Dienstag, 19. Juni 2012

Unser Versicherungsvertreter in Spanien

Ja, ich muss mir mal wieder was von der Seele schreiben. Wie in einem anderen Eintrag kurz angedeutet, hat unser lieber, treuer, achtzehnjähriger Packesel (Passat) nach einem Auffahrunfall einen Totalschaden. Gott sei Dank wurde keiner verletzt, das ist das einzige, was wirklich zählt.
Wir sind die Geschädigten, ich musste bereits fünfmal persönlich beim Versicherer antreten, um die Sache voranzubringen, dazu kommen ungezählte Telefonanrufe. Wobei der Vorgang eigentlich völlig klar ist. Dazu will ich auch gar nichts sagen. Ich lasse das jetzt einfach ruhen und wenn sie irgendwann die 1000 Euro bezahlen, die sie uns zugesagt haben, dann ist das recht (ich will den Namen des Versicherers gar nicht nennen, da wir mit ihm nicht besonders unzufrieden sind und da ich auch nicht glaube, dass die anderen besser sind). Wir haben einen neuen Wagen gekauft und versuchen nun, von eben diesem Versicherungsvertreter einen Kostenvoranschlag für eine Vollkaskoversicherung zu bekommen. 
Leute, ich bin die allerletzte, die anderen Menschen gute Ratschläge gibt, da ich mir meiner eigenen Mängel sehr bewusst bin. Gerade eben konnte ich aber doch nicht länger an mich halten. Der Versicherungsheini ist ein dicker Bub, der mit irgendwem verwandt sein muss, anders kann ich mir nicht erklären, warum er da sitzt. (Okay, sein Körpergewicht und sein Alter hätte ich nicht erwähnen dürfen, da sie für seine Unfähigkeit sicher irrelevant sind, auch dünne Menschen im mittleren Alter können völlige Versager sein. Ich wollte nur, dass vor Eurem geistigen Auge irgendwas erscheint (vergesst das durchgeschwitzte Hemd nicht!).) Gestern hatte ich ihn angerufen und ihn einmal mehr um einen Kostenvoranschlag gebeten. Er versprach einen Rückruf, der nicht kam. Ich sprach auf seinen Anrufbeantworter und bat um einen Rückruf ... siehe oben. Ihr denkt jetzt vielleicht, wir sind gewohnheitsmäßige Versicherungsbetrüger und keiner will uns als Kunden. Weit gefehlt. Mein Gatte ist seit dreißig Jahren Kunde dieser Firma und hat noch keinen einzigen Schaden verursacht. In dreißig Jahren wurde sein Wagen einmal abgeschleppt. Dann war mal die Frontscheibe kaputt. Das ist alles. Wir sind der Traum eines jeden Versicherers. Hausrat seit zwanzig Jahren beim selben Laden - noch nie etwas gemeldet.
Heute früh rief ich also nochmal an und bat nochmal eindringlich um einen Kostenvoranschlag. "Ich ruf' dich dann zurück und sag' dir was", antwortete das Bubele. "Nein, du rufst mich nicht zurück und sagst mir was", fuhr ich ihn an. "Du schickst mir eine E-Mail an die Adresse, die du hast. Darin machst du mir ein ausführliches Angebot, auch mit verschiedenen Selbstbeteiligungen. Dabei bedenkst du, dass ich schon andere Angebote habe, die du unterbieten musst. Deine Angebote müssen verbindlich sein. Deinen Anrufbeantworter hörst du entweder ab und bearbeitest, was darauf gesagt wird, oder du schaltest ihn aus. Den Anrufbeantworter einfach zu ignorieren macht einen ganz schlechten Eindruck. Ebenso wie dauernd zu versprechen, zurückzurufen und es nicht zu tun. Versprich nichts, was du nicht halten kannst. Wenn dir jemand seine Telefonnummer gibt, schreib' sie so auf, dass du sie wiederfindest und frage nicht jedesmal neu, nur um dann doch nicht zurückzurufen." Das war's, glaube ich, was ich ihm geraten habe. De nada (das ist spanisch und ist die Antwort auf Gracias, aber bedankt hat er sich natürlich nicht). McKinsey hätte für diese Beratung 1000 Euro genommen.
Nachtrag: Ihr wollt vielleicht wissen, wie das mit unserer Vollkaskoversicherung weiterging: Das Bubele rief irgendwann zurück und sagte mir was.
Sein Angebot lag 50 Euro unter dem nächsten Angebot, das uns in einer schönen, übersichtlichen, ausführlichen E-Mail zugesandt worden war. "Ich weiß gar nicht, warum du mich so angeschnauzt hast", sagte er, "Ich war doch immer nett zu dir, wenn du kamst. Ich war auch nett zu deinen Kindern, als die da waren." (Stimmt! Das hatte ich ja ganz vergessen, D. war einmal dort, weil er als Unfallopfer unterschreiben musste, P. war dort, weil er die Original-Fahrzeugpapiere hintrug, damit der Versicherungsvertreter sie noch einmal fotokopieren konnte, weil er seine ersten Fotokopien verschlampt hatte.). "Ich war auch am Telefon immer nett zu dir," sagte er. "Weißt du was, R.", sagte ich zu ihm, "ich möchte gar nicht mit dir sprechen, ich will auch nicht immer wieder hierher kommen müssen, auch wenn du noch so nett bist, bearbeite unseren Vorgang, überweise die Kohle und fertig, mehr will ich nicht von dir," sagte ich. "Und der Anrufbeantworter, da sind wir nicht schuld, wir wissen einfach nicht, wie er funktioniert," sagte er. Nichts von dem, was ich ihm gesagt hatte, war angekommen. Aber er bemüht sich sehr. Mejor malo conocido que bueno por conocer, dachte ich. Das ist ein spanisches Sprichwort. Übersetzt würde es heißen: Besser das Schlechte, das man schon kennt, als das Gute, das man erst kennenlernen muss. Er ist nett, er bemüht sich. Der Grund, warum die Unfallgeschichte noch nicht geklärt ist, ist folgender: Das Nummernschild des Fahrzeugs, auf welches der Passat meines Sohnes geschoben wurde (also des zweiten Geschädigten), gehörte nicht zum Auto, die Handynummer, die der Fahrzeugführer angab, existierte nicht, usw. Er hatte sich auch von der Unfallstelle entfernt, bevor die Polizei kam, sein kleiner Schaden war ihm egal. "Vielleicht war das Auto gestohlen," vermutete ich. "Na, wir wollen doch nicht gleich etwas Schlechtes denken," sagte unser Versicherungsvertreter. Er hat ein gutes Herz. Die anderen sind auch nicht besser, nehme ich mal an. Also habe ich bei ihm abgeschlossen.

Sonntag, 17. Juni 2012

Immobilien in Spanien: Das Mysterium der Preisfindung

Ich weiß, meine Einträge zum Thema "Immobilien in Spanien" sind bei meinen Lesern unbeliebt, ebenso wie die Einträge zur Krise in Spanien. Ich schreib's halt mehr oder weniger für mich, damit ich später nachschauen kann, wann was los war.
Okay, wie üblich vom Allgemeinen zum Besonderen: Preisrückgang in ganz Spanien seit der Spitze im Mai 2007: knapp über 30 %. Derzeitige Fallgeschwindigkeit 8,4 % pro Jahr. Die Zahlen stammen, wie immer, von www.fotocasa.es.
Neulich war ich in der Stadt und ging spaßeshalber in eines der übrig gebliebenen Maklerbüros. Höflich fragte ich, ob es irgendwelche gute Angebote gäbe. Die Maklerin sah in mir einen üblen Schnäppchenjäger und erklärte, häufig kämen Leute in ihren Laden, die meinten, es gäbe irgendwas geschenkt. Es gibt aber nichts geschenkt. Gute Wohnungen in der Innenstadt haben ihren Preis. Da hat sich noch nichts bewegt, da sinkt nichts und wird auch nichts sinken [sic!!!!!].
"Okay", antwortete ich.
"Die Leute hören da irgendwas im Fernsehen oder im Radio und schon meinen sie, die Preise sinken", schimpfte sie, "die sinken nicht, höchstens in einsamen Gegenden und an der Küste".
"In unserem Ort aber schon", sagte ich.
"Ja, dort vielleicht", antwortete sie, "dort will ja auch keiner hin".
"Okay", sagte ich.
Die Leute wollen in die Stadt und in der Stadt ist es teuer. Gerade erst habe sie an einen Herrn, der eine Wohnung in einem bestimmten Gebäude in einer bestimmten Straße wollte, ebendiese zu einem horrenden Preis verkauft. Wer etwas will, muss dafür bezahlen, informierte sie mich.
Der Durchschnittspreis in der Innenstadt liegt bei 3500 Euro pro Quadratmeter, es gibt gut 400 Wohnungen im Angebot.
Ich zuckte mit den Schultern. Mir ist es recht. Und tschüss.
Wer kauft zurzeit eigentlich? Schnäppchenjäger werden praktisch rausgeworfen, die Tochter von unserem Freund (der, der hofft, dass er Enkel bekommt, wenn seine Tochter in ein großes Haus zieht, dessen Tochter aber eine Wohnung in der Stadt möchte, wie ich Euch in einem anderen Post geschildert habe), die ernsthaft kaufen möchte und über die nötige Kohle verfügt, hat die Suche aufgegeben, da die Preise in der Innenstadt echt und ehrlich NICHT fallen. Es würde mich nicht wundern, wenn das durchschnittliche Lebensalter der Innenstädter deutlich über sechzig liegen würde. Keine junge Familie kann sich die Preise dort leisten. Ich frage mich, ob die Preise irgendwann mal einfach zusammenbrechen oder ob sie runtertröpfeln werden.
Spanien befindet sich im freien Fall. Die Löhne fallen auf eine Art und Weise, die man vor zwei Jahren noch für unmöglich gehalten hätte. Gestern erst hat mir eine Frau erzählt, dass in der Firma, in der ihre Tochter arbeitet, alle Mitarbeiter entlassen wurden (alter Nettolohn: 1200 Euro) und zum Teil für 800 Euro wieder eingestellt wurden. Ihre Tochter hat sich für's erste in die Arbeitslosigkeit begeben, da stellt sie sich finanziell günstiger. Mitarbeiter mit Familie und/oder Hypothekenjoch haben das Angebot angenommen. Nein, das ist kein Schauermärchen und auch kein seltener Fall, das ist das tägliche Brot hier. Und, Leute, warum soll ich denn jemandem 1200 Euro zahlen, wenn sich auch bei 800 Euro die Leute um den Job kloppen? Tja.
So, und nun zu unseren Versuchstierchen: Die Reihenhäuschen, die ich am 24.10.2011 beschrieben habe, deren Preis von 345.000 Euro auf 245.000 Euro gesenkt wurde, sind nicht auf den Radarschirm zurückgekehrt, verkauft wurde auch keins. Nehmen wir also an, dass sie sich im Eigentum einer Bank befinden und diese sich noch nicht dazu aufgerafft hat, die Häuschen auf den Markt zu bringen.
Die drei Häuser in unserer Straße: Das von der feinen Dame - sie kam persönlich bei mir vorbei, um mich in Kenntnis zu setzen, dass sie den Preis ihres Anwesens von 420.000 Euro auf 360.000 Euro heruntergesetzt hat. Das ist lieb, nicht wahr? 360.000 Euro deshalb, weil das letzte Haus, das in unserer Straße verkauft wurde, zu ungefähr diesem Preis den Besitzer wechselte. Ich dachte mir, sagte aber nichts, weil ich diese gute Verkäuferin, die sich in einer schwierigen Situation befindet, ziemlich bewundere: Wenn das Haus vor über einem Jahr zu diesem Preis verkauft worden ist und die Preise seit dem um mindestens 8,4 % gefallen sind, müsste der neue Preis eigentlich 330.000 Euro betragen. Ich sagte aber nichts. Es entspann sich folgendes Gespräch: 
Sie: "Weißt du, das mit den Preisen, dahinter steckt die unsichtbare Hand."
"Welche unsichtbare Hand?" fragte ich.
Sie: "Weißt du das nicht? Die unsichtbare Hand? Adam Smith?"
Sie setzte dann zu einem wissenschaftlichen Diskurs an, von dem ich nichts mitbekam, weil ich vor Entsetzen die Ohren zu machte. 
Mein Sohn klärte mich später darüber auf, dass Adam Smith der von "Wenn jeder an sich denkt, ist an alle gedacht" ist. Ich habe keine Ahnung von Wirtschaftswissenschaften und aufgrund meiner Unaufmerksamkeit habe ich auch nicht mitbekommen, warum Adam Smith dafür verantwortlich ist, dass sie den Preis für ihr Haus nicht weiter senkt.
Dann sind mittlerweile noch zwei weitere Häuser in unserer Straße im Angebot, eins zu 360.000 und eins zu 450.000 Euro, beide identisch, beide schlechter als das der feinen Dame. Wisst Ihr, was ich mir mittlerweile gedacht habe? Ich meine, es ist doch echt hirnrissig, für einen identischen Gegenstand 90.000 Euro mehr zu verlangen als der Wettbewerber ... vielleicht sind die Verkäufer Freunde und das eine Haus steht gar nicht zum Verkauf, es soll nur das andere billiger aussehen lassen. Das ist die einzige Erklärung, die mir einfällt. Nun ja, die Preise stehen alle unter meiner Beobachtung. Einfach so, spaßeshalber. Wenn ich noch einmal jung wäre und Wirtschaftswissenschaften oder Psychologie studiert hätte, würde ich zu diesem Thema forschen. Naja, macht bestimmt irgendwo irgendwer, wir werden es nur nicht zu lesen bekommen. Man könnte ja mal suchen, im Internet ...

Montag, 11. Juni 2012

Lustig, oder?

Spanischer Bekannter mit deutschem Migrationshintergrund: "Wenn das so weiter geht mit der Krise, gehe ich mit meiner Familie nach Deutschland ... mein Geld ist eh schon dort."

Samstag, 9. Juni 2012

Krise in Spanien - Von starken Mächten unterstützt


"100 Milliarden Euro für die Banken - und damit hat sich's dann aber auch. Ganz sicher." Uahahahahahaha, hihihihihihihihi- (Schenkel klopf) - bruhahahahahahah - (Tränen aus den Augen wisch) - hihi. Ähemm.
100 Milliarden Euro für die Banken - die sind aber mit Auflagen verbunden, nur für die Banken natürlich, der Staat darf weiter wirtschaften wie bisher.
Was könnten diese Auflagen sein? Ich vermute mal, die folgenden Dinge sind es nicht
- Die alten Leute, denen die Banken ihre Lebensersparnisse durch Verkauf von "preferentes" gestohlen haben, erhalten ihr Geld zurück (Participaciones referentes sind Papiere, für die die Banken nur Zinsen zahlen, wenn sie Gewinne in gewisser Höhe erzielen, ansonsten nicht, Laufzeit endlos. Den Kunden wurde erzählt, sie könnten ihr Geld jederzeit zurückbekommen.) 
- Die Familien, die die Hypotheken für ihre völlig überteuert gekaufen Wohnungen nicht bezahlen können, weil ein Familienmitglied arbeitslos geworden ist, werden nicht mehr zwangsgeräumt (zurzeit werden aus diesem Grund allein in Madrid 500 Familien pro Monat vor ihre eigene Wohnungstür gesetzt, habe ich im Radio gehört). Es wird eine gerechte Lösung gesucht. Es ist mir schon klar, dass man den Leuten die Wohnungen nicht schenken kann. 
- Die Menschen, die durch den Verkauf von Bankia-Aktien betrogen wurden ... okay, die haben es nicht anders gewollt, aber konnten die ahnen, dass sie innerhalb eines Jahres 70 % ihrer Geldanlage verlieren? Okay, wenn sie 70 % Gewinn erzielt hätten, hätten sie auch nicht gejammert.
- Die Bankmanager, die das Chaos verursacht haben und jetzt mit Abfindungen in Millionenhöhe heim gehen dürfen, erhalten diese Abfindungen nicht.
- Die Banken werden gezwungen, die hunderttausende von Wohnungen, die sich mittlerweile in ihrem Besitz befinden, zu Preisen, die die Menschen bezahlen können, zu verkaufen (hihihihihihi, hahahahahaha, nein, ich bin nicht auf Drogen).
Usw., usw., usw., all diese Auflagen sind es natürlich nicht. Ehrlich gesagt ist es ist mir völlig wurscht, was die Auflagen sind. Ich finde es nur erstaunlich, wie frech man uns belügt. Stellt Euch mal vor, Ihr hättet jemanden in der Familie, der so lügt wie ein Politiker ... das Zusammenleben wäre unmöglich. Für die Spanier ist jede finanzielle Planung unmöglich. Alles, was einem der spanische Bankberater empfiehlt, kann ein Versuch sein, das Geld des Kunden zu stehlen. 
100 Milliarden ist ganz schön viel, oder? Man hat gar kein Maß bei solchen Summen.
Werden die Südländer aus dem Euro fliegen? Ich glaube ja. Wann? Hoffentlich nicht mehr in diesem Jahr. Echt schade, was im Moment abgeht. Warum erklärt man uns nicht, was wirklich los ist? Ich würde es gern wissen. Ich habe keine Ahnung. Ich lese gerade das Buch "This Time is different"/"Dieses Mal ist alles anders" von Carmen Reinhart und Kenneth Rogoff - für Hausfrauen nicht einfach zu lesen, aber ich möchte versuchen zu verstehen, was los ist. Diese beiden Wissenschaftler haben Krisen der vergangenen 800 Jahre untersucht und zeigen anhand der Geschichte so allerhand auf. Es ist für mich als Bürgerin beleidigend, von den Politikern und Medien so belogen zu werden.

Donnerstag, 7. Juni 2012

Lustiger Wortwechsel

Heute hatte ich mit meinem fast erwachsenen Sohn, der auch nicht durch den Anfangsbuchstaben seines Namens identifiziert werden möchte, folgenden Wortwechsel:
Er: "Wie lange dauert eigentlich die Fußball-Europameisterschaft?"
Ich: "Ich glaube, vier Wochen."
Er: "Vier mal sieben ... das sind fünfzig ... das sind drei Wochen."
?!?

Sonntag, 3. Juni 2012

Unsere Reise durch England und Schottland - Stratford-upon-Avon

Stratford-upon-Avon hat, wie gesagt, unsere Erwartungen weit übertroffen. Wir waren gar nicht mal so sicher, ob wir überhaupt hinfahren sollten, weil wir es uns total überlaufen vorstellten, aber dann dachten wir: Nee, wir können England nicht verlassen ohne uns die Shakespeare-Stadt angeschaut zu haben. Sie ist einfach ein Muss, ob man will oder nicht. Auf dem ersten Foto seht Ihr Shakespeares Geburtshaus. Es war Mitte Mai. Seht Ihr, wie überlaufen es war?


Und das Wetter war ausgezeichnet. So sehen in Stratford-upon-Avon die Straßen aus:


In diesem Haus hat Shakespeare ebenfalls gelebt:


Was wir heutzutage häufig nicht beachten, insbesondere Schüler, die mit Shakespeare gequält werden, ist, dass Shakespeare zu seiner Zeit gar kein klassischer Autor war. Er schrieb in der Sprache seiner Zeit, seine Stücke waren keine Bildungsliteratur, sondern dienten der Unterhaltung. Die Rezeption zu seinen Lebzeiten war ganz anders als heute, wo man schon vor Bildungswut strammt steht und ein ehrfürchtiges Gesicht aufsetzt, wenn man nur seinen Namen hört. 


Das Städtchen war so ruhig und ... peaceful. Seht Ihr, wie krumm und schief das Gebäude ist, in dem die Polizeistation untergebracht ist?


Einfach nur schön:




 Ann Hathaways Cottage: In diesem Haus wuchs Shakespeares Frau auf, hier hat er sie besucht. Es liegt etwas außerhalb des Städtchens, man kann gemütlich hinspazieren.


Stratford war unsere letzte Station, bevor wir nach London zurückkehrten.

Jubilee!

Your Majesty, if thou, by any chance, readest these lines: Congratulations!

First things first, gell?
Wie Ihr wisst, war ich vor kurzem in England/Schottland. Ich war beeindruckt, was es da alles mit der britischen Flagge drauf gab. Hier ein paar Beispiele:

Teegeschirr, Gebäckdosen, ein Tablett, das vor dem Tablett ist ein Kofferradio, das rechts daneben eine Thermoskanne, das längliche Kissen ist für unten an die Türe, damit die Kälte nicht rein kommt (ob das wohl als Dämmung subventionsfähig ist?).
Von links nach rechts: Feuerzeug, Spielkarten, Kugelschreiber, Golfbälle, Regenschirme ... wer das küssende Paar auf dem einen Teller ist, will mir gerade nicht einfallen, ich meine die beiden aber schon öfter gesehen zu haben.
Schnapsgläschen, Keksdosen, die Pfundzeichen mit der Flagge drauf sind Salz- und Pfefferstreuer, Minitellerchen, auf denen man seine gebrauchten Teebeutel ablegen kann, Marmelade.
Taschentücher (Toilettenpapier mit dem Union Jack drauf habe ich nicht gesehen, aber wenn man seine Nase hinein schneuzt, ist das anscheinend okay), Kühlschrankmagneten, bei den silbernen Kästchen dachte ich, sie enthielten Kondome, stimmt aber nicht, sie enthielten Minzpastillen, naja, wenn sie leer sind, kann man ja hinein tun, was man will. Das ganz rechts sind Labellos.  
Teegeschirr, Muffinförmchen. Die Muffinförmchen (aus Papier) und noch mehr England-Backdeko habe ich gekauft. Der Laden in Stratford-upon-Avon hieß "Lakeland". Er hat ein tolles Sortiment. Außerdem habe ich noch krönchenförmige Ausstechförmchen gekauft. Süß! Mein Gatte wartete draußen und hörte einem Straßensänger zu, der das berühmte Lied  "Hallelujah" von Leonard Cohen zum Besten gab. Welches mein Gatte dann für den Rest des Nachmittags vor sich hin summte. Und auch mir als Ohrwurm einpflanzte. Meine Lieblingsversion ist diese hier von Rufus Wainwright: http://www.youtube.com/watch?v=kB67HO8tkQs  Die gekauften Sachen sind noch in England. Ich werde sie Euch bei Gelegenheit zeigen. Ich will damit mal so einen richtigen High Tea mit allem Luxus machen.
Papierteller ... und der Grund, warum ich dieses Schaufenster fotografierte: Face Paint in den Nationalfarben.
Ratet mal, was dieser Laden verkaufte? Richtig, es war ein Optiker.

Ich habe noch mehr Fotos, aber ich will Euch nicht allzu sehr langweilen. Weitere Dinge, die man nicht sofort mit dem Union Jack assoziieren würde, die aber dennoch davon geziert wurden: Wärmflaschen, Bettwäsche, Ober- und Unterbekleidung (Bikinis, BHs, Unterhosen, T-Shirts, Jacken...), Handtücher, Möbel, Kissen, Teppiche ... ich glaube, wenn man möchte, könnte man seine Wohnung und sich selbst ausschließlich mit Union Jack-Sachen ausstatten. 

Freitag, 25. Mai 2012

Krise in Spanien: Bankia, 15M usw.

Die spanische Bank "Bankia" wurde heute vom Handel ausgesetzt. Sie wurde erst im Juli letzten Jahres an die Börse gebracht, Ausgabepreis 3,75 Euro, die Aktien wurden hauptsächlich Kleinanlegern ans Herz gelegt. Preis gestern 1,57 Euro.
Was "participaciones preferentes" sind, wisst Ihr wahrscheinlich nicht. Das sind Papiere, die von Bank- und Sparkassenfilialen hauptsächlich älteren Sparern untergeschoben wurden, die ihre Euro als Festgeld anlegen wollten. Was die Bankangestellten/Drücker den Kunden verschwiegen, war, dass die Laufzeiten teilweise endlos sind; jemand meldete, dass das Ablaufdatum in seinem Fall der 31.12.3000 war. Auf diese Art und Weise haben die spanischen Banken und Sparkassen um die 12 Milliarden an sich gebracht, mit denen sie ihr Eigenkapital stärkten.
Heute wurde also Bankia, die ehemalige Madrider Sparkasse, vom Handel ausgesetzt. Die Bank benötigt zusätzlich zu den 5 Milliarden Euro, die sie bereits erhalten hat, weitere 15 Milliarden. Und die müssen ja irgendwo herkommen. Die 10 Milliarden, die im Gesundheitssektor und im Bildungswesen eingespart werden, sind da schon mal ein guter Anfang. Juhuu. (Nein, ich habe noch nie auf die Tastatur von meinem Computer gekotzt.)
Mir fällt da echt gar nichts dazu ein. Außer: "Das geht gaaa nich." Geht aber anscheinend doch. Und damit komme ich zur Bewegung der sogenannten Empörten, dem 15M, wie sie in Spanien heißt. Wie Ihr Euch vielleicht noch erinnert, begannen letztes Jahr an diesem Datum, dem 15. Mai, 15M, Proteste auf dem Madrider Platz Puerta del Sol, Leute campierten in Zelten etc. Ich war nicht dort, ich weiß nicht, wie es dort genau war. Ich war aber, siehe HIER, letztes Jahr bei den Protestveranstaltungen in Salamanca und habe gesehen, was dort los war. Ich war in Abständen von Wochen mehrfach beim Occupy London Camp neben der Saint Paul's Cathedral. Im Schatten der Kirche standen ein paar dreckige Zelte. Ein Zelt war als Treffpunkt vorgesehen. Das Ganze war pathetisch. Es war einfach nix. Einmal war ein Redner da, ein Katalane, der an einer amerikanischen Uni unterrichtete. Ich kann mich nicht mehr auf seinen Namen besinnen. Die anderen Zuhörer, ganz schön viele, auch Börsenleute in der Mittagspause, keine Perroflautas, kannten ihn. Okay, ich suche seinen Namen: Manuel Castells. Er sprach sehr gut, erzählte das, was viele Menschen für die Wahrheit halten, schwärmte von 1968 (das war 'ne Idee peinlich). Das Publikum war zufrieden. Alles gut. Dann zerstreuten sich die Anwesenden, die Börsianer gingen wieder an ihre Arbeit. Occupy London reduzierte sich wieder auf ein paar dreckige Zelte in einer zugigen Ecke des Kirchplatzes. 
Warum wird dieser Protest von den Medien so gehypt? fragte ich mich. Das ist doch einfach NIX. Das ist doch kein Wort wert.
Wie in meinem vorherigen Post erwähnt, gingen mir am diesjährigen 15. Mai die Augen auf: Die Bewegung 15M ist töter als tot, trotzdem wird der Tag in Spanien wieder endlos aufgebauscht. Ich konnte mir echt nicht erklären, wieso. Aber dann, ein Radioprogramm im spanischen Sender Cadena Ser. Thema: Was bedeutet die 15M-/Indignados-/Empörten-Bewegung für Euch? Die Hörer rufen an. Eine Frau über fünfzig beginnt zu erzählen: Ihre Tochter ist arbeitslos, ihr Mann ist arbeitslos, das hätte sie nie für möglich gehalten, eine Mittelklassefamilie, sie erhalten kein Arbeitslosengeld und keine Unterstützung mehr und leben jetzt alle von der Rente der Oma. Sie beginnt zu weinen. "Und der 15M, der gibt uns Hoffnung. Es gibt Leute, die dagegen kämpfen ...es werden immer mehr." Und so - ein Anrufer nach dem anderen. 15M gibt uns Hoffnung. Da fiel es mir wie Schuppen von den Augen: 15M und Occupy was-weiss-ich werden von der Obrigkeit gewünscht, sie tun keinem weh und geben den Menschen Hoffnung (Was in Frankfurt los ist, weiß ich nicht, das habe ich mir noch nicht angeschaut. Ich empfehle aber, in dieser Angelegenheit nichts zu glauben, was man nicht mit eigenen Augen gesehen hat. Frankfurt lebt von der Finanzindustrie.) Occupy London war zu keinem Zeitpunkt relevant, 15M und die Empörten sind ... ich will nicht sagen lächerlich, weil die Menschen meiner Meinung nach recht haben ... sie dienen den Mächtigen als Blitzableiter: "So, wenn ihr protestieren wollt, dann geht ihr dahin, wo die braven Menschen mit ihren Zelten sind." Es erinnert mich an das Buch "1984", wo man auch nicht weiß, ob Protestbewegungen wirklich existieren oder nicht. Sie sollen den Menschen, die es nicht gut finden, dass bei Gesundheit und Bildung Milliarden eingespart werden, die den Banken ... die die Banken anscheinend dringender benötigen, Hoffnung geben: "Neee, behindert nicht den Betrieb der Banken so lange, bis die alten Leute ihr Geld zurückbekommen haben, glaubt einfach an die Empörten, dann wird alles gut" - oder betet mal wieder einen Rosenkranz.
Ich glaube, dass die Optimisten, die meinen, dass nächstes Jahr alles besser wird, deshalb so positiv gestimmt sind, weil nächstes Jahr ihre Kohle alle ist (zum Beispiel das Rentnerehepaar, von dem ich Euch erzählt habe, das von seinen vier erwachsenen Kindern drei ernährt, dazu die Familie des einen, nämlich Gattin, drei Kinder und Hypothek). Ich muss an den alten Scherz denken: "Ich stricke jetzt schneller, die Wolle ist gleich alle."

Donnerstag, 17. Mai 2012

Plan oder Vorsatz oder einfach nur mal so eine Idee

Ich würde gerne in Zukunft häufiger etwas in den Blog schreiben. Ich habe eine lange Liste von Themen im Kopf, am Ende verschwende ich meine Zeit dann aber doch wieder mit etwas anderem, zum Beispiel arbeiten oder im Internet surfen. Meinem Schreibstil, also dem zusammenhanglosen Aneinanderreihen von Themen, die keinen interessieren, werde ich natürlich treu bleiben. Also, was fällt mir gerade ein:

  • Der Rest der Reise durch England und Schottland
  • Die Klamotten, die ich mir gekauft habe (zwei Jacken von Barbour + ein Regenhut (Englischer Stil!), dazu fehlt mir noch ein Halstuch mit irgendeinem englischen Aufdruck, z.B. Pferde)
  • Die Andenken, die ich mir gekauft habe
  • Die Küche in unserer Wohnung hier in London, die ziemlich sinnvoll gestaltet ist (mit Fotos, die ich noch machen muss)
  • Die leckere Nachspeise, die ich heute bei Clarke's gegessen habe (Baiser mit Sahne und gekochtem Rhabarber, guuut! In Spanien habe ich Baiser im Schrank, die ich mal aus übrigem Eiweiss auf Vorrat gebacken habe), Hauptgericht war nicht so weltbewegend
  • Der spanische Immobilienmarkt (in unserer Straße sind mittlerweile drei Häuser auf dem Markt, das, von dem ich Euch schon erzählt habe (die Verkäuferin kam zu mir, um es mir anzubieten, long story, davon will ich Euch unbedingt berichten, Preis mittlerweile bei 360.000 €), dann noch eins zu 360.000 € und ein identisches zu 450.000 € (was letzterem Anbieter wohl durch den Kopf geht ...). Die Häuschen sind mehr oder weniger identisch, bis auf das erstgenannte, das ist das Beste.
  • Apropos Immobilienwahnsinn: In dem Haus, in dem wir in London zu residieren belieben(zur Miete), wird eine 230 qm große Wohnung für 4.000.000 Pfund (4,8 Millionen Euro) zum Kauf angeboten. 
  • Der Wirtschaftsnobelpreisträger Paul Krugman hat für Spanien einen Corralito angekündigt, wie es ihn 2001 in Argentinien gab (wer schon mal wissen will, was das ist, kann bei Wikipedia schauen, auch deutsch, "Corralito". Der spanische Wirtschaftsminister Luis de Guindos hat darauf geantwortet, das sei technisch unmöglich. Leute, so weit ist es schon gekommen, dass solche Themen ernsthaft diskutiert werden ...
  • Dann wollte ich Euch bei Gelegenheit noch meine Kochbuchsammlung vorstellen ...
  • Euch erzählen, wie ich für meine Person endlich kapiert habe, warum diese Bewegungen wie der 15-M oder Occupy-was-weiß-ich in der Presse so unverhältnismäßig gehypt werden (ich habe mir Occupy London dreimal persönlich angeschaut, ich weiß, wovon ich rede)
  • Wovon noch? Ach ja, von Oxfordshire und den Cotswolds, der wunderschönen englischen Landschaft, die so aussieht, wie man sie sich vorstellt, so, wie England in der Fernsehsendung "Inspektor Barnaby" aussieht, und die sich auch so anhört: Der Wind in den Bäumen, knirschender Kies unter den Rädern toller Autos ...
  • Der Ausflug nach Portugal
  • Was noch? Buffff, die Verschönerungen, die wir an unserem Heim durchgeführt haben ...
  • Wie unser achtzehnjähriger Wagen (der wieder auf Anhieb durch den TÜV gekommen war und der gerade ein neues Getriebe bekommen hatte, das noch nicht mal bezahlt war) aussah, nachdem meinem Sohn jemand hinten drauf gerauscht war und unser Auto noch gegen das vorausfahrende geschoben hatte (theoretisch ein Totalschaden (bei diesem alten Auto ist es allerdings schon ein Totalschaden, wenn der Tank leer ist), aber unser Mechaniker versucht, den Gutachter der Versicherung zu überreden ... meiner Meinung sollte das klappen: TÜV neu, Getriebe zwei Tage alt ... man wird sehen). Gott sei Dank, dass niemandem etwas passiert ist.

Dienstag, 15. Mai 2012

Unsere Reise durch England und Schottland

Da mein Gatte Ende Juni seinen Schreibtisch in London räumen muss (nee, kein Mitleid erforderlich), haben wir die vergangenen Tage für eine Rundreise durch England und Schottland genutzt. Wir reisen nach dem Prinzip "da gewesen, abgehakt" und wollten den Rest von Großbritannien erledigen. Es ging von London über York, Robin Hood's Bay, Whitby und Edinburgh zum Loch Ness (geil!) und dann über Durham (für meinen Geschmack eine der schönsten Kathedralen) und das Shakespeare-Städtchen Stratford-Upon-Avon (Erwartungen überraschenderweise weit übertroffen) wieder zurück. Wir hatten einen Audi A4 mit Automatik gemietet, denn wenn man nicht dauernd schalten muss, kann man sich besser darauf konzentrieren, ständig auf der falschen Seite zu fahren (meint mein Gatte).

1. Station: York

York ist nach London die am zweithäufigsten besuchte Stadt Englands. Sie hat mittelalterlichen Charakter, das zieht uns Touristen an. Mich hat der Ort jetzt nicht so vom Hocker gehauen. Er ist ziemlich überlaufen. Die Kathedrale, die Ihr oben seht, ist okay. Während wir sie besichtigten (tolle Führung), probte der Chor (ganz toll).

Diese Grabstätte hat mir gefallen.

Ist diese Putte nicht goldig? Hoffentlich wird mein Blog jetzt nicht vom Netz genommen, weil eine Pädophilensuchmaschine dieses Bild findet. Ja, es hat schon unschuldigere Zeiten gegeben - oder auch nicht.
(Ich hätte den Karton links vor dem Fotografieren wegräumen sollen.)
Dieser Turm heißt Clifford's Tower. Im Jahre 1190 sperrten die Yorker darin  150 Juden ein, die sich das Leben nahmen, bevor sie von ihren Feinden getötet wurden.


Unseren Afternoon-Tea nahmen wir bei Bettys ein, einem Café, das uns empfohlen worden war. Sehr schöne Atmosphäre, mit Pianistin usw. Und das Teegeschirr war schön!!! Es wurde in der angeschlossenen Bäckerei für hunderte von Pfund zum Kauf angeboten (es ist versilbert).

Das ist das Stadtmäuerchen. Ávila rules, kann ich da nur sagen.

Sonntag, 6. Mai 2012

Gilbert ist tot

Ein riesengroßer Kämpfer hat seinen letzten Kampf verloren.

Sonntag, 29. April 2012

Spanischer Witz zum 1. Mai

Wie in jedem Jahr auch heuer wieder ein spanischer Witz zum 1. Mai:


Mit diesem Wahlplakat und diesem Versprechen wurde José Luis Rodríguez Zapatero 2008 als spanischer Präsident wiedergewählt. 
(Por el pleno empleo. = Für Vollbeschäftigung, Motivos para creer = Gründe, daran zu glauben: PSOE = der Name der sozialistischen Partei und die Rose in der Faust, ihr Symbol) 
Heute liegt die Arbeitslosigkeit bei sagenhaften 24,2 Prozent, die Jugendarbeitslosigkeit bei - man lese und staune - 52 Prozent.
Okay, stimmt, Zapatero wurde im November 2011 abgewählt. Der neue Präsident, seit dem 21. Dezember 2011 im Amt, hat schon jetzt praktisch jedes Versprechen, das er im Wahlkampf gegeben hat, gebrochen.
Es gibt ein spanisches Sprichwort, das da lautet: "Otro vendrá que bueno te hará", zu deutsch: "Ein Anderer wird kommen, der dich gut aussehen lassen wird", will sagen: Es kommt nichts besseres nach, wenngleich das im Falle von Zapatero fast unvorstellbar ist.

Update: Gilbert lebt immer noch

Ja, Gilbert lebt immer noch. Dieses Foto habe ich vor einer Minute gemacht. Das mit dem Antibiotikum hat nicht geklappt. Wir konnten ihn nicht dazu bringen, es einzunehmen. Mit Clamoxyl getränkte Knuspermüsliflocken hat er einfach liegen lassen. 


Die Schwellung besteht immer noch. Das Beinchen ist tatsächlich abgefallen ("Demarkieren" war das lateinische Wort, auf das ich mich nicht besinnen konnte.). Für den Laien unfassbar, nicht wahr? Ich glaube mittlerweile, Gilbert, der Unzerstörbare, wird sich wieder erholen. In seinem Namen vielen Dank für die guten Tipps und viele Grüße.

Dienstag, 24. April 2012

Update: Gilbert lebt

Seit Sonntag hat ein erfahrener Humanmediziner die Leitung der Behandlung unseres Hamster übernommen. Als erstes wies er uns darauf hin, dass wir uns gar keine Hoffnungen machen dürften, das Tier durchzubringen. Okay, das war schon klar. Das Beinchen ist schwarz und vertrocknet, darüber befindet sich eine riesige Schwellung.
Anschließend empfahl er folgende Behandlung: Antibiotikum nach Körpergewicht verabreichen, Beinchen mit Betadine (Jod) einstreichen. 
Antibiotikum nach Körpergewicht, das war die erste Schwierigkeit. Das Tier wiegt 30 g. Wir haben Clamoxyl (Amoxicillin, ein Breitspektrumpenicillin) in Päckchen mit 250 mg Inhalt, das dem kleinen Bruder von P.s Freundin vor Jahren verordnet worden war. Dieses Medikament ist für die Behandlung von 25 Kilo schweren Kindern geeignet. Wir mussten also etwas mehr als ein Tausendstel der Kinderdosis verabreichen. Wir lösten das Antibiotikum nach Vorschrift in 200 ml Wasser auf. Gilbert sollte davon 0,2 ml zu sich nehmen. 1 ml sind 20 Tropfen, er müsste also von der Lösung 4 Tropfen zu sich nehmen. Für Gilbert ist das eine riesige Menge. Wir versuchten, das Medikament mit einem Teelöffel zu verabreichen, aber er mochte es nicht. Dann legten wir einen Tropfen Lösung auf einen Krümel Knuspermüsli. Davon aß er, aber er blieb natürlich weit hinter der erforderlichen Dosis zurück. Vielleicht gelangte gar kein Penicillin-Molekül in seinen Körper. Anschließend verabreichten wir etwas Joghurt mit lebenden Kulturen zur Wiederherstellung der Darmflora, für den Fall, dass er doch etwas Penicillin abbekommen hatte.
Sein Beinchen und die Umgebung strichen wir mit Hilfe einer Gaze mit reichlich Betadine ein.
Er hat die Nacht zum Montag überlebt. Die Penicillinzubereitung hatten wir gut verschlossen im Kühlschrank aufbewahrt. Am Montag wiederholten wir die Behandlung in Abständen von acht Stunden.
Nach 24 Stunden bereiteten wir eine frische Lösung zu, diesmal aber doppelt so konzentriert. Außerdem verwendeten wir nur ein halbes Päckchen Clamoxyl, weil wir im Ganzen nur zwei Päckchen haben. Also halbes Päckchen Clamoxyl, 50 ml Wasser. Da er den Geschmack nicht mag, tränkten wir einen Krümel Knuspermüsli mit dem Antibiotikum. Er schob einen Teil in seine Backen und brachte den Rest in sein Häuschen. Wir können also nicht kontrollieren, wann er das Medikament einnimmt.
Deutlich besser geworden ist die Schwellung nicht. Das Beinchen ist sowieso perdu. (Stand vom 24. April, 23 Uhr). Das Rote auf dem Foto ist Jod. Der Arzt hat gemeint, das Beinchen könnte sogar abfallen (für "abfallen" hat er ein aus dem Lateinischen kommendes Wort verwendet, das ich vergessen habe; "desprendieren" war es nicht.) Die nächsten zwei, drei Tage würden über Gilberts Leben oder Tod entscheiden. Zwei Tage sind schon rum. 

                                                
Was ich einfach unglaublich finde, ist, wie widerstandsfähig dieses Tier ist. Dsungarische Zwerghamster sind auch nicht so dumm, wie man im Internet liest. Gilbert ist durchaus lernfähig. Wenn wir mit unserem Knuspermüsli anrücken - da kam er am Anfang gleich aus seinem Häuschen geschossen - ahnt er jetzt schon, dass wir ihn wieder mit Medikamenten traktieren wollen und kommt nur ganz vorsichtig raus.
Ich werde Euch auf dem Laufenden halten.

Samstag, 21. April 2012

Die Hamstersaga geht weiter

Gilbert vorgestern beim Fressen von Knuspermüsli
Wie hier zu lesen, ging vor ziemlich genau einem Jahr unser Zwerghamster Rousseau von uns, dessen Ankunft ich hier beschrieben hatte. Wir waren natürlich alle ziemlich traurig, besonders mein Sohn P., sein Besitzer und Pfleger. Nun geschah es aber, dass ihm wenige Stunden nach Rousseaus Tod ein Freund einen neuen Hamster brachte. Mein Sohn war entsetzt, er wollte erst einmal um den alten trauern, aber der Freund hatte es ja gut gemeint und wir rechneten ihm seine Tat hoch an. P. erklärte, dass er sich zwar um den neuen Hamster kümmern würde, dass er ihn aber nicht in sein Herz schließen würde, denn dieser Platz war noch besetzt. Ich frage Euch: Wie kann man das oben abgebildete Tier nicht lieben??? Angesichts der - kurz dauernden - Weigerung meines Sohnes gewann ich das Tier besonders lieb, denn es ist nicht nur supersüß, es tat mir auch noch leid. 
So kam also "der neue Hamster" in unsere Familie. Zuerst die Namenssuche: Meinem Gatten gefiel passend zu Rousseau Voltaire, aber ich fand es nicht sehr passend, dass unsere Familie jedesmal, wenn sie die Namen der frankophonen Giganten hört, an Zwerghamster denkt. P.s Freundin hätte ihren Familienhund, wenn man auf sie gehört hätte, Gilbert genannt. Also war dieser Name frei. Bis mein Gatte uns informierte, dass ihm dieser Name nicht gefiele, weil einer seiner Arbeitskollegen so hieße, war es schon zu spät.
Gilbert ist von allen dsungarischen Zwerghamstern, die wir bisher gehabt haben (drei), der beste und liebste. Er ist zutraulich, spielt gerne mit Menschen und gibt sogar Küsschen. Er entpuppte sich zum Liebling der ganzen Familie. Sein Käfig steht im Fernsehzimmer und während wir fernsehen, spielen wir mit ihm.
Er war noch nicht lange bei uns, da zeigte er eine große, rote Geschwulst an seinem linken Bein, die echt bedrohlich aussah. Noch ein Hamsterverlust innerhalb so kurzer Zeit schien schwer erträglich. 
P. war an jenem Tag aus irgendwelchen Gründen, an die ich mich nicht mehr erinnere, nicht da. Ich schnappte mir den Käfig und brachte Gilbert zu unserem Tierarzt, einem riesigen Hundefan, der unseren Schäferhund betreut hatte. Ich saß etwa eine Stunde im vollen Wartezimmer, den kleinen Käfig auf meinen Knien, bis ich endlich ins Behandlungszimmer gerufen wurde. "Wir behandeln nur Hunde", erklärte mir die Helferin dort. Warum hatte sie mir das denn nicht vorher gesagt? Hatte sie gedacht, in dem winzigen Häuschen im kleinen Käfig befände sich ein Hund??? Sie hatte mich doch eine Stunde lang im Wartezimmer sitzen sehen! 
"Tier ist Tier," sagte ich, und bat, der Herr Doktor möge sich das Beinchen doch wenigstens einmal ansehen.
Sie gab mir die Anschrift eines Tierarztes in der Stadt, der auch exotische Tiere behandelte. Dieser Herr befand sich jedoch auf einem Kongress. Ich rief mehrere andere Tierärzte an, aber keiner behandelte Hamster. In einer Praxis erhielt ich jedoch die Nummer eines Arztes in einem anderen Dorf, der Tiere aller Art behandelte. Ich rief dort an. Dieser Arzt operierte gerade einen Hund, danach hätte er für uns Zeit. Mein Gatte fuhr mich in das benachbarte Dorf. Leute, die Praxis war so dreckig ... nicht Dritte-Welt-dreckig oder deutschen-Hygienestandards-nicht-genügend-dreckig, sondern ... verdreckt: offene Medizinfläschchen, gebrauchtes Verbandsmaterial, Blut ... Der Arzt war aber bereit, Gilbert zu untersuchen. Er betrachtete sein Beinchen und sagte, da könne man nichts sagen. Dann solle er eben röntgen, forderte ich ihn auf. "Hamster werden nicht geröntgt", erklärte er mir. Dann solle er das Beinchen eben schienen, forderte ich ihn auf. "Hamsterbeinchen kann man nicht schienen", erklärte er mir. Sein abschließendes Urteil war, dass Gilberts Zustand nicht bedrohlich sei und dass wir einfach abwarten sollten. Dafür wollte er kein Geld nehmen. Ich bedankte mich herzlich und verließ die Praxis, indem ich die Türklinge ganz vorsichtig mit zwei Fingern anfasste.
Es dauerte eine ganze Weile, bis Gilbert sich wieder erholte. Sein Beinchen wurde wieder gut, aber nicht wie zuvor. 
Er machte uns also weiter Freude, bis wir vor wenigen Wochen eine gleiche Geschwulst an seinem anderen Beinchen entdeckten. Nein, nicht schon wieder! Wenige Tage später entdeckte sein Besitzer, dass sein winziges Füßchen begonnen hatte, sich schwarz zu färben. Wir forschten im Internet: Gangrän, Wundbrand, das würde seinen Tod bedeuten. Wir bereiteten uns geistig darauf vor. Das ganze Tier wiegt gerade mal dreißig Gramm, lange wird es nicht aushalten können. Wenn er abends nicht aus seinem Häuschen kam, steckten wir den Finger hinein, um zu prüfen, ob er noch lebte. Erstaunlicherweise vergingen mehrere Tage, das Schwarze an seinem Beinchen breitete sich aus, aber er lebte immer noch. Wir sprachen über Sterbehilfe. Sollte man ihm ein wenig Rattengift verabreichen, um seinem Leid ein Ende zu bereiten? Meine Familie war gegen diesen Vorschlag. Sollte man ihn an einem starken Medikament für Menschen knappern lassen? Auch diese Idee, ihm einen guten Tod zu bereiten, wurde abgelehnt.
Eines abends - die anderen waren schon im Bett, ich saß noch vor dem Fernseher - kam er aus seinem Häuschen, saß im Käfig und knapperte heftig an seinem betroffenen Füßchen. Ich fühlte, dass er litt und holte ihn heraus. In seinem Unterschenkel schien ein großer Splitter zu stecken. Ich wollte den Splitter herausziehen (ich hoffe jetzt mal, dass dies keiner liest, ich muss es einfach loswerden), aber ich glaube, es war gar kein Splitter, es war der halbe Unterschenkelknochen, der in einem Winkel von 45º abstand. Oh Gott. Ich habe keine Ahnung von Anatomie, aber ich denke, dass Hamster als Säugetiere auch zwei Unterschenkelknochen haben. Das herausstehende Stück war etwa einen halben Zentimeter lang und einen halben Millimeter dick. Das konnte so nicht bleiben. Ich wollte das Beinchen mit etwas Heftpflaster schienen, checkte jedoch vorher im Internet: Offene Brüche beim Hund auf gar keinen Fall schienen! stand da und als wichtigste Empfehlung: Nerven behalten! Warum soll man offene Brüche denn nicht schienen? Ich hätte gedacht, das wäre wichtig, damit der Knochen nicht noch weiter auseinander geht. Ich verstehe von solchen Dingen gar nichts. Da saß ich nun also mit dem Hamster. Ratlos. Der Hamster schien jammernde Geräusche zu machen. Das Knochenstück konnte nicht so bleiben, auch nicht eine Nacht. 
Ich habe eine ganz gute Nagelschere. Das Beinchen war eh schon schwarz und unbrauchbar. Ich holte die Nagelschere und zwickte das Knochenstückchen so weit unten wie möglich ab. In dieser Nacht würde er also sterben, dachte ich, als ich selbst zu Bett ging.
Am Morgen lebte er noch. Ich überlegte, ihn zum Tierarzt zu bringen, der könnte das Beinchen ordentlich amputieren. Lernen die Studenten der Veterinärmedizin überhaupt, wie man Hamster behandelt? Eine Bekannte von uns ist Kardiologin für Hunde, ungelogen. Ich wies meinen Sohn noch einmal darauf hin, dass mit dem baldigen Tod unseres geliebten Haustiers zu rechnen sei. P. begann darauf hin, Gilbert mit Knuspermüsli zu füttern, das er normalerweise wegen des Zuckergehalts nicht bekommt. Er sollte wenigstens noch einmal etwas Leckeres fressen. Und dann warteten wir. 
Das ist jetzt schon ein paar Tage her und er lebt immer noch. Heute früh sah er sogar ein bisschen besser aus. P. hat den Käfig schon eine Weile nicht mehr sauber gemacht, weil das für das Tier eine Riesenarbeit und ein Stress ist, denn er richtet danach immer wieder alles nach seinem Geschmack ein: er zerfetzt das Papier von der Küchenrolle und die Watte, die einfach so in seinen Käfig gelegt werden, und räumt sie in sein Häuschen und verteilt die Streu nach seinem Geschmack, er hat dann also richtig was zu tun. Heute wird mal wieder saubergemacht. Hoffentlich erholt er sich wieder.       

Donnerstag, 19. April 2012

Krise in Spanien: Die königliche Familie untergräbt die Moral des Volkes

Der Schwiegersohn des Königs steht vor Gericht, weil er mutmaßlich vermittels einer betrügerischen Stiftung 10 oder 20 Millionen Euro Steuergelder an sich gebracht hat. Die Leute, die ich kenne, gehen davon aus, dass er dafür nicht bestraft wird und auch nichts zurückzahlen muss. Der dreizehnjährige Enkel des Königs hat sich bei einem Wochenendaufenthalt bei seinem geschiedenen Vater mit einer Schusswaffe verletzt. Kommentar der Königin: "Jaja, so sind Kinder eben." Ich denke, dass bei anderen Familien das Jugendamt mal nach dem Rechten schaut, wenn sich ein Kind in Gegenwart seines angeblich rauschgiftsüchtigen Vaters in den Fuß schießt.
Und nicht zuletzt der König selbst, der sich in Zeiten, in denen die Arbeitslosigkeit auf die 25-Prozent-Marke zu marschiert und an allen Ecken und Enden gespart wird, auf Elefantenjagd in Afrika erwischen ließ. Die Sache kam nur deshalb ans Tageslicht, weil er dort nachts stürzte und sich die Hüfte brach. Gestern hat sich der König entschuldigt: "Es tut mir leid. Ich habe einen Fehler begangen. Es wird nicht wieder vorkommen." Heute früh fragte ein Radiosprecher: "Was tut ihm denn leid? Dass er sich nicht seiner motorischen Fähigkeiten vergewissert hat, bevor er sich morgens um vier auf den Weg zur Toilette machte?" Fand ich witzig. Eine Königsfamilie wird man noch schwerer los als einen Herrn Wolf oder Wulff oder wie hat der geheißen?

Freitag, 13. April 2012

Unsere italienische Terrasse

Wie an anderer Stelle gesagt: Ich nenne diese Terrasse nur im Geiste so. Was sollen denn sonst die Leute denken? "Hach, gegen Abend trinken wir dann ein Glas Rotwein auf unserer italienischen Terrasse ..." Neee, geht gar nich.
Sie heißt bloß so, weil sie aussehen soll wie aus dem Unopiu-Katalog, aber without the price tag. So, hier die vorher - nachher Bilder: 

Vorher

Nachher
 Ihr denkt jetzt womöglich: "Bah, die hat doch gar nichts gemacht außer die Gartenmöbel rausgestellt ..." Doch, ich habe gemacht, das sieht man nur auf den Bildern nicht: Brunnen ausgewaschen und aufgefüllt, Pumpe reingestellt,Terrasse gekehrt und geputzt, Möbel abgewaschen, weiße Dekosteine in die Pflanzkübel gelegt, etc., etc. Doch, doch, he?
Hier ein Blick von der italienischen auf die spanische Terrasse, die noch im Winterschlaf liegt:


Die spanische Terrasse heißt so, weil an der Wand dann bunte Keramikblumentöpfe mit Geranien aufgehängt werden. Das wird schön, Ihr werdet schon sehen.
Ja, ich gehöre zu den Leuten, die meinen, man könne gar nicht genug Terrassen haben. Ich kenne Leute, die meine Meinung teilen und die ihre Terrassen nach den Himmelsrichtungen benannt haben: Die Ostterrasse, die Westterrasse ... Massenhaft Terrassen zu haben ist echt sinnvoll: Auf der Ostterrasse kann man schön frühstücken, auf der Südterrasse kann man im Winter einen Liegestuhl aufstellen und ein paar Sonnenstrahlen genießen, für die Nordterrasse ist man im Sommer an sehr heißen Tagen dankbar, auf der Westterrasse ist es im Frühling und im Herbst nachmittags angenehm. Die Terrassen brauchen ja nicht luxuriös zu sein. Wenn ich neu bauen würde, würde ich zumindest Platz für Unmengen von Terrassen (mind. zwei, eine vorm Haus, eine hinterm Haus) vorsehen, die man dann im Laufe der Jahre, wenn man wieder ein bisschen besser bei Kasse ist, ausbauen kann. Unser Haus hatte ursprünglich nur eine Terrasse und die ist heute nicht einmal mehr eine Terrasse, sondern das Gartenzimmer. Gibt doch nichts Schöneres, als das Haus umzumodeln, oder? Falsch, ich lüge: Es gibt doch nichts Schöneres als das Haus erfolgreich umgemodelt zu haben. Mir graut es nämlich bei dem Gedanken, dass wir dringend und baldigst eine neue Küche brauchen.   

Mittwoch, 11. April 2012

Krise in Spanien - Noch ein Post zum Thema

Eigentlich wollte ich mich heute abend in die Couchecke kuscheln und bei Aktenzeichen XY wohlig gruseln. Aber dann kam heute nachmittag eine Freundin und erzählte, dass ihr Sohn entlassen worden sei. Er ist zwar kein Beamter, sein Job (Akademiker) war aber vermeintlich sicher. Seine Frau steht ebenfalls auf der Abschussliste, hat aber noch keine Benachrichtigung von ihrer Freisetzung erhalten. Die Kinder sind drei und fünf. Eine Hypothek gibt es natürlich auch.
Das hätte ich echt nicht gedacht, dass es diese Familie, die ich seit vielen Jahren kenne, treffen wird. Wer in Spanien in der gegenwärtigen Situation seinen Arbeitsplatz verliert, wird auf Jahre hinaus keinen mehr finden. Das Gruseln, das mich befiehl, war unwohlig und ich hatte dann gar keine Lust mehr auf Aktenzeichen XY.
Die mittlerweile allgegenwärtigen irrsinnigen Sparmaßnahmen zeitigen jedoch Erfolge: Heute stand in der Zeitung, dass es im vergangenen Monat 133.500 Handylinien weniger gab als im Monat zuvor. Es stand hier (nur damit Ihr wisst, dass ich mir diese Zahlen nicht aus dem Finger sauge),
http://economia.elpais.com/economia/2012/04/11/actualidad/1334133582_318511.html
wurde aber auch in den Radionachrichten erzählt. Präsident Mariano Rajoy und sogar Altpräsident Felipe González bestreiten heftig, dass Spanien in Bälde unter den Rettungsschirm schlüpfen wird. Das gewöhnliche Volk ist anderer Ansicht: "Nos van a intervenir."

Freitag, 6. April 2012

Ostervorbereitungen - Der Weg ist das Ziel

So, am Donnerstag habe ich mein Osterbrot gebacken. Der Teig war nicht fest genug, um einen Laib zu formen - obwohl ich vergessen hatte, Orangenmarmelade reinzutun. Anstatt mehr Mehl hinzuzufügen, entschied ich mich dafür, ihn in einer Form zu backen. Als ich ihn zum Abkühlen vor's Küchenfenster stellte, sah das neben den Primeln so süß aus, dass ich natürlich gleich ein Foto machen musste. Ich hatte jedoch ein bisschen Bedenken, ob ich das Ding gut aus der Form bringen würde. Ich habe da schon das eine oder andere "Desaster" erlebt. Aber ...


Er ging super aus der Form! Er sprang mir praktisch entgegen (ich hatte die Form sorgfältig mit Butter eingestrichen und mit Semmelbröseln bestreut, was aber auch keine Erfolgsgarantie ist).


Mit meinem Osterkranz aus demselben Teig (+ etwas Mehl) bin ich auch zufrieden:



Am Karfreitag, also heute, standen wir um acht Uhr auf. Als wir aus dem Schlafzimmerfenster schauten, erwartete uns folgender Anblick:



"Jo, ist denn schon We-ihnachten!" (Franz Beckenbauers Stimme). Es hatte geschneit! 
Eine weitere Osterprozession, eine der größten, die morgens um fünf hätte beginnen sollen (und fünf Stunden dauert), musste abgesagt werden, denn die kostbaren, alten Holzfiguren können natürlich nicht durch den Regen bzw. Schnee getragen werden. Und auch die Kleidung der Mitglieder der Bruderschaften, zu denen die berühmten hohen, spitzen Hüte gehören, ist nicht wettertauglich. Schade!

Wir haben dann mal begonnen, Eier zu bemalen. Das haben wir bisher:


Nicht so der Brüller, oder? Hier in Spanien gibt es mittlerweile nur noch braune Eier. Einen Teil hatte ich mit einer grünen Farbtablette gefärbt und erhielt dann dieses (ziemlich hässliche und unösterliche) olivgrün bzw. bundeswehrgrün. Das eine Ei wurde dann auch gleich in Tarnfarben gestaltet. Das findet am Sonntag keiner, hehehe. Rosa ist nicht ganz so schlecht, färbte aber auch nicht genug. Ich habe jetzt nochmal eine Ladung Eier in das kalte rosafarbene Wasser gelegt, darin sollen sie erstmal ein paar Stunden liegen, danach werde ich sie nach Vorschrift kochen. Mal sehen, wie das wird. Viel Spaß bei Euren Vorbereitungen!

Donnerstag, 5. April 2012

Krise in Spanien: Dörfliches Idyll II

Ich komme noch einmal auf das Thema Lädchen in unserer Siedlung in Spanien zurück, über das ich mich in meinem Eintrag vom 16. Februar ausgelassen hatte. Das Geschäft wird nun tatsächlich von einem chinesischen Ehepaar geführt. Uff, dazu gibt's soviel zu sagen. Ich hatte, wie im Februar geschrieben, nicht vor, dort wieder einzukaufen, weil es mir unangenehm ist, Leuten, die kein Hartz IV im Rücken haben, beim Scheitern zuzusehen. Ja, gut, dann brauchte ich irgendwann mal irgendwas und ging doch hoch. Die Vermutung, die mein Sohn P. geäußert hatte, dass nämlich die Chinesen (sie haben Namen, die möchte ich aber hier nicht hinschreiben) im Lagerraum hinter dem Geschäft leben, scheint sich zu bestätigen. Es ist eine Familie mit mehreren Kindern. Der Laden ist von 8 Uhr bis 23.30 Uhr geöffnet. Das Sortiment wurde zur Hälfte auf den für chinesische Läden üblichen Kram umgestellt. Ich unterhielt mich mit einer Freundin darüber und sagte: "Ich glaube, die Leute hier werden dieses Zeug nicht kaufen, die sind doch alle wohlhabend." Sie antwortete mir: "Die Leute verarmen so schnell ... viele hier haben schon Probleme." Als sie das sagte, musste ich an ein Rentnerehepaar denken, das ich persönlich kenne. Sie haben vier erwachsene Kinder, von denen nur eines, ein Arzt, arbeitet. Eines der Kinder hatte einen ganz tollen Job und die Eltern waren sehr stolz. Die Firma, bei der er arbeitete, ist pleite, er ist seit zwei Jahren arbeitslos, er hat selbst drei Kinder und eine große Hypothek zu schultern. Als Arbeitslosenunterstützung erhält er 426 Euro, sonst gibt's vom spanischen Staat nix. Die Rentner zahlen die Hypothek und den Lebensunterhalt der jungen Familie - und den der anderen beiden Kinder (nein, dies ist kein ungewöhnlicher Fall, solche Fälle gibt's hier wie Sand am Meer). Aus Gründen, die sich mir nicht erschließen, glauben sie, dass die Krise nächstes Jahr vorüber sein wird, aber was weiß ich schon.
Aber zurück zu den Chinesen: Es sind ganz liebe Leute mit ganz süßen Kindern. Lebensmittel verkaufen sie natürlich auch, sie haben aber keinen frischen Fisch mehr und nur abgepacktes Fleisch. Ich war mittlerweile schon mehrmals im Laden, hauptsächlich um frisches Brot zu holen. Am besten scheinen Tiefkühlpizzen (billiger als vom Pizzadienst und bis spät abends erhältlich!), Chips, Bier usw. zu gehen, Sachen also, die sich junge Leute holen, wenn Freunde zu Besuch sind oder die Mami oder die Haushälterin nicht genug vorgekocht hat. Sollte der Laden tatsächlich ein Erfolg werden??? Die Chinesen sind unendlich fleißig und wissbegierig. Da ich dem Mann erzählt habe, dass sie schon die fünften Pächter sind (das hatte ihm die Vermieterin vorenthalten), benutzt er mich nun als Informations-quelle. "Stimmt es, dass im Sommer viel mehr Leute hier in der Siedlung sind?" fragte er mich. Das hatte ihm auch die Vermieterin erzählt. Ich antwortete: "Im Sommer kommen viele Leute, aber von den Leuten, die das ganze Jahr über da sind, gehen im Sommer auch viele. Summa summarum sind es im Sommer nur wenige mehr." Letzten Sonntag, am Palmsonntag (ja, er hat auch sonntags geöffnet), kamen Leute mit Lorbeerzweigen (die hier anstatt Palmzweige verwendet werden) herein, um nach dem Gottesdienst frisches Brot zu kaufen. "Was hat es denn mit den Lorbeerzweigen auf sich?" fragte er mich. Ich erklärte es ihm. "Was ist denn nächsten Freitag los? Da ist doch irgendwas. Da darf ich auf keinen Fall Brot backen, habe ich gehört", sagte und fragte er. "Nächsten Freitag ist Karfreitag", erklärte ihm eine andere Kundin, "da darf man kein Brot backen und auch keins essen. Da ist nur einmalige Sättigung erlaubt. Früher haben am Karfreitag noch nicht einmal die Kühe auf der Weide gefressen!" Letzteres ist vielleicht ein bisschen übertrieben. Sollte es möglich sein, dass der Laden ein Erfolg wird??? Wer die Familie kennt, schließt sie ins Herz. Der Sohn trägt denselben Vornamen wie der Torhüter der spanischen Nationalmannschaft. Die Miete beträgt achthundert Euro. Kann nicht funktionieren, oder? 
Jetzt bitte nicht wieder denken: "Oh nein, die Hausfrau ist deprimiert." Nein, ich bin nicht deprimiert, überhaupt nicht, ich möchte nur schriftlich festhalten, was hier in Spanien abgeht. Und ich werde auch eine neue Kategorie für meine Einträge einführen, nämlich "Krise in Spanien".

Lustiger Wortwechsel

Mein Sohn D. fragt: "Meinst Du, ich sollte nächste Woche nach Portugal fahren?"
Ich antworte: "Nein."
D.: "Dann interpretiere ich das mal als ja."
Ich: "Was!?!"
Mit den Worten "Gut, das wär' dann jetzt geklärt" verlässt er den Raum.

Freitag, 30. März 2012

Der Generalstreik gestern in Spanien

(Es wurde beanstandet, dass meine Meinung zur Arbeitsmarktreform und dem dazugehörigen Generalstreik in meinem vorherigen Post nicht klar wird. Das mag daran liegen, dass ich keine bestimmte Meinung dazu habe. Ein Beispiel: Künftig können Mitarbeiter, die innerhalb von zwei Monaten neun Tage krank sind, entlassen werden. Das finde ich gut, weil das vielleicht die einzige Möglichkeit ist, unfähige und unwillige Leute mit diesen für Spanien typischen, praktisch unkündbaren Verträgen loszuwerden. Andererseits finde ich es schlecht, denn auch ansonsten gesunde, fleißige und willige Menschen können mal innerhalb von zwei Monaten neun Tage krank sein und dann einem Personalabbau zum Opfer fallen, während der unkündbare Unfähige weiter an seinem Sessel klebt, weil er nicht krank geworden ist. Also, ich wage nicht, mich da meinungsmäßig irgendwie festzulegen.) 
Was war gestern los? Wir fuhren so gegen 11 Uhr los, um uns mal umzuschauen und dies dann anschließend in meinem Blog festzuhalten. In unserem Städtchen war normalidad absoluta, alle Geschäfte waren offen, auf den Straßen waren genauso viele Leute wie immer. Dann fuhren wir weiter zu dem Einkaufszentrum, wo sich Leroy Merlin (Baumarkt), Mediamarkt usw. befinden. Alle Geschäfte waren offen, aber es waren sehr wenige Kunden da. Dann fuhren wir weiter durch ein Industriegebiet. Hier waren fast alle Betriebe offen, der TÜV funktionierte normal. Bei den wenigen geschlossenen Hallen, an denen nicht "Se vende", "Zu verkaufen", oder "Se alquila", "Zu vermieten", steht, ist es auch nicht so einfach, auf einen Blick festzustellen, ob die auch schon pleite sind oder streiken. Streikplakate oder ähnliches waren nirgendwo. Dann fuhren wir in die Stadt. Hier erwartete uns die erste Überraschung: an der Uni normalidad absoluta, die Studenten beteiligten sich überhaupt nicht am Streik. In der Innenstadt waren bis auf einen Thai-Massagesalon und ein Restaurant alle Läden offen ... naja, Läden offen ... hmhmhm ... hier haben soviele Geschäfte pleite gemacht und die Rollläden heruntergelassen ... es ist eine Tragödie. Wenn alteingesessene Geschäfte durch neue ersetzt werden, handelt es sich meist um Handyläden oder -erstaunlicherweise- Dessousgeschäfte. An den offenen! Geschäftstüren klebten Aufkleber mit dem Text "Cerrado por huelga", "Wegen Streik geschlossen". Diese Babberle waren anscheinend recht schwer zu entfernen, man sah nämlich viele halb abgekratzte. In der Innenstadt liefen auch viele Gewerkschafter herum. Wir sahen auch eine Demonstration der CGT, bei der auffallend viele Perroflautas dabei waren. Was ist ein Perroflauta (deutsch: Hundflöte)? Ich beschreibe Euch einen von unten bis oben: Er trägt schwarze Springerstiefel, seine langen, dünnen Beine stecken in eng anliegenden Hosen/Leggings, Farbe bevorzugt schwarz mit lila, der T-Shirt-Aufdruck hat was mit Hardrock zu tun, seine taillenlange schwarze Lederjacke ist völlig abgeschabt, sein halber Kopf ist rasiert, auf der anderen Hälfte wachsen lange Rastalocken. Die ganze Gestalt ist etwas schmutzig. Seine Gefährtin sieht ähnlich aus, aber ihre Beine sind dick und stecken in kaputten, schwarzen Nylonstrümpfen. Nur in Extremfällen haben Perroflautas tatsächlich Hunde dabei und spielen Flöte. So, wieder was gelernt (die Bezeichnung ist etwas abfällig, ich empfehle sie nur für den passiven Sprachgebrauch, also verstehen, aber nicht selbst benutzen). Die meisten Gewerkschafter waren jedoch Damen und Herren mittleren Alters.
Unserer Lokalzeitung habe ich entnommen, dass vor einem anderen Industriegebiet, das weniger Zufahrtsmöglichkeiten hat als das, das wir besucht haben, morgens Autoreifen verbrannt wurden, um die Leute daran zu hindern, ihren Arbeitsplatz aufzusuchen. Dass im öffentlichen Personennahverkehr soviel gestreikt wird, liegt nicht daran, dass Busfahrer besonders um ihre Rechte besorgt sind, sondern daran, dass Gewerkschafter aus anderen Sektoren morgens ins Busdepot gehen und die Leute am Losfahren hindern. Dies weiß ich nicht vom Hörensagen, sondern von beteiligten Personen. 
Eine Freundin, die einen Arzttermin hatte, war am Tag zuvor vom Gesundheitszentrum angerufen worden: "Falls die Türe zu ist und die Rollläden heruntergelassen sind, dann klopfen Sie, dann lassen wir Sie rein, es ist nur eine Vorsichtsmaßnahme wegen der Streikposten."
Summa summarum: In unserer Gegend wurde fast nur dort gestreikt, wo die Leute von den Gewerkschaftern dazu gezwungen wurden. An Streiktagen umkämpft ist immer das Kaufhaus El Corte Inglés. Gestern ist es den Streikposten gelungen, den hiesigen Corte Inglés dazu zu zwingen, 15 Minuten lang zu schließen. Das lässt Zweifel an der Streikbereitschaft der Mitarbeiter aufkommen. An den Demonstrationen nahmen jedoch viel mehr Menschen teil, als ich erwartet hätte.
Den Nachrichten habe ich entnommen, dass der Streik im Baskenland und in Katalonien ein Erfolg war, dass viele Menschen freiwillig streikten und die Demonstrationen sehr groß waren.
Eine eigene Meinung zum Thema habe ich nicht. Ich finde es genauso beschissen, wenn die Gewerkschafter die Leute am Arbeiten hindern wie wenn die Chefs ihre Mitarbeiter zwingen, zu erscheinen.    

Mittwoch, 28. März 2012

Der Generalstreik morgen in Spanien

Die spanischen Gewerkschaften haben für morgen, den 29. März, zu einem Generalstreik gegen die Reform des Arbeitsmarktes aufgerufen. Mit dieser Reform sollen unter anderem Entlassungen erleichtert werden. In Spanien liegt die Arbeitslosigkeit bei über 20 %, mehr als 5,3 Millionen Menschen sind erwerbslos. So schwer kann das Entlassen da ja nicht sein, sollte man denken. Der spanische Arbeitsmarkt ist aber, grob dargestellt, zweigeteilt. Festangestellte Arbeitnehmer kann man fast überhaupt nicht mehr loswerden, Arbeit Suchende sind schutzlos, um die geht es morgen auch gar nicht. 
Die Jugendarbeitslosigkeit liegt bei 50 %. Von den übrigen 50 % sind viele Praktikanten oder befinden sich in ausbeuterischen Arbeitsverhältnissen (60 Stundenwochen bei 600 Euro Monatslohn sind keine Seltenheit). Manche Eltern sind bereit, dafür zu bezahlen, dass ihre Kinder einen Praktikantenstelle bekommen, auf der sie Erfahrung erwerben können. 
Viele junge Familien wurden durch den Kauf einer Wohnung in Lebenssituationen gebracht, in denen sie praktisch Leibeigene der Banken sind. Ja, von Deutschland aus ist das schwer zu verstehen. Hier in wenigen Worten ein Erklärungsversuch: In Spanien ist es aus historischen Gründen üblich, dass die meisten Menschen nicht zur Miete, sondern in Eigentumswohnungen leben. Die Preise für diese Wohnungen sind jahrzehntelang unaufhaltsam gestiegen, in den letzten Jahren vor dem Platzen der Blase mit Geschwindigkeiten bis zu 20 % pro Jahr (grobe Zahlen aus dem Gedächtnis). Es war also ziemlich eilig und dringend, Wohnraum zu erwerben, da einem die Preise davonliefen. Durch den Euro waren die Hypothekenzinsen sehr niedrig, also, hinein ins Vergnügen. Familien mit einem Einkommen von 2 x 1000 Euro erwarben Wohnungen im Wert von 300.000 Euro. Und dann wurde einer von beiden oder gar beide arbeitslos. Mehr als 100.000 Wohnungen (in denen ja normalerweise mehr als einer lebt) wurden mittlerweile zwangsgeräumt und gingen zurück an die Banken. Die Banco de Santander hat in den Jahren von 2007 bis 2010 - man erinnere sich: in den Jahren der Bankenkrise - einen Gewinn von insgesamt 35 Milliarden Euro eingefahren (diese Zahl habe ich nachgeschaut). Darum geht es morgen aber auch nicht.
Langzeitarbeitslose erhalten Unterstützung in Höhe von 420 Euro. So wenig ist das doch gar nicht, werden nun die Leute sagen, die mit Hartz IV vergleichen. Bedenkt aber, dass es in Spanien kein Wohngeld und kein Kindergeld gibt. 420 Euro ist alles, was die Leute bekommen. Darum geht es morgen aber auch nicht.
Wer wissen möchte, wie es in den Jahren zuging, als in Spanien noch Party war und der spanischen Sprache mächtig ist, dem seien diese beiden Videos ans Herz gelegt, die zur besten Sendezeit im Fernsehen gezeigt wurden. Das erste heißt "Cuando éramos ricos", "Als wir reich waren", das zweite "Cuando éramos cultos", "Als wir gebildet waren". Hochinteressant. Die eigentlichen Videos sind 45 Minuten lang und beginnen nach gefühlten 10 Minuten Reklame und Vorschau.
Wenn die Hetzjagd auf Spanien beginnt (Bald? In ein paar Jahren?), werden die Deutschen mit Bildern wie in den Videos gezeigt berieselt werden, um zu belegen ... naja ... damit's halt alle wissen, so, wie wir alle wissen, dass die Griechen Renten für ihre Toten beziehen und die griechischen Lokführer dreimal soviel verdienen wie deutsche Piloten (oder so ähnlich) und überhaupt.
Korruption und Vetternwirtschaft sind große Probleme in Spanien. Diese kleine Korruption wie in Griechenland (wo, wie wir sicher mittlerweile alle wissen, "Fakelaki" an Hinz und Kunz bezahlt werden müssen) gibt es in Spanien nicht, aber Vorteilsannahme und persönliche Bereicherung am Volksvermögen im großen Stil ist überall, wo dies möglich ist, gang und gäbe. Und damit schließt sich der Kreis und wir sind wieder bei den Gewerkschaften und dem morgigen Generalstreik. Die Gewerkschaften haben im Jahr 2011 von der Regierung 175 Millionen Euro Subventionen erhalten (nachgeschaut). Ist das nicht ideal, wenn der vermeintliche Gegner vollkommen von einem abhängig ist? Wenn dann also übermorgen der Streik vorbei ist und alle wieder zur Tagesordnung zurückkehren (okay, vielleicht lenkt die Regierung bei ihrer Arbeitsmarktreform das vorher womöglich schon einberechnete kleine Bisschen ein), ist die Arbeit der Gewerkschaften wieder für eine Weile geschafft und um alles andere ging es ja sowieso nicht.

P.S. Diese kleine Anekdote, die auch im ersten Video zu sehen ist, möchte ich Euch nicht vorenthalten. Wie Ihr noch nicht wisst, aber zum gegebenen Zeitpunkt (Hetzjagd!) erfahren werdet, hat aus Gerechtigkeitsgründen jede spanische Provinz einen Flughafen, unter anderem auch Castellon in der Provinz Valencia mit seinen 180.000 Einwohnern (nachgeschaut!). Auf diesem Flughafen starten und landen keine Flugzeuge, unter anderem wohl auch deshalb, weil sich der Flughafen von Valencia in nur 50 Autominuten Entfernung befindet. Im März 2011 wurde er von Carlos Fabra, dem Regierungspräsidenten der Provinz Castellon (angeklagt wegen Vorteilsgewährung, Bestechung und Steuerdelikten (nee, deshalb wird niemand eingesperrt und da muss man auch nichts zurückzahlen (Teil des Problems!))) eingeweiht, wo bei dieser die folgenden Worte sprach (auf Spanisch natürlich): "Es gibt Leute, die sagen, wir wären verrückt weil wir einen Flughafen ohne Flugzeuge einweihen. Die haben nichts kapiert. Sechs Wochen lang können alle Bürger dieses Terminal besuchen und auf den Start- und Landepisten spazieren gehen, wenn sie dies möchten. Und das würden sie ja nicht können, wenn hier Flugzeuge starten und landen würden. Dies ist ein Flughafen für die Menschen." Nun ist ein Jahr 'rum und es ist immer noch ein Flughafen für die Menschen.
Hier könnt Ihr den entsprechenden Artikel lesen:
Da ich mich gerade in Spanien befinde, werde ich morgen mal losziehen und schauen, was los ist.