Lose, die gewonnen hatten und rechtfertigte damit Vermögenszuwächse. Und damit sind wir endlich beim heutigen Thema: am 22. Dezember ist die Ziehung der spanischen Weihnachtslotterie! El Gordo wird gezogen!!! Hier seht Ihr unsere Nummern:
Morgen früh wird die Ziehung live übertragen. Ich sage es Euch ehrlich: Ich habe ein gutes Gefühl! 
Vorsatz nicht für's neue Jahr, sondern ab sofort: keine Nachrichten und solches Zeug mehr gucken. Sofort weiterschalten!!! Dann denke ich auch nicht an die hiesigen Zustände und belästige Euch, liebe Leser, nicht damit.

Samstag, 8. November 2014

Spanien im November 2014

Wie ich Euch bereits in einem anderen Post angedeutet habe, gibt es in Spanien eine neue Partei, die Podemos heißt. Ihr Anführer ist Pablo Iglesias, der Dozent für Politikwissenschaften an der Complutense-Universität in Madrid war, bevor er zum Europa-Abgeordneten gewählt wurde. Laut jüngsten Umfragen liegt Podemos bereits mit den beiden alten Parteien, nämlich der sozialistischen Partei PSOE und der konservativen Partei Partido Popular, die sich normalerweise bei der Regierungsbildung abwechseln, gleichauf, wenn nicht sogar vor diesen. Podemos gibt es erst seit 8 Monaten. Pablo Iglesias ist viel bei Fernsehdiskussionen aufgetreten und hat dort sein Podium gefunden, mit gesundem Menschenverstand und dem dringenden Wunsch, die in Spanien herrschende Kaste auf demokratischem Wege zu beseitigen. In den letzten Tagen hat er wieder massiv Hilfe vom Königshaus und von der konservativen PP bekommen. Jedesmal, wenn die Fr das Antlitz der Königstochter, die gemeinsam mit ihrem Mann Millionen veruntreut und gewaschen und massiv Steuern hinterzogen hat, mit ihren Gerichtssachen in den Medien erscheint, gewinnt Podemos Stimmen. Da wird berichtet, was die Richter in dieser oder jener Teilangelegenheit entschieden haben, aber das nimmt niemand ernst; keiner glaubt, dass die Frau in irgendeiner Weise bestraft werden wird oder irgendwas zurückzahlen muss. 
Und auch die PP hat wieder ordentlich Wahlkampf für Podemos gemacht: Es ist ans Licht gekommen, dass Monago, der Präsident der autonomen Region Extremadura, also so etwas wie der Ministerpräsident eines Bundeslandes, in seiner Zeit als Senator auf Kosten der Steuerzahler in eineinhalb Jahren 32 Mal in der Business Class auf die kanarischen Inseln geflogen ist. Die Dame, die er dort besuchte, hat sich schon gemeldet (nee, es war nicht seine Gattin). Und das kam genau zu dem Zeitpunkt ans Licht, als er in seiner Region einen Kongress zum Thema "Verantwortungsbewusste Regierungsführung" für seine Parteispitze ausrichtete. Am Freitag behauptete er, all diese Reisen seien dienstlich gewesen, er hätte als Senator für Extremadura auch die Kanaren vertreten (Wen haben dann wohl die Senatoren der Kanaren vertreten, nicht wahr? Madrid, vielleicht.). Die zum Kongress "Verantwortungsbewusste Regierungsführung" versammelte Spitze seiner Partei stellte sich geschlossen hinter ihn, es gäbe eine Verschwörung gegen ihn. Ein Redner verkündete, Monago würde weiter gegen Korruption kämpfen, auch wenn das vielen nicht recht sei, und er würde sich zur Wiederwahl stellen... angesichts dieser massiven Unterstützung seiner Partei brach Monago in Tränen der Rührung aus. Das könnt Ihr hier sehen, wenn Ihr wollt. Das war also am Freitag. Am Samstag gab er - immer noch auf demselben Kongress und immer noch vor demselben Publikum - zu, dass diese Reisen vielleicht doch nicht alle dienstlich waren, denn er konnte keine Termine nennen, die er dort wahrgenommen hatte und es meldete sich auch niemand, der sich mit ihm getroffen hatte (außer der genannten Dame), und er wolle jetzt die Kosten für die Reisen erstatten. Donnernder Applaus seiner Parteikollegen angesichts dieses ehrenhaften Verhaltens. 
Meint Ihr, der tritt zurück? Es könnte eng für ihn werden, denn mittlerweile ist ein Parlamentsabgeordneter, der ebenfalls auf Kosten der Steuerzahler auf die Kanaren flog und dieselbe Dame besuchte, zurückgetreten. Ich muss Euch sagen, ich glaube nicht, dass Monago zurücktritt. Da wird morgen oder übermorgen schon der nächste Skandal kommen, der von seinem Fehler ablenkt.
Und Podemos wächst und wächst. Meine Freundin aus Venezuela sagt, genauso sei es dort gewesen, bevor Hugo Chavez an die Macht kam: die Leute hätten gesagt, die alte korrupte Kaste müsse um jeden Preis weg, egal, was danach kommt, und was dann kam, war ja nicht so toll. Deshalb mache ihr Podemos Angst. Aber es gibt eben sehr viele Leute in Spanien, die meinen, so, wie es jetzt ist, kann es nicht weitergehen, und das sind nicht nur linke Spinner, sondern auch konservative Menschen. Die Schamlosigkeit und Unverschämtheit der Politiker dem Bürger gegenüber sind ja noch schlimmer als die Korruption selbst. Wenn die Kaste den Geist Podemos zurück in die Flasche bekommen möchte, wird sie sich ganz schön anstrengen müssen. Die Andeutungen, dass es nicht mehr ausreichend Toilettenpapier geben wird, wenn Podemos an der Macht ist, oder dass es J.P. Morgan nicht recht sein könnte, genügen da nicht.

Donnerstag, 30. Oktober 2014

Krise in Griechenland

Also, um gleich zur Sache zu kommen: Als Touristen in Athen haben wir von der Krise nichts bemerkt. Ich hatte aber gehofft, dass bei Gesprächen mit den Kollegen meines Gatten die Rede auf das Thema kommen würde und dass wir ein bisschen darüber erfahren könnten, was in Griechenland los ist. Einmal steuerte unsere Konversation auch in diese Richtung und die Gastgeber fragten: "Stört es euch, über die Krise zu sprechen?", was ja an sich schon eine seltsame Frage ist. Mein Gatte antwortete mit nein. Leute, es war, als würde jemand fragen: "Wollt ihr eine kleine Erfrischung?" und man antwortet mit ja und bekommt prompt einen Kübel Wasser über den Kopf gegossen. Da brachen sofort alle Dämme. Bei unseren Gastgebern handelte es sich um ein Ehepaar in den besten Berufsjahren mit guten Stellen. Er ist eine "händeringend gesuchte Fachkraft", sie ist ebenfalls Akademikerin mit gutem Job. Ihre Gehälter sind um 40 bzw. 30 Prozent gekürzt worden. Zusätzlich wurden viele Steuern, Gebühren und Preise erhöht. Besonders regten sie sich über die Immobiliensteuer auf, die sie für ihre Wohnung bezahlen müssen und die zwei kompletten Monatslöhnen entspricht. Es ist ihnen nicht möglich, ihren relativ hohen Lebensstandard zu halten. Man spürte noch die Reste einer riesigen Wut, die da gewesen sein muss, aber jetzt sind diese Leute einfach ratlos. Besonders schlimm für sie ist, dass sie ihren Kindern nicht das bieten können, was sie ihnen bieten möchten und was sie selbst hatten, z.B. Sprachkurse im Ausland. Obwohl sie beide, wie gesagt, in guten Berufen tätig sind, bekommen sie Unterstützung von ihren Eltern, um den schon gesenkten Lebensstandard zu halten. Ich habe mal gegoogelt, was Leute in vergleichbaren Positionen in Deutschland verdienen und die Gehälter dieser beiden waren um etwa 30% niedriger. Ich wage es kaum zu schreiben, aber dann waren sie vor den Kürzungen wohl genauso hoch. Sie jammerten über die hohen und steigenden Preise für alles. An dem Tag, an dem ich alleine unterwegs war, kam ich an einem Carrefour-Supermarkt vorbei und dachte mir, da gehe ich mal rein und schaue mir selber an, was die Sachen kosten. Wenn mein Mann dabei gewesen wäre, wäre solch ein Blödsinn nicht möglich gewesen. Carrefour-Supermärkte gibt's auch in Spanien, also ist ein Vergleich einfach. Wäre in Deutschland Edeka die Entsprechung? Ich werde die Tabelle nach und nach ausfüllen. Also, hier kommen die griechischen Preise:


Produkt
Griechen-
land
Spanien
Deutsch-
land
Kanada
1 kg Äpfel
Golden Delicious
1,39
0,99
1,99
2,28
1 kg Tomaten
1,68
1,69
2,99
3,06
Stangenweißbrot
0,89
0,89
2,39
1,37
4 Activia Joghurt
2,39
1,99
1,99
1,84
250 g Proactiv
Margarine
2,89
3,39
2,99
3,24
1 l Milch
1,26
0,93
0,69
1,21
10 Eier (M)
2,29
1,59
0,99
1,82
Marmelade
Bonne   Maman
3,37
2,59
2,49
3,52
1 kg Mehl
0,89
0,89
0,89
1,06
1 kg Zucker
0,86
0,86
0,65
1,39
375 g Kellogs
Frosties
2,52
2,50
2,99
2,83
1 Stück Pizza im
Straßenverkauf
2,60
2,50
2,50
1,59
1 Big Mac Menü
4,95
5,90
6,69
6,50
1 l Benzin (95)
1,58
1,38
1,32
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So, und jetzt kommt mir nicht mit "die Griechen ernähren sich halt ganz anders, die leben von Feta und Fisch und so." Feta scheint mir so um 10 Euro das Kilo zu kosten und Fisch ist extrem teuer, also im Vergleich zu Spanien. Ich kann mir nicht vorstellen, dass Fisch im Normalhaushalt ständig auf dem Speiseplan steht.
Weiter: Während ich im Supermarkt stand und mir überlegte, welcher der Milchpreise so ungefähr der Durchschnitt war, sprach mich eine Frau in griechischer Sprache an. Ich antwortete ihr auf englisch, ich verstünde sie leider nicht. Sie sprach gut englisch und wir kamen ins Gespräch. Ich erzählte ihr, ich wollte gar keine Milch kaufen, sondern nur schauen, was sie kostet. Ich sei aus Spanien zu Besuch und man hatte mir gesagt, Milch sei in Griechenland besonders teuer. Damit waren wieder die Schleusen geöffnet. Die Art und Weise, wie es aus den Leuten hervorbricht, ist beeindruckend. Sie erzählen es nicht einfach, sie überschütten einen damit: Gehaltskürzungen, bestialische Immobiliensteuer, gefallener Lebensstandard, keine Zukunftsaussichten, aufwärts geht es gar nicht. Ich bekam noch einmal das volle Programm. Anscheinend sind die Griechen froh, wenn ihnen Ausländer in die Hände fallen, die ihre Geschichte noch nicht kennen. Klar, denn sie würden sich ja untereinander immer dasselbe erzählen, weil sie alle dasselbe erleben. In Spanien ist es genauso. Vielleicht mache ich einen Blogeintrag "Spanische Unterhaltungen zum Selberbasteln". Leider, leider erfahren wir ja trotz Unmengen an Nachrichten kaum, was in anderen Ländern los ist. Wusstet Ihr zum Beispiel, dass in Spanien gerade das gesamte Parteiensystem zusammenbricht? Vorgestern sind 51 hohe Politiker und Unternehmer verhaftet worden. Hier im Schweizer Tagesanzeiger könnt Ihr etwas darüber lesen. Es gibt eine neue Partei namens "Podemos", der die Menschen in Scharen zulaufen. Laut neuen Wahlumfragen ist sie bereits dabei, die sozialistische Partei zu überholen. Interessant, ne?  

Sonntag, 21. September 2014

Die wirtschaftliche Lage in Spanien: Ich glaube, es geht wieder aufwärts

Ja, Leute, ich glaube das, echt und ehrlich. Die Zeichen sind da. Es ist, als würde ein schwerer, ein gigantischer Zug mit einem Ruck wieder anfahren. J., die einer Massenentlassung zum Opfer gefallen war, hat wieder einen Job. Der prekäre Vertrag von J2 wurde verlängert. P. hat eine Wohnung gekauft. C., der Bauunternehmer, hat ein Themencafé aufgemacht. J3, der junge Architekt, hat Arbeit in Südamerika gefunden. Ich bin N., einem Freund meines Sohnes ohne jede Ausbildung, begegnet und freudestrahlend erzählte er mir, er habe Arbeit. Ein Kollegin erzählte mir, dass nach einem ganz üblen Jahr wieder Aufträge herein kämen. "Meinst du, es ist Zufall?", fragte sie mich, "oder kann das wirklich die Wende sein?" "Ich glaube, es ist die Wende", antwortete ich. Von einer Behörde, die ziemlich sinnfreie Aufträge vergibt, kam zwei, drei Jahre lang gar nichts, jetzt sind sie wieder da! Vielleicht sieht man daran auch, dass sich im Grunde wenig geändert hat. 
Ganz erstaunlich ist sowieso, dass sich die herrschende Kaste über die ganze Krise gerettet hat, ohne dass ihre Privilegien angetastet wurden. Es wurde nur bei der Mittel- und Unterschicht gespart und die Mittelschicht wird per Steuern und Gebühren von ihrer finanziellen Fettschicht befreit. Aber wie dem auch sei, hoffen wir, dass im kommenden Winter die Schulen wieder ordentlich geheizt werden können.
Auf dem wirtschaftlichen Schlachtfeld liegen viele Opfer, finanziell Verletzte, die viel verloren haben, berufliche Leichen, die nie wieder Arbeit finden werden. Aber die erste Angriffswelle scheint vorbei zu sein. 
Kennt Ihr die folgende Geschichte? In einem Dorf herrscht eine schlimme Krise, alle sind verschuldet. Eines Tages kommt ein Mann in den Gasthof und legt 50 Euro auf den Tisch und sagt zum Wirt: "Zeige mir die Zimmer." Der Sohn des Wirts nimmt den Geldschein, läuft zum Metzger und bezahlt die Schulden dort. Der Metzger bezahlt seine Schulden beim Bauer, wo er seine Schweine kauft. Der Bauer bezahlt den Futterhändler. Der Futterhändler bezahlt den Gasthof, wo er ausstehende Rechnungen hat. 
Da kommt der potenzielle Gast die Treppe herunter und sagt: "Mir gefallen die Zimmer nicht." Er nimmt seinen Geldschein wieder und geht. Wahnsinn, ne?
Vielleicht ist das so... da wird irgendwo Geld ins System gegossen, von der europäischen Zentralbank, z.B., und dann kommen diese ganzen Rädchen ins Rollen. Und genauso kann das Ganze wieder abgedreht werden. Naja, aber jetzt scheint es erst einmal wieder zu laufen.

Freitag, 27. Juni 2014

VI. Erfrischender Artikel gestern in "El País"

In unserer Welt, in der alles reglementiert und zertifiziert ist bis zum Abwinken, gibt es sie doch noch, die Horte der Verrücktheit und Anarchie, z.B. am spanischen Rechnungshof. Gestern in der Zeitung "El País" ein Artikel, nämlich hier klicken, in dem das schön dargelegt wird. Überschrift: Nur fünf der sechzig Informatiker des Rechnungshofs sind Fachleute. Ich fasse mal rasch das wichtigste zusammen: Der Rechnungshof hat 700 Mitarbeiter, davon sind 100 Familienangehörige der Führungskräfte. Dort arbeiten unter anderem die Schwester, der Bruder, der Sohn, ein Schwager und noch ein Schwager sowie der Neffe des Betriebsratsvorsitzenden, die Exfrau, der Sohn aus erster Ehe, die Tochter aus erster Ehe, die zweite Frau, die Schwiegertochter, die Schwägerin, der Neffe, noch ein Neffe und ein enger Freund des ehemaligen Betriebsratsvorsitzenden, sowie viele Angehörige anderer leitender Mitarbeiter. Das ist in einem Schaubild, das zum Artikel gehört, teilweise dargestellt. Sogar der Bruder des ehemaligen Präsidenten Aznar und die Gattin des spanischen Botschafters in England (der, so unglaublich das scheinen mag, nicht Englisch spricht), sind dort tätig.
In seiner Abteilung für elektronische Datenverarbeitung beschäftigt der Rechnungshof sechzig Mitarbeiter, von denen die meisten nur über einen Hauptschulabschluss (graduado escolar) verfügen, manche haben auch Abitur. Ihre Kenntnisse beschränken sich auf die Benutzung von Windows. Ein Teamleiter in dieser Abteilung verdient um 3000 Euro. Der Rechnungshof muss auf externe Dienstleister und Informatiker aus anderen Ministerien zurückgreifen. "Praktisch alle Mitarbeiter sind nicht für diese Posten geeignet", zitiert El País aus einem Bericht, den der stellvertretende Leiter des Zentraldienstes für Informatik der Staatsverwaltung erstellen ließ. Von 60 Informatikern haben nur fünf Informatik oder Telekommunikation studiert. Die anderen können Windows benutzen. 
Bei den Leserkommentaren schreibt einer, dass es für das spanische System unerlässlich ist, dass der Rechnungshof wirkungslos sei. Wenn da kompetentes Personal arbeiten würde, wäre es ein Desaster für die politische Kaste, und damit der Rechnungshof eine solche Nullnummer bleibt, müssten die schlechtest möglichen Mitarbeiter ausgewählt werden. 
Da könnte was dran sein, ne? Das würde so manches erklären.
Wer jetzt meint, dieser Blogeintrag sei negativ: Neeeeeee! Ich finde diese Dreistigkeit einfach geil. Der Mut, der dazu gehört, eine für spanische Verhältnisse hochdotierte Stelle anzunehmen, für die man überhaupt nicht qualifiziert ist! Und ich mache mir ins Hemd, wenn ich einen Adventskranz binden soll, weil ich meine, er wird nicht rund genug! Ich finde diese Zustände lustig und den Artikel wirklich erfrischend, denn normalerweise wird das Thema Unfähigkeit und Vetternwirtschaft in Spanien nicht öffentlich angesprochen.

Dienstag, 20. Mai 2014

Immobilienpreise in Spanien - langfristige Entwicklung

Heute habe ich in der spanischen Online-Zeitung El Confidencial einen ziemlich interessanten Artikel zum Thema Entwicklung der Immobilienpreise gelesen. Naja, so interessant war der Artikel auch wieder nicht, aber einer der angesprochenen Punkte war Hammer!, wie die jungen Leute sagen:
Hier ist der Link: hier klicken. S. McCoy hat den Artikel verfasst. Er trägt den Titel (übersetzt) "Warum sich der spanische Wohnungsmarkt nicht erholen wird". McCoy zitiert aus einem Artikel in der Financial Times, nämlich diesem: hier klicken oder nicht, man muss sich nämlich anmelden, um zu lesen. Ich übersetze mal rasch, was in beiden Artikeln steht: Nach Angaben des spanischen Instituts  für Statistik INE wird in den Jahren zwischen 2013 und 2023 die Anzahl der Einwohner Spaniens zwischen 25 und 29 Jahren um 28,07 Prozent zurückgehen, die der Menschen zwischen 30 und 34 um [sage und schreibe] 39,56 Prozent, 35 bis 39 um 37,14 Prozent und 40 bis 44 um 15,62 Prozent.
Und das sind ja die Altersgruppen, die normalerweise Wohnungen kaufen. In der Financial Times heißt es weiter, dass die Einwohnerzahl Spaniens zum letzten Mal vor 650 Jahren in vergleichbarer Weise gesunken sei, nämlich in Zeiten der Pest. Wahnsinn, ne? Das war's, was ich so beeindruckend fand, die demographische Entwicklung mit der Pest zu vergleichen. Wobei der riesengroße Unterschied natürlich darin besteht, dass bei der Pest die Leute starben und in unserer heutigen Zeit wurden sie gar nicht erst geboren. Und die FT fügt hinzu, dass die Zahlen nicht in allen Altersgruppen so schlecht sind, die Anzahl der Menschen zwischen 95 und 99 wird nämlich um 104 Prozent steigen. Haha, oder?
Vor Jahren habe ich mal in Spanien im Radio gehört, dass es ziemlich genau doppelt so viele 32-Jährige gibt wie 16-Jährige. Ich kann Euch sogar ungefähr sagen, wann das war, einer meiner Söhne war nämlich damals 16. Es war vor 8 Jahren. Also gibt es heute doppelt so viele 40-Jährige wie 24-Jährige. Dieses Zahlenverhältnis hat mich damals so beeindruckt, dass ich es mir bis heute gemerkt habe.
Weiterhin geht die Zahl der Bewohner Spaniens zurück, weil Einwanderer, z.B. aus Lateinamerika, das Land wieder verlassen und die Opfer einer Jugendarbeitslosigkeit von über 50% auch zum Teil ihr Heil woanders suchen. Ob die Kombination dieser Faktoren wohl Einfluss auf die Entwicklung der Wohnungspreise haben wird? Nööö, ne? Geht doch schon wieder aufwärts.

Dienstag, 6. Mai 2014

Immobilienpreise in Spanien

Ja, obiges soll das Thema meines heutigen Blogeintrages werden. Aber zuerst: Loooiiite, ich habe meine vorletzte Brille verloren!!! Jetzt habe ich nur noch eine und bei der fehlt ein Bügel! Miiist! Wie ich bereits an anderen Stellen angedeutet habe (Uhr verloren, Handy verloren, anderes Handy verloren usw.), verliere ich einfach alles, was nicht an mir festgetackert ist. Heute war ich in der Stadt, auf der Bank (gleich mehr dazu) und für den Fall, dass ich irgendwas Gedrucktes lesen müsste, nahm ich meine vorletzte Brille mit. Ganz schlechte Idee, jetzt ist sie nämlich fort. Miiist!!! Als ich vor ein paar Jahren feststellte, dass ich ohne Sehhilfe nix mehr lesen konnte, schaffte ich mir mehrere Lesebrillen an (6 oder 7 Stück, in weiser Voraussicht alle von Aldi o.ä., außer einer, einer guten vom Optiker, weiß Gott, wo die ist), jetzt habe ich nur noch eine, bei der ein Bügel fehlt. Eine andere, die winzig Zusammenklappbare, ist noch irgendwo im Haus, ich habe sie nämlich neulich irgendwo gesehen und gedacht: Huch, warum liegt denn diese Brille hier? Aber wo das war... Ja, ich bin ein arger Schussel. Zum Thema: 
Wie komme ich schon wieder drauf? Anlass ist das Haus, das so ist wie unseres (im Folgenden: Haus wie unseres oder HWU) und zum Verkauf steht. Ich habe schon mal davon erzählt, es ist auf zwei Webseiten im Internet gelistet, von zwei verschiedenen Maklern, einmal für 270.000 Euro und einmal für 250.000 Euro. Warum die Makler diese Preise nennen, ist dem Verkäufer nicht bekannt, er ist nämlich unter keinen Umständen bereit, sein Anwesen für weniger als 300.000 Euro herzugeben. 250.000 Euro ist meiner Meinung nach ein sehr guter Preis, wir waren nämlich auch schon bei 400.000. Wisst Ihr, wie viele Interessenten sich bei 250.000 Euro gemeldet haben? Ihr ahnt es, gell? 0, in Worten: null. Bei 400.000 gab es Käufer, für 250.000 will es keiner. Das HWU soll deshalb verkauft werden, weil der Besitzer, der sich im siebenten Lebensjahrzehnt befindet, das Haus noch vor seinem Tod verkaufen möchte, damit seine Frau keine Last damit hat, denn wenn er nicht mehr ist, wird sie es weder halten können noch wollen. Sie beabsichtigen also, das HWU zu verkaufen und in die Stadt zu ziehen. Und da sehen wir schon sehr schön einen Teil des Problems: Wo, um alles in der Welt, liegt denn das Preisniveau, zu dem jemand kaufen würde? 
Theoretisch, laut offizieller Propaganda, gibt es eine "aufgestaute Nachfrage", nämlich Leute, die eigentlich kaufen möchten, aber nicht kaufen, weil sie warten wollen, bis die Preise weiter fallen (für die, die's noch nicht wissen: die Immobilienpreise in Spanien sind bereits um 40% gefallen). Das stimmt, dieser Meinung bin ich auch, es gibt diese aufgestaute Nachfrage (spanisch: demanda embalsada). Aber, und das wird in der Propaganda der Medien nie angesprochen: es gibt auch ein riesiges "aufgestautes Angebot". Ich weiß, dass z.B. eine meiner Freundinnen ihr Haus gerne verkaufen würde, wenn nur die Preise endlich wieder anzögen. In Spanien sind 82% aller Familien Besitzer ihrer Wohnungen. In der Mittelschicht haben viele Familien zusätzlich eine Wohnung am Meer oder in dem Dorf, aus dem ihre Vorfahren kommen. Und die Mittelschicht ist gegenwärtig einem enormen Druck ausgesetzt, z.B. durch stark sinkende Löhne und Gehälter, stark steigende Steuern und Gebühren, eine Arbeitslosigkeit über 25% und nicht zuletzt durch die Jugendarbeitslosigkeit, die über 50% beträgt. Es gibt Familien in der Mittelschicht, denen ihr Geld nicht mehr reicht, um ihren Lebensunterhalt zu finanzieren. Leute, die irgendwelche Rechnungen einfach nicht bezahlen, weil sie nicht können, die eigentlich ihre Wohnung oder ihr Haus verkaufen müssten und denen das auch klar ist, die es aber nicht verkaufen können, weil es zu dem Preis, den sie verlangen würden, wenn sie es denn anböten, keiner kaufen würde. Z.B. siehe oben, das HWU: Mein Haus ist 300.000 Euro wert, keiner will's. Also gut, dann eben 250.000. Keiner will's. Also gut, dann eben 200.000 (das ist ungefähr der Preis, zu dem er vor vielleicht zehn, zwölf Jahren gekauft hat). Und es will immer noch keiner. Igitt, nicht wahr? "Was für eine beschissene Situation", würde Hape Kerkeling sagen. Die Regierung tut, was sie kann: das mittlerweile abgeschaffte spanische Wohnungsbauministerium forderte die Menschen schon zum Wohnungskauf auf, als die Preise erst um fünf Prozent gefallen waren. Das wäre jetzt der Boden. Ja, gut. 20% gefallen? Das ist jetzt aber wirklich der Boden. 40% gefallen? Das ist jetzt aber wirklich echt und ehrlich der Boden. Ja, zu diesem Thema gäbe es so viel zu sagen. Ich versuche nur, meine Gedanken zu ordnen.
Und in ein paar Jahren werde ich dann sagen: Huch, das war tatsächlich der Boden und wir haben es nicht bemerkt.
Der Typ auf der Bank hat mir heute gesagt, dass jetzt doch der ideale Zeitpunkt zum Erwerb von Wohneigentum in Spanien sei. Die Hypothekenzinsen lägen bei 2% (Hä? Das müsste man erstmal überprüfen), die Preise völlig am Boden. Und die Krise natürlich vorbei. Sagte er mir. Ich sei so schrecklich pessimistisch, da solle doch lieber mal mein Mann kommen. Sagte er mir. Mein Gatte ist der Ansicht, dass man solche Verbrecher (Bänker/Bankangestellte allgemein) aufhängen oder zumindest ins Gefängnis werfen sollte, er differenziert da nicht so. Der Bankbeamte kann froh sein, wenn ich komme und nicht er, haha. 
Gestern habe ich mit einem Freund gesprochen, den das Thema Immobilien auch (hobbymäßig) interessiert und der die offizielle Propaganda (Boden erreicht, Krise vorbei etc.) glaubt. "Die Immobilienpreise ziehen doch schon wieder an", meinte er. "Sag' mir doch mal einen einzigen Grund, warum das so sein sollte", forderte ich ihn auf. Da fiel ihm nix ein. Es fiel ihm nur ein Argument für das Gegenteil ein, nämlich die auf dem Kopf stehende Bevölkerungspyramide in Spanien. Wobei die Jungen nicht nur viel weniger sind als die Alten, sondern auch viel ärmer. Es bleibt spannend!!!

Freitag, 4. April 2014

Vorbeiene Krise in Spanien: Die Immobilienpreise

Heute habe ich folgende treffende Zusammenfassung der offiziellen Verlautbarungen zur Immobiliensituation in Spanien gelesen:
2003 - es gibt keine Blase
2004 - es gibt keine Blase
2005 - es gibt keine Blase
2006 - es gibt keine Blase
2007 - es gibt keine Blase
2008 - es gibt keine Blase
2009 - wir haben die Talsohle erreicht
2010 - wir haben die Talsohle erreicht
2011 - wir haben die Talsohle erreicht
2012 - wir haben die Talsohle erreicht
2013 - wir haben die Talsohle erreicht
2014 - wir haben die Talsohle erreicht

Und hier ist eine Graphik, die das Ganze bildlich wiedergibt:
Hahaha, ne? Ich ordne diesen Beitrag aber trotzdem nicht unter "Spaß oder Ernst" ein.
P.S.: Die Graphik habe ich, wie Ihr sicher ahnt, rasch selbst erstellt. Ich weiß nicht, was man im Internet kopieren darf und was nicht. Aber die Graphiken, die man googeln kann, sehen - was die Form betrifft - auch nicht viel anders aus.

Dienstag, 4. März 2014

Immobilienpreise in Spanien: Die Bodenbildung

Ja, liebe Freunde, ich habe schon ewig nichts mehr über den spanischen Immobilienmarkt geschrieben, Ihr habt Euch vielleicht gewundert. Aber ich sage Euch wieso: Bei uns laufen Irre durch die Straßen und murmeln wirre Zahlen. Das findet Ihr interessant. Bei uns laufen Irre durch die Straßen und murmeln wirre Zahlen. Das findet Ihr interessant. Bei uns laufen Irre durch die Straßen und murmeln wirre Zahlen... Deshalb. Das war eine Kurzbeschreibung des spanischen Immobilienmarktes in den letzten Jahren.
So, also. Wie immer vom Allgemeinen zum Besonderen, Zahlen und Graphik, wie immer, von www.fotocasa.es:
grafica
Ich empfehle Euch diese Website, da könnte Ihr Euch auch die Preise für bestimmte Zeiträume und bestimmte Gegenden anschauen. 
Preisrückgang seit der Spitze im April 2007: 41,3 Prozent. HALLO!!! Habt Ihr das gelesen? 41,3 Prozent. Happig, ne? Derzeitige Fallgeschwindigkeit: um 0!!! Sollte das tatsächlich die Bodenbildung sein? Ich glaub's nicht. Ich glaube, es handelt sich höchstens um einen vorläufigen Boden, denn die jungen Menschen mit ihren reduzierten Löhnen können auch die um 40% reduzierten Preise nicht stemmen. Zumal zu jedem Kaufpreis noch knapp fünfzehn Prozent an Steuern, Gebühren etc. hinzukommen. Es gibt noch mehrere andere Gründe, aus denen ich glaube, dass der endgültige Boden nicht erreicht ist, die alle aufzuzählen würde aber zu weit führen (Immigranten verlassen das Land wieder, Spanier müssen das Land verlassen, um Arbeit zu suchen, umgekehrte Bevölkerungspyramide, massenhaft Einzelkinder, die Wohnungen erben etc., etc.).
So, und nun lasst mich zu den Immobilien kommen, die ich seit drei Jahren gemeinsam mit Euch beobachte (Ihr könnt rechts auf "Immobilien in Spanien" klicken, um die alten Einträge zu lesen). 
Der Grund, warum ich das Thema Immobilien heute aufgegriffen habe, ist, dass am 1. März mal wieder ein Haus wie unseres auf den Markt gekommen ist. Geforderter Preis: 270.000 Euro. Meiner Meinung nach ist das "priced to sell", wie die Amerikaner sagen, also ein für den Käufer interessanter Preis. Ich würde es zu diesem Preis aber auch nicht kaufen, denn, wie gesagt, meiner Meinung nach ist noch deutlich Luft nach unten. Der Rekordpreis, zu dem ein derartiges Haus hätte verkauft werden können und um ein Haar verkauft worden wäre, war 400.000 Euro. Warum ging die Transaktion in die Hose? Die potenziellen Käufer schauten sich das Haus an, einigten sich mit den Verkäufern auf 400.000 Euro und ließen dann vier Wochen nichts mehr von sich hören. Dann kamen sie und wollten den Kauf unter Dach und Fach bringen. Da wollten die Verkäufer aber schon 480.000 Euro. Ja, Ihr habt richtig gelesen. Die Käufer wendeten sich empört ab und das war's dann auch schon. Das in Rede stehende Haus war zuletzt für 360.000 Euro auf dem Markt, da wollte es aber auch keiner. Die Verkäufer haben es vom Markt genommen, weil es 360.000 Euro wert ist und niemand bereit ist, diesen Preis zu zahlen. Dieses Haus ist aufgrund ausgeführter Verbesserungen wohl 20-30.000 Euro mehr wert als das, das jetzt für 270.000 Euro angeboten wird. Also, dies zum Thema "Häuser wie unseres".
Der Immobilienmakler, mit dem ich im Juni 2012 gesprochen habe, Link hier, im Juni 2012 also, als in der Innenstadt 400 Immobilien mit einem durchschnittlichen Quadratmeterpreis von 3500 Euro angeboten wurden, und der behauptete, dass die Preise in der Innenstadt nicht sinken würden, hat seine Pforten geschlossen. Zurzeit werden ebendort 490 Immobilien zu einem durchschnittlichen Quadratmeterpreis von 2800 Euro angeboten. Einfach zu berechnen, ne? Das ist ein Minus von genau 20% beim Preis und ein Plus von über 20% beim Angebot. In nicht einmal 2 Jahren. Wow.
Und was ist aus unseren beobachteten Immobilien geworden? Kurzfassung: In den letzten drei Jahren wurde keine einzige davon verkauft. An den Reihenhäusern ist kein Schild, keins wurde verkauft. An der Wohnung mit der Festbeleuchtung ist auch kein Schild mehr, sie wurde aber auch nicht verkauft (Preis von 98.000 runter auf 59.000, wollte sie auch keiner, also wieder rauf auf 98.000, dann wurde sie vom Markt genommen). 
Das Haus unserer Bekannten wurde auch nicht verkauft, hat aber noch sein "Se Vende"-Schild, denn sie wollen es wirklich loswerden.  
Leute, ich hab' gerade noch mal gecheckt: Das Haus wie unseres kostet auf einer anderen Webseite nur 250.000!!! Das ist wirklich billig im Vergleich zu den übrigen auf dem Markt befindlichen Objekten. Kauft's, bevor's weg ist! (Spässle) Ich glaube, dieses Haus gehört einer Freundin meiner Nachbarin. Es kann sein, dass ich herausbringe, wie viel dafür gezahlt wurde, falls es irgendwann tatsächlich den Besitzer wechseln sollte. Es ist auf jeden Fall das preisgünstigste Objekt von allen, die in unserem Ort angeboten werden. Ich werde Euch auf dem Laufenden halten, aber Ihr seht ja, da gibt es nicht viel auf dem Laufenden zu halten, obwohl 250.000 wirklich relativ billig ist. Wenn etwas wirklich relativ billig ist, wird es normalerweise schnell gekauft. Ya veremos. 
Ein anderes Haus in unserer Straße, das deutlich größer und moderner und luxuriöser als unseres ist, hat folgenden Preisverlauf hinter sich: Vor vielen Jahren (zehn?) wurde es gebaut und für 600.000 Euro auf den Markt gebracht. Niemand wollte es. Der Verkäufer verzweifelte fast und bot es schließlich vor ein paar Jahren (vier?) für 400.000 Euro "zum Selbstkostenpreis" an. Jetzt steht es wieder für 550.000 Euro im Internet. Interessant, ne? That's Spain for you.

Sonntag, 9. Februar 2014

Vorbeiene Krise in Spanien - Ich weiß nicht, das ist mir nicht bekannt, ich habe meinem Mann vertraut

Die spanische Königstochter Cristina wird des Steuerbetrugs und der Geldwäsche beschuldigt. Gestern hat sie vor Gericht ausgesagt. Und zwar folgende Worte: "Ich weiß nicht", "Das ist mir nicht bekannt" und "Ich habe meinem Mann vertraut". So antwortete sie auf ein paar hundert Fragen. Auf dem Weg ins Gericht zeigte sie ein strahlendes Lächeln. Sie muss nichts befürchten. Ihr größter Verteidiger ist der Staatsanwalt. Er fragte sie: "Wissen Sie, warum Sie wegen Steuerbetrugs vor Gericht stehen?" "Nein", antwortete sie. "Ich auch nicht", sagte der Staatsanwalt. Hahahaha, oder? Als sie aus dem Gericht kam, strahlte sie noch mehr. Ihr Anwälte lobten sie und sagten, ganz sicher sei es ihr gelungen, das Volk von ihrer Unschuld zu überzeugen.
Ich weiß nicht, wie ihr Grinsen im zornigen Volk angekommen ist. Ich glaube nicht, dass sie als Sündenbock hingestellt wird, sie ist vielmehr ein Symbol. Die Monarchie soll doch ein Symbol für den Staat sein, oder? Und das ist sie ja: Steuerbetrug, Geldwäsche.Volksvermögen in die eigene Tasche stecken.
Und das Symbol antwortet nun symbolisch, es wüsste von nichts und überhaupt. 
Warum entschuldigt sie sich wohl nicht? Warum zahlt sie die unrechtmäßig erworbenen Gelder nicht zurück? Fragen über Fragen. 

Freitag, 7. Februar 2014

Hurra! Die Krise in Spanien ist vorbei!

Ja, Leute, die Krise in Spanien ist vorbei. Endlich! Die größte spanische Bank, die Banco Santander, hat im vergangenen Jahr einen Reingewinn von 4,37 Milliarden Euro erzielt. Ich darf mal rasch aus einem Artikel im manager magazin online zitieren: "Gestützt wurde das Ergebnis [...] vom guten Geschäft mit spanischen Staatsanleihen. Die Banken des Landes profitieren davon, dass sie billig Geld von der Europäischen Zentralbank bekommen, das sie dann in höher verzinste Anleihen ihres Heimatlandes stecken." Hier ist der Link. Die zweitgrößte spanische Bank, BBVA, hat es auch auf 2,22 Milliarden Gewinn gebracht. Wahrscheinlich mit derselben Methode. Als Laie in wirtschaftswissenschaftlichen Sachen fragt man sich, warum die EZB das Geld nicht direkt dem spanischen Staat gibt, warum die Banken Milliarden dafür kassieren, dass sie das Geld weiterreichen. Mit Politikern oder ihren Verwandten und Bekannten in Bankenaufsichtsräten kann das nichts zu tun haben, oder? Naja, iss egal.
Auch von der Beschäftigungsfront gibt es gute Nachrichten: Im Januar ist die Zahl der Arbeitslosen in Spanien um 184.000 gestiegen. Das ist der niedrigste Anstieg in einem Januar seit sieben Jahren. Es geht überall aufwärts. Auch unsere Stromrechnung ist mittlerweile in schwindelerregende Höhen gestiegen. Für die vergangenen zwei Monate haben wir 175 Euro bezahlt. Für Spanien ist das sehr hoch, denn im Jahr 2008 haben wir für zwei Monate noch 70 Euro bezahlt (ich habe mir extra die Mühe gemacht und eine alte Stromrechnung gesucht). Ich habe mit ein paar Bekannten über die Höhe ihrer Stromrechnung gesprochen und sie wussten alle genau was sie bezahlt hatten, alle waren geschockt gewesen, als sie die Rechnung gesehen hatten. Sie haben zwischen 112 Euro (alleinstehende Witwe) und 200 Euro (Vater, Mutter, zwei Kinder) bezahlt. Bitte bedenkt, dass diese Leute seit 2008 deutliche Einkommenseinbußen hingenommen haben, bei deutlicher Erhöhung aller Steuern und Gebühren. 2014 soll der Strom nochmal teurer werden. Die Renten sollen um 0,25 Prozent steigen. Wie gesagt, es geht an allen Fronten doooiiitlich aufwärts. Vielleicht sollten wir uns auch mal ein paar Milliarden für 0,25 Prozent bei der EZB leihen und dann für 4,25 Prozent an den Staat weiterverleihen ... das wär' doch was, oder? Okay, Milliarden sind zu viel, aber bei einer Million wäre das auch schon ein Gewinn von 40.000 Euro pro Jahr...