Freitag, 30. März 2012

Der Generalstreik gestern in Spanien

(Es wurde beanstandet, dass meine Meinung zur Arbeitsmarktreform und dem dazugehörigen Generalstreik in meinem vorherigen Post nicht klar wird. Das mag daran liegen, dass ich keine bestimmte Meinung dazu habe. Ein Beispiel: Künftig können Mitarbeiter, die innerhalb von zwei Monaten neun Tage krank sind, entlassen werden. Das finde ich gut, weil das vielleicht die einzige Möglichkeit ist, unfähige und unwillige Leute mit diesen für Spanien typischen, praktisch unkündbaren Verträgen loszuwerden. Andererseits finde ich es schlecht, denn auch ansonsten gesunde, fleißige und willige Menschen können mal innerhalb von zwei Monaten neun Tage krank sein und dann einem Personalabbau zum Opfer fallen, während der unkündbare Unfähige weiter an seinem Sessel klebt, weil er nicht krank geworden ist. Also, ich wage nicht, mich da meinungsmäßig irgendwie festzulegen.) 
Was war gestern los? Wir fuhren so gegen 11 Uhr los, um uns mal umzuschauen und dies dann anschließend in meinem Blog festzuhalten. In unserem Städtchen war normalidad absoluta, alle Geschäfte waren offen, auf den Straßen waren genauso viele Leute wie immer. Dann fuhren wir weiter zu dem Einkaufszentrum, wo sich Leroy Merlin (Baumarkt), Mediamarkt usw. befinden. Alle Geschäfte waren offen, aber es waren sehr wenige Kunden da. Dann fuhren wir weiter durch ein Industriegebiet. Hier waren fast alle Betriebe offen, der TÜV funktionierte normal. Bei den wenigen geschlossenen Hallen, an denen nicht "Se vende", "Zu verkaufen", oder "Se alquila", "Zu vermieten", steht, ist es auch nicht so einfach, auf einen Blick festzustellen, ob die auch schon pleite sind oder streiken. Streikplakate oder ähnliches waren nirgendwo. Dann fuhren wir in die Stadt. Hier erwartete uns die erste Überraschung: an der Uni normalidad absoluta, die Studenten beteiligten sich überhaupt nicht am Streik. In der Innenstadt waren bis auf einen Thai-Massagesalon und ein Restaurant alle Läden offen ... naja, Läden offen ... hmhmhm ... hier haben soviele Geschäfte pleite gemacht und die Rollläden heruntergelassen ... es ist eine Tragödie. Wenn alteingesessene Geschäfte durch neue ersetzt werden, handelt es sich meist um Handyläden oder -erstaunlicherweise- Dessousgeschäfte. An den offenen! Geschäftstüren klebten Aufkleber mit dem Text "Cerrado por huelga", "Wegen Streik geschlossen". Diese Babberle waren anscheinend recht schwer zu entfernen, man sah nämlich viele halb abgekratzte. In der Innenstadt liefen auch viele Gewerkschafter herum. Wir sahen auch eine Demonstration der CGT, bei der auffallend viele Perroflautas dabei waren. Was ist ein Perroflauta (deutsch: Hundflöte)? Ich beschreibe Euch einen von unten bis oben: Er trägt schwarze Springerstiefel, seine langen, dünnen Beine stecken in eng anliegenden Hosen/Leggings, Farbe bevorzugt schwarz mit lila, der T-Shirt-Aufdruck hat was mit Hardrock zu tun, seine taillenlange schwarze Lederjacke ist völlig abgeschabt, sein halber Kopf ist rasiert, auf der anderen Hälfte wachsen lange Rastalocken. Die ganze Gestalt ist etwas schmutzig. Seine Gefährtin sieht ähnlich aus, aber ihre Beine sind dick und stecken in kaputten, schwarzen Nylonstrümpfen. Nur in Extremfällen haben Perroflautas tatsächlich Hunde dabei und spielen Flöte. So, wieder was gelernt (die Bezeichnung ist etwas abfällig, ich empfehle sie nur für den passiven Sprachgebrauch, also verstehen, aber nicht selbst benutzen). Die meisten Gewerkschafter waren jedoch Damen und Herren mittleren Alters.
Unserer Lokalzeitung habe ich entnommen, dass vor einem anderen Industriegebiet, das weniger Zufahrtsmöglichkeiten hat als das, das wir besucht haben, morgens Autoreifen verbrannt wurden, um die Leute daran zu hindern, ihren Arbeitsplatz aufzusuchen. Dass im öffentlichen Personennahverkehr soviel gestreikt wird, liegt nicht daran, dass Busfahrer besonders um ihre Rechte besorgt sind, sondern daran, dass Gewerkschafter aus anderen Sektoren morgens ins Busdepot gehen und die Leute am Losfahren hindern. Dies weiß ich nicht vom Hörensagen, sondern von beteiligten Personen. 
Eine Freundin, die einen Arzttermin hatte, war am Tag zuvor vom Gesundheitszentrum angerufen worden: "Falls die Türe zu ist und die Rollläden heruntergelassen sind, dann klopfen Sie, dann lassen wir Sie rein, es ist nur eine Vorsichtsmaßnahme wegen der Streikposten."
Summa summarum: In unserer Gegend wurde fast nur dort gestreikt, wo die Leute von den Gewerkschaftern dazu gezwungen wurden. An Streiktagen umkämpft ist immer das Kaufhaus El Corte Inglés. Gestern ist es den Streikposten gelungen, den hiesigen Corte Inglés dazu zu zwingen, 15 Minuten lang zu schließen. Das lässt Zweifel an der Streikbereitschaft der Mitarbeiter aufkommen. An den Demonstrationen nahmen jedoch viel mehr Menschen teil, als ich erwartet hätte.
Den Nachrichten habe ich entnommen, dass der Streik im Baskenland und in Katalonien ein Erfolg war, dass viele Menschen freiwillig streikten und die Demonstrationen sehr groß waren.
Eine eigene Meinung zum Thema habe ich nicht. Ich finde es genauso beschissen, wenn die Gewerkschafter die Leute am Arbeiten hindern wie wenn die Chefs ihre Mitarbeiter zwingen, zu erscheinen.    

Mittwoch, 28. März 2012

Der Generalstreik morgen in Spanien

Die spanischen Gewerkschaften haben für morgen, den 29. März, zu einem Generalstreik gegen die Reform des Arbeitsmarktes aufgerufen. Mit dieser Reform sollen unter anderem Entlassungen erleichtert werden. In Spanien liegt die Arbeitslosigkeit bei über 20 %, mehr als 5,3 Millionen Menschen sind erwerbslos. So schwer kann das Entlassen da ja nicht sein, sollte man denken. Der spanische Arbeitsmarkt ist aber, grob dargestellt, zweigeteilt. Festangestellte Arbeitnehmer kann man fast überhaupt nicht mehr loswerden, Arbeit Suchende sind schutzlos, um die geht es morgen auch gar nicht. 
Die Jugendarbeitslosigkeit liegt bei 50 %. Von den übrigen 50 % sind viele Praktikanten oder befinden sich in ausbeuterischen Arbeitsverhältnissen (60 Stundenwochen bei 600 Euro Monatslohn sind keine Seltenheit). Manche Eltern sind bereit, dafür zu bezahlen, dass ihre Kinder einen Praktikantenstelle bekommen, auf der sie Erfahrung erwerben können. 
Viele junge Familien wurden durch den Kauf einer Wohnung in Lebenssituationen gebracht, in denen sie praktisch Leibeigene der Banken sind. Ja, von Deutschland aus ist das schwer zu verstehen. Hier in wenigen Worten ein Erklärungsversuch: In Spanien ist es aus historischen Gründen üblich, dass die meisten Menschen nicht zur Miete, sondern in Eigentumswohnungen leben. Die Preise für diese Wohnungen sind jahrzehntelang unaufhaltsam gestiegen, in den letzten Jahren vor dem Platzen der Blase mit Geschwindigkeiten bis zu 20 % pro Jahr (grobe Zahlen aus dem Gedächtnis). Es war also ziemlich eilig und dringend, Wohnraum zu erwerben, da einem die Preise davonliefen. Durch den Euro waren die Hypothekenzinsen sehr niedrig, also, hinein ins Vergnügen. Familien mit einem Einkommen von 2 x 1000 Euro erwarben Wohnungen im Wert von 300.000 Euro. Und dann wurde einer von beiden oder gar beide arbeitslos. Mehr als 100.000 Wohnungen (in denen ja normalerweise mehr als einer lebt) wurden mittlerweile zwangsgeräumt und gingen zurück an die Banken. Die Banco de Santander hat in den Jahren von 2007 bis 2010 - man erinnere sich: in den Jahren der Bankenkrise - einen Gewinn von insgesamt 35 Milliarden Euro eingefahren (diese Zahl habe ich nachgeschaut). Darum geht es morgen aber auch nicht.
Langzeitarbeitslose erhalten Unterstützung in Höhe von 420 Euro. So wenig ist das doch gar nicht, werden nun die Leute sagen, die mit Hartz IV vergleichen. Bedenkt aber, dass es in Spanien kein Wohngeld und kein Kindergeld gibt. 420 Euro ist alles, was die Leute bekommen. Darum geht es morgen aber auch nicht.
Wer wissen möchte, wie es in den Jahren zuging, als in Spanien noch Party war und der spanischen Sprache mächtig ist, dem seien diese beiden Videos ans Herz gelegt, die zur besten Sendezeit im Fernsehen gezeigt wurden. Das erste heißt "Cuando éramos ricos", "Als wir reich waren", das zweite "Cuando éramos cultos", "Als wir gebildet waren". Hochinteressant. Die eigentlichen Videos sind 45 Minuten lang und beginnen nach gefühlten 10 Minuten Reklame und Vorschau.
Wenn die Hetzjagd auf Spanien beginnt (Bald? In ein paar Jahren?), werden die Deutschen mit Bildern wie in den Videos gezeigt berieselt werden, um zu belegen ... naja ... damit's halt alle wissen, so, wie wir alle wissen, dass die Griechen Renten für ihre Toten beziehen und die griechischen Lokführer dreimal soviel verdienen wie deutsche Piloten (oder so ähnlich) und überhaupt.
Korruption und Vetternwirtschaft sind große Probleme in Spanien. Diese kleine Korruption wie in Griechenland (wo, wie wir sicher mittlerweile alle wissen, "Fakelaki" an Hinz und Kunz bezahlt werden müssen) gibt es in Spanien nicht, aber Vorteilsannahme und persönliche Bereicherung am Volksvermögen im großen Stil ist überall, wo dies möglich ist, gang und gäbe. Und damit schließt sich der Kreis und wir sind wieder bei den Gewerkschaften und dem morgigen Generalstreik. Die Gewerkschaften haben im Jahr 2011 von der Regierung 175 Millionen Euro Subventionen erhalten (nachgeschaut). Ist das nicht ideal, wenn der vermeintliche Gegner vollkommen von einem abhängig ist? Wenn dann also übermorgen der Streik vorbei ist und alle wieder zur Tagesordnung zurückkehren (okay, vielleicht lenkt die Regierung bei ihrer Arbeitsmarktreform das vorher womöglich schon einberechnete kleine Bisschen ein), ist die Arbeit der Gewerkschaften wieder für eine Weile geschafft und um alles andere ging es ja sowieso nicht.

P.S. Diese kleine Anekdote, die auch im ersten Video zu sehen ist, möchte ich Euch nicht vorenthalten. Wie Ihr noch nicht wisst, aber zum gegebenen Zeitpunkt (Hetzjagd!) erfahren werdet, hat aus Gerechtigkeitsgründen jede spanische Provinz einen Flughafen, unter anderem auch Castellon in der Provinz Valencia mit seinen 180.000 Einwohnern (nachgeschaut!). Auf diesem Flughafen starten und landen keine Flugzeuge, unter anderem wohl auch deshalb, weil sich der Flughafen von Valencia in nur 50 Autominuten Entfernung befindet. Im März 2011 wurde er von Carlos Fabra, dem Regierungspräsidenten der Provinz Castellon (angeklagt wegen Vorteilsgewährung, Bestechung und Steuerdelikten (nee, deshalb wird niemand eingesperrt und da muss man auch nichts zurückzahlen (Teil des Problems!))) eingeweiht, wo bei dieser die folgenden Worte sprach (auf Spanisch natürlich): "Es gibt Leute, die sagen, wir wären verrückt weil wir einen Flughafen ohne Flugzeuge einweihen. Die haben nichts kapiert. Sechs Wochen lang können alle Bürger dieses Terminal besuchen und auf den Start- und Landepisten spazieren gehen, wenn sie dies möchten. Und das würden sie ja nicht können, wenn hier Flugzeuge starten und landen würden. Dies ist ein Flughafen für die Menschen." Nun ist ein Jahr 'rum und es ist immer noch ein Flughafen für die Menschen.
Hier könnt Ihr den entsprechenden Artikel lesen:
Da ich mich gerade in Spanien befinde, werde ich morgen mal losziehen und schauen, was los ist.

Montag, 26. März 2012

Ostervorbereitungen

Frühlingsdeko der Marke "Kost' nix": Blühende Blutpflaumenzweige
Nächsten Sonntag ist Palmsonntag! Der Weckruf/Warnschuss, der uns darauf hinweist, dass bald Ostern ist. Spätestens bis Gründonnerstag sollte der Frühjahrsputz vollendet sein und die Deko sollte stehen (Eier ausblasen, Tortilla damit machen, alten Dekokram vom Dachboden holen). Der Speiseplan ist schnell erstellt: Am Gründonnerstag gibt es bei uns traditionell Spinat mit Spiegeleiern und Kartoffen, am Karfreitag nach spanischer Tradition Potaje de bacalao (Kichererbseneintopf mit Fisch) http://www.mew1988.blogspot.com.es/2010/03/potaje-de-bacalo-y-garbanzos-oder.html,
Am Samstag gibt's den Rest des Eintopfs, am Ostersonntag ein Zicklein, das ich vorher auf dem Markt besorgen muss und das ich nach einem superguten und sehr einfachen Rezept meiner Schwiegermutter zubereiten werde. Backen möchte ich wieder das Osterbrot und den Osterkranz (ein Rezept für beides) aus dem Buch "Backvergnügen wie noch nie" aus dem Verlag Gräfe und Unzer. Ich backe dieses Rezept mit etwas mehr und verschiedeneren kandierten Früchten und gebe zusätzlich zum Zucker noch ein ganzes Glas Bitterorangenmarmelade hinzu, damit der Teig saftiger wird. Guuut! Dann müssen noch ein paar Schokoeier beschafft werden, für den Fall, dass uns der Osterhase vergisst. Aber als erstes steht der Frühjahrsputz an. Heute: Die Terrasse vorn (die Terrasse, die ich im Geiste gern "die italienische Terrasse" nenne, weil sie so aussehen soll, wie eine Terrasse aus einem alten! Unopiu-Katalog (bevor diese strengen, gradlinigen Möbel modern wurden).

Donnerstag, 22. März 2012

Supergute Muffins mit Möhren, Ananas und Nüssen


Hiermit verrate ich Euch mein bestes Rezept für Muffins bzw. Madalenas, wie man sie in Spanien nennt. Das ursprüngliche Rezept war ein amerikanisches Kuchenrezept, das ich ein bisschen an unseren Geschmack angepasst habe. Ich habe diese Muffins schon oft gebacken, auf vielfachen Wunsch auch für Feste, und sie waren immer ein Riesenerfolg. So, genug des Eigenlobes.
Die Menge ergibt ungefähr 40 Muffins, sie lassen sich sehr gut einfrieren (einfach außerhalb des Gefrierschranks wieder auftauen lassen) und natürlich auch Gästen mitgeben.
Für die Zubereitung dieses Gebäcks benötige ich 1 1/2 Tassen (275 g) Zucker, 2 Päckchen Vanillezucker, 1 1/3 Tassen (315 ml) Pflanzenöl (ich verwende 215 ml Sonnenblumenöl und 100 ml mildes Olivenöl (also solches ohne bitteren Nachgeschmack), 3 extra große oder 4 kleine Eier (Raumtemperatur!!!), 2 1/2 Tassen (350 g) Mehl, 2 Teelöffel Zimt, 2 Teelöffel Natron, 1 große Prise Salz, 1 Tasse Rosinen, 1 Tasse grob gehackte Walnüsse, 1 Pfund grob!!! geraspelte Möhren, 1 kleine Dose (236 ml) Ananas, Ananas fein hacken und wieder mit Saft mischen (nicht der Einfachheit halber pürieren, ich hab's ausprobiert, das wird nichts).
Ofen auf 170º Grad vorheizen und die Muffinpapierchen in die Muffinform legen.
Mit dem Handmixer Zucker, Vanillezucker, Öl und Eier schlagen, bis die Masse schön gelb ist. Mehl, Zimt, Natron und Salz darauf geben. Die trockenen Zutaten, die obendrauf liegen, vorsichtig mit einer Gabel mit einander mischen, bevor man sie mit dem Mixer mit den feuchten Zutaten darunter verrührt (so spart man die Schüssel, in der man eigentlich die trockenen Zutaten mischen müsste, denn das Natron darf nicht nass werden, bevor es nicht mit dem Mehl gemischt ist). Auf einem Teller mische ich die Rosinen mit den grob gehackten Nüssen und einem Esslöffel Mehl (damit sie im Teig nicht nach unten sinken). Die grob geraspelten Möhren und die fein gehackte Ananas mit dem Ananassaft unter den Teig rühren, dann die Rosinen und die Walnüsse ebenfalls zugeben. Gut mischen, aber nicht stundenlang rühren. In die Muffinförmchen füllen. Bei 170º Grad 25 bis 30 Minuten backen. Fertig.

Dienstag, 20. März 2012

2. Bloggeburtstag!

Ja, liebe Leser, gestern war der zweite Bloggeburtstag. Ich habe es mir mit einer schönen Tasse Kaffee gemütlich gemacht und will Euch jetzt ein bisschen berichten, ein bisschen Bilanz ziehen:


Also, wie fing alles an? Es fing damit an, dass ich gerne die Blogs anderer Leute lese und dass ich mir dachte: "Das will ich auch!" So. Am besten gefallen mir Blogs, in denen Hausfrauen enthusiastisch und immer positiv über ihre Erfolge berichten. Das wollte ich auch. Leider sind Enthusiasmus und immer positiv sein, wie ich feststellen musste, nicht mit meiner Persönlichkeit vereinbar. Schade.
Dann suchte ich ich mir Informationen: Wie baue ich mir einen Blog? Wichtiger Tipp: Beschränken Sie sich auf ein Thema, dass Sie besonders stark interessiert. Ja, gut, hätte ich machen können, z.B. ein Blog mit dem Thema Spanische Küche oder Alte Rezepte aus meiner Familie. Und dann z.B. jeden Freitag was hochladen, damit die Leser wissen können, wann sie was Neues finden. Aber da stellte sich mir schon die nächste Frage: Für wen mache ich eigentlich den Blog??? Um irgendwelche Leute zu erfreuen, die ich gar nicht kenne? Und die sich vielleicht abwenden und denken "Dieser Blog ist Scheiße". Nööö. Im richtigen Leben muss man sich ständig nach anderen Leuten richten, mein Blog ist mein kleines Reich, da mache ich, was ich will. Und wenn's keiner lesen will, dann ist mir das auch recht. Ich komme aus der Welt der Tagebuchschreiber, der Welt derer, die absolut keinen Wert auf Leser legen, im Gegenteil. Es macht mir Spaß, so vor mich hin zu schreiben, wenn's keiner lesen will ... so sei es denn.  
Das war dann geklärt: Ich schreibe, was mir einfällt, und verziere das Ganze schlicht mit ein paar amteurhaften Fotos.
Außer meinen engsten Angehörigen, denen ich ja erklären musste, warum ich das Mittagessen fotografierte, informierte ich nur drei Freundinnen, die sich unter einander nicht kennen, vom Blog, um ihre Reaktionen zu testen:
Nr. 1: "Ich wusste gar nicht, dass du so frustriert bist."
Nr. 2: "Nett."
Nr. 3: "Dein Leben ist ja echt langweilig."
Und dann wurde ich noch über die Mängel in Kenntnis gesetzt, die mein Blog im Gegensatz zu anderen aufweist und hörte den schönen Satz "Das kannst du nicht von mir verlangen, dass ich das lese." Verlangt ja auch keiner, ne?
Okay, damit war mir klar, dass ich das mit dem Blog besser für mich behalten sollte. Aber auch, dass ich schreiben konnte, was ich wollte: Kochrezepte, Hausrenovierung, Kommentare zur spanischen Krise, alles gemischt und wann es mir einfällt.
Weiterhin bekam ich zu hören: "Da fängst du wieder was an, was du nicht fertig machst!"
Was ist denn fertig, gell? Ich sagte, okay, einigen wir uns darauf, dass 40 Einträge "fertig" ist. Antwort: "Ich wäre schon überrascht, wenn du 12 Einträge zusammenbrächtest". Wir haben's mit heiligen Zahlen. Also, ich bin jetzt bei 159 Einträgen (dies ist der 160.) und damit auf jeden Fall "fertig".
Könnt Ihr Euch vorstellen, dass 358 Leute auf meinem Blog gelandet sind, die wissen wollten, was das Roche Bobois-Sofa Mah Jong kostet??? Ich kann sehen, welche Suchwörter die Leute eingegeben haben, die hier landen. Ich sehe nicht, wer's war, ich sehe nur das Suchwort. Die landen dann bei meinem Eintrag "Unser neues Sofa ist da!" vom 15. Dezember 2010, wo nur steht, dass wir probegesessen haben. Ich habe wirklich völlig vergessen, was das Ding kostet, ich kann mich nicht einmal mehr an die Größenordnung erinnern. Sobald ich es weiß, werde ich es hierher schreiben. Könnt Ihr Euch das vorstellen? Im Schnitt kommt jeden zweiten Tag jemand hierher in der Hoffnung, entsprechende Auskunft zu finden. Tipp: Dass der Preis im Internet nicht zu finden ist, bedeutet meiner Meinung nach, dass die Händler viel Freiheit bei der Preisgestaltung haben. Also: Handeln!!! 5-10 Prozent Rabatt müssten mindestens drin sein. IKEA-Preise stehen klar im Internet.
Um noch einmal auf das Thema Tagebuch zurückzukommen: Vor etlichen Jahren habe ich praktisch meine ganzen alten Tagebücher weggeworfen. Ich hob nur wenig auf, z.B. ein paar Zettel von wie ich ganz klein war. Ich konnte kaum schreiben, wahrscheinlich war ich gerade in der ersten Klasse, und beschwerte mich schon schriftlich bei mir selber darüber, dass meine Mama nicht oft genug Nudeln kochte. Als ich dann älter wurde ... wer alte Tagebücher besitzt und diese wieder anschaut, dem ist vielleicht dieses Gefühl vertraut: Man kennt diese Person, die da schreibt und die man selber ist/war, überhaupt nicht. Ich habe mal wo gelesen, dass nach sieben Jahren keine Körperzelle mehr dieselbe ist, vielleicht ist das mit dem ganzen Menschen so. Man denkt, ach, könnte ich dieser Person, die ich selber vor vierzig Jahren war, bloß sagen, dass sie sich nicht so viele Sorgen machen soll! Aber das geht natürlich nicht. Man würde das ehemalige Ich gern kennenlernen, mit ihm reden ... unmöglich. Das alte Ich ist ein ziemlich fremder Mensch, den man nicht kontaktieren kann. Leider, denn man könnte ihm soviel Gutes sagen.
Ja, ein paar Sachen habe ich aufgehoben, der Rest kam in die Tonne. Dafür brauchte ich Kraft, aber in jenem Moment, in dem sowieso große Veränderungen in meinem Leben anstanden, war ich Manns genug und ich habe es keine Sekunde bereut. Einmal wollte ich etwas nachschauen, anlässlich einer Reise, dann dachte ich: Ach, das habe ich ja weggeworfen. Und es war mir sowas von wurscht...
Ich selbst las meine alten Tagebücher nie, da mir, wie gesagt, die Schreiberin in manchem zu nahe, schmerzhaft nahe stand, in anderem zu fremd war. Und dann dachte ich mir: Unter welchem Umständen würde ich mir wünschen, dass jemand dieses Zeug liest? Und meine Antwort lautete: Unter keinen. Im Tagebuch stehen ja gerade die Sachen, die man nicht mit anderen teilen möchte. Also: In die Tonne damit.
Und jetzt bin ich eben älter, mit meinem persönlichen Kram mehr oder weniger im reinen, und habe kein Tagebuch mehr. Stattdessen einen Blog, wo ich auch jammern und wehklagen kann und Kochrezepte aufschreiben und den spanischen Immobilienmarkt beobachten und Veränderungen in Haus und Garten notieren ... ich bin zufrieden. Und wenn jemand vorbei kommt und liest und zufrieden ist, dann freut mich das von Herzen. Und dass hier immer noch nicht steht, was das Mah-Jong-Sofa kostet und dass die Leute, die "Hausfrauen heiß geil" eingeben, auch unverrichteter Dinge wieder abziehen müssen ... naja, ersteres wird vielleicht irgendwann behoben. Also, an meine Leser anlässlich des zweiten Bloggeburtstags viele Grüße und auf ein Neues!

Donnerstag, 15. März 2012

Tuna noodle casserole oder Thunfisch-Nudelauflauf

Dieses Gericht gehört seit sage und schreibe 32 Jahren zu meinem Repertoire!


 Mein Sohn D. hatte es sich heute wieder einmal gewünscht und wie immer hat es Begeisterungsstürme ausgelöst (So gut wie heute war es aber noch nie!!! Grins. Deshalb jetzt hier.) Mein Rezept für 4 Personen lautet wie folgt: 400 g Nudeln kochen und abgießen. 1 Päckchen holländische Soße nach Packungsaufschrift (mit halb Wasser, halb Milch) zubereiten, 200 g abgetropften Dosenthunfisch, 1/2 Tasse Milch, 100 g geriebenen Käse (z.B. Emmentaler) 1 Päckchen halbierte Oliven ohne Kern, 1/2 Tasse Zwiebelwürfelchen und 1/2 Tasse Mayo hinzugeben, alles mischen. Unter die Nudeln rühren. 20 Minuten bei 200º Grad im Ofen backen (für Eilige: 5 Min. in der Mikrowelle). Tja, das war's schon.
Warum war der Auflauf heute wohl besonders gut? Bei den Nudeln handelte es sich um dreifarbige Nudeln (die schwarzen sind mit Sepia-Geschmack!). Wer in Spanien ist: es war die Marke Hacendado von Mercadona. Und ich zitiere meine Esser: "Das sind die perfekten Nudeln für dieses Gericht!" Es war aber auch das erste Mal, dass ich diese Sorte verwendet habe. Beim Thunfisch handelte es sich um abgetropften Thunfisch in Öl, der Käse war Emmentaler, die Oliven, aha, die waren auch was besonderes, nämlich mit Anchovis gefüllte, die ich gedrittelt hatte ... alles andere war wie immer. Dazu gab's Kopfsalat mit Orangenstückchen.

Sonntag, 4. März 2012

Restaurant in London: J. Sheekey

Letzten Sonntag waren mein Gatte und ich im Londoner Restaurant Sheekey. Das Restaurant war uns wärmstens empfohlen worden. Eigentlich hatte wir schon für Samstag reservieren wollen, aber es war ausgebucht. Es ist ein "Seafood-Restaurant in the Heart of Covent Garden". Auch am Sonntag war es bis auf den letzten Platz besetzt. Und Überraschung, Überraschung, Überraschung in London: Das ziemlich große Restaurant war bis auf den letzten Platz mit weißen Engländern/Briten besetzt! Und Ihr wisst, wie selten man diese Menschen in größerer Zahl in London antrifft. Und dafür bedurfte es nicht einmal eines Türstehers. Also, wer ein Restaurant sucht, das keine Touristenfalle ist und in dem die Leute so aussehen, wie bei "Inspektor Barnaby" oder "Miss Marple", hier findet Ihr es.
Wir hatte ziemlichen Hunger, also bestellten wir uns als erstes einmal ein halbes Dutzend Austern, drei für jeden. Oh nein, werdet Ihr jetzt denken, diese Typen futtern dauernd Austern. Aber das stimmt nicht. Ich habe zwanzig Jahre lang überhaupt keine Austern gegessen. Als ich mit meinem zweiten Sohn schwanger war, habe ich nicht nur meine Küche niedergebrannt (zum Glück wohnten wir damals in einer Mietwohnung), ich holte mir auch noch durch Austern eine schlimme Lebensmittelvergiftung. Wir wohnten damals am Meer, ich hatte die Meeresfrüchte bei einer Fischhändlerin meines Vertrauens erworben, frischer ging's nicht. Und doch... Schwangere sollten echt keine Austern essen. Gar keine. Durch diesen Vorfall hatte ich mein Vertrauen in diese Tierchen verloren und zwanzig Jahre lang keine gegessen.
Nach den Austern bestellten wir das Weekend Lunch Menu. Mein Gatte hatte als Vorspeise Deep-fried Cod Chitterlings with sauce gribiche. Ich muss mal feststellen, was "chitterlings" sind, das Zeug war nämlich unglaublich gut. Erste Forschungen im Internet weisen darauf hin, dass es sich um die Eier eines männlichen Kabeljaus handelt (male cod roe). Frittiert. Ich habe selten so etwas Zartes, Leckeres gegessen. Was auch immer es gewesen sein mag, es zerging auf der Zunge. Ich hatte Marinade Salmon, shaved fennel, endive and blood orange salad. Auf dem Foto seht ihr meinen Nachbau in Abendessengröße. 

Mein Nachbau der Vorspeise in Abendessengröße
Bei Sheekey handelte es sich um Chicorée (ja, auch wenn oben Endivie steht), Blutorangenfilets, Fenchelstreifchen, Feldsalatröschen und Lachs. Der Lachs war für meinen Geschmack zu kompakt und zu salzig, die ganze Kombination war nichts Besonderes, aaauuußer der Kombination von Fenchel und Blutorangen, die war guuut. Also, mein Nachbau sah wie folgt aus (für zwei Personen): Ich machte eine Salatsauce aus zwei Esslöffeln Olivenöl, einem Esslöffel Apfelessig, einem Esslöffel Orangensaft, etwas Honig, Salz und Pfeffer. Davon nahm ich einen guten Esslöffel weg und legte meinen möglichst dünn aufgeschnittenen Räucherlachs hinein, auf dass er etwas Salz verlöre und besser zu den übrigen Zutaten passen möge. Dann legte ich für jeden einen Teller mit etwas Endivie aus. Die beiden Blutorangen schälte ich mit dem Messer, um auch die weiße Haut komplett zu entfernen, dann löste ich die einzelnen Schnitzen so aus, dass gar nichts Weißes mehr dran war (sieht schöner aus). Hier heißt es Obacht: Die Blutorangenschnitzen müssen von allem anderen ferngehalten werden, sonst färben sie es rot! 
So, Fenchel in dünne Streifchen schneiden, Salat putzen (ich hatte keinen Feldsalat und habe anderen genommen). Fenchel und Salat mit der Sauce mischen, eine Schicht auf den Chicorée geben, Lachsstreifchen drauf, Blutorangen drauf, restlichen Salat drauf, die restliche Sauce, die beim Lachs war, drüber gießen ... guuut!
Hauptgericht hatten wir beide dasselbe, nämlich Fillet of Sea Bass, Olive mash and ratatouille. Das war ein Filet vom Loup de mer, in der Pfanne ordentlich gebacken. Es lag auf Kartoffelbrei... von Olive war da nichts zu schmecken, es war aber ein ordentlicher Schuss Sahne dran ... und auf Ratatouille, die ebenfalls anders war, als ich sie mache. Bei mir hat sie viel Flüssigkeit, in die man schön sein Brot tunken kann. Die bei Sheekey war so, als wäre sie - mit viel Olivenöl - so lange in der Pfanne oder im Ofen gebraten worden, bis die ganze Flüssigkeit verschwunden war, das schmeckte auch sehr gut. Also, das Hauptgericht war nicht weiter der Rede wert. 
Dann kam der Nachtisch: Mein Gatte hatte Cornish Fudge & Clotted Cream Ice Cream with Shortbread, das war eine Art Sahneeis mit Toffee, eine ziemliche Menge und sehr lecker. Ich hatte was ganz was Gutes: Steamed Yorkshire Rhubarb Sponge mit custard. Der steamed Pudding war ein super saftiger kleiner Kuchen, der wohl irgendwie in irgendeinem Dampf (steam!) gewesen war. Darauf befand sich eingekochter Rhabarber. Dazu wurde eine dicke, köstliche Sahnesauce mit echtem Vanille gereicht. Guuut! Nachdem ich ungefähr die Hälfte gegessen hatte, konnte ich nicht mehr.
Was haben wir für diese Fressorgie hingelegt? Mit zwei großen Flaschen Mineralwasser und zwei Bier ziemlich genau 100 Pfund.
Als wir aufstanden, waren wir pappsatt.
Wenn wir uns in dieser Gegend befinden, gehen wir normalerweise noch gerne in einem der Buchläden an der Charing Cross Road stöbern. Dort gibt es Geschäfte, die gebrauchte Bücher verkaufen, und schöne Filialen von Foyles und Blackwell's. Nach diesem Essen war uns nicht danach. Wir liefen weiter und mussten beide feststellen, dass wir uns überfressen hatten. Die Austern, die frittierten Fischeier, der in Butter gebackene Fisch, der angereicherte Kartoffelbrei, die sahnige Nachspeise... überrascht es jemand? Ja, wir sind nicht mehr die Jüngsten, wir vertragen nicht mehr so viel Fett. War aber gut. Wir fuhren dann gleich nach Hause und machten ein Mittagsschläfchen. Ist das Restaurant empfehlenswert? Hmhm, ja. Ist es für Familien mit kleinen Kindern geeignet? Ich habe am Sonntag keine kleinen Kinder gesehen und ich denke auch nicht, dass es das ideale Restaurant für kleine Kinder ist, aber unwohl fühlen werden sie sich dort auch nicht - und die Chitterlings werden sie bestimmt lieben! Würde ich wieder hingehen? Dagewesen, abgehakt, würde ich sagen, aber Ideen mitgenommen, nämlich den Salat (siehe oben) und meine Nachspeise (noch nichts diesbezügliches unternommen).

Donnerstag, 16. Februar 2012

Krise in Spanien: Dörfliches Idyll

Die Siedlung, in der sich unser Häuschen in Spanien befindet, ist eigentlich ein richtiges Dörfchen, wenngleich die ältesten Häuser erst dreissig Jahre alt sind. Es gibt eine Kirche, eine Kneipe, eine Apotheke ... und ein Lebensmittelgeschäft und das Lebensmittelgeschäft ist es, von dem ich Euch heute erzählen will. Es ist ein kleiner Laden, soll er mal 80-90 Quadratmeter haben, der sich bis vor etwa acht Jahren (schätz' ich jetzt mal so, es können auch zehn oder sieben gewesen sein) im Besitz einer tüchtigen Geschäftsfrau befand. E. und ihre Familie führten ihren Laden ausgezeichnet, zu ihrem Nutzen und zum Nutzen ihrer Kunden. Sie brachten den besten Fisch, gutes Fleisch und schöne Früchte vom Grossmarkt und es machte Spass, im Laufe des Vormittags zu ihrem Laden zu spazieren, dort mit ziemlicher Sicherheit Bekannte zu treffen, mit denen man ein bisschen schwatzen konnte, und sich von ihr beraten zu lassen. Wenn man nicht wusste, was man kochen sollte ... E. wusste immer Rat: "Schau mal, was für einen schönen Fisch ich habe!" oder "Warum machst du nicht mal eine gefüllte Hühnerbrust?" Wenn man nicht wusste, wie man etwas zubereiten sollte, erklärte sie es einem schnell. Man konnte sich die Einkäufe nach Hause bringen lassen, man konnte sogar anrufen und seine Bestellung durchgeben und bekam ruck zuck alles gebracht. 
Ein Jahr war unsere Siedlung an Sylvester eingeschneit. Im Laufe des 31. Dezembers hatte es angefangen zu schneien und nicht mehr aufgehört. Wer zu einer Party in die Stadt wollte, musste zuhause bleiben. E. liess an jenem Abend ihren Laden bis um 22 Uhr auf, damit man noch Sachen für eine Feier daheim kaufen konnte. So clever war sie, so gingen die Jahre ins Land. 
Natürlich kaufte ich nicht alles bei ihr, denn ihr Laden war nicht gerade billig. Um nicht zu sagen er war teuer. Ich kaufte also haltbare Sachen in einem grossen, recht weit entfernten Supermarkt und frische Sachen in unserem kleinen Lebensmittelgeschäft. 
Nun kam es aber so, dass der Fortschritt auch in unserer abgelegenen Gegend Einzug hielt. Ein grosser Supermarkt machte in der Nähe auf. Der Umsatz des Lädchens ging zurück und damit auch die Qualität der Waren. Einmal hatte ich eine halbfaule Paprika in meinem Einkaufskorb. "Was soll denn das?" fragte ich, "Warum hast du mir denn die gegeben?" "Soll ich sie selber essen?" war die Antwort. So etwas vergisst man nicht. Bald darauf bekam ich ein Pfund faule Erdbeeren. Danach ging ich kaum noch hin und schliesslich schloss der Supermarkt. Das war aber nicht weiter schlimm, denn mittlerweile hatten wir auch einen Aldi in der Nähe, dann kam ein Mercadona ... wir wurden von Supermärkten praktisch umzingelt. Gut.
Rasch mal hoch sprinten, wenn ein Ei fehlte, oder gemütlich hoch spazieren und ein frisches Brot kaufen, das gab es nicht mehr. Man kann nicht alles haben.
Nach kurzer Zeit übernahm eine andere Familie das Lebensmittelgeschäft: Die Mutter, eine Schwägerin der Mutter und der Sohn, der an der Kasse stand. Obwohl diese Leute nett waren und versuchten, E.'s Tradition fortzuführen, war es nicht dasselbe. E. hatte ihnen erzählt, dass man mit dem Lädchen viel Geld verdienen konnte - und das hatte auch lange Zeit gestimmt, aber diese Zeit war vorbei. Der Laden war meist leer, es machte keinen Spass mehr, dort zu kaufen. Die neue Familie tat, was sie konnte und machte den Laden dann wieder dicht. 
Dann kam eine Frau, die ich mal die Tussi nennen will, die sich ganz doll was einbildete, weil sie eine Geschäftsfrau war. Ich suchte den Laden immer seltener auf. Die Waren in den Regalen wurden auch immer weniger. Und weniger. Eines Tages sagte ich zur Tussi: "Warum machen Sie den Laden denn nicht einfach zu?" Sie erklärte mir, dass sie irgendeine Subvention zurückzahlen müsse, wenn sie den Laden nicht mindestens zwei Jahre hätte. Nach zwei Jahren schloss sie die Türen endgültig.
Dann kamen die Zahnlosen. Die Zahnlosen waren natürlich nicht wirklich völlig zahnlos, ich nenne sie nur so, um in meinem Gedächtnis Ordnung zu halten. Es handelte sich um einen Mann und eine Frau, denen je der eine oder andere Zahn fehlte. Sie hatten den Laden angeblich für ihren Sohn übernommen, damit der eine Beschäftigung hätte. Der wurde aber nie gesehen. Die Beiden waren so ungepflegt ... nachdem sie mir einmal mein Fleisch aufgeschnitten hatten, ging ich nicht mehr hin. Wie lang hatten die den Laden? Weiss nicht, ein paar Monate.
Dann kamen die Portugiesen. Ein Vater übernahm das Lebensmittelgeschäft, um seine vier arbeitslosen Kinder in Lohn und Brot zu bringen. Könnte mir eigentlich wurscht sein, aber eines der Kinder war ein guter Freund von einem meiner Kinder und ich wusste, dass es sich um sehr liebe Menschen handelte. Also kaufte ich wieder dort ein. Das Mädchen, das den Fisch filetieren sollte, hatte noch nie zuvor Fisch filetiert und Fisch kunstvoll filetieren kann man nicht in fünf Minuten lernen. Auch nicht in einer Woche. Macht nix, man muss ihnen halt Zeit geben. Ich versuchte, Reklame für den Laden zu machen, forderte Freunde auf, doch mal wieder dort einzukaufen. Eine Bekannte sagte: "Weisst du, ich will, dass die Leute so schnell wie möglich Pleite machen. E. knöpft ihnen für diese alten, heruntergekommenen Geschäftsräume jeden Monat 1200 Euro ab. Das gönne ich ihr nicht." Wow. So hatte ich die Sache noch nie betrachtet. Es machte aber Sinn, denn neben dem Supermarkt hatte sich einst ein Zeitschriftenladen befunden, den die Besitzerin auch geschlossen hatte, weil E. ihr horrende Mieten abverlangte. Nun steht er schon seit Jahren leer. Okay, von meiner Familie alleine konnten die Portugiesen auch nicht leben. In den Frischetheken lagen immer weniger Waren. Einmal kam ich hoch, da lagen nur ein Fisch, ein frisches Hähnchen und etwa ein Pfund Hackfleisch in den Fisch- und Fleischtheken. Echt. Hinter der Theke stand mit traurigem Gesicht die Mutter. Wenigstens dauerte die Agonie nicht sehr lange. Und zu. 
Dann war erst mal Ruh'. Gut. 
Ich hoffte, dass der Laden nicht wieder aufmachen würde, weil mir die Leute leidtun, die sich Hoffnungen machen und womöglich ihr Herzblut an das Geschäft hängen. Andere hofften, dass der Laden nicht wieder aufmachte, weil sie E. für eine unverschämte, unsägliche Abzockerin hielten und ihr die Mieteinnahmen nicht gönnten. Wie dem auch sei ... nach gut einem Jahr hat er wieder aufgemacht!!! Angeblich führen ihn jetzt Chinesen. Ich habe mir vorgenommen, nicht hinzugehen. Vielleicht sind es liebe Chinesen, die ich ins Herz schliessen würde und dann tut es mir leid, wenn sie in den Ruin getrieben werden. Das will ich mir ersparen. Aber auch wenn es unsympathische und unverschämte Chinesen sind, tun sie mir leid. Der Gedanke, dass sich Menschen Hoffnungen machen, sich voller Vorfreude in die Arbeit stürzen, weil ihnen jemand den Bären aufgebunden hat, dass mit dem alten Lädchen Geld zu verdienen sei ... 100 Euro Miete wären echt genug, Ihr müsstet mal den Zustand des Ladens sehen. Naja, jetzt bin ich erstmal in England, da kann es mir eh' egal sein. Am Anfang werden zumindest aus Neugier ein paar Leute hingehen. Eine Nachbarin sagte: "Die Chinesen können mit allem Geld verdienen." Ich meine, mit einem Laden, in dem niemand einkauft, können auch Chinesen kein Geld verdienen.

Freitag, 10. Februar 2012

Speed Dating

Wie Ihr wisst, befinde ich mich zurzeit in London. Gestern war ich in einem Laden und als ich an der Kasse bezahlte, fragte mich die Kassiererin, ob ich Lust hätte, an einem Speed Dating teilzunehmen. Ich wusste gar nicht, dass es das tatsächlich gibt. Ich kannte das nur aus amerikanischen Filmen: Je ein Mann und eine Frau (wenn es sich um Heten handelt) sitzen einander gegenüber und haben 10 Minuten Zeit, um sich ein bisschen kennenzulernen und um festzustellen, ob sie möglicherweise zu einander passen oder nicht. Dann wird zur nächsten Person gewechselt. Sehr, sehr interessant, gell? Wie hoch ist da wohl die Wahrscheinlichkeit, dass man auf einen Menschen trifft, der tatsächlich zu einem passt? Meine allgemeinen Beobachtungen im Leben haben mich (fast fünfzig) gelehrt, dass Männer deutlich weniger anspruchsvoll sind als Frauen. Männer wollen praktisch das Gleiche, was sie schon seit Anbeginn der Menschheit wollen. Seit man um's Feuer sass und Speerspitzen schnitzte, hat sich da nix geändert.
Frauen wollen jemanden, der ihnen zu hört. Ich, zumindest. Stellt Euch mal vor, man sitzt mit dem Typen beim Speed Dating und der steht auf und sagt: "Ich geh' mir mal schnell ein Bier holen. Red' du ruhig weiter, ich höre dich auch von der Theke aus." Nee, nee, nee. 
Persönliche Interessen: Er kann ruhig seltsame Hobbys haben, aber er muss sie alleine pflegen können. "Das Höchste für mich sind Geländemärsche bei rauem Wetter und ich freue mich schon, wenn du dann immer dabei bist."Oder: "Oh, was wird das schön, wenn wir dann jeden Samstag gemeinsam am Angelsee sitzen!" Nee, nee, nee.
Er muss denken, dass ich nett bin und ein wertvoller Mensch. Er muss mich gut finden. "Naja, die tut's" tät's bei mir nicht. 
Das sind, glaube ich, Sachen, die für alle Frauen gelten.
Ich hätte dann noch folgenden Wunsch: Bildung. Ich mag es, wenn Leute gescheit und gebildet sind. Ist für eine kurze Affäre natürlich nicht erforderlich, langfristig aber schon. Friedrich Nietzsche verstand die "Ehe als langes Gespräch", alles andere in einer Beziehung sei transitorisch, meinte er. Ich finde auch, dass man möglichst viel haben sollte, worüber man quatschen kann. 
Sonderpunkte gäb's, wenn jemand dasselbe Hobby hätte wie ich.
Aussehen: Mit dem Aussehen ist es so eine Sache. Man hat da bestimmte Vorstellungen, aber dann lernt man jemanden kennen, der völlig anders aussieht und der gefällt einem dann auch, z.B. weil er einem zuhört oder weil er einen wertschätzt. Und selbst ist man ja auch nicht gerade das Mass aller Dinge, zumindest ich nicht.
Kohle: Ob der andere Kohle hat oder nicht, finde ich nicht so wichtig, da ich anspruchslos bin und mich in der Lage sehe, selbst genug ranzuschaffen für das, was ich brauche. Im Leben geht es so oft auf und ab. Was nützt einem der grösste Reichtum, wenn man eine schlimme Krankheit bekommt oder sonst unglücklich ist?
Ach ja, das noch: Da ich selbst ein ziemlicher Trauerkloss bin, würde ich mich über einen fröhlichen Menschen freuen. 
Jeder hat halt andere Prioritäten. 
Hingegangen zum Speed Dating bin ich natürlich nicht. Ich weiss nicht, was mein Gatte dazu gesagt hätte.

Montag, 30. Januar 2012

Spanischer Wintersalat - Ensalada de escarola y granada


Friséesalat mit Granatapfelkernen ist in Spanien im Winter sehr beliebt. Bei Mercadona wird der Salat (escarola) frisch, geputzt und gewaschen in einer Tüte angeboten,  die Granatapfelkerne gibt es ebenfalls fertig vorbereitet in einem Plastikschälchen zu kaufen. Was will man mehr? Wenn einem diese praktischen Produkte nicht zur Verfügung stehen, muss man den Salat halt selber putzen und die Kerne aus den Granatäpfeln holen (halbieren oder vierteln und Kerne rauspulen, kein Problem). Salatsoße: Salatsoßen sind nicht meine starke Seite. Ich bin seit fünfundzwanzig Jahren Hausfrau, aber die Kunst der Vinaigrette hat sich mir nie so recht erschlossen. Zurzeit mache ich meine Salatbrühe wie folgt: Ich gebe 2 Teelöffel sehr guten Honig, den uns ein befreundeter freilaufender Imker geschenkt hat, mit 2 Esslöffeln frisch gepresstem Orangensaft oder gewöhnlichem Orangensaft oder Wasser in eine kleine Flasche und stelle sie kurz in die Mikrowelle, damit der Honig flüssig wird. Dann gebe ich 1/2 Teelöffel Dijon-Senf und 1 Teelöffel von meiner hausgemachten Gewürzmischung, die ich am 12. September 2011 beschrieben habe, dazu. Ich vervollständige die Vinaigrette mit 3 Esslöffeln Champagner-Essig und 8 Esslöffeln sortenreinem Arbequina-Olivenöl. Alles vom Feinsten, es soll nichts unversucht bleiben beim Streben nach bestmöglichem Salat. Die Menge reicht ungefähr für 10 Portionen; was ich nicht gleich brauche, verwende ich an den folgenden Tagen. Eine Himbeer-Vinaigrette wäre vielleicht auch gut dazu ... naja, ich wollte nur den Tipp mit dem Friséesalat und den Granatapfelkernen geben, denn diese Kombination ist prima.

Samstag, 28. Januar 2012

Brownies - ausführliches Rezept

Ich habe heute mal wieder Brownies gebacken. Das Rezept habe ich vor Jahren von einer Backschokoladenpackung abgeschrieben. Es ist lecker, ganz einfach und hat den Vorteil, dass man außer dem Backofen, der Mikrowelle und einem Kochlöffel keine Geräte braucht und nur eine Schüssel schmutzig macht. Man benötigt 200 g Backschokolade, 125 g Butter, 200 g Zucker, 2 Eier, 250 g Mehl und 100 g grob gehackte Walnüsse und geht wie folgt vor: Ofen auf 160º Grad vorheizen. Flache Form mit Backpapier auslegen.
Nun müssen Butter und Schokolade ge- und verschmolzen werden. Mit diesem Ziel zerteilt man die Schokolade grob und gibt sie mit der Butter in eine Schüssel. Dann erhitzt man beides vorsichtig und kurz in der Mikrowelle. Wenn die Hitze zu stark ist oder die Mischung zu lange in der Mikrowelle steht, wird die Schokolade bröselig und eklig, alles schon da gewesen, also vorsichtig. Lieber zwischen durch, so nach 45 Sekunden, mal umrühren.  Man hat nun eine  homogene, dick-flüssige Schokoladensoße/-pampe, in die man den Zucker rührt. Die Eier werden in einer Tasse leicht geschlagen und kommen ebenfalls dazu und werden untergerührt. Dann geht's ans Mehl, das ebenfalls untergerührt wird. Wer keine grob gehackten Walnüsse hat, sondern diese selbst hacken muss, tut dies mit einem großen Messer auf einem großen Schneidbrett. Alle Nüsse auf einen Haufen, Messer in Schneidposition bringen, Messerspitze mit der linken Hand in Position halten und nicht schneiden, sondern immer rauf und runter über die Nüsse fahren. Als wär's ein Papierschneider, wie dieses Gerät, mit dem die Fotografen Passfotos auseinander schneiden. So. Nüsse auch noch unter den Teig mischen. Teig browniehoch in die Form geben (der Teig geht nicht auf, ist ja kein Backpulver drin). 20 bis 22 Minuten backen, rausholen, auch wenn die Brownies noch nicht fertig scheinen (so stand's im Rezept und meine Erfahrung bestätigt die Richtigkeit dieser Empfehlung). Abkühlen lassen, in Rechtecke schneiden. Fertig. Einfacher geht's kaum noch, oder? 
Heute begab es sich nun aber in meiner Speisekammer, dass unter der Tafel Schokolade, als ich sie hochhob, eine Packung getrocknete Aprikosen lag. Hm. Ein Zeichen, ein Wink? Hm. Ich hackte 100 g Trockenaprikosen ... Hier haben sich in letzter Zeit auch etwa 10 Packungen Cranberries angesammelt. Wisst Ihr, wie das geschah? Cranberries gab es ja früher in Deutschland oder Spanien überhaupt nicht. Wer sie wollte, musste sie aus den USA mitbringen oder sich mitbringen lassen. Jetzt sieht man sie manchmal in Läden. Okay, ich sah sie beim Aldi. Heh, toll, gleich mal drei Packungen mitgenommen. Dann sah ich sie in einem anderen Laden. Heh, toll, gleich mal zwei Packungen mitgenommen. Usw. Anscheinend gibt's die jetzt überall. Ich benutze sie hauptsächlich für den schnellen Salat, den ich in meinem Eintrag vom 10. Dezember 2010 beschrieben habe. Kurz und gut: Ich hackte auch noch 100 g Cranberries und gab sie mit den Aprikosen zusammen an den Teig. Ich backte den Teig fünf Minuten länger als üblich. Foto siehe oben. Ein Riesenerfolg bei meiner Familie! Saftiger als sonst. Und natürlich auch eine Idee gesünder, wenn man im Zusammenhang mit Plätzchen überhaupt das Wort "gesund" in den Mund nehmen darf. Enjoy! 

Mittwoch, 25. Januar 2012

Immobilien in Spanien: Festhalten, jetzt geht es richtig abwärts

So, liebe Leser, wie bin ich mal wieder auf das Thema Immobilien gekommen?
Ich bin bei einem der in unserem Ort noch verbliebenen Maklerbüros vorbei gekommen und friki wie ich bin musste ich natürlich ins Schaufenster schauen und alle Angebote betrachten. Dabei entdeckte ich eine (Mini-)Wohnung (50 Quadratmeter) in unserer Siedlung zum Preis von 59.000 Euro. Ich war mir ganz sicher, diese Wohnung im Internet für -ja, Leute, lest und staunt - deutlich über 100.000 Euro gesehen zu haben. Zuhause vergewisserte ich mich rasch und tatsächlich, auch im Internet war der Preis herabgesetzt worden, nämlich auf 98.000 Euro. Aha. Interessant. Die in Rede stehende Wohnung, deren Preis sich anscheinend im freien Fall befindet, hat einen riesigen Nachteil: Sie liegt im ersten Stock neben einer Apotheke und die Apotheke hat ein superhelles, grün leuchtendes Apothekenschild, das direkt in die Wohnung scheint. Ach, so hell kann das gar nicht sein, werdet ihr jetzt denken. Doch, Leute. Eine genaue Wattzahl kann ich Euch natürlich nicht nennen. Wieviel Watt oder Lux hat denn die Flutlichtbeleuchtung im Bernabeu-Stadion? So ungefähr dürft Ihr Euch das vorstellen. Aber in Grün.
Okay, also, Immobilienpreise in Spanien. Erst das Allgemeine: Derzeitige Fallgeschwindigkeit: 6,4 % per annum. Seit dem Höchststand im Jahr 2007: - 28,5 %. Diese Zahlen stammen von der Website http://www.fotocasa.es/. Hier ein Link zu ihrem Jahresbericht für 2011 für Interessenten, die der spanischen Sprache mächtig sind oder die einfach mal die Zahlen auf sich wirken lassen wollen:
Und wie geht es unseren Versuchstierchen? Vom Haus in unserer Straße, das ich am 8. April und am 22. Juli 2011 besprochen habe, gibt es, wie erwartet, nichts Neues. Gähn. Die Fabrik der Besitzer hat Pleite gemacht, aber das wisst Ihr ja schon.
Bei den Reihenhäusern, denen ich meinen Blogeintrag vom 14. Oktober 2011 gewidmet habe, gibt es was Neues: Nachdem der Preis von 345.000 auf 245.000 Euro gesenkt wurde, sind sie nun ganz aus dem Internet verschwunden. Was kann das bedeuten? Zum Beispiel, dass die Bank die Häuschen übernommen hat. Seit meinem Eintrag vom Oktober ist jedenfalls keins verkauft worden. Spanische Logik einer Bekannten, nein, ich schreibe SPANISCHE LOGIK, denn das ist einfach etwas, was in der Welt nicht seinesgleichen hat: "Dem Bauunternehmer ist es wurscht, ob er diese Häuschen verkauft oder nicht, der hat nämlich noch über 100 in Malaga zum Verkauf stehen, da gleicht sich das aus." Hallo??? Wenn man die spanische Logik in Sachen Immobilien wissenschaftlich untersuchen möchte, welche Disziplin würde man wohl damit betrauen? Die Wirtschaftswissenschaften? Die Psychologie? Oder gleich die Psychiatrie?
In der Überschrift habe ich geschrieben: "Jetzt geht es richtig abwärts". Warum meine ich das? 
In unserem Ort liegt der Quadratmeterpreis von Neubauwohnungen, die hauptsächlich von den Banken auf den Markt geworfen werden, sage und schreibe 340 Euro unter dem Quadratmeterpreis von Altbauwohnungen!!!, die von Privaten angeboten werden. Was das für die Privatanbieter bedeutet, kann sich jeder selbst ausmalen. 
Zusammenfassend: Es kracht im Gebälk.
P.S.: Ich schreibe so fröhlich darüber, aber ich muss Euch sagen, die Entwicklung in Spanien ist beängstigend.

Montag, 23. Januar 2012

Entspannendes Viertelstündchen


Heute Abend ist bei uns der Strom ausgefallen. Eine Viertelstunde lang, von 20.15 Uhr bis 20.30 Uhr. Das war sooo entspannend. Wir sitzen immer noch da, wo wir uns hingepflanzt hatten, nachdem wir die Kerzen an unserem Leuchter (siehe oben) und noch ein Dutzend Teelichter angemacht hatte. Zuerst dachte ich: naja, da schau' ich halt bei Kerzenlicht fern ... aber das ging ja nicht! Man konnte nichts machen. Die Kinder, die sich mitten in der Prüfungszeit befinden, konnten nicht lernen (kein Licht in ihrem Zimmer). Überraschenderweise klingelte unser einziges nichtschnurloses Telefon: eine Nachbarin, die fragte, ob wir auch kein Licht und kein Wasser hätten. Das mit dem Wasser hatten wir gar nicht bemerkt, stimmte aber. Wir saßen also zum Nichtstun verurteilt im Kerzenschein. Schön! Wir hörten gute Musik vom I-Pod (ganz konnten wir es halt doch nicht lassen ...). Mein Sohn sagte. "Das müsste man häufiger machen." Stimmt.
In dem Haus, in dem wir in New York wohnten, lebten auch viele Juden, von denen manche sich streng an den Sabbat hielten. Das bedeutete unter anderem, dass sie an diesem Tag keine elektrischen Geräte ein- und ausschalten konnten. Auch nicht den Herd (es gibt programmierbare Herde, die zur vorgesehenen Zeit das im Topf auf der Platte befindliche Essen heiß machen, ohne dass man einen Schalter betätigen muss). Sie durften auch die elektronischen Zugangskarten, die man in Abwesenheit des Doormans verwenden sollte, um ins Haus hinein oder aus dem Haus hinaus zu gelangen, nicht benutzen. Da gab's ein bisschen Zoff und es mussten zusätzliche mechanische Schlösser installiert werden. Alle Samstage ohne Handy, Computer, Fernseher etc. Nicht schlecht, oder?
Naja, jetzt haben wir wieder Strom und um 22.15 Uhr kann ich in aller Ruhe das "Dschungelcamp" gucken.

Freitag, 13. Januar 2012

Gute Nachrichten für die Finanzmärkte

In Spanien wird jetzt echt und ehrlich gespart. Zum Beispiel an der Heizung für Schulen und Universitäten. Ihr fragt Euch vielleicht: Warum wollen die in Spanien überhaupt heizen? Da ist es doch immer warm!!!
Ja, Leute, in Deutschland ist die irrige Meinung weit verbreitet, ganz Spanien bestünde aus einem etwa 1 Kilometer breiten Küstenstreifen, auf dem ganzjährig Sommer ist. Das ist falsch. Ein einfacher Blick auf die Karte zeigt, dass die iberische Halbinsel praktisch viereckig ist. Das Landesinnere (das den größten Teil Spaniens ausmacht) ist eine Hochebene, selbst Madrid liegt auf einer Höhe von fast 700 Metern. Die Wettervorhersage für Madrid kündigt für heute eine Tiefsttemperatur von 0º und eine Höchsttemperatur von 9º an. Das sind normale Januartemperaturen. Also. Und da wir uns hier, wo ich mich befinde, nicht unter der molligen Madrider Smogglocke tummeln, sondern der klaren Höhenluft ausgesetzt sind, ist es noch etwas frischer (-4º/9º).

Hier ein Bild, das ich heute morgen aufgenommen habe. Schön, gell?
Und jetzt wird also gespart. In den Schulen in unserem Ort wird die Heizung um 11 Uhr ausgeschaltet (Unterricht von 8.30 - 14.30 Uhr). Ich weiß nicht, um wieviel Uhr sie eingeschaltet wird. Viele Kinder sitzen im Mantel da. Die Mädchen tragen unter den Jeans dicke Strumpfhosen, ästhetische Erwägungen bleiben hintangestellt. Mein Sohn hat seine Vorlesungen an der Uni nachmittags, da wird gar nicht geheizt. Er hat mir erzählt, dass manche der jungen Männer (die von ihren Muttis getrennt sind, die für Thermounterwäsche sorgen würden) unter ihren Klamotten einen Schlafanzug tragen. Geschrieben wird mit fingerlosen Handschuhen. Gestern hat einer seiner Kommilitonen einen Heizlüfter mitgebracht. Die Studenten setzten sich mit dem Professor außen herum wie um ein Lagerfeuer, einer ließ eine Tüte mit Süßigkeiten herumgehen. D. lobte die ausgezeichnete Stimmung, die aufkam. Die Leute nehmen es mit Humor.
Nächste Woche beginnt die Prüfungszeit, deshalb kommen nur wenige Studenten. Viele lernen lieber zuhause oder wollen keine Erkältung riskieren. In dem Trakt, in dem sich die Büros der Dozenten befinden, wäre schon ein paar Mal die Sicherung rausgeflogen, hat er erzählt, weil zuviele Heizöfchen betrieben werden.
Das Unigebäude ist relativ neu. Es ist ein intelligentes Gebäude. Das bedeutet wahrscheinlich, dass es in irgendeinem Eckchen weint.

Heute früh in unserer Straße. Wird einem nicht schon vom Anblick kalt?

Mittwoch, 11. Januar 2012

Was soll ich kochen? Guter Tipp

Ja, ein Tipp, um das Thema "Was soll ich kochen?" in den Griff zu bekommen - und zwar ein für allemal, und zwar von mir. Und jetzt kommt's: Spannung, Trommelwirbel, trrrrrrr .... tatschan! tatschan! ...

Schreibt auf, was Ihr an jedem Tag tatsächlich gekocht habt, dann habt Ihr eine Liste für die folgenden Jahre.

Ja, Ihr dürft mich für diese brilliante Idee feiern. Ich hatte sie im Jahr 1995. Auf dem Foto das Original.

Vorher hatte ich einen Abreisskalender, auf dem Kochempfehlungen für den Tag standen, z.B. Kressesüppchen mit Lachs-Sahne-Häubchen als Vorspeise, dann Kalbsbäckchen an Saint Emilionjus mit getrüffeltem Kartoffelragout als Hauptgang. Und solche Sache gibt's bei uns im Alltag nicht. Ich wollte Sachen, wie wir sie tatsächlich essen. Die Kinder waren klein und unser Speiseplan war damals stark nudellastig. Da kam mir die Idee, das aufzuschreiben, was wir aßen, dann würden wir einen Plan für das folgende Jahr haben. Natürlich - Ihr kennt mich, die Disziplinlosigkeit in Person - zog ich das nicht von Anfang bis Ende des Jahres durch. Ich machte ein paar Eintragungen im Januar, ließ es dann wieder bleiben, machte noch ein paar im Februar, etc. Im folgenden Jahr machte ich einfach weiter und füllte die Leerstellen aus.
Ich meine, wenn Ihr heuer 36,5 Eintragungen schafft und dann im gleichen Tempo weiter macht, ist der Plan in 10 Jahren schon komplett! Und dann habt Ihr für den Rest Eures Lebens einen Speiseplan für jeden Tag. Einen Plan, bei dem automatisch die Jahreszeiten berücksichtigt sind, denn Ihr werdet ja im November keinen frischen Spargel und im August keinen Gänsebraten auf den Tisch gebracht haben. Und wenn Ihr die Leute seid, die nur auftauen und Dosen aufmachen ... dann hilft Euch der Speiseplan bestimmt auch: Ach, eine Thunfischlasagne könnte man mal wieder auftauen ... Ihr könnt auf Wochen im Voraus einkaufen!
Wenn man neue Sachen ausprobiert hat, die toll waren, kann man sich das Rezept ja auf- bzw. abschreiben, es fotokopieren oder ausdrucken, damit es nicht wieder verloren geht.
Also, das ist mein Tipp. Er löst die Frage langfristig, er bietet eine nachhaltige Lösung. Ich verrate ihn Euch absichtlich erst jetzt, nicht, dass jemand auf den Gedanken kommt, ihn als Neujahrsvorsatz zu verwenden. Ich bin kein Freund von guten Vorsätzen für's neue Jahr. "Ich werde im neuen Jahr weniger futtern/weniger trinken/weniger rauchen, mehr Sport treiben/meine Doktorarbeit fertig schreiben/meine Omi öfter besuchen".  Nimmt man sich vor. Und wenn man diesen guten Vorsatz unseligerweise einem lieben Menschen anvertraut, der einem dann bei der Umsetzung helfen möchte, "Du wolltest doch weniger futtern/weniger trinken/weniger rauchen, mehr Sport treiben/deine Doktorarbeit fertig schreiben/deine Omi öfter besuchen", und je nachdem, wie lieb uns dieser Mensch hat und wie viel Hoffnung er darein setzt, dass wir uns tatsächlich bessern können, kann es geschehen, dass er uns bis in den Mai hinein jedesmal, wenn wir etwas in den Mund stecken, daran erinnert, dass wir doch eigentlich weniger essen wollten ... nee, nee, nee, bleibt mir weg mit den guten Vorsätzen. Ich halte es an Sylvester mit dem spanischen Spruch: Virgencita, Virgencita, que me quede como estoy.  
Es ist ein Anruf an die Muttergottes (la Virgen = die Hl. Jungfrau, Virgencita = Verkleinerungsform davon) mit der Bitte, dass alles bleiben möge, wie es ist.

Montag, 2. Januar 2012

Prosit Neujahr!

Wir sind in lieber Gesellschaft, mit Raclette, Feuerzangenbowle, Brezel, Bleigießen, Feuerwerk und Abba-Karaoke gut ins neue Jahr gerutscht - wobei wir den eigentlichen Rutsch verpasst haben: "Noch dreißig Sekunden", sagte der Sprecher von Bayern 3. Da waren noch ein paar Gläser Sekt einzuschenken und zu verteilen ... dann spielte im Radio ein Walzer. Nach einer Weile kam jemand auf den Gedanken, dass die dreißig Sekunden um sein müssten ... Prosit Neujahr!
Mit dem Abba-Singwettbewerb unserer Gastgeber hatten wir riesigen Spaß, obwohl wir von der gegnerischen Mannschaft in Grund und Boden gesungen wurden. Mein erstes Karaoke. Und damit verbunden ein Wortwechsel, der allen Hoffnung machen wird, die zweifeln, ob sie mit ihren Kindererziehungsversuchen Erfolg haben werden:
Ich: "Das Karaoke-Spiel ist toll, ne?"
Mein jüngster Sohn: "Hmhm, ja, das ist Singstar."
Ich: "Gibt´s so was auch für unsere Playstation?"
Mein jüngster Sohn: "Willst Du das jetzt? Meine Güte, da wird wieder was angeschafft, mit dem ein paar Mal gespielt wird, dann fliegt´s ewig ´rum. Das brauchen wir echt nicht."
Ich glaubte mich selbst reden zu hören.
Kommentar dieser Mutter erwachsener bzw. fast erwachsener Kinder: Es fällt nicht alles auf fruchtlosen Boden.

Donnerstag, 22. Dezember 2011

Frohe Weihnachten!

Die Nikolausgruppe



Diese kleine Gruppe, die "Aussendung der Nikoläuse", hat auf unserem Weihnachtsbaum Tradition: "Ziehet hinaus in alle Welt und verkündet eine große Freude: Ein Kind ist uns geboren, ein Sohn ist uns geschenkt." (Theologisch nicht ganz einwandfrei, Bibelkenner werden es bemerkt haben.)

Seltsamer Weihnachtswunsch

Meine kleine Nichte wünscht sich zu Weihnachten die Kastration ihres Hasen ...

Dienstag, 20. Dezember 2011

Schöne Weihnachtsdeko - Zu Besuch bei T.

T. hat ihren eigenen Stil und kombiniert gern und gekonnt rustikale und moderne Elemente. Hier seht Ihr ihre Weihnachtsdeko.  


Diese Kombination gefällt mir besonders gut. Vorteil: Kost´ mal wieder fast nix. Obstbaumästchen werden mit einem dicken, weißen Filzfaden zusammengebunden. Daran hängen Christbaumkugeln und Sterne (hat man eh´). Schön, besonders vor dem verschneiten Hintergrund. Ja, Leute, Deutschland hat uns im weißen Gewand empfangen (Klimawandel!).


So hat T. ihr Fensterbrett dekoriert. In den Leuchtern befinden sich Moos, kleine Äpfel, Nüsse und Ästchen. Beachtet das Balkongeländer. Es ist mit einer Mehrwegtannengirlande mit Lichterkette umwickelt. Der darauf liegende Schnee ist echt. Süß!


T.´s selbstgebundener Adventskranz. Heuer setzt sie nicht auf ihr traditionelles Rot, sondern auf Grün und Silber. Gelungen, stimmt´s?


Dieses Eckchen mit Christrose vor der Haustür mag T. selbst besonders gern.


Dieser Kranz, verziert mit ein paar silbernen Sternen, gefällt mir sehr gut. Er ist schlicht und elegant. 


Blick aus dem Flurfenster ...

Samstag, 17. Dezember 2011

Renovierung unseres Hauses V: Der neue Windfang


So, auf diesem Foto seht Ihr den neuen Windfang (die Glastür vor unserer Haustür). Rechts und links oben haben die Seitenteile kleine Fenster, die sich öffnen lassen. Das fand ich wichtig, damit im Sommer die Belüftung gesichert ist. Manche Nachbarn, die auf die Fensterchen verzichtet haben, lassen im Sommer die Tür immer offen stehen und mehr als einem ist es passiert, dass sie dann von einem Windstoß zugeschlagen wurde und kaputt ging. Andere sichern die geöffnete Tür mit einem Stein. Alles zu kompliziert für uns.
Die Fassade unseres Hauses liegt Richtung Nordwesten, die Sonneneinstrahlung hält sich also in Grenzen, die Fensterchen sollten zur Belüftung ausreichen.
Seht Ihr, wie schön alles geschnitten ist? Der Efeu, der Feuerdorn ums Fenster, die Feuerdornkugel, der Baum links im Bild (ein Blutpflaumenbaum)? Die eigentliche Haustür, die man nicht nur anheben, sondern auch zu sich ziehen musste, um sie aufzuschließen, ist auch repariert. Juhuu! Wir können rundum zufrieden sein.

Dienstag, 6. Dezember 2011

So sah der Nikolaus früher aus (1967)

Ja, so sah der Nikolaus früher aus. Da war er noch schlanker und im Kirchendienst.

Er brachte uns Äpfel, Nüss' und Mandelkern sowie das eine oder andere kleine Geschenk. Die Frau ist unsere Oma.

Hier seht Ihr meinen Bruder und mich beim fröhlichen Spiel.
(Ja, ich weiß, auch dieses Foto ist nicht aktuell. Es wurde am Nikolausabend 1967 aufgenommen.)

Dienstag, 29. November 2011

Spannend!


Das Buch links ("Erlösung" von Jussi Adler-Olsen) habe ich vor kurzem von meiner Schwägerin geschenkt bekommt. Es war spannend von der ersten bis zur letzten Seite und zudem gut geschrieben. Danke noch mal. Morgen streikt in England der öffentliche Dienst. Mein Flug nach Spanien geht theoretisch um 6.30 Uhr in der Früh. Durch den Kauf des Buchs rechts habe ich mich auf lange Wartezeiten eingerichtet. 
Bei Waterstone's, der Buchladenkette in London, gibt es eigene Regale mit der Aufschrift "Scandi Crime" für die skandinavischen Krimis. Witzig. Wem die Werke Stieg Larssons gefallen haben ... "Erlösung" hat mir sogar noch ein bisschen besser gefallen. 
Da ich keine Ahnung habe, wann ich ankomme, habe ich noch keine Fahrkarten für die Weiterreise in Spanien. Aber gut. Während ich auf Bahnhöfen herumlungere, werde ich mein neues Buch verschlingen. Hoffentlich ist es wirklich so gut, wie mir versprochen wurde!
Update: Mein Flug ging pünktlich. An den englischen Flughäfen ist doch alles privatisiert! Das Anliegen der Streikenden: die Mitarbeiter im britischen öffentlichen Dienst möchten nicht höhere Rentenbeitrage bezahlen und länger arbeiten, dafür aber weniger Rente bekommen. Die Leidtragenden des Streiks waren hauptsächlich Schulkinder und ihre Eltern sowie Kranke. Überschrift heute bei Spiegel Online: Geldflut löst globales Kursfeuerwerk aus.

Montag, 28. November 2011

Das Wochenende in Paris


Ich weiß, Ihr wollt was von unserem Wochenende (nicht letztes, sondern vorletztes) in Paris hören, wie wir mit dem Eurostar unterm Ärmelkanal durchgefahren sind (zum 1. Mal, bisschen Bammel, wir hatten aber von anderen Leuten gehört, die diese Fahrt auch gemacht und überlebt hatten, das war beruhigend), Fahrdauer London-Paris 2 Stunden 15 Minuten (wie lang hat die Reise wohl gedauert, als man noch Pferdekutschen und Schiffe brauchte?), wie sich unsere Freunde gefreut haben, als sie uns gesehen haben (nein, niemand hat geweint), wie wir bei Superwetter in den Tuilerien spazieren gegangen sind (nein, wir haben nicht alle Sehenswürdigkeiten abgeklappert, wir waren schon öfter dort), wie wir abends mit dem Riesenrad am Place de la Concorde gefahren sind (phantastische Aussicht auf die beleuchtete Champs Elysees und den Eiffelturm, wer dieser Tage nach Paris kommt: unbedingt nach Einbruch der Dunkelheit mitfahren! 10 Euro pro Person, lohnt sich), was wir von dort mitgebracht haben (Kühlschrankmagnete von französischen Speisen. Ja, sie sind Made in China. Nein, Euch nix.), wie die Geschichte mit den Andouillette-Würsten genau war (Andouillette sind französische Würste, die aus klein geschnittenem Schweinsdarm und –magen im Schweinsdarm bestehen. Als wir über den Pariser Weihnachtsmarkt spazierten, sagte unser lieber Freund D.: „Wenn es eine französische Speise gibt, die ich hasse, dann sind das Andouillettes.“ Damit war natürlich meine Neugier geweckt.
Ich bin keine besondere Freundin der französischen Küche, aber das Schlechteste, was D. sich überhaupt nur vorstellen konnte??? 5 Minuten später hatte ich eine Andouillette in der Hand (7 Euro, soviel kosten die Würste auf dem Pariser Weihnachtsmarkt). Die Konsistenz war wirklich grauenvoll und eklig – aber der Geschmack?!? Er erinnerte mich an irgendwas. Ich kramte in meinem Hirn ... Hausmacher Leberwürstchen ... Hausmacher Blutwürstchen ... alles da ... aber das war es nicht ... weiter zurück ... ich tauchte eine Weile in den tiefsten Tiefen meiner Erinnerungen, dann fand ich’s: Wurstsuppe. Als wir Kinder waren, wurden wir manchmal mit der Milchkanne zum Metzger geschickt um Wurstsuppe zu holen.  Wurstsuppe ist die Brühe, in der die Hausmacher Blut- und Leberwürstchen gekocht wurden. Es war eine meiner Leibspeisen. Wir aßen sie entweder mit Brot oder mit darin gekochten, frischen Spätzle. Isst heute sicher kein Mensch mehr. Schad’ drum.
Also, mir hat einmal Andouillette gereicht, aber ich würde nie jemandem grundsätzlich von einer Speise abraten, es sei denn, sie wäre gesundheitsschädlich.)
Was noch? Superviel spazieren gegangen bei tollem Wetter (Klimawandel!), Quartier Latin, Notre Dame, Beleuchtung der großen Kaufhäuser angeguckt (Lichter toll, Schaufensterdeko bäh).
Zum Abschluss waren wir noch zusammen Austern essen. Am Sonntagabend Rückfahrt mit dem Eurostar. Unterwegs musste der Zug eine Stunde anhalten, weil der Zug vor unserem mit einem „großen Tier“ zusammengestoßen war. Wahrscheinlich hatte sich ein Pferd oder eine Kuh unter dem Sicherheitszaun durchgewühlt. Spät abends trafen wir wieder in London ein.

Sonntag, 27. November 2011

Penne alla Vodka - Nudeln mit Tomaten-Wodka-Sauce


Ich bin gefragt worden, wie man sich diese teuren Nudeln in den italienischen Restaurants in New York vorzustellen hat. Zufällig habe ich mal im amerikanischen Fernsehen gesehen, wie der Koch von "Nick and Tony's" in New York ein Rezept vorgestellt hat, nämlich das Rezept für Penne alla vecchia Bettola, das in seinem Laden serviert wird. Ich stelle hier einen Link zur Speisekarte ein. Das Gericht kostet 20 Dollar (immer noch brav 20% Trinkgeld dazurechnen, gell?).
Es handelt sich um Nudeln mit Tomaten-Wodka-Sauce. Ich habe sein Rezept zuhause nachgekocht und es war sehr, sehr lecker. Eine Sauce, die wirklich zu empfehlen ist und die ich wieder machen werde. Den Salat, den ihr auf dem Foto seht, und den es bei mir gibt, würdet Ihr dort selbstverständlich nicht bekommen bzw. er würde separat in Rechnung gestellt (mit 10 Dollar, tät' ich so mal sagen).
Also, ran an die Bulletten: 
Auf Deutsch: 1/4 Tasse Olivenöl, 1 mittelgroße Zwiebel, gewürfelt, 3 fein gehackte Knoblauchzehen, etwas Cayenne-Pfeffer (tatsächlich steht da 1/2 Tl red pepper flakes, das sind diese roten, scharfen Flocken, ich weiß nicht, wie sie auf deutsch heißen, ich habe sie und habe sie rein, aber Achtung, dass es nicht zu scharf wird, gerade wenn Kinder am Tisch sitzen), 1,5 Teelöffel Oregano, 1 Tasse Wodka, 2 große Dosen gehackte Tomaten (oder ganze Tomaten), Salz, Pfeffer, 1 Pfund Penne-Nudeln, frischer Oregano, 1 Tasse Schlagsahne, Parmesan.
Ofen auf 190 Grad vorheizen. Ich sag's Euch gleich, ich habe die Sauce nicht im Ofen, sondern nur auf dem Herd gemacht (Strom sparen!!! Umwelt schonen!!!).
So, wie geht's? Zwiebel und Knoblauch im Olivenöl in einem ofenfesten Topf (für die Ofenbenutzer, sonst natürlich in irgendeinem Topf) anbraten bis durchscheinend. Pepper flakes und Oregano zugeben, eine weitere Minute kochen. Nun kommen der Wodka und die Tomaten dazu: Saft reingießen, Tomaten mit den Händen zerquetschen und ebenfalls in den Topf. 2 Tl  Salz und etwas Pfeffer zugeben. Deckel drauf und für eineinhalb Stunden ab in den Ofen. Dann 15 Minuten abkühlen lassen. 
Ich habe den Topf einfach eine halbe oder dreiviertel Stunde auf dem Herd köcheln lassen.
So. In der Zwischenzeit werden die Nudeln gekocht. 
Nick and Tony pürieren die Sauce nun und geben sie dann wieder in den Topf. Ich mache keine Geräte und Schüsseln schmutzig und püriere nicht. Sie würzen mit 2 Esslöffeln frischem Oregano (ja, wer ihn hat ... wer nicht, darf meiner Meinung nach Basilikum oder getrockneten Oregano nehmen) und schütten noch eine Dreiviertel- bis eine ganze Tasse Sahne hinzu (bis die gewünschte Konsistenz erreicht ist). Mit Salz und Pfeffer abschmecken und noch einmal 10 Minuten köcheln. Pasta mit der Sauce mischen und noch einmal 2 Minuten auf dem Feuer stehen lassen. Eine halbe Tasse geriebenen Parmesan reinrühren, mit zusätzlichem Parmesan und einem frischen Oreganozweiglein auf jedem Teller servieren. Guuuuut! Den älteren Kindern, die zu Besuch waren, hat es auch sehr gut geschmeckt. Der Alkohol verkocht völlig, es schmeckt auch null nach Schnaps. Es ist einfach nur gut. 
Die Menge reicht meiner Meinung nach für deutlich mehr als 4 - 5 Personen (Rest einfrieren). Als Käse hatten wir einen alten Cheddar und einen uralten Gouda, weil wir die gerade im Haus hatten. Warum soll man immer nur Parmesan nehmen? Macht Euch noch einen schönen Salat dazu.
Als mein Gatte von der Arbeit nach Hause kam und die Flasche billigen Wodka in der Küche stehen sah, hat er erstmal dumm geschaut, bevor ich ihm des Rätsels Lösung präsentierte. Ich habe dann noch ein paar missbilligende Blicke geerntet wegen der Fuselflasche. Das war ziemlich witzig (zumindest für mich).
Ich stelle Euch noch ein Link rein zum Restaurant Bella Blu auf der Upper East Side, wo die Madoffs (wer erinnert sich?) öfter aßen.
Schon schick, gell?

Dienstag, 22. November 2011

Einer meiner kleinen Dämonen


Um was geht’s? Alllso. Wie Ihr wisst, haben wir ein paar Jahre in New York gelebt. Vorletzten Sommer flog ich für einen Besuch zurück. Dabei traf ich mich mit Freundinnen, unter anderem mit einer sehr lieben älteren Dame. Mit dieser Dame verabredete ich mich zum Lunch. Wir einigten uns darauf, uns vor einer französischen Brasserie an der Upper East Side (eine vornehme Gegend, in der sie wohnt) zu treffen und dort zu entscheiden, wo wir das Mittagessen einnehmen wollten. In besagtem Restaurant hatten wir schon öfter gegessen. Es hat eine angenehme Atmosphäre, ist ziemlich edel und gibt einem das Gefühl, man wäre wer.
So. Die Dame, ich will sie D. nennen (D. für Dame), und ich trafen uns vor der in Rede stehenden Wirtschaft. Sie schlug vor, zu einem nahe gelegenen Italiener zu gehen. Ich war dagegen. Ich wollte lieber in die Brasserie. Das Gefühl, man ist wer, ist schön und wenn man das Tagesmenü bestellt, ist es auch bezahlbar.
Ich fand das immer sooo abartig, wenn wir in New York zum Italiener gingen: die Leute bestellten sich einen Teller Nudel mit Sauce und ein Glas Wein und zahlten dafür ohne mit der Wimper zu zucken 40 Dollar. Echt hey. Erst einmal: Nudel mit Soß’ ist etwas, was ich auf den Tisch bringe, wenn ich es eilig habe oder wenn ich keine Lust habe, groß zu kochen. Mit Nudeln und Soß’ im Wert von 40 Dollar kann man ein ganzes Dorf speisen. In NY gibt es aber viele Damen, unter anderem auch D., die niemals kochen, die auch keine Nudeln in heißes Wasser schmeißen und eine warm gemachte Fertigsauce drüber schütten. „I don’t know how to cook, I know how to order out“, hat mir einmal eine Bekannte gesagt. Dieser Satz hat mich ein bisschen geschockt: „Ich kann nicht kochen, ich kann von Restaurants was kommen lassen.“ Für Leute, die praktisch täglich an der Kochfront stehen ... naja. Und dann der Wein ... ich bin kein Weinfan und für ein Glas Wein war man oft 15 Dollar los (alle Preise verstehen sich zuzüglich 20 % Tip (Trinkgeld, das man in USA geben muss, weil das Bedienpersonal davon lebt)). Da die Rechnungssumme immer durch die Anzahl der Personen geteilt wurde, trank ich auch Wein, ich musste ihn ja so oder so bezahlen. 1 Teller Nudel mit Sauce, 20 Dollar, plus 1 Glas Wein, 15 Dollar, zuzüglich 20 % Tip = 42 Dollar. Für einen Teller Nudel mit Soß’ (nee, da war kein Salat dabei). Da konnte man nur hoffen, dass es bei einem Glas Wein pro Person blieb.
Für dasselbe Geld konnten wir auch in der Brasserie das Tagesmenü haben und dazu ein Glas Mineralwasser trinken (trinke ich eh’ am liebsten).
Okay, D. erklärte sich mit der Brasserie einverstanden.
Ich wollte das Tagesmenü bestellen und gleich mal zu quatschen anfangen. „Das Tagesmenü???“ zierte sich D., die in diesem Laden ein und aus geht. „Och nee, wir bestellen lieber was Leckeres. Hast Du die Hummertörtchen schon mal probiert?“ Neben den Hummertörtchen stand keine Preisangabe, nur „Market Price“.  „Ich möchte eigentlich gerne das Tagesmenü“, sagte ich. Ich hatte zuvor in meinem ganzen Leben (damals 46 Jahre) noch nie in einem Restaurant etwas bestellt, neben dem „Market Price“ oder etwas Entsprechendes stand.
„Zwei Hummertörtchen“, rief sie dem Ober zu. Die Hummertörtchen waren superlecker und ich habe sie mittlerweile zuhause nachgebaut, davon gibt’s auch Fotos, irgendwann mal werde ich das Rezept vielleicht in den Blog stellen. Man macht sie in so einem Metallring, wie es jetzt Mode ist: zuerst eine Schicht Lachstartar, darauf eine Schicht Guacamole, darauf den Hummer in Stücken. Als ich das Ganze zuhause nachmachte, hatte ich drei Riesengarnelen oder irgend so was für 5 Personen, das war recht wenig. Ich glaube, in dem Laden in NY war wirklich ein halber Hummer drauf. Naja, so Gott will, zeige ich es Euch bei Gelegenheit.
„Dazu gehört ein schöner Weißwein“, erklärte D. und bestellte für jeden ein Glas.
Das billigste Hauptgericht war ein Angus-Beefburger mit karamelisierten Zwiebeln und Blue Cheese auf einem Brioche-Brötchen (so ist mir die ganze Geschichte wieder eingefallen, weil wir in London bei GKB (Gourmet Kitchen Burger) den gleichen Burger in einer 1000-mal besseren Variante gegessen haben. Der GKB-Burger war richtig gut (Preis um 10 Pfund).
Wir bestellten also beide den Burger: ein zierliches Brioche-Brötchen (vielleicht halb so groß wie ein normales), darauf ein niedliches Fleischklöpschen (100 g, wenn überhaupt), darauf eine mikroskopische Menge Blue Cheese, man musste schon genau hinschauen.
D. zitierte den Ober herbei. „Warum ist denn da so wenig Blue Cheese drauf?“
Der Ober entfernte sich mit ihrem Teller und kam nach einem Moment zurück. Die auf dem Fleischklöpschen befindliche Blue Cheese-Menge entsprach nun etwa einem Teelöffel.
„Dazu gehört ein schöner Rotwein“, erklärte D. und bestellte für jeden ein Glas.
„Ich sollte meinem Mann was zu Essen mitbringen“, sagte D. und bestellte noch einen Burger, der für ihren Mann eingepackt werden sollte.
Abschließend gelüstete es D. noch nach einem Capuccino und einem kleinen Plätzchenteller. Beides wurde auch prompt gebracht. Bei den Plätzchen handelte es sich nicht um amerikanische Cookies. Ich weiß nicht mehr, was es genau war, vielleicht Schwarzweißgebäck, Terrassen, Buttergebäck ... gewöhnliches deutsches Gebäck, Weihnachtsgebäck, das auf einer kleinen Etagere serviert wurde.
„Normalerweise gehören doch hausgemachte Marshmallows zu eurem Plätzchenteller, oder?“ fragte D. den Ober. Der Ober verschwand in der Küche und kam gleich darauf mit einem kleinen Teller mit hausgemachten Marshmallows zurück.
250 Dollar und ich ließ D. alles allein bezahlen.
Ich hatte angeboten zu bezahlen, schweren Herzens, denn 250 Dollar einfach so in die Tonne zu treten ... es ist schon Geld.
Das hatte D. auch rundheraus abgelehnt.
„Jeder die Hälfte“, bot ich an.
„Ich hatte doch auch den Burger für meinen Mann“, wand sie ein.
„Okay, then“, sagte ich schließlich und ließ sie allein bezahlen.
Und das verfolgt mich jetzt manchmal. Als wir da den guten Burger bei GBK aßen, musste ich wieder an die Geschichte denken.