Dienstag, 20. Oktober 2015

Schöner Spruch

Beim Stöbern auf Pinterest bin ich heute auf einen Blog gestoßen, der sich mit jahreszeitlicher Deko, insbesondere Tischdeko, befasst. Ich habe ihn in meine Blog-Liste (rechts, unten) aufgenommen. Er trägt den Namen "Dining Delight". Ihr könnt auch gleich mal hier klicken und direkt dort hingelangen und Euch von der tollen Herbstdeko inspirieren lassen. Und auf diesem Blog habe ich auch den folgenden schönen Spruch von Epikur gelesen: 
Do not spoil what you have by desiring what you have not; but remember that what you now have was once among the things you only hoped for. 
How true, ne? Zu Deutsch: 

Zerstöre deine Freude an dem, was du besitzt, nicht dadurch, dass du nach Dingen verlangst, die du nicht hast; und denke daran, dass das, was du heute besitzt, einmal zu den Dingen gehörte, die du dir erhofft hast. 
Epikur von Samos (341- 271 vor Christus).  

Apropos besitzen und Deko: Was ich mich immer frage, ist, wo bewahren die Leute denn ihr ganzes Dekozeug auf?????? Und ihre verschiedenen Geschirre? Da muss ich an eine auch für Erwachsene lustige Geschichte in dem Kinderbuch "Das Pferd Huppdiwupp" denken, bei dem jemand für jede Speise eigene Teller, Schüssel und Bestecke hat und dann darüber verrückt wird und alles durcheinander bringt: "Wo ist die Erdbeerbratengabel? Wo ist der Schweinspuddinglöffel?" oder so ähnlich, kann mich nicht mehr richtig erinnern. Vielleicht war es auch ein anderes Buch... jedenfalls war's lustig... 

Freitag, 16. Oktober 2015

Herbst

Nach einer wunderschönen, sternenklaren Nacht der Sonnenaufgang heute morgen: 
Blick aus unserem Schlafzimmerfenster

Es ist höchste Zeit, den Garten auf Winterbetrieb umzustellen. Für heute Nacht waren 3 Grad vorhergesagt, dann waren es aber 0, da wird es schon eng für die nicht winterfesten Pflanzen. Wir befinden uns zwar in Spanien, aber im Landesinneren und auf großer Höhe (900 m). Ich werde trotzdem noch nicht die empfindlichen Pflanzen reinholen, denn für die nächsten Tage sind deutlich höhere Temperaturen angekündigt. Man muss aber aufpassen und darf sich nicht zu sehr auf die Vorhersagen verlassen. Wenn das nächste Mal 3 Grad oder weniger angekündigt sind, hole ich meinen Plunder rein. 
Die letzte rote Tomate ist auch geerntet, der Rest wird es wohl nicht mehr schaffen. Heute soll unser Holz für den Kamin gebracht werden. (Gerade haben sie angerufen, dass sie in einer halben Stunde kommen, deshalb muss ich jetzt unterbrechen und das Auto aus der Garage fahren und in der Ecke, wo sie das Holz stapeln wollen, noch einmal das Laub wegkehren, den Grill wegräumen, die Hängematte abhängen etc. Sommer ade!)
Und kaum eine Stunde später sitzt es schon da, unser herrliches Holz von der Steineiche. Toll, ne? In Spanien wird die Holzmenge nicht in Ster gemessen, sondern in Kilo. Was Ihr hier seht, sind 1000 Kilo. Mindestabnahmemenge bei unserem Lieferanten sind 500 Kilo. Dazu haben wir noch 2 Säcke Kleinholz zum Anschüren bringen lassen (falls Ihr für Eure Villa am Mittelmeer auch 'n büschen Brennholz bestellen wollt: "mil kilos de leña y dos sacos de astillas", dann bekommt Ihr das, was wir heute bekommen haben). Es ist nicht üblich, sich das Holz in die Garagenauffahrt kippen zu lassen und es dann selbst aufzusetzen, zumindest nicht in unserer Gegend. Gott sei Dank! Hahaha. Die beiden Arbeiter haben eine halbe Stunde gebraucht, um die Ware vom Lkw hinter unsere Garage zu transportieren und dort - wirklich schön, ne? - zu platzieren. Aaahhh, ich freue mich schon auf die gemütlichen Kaminfeuer.
Internetnutzer sind übrigens teilweise sogar schon im Weihnachtsmodus. Manche Leute, die Egg Nogg und den Namen des berühmten Weihnachtsfilms, in dem dieses Getränk zu sehen ist, eingeben, kommen auf diesen Blog, ebenso Damen (und Herren natürlich auch), die nach dem Rezept für die Weihnachtsplätzchen von Papst Benedikt suchen. "Lebkuchen altes Familienrezept" führt auch hierher, was mich ziemlich freut. Wir befinden uns ungefähr in der Mitte des Wonnemonats Oktober und die Leute machen sich schon über Weihnachten Gedanken. Okay, ne? Während ich die Hängematte abhängte, freute ich mich auch schon drauf, sie im Frühjahr wieder aufzuhängen.

Mittwoch, 14. Oktober 2015

Orangenbäumchen aus Kernen ziehen

Ich habe Euch schon einmal von meinen - damals erfolglosen - Versuchen berichtet, Orangen vom Typ "Bitterorangen" bzw. "Pomeranzen" aus Kernen zu ziehen, nämlich hier klicken. Nachdem mein Experiment also gescheitert war, bat ich eine Freundin, die Sevilla besuchte, mir noch einmal Orangen von den dortigen Straßenbäumen mitzubringen. Im Ganzen habe ich mit knapp 80 Kernen experimentiert und bin nun stolze Besitzerin von zwei Pomeranzenwinzlingen. Ich pflanzte Kerne in Blumenkästen mit Erde, mit Kompost, mit Sand und mit verschiedenen Mischungen dieser Komponenten, ich legte sie zwischen zwei feuchte Küchentücher (immer schön feucht halten!) und in Gläser mit feuchten Wattebäuschchen, ich stellte sie in die Sonne, in den Schatten, in den Halbschatten, etc., etc. Die einzige Methode, die funktionierte, war die Getränkedosen-Methode, die ich auf youtube gesehen hatte. Die Videos stammen aus einer Werbekampagne von Granini und sind auf spanisch, ich erzähle Euch auf deutsch, wie sie funktioniert:
Also: Unbedingte Voraussetzung für das Ziehen von Orangenbäumchen aus Kernen ist natürlich der Besitz von Kernen. Falls Ihr oben nicht geklickt habt oder es nicht eh schon wisst, weise ich Euch darauf hin, dass gekaufte Orangen normalerweise von veredelten bzw. gepfropften Bäumen stammen, dass Ihr also, auch falls das Experiment gelingen sollte, von Euren Bäumen nicht dieselben Orangen ernten werdet, wie die, aus deren Kernen Ihr den Baum gezogen habt (hä?). Bei Pomeranzen bzw. Bitterorangen bzw. Sevilla-Orangen ist das anders, sie werden nicht veredelt, d.h., man kann Originalbäume aus Kernen ziehen. Man kann prüfen, ob die Kerne fruchtbar sind, indem man sie in ein Glas Wasser schmeißt: die, die untergehen, haben Baumpotenzial, die anderen nicht (sagt der Typ im Video). Idealerweise macht man das Experiment im Frühjahr. 
Außer den Kernen benötigt man eine leere Getränkedose, von der man den Boden entfernt. Bei meiner Heineken-Dose ging das einfach mit einer Schere. Die Dose wird umgedreht benutzt, d.h., die Öffnung, wo man den Ring abgerissen hat, kommt nach unten. Man deckt diese ursprüngliche Öffnung mit einem Makeup-Entferner-Pad oder mit einem mehrfach gefalteten Küchentuch oder einem Stück Kaffeefilter ab, damit überschüssiges Wasser ablaufen kann, aber keine Erde austritt. Dann füllt man die Dose mit einer Mischung aus Blumenerde und Sand, je zur Hälfte. Die Kerne steckt man gut einen Zentimeter tief in die Erdmischung, je drei pro Dose. Dabei zwischen den Kernen Abstand halten. Beim erste Mal mit einem ganzen Glas Wasser gießen. Der Überschuss läuft durch das Makeup-Pad ab. An einen warmen, sonnigen Ort stellen und von nun an täglich mit einer Espresso-Tasse Wasser gießen. Überschüssiges Wasser muss gut ablaufen können. Nach vier bis fünf oder sechs Wochen sollte etwas sprießen. Hier klicken könnt Ihr Euch das spanische Video ansehen (erster Teil, von dort aus gelangt Ihr zu den weiteren Teilen). Wenn der Baum zwischen 15 und 30 cm hoch ist, wird er in einen Topf gepflanzt. So sahen meine beiden, am 15. April 2015 gesteckten Kerne am Tag des Umpflanzens in der Bierdose aus:
Der neue Topf muss ein oder mehrere Löcher im Boden haben. Zwecks Drainage Kieselsteine reingeben.
Darauf eine hälftige Blumenerde-Sandmischung.
Dann die Pflänzchen mit möglichst viel anhaftender Erde transplantieren. Sie gehen leichter aus der Dose, wenn die Erde richtig feucht ist.
Pflege: einmal wöchentlich stark gießen (ich gieße immer sonntags, so kann ich mir das am besten merken), null bis zweimal jährlich düngen (nur, wenn die Blätter gelb werden, oder so). Die Pflanze benötigt viel Licht und muss im Winter rein.
P.S.: Meine beiden Pflänzchen scheinen den Umzug in die neuen Töpfe, der vor ein paar Tagen stattfand, gut vertragen zu haben. Sie haben sogar schon ein bisschen zugelegt.

Samstag, 10. Oktober 2015

Nailed it!

Im spanischen Fernsehen kommt in letzter Zeit eine Reklame der (spanischen) Restaurantkette "Foster's Hollywood", in der sie für ihren "Black Label Burger" Reklame machen. Das sieht dann schon lecker aus, ne? Aber wir wissen ja, wie das ist: in der Wirtschaft sind dann die Pommes Frites aufgetaute Industrieware, das Fleisch idem, vom Brötchen ganz zu  schweigen. Ich will jetzt nichts gegen diese Restaurantkette sagen, ich war da noch nie und beabsichtige auch nicht, dahin zu gehen, vielleicht sind ja die Fritten hausgemacht und das Fleisch von einheimischen Morucha-Kühen, wer weiß. Lange Rede, kurzer Sinn: ich habe das Ding (Bild von der Website von Foster's kopiert) mit Qualitätszutaten zuhause nachgebaut.Vorlage:
Zum Anzeigen von Optionen klicken.


Die Beschreibung von Fosters: 250 g beste Rindslende (...), Brötchen mit Trüffelgeschmack, Cheddar-Cheese, karamellisierte rote Zwiebeln mit Portwein, Mayo mit Trüffelgeschmack, Rukola, Kopfsalat, Tomate, saure Gurke, knusprige Pommes Frites mit Parmesan.
Mein Nachbau: 
200 g Rinderhack vom einheimischen Morucha-Rind, Brioche-Brötchen, Cheddar-Cheese, karamellisierte rote Zwiebeln mit Portwein, hausgemachte Mayo aus kaltgepresstem Olivenöl (hatte ich noch von gestern übrig), Kopfsalat, Tomate (die fünftletzte aus dem Garten), frische Gurke, hausgemachte, in Olivenöl frittierte Pommes mit Parmesan.
War richtig gut, aber auch sehr sättigend.

Dienstag, 29. September 2015

Naaaaaiiiiiiinnnn, naaaiiiiinnnn, naaaaiiiinnnn, Glücksmoment!!!!!!! Eeeeeendlich!!!!!!!!! Rohe Kartoffelsuppe!!!

Is' jetzt für Euch vielleicht nicht so toll, aber für mich!!!!! Leute, ich habe einen "Quetschekuche" gebacken, siehe unten, aber darum geht es nicht.
Meine Mutter, die vor nun mehr fast dreißig Jahren aus dem Leben gerissen wurde, reichte zu diesem Kuchen eine Suppe, die sie als "rohe Kartoffelsuppe" bezeichnete. Die Kombination von Quetschekuche und roher Kartoffelsuppe... köööstlich!!! Wenn man ausgehungert aus der Schule nach Hause kam und fand diese Delikatessen vor... hmhmhmhmhm. Das Rezept für die rohe Kartoffelsuppe ging mit ihr verloren. Ich erinnerte mich nur, dass die Kartoffeln irgendwie in die Suppe gerieben wurden. Ich habe über die Jahre immer mal wieder nach einem Rezept gesucht und es nie gefunden, weder in Kochbüchern noch im Internet noch sonst irgendwo. Und gerade eben, vor fünf Minuten, habe ich es gefunden und zwar in Kombination mit Quetschekuche. Und ich kopiere es jetzt mal, wahrscheinlich völlig illegal, hierher: Hier ist ein Link zur Website. Meine Mutter nannte die Suppe, wie gesagt, "rohe Kartoffelsuppe". Schweineschmalz wurde bei uns zum Kochen auch nicht verwendet, sondern Margarine. Meine Mutter tat auch noch Sellerieblätter hinein, daran kann ich mich erinnern, und die Suppe war grünlich. Sie wurde auch püriert, bevor die Kartoffeln hinein gerieben wurden. Sobald ich die Suppe gemacht habe, kommt noch ein Rezept von mir, das dem meiner Mama weitgehend entsprechen wird. Habe aber im Moment weder Lauch noch Gelberüben (Gelberüben fehlen hier auch!!!, waren aber bei meiner Mutter drin, Gelberüben waren bei uns überall drin, hahaha). 

Wie bereitet man die Grumbeeresupp (Gemüsesuppe) zu?
Für die Grumbeeresupp dünsten Sie gut zehn Minuten lang folgendes feingeschnittenes Gemüse in einer ordentlichen Portion Schweineschmalz:
zwei große Zwiebeln,
eine halbe Knolle Sellerie,
drei Stangen Lauch.
Füllen Sie mit einer kräftigen Gemüse- oder Fleischbrühe auf und würzen Sie mit MajoranThymian,Pfeffer und Salz.
Kurz bevor das Gemüse durchgegart ist, reiben Sie vier rohe Kartoffeln in die köchelnde Brühe und lassen das Ganze aufkochen, so dass die Suppe eine sämige Konsistenz bekommt.
Gegessen wir dieses Gericht wie folgt:
Man nimmt einen Bissen Quetschekuchen und ißt dazu einen Löffel Grumbeeresupp. 

Genau so haben wir die Suppe gegessen: zum Kuchen. Schade, dass die Website keine Funktion hat, wo man kommentieren oder sich bedanken kann. In Zukunft werden es die Leute, die nach diesem Rezept suchen, leichter haben: ROHE KARTOFFELSUPPE, rohe Kartoffelsuppe, rohe Kartoffelsuppe, rohe Kartoffelsuppe, Zwetschgenkuchen, Quetschekuche, rohe Kartoffelsuppe, Quetschekuche, Zwetschgenkuchen.
UPDATE:
So, ich habe die Suppe gestern nach bestem Wissen und Gewissen gemacht. Fazit: Ich habe zuviel Gemüse benutzt, Stangensellerie statt Knollensellerie geht auch nicht, er ist zu faserig, vier Kartoffeln reingerieben war auch zu viel. Ergo: Meine Suppe war zu dickflüssig. Geschmacklich hatte ich es allerdings hingebracht.
 Und wir konnten uns eine rohe Kartoffelsuppe mit Quetschekuche einverleiben.
 Das Rezept für nächstes Mal (kann ich jetzt allerdings nicht sofort nachprüfen, wir können uns ja nicht nur noch von roher Kartoffelsuppe ernähren, hahahaha).

Also: Rohe Kartoffelsuppe nach alter Art
1 Zwiebel, 1 Gelberübe, 1/4 Sellerieknolle, 1 Stange Lauch kleinschneiden und in Margarine anbraten. Sellerieblätter, 1 Liter Wasser und 2 Fleischbrühwürfel hinzugeben, mit Majoran, Thymian, Salz (Achtung, in den Brühwürfeln ist schon Salz!) und reichlich Maggi würzen, kochen bis weich. Sellerieblätter rausfischen. Bisschen Petersilie rein... Pürieren (meine Mutter nannte den Pürierstab "Zauberstab"). 2 Kartoffeln hineinreiben (fein reiben), noch drei, vier Minuten kochen lassen. Eventuell mit Salz, Pfeffer und Maggi abschmecken.
Dazu gab es manchmal auch Apfelküchelchen!!!!! Hmhmhmhm.
Warum findet man dieses Rezept nicht mehr? Es ist so lecker, es ist mir echt unerklärlich. Und gesund ist es auch... Und wenn man in den Teig vom Kuchen statt Butter Margarine gibt und keine Eier rein tut, dann ist es auch noch vegetarisch und vegan, also absolut auf der Höhe der Zeit. Versteh' ich nicht. 

Todo positivo...

Ja, ja, ja, ich bin entschlossen, dem Blog eine andere Richtung zu geben und zwar mit deutlich weniger Gejammer. Alles positivo, nada negativo. Ich erzähle Euch, wie es zu dieser Überlegung kam: Im Juli war mein Gatte zu einem glanzvollen Abendessen in Madrid eingeladen. Wir werden so selten zu glanzvollen Abendessen eingeladen, dass man die Häufigkeit mit dem Begriff "nie" recht gut beschreiben kann. Wir beschlossen, noch zwei Tage dranzuhängen und es uns in Madrid ein bisschen schön zu machen und das Museum Reina Sofia und das Thyssen-Museum zu besuchen, damit wir in Zukunft, wenn jemand sagt "ich war im Thyssen", "da waren wir auch schon" antworten können. Im Reina Sofia hängt das berühmte Werk "Guernica" von Picasso, das genauso aussieht wie auf den Postern, aber viel größer ist. Im Thyssen-Museum hängen, wie mein Gatte sagte, der von Kunst mehr versteht als ich, mindere Werke bedeutender Künstler und bedeutende Werke minderer Künstler, aber auch zwei oder drei Werke von Christian Schad.
Um auf das Abendessen zurückzukommen: Unter dem guten Dutzend Gäste war auch ein älteres adeliges Ehepaar der höchsten Gesellschaft. Wäre das nicht tolle, wenn ich neben der Tussi zu sitzen käme? dachte ich mir, hatte aber kaum Hoffnung... Ich saß neben ihr! Auf der anderen Seite von ihr saß der Gastgeber, ein wichtiger Mann. Naja, da wird sie wohl kaum mit mir sprechen, dachte ich mir... Sie quasselte den ganzen Abend nur mit mir! Und es war sehr unterhaltsam! Abgesehen davon, dass die Frau sehr nett und sympathisch war, muss ich Euch sagen, ich finde reich sein soooooo toll! Ich bin da auch gar nicht neidisch oder hasserfüllt klassenkämpferisch, ich finde es einfach nur toll. Zum Abschied sagte sie: "Ach, eigentlich wollten wir gar nicht kommen, man hetzt ja von einer Einladung zur anderen, Sie kennen das ja, aber jetzt war es doch ein richtig schöner Abend." "Sie kennen das ja", hahahahahaha. Uns lädt keine Sau ein. Also zu glanzvollen Abendessen. Solche Leute/Familien schwimmen gesellschaftlich immer oben, als Sahnehäubchen quasi, da kann unten los sein, was will, Franco, Sozialisten, Arbeitslosigkeit, alles wurscht, das geht gar nicht an die ran. Toll, ne? Todo positivo. Wie viel schöner ist das Positive.
Ja, und am Tisch mir gegenüber saß eine Tussi, die nach dem Regierungswechsel (PSOE - PP) die Macht hatte, viele Freunde, Verwandte und Bekannte sowie verdiente Parteimitglieder der sozialistischen Partei, die auf hohen Posten hockten, ins zweite oder dritte Glied oder ganz nach Hause zu schicken und gegen Freunde, Verwandte und Bekannte sowie verdiente Parteimitglieder der konservativen Partei (unabhängig von ihrer Kompetenz und Eignung) auszutauschen. Sie entließ aber nicht nur sozialistische Günstlinge, sondern auch Menschen, die - unabhängig von ihrer Parteizugehörigkeit - ihren Posten aufgrund ihrer Fähigkeiten und Kenntnisse innehatten, um Platz für Söhne und Töchter, Cousins und Cousinen, Neffen, Nichten und Freunde - unabhängig von ihren Fähigkeiten und Kenntnissen - zu schaffen. Ich hab' schon mehrmals das Thema Nepotismus in Spanien angesprochen, z.B. hier mit einem leicht abgewandelten, mir persönlich bekannten Fall, und hier, mit Informationen aus einem Artikel in El Pais. Eklig, ne? Was denkt man, wenn man so einem Menschen, einem direkt verantwortlichen, gegenüber sitzt? Der Ochsenschwanz, der als Hauptgericht serviert wurde, war zu trocknen. Echt jetzt, ne? Was soll man denn denken? Der Ochsenschwanz, der entbeint und mit einem Ring modisch geformt serviert wurde, war wirklich zu trocken. Mein Gatte und ich hatten mittags in einer einfachen Wirtschaft das Tagesmenü gegessen, bei dem wir uns als Hauptgericht zufällig ebenfalls Ochsenschwanz (mit Knochen) bestellt hatten und dieser Ochsenschwanz war sooo lecker gewesen, perfekt zubereitet, was ja bei Ochsenschwanz kein großes Kunststück ist. Okay, der Ochsenschwanz abends wurde in beeindruckendem, sehr gehobenem Ambiente serviert, aber..., ne? Todo positivo. Tooooodo positivo. Todo, todo, todo.

Sonntag, 27. September 2015

#diewichtigendingeimleben

Hey, guckt mal, wie wunderschön meine Engelstrompete blüht:
 Und ich habe mittlerweile fünf, die anderen sind aber noch klein und blühen noch nicht. Ich erzähle Euch, wie ich zu so vielen Engelstrompeten gekommen bin: Die obige, also die alte, war mir zu groß geworden und ich begann, sie zu vernachlässigen. Kurz vor dem Eingehen tat sie mir dann aber doch leid und ich schnitt sie ziemlich weit unten ab und dachte mir, naja, man wird sehen, ob sie es schafft oder nicht. Von den abgeschnittenen Ästchen steckte ich zwei direkt in Erde, zwei stellte ich in Wasser. Ich hatte keine Hoffnung, dass das irgendwas werden würde, aber ALLE wuchsen an und die alte erholte sich wieder, sodass ich nun stolze Besitzerin von fünf Brugmansien bin. Engelstrompeten vermehren ist also super einfach. Ach, und eine habe ich verschenkt, ich hatte im Ganzen also sogar sechs.
Und dann habe ich mit dem Weihnachtsputz angefangen. Ist das nicht ein bisschen früh? werdet Ihr Euch jetzt vielleicht fragen. Gewiss nicht. Bis Weihnachten 2015 schaffe ich das sowieso nicht, ich habe Weihnachten 2017 im Visier. Gestern habe ich meinen Gewürzschubkasten aufgeräumt. Ja, Leute, ja, das unten ist das Nachher-Bild. 


Ja, die Gewürze sind alphabetisch geordnet. Ich ordne sie immer mal wieder alphabetisch. Jetzt, in der neuen Küche, habe ich sie in einem Schubkasten, in der alten Küche hatten sie einen sehr praktischen Schrank über dem Herd, vor der Dunstabzugshaube. Also, die Dunstabzugshaube befand sich in einem Oberschrank, war aber abgedeckt, davor befanden sich viele kleine (drei, glaube ich) Regalbretter, die gerade so tief waren, dass eine Reihe Gewürze darauf passte. Davor war die Schranktüre. Das war sehr praktisch, praktischer als der Schubkasten. Ich hatte meinem Küchendesigner auch gesagt, dass ich das wieder so will, aber er hat gesagt, das kann nicht sein. Wäre aber besser gewesen und ich empfehle Gewürzfans meine alte Lösung. Der Besteckkasten, in dem die Gewürze stehen, ist nämlich auch nur suboptimal. Wenn ich fertig bin mit dem Schreiben dieser Zeilen, gehe ich an meinen Vorratsschrank in der Küche.

Donnerstag, 10. September 2015

"Refugees welcome" in Spain, äh, in Spanien

Am Rathaus von Madrid wurde ein riesiges Plakat (8 x 4 Meter) angebracht mit der Aufschrift "Refugees welcome". Das ist sehr, sehr seltsam, denn Spanien ist ja das Land, welches unter erheblichen Anstrengungen das westliche Tor zu Europa zuhält. Sind die Refugees jetzt wirklich welcome? Habt Ihr schon mal Bilder von den meterhohen, mit Natodraht bewehrten Zäunen gesehen, mit denen die Spanier versuchen, afrikanische Flüchtlinge davon abzuhalten, in Melilla und Ceuta, in die spanischen Enklaven in Nordafrika, einzudringen? Da rennen manchmal hunderte von Schwarzafrikanern - wahrscheinlich hervorragend ausgebildete, händeringend gesuchte Fachkräfte - gegen den Zaun an, klettern hinauf, schneiden sich an den Klingen die Hände auf und fallen runter und brechen sich die Knochen. Willkommenskultur vom Feinsten. Hoffentlich sehen diese Leute keine Bilder vom Madrider "Refugees welcome"-Plakat. 
Und dann noch die, die übers Meer nach Spanien kommen, auf Schlauchbooten, auf wackeligen Fischerbooten und überhaupt irgendwie. Und dabei ertrinken viele und werden dann irgendwo angespült und Spanien tut alles, um zu verhindern, dass die Flüchtlinge losfahren, und wenn sie doch losfahren und es bis ans europäische Festland oder bis auf die Kanaren schaffen, dass man sie wieder los wird. Spanien hütet das westliche Einfallstor. Wenn Spanien dieses öffnen würde, würde sich womöglich halb Afrika auf den Weg nach Norden machen.
12.000 Flüchtlinge vom östlichen Einfallstor sollen jetzt in Spanien untergebracht werden. Unter anderem in Castilla y León. Heute habe ich im Radio eine Politikerin aus dieser spanischen Region sagen hören, wie gut es doch ist, dass diese Menschen kommen. Sie können zum Wirtschaftswachstum beitragen und die demographische Entwicklung verbessern, also, die Überalterung bremsen. Da hat sie sicher recht, nicht wahr, denn die Überalterung ist in Castilla y León wirklich ein massives Problem, nicht zuletzt deshalb, weil so viele junge Spanier ins Ausland gehen müssen, weil es hier keine Arbeit gibt. Junge spanische Akademiker wandern in Scharen aus... so, hier hör' ich auf zu schreiben, ne? Und ab jetzt kommen nur noch positive Blogeinträge, wirklich, echt, ich werde mich anstrengen. Keine Kommentare mehr zum Zeitgeschehen.

Sonntag, 19. Juli 2015

Die Lage in Spanien im Sommer 2015

In Deutschland wird ja immer wieder berichtet, wie brav die Spanier gehorchen und sparen und wie schön es deshalb aufwärts geht. Aha, soso, hmhm. Tja. Hmhm. Die, die das schreiben, glauben das, oder? Ich meine, die erfinden nicht bewusst irgendwas, oder? Denn: seit Mariano Rajoy an der Macht ist, also in den letzten dreieinhalb Jahren, ist die Staatsverschuldung Spaniens um 300 Milliarden Euro gestiegen. Die megablühenden Landschaften, durch die wir jetzt vor den Wahlen stolpern dürfen, wurden mit 300 Milliarden neuen Schulden erkauft. 
Und leider, leider sieht die Lage vor Ort, zumindest in der spanischen Provinz, ganz, ganz anders aus als uns die offizielle Propaganda glauben machen will. Man beobachtet immer wieder schockierende - ja, doch, schockierende ist das Wort - Kleinigkeiten: Zum Beispiel war ich neulich abends mit meinen Freundinnen unterwegs und wir liefen eine tagsüber sehr belebte Straße entlang. Mir fiel auf, dass praktisch alle Läden geschlossen waren, also geschlossen im Sinne von aufgegeben und für immer zugesperrt. Ich dachte mir, sagst lieber nichts, sonst stehst du wieder als negativer Mensch da. Eine meiner positiven Freundinnen wies aber darauf hin: Der Geschenkeladen - zu. Der Handtaschenladen - zu. Die Bankfiliale - zu. Das Reisebüro - zu. Und was da noch alles ist und war - zum größten Teil zu. Und wenn ein neuer Laden aufmacht, muss man sich echt sputen, sonst ist er wieder zu. Ist mir mit einem Spielwarenladen passiert, der vor Weihnachten aufgemacht hatte. Letztens wollte ich mir endlich anschauen, was es so Neues an Kinderkram gibt (ein kleines Mädchen hatte festgestellt, dass ich nicht mal wusste, wer Peppa Pig/Peppa Wutz ist, und das ist ja wohl der Gipfel der Ignoranz), zu spät, der Laden war schon wieder verschwunden.
Mein Nachbar sagte mir heute: "Ich habe die Webseite angeschaut, die du mir empfohlen hast. Bei Gottes Liebe, ich kann es nicht glauben." Bei der Webseite, die er angeschaut hatte, handelte es sich um die spanische Immobilienseite www.idealista.com und was ihn geschockt hatte war die Anzahl der Häuser, die in unserer Siedlung zum Verkauf stehen. In unserer kleinen Straße, zum Beispiel, werden fünf Häuser (HWUs) offiziell zum Verkauf angeboten. Die Preise liegen zwischen 260.000 und 290.000 Euro. Zu Spitzenzeiten, nämlich so um 2006, 2007, wurden deutlich über 400.000 verlangt. Was wird gezahlt? Das weiß man nicht, es ist schon seit vielen Jahren (sechs, sieben Jahren?) keins mehr verkauft worden. Dann gibt es noch ein paar Anwohner, die gerne verkaufen würden und nur darauf warten, dass die Preise wieder steigen. Geht der ganze Irrsinn noch irgendjemand in den Kopf? Wer, um alles in der Welt, soll denn unsere Häuser kaufen? Die Jugendarbeitslosigkeit, also der Prozentsatz der Menschen zwischen 16 und 25, die arbeiten möchten, aber keine Arbeit finden, liegt bei über 50%. Dazu kommen noch die, die einfach irgendwas studieren und dann noch irgendwas, und dann noch einen Master und dann was anderes..., die in der Statistik nicht auftauchen, weil sie ja studieren. Und wenn sie dann doch irgendeine Arbeit finden, dann können sie nicht in ihrem Heimatort bleiben und verdienen auch nicht genug zum Leben. Nur Senioren haben genug Geld, um Häuser zu kaufen. Und Senioren wollen keine großen Häuser, die für junge Familien ideal sind, welche aber nicht das Geld haben, um sie zu bezahlen. 
Von den Griechen hört man, dass sie hohe Renten brauchen, weil alte Leute häufig junge Familien mit durchschleppen. Für die Deutschen klingt das fremd und unverständlich, für Spanier ist das real. Auch Studenten, welche die spanische, dem Bafög entsprechende Unterstützung erhalten, kommen häufig aus Familien, die das Bafög ihrer Kinder zum Überleben brauchen. In Spanien gab es im Frühjahr 2015 ganze 770.000 Haushalte ohne Einkommen. Diese Zahl habe ich gesucht, wer sehen will, wo ich sie gefunden habe, hier klicken. Ohne Einkommen bedeutet nicht Hartz 4 oder irgend sowas. Ohne Einkommen bedeutet ohne Einkommen. Wir können nur hoffen, dass die Mama schwarz putzt (was aber auch im Rahmen des guten Weges und der verschärften Gesetze immer schwieriger wird. Mittlerweile muss man Putzfrauen anmelden, auch wenn sie nur eine einzige Stunde in der Woche kommen. Nebeneffekt: Arbeitsmarktstatistik!). Ihr fragt Euch jetzt vielleicht, wie kann denn das sein? Wie darf man sich das vorstellen? Ohne jedes Einkommen? Ich hörte einmal eine Frau, bei der ich mir echt nicht erklären kann, wovon ihre Familie lebt, über andere Leute sagen: "Ich kann mir echt nicht erklären, wovon diese Familie lebt." Einkommen: Vaters Arbeitslosengeld für Langzeitarbeitslose mit Familie in Höhe von 426 Euro. Die Schwarzarbeit wird massiv bekämpft. Für den IWF ist das vielleicht toll, für arme Familien nicht so. 
Letzten Samstag war ich mit einer Freundin in Medina del Campo, der kastilischen Möbelstadt. Wir besuchten ein sehr großes Möbelhaus, das hauptsächlich klassische Modelle anbietet. Wir hielten uns an einem Samstagmorgen dort eine gute Stunde auf und in dieser ganzen Zeit waren wir die einzigen Kunden. Die Geschäftsleute scheinen aber die Dauerbeschallung mit positiver Propaganda zu verinnerlichen (neulich hat einer im Radio gesagt: "Ich möchte immer in einem Wahljahr leben, da ist alles so positiv", hahaha.). Im nächsten Geschäft, wo ich das Möbel für unseren Eingangsbereich in Auftrag gab und wo auch in der ganzen Zeit, in der ich dort war, keiner hereinkam, war so ein Propagandagläubiger: "Kaufen Sie rasch, die Hersteller warten nur darauf, die Preise wieder zu erhöhen, sobald es weiter aufwärts geht", sagte der Verkäufer und Ladenbesitzer in Personalunion. "Es geht nicht aufwärts, das hoffen Sie bloß", antwortete ich ihm. "Doch", sagte er. "Rajoy wird wiedergewählt und dann geht es richtig aufwärts." "Ich teile Ihre Meinung, dass Rajoy wiedergewählt wird, aber danach kommt eine Austeritätsorgie, dass uns Hören und Sehen vergehen wird", sagte ich. "Wir werden es ja sehen", sagte er. Meine Freundin war während dessen in einem anderen Möbelladen, in dem auch keine Sau war. Ich weiß aber, dass sie die Meinung des Möbelhändlers geteilt hätte, weil dies für ihre seelische Gesundheit wichtig ist.
Klar, es geht zurzeit ein bisschen aufwärts, weil die Banken die Kredithähne wieder geöffnet haben. Im Fernsehen machen mehrere Wucherer Reklame. Ich verstehe nicht, wie der Staat das erlauben kann. Vor ein paar Tagen habe ich einen Artikel gelesen, in dem stand, dass einer dieser Wucherer, der Wohnungen als Garantien nimmt, bereits 4000!!! Immobilien in seinen Besitz gebracht hat. Das ist wie damals, vor vier oder fünf Jahren, als Nueva Rumasa für ihre Anleihen mit 8 % Zinsen im Fernsehen Reklame machten. Die Leute, die dachten, na, wenn die im Fernsehen Reklame machen, wird das wohl rechtens sein, wurden um ihr Geld gebracht.
Ja, doch, es geht dank der scharfen Sparpolitik aufwärts, ich bestreite es ja gar nicht. Die Autokäufe sind stark gestiegen. Die L.s haben auch ihrem seit fünf Jahren arbeitslosen Sohn ein neues Auto gekauft. Für das laufende Jahr ist für Spanien ein Wirtschaftswachstum von 4 % vorhergesagt. Vielleicht konzentriere ich mich zu stark auf das Negative. Ist doch positiv: Familie L. hat einen Neuwagen gekauft. Im Möbelladen war am Samstagvormittag ein Kunde. Es gibt immer noch Leute, die versuchen, Läden aufzumachen. Von jemandem aus unserem Bekanntenkreis, der in letzter Zeit Arbeit gefunden hätte, kann ich leider nicht berichten, da es niemanden gibt, und Ihr wisst, dass ich mich echt bemühe, Euch die Wahrheit zu sagen, zumal ich es auch für mich selber aufschreibe, damit ich in ein paar Jahren schauen kann, wann was war. Der Sohn von MJ hat seinen Job verloren. Ein Vater von fünf Kindern, von denen das kleinste erst ein paar Monate alt ist, ist entlassen worden. Er war seit fast zwanzig Jahren bei einer religiösen Einrichtung tätig. Wow, ne?
Und wovon ich Euch gar nicht erst berichten werde: ein Freund meines Gatten, der in einem Ministerium arbeitet, war zu Besuch. Er brachte uns auf den neuesten Stand, welche Verwandten von wem auf welchen hohen Stellen arbeiten. Das ist völlig legal, deshalb ist es auch kein Skandal. Es ist aber sehr deprimierend, es zu hören. Unvergessen der Satz von A., deren Sohn ebenfalls in einem Ministerium arbeitet: "Mein Sohn ist noch einmal befördert worden. Er arbeitet jetzt auf einer Ebene, auf der es Verwandte von Ministern gibt." Da muss er schon ziemlich weit oben sein, ne?
Übrigens (ich erinnere rasch): Seit Mariano Rajoy an der Macht ist, ist die Staatsverschuldung Spaniens um 300 Milliarden gestiegen.          

Dienstag, 23. Juni 2015

Serendipity - Frrrozen hot chocolate auf unserer spanischen Terrasse

So, die so genannte "gefrorene heiße Schokolade" wurde endlich gemacht. 
In New York gibt's dieses Café, Serendipity, das seit Jahrzehnten stark gehypt wird und folglich sehr berühmt ist. Marylin Monroe hat dort Eis gegessen und Andy Warhol und Jackie Kennedy, usw. Es gibt einen gleichnamigen Film, Szenen anderer Filme wurden dort gedreht. Das Café ist ein Touristen-Magnet, im Sommer Wartezeit zwei Stunden, um überhaupt hineinzukommen.Wenn Ihr den Wikipedia-Eintrag hierzu lesen wollt, hier klicken. Lohnt sich das Warten? fragt Ihr Euch jetzt vielleicht. Pfff, natürlich nicht. Im Hypen von irgendwelchem Zeug für Touristen sind die New Yorker ganz groß, ihnen selber würde es dann im Traum nicht einfallen, dorthin zu gehen. Fact. Ich sage nur Silvester am Time Square. Nicht umsonst ist "Hype" ein englisches Wort. Naja, gut, der Vollständigkeit halber suchten wir dieses Café in der Nebensaison auf und bestellten die weltberühmte Frrrozen Hot Chocolate. Das Eis wird schlampig serviert, das Glas ist übervoll und das Schokoladeneis tropft auf den Teller darunter. Dies soll wohl Opulenz oder Dekadenz oder Shabby Chic oder irgend sowas symbolisieren. Die Portion ist sehr groß, das Zeug schmeckt gut. Es ist ganz knapp gefroren und man kann es mit dem Röhrchen einsaugen. Der Preis beträgt derzeit, wie ich gerade nachgeschaut habe, 8,95 Dollar. Dazu müsst Ihr noch das Trinkgeld rechnen, also im Ganzen eher 11 Dollar. Im Laden wird ein teures Pulver verkauft, mit dem man sich das Eis selbst machen kann. (Info: Das Café befindet sich in der Nähe der Seilbahn zum Roosevelt-Island, man kann also den Cafébesuch mit der Seilbahnfahrt kombinieren, was recht schön ist, wenn man nicht warten muss, um ins Café gelassen zu werden. Die Seilbahn bezahlt man mit der Metrocard.) 
Dann begab es sich aber irgendwann mal, dass einer der Köche des Ladens das Rezept im amerikanischen Fernsehen erklärte und ich es mir aufschreiben konnte. Es geht sehr einfach: 1/3 Tasse Trockenmilchpulver mit 1/3 Tasse Zucker und 4 Esslöffel Kakaopulver mischen. Mit 1 Tasse Milch und 3 Tassen Eiswürfeln in einen Mixer geben und pürieren (1 Tasse = 235,5 ml). Mit Sahne und Schokodeko servieren. Da ich aber über keinen Mixer, geschweige denn über einen Mixer, mit dem man Eiswürfel pürieren kann, verfüge, konnte ich das Rezept nicht zubereiten. Vorgestern dachte ich, probier' ich's halt mal mit der Eismaschine, wenn es nichts wird, schmeiße ich es einfach fort. Leute, es ist sehr lecker geworden. Ich verrate Euch, wie ich es gemacht habe (ich habe die doppelte Menge gemacht. Die Angaben hier reichen für drei Personen): 6 gestrichene Esslöffel Trockenmilchpulver (gehört in jeden Prepper-Haushalt!!!!!!!!!!), 5 gestrichene Esslöffel Zucker und 4 Esslöffel Kakaopulver (nicht Nesquik, richtigen Kakao, z.B. von Aldi) mit 1 Tasse Milch und 1,5 Tassen kühlschrankkaltem Wasser mit dem Pürierstab mischen, in die Eismaschine geben und waaarten. Wird supi! In schöne Gläser geben, mit Sprühsahne und einem bisschen abgehobelter Schokolade (Kartoffelschäler) dekorieren. Mit einem Röhrchen bzw. Strohhalm servieren. Löööcker und ganz einfach zu machen.
Warum 1,5 Tassen Wasser? Weil ich gedacht habe, dass 3 Tassen Eis etwa 1,5 Tassen Wasser entsprechen, weil ja Hohlräume zwischen den Würfeln sind. Wer exakt arbeitet, lässt 3 Tassen Eiswürfel schmelzen und sieht so, wie viel Wasser sie tatsächlich entsprechen. Warum Sprühsahne und keine frisch geschlagene Sahne? Ich sage es Euch: Wenn man frische Sahne zubereitet, dann sind das normalerweise 250 oder 200 ml, die man dann am selben oder am nächsten Tag futtert, also als Familie. In der Sprühflasche ist genauso viel drin. Da tut man hier mal ein bisschen Sahne drauf, mal da und räumt die Flasche wieder weg. Irgendwann entdeckt man Schimmel an der Düse und schmeißt den Rest fort. Das ist viel besser für die Gesundheit. Man nimmt viel weniger Sahne zu sich, ohne dass der Genuss beeinträchtigt wäre.
Also, das Rezept für die so genannte gefrorene heiße Schokolade kommt auf jeden Fall in mein festes Kochrepertoire.
Wir nahmen sie hier ein, auf unserer spanischen Terrasse:
Mein Eintrag zu unserer italienischen Terrasse wird ziemlich oft angeklickt, deshalb hier auch eine Beschreibung der spanischen Terrasse: viele Geranien an den Wänden. Zusätzlich zu den Geranien gerne auch ein paar andere Pflanzen. Die Möbel dürfen aus Plastik sein, auch diese ganz billigen weißen Plastiktische und die passenden Stühle für drei, vier Euro sind auf der spanischen Terrasse zugelassen (im Gegensatz zur italienischen Terrasse, auf der nichts aus Plastik sein darf). Auf dem Tisch stehen idealerweise Gläser und ein Krug mit kühler, erfrischender Sangría sowie je ein Schälchen mit Mandeln und Oliven. Genießt den Sommer, liebe Leser!

Mittwoch, 17. Juni 2015

Eines meiner Lieblingsessen: Lachs mit Mango, mhmhmhmhmhm

Ich erzähle Euch: Wir waren mal in New York bei unseren Freunden L. und D. eingeladen und L. servierte uns Lachs mit Mangosauce. Ich hatte dieses Gericht noch nie zuvor probiert und war völlig hingerissen. Ich sprach: "Lola, dies ist eine der köstlichsten Speisen, die ich je gegessen habe. Du MUSST mir das Rezept geben." - "Das geht leider nicht," antwortete sie mir. "Ich KANN dir das Rezept nicht geben, weil ich keines habe. Ich habe dieses Gericht in einem Restaurant gegessen und dann nach bestem Wissen und Gewissen nachgekocht." - "NAHIIIIN," brüllte ich verzweifelt... 
Ja, gut, ne? Also musste ich mir das Rezept mit Hilfe ihrer Informationen auch selbst zusammenbasteln, ich habe es nämlich im Internet trotz langen Suchens so nicht gefunden. Ich sag's Euch gleich: Es ist ein Rezept für Leute, die die Kombination von Koriandergrün (Cilantro), Kreuzkümmel (Cumin) und Limetten gut finden, allen anderen wird es nicht schmecken. 
Ich benötige: Lachs (ich nehme Scheiben von der Lachshälfte, wisst Ihr, wie ich meine? Und die schneide ich nochmal durch, damit ich den dünnen und den dicken Teil beim Braten differenzieren kann, also nicht die Scheiben vom ganzen Lachs, wo in der Mitte noch der Knochen ist), die Lachsmenge richtet sich nach dem Hunger der Esser, ansonsten für 4 Personen: 2 reife Mangos, 1 rote oder grüne Paprika, 1 Zwiebel aus neuer Ernte, 1 sehr saftige oder 2 Limetten (oder auch 3), reichlich Koriandergrün (Cilantro), 1 Tl gemahlenen Kreuzkümmel. Salz und Pfeffer. 
Ich schneide die Zwiebel, die Paprika und die geschälten Mangos in breite Streifen und wasche das Koriandergrün und hacke es grob. Zuerst brate ich Zwiebel und Paprika in Olivenöl an, nach einer Weile gebe ich auch die Mangos dazu, denn die brauchen nicht so lange wie die erstgenannten Gemüse. Alles eine Weile braten, währenddessen salzen, pfeffern und den gemahlenen Kreuzkümmel zugeben (scheint viel Kümmel, schmeckt aber guuut (nicht den deutschen Kümmel verwenden, sondern Kreuzkümmel!!!)). Abschalten, bevor die Mangos zermatschen. Koriander und den Saft von ein oder zwei Limetten unterrühren. In einer anderen Pfanne Lachs braten, dicken Lachs zuerst in die Pfanne. Wenn Ihr frischen, guten Lachs habt, dann bratet ihn so, dass er außen durch und innen noch roh ist. Bisschen salzen und pfeffern. Fertig. Wenn Euch die Soße zu wenig ist, verdünnt sie mit zusätzlichem Limettensaft, Wasser, Tequila oder Cachaça oder einer Kombination von diesen Sachen. Bei Tequila oder Cachaça würde ich das Gemüse aber aus der Pfanne nehmen, damit es nicht zu weich wird, und die Flüssigkeit noch mal aufkochen, damit es nicht so alkoholisch schmeckt. So, Lachs auf den Teller, Gemüse darauf oder daneben, dazu büschen Reis, Basmati oder Thai oder so. Mhmhmhmhmhmhmhmhmhmhm, himmlisch! 

Montag, 15. Juni 2015

In Spanien: Hier kein Trockengebiet - au contraire

Seit Mittwoch versuche ich, Winterbettzeug zum Lüften herauszuhängen, aber entweder es regnet oder es hängen dicke Regenwolken am Himmel. Die Regentonne ist schon lange voll...
 Die Petunien, die in dem neuen Topf so prächtig wuchsen und so wunderschön aussahen, verfaulen!!!!!
Der Rasen müsste dringen gemäht werden, aber er steht völlig unter Wasser. Quaaatsch, quaaatsch, quaaatsch, wenn man darüber läuft. Ich war gerade im Keller und habe geschaut, ob schon irgendeine Wand nass ist. Glücklicherweise kann ich vermelden: Nööö. Temperatur im Moment: 11º Grad. Für den Samstag sind jedoch bis 32º Grad vorhergesagt. Das Schwimmbad ist geöffnet. Ich freue mich auf das schöne Wetter und den Sommer. Wenn die Kalifornier ihr Wasser suchen... ich weiß, wo es ist, haha.

Donnerstag, 11. Juni 2015

Wir waren wo - und zwar in Alicante und Benidorm

Uff, jetzt habe ich schon fast einen ganzen Monat nichts mehr geschrieben! Naja, ich nehme mal an, dass ich nur wenig vermisst worden bin und die letzten vier Wochen waren im positiven Sinne ereignisreich. Also, wo war ich stehengeblieben? Ende April durfte ich meinen Gatten auf eine verlängerte Geschäftsreise nach Alicante begleiten, die uns auch einen Tag nach Benidorm führte, davon wollte ich Euch erzählen. Zuerst zu Alicante: Wir haben dort im Hotel Eurostars Lucentum übernachtet, mit dem wir rundum zufrieden waren (über "rundum zufrieden" gibt es bei mir nur noch eine Kategorie, nämlich "äußerst zufrieden", aber da hätte bei unserer Ankunft eine Musikkapelle spielen müssen und das Personal hätte mit Fähnchen winken und uns bejubeln müssen, beides war nicht der Fall. Die Latte für "äußerst zufrieden" liegt bei mir hoch, denn darüber gibt es ja nichts mehr. Ich habe schon mal was dazu geschrieben, siehe hier). 
Ich hatte mir Alicante anders vorgestellt, nämlich mehr so wie Benidorm, also als Urlaubsort. Es ist jedoch einfach eine schöne Großstadt am Meer. Alicante hat mir gut gefallen, besser als erwartet. Hier ein paar Bilder:
Blick von der Burg auf den Hafen. An der Burg ist das Interessanteste, wie man hoch kommt, nämlich vermittels eines Aufzugs in der Mitte des Berges. Auf den Eingang folgt ein sehr, sehr (sehr) langer Tunnel, an dessen Ende sich der Aufzug befindet, der einen im Bergesinneren nach oben befördert. Die Burg selbst... okay, man schaut sie sich der Vollständigkeit halber an. Sie ist wohl historisch bedeutsam und es gibt schöne Winkel, wie den unten, aus der Zeit der Araber:
Was mir in Alicante noch gefallen hat, waren die Parks und das viele Grün:
Interessant auch die Gummibäume mit ihren Luftwurzeln:
Schaut mal, wie extrem breit der Baum unten ist. Es ist ein Gummibaum!
  Hier ein Blick von der ins Meer gebauten Promenade zurück an Land:
 An dem Berg, auf dem obendrauf die Burg ist, befindet sich ein kleines weißes Dörfchen, zu dem ich an einem der Tage hinaufstieg, an denen mein Gatte arbeiten musste:
 Oben ist ein Kapellchen mit den Prozessionsfiguren der Karwoche. Mit diesen Figuren auf den Schultern die Treppen des Dörfchens hinunter- und hinaufsteigen, pffffff. Die Putzfrau, die mir das Kapellchen öffnete, erzählte, dass die Träger dabei teilweise auf den Knien rutschen müssten.
Alicante ist eine schöne Stadt:

 Die auch so manche Überraschung beherbergt:
 Die berühmte Strandpromenade:
Und der Strand selbst. Das Wasser ist für meinen Geschmack zu dreckig. Wenn ich Angst haben muss, dass mein Kind eine gebrauchte Damenbinde auf dem Kopf hat, wenn es auftaucht... das geht überhaupt nicht. Strand unbrauchbar.
 Dafür gab es viele schöne Jachten:
 Unser Hotel lag direkt gegenüber der Markthalle, die toll ist. Schöne Früchte, alles schön dekoriert:
Und auch seltsame Sachen, wie dieser getrocknete Thunfisch:

 Wir haben in Alicante sehr gut gegessen, das ist ja nicht selbstverständlich. An dem Tag, an dem ich alleine unterwegs war, aß ich in einem dieser Restaurants, die mitten auf der Straße aufgebaut sind. Meine Vorspeise war sehr lecker, siehe unten. Als zweiten Gang hatte ich Filete con patatas fritas bestellt. Für das Filete nehmen die Spanier normalerweise ein großes, dünnes Stück Fleisch und gerben es so, wie in der Schuhindustrie üblich. Nach der leckeren Vorspeise wollte ich noch sagen "Verderbt mir bitte das Fleisch nicht", also irgendwie höflicher formuliert und auf Spanisch, aber dann war ich doch ruhig. Und, oh Wunder, ich erhielt ein kleines, perfekt gebratenes Stück Fleisch!
Am einen Abend waren wir Tapas essen. Wir waren so zufrieden mit dem Restaurant, dass wir am nächsten Abend gleich wieder hingingen. Da waren auch die griechischen Kollegen meines Gatten dabei. Sie hatten im Voraus wissen lassen, dass sie nicht über das Thema Krise sprechen wollten. Beim Abendessen fingen sie aber selbst damit an. Der eine meinte, dass die Wahrscheinlichkeit, dass Griechenland aus dem Euro flöge, ziemlich hoch sei, der andere meinte, dass sie sehr niedrig sei. "Ich habe überhaupt kein Geld mehr auf der Bank", erzählte der, der an ein wahrscheinliches Ausscheiden glaubte. "Wenn sich etwas ansammelt, hole ich es gleich." Überraschenderweise erzählte der, der das Ausscheiden aus dem Euro für äußerst unwahrscheinlich hielt, dass er vorsichtshalber auch sein ganzes Geld von der Bank geholt hätte. Wo heben die ihr Geld wohl auf? Ob sie es im Garten vergraben? Und die, die keinen Garten haben? Das ist doch auch gefährlich. Seltsame Dinge. Keiner fragte.
Das große Abendessen war im Restaurant "Cesar Anca", wo wir auch rundum zufrieden waren.