Sonntag, 29. April 2012

Spanischer Witz zum 1. Mai

Wie in jedem Jahr auch heuer wieder ein spanischer Witz zum 1. Mai:


Mit diesem Wahlplakat und diesem Versprechen wurde José Luis Rodríguez Zapatero 2008 als spanischer Präsident wiedergewählt. 
(Por el pleno empleo. = Für Vollbeschäftigung, Motivos para creer = Gründe, daran zu glauben: PSOE = der Name der sozialistischen Partei und die Rose in der Faust, ihr Symbol) 
Heute liegt die Arbeitslosigkeit bei sagenhaften 24,2 Prozent, die Jugendarbeitslosigkeit bei - man lese und staune - 52 Prozent.
Okay, stimmt, Zapatero wurde im November 2011 abgewählt. Der neue Präsident, seit dem 21. Dezember 2011 im Amt, hat schon jetzt praktisch jedes Versprechen, das er im Wahlkampf gegeben hat, gebrochen.
Es gibt ein spanisches Sprichwort, das da lautet: "Otro vendrá que bueno te hará", zu deutsch: "Ein Anderer wird kommen, der dich gut aussehen lassen wird", will sagen: Es kommt nichts besseres nach, wenngleich das im Falle von Zapatero fast unvorstellbar ist.

Update: Gilbert lebt immer noch

Ja, Gilbert lebt immer noch. Dieses Foto habe ich vor einer Minute gemacht. Das mit dem Antibiotikum hat nicht geklappt. Wir konnten ihn nicht dazu bringen, es einzunehmen. Mit Clamoxyl getränkte Knuspermüsliflocken hat er einfach liegen lassen. 


Die Schwellung besteht immer noch. Das Beinchen ist tatsächlich abgefallen ("Demarkieren" war das lateinische Wort, auf das ich mich nicht besinnen konnte.). Für den Laien unfassbar, nicht wahr? Ich glaube mittlerweile, Gilbert, der Unzerstörbare, wird sich wieder erholen. In seinem Namen vielen Dank für die guten Tipps und viele Grüße.

Dienstag, 24. April 2012

Update: Gilbert lebt

Seit Sonntag hat ein erfahrener Humanmediziner die Leitung der Behandlung unseres Hamster übernommen. Als erstes wies er uns darauf hin, dass wir uns gar keine Hoffnungen machen dürften, das Tier durchzubringen. Okay, das war schon klar. Das Beinchen ist schwarz und vertrocknet, darüber befindet sich eine riesige Schwellung.
Anschließend empfahl er folgende Behandlung: Antibiotikum nach Körpergewicht verabreichen, Beinchen mit Betadine (Jod) einstreichen. 
Antibiotikum nach Körpergewicht, das war die erste Schwierigkeit. Das Tier wiegt 30 g. Wir haben Clamoxyl (Amoxicillin, ein Breitspektrumpenicillin) in Päckchen mit 250 mg Inhalt, das dem kleinen Bruder von P.s Freundin vor Jahren verordnet worden war. Dieses Medikament ist für die Behandlung von 25 Kilo schweren Kindern geeignet. Wir mussten also etwas mehr als ein Tausendstel der Kinderdosis verabreichen. Wir lösten das Antibiotikum nach Vorschrift in 200 ml Wasser auf. Gilbert sollte davon 0,2 ml zu sich nehmen. 1 ml sind 20 Tropfen, er müsste also von der Lösung 4 Tropfen zu sich nehmen. Für Gilbert ist das eine riesige Menge. Wir versuchten, das Medikament mit einem Teelöffel zu verabreichen, aber er mochte es nicht. Dann legten wir einen Tropfen Lösung auf einen Krümel Knuspermüsli. Davon aß er, aber er blieb natürlich weit hinter der erforderlichen Dosis zurück. Vielleicht gelangte gar kein Penicillin-Molekül in seinen Körper. Anschließend verabreichten wir etwas Joghurt mit lebenden Kulturen zur Wiederherstellung der Darmflora, für den Fall, dass er doch etwas Penicillin abbekommen hatte.
Sein Beinchen und die Umgebung strichen wir mit Hilfe einer Gaze mit reichlich Betadine ein.
Er hat die Nacht zum Montag überlebt. Die Penicillinzubereitung hatten wir gut verschlossen im Kühlschrank aufbewahrt. Am Montag wiederholten wir die Behandlung in Abständen von acht Stunden.
Nach 24 Stunden bereiteten wir eine frische Lösung zu, diesmal aber doppelt so konzentriert. Außerdem verwendeten wir nur ein halbes Päckchen Clamoxyl, weil wir im Ganzen nur zwei Päckchen haben. Also halbes Päckchen Clamoxyl, 50 ml Wasser. Da er den Geschmack nicht mag, tränkten wir einen Krümel Knuspermüsli mit dem Antibiotikum. Er schob einen Teil in seine Backen und brachte den Rest in sein Häuschen. Wir können also nicht kontrollieren, wann er das Medikament einnimmt.
Deutlich besser geworden ist die Schwellung nicht. Das Beinchen ist sowieso perdu. (Stand vom 24. April, 23 Uhr). Das Rote auf dem Foto ist Jod. Der Arzt hat gemeint, das Beinchen könnte sogar abfallen (für "abfallen" hat er ein aus dem Lateinischen kommendes Wort verwendet, das ich vergessen habe; "desprendieren" war es nicht.) Die nächsten zwei, drei Tage würden über Gilberts Leben oder Tod entscheiden. Zwei Tage sind schon rum. 

                                                
Was ich einfach unglaublich finde, ist, wie widerstandsfähig dieses Tier ist. Dsungarische Zwerghamster sind auch nicht so dumm, wie man im Internet liest. Gilbert ist durchaus lernfähig. Wenn wir mit unserem Knuspermüsli anrücken - da kam er am Anfang gleich aus seinem Häuschen geschossen - ahnt er jetzt schon, dass wir ihn wieder mit Medikamenten traktieren wollen und kommt nur ganz vorsichtig raus.
Ich werde Euch auf dem Laufenden halten.

Samstag, 21. April 2012

Die Hamstersaga geht weiter

Gilbert vorgestern beim Fressen von Knuspermüsli
Wie hier zu lesen, ging vor ziemlich genau einem Jahr unser Zwerghamster Rousseau von uns, dessen Ankunft ich hier beschrieben hatte. Wir waren natürlich alle ziemlich traurig, besonders mein Sohn P., sein Besitzer und Pfleger. Nun geschah es aber, dass ihm wenige Stunden nach Rousseaus Tod ein Freund einen neuen Hamster brachte. Mein Sohn war entsetzt, er wollte erst einmal um den alten trauern, aber der Freund hatte es ja gut gemeint und wir rechneten ihm seine Tat hoch an. P. erklärte, dass er sich zwar um den neuen Hamster kümmern würde, dass er ihn aber nicht in sein Herz schließen würde, denn dieser Platz war noch besetzt. Ich frage Euch: Wie kann man das oben abgebildete Tier nicht lieben??? Angesichts der - kurz dauernden - Weigerung meines Sohnes gewann ich das Tier besonders lieb, denn es ist nicht nur supersüß, es tat mir auch noch leid. 
So kam also "der neue Hamster" in unsere Familie. Zuerst die Namenssuche: Meinem Gatten gefiel passend zu Rousseau Voltaire, aber ich fand es nicht sehr passend, dass unsere Familie jedesmal, wenn sie die Namen der frankophonen Giganten hört, an Zwerghamster denkt. P.s Freundin hätte ihren Familienhund, wenn man auf sie gehört hätte, Gilbert genannt. Also war dieser Name frei. Bis mein Gatte uns informierte, dass ihm dieser Name nicht gefiele, weil einer seiner Arbeitskollegen so hieße, war es schon zu spät.
Gilbert ist von allen dsungarischen Zwerghamstern, die wir bisher gehabt haben (drei), der beste und liebste. Er ist zutraulich, spielt gerne mit Menschen und gibt sogar Küsschen. Er entpuppte sich zum Liebling der ganzen Familie. Sein Käfig steht im Fernsehzimmer und während wir fernsehen, spielen wir mit ihm.
Er war noch nicht lange bei uns, da zeigte er eine große, rote Geschwulst an seinem linken Bein, die echt bedrohlich aussah. Noch ein Hamsterverlust innerhalb so kurzer Zeit schien schwer erträglich. 
P. war an jenem Tag aus irgendwelchen Gründen, an die ich mich nicht mehr erinnere, nicht da. Ich schnappte mir den Käfig und brachte Gilbert zu unserem Tierarzt, einem riesigen Hundefan, der unseren Schäferhund betreut hatte. Ich saß etwa eine Stunde im vollen Wartezimmer, den kleinen Käfig auf meinen Knien, bis ich endlich ins Behandlungszimmer gerufen wurde. "Wir behandeln nur Hunde", erklärte mir die Helferin dort. Warum hatte sie mir das denn nicht vorher gesagt? Hatte sie gedacht, in dem winzigen Häuschen im kleinen Käfig befände sich ein Hund??? Sie hatte mich doch eine Stunde lang im Wartezimmer sitzen sehen! 
"Tier ist Tier," sagte ich, und bat, der Herr Doktor möge sich das Beinchen doch wenigstens einmal ansehen.
Sie gab mir die Anschrift eines Tierarztes in der Stadt, der auch exotische Tiere behandelte. Dieser Herr befand sich jedoch auf einem Kongress. Ich rief mehrere andere Tierärzte an, aber keiner behandelte Hamster. In einer Praxis erhielt ich jedoch die Nummer eines Arztes in einem anderen Dorf, der Tiere aller Art behandelte. Ich rief dort an. Dieser Arzt operierte gerade einen Hund, danach hätte er für uns Zeit. Mein Gatte fuhr mich in das benachbarte Dorf. Leute, die Praxis war so dreckig ... nicht Dritte-Welt-dreckig oder deutschen-Hygienestandards-nicht-genügend-dreckig, sondern ... verdreckt: offene Medizinfläschchen, gebrauchtes Verbandsmaterial, Blut ... Der Arzt war aber bereit, Gilbert zu untersuchen. Er betrachtete sein Beinchen und sagte, da könne man nichts sagen. Dann solle er eben röntgen, forderte ich ihn auf. "Hamster werden nicht geröntgt", erklärte er mir. Dann solle er das Beinchen eben schienen, forderte ich ihn auf. "Hamsterbeinchen kann man nicht schienen", erklärte er mir. Sein abschließendes Urteil war, dass Gilberts Zustand nicht bedrohlich sei und dass wir einfach abwarten sollten. Dafür wollte er kein Geld nehmen. Ich bedankte mich herzlich und verließ die Praxis, indem ich die Türklinge ganz vorsichtig mit zwei Fingern anfasste.
Es dauerte eine ganze Weile, bis Gilbert sich wieder erholte. Sein Beinchen wurde wieder gut, aber nicht wie zuvor. 
Er machte uns also weiter Freude, bis wir vor wenigen Wochen eine gleiche Geschwulst an seinem anderen Beinchen entdeckten. Nein, nicht schon wieder! Wenige Tage später entdeckte sein Besitzer, dass sein winziges Füßchen begonnen hatte, sich schwarz zu färben. Wir forschten im Internet: Gangrän, Wundbrand, das würde seinen Tod bedeuten. Wir bereiteten uns geistig darauf vor. Das ganze Tier wiegt gerade mal dreißig Gramm, lange wird es nicht aushalten können. Wenn er abends nicht aus seinem Häuschen kam, steckten wir den Finger hinein, um zu prüfen, ob er noch lebte. Erstaunlicherweise vergingen mehrere Tage, das Schwarze an seinem Beinchen breitete sich aus, aber er lebte immer noch. Wir sprachen über Sterbehilfe. Sollte man ihm ein wenig Rattengift verabreichen, um seinem Leid ein Ende zu bereiten? Meine Familie war gegen diesen Vorschlag. Sollte man ihn an einem starken Medikament für Menschen knappern lassen? Auch diese Idee, ihm einen guten Tod zu bereiten, wurde abgelehnt.
Eines abends - die anderen waren schon im Bett, ich saß noch vor dem Fernseher - kam er aus seinem Häuschen, saß im Käfig und knapperte heftig an seinem betroffenen Füßchen. Ich fühlte, dass er litt und holte ihn heraus. In seinem Unterschenkel schien ein großer Splitter zu stecken. Ich wollte den Splitter herausziehen (ich hoffe jetzt mal, dass dies keiner liest, ich muss es einfach loswerden), aber ich glaube, es war gar kein Splitter, es war der halbe Unterschenkelknochen, der in einem Winkel von 45º abstand. Oh Gott. Ich habe keine Ahnung von Anatomie, aber ich denke, dass Hamster als Säugetiere auch zwei Unterschenkelknochen haben. Das herausstehende Stück war etwa einen halben Zentimeter lang und einen halben Millimeter dick. Das konnte so nicht bleiben. Ich wollte das Beinchen mit etwas Heftpflaster schienen, checkte jedoch vorher im Internet: Offene Brüche beim Hund auf gar keinen Fall schienen! stand da und als wichtigste Empfehlung: Nerven behalten! Warum soll man offene Brüche denn nicht schienen? Ich hätte gedacht, das wäre wichtig, damit der Knochen nicht noch weiter auseinander geht. Ich verstehe von solchen Dingen gar nichts. Da saß ich nun also mit dem Hamster. Ratlos. Der Hamster schien jammernde Geräusche zu machen. Das Knochenstück konnte nicht so bleiben, auch nicht eine Nacht. 
Ich habe eine ganz gute Nagelschere. Das Beinchen war eh schon schwarz und unbrauchbar. Ich holte die Nagelschere und zwickte das Knochenstückchen so weit unten wie möglich ab. In dieser Nacht würde er also sterben, dachte ich, als ich selbst zu Bett ging.
Am Morgen lebte er noch. Ich überlegte, ihn zum Tierarzt zu bringen, der könnte das Beinchen ordentlich amputieren. Lernen die Studenten der Veterinärmedizin überhaupt, wie man Hamster behandelt? Eine Bekannte von uns ist Kardiologin für Hunde, ungelogen. Ich wies meinen Sohn noch einmal darauf hin, dass mit dem baldigen Tod unseres geliebten Haustiers zu rechnen sei. P. begann darauf hin, Gilbert mit Knuspermüsli zu füttern, das er normalerweise wegen des Zuckergehalts nicht bekommt. Er sollte wenigstens noch einmal etwas Leckeres fressen. Und dann warteten wir. 
Das ist jetzt schon ein paar Tage her und er lebt immer noch. Heute früh sah er sogar ein bisschen besser aus. P. hat den Käfig schon eine Weile nicht mehr sauber gemacht, weil das für das Tier eine Riesenarbeit und ein Stress ist, denn er richtet danach immer wieder alles nach seinem Geschmack ein: er zerfetzt das Papier von der Küchenrolle und die Watte, die einfach so in seinen Käfig gelegt werden, und räumt sie in sein Häuschen und verteilt die Streu nach seinem Geschmack, er hat dann also richtig was zu tun. Heute wird mal wieder saubergemacht. Hoffentlich erholt er sich wieder.       

Donnerstag, 19. April 2012

Krise in Spanien: Die königliche Familie untergräbt die Moral des Volkes

Der Schwiegersohn des Königs steht vor Gericht, weil er mutmaßlich vermittels einer betrügerischen Stiftung 10 oder 20 Millionen Euro Steuergelder an sich gebracht hat. Die Leute, die ich kenne, gehen davon aus, dass er dafür nicht bestraft wird und auch nichts zurückzahlen muss. Der dreizehnjährige Enkel des Königs hat sich bei einem Wochenendaufenthalt bei seinem geschiedenen Vater mit einer Schusswaffe verletzt. Kommentar der Königin: "Jaja, so sind Kinder eben." Ich denke, dass bei anderen Familien das Jugendamt mal nach dem Rechten schaut, wenn sich ein Kind in Gegenwart seines angeblich rauschgiftsüchtigen Vaters in den Fuß schießt.
Und nicht zuletzt der König selbst, der sich in Zeiten, in denen die Arbeitslosigkeit auf die 25-Prozent-Marke zu marschiert und an allen Ecken und Enden gespart wird, auf Elefantenjagd in Afrika erwischen ließ. Die Sache kam nur deshalb ans Tageslicht, weil er dort nachts stürzte und sich die Hüfte brach. Gestern hat sich der König entschuldigt: "Es tut mir leid. Ich habe einen Fehler begangen. Es wird nicht wieder vorkommen." Heute früh fragte ein Radiosprecher: "Was tut ihm denn leid? Dass er sich nicht seiner motorischen Fähigkeiten vergewissert hat, bevor er sich morgens um vier auf den Weg zur Toilette machte?" Fand ich witzig. Eine Königsfamilie wird man noch schwerer los als einen Herrn Wolf oder Wulff oder wie hat der geheißen?

Freitag, 13. April 2012

Unsere italienische Terrasse

Wie an anderer Stelle gesagt: Ich nenne diese Terrasse nur im Geiste so. Was sollen denn sonst die Leute denken? "Hach, gegen Abend trinken wir dann ein Glas Rotwein auf unserer italienischen Terrasse ..." Neee, geht gar nich.
Sie heißt bloß so, weil sie aussehen soll wie aus dem Unopiu-Katalog, aber without the price tag. So, hier die vorher - nachher Bilder: 

Vorher

Nachher
 Ihr denkt jetzt womöglich: "Bah, die hat doch gar nichts gemacht außer die Gartenmöbel rausgestellt ..." Doch, ich habe gemacht, das sieht man nur auf den Bildern nicht: Brunnen ausgewaschen und aufgefüllt, Pumpe reingestellt,Terrasse gekehrt und geputzt, Möbel abgewaschen, weiße Dekosteine in die Pflanzkübel gelegt, etc., etc. Doch, doch, he?
Hier ein Blick von der italienischen auf die spanische Terrasse, die noch im Winterschlaf liegt:


Die spanische Terrasse heißt so, weil an der Wand dann bunte Keramikblumentöpfe mit Geranien aufgehängt werden. Das wird schön, Ihr werdet schon sehen.
Ja, ich gehöre zu den Leuten, die meinen, man könne gar nicht genug Terrassen haben. Ich kenne Leute, die meine Meinung teilen und die ihre Terrassen nach den Himmelsrichtungen benannt haben: Die Ostterrasse, die Westterrasse ... Massenhaft Terrassen zu haben ist echt sinnvoll: Auf der Ostterrasse kann man schön frühstücken, auf der Südterrasse kann man im Winter einen Liegestuhl aufstellen und ein paar Sonnenstrahlen genießen, für die Nordterrasse ist man im Sommer an sehr heißen Tagen dankbar, auf der Westterrasse ist es im Frühling und im Herbst nachmittags angenehm. Die Terrassen brauchen ja nicht luxuriös zu sein. Wenn ich neu bauen würde, würde ich zumindest Platz für Unmengen von Terrassen (mind. zwei, eine vorm Haus, eine hinterm Haus) vorsehen, die man dann im Laufe der Jahre, wenn man wieder ein bisschen besser bei Kasse ist, ausbauen kann. Unser Haus hatte ursprünglich nur eine Terrasse und die ist heute nicht einmal mehr eine Terrasse, sondern das Gartenzimmer. Gibt doch nichts Schöneres, als das Haus umzumodeln, oder? Falsch, ich lüge: Es gibt doch nichts Schöneres als das Haus erfolgreich umgemodelt zu haben. Mir graut es nämlich bei dem Gedanken, dass wir dringend und baldigst eine neue Küche brauchen.   

Mittwoch, 11. April 2012

Krise in Spanien - Noch ein Post zum Thema

Eigentlich wollte ich mich heute abend in die Couchecke kuscheln und bei Aktenzeichen XY wohlig gruseln. Aber dann kam heute nachmittag eine Freundin und erzählte, dass ihr Sohn entlassen worden sei. Er ist zwar kein Beamter, sein Job (Akademiker) war aber vermeintlich sicher. Seine Frau steht ebenfalls auf der Abschussliste, hat aber noch keine Benachrichtigung von ihrer Freisetzung erhalten. Die Kinder sind drei und fünf. Eine Hypothek gibt es natürlich auch.
Das hätte ich echt nicht gedacht, dass es diese Familie, die ich seit vielen Jahren kenne, treffen wird. Wer in Spanien in der gegenwärtigen Situation seinen Arbeitsplatz verliert, wird auf Jahre hinaus keinen mehr finden. Das Gruseln, das mich befiehl, war unwohlig und ich hatte dann gar keine Lust mehr auf Aktenzeichen XY.
Die mittlerweile allgegenwärtigen irrsinnigen Sparmaßnahmen zeitigen jedoch Erfolge: Heute stand in der Zeitung, dass es im vergangenen Monat 133.500 Handylinien weniger gab als im Monat zuvor. Es stand hier (nur damit Ihr wisst, dass ich mir diese Zahlen nicht aus dem Finger sauge),
http://economia.elpais.com/economia/2012/04/11/actualidad/1334133582_318511.html
wurde aber auch in den Radionachrichten erzählt. Präsident Mariano Rajoy und sogar Altpräsident Felipe González bestreiten heftig, dass Spanien in Bälde unter den Rettungsschirm schlüpfen wird. Das gewöhnliche Volk ist anderer Ansicht: "Nos van a intervenir."

Freitag, 6. April 2012

Ostervorbereitungen - Der Weg ist das Ziel

So, am Donnerstag habe ich mein Osterbrot gebacken. Der Teig war nicht fest genug, um einen Laib zu formen - obwohl ich vergessen hatte, Orangenmarmelade reinzutun. Anstatt mehr Mehl hinzuzufügen, entschied ich mich dafür, ihn in einer Form zu backen. Als ich ihn zum Abkühlen vor's Küchenfenster stellte, sah das neben den Primeln so süß aus, dass ich natürlich gleich ein Foto machen musste. Ich hatte jedoch ein bisschen Bedenken, ob ich das Ding gut aus der Form bringen würde. Ich habe da schon das eine oder andere "Desaster" erlebt. Aber ...


Er ging super aus der Form! Er sprang mir praktisch entgegen (ich hatte die Form sorgfältig mit Butter eingestrichen und mit Semmelbröseln bestreut, was aber auch keine Erfolgsgarantie ist).


Mit meinem Osterkranz aus demselben Teig (+ etwas Mehl) bin ich auch zufrieden:



Am Karfreitag, also heute, standen wir um acht Uhr auf. Als wir aus dem Schlafzimmerfenster schauten, erwartete uns folgender Anblick:



"Jo, ist denn schon We-ihnachten!" (Franz Beckenbauers Stimme). Es hatte geschneit! 
Eine weitere Osterprozession, eine der größten, die morgens um fünf hätte beginnen sollen (und fünf Stunden dauert), musste abgesagt werden, denn die kostbaren, alten Holzfiguren können natürlich nicht durch den Regen bzw. Schnee getragen werden. Und auch die Kleidung der Mitglieder der Bruderschaften, zu denen die berühmten hohen, spitzen Hüte gehören, ist nicht wettertauglich. Schade!

Wir haben dann mal begonnen, Eier zu bemalen. Das haben wir bisher:


Nicht so der Brüller, oder? Hier in Spanien gibt es mittlerweile nur noch braune Eier. Einen Teil hatte ich mit einer grünen Farbtablette gefärbt und erhielt dann dieses (ziemlich hässliche und unösterliche) olivgrün bzw. bundeswehrgrün. Das eine Ei wurde dann auch gleich in Tarnfarben gestaltet. Das findet am Sonntag keiner, hehehe. Rosa ist nicht ganz so schlecht, färbte aber auch nicht genug. Ich habe jetzt nochmal eine Ladung Eier in das kalte rosafarbene Wasser gelegt, darin sollen sie erstmal ein paar Stunden liegen, danach werde ich sie nach Vorschrift kochen. Mal sehen, wie das wird. Viel Spaß bei Euren Vorbereitungen!

Donnerstag, 5. April 2012

Krise in Spanien: Dörfliches Idyll II

Ich komme noch einmal auf das Thema Lädchen in unserer Siedlung in Spanien zurück, über das ich mich in meinem Eintrag vom 16. Februar ausgelassen hatte. Das Geschäft wird nun tatsächlich von einem chinesischen Ehepaar geführt. Uff, dazu gibt's soviel zu sagen. Ich hatte, wie im Februar geschrieben, nicht vor, dort wieder einzukaufen, weil es mir unangenehm ist, Leuten, die kein Hartz IV im Rücken haben, beim Scheitern zuzusehen. Ja, gut, dann brauchte ich irgendwann mal irgendwas und ging doch hoch. Die Vermutung, die mein Sohn P. geäußert hatte, dass nämlich die Chinesen (sie haben Namen, die möchte ich aber hier nicht hinschreiben) im Lagerraum hinter dem Geschäft leben, scheint sich zu bestätigen. Es ist eine Familie mit mehreren Kindern. Der Laden ist von 8 Uhr bis 23.30 Uhr geöffnet. Das Sortiment wurde zur Hälfte auf den für chinesische Läden üblichen Kram umgestellt. Ich unterhielt mich mit einer Freundin darüber und sagte: "Ich glaube, die Leute hier werden dieses Zeug nicht kaufen, die sind doch alle wohlhabend." Sie antwortete mir: "Die Leute verarmen so schnell ... viele hier haben schon Probleme." Als sie das sagte, musste ich an ein Rentnerehepaar denken, das ich persönlich kenne. Sie haben vier erwachsene Kinder, von denen nur eines, ein Arzt, arbeitet. Eines der Kinder hatte einen ganz tollen Job und die Eltern waren sehr stolz. Die Firma, bei der er arbeitete, ist pleite, er ist seit zwei Jahren arbeitslos, er hat selbst drei Kinder und eine große Hypothek zu schultern. Als Arbeitslosenunterstützung erhält er 426 Euro, sonst gibt's vom spanischen Staat nix. Die Rentner zahlen die Hypothek und den Lebensunterhalt der jungen Familie - und den der anderen beiden Kinder (nein, dies ist kein ungewöhnlicher Fall, solche Fälle gibt's hier wie Sand am Meer). Aus Gründen, die sich mir nicht erschließen, glauben sie, dass die Krise nächstes Jahr vorüber sein wird, aber was weiß ich schon.
Aber zurück zu den Chinesen: Es sind ganz liebe Leute mit ganz süßen Kindern. Lebensmittel verkaufen sie natürlich auch, sie haben aber keinen frischen Fisch mehr und nur abgepacktes Fleisch. Ich war mittlerweile schon mehrmals im Laden, hauptsächlich um frisches Brot zu holen. Am besten scheinen Tiefkühlpizzen (billiger als vom Pizzadienst und bis spät abends erhältlich!), Chips, Bier usw. zu gehen, Sachen also, die sich junge Leute holen, wenn Freunde zu Besuch sind oder die Mami oder die Haushälterin nicht genug vorgekocht hat. Sollte der Laden tatsächlich ein Erfolg werden??? Die Chinesen sind unendlich fleißig und wissbegierig. Da ich dem Mann erzählt habe, dass sie schon die fünften Pächter sind (das hatte ihm die Vermieterin vorenthalten), benutzt er mich nun als Informations-quelle. "Stimmt es, dass im Sommer viel mehr Leute hier in der Siedlung sind?" fragte er mich. Das hatte ihm auch die Vermieterin erzählt. Ich antwortete: "Im Sommer kommen viele Leute, aber von den Leuten, die das ganze Jahr über da sind, gehen im Sommer auch viele. Summa summarum sind es im Sommer nur wenige mehr." Letzten Sonntag, am Palmsonntag (ja, er hat auch sonntags geöffnet), kamen Leute mit Lorbeerzweigen (die hier anstatt Palmzweige verwendet werden) herein, um nach dem Gottesdienst frisches Brot zu kaufen. "Was hat es denn mit den Lorbeerzweigen auf sich?" fragte er mich. Ich erklärte es ihm. "Was ist denn nächsten Freitag los? Da ist doch irgendwas. Da darf ich auf keinen Fall Brot backen, habe ich gehört", sagte und fragte er. "Nächsten Freitag ist Karfreitag", erklärte ihm eine andere Kundin, "da darf man kein Brot backen und auch keins essen. Da ist nur einmalige Sättigung erlaubt. Früher haben am Karfreitag noch nicht einmal die Kühe auf der Weide gefressen!" Letzteres ist vielleicht ein bisschen übertrieben. Sollte es möglich sein, dass der Laden ein Erfolg wird??? Wer die Familie kennt, schließt sie ins Herz. Der Sohn trägt denselben Vornamen wie der Torhüter der spanischen Nationalmannschaft. Die Miete beträgt achthundert Euro. Kann nicht funktionieren, oder? 
Jetzt bitte nicht wieder denken: "Oh nein, die Hausfrau ist deprimiert." Nein, ich bin nicht deprimiert, überhaupt nicht, ich möchte nur schriftlich festhalten, was hier in Spanien abgeht. Und ich werde auch eine neue Kategorie für meine Einträge einführen, nämlich "Krise in Spanien".

Lustiger Wortwechsel

Mein Sohn D. fragt: "Meinst Du, ich sollte nächste Woche nach Portugal fahren?"
Ich antworte: "Nein."
D.: "Dann interpretiere ich das mal als ja."
Ich: "Was!?!"
Mit den Worten "Gut, das wär' dann jetzt geklärt" verlässt er den Raum.

Freitag, 30. März 2012

Der Generalstreik gestern in Spanien

(Es wurde beanstandet, dass meine Meinung zur Arbeitsmarktreform und dem dazugehörigen Generalstreik in meinem vorherigen Post nicht klar wird. Das mag daran liegen, dass ich keine bestimmte Meinung dazu habe. Ein Beispiel: Künftig können Mitarbeiter, die innerhalb von zwei Monaten neun Tage krank sind, entlassen werden. Das finde ich gut, weil das vielleicht die einzige Möglichkeit ist, unfähige und unwillige Leute mit diesen für Spanien typischen, praktisch unkündbaren Verträgen loszuwerden. Andererseits finde ich es schlecht, denn auch ansonsten gesunde, fleißige und willige Menschen können mal innerhalb von zwei Monaten neun Tage krank sein und dann einem Personalabbau zum Opfer fallen, während der unkündbare Unfähige weiter an seinem Sessel klebt, weil er nicht krank geworden ist. Also, ich wage nicht, mich da meinungsmäßig irgendwie festzulegen.) 
Was war gestern los? Wir fuhren so gegen 11 Uhr los, um uns mal umzuschauen und dies dann anschließend in meinem Blog festzuhalten. In unserem Städtchen war normalidad absoluta, alle Geschäfte waren offen, auf den Straßen waren genauso viele Leute wie immer. Dann fuhren wir weiter zu dem Einkaufszentrum, wo sich Leroy Merlin (Baumarkt), Mediamarkt usw. befinden. Alle Geschäfte waren offen, aber es waren sehr wenige Kunden da. Dann fuhren wir weiter durch ein Industriegebiet. Hier waren fast alle Betriebe offen, der TÜV funktionierte normal. Bei den wenigen geschlossenen Hallen, an denen nicht "Se vende", "Zu verkaufen", oder "Se alquila", "Zu vermieten", steht, ist es auch nicht so einfach, auf einen Blick festzustellen, ob die auch schon pleite sind oder streiken. Streikplakate oder ähnliches waren nirgendwo. Dann fuhren wir in die Stadt. Hier erwartete uns die erste Überraschung: an der Uni normalidad absoluta, die Studenten beteiligten sich überhaupt nicht am Streik. In der Innenstadt waren bis auf einen Thai-Massagesalon und ein Restaurant alle Läden offen ... naja, Läden offen ... hmhmhm ... hier haben soviele Geschäfte pleite gemacht und die Rollläden heruntergelassen ... es ist eine Tragödie. Wenn alteingesessene Geschäfte durch neue ersetzt werden, handelt es sich meist um Handyläden oder -erstaunlicherweise- Dessousgeschäfte. An den offenen! Geschäftstüren klebten Aufkleber mit dem Text "Cerrado por huelga", "Wegen Streik geschlossen". Diese Babberle waren anscheinend recht schwer zu entfernen, man sah nämlich viele halb abgekratzte. In der Innenstadt liefen auch viele Gewerkschafter herum. Wir sahen auch eine Demonstration der CGT, bei der auffallend viele Perroflautas dabei waren. Was ist ein Perroflauta (deutsch: Hundflöte)? Ich beschreibe Euch einen von unten bis oben: Er trägt schwarze Springerstiefel, seine langen, dünnen Beine stecken in eng anliegenden Hosen/Leggings, Farbe bevorzugt schwarz mit lila, der T-Shirt-Aufdruck hat was mit Hardrock zu tun, seine taillenlange schwarze Lederjacke ist völlig abgeschabt, sein halber Kopf ist rasiert, auf der anderen Hälfte wachsen lange Rastalocken. Die ganze Gestalt ist etwas schmutzig. Seine Gefährtin sieht ähnlich aus, aber ihre Beine sind dick und stecken in kaputten, schwarzen Nylonstrümpfen. Nur in Extremfällen haben Perroflautas tatsächlich Hunde dabei und spielen Flöte. So, wieder was gelernt (die Bezeichnung ist etwas abfällig, ich empfehle sie nur für den passiven Sprachgebrauch, also verstehen, aber nicht selbst benutzen). Die meisten Gewerkschafter waren jedoch Damen und Herren mittleren Alters.
Unserer Lokalzeitung habe ich entnommen, dass vor einem anderen Industriegebiet, das weniger Zufahrtsmöglichkeiten hat als das, das wir besucht haben, morgens Autoreifen verbrannt wurden, um die Leute daran zu hindern, ihren Arbeitsplatz aufzusuchen. Dass im öffentlichen Personennahverkehr soviel gestreikt wird, liegt nicht daran, dass Busfahrer besonders um ihre Rechte besorgt sind, sondern daran, dass Gewerkschafter aus anderen Sektoren morgens ins Busdepot gehen und die Leute am Losfahren hindern. Dies weiß ich nicht vom Hörensagen, sondern von beteiligten Personen. 
Eine Freundin, die einen Arzttermin hatte, war am Tag zuvor vom Gesundheitszentrum angerufen worden: "Falls die Türe zu ist und die Rollläden heruntergelassen sind, dann klopfen Sie, dann lassen wir Sie rein, es ist nur eine Vorsichtsmaßnahme wegen der Streikposten."
Summa summarum: In unserer Gegend wurde fast nur dort gestreikt, wo die Leute von den Gewerkschaftern dazu gezwungen wurden. An Streiktagen umkämpft ist immer das Kaufhaus El Corte Inglés. Gestern ist es den Streikposten gelungen, den hiesigen Corte Inglés dazu zu zwingen, 15 Minuten lang zu schließen. Das lässt Zweifel an der Streikbereitschaft der Mitarbeiter aufkommen. An den Demonstrationen nahmen jedoch viel mehr Menschen teil, als ich erwartet hätte.
Den Nachrichten habe ich entnommen, dass der Streik im Baskenland und in Katalonien ein Erfolg war, dass viele Menschen freiwillig streikten und die Demonstrationen sehr groß waren.
Eine eigene Meinung zum Thema habe ich nicht. Ich finde es genauso beschissen, wenn die Gewerkschafter die Leute am Arbeiten hindern wie wenn die Chefs ihre Mitarbeiter zwingen, zu erscheinen.    

Mittwoch, 28. März 2012

Der Generalstreik morgen in Spanien

Die spanischen Gewerkschaften haben für morgen, den 29. März, zu einem Generalstreik gegen die Reform des Arbeitsmarktes aufgerufen. Mit dieser Reform sollen unter anderem Entlassungen erleichtert werden. In Spanien liegt die Arbeitslosigkeit bei über 20 %, mehr als 5,3 Millionen Menschen sind erwerbslos. So schwer kann das Entlassen da ja nicht sein, sollte man denken. Der spanische Arbeitsmarkt ist aber, grob dargestellt, zweigeteilt. Festangestellte Arbeitnehmer kann man fast überhaupt nicht mehr loswerden, Arbeit Suchende sind schutzlos, um die geht es morgen auch gar nicht. 
Die Jugendarbeitslosigkeit liegt bei 50 %. Von den übrigen 50 % sind viele Praktikanten oder befinden sich in ausbeuterischen Arbeitsverhältnissen (60 Stundenwochen bei 600 Euro Monatslohn sind keine Seltenheit). Manche Eltern sind bereit, dafür zu bezahlen, dass ihre Kinder einen Praktikantenstelle bekommen, auf der sie Erfahrung erwerben können. 
Viele junge Familien wurden durch den Kauf einer Wohnung in Lebenssituationen gebracht, in denen sie praktisch Leibeigene der Banken sind. Ja, von Deutschland aus ist das schwer zu verstehen. Hier in wenigen Worten ein Erklärungsversuch: In Spanien ist es aus historischen Gründen üblich, dass die meisten Menschen nicht zur Miete, sondern in Eigentumswohnungen leben. Die Preise für diese Wohnungen sind jahrzehntelang unaufhaltsam gestiegen, in den letzten Jahren vor dem Platzen der Blase mit Geschwindigkeiten bis zu 20 % pro Jahr (grobe Zahlen aus dem Gedächtnis). Es war also ziemlich eilig und dringend, Wohnraum zu erwerben, da einem die Preise davonliefen. Durch den Euro waren die Hypothekenzinsen sehr niedrig, also, hinein ins Vergnügen. Familien mit einem Einkommen von 2 x 1000 Euro erwarben Wohnungen im Wert von 300.000 Euro. Und dann wurde einer von beiden oder gar beide arbeitslos. Mehr als 100.000 Wohnungen (in denen ja normalerweise mehr als einer lebt) wurden mittlerweile zwangsgeräumt und gingen zurück an die Banken. Die Banco de Santander hat in den Jahren von 2007 bis 2010 - man erinnere sich: in den Jahren der Bankenkrise - einen Gewinn von insgesamt 35 Milliarden Euro eingefahren (diese Zahl habe ich nachgeschaut). Darum geht es morgen aber auch nicht.
Langzeitarbeitslose erhalten Unterstützung in Höhe von 420 Euro. So wenig ist das doch gar nicht, werden nun die Leute sagen, die mit Hartz IV vergleichen. Bedenkt aber, dass es in Spanien kein Wohngeld und kein Kindergeld gibt. 420 Euro ist alles, was die Leute bekommen. Darum geht es morgen aber auch nicht.
Wer wissen möchte, wie es in den Jahren zuging, als in Spanien noch Party war und der spanischen Sprache mächtig ist, dem seien diese beiden Videos ans Herz gelegt, die zur besten Sendezeit im Fernsehen gezeigt wurden. Das erste heißt "Cuando éramos ricos", "Als wir reich waren", das zweite "Cuando éramos cultos", "Als wir gebildet waren". Hochinteressant. Die eigentlichen Videos sind 45 Minuten lang und beginnen nach gefühlten 10 Minuten Reklame und Vorschau.
Wenn die Hetzjagd auf Spanien beginnt (Bald? In ein paar Jahren?), werden die Deutschen mit Bildern wie in den Videos gezeigt berieselt werden, um zu belegen ... naja ... damit's halt alle wissen, so, wie wir alle wissen, dass die Griechen Renten für ihre Toten beziehen und die griechischen Lokführer dreimal soviel verdienen wie deutsche Piloten (oder so ähnlich) und überhaupt.
Korruption und Vetternwirtschaft sind große Probleme in Spanien. Diese kleine Korruption wie in Griechenland (wo, wie wir sicher mittlerweile alle wissen, "Fakelaki" an Hinz und Kunz bezahlt werden müssen) gibt es in Spanien nicht, aber Vorteilsannahme und persönliche Bereicherung am Volksvermögen im großen Stil ist überall, wo dies möglich ist, gang und gäbe. Und damit schließt sich der Kreis und wir sind wieder bei den Gewerkschaften und dem morgigen Generalstreik. Die Gewerkschaften haben im Jahr 2011 von der Regierung 175 Millionen Euro Subventionen erhalten (nachgeschaut). Ist das nicht ideal, wenn der vermeintliche Gegner vollkommen von einem abhängig ist? Wenn dann also übermorgen der Streik vorbei ist und alle wieder zur Tagesordnung zurückkehren (okay, vielleicht lenkt die Regierung bei ihrer Arbeitsmarktreform das vorher womöglich schon einberechnete kleine Bisschen ein), ist die Arbeit der Gewerkschaften wieder für eine Weile geschafft und um alles andere ging es ja sowieso nicht.

P.S. Diese kleine Anekdote, die auch im ersten Video zu sehen ist, möchte ich Euch nicht vorenthalten. Wie Ihr noch nicht wisst, aber zum gegebenen Zeitpunkt (Hetzjagd!) erfahren werdet, hat aus Gerechtigkeitsgründen jede spanische Provinz einen Flughafen, unter anderem auch Castellon in der Provinz Valencia mit seinen 180.000 Einwohnern (nachgeschaut!). Auf diesem Flughafen starten und landen keine Flugzeuge, unter anderem wohl auch deshalb, weil sich der Flughafen von Valencia in nur 50 Autominuten Entfernung befindet. Im März 2011 wurde er von Carlos Fabra, dem Regierungspräsidenten der Provinz Castellon (angeklagt wegen Vorteilsgewährung, Bestechung und Steuerdelikten (nee, deshalb wird niemand eingesperrt und da muss man auch nichts zurückzahlen (Teil des Problems!))) eingeweiht, wo bei dieser die folgenden Worte sprach (auf Spanisch natürlich): "Es gibt Leute, die sagen, wir wären verrückt weil wir einen Flughafen ohne Flugzeuge einweihen. Die haben nichts kapiert. Sechs Wochen lang können alle Bürger dieses Terminal besuchen und auf den Start- und Landepisten spazieren gehen, wenn sie dies möchten. Und das würden sie ja nicht können, wenn hier Flugzeuge starten und landen würden. Dies ist ein Flughafen für die Menschen." Nun ist ein Jahr 'rum und es ist immer noch ein Flughafen für die Menschen.
Hier könnt Ihr den entsprechenden Artikel lesen:
Da ich mich gerade in Spanien befinde, werde ich morgen mal losziehen und schauen, was los ist.

Montag, 26. März 2012

Ostervorbereitungen

Frühlingsdeko der Marke "Kost' nix": Blühende Blutpflaumenzweige
Nächsten Sonntag ist Palmsonntag! Der Weckruf/Warnschuss, der uns darauf hinweist, dass bald Ostern ist. Spätestens bis Gründonnerstag sollte der Frühjahrsputz vollendet sein und die Deko sollte stehen (Eier ausblasen, Tortilla damit machen, alten Dekokram vom Dachboden holen). Der Speiseplan ist schnell erstellt: Am Gründonnerstag gibt es bei uns traditionell Spinat mit Spiegeleiern und Kartoffen, am Karfreitag nach spanischer Tradition Potaje de bacalao (Kichererbseneintopf mit Fisch) http://www.mew1988.blogspot.com.es/2010/03/potaje-de-bacalo-y-garbanzos-oder.html,
Am Samstag gibt's den Rest des Eintopfs, am Ostersonntag ein Zicklein, das ich vorher auf dem Markt besorgen muss und das ich nach einem superguten und sehr einfachen Rezept meiner Schwiegermutter zubereiten werde. Backen möchte ich wieder das Osterbrot und den Osterkranz (ein Rezept für beides) aus dem Buch "Backvergnügen wie noch nie" aus dem Verlag Gräfe und Unzer. Ich backe dieses Rezept mit etwas mehr und verschiedeneren kandierten Früchten und gebe zusätzlich zum Zucker noch ein ganzes Glas Bitterorangenmarmelade hinzu, damit der Teig saftiger wird. Guuut! Dann müssen noch ein paar Schokoeier beschafft werden, für den Fall, dass uns der Osterhase vergisst. Aber als erstes steht der Frühjahrsputz an. Heute: Die Terrasse vorn (die Terrasse, die ich im Geiste gern "die italienische Terrasse" nenne, weil sie so aussehen soll, wie eine Terrasse aus einem alten! Unopiu-Katalog (bevor diese strengen, gradlinigen Möbel modern wurden).

Donnerstag, 22. März 2012

Supergute Muffins mit Möhren, Ananas und Nüssen


Hiermit verrate ich Euch mein bestes Rezept für Muffins bzw. Madalenas, wie man sie in Spanien nennt. Das ursprüngliche Rezept war ein amerikanisches Kuchenrezept, das ich ein bisschen an unseren Geschmack angepasst habe. Ich habe diese Muffins schon oft gebacken, auf vielfachen Wunsch auch für Feste, und sie waren immer ein Riesenerfolg. So, genug des Eigenlobes.
Die Menge ergibt ungefähr 40 Muffins, sie lassen sich sehr gut einfrieren (einfach außerhalb des Gefrierschranks wieder auftauen lassen) und natürlich auch Gästen mitgeben.
Für die Zubereitung dieses Gebäcks benötige ich 1 1/2 Tassen (275 g) Zucker, 2 Päckchen Vanillezucker, 1 1/3 Tassen (315 ml) Pflanzenöl (ich verwende 215 ml Sonnenblumenöl und 100 ml mildes Olivenöl (also solches ohne bitteren Nachgeschmack), 3 extra große oder 4 kleine Eier (Raumtemperatur!!!), 2 1/2 Tassen (350 g) Mehl, 2 Teelöffel Zimt, 2 Teelöffel Natron, 1 große Prise Salz, 1 Tasse Rosinen, 1 Tasse grob gehackte Walnüsse, 1 Pfund grob!!! geraspelte Möhren, 1 kleine Dose (236 ml) Ananas, Ananas fein hacken und wieder mit Saft mischen (nicht der Einfachheit halber pürieren, ich hab's ausprobiert, das wird nichts).
Ofen auf 170º Grad vorheizen und die Muffinpapierchen in die Muffinform legen.
Mit dem Handmixer Zucker, Vanillezucker, Öl und Eier schlagen, bis die Masse schön gelb ist. Mehl, Zimt, Natron und Salz darauf geben. Die trockenen Zutaten, die obendrauf liegen, vorsichtig mit einer Gabel mit einander mischen, bevor man sie mit dem Mixer mit den feuchten Zutaten darunter verrührt (so spart man die Schüssel, in der man eigentlich die trockenen Zutaten mischen müsste, denn das Natron darf nicht nass werden, bevor es nicht mit dem Mehl gemischt ist). Auf einem Teller mische ich die Rosinen mit den grob gehackten Nüssen und einem Esslöffel Mehl (damit sie im Teig nicht nach unten sinken). Die grob geraspelten Möhren und die fein gehackte Ananas mit dem Ananassaft unter den Teig rühren, dann die Rosinen und die Walnüsse ebenfalls zugeben. Gut mischen, aber nicht stundenlang rühren. In die Muffinförmchen füllen. Bei 170º Grad 25 bis 30 Minuten backen. Fertig.

Dienstag, 20. März 2012

2. Bloggeburtstag!

Ja, liebe Leser, gestern war der zweite Bloggeburtstag. Ich habe es mir mit einer schönen Tasse Kaffee gemütlich gemacht und will Euch jetzt ein bisschen berichten, ein bisschen Bilanz ziehen:


Also, wie fing alles an? Es fing damit an, dass ich gerne die Blogs anderer Leute lese und dass ich mir dachte: "Das will ich auch!" So. Am besten gefallen mir Blogs, in denen Hausfrauen enthusiastisch und immer positiv über ihre Erfolge berichten. Das wollte ich auch. Leider sind Enthusiasmus und immer positiv sein, wie ich feststellen musste, nicht mit meiner Persönlichkeit vereinbar. Schade.
Dann suchte ich ich mir Informationen: Wie baue ich mir einen Blog? Wichtiger Tipp: Beschränken Sie sich auf ein Thema, dass Sie besonders stark interessiert. Ja, gut, hätte ich machen können, z.B. ein Blog mit dem Thema Spanische Küche oder Alte Rezepte aus meiner Familie. Und dann z.B. jeden Freitag was hochladen, damit die Leser wissen können, wann sie was Neues finden. Aber da stellte sich mir schon die nächste Frage: Für wen mache ich eigentlich den Blog??? Um irgendwelche Leute zu erfreuen, die ich gar nicht kenne? Und die sich vielleicht abwenden und denken "Dieser Blog ist Scheiße". Nööö. Im richtigen Leben muss man sich ständig nach anderen Leuten richten, mein Blog ist mein kleines Reich, da mache ich, was ich will. Und wenn's keiner lesen will, dann ist mir das auch recht. Ich komme aus der Welt der Tagebuchschreiber, der Welt derer, die absolut keinen Wert auf Leser legen, im Gegenteil. Es macht mir Spaß, so vor mich hin zu schreiben, wenn's keiner lesen will ... so sei es denn.  
Das war dann geklärt: Ich schreibe, was mir einfällt, und verziere das Ganze schlicht mit ein paar amteurhaften Fotos.
Außer meinen engsten Angehörigen, denen ich ja erklären musste, warum ich das Mittagessen fotografierte, informierte ich nur drei Freundinnen, die sich unter einander nicht kennen, vom Blog, um ihre Reaktionen zu testen:
Nr. 1: "Ich wusste gar nicht, dass du so frustriert bist."
Nr. 2: "Nett."
Nr. 3: "Dein Leben ist ja echt langweilig."
Und dann wurde ich noch über die Mängel in Kenntnis gesetzt, die mein Blog im Gegensatz zu anderen aufweist und hörte den schönen Satz "Das kannst du nicht von mir verlangen, dass ich das lese." Verlangt ja auch keiner, ne?
Okay, damit war mir klar, dass ich das mit dem Blog besser für mich behalten sollte. Aber auch, dass ich schreiben konnte, was ich wollte: Kochrezepte, Hausrenovierung, Kommentare zur spanischen Krise, alles gemischt und wann es mir einfällt.
Weiterhin bekam ich zu hören: "Da fängst du wieder was an, was du nicht fertig machst!"
Was ist denn fertig, gell? Ich sagte, okay, einigen wir uns darauf, dass 40 Einträge "fertig" ist. Antwort: "Ich wäre schon überrascht, wenn du 12 Einträge zusammenbrächtest". Wir haben's mit heiligen Zahlen. Also, ich bin jetzt bei 159 Einträgen (dies ist der 160.) und damit auf jeden Fall "fertig".
Könnt Ihr Euch vorstellen, dass 358 Leute auf meinem Blog gelandet sind, die wissen wollten, was das Roche Bobois-Sofa Mah Jong kostet??? Ich kann sehen, welche Suchwörter die Leute eingegeben haben, die hier landen. Ich sehe nicht, wer's war, ich sehe nur das Suchwort. Die landen dann bei meinem Eintrag "Unser neues Sofa ist da!" vom 15. Dezember 2010, wo nur steht, dass wir probegesessen haben. Ich habe wirklich völlig vergessen, was das Ding kostet, ich kann mich nicht einmal mehr an die Größenordnung erinnern. Sobald ich es weiß, werde ich es hierher schreiben. Könnt Ihr Euch das vorstellen? Im Schnitt kommt jeden zweiten Tag jemand hierher in der Hoffnung, entsprechende Auskunft zu finden. Tipp: Dass der Preis im Internet nicht zu finden ist, bedeutet meiner Meinung nach, dass die Händler viel Freiheit bei der Preisgestaltung haben. Also: Handeln!!! 5-10 Prozent Rabatt müssten mindestens drin sein. IKEA-Preise stehen klar im Internet.
Um noch einmal auf das Thema Tagebuch zurückzukommen: Vor etlichen Jahren habe ich praktisch meine ganzen alten Tagebücher weggeworfen. Ich hob nur wenig auf, z.B. ein paar Zettel von wie ich ganz klein war. Ich konnte kaum schreiben, wahrscheinlich war ich gerade in der ersten Klasse, und beschwerte mich schon schriftlich bei mir selber darüber, dass meine Mama nicht oft genug Nudeln kochte. Als ich dann älter wurde ... wer alte Tagebücher besitzt und diese wieder anschaut, dem ist vielleicht dieses Gefühl vertraut: Man kennt diese Person, die da schreibt und die man selber ist/war, überhaupt nicht. Ich habe mal wo gelesen, dass nach sieben Jahren keine Körperzelle mehr dieselbe ist, vielleicht ist das mit dem ganzen Menschen so. Man denkt, ach, könnte ich dieser Person, die ich selber vor vierzig Jahren war, bloß sagen, dass sie sich nicht so viele Sorgen machen soll! Aber das geht natürlich nicht. Man würde das ehemalige Ich gern kennenlernen, mit ihm reden ... unmöglich. Das alte Ich ist ein ziemlich fremder Mensch, den man nicht kontaktieren kann. Leider, denn man könnte ihm soviel Gutes sagen.
Ja, ein paar Sachen habe ich aufgehoben, der Rest kam in die Tonne. Dafür brauchte ich Kraft, aber in jenem Moment, in dem sowieso große Veränderungen in meinem Leben anstanden, war ich Manns genug und ich habe es keine Sekunde bereut. Einmal wollte ich etwas nachschauen, anlässlich einer Reise, dann dachte ich: Ach, das habe ich ja weggeworfen. Und es war mir sowas von wurscht...
Ich selbst las meine alten Tagebücher nie, da mir, wie gesagt, die Schreiberin in manchem zu nahe, schmerzhaft nahe stand, in anderem zu fremd war. Und dann dachte ich mir: Unter welchem Umständen würde ich mir wünschen, dass jemand dieses Zeug liest? Und meine Antwort lautete: Unter keinen. Im Tagebuch stehen ja gerade die Sachen, die man nicht mit anderen teilen möchte. Also: In die Tonne damit.
Und jetzt bin ich eben älter, mit meinem persönlichen Kram mehr oder weniger im reinen, und habe kein Tagebuch mehr. Stattdessen einen Blog, wo ich auch jammern und wehklagen kann und Kochrezepte aufschreiben und den spanischen Immobilienmarkt beobachten und Veränderungen in Haus und Garten notieren ... ich bin zufrieden. Und wenn jemand vorbei kommt und liest und zufrieden ist, dann freut mich das von Herzen. Und dass hier immer noch nicht steht, was das Mah-Jong-Sofa kostet und dass die Leute, die "Hausfrauen heiß geil" eingeben, auch unverrichteter Dinge wieder abziehen müssen ... naja, ersteres wird vielleicht irgendwann behoben. Also, an meine Leser anlässlich des zweiten Bloggeburtstags viele Grüße und auf ein Neues!

Donnerstag, 15. März 2012

Tuna noodle casserole oder Thunfisch-Nudelauflauf

Dieses Gericht gehört seit sage und schreibe 32 Jahren zu meinem Repertoire!


 Mein Sohn D. hatte es sich heute wieder einmal gewünscht und wie immer hat es Begeisterungsstürme ausgelöst (So gut wie heute war es aber noch nie!!! Grins. Deshalb jetzt hier.) Mein Rezept für 4 Personen lautet wie folgt: 400 g Nudeln kochen und abgießen. 1 Päckchen holländische Soße nach Packungsaufschrift (mit halb Wasser, halb Milch) zubereiten, 200 g abgetropften Dosenthunfisch, 1/2 Tasse Milch, 100 g geriebenen Käse (z.B. Emmentaler) 1 Päckchen halbierte Oliven ohne Kern, 1/2 Tasse Zwiebelwürfelchen und 1/2 Tasse Mayo hinzugeben, alles mischen. Unter die Nudeln rühren. 20 Minuten bei 200º Grad im Ofen backen (für Eilige: 5 Min. in der Mikrowelle). Tja, das war's schon.
Warum war der Auflauf heute wohl besonders gut? Bei den Nudeln handelte es sich um dreifarbige Nudeln (die schwarzen sind mit Sepia-Geschmack!). Wer in Spanien ist: es war die Marke Hacendado von Mercadona. Und ich zitiere meine Esser: "Das sind die perfekten Nudeln für dieses Gericht!" Es war aber auch das erste Mal, dass ich diese Sorte verwendet habe. Beim Thunfisch handelte es sich um abgetropften Thunfisch in Öl, der Käse war Emmentaler, die Oliven, aha, die waren auch was besonderes, nämlich mit Anchovis gefüllte, die ich gedrittelt hatte ... alles andere war wie immer. Dazu gab's Kopfsalat mit Orangenstückchen.

Sonntag, 4. März 2012

Restaurant in London: J. Sheekey

Letzten Sonntag waren mein Gatte und ich im Londoner Restaurant Sheekey. Das Restaurant war uns wärmstens empfohlen worden. Eigentlich hatte wir schon für Samstag reservieren wollen, aber es war ausgebucht. Es ist ein "Seafood-Restaurant in the Heart of Covent Garden". Auch am Sonntag war es bis auf den letzten Platz besetzt. Und Überraschung, Überraschung, Überraschung in London: Das ziemlich große Restaurant war bis auf den letzten Platz mit weißen Engländern/Briten besetzt! Und Ihr wisst, wie selten man diese Menschen in größerer Zahl in London antrifft. Und dafür bedurfte es nicht einmal eines Türstehers. Also, wer ein Restaurant sucht, das keine Touristenfalle ist und in dem die Leute so aussehen, wie bei "Inspektor Barnaby" oder "Miss Marple", hier findet Ihr es.
Wir hatte ziemlichen Hunger, also bestellten wir uns als erstes einmal ein halbes Dutzend Austern, drei für jeden. Oh nein, werdet Ihr jetzt denken, diese Typen futtern dauernd Austern. Aber das stimmt nicht. Ich habe zwanzig Jahre lang überhaupt keine Austern gegessen. Als ich mit meinem zweiten Sohn schwanger war, habe ich nicht nur meine Küche niedergebrannt (zum Glück wohnten wir damals in einer Mietwohnung), ich holte mir auch noch durch Austern eine schlimme Lebensmittelvergiftung. Wir wohnten damals am Meer, ich hatte die Meeresfrüchte bei einer Fischhändlerin meines Vertrauens erworben, frischer ging's nicht. Und doch... Schwangere sollten echt keine Austern essen. Gar keine. Durch diesen Vorfall hatte ich mein Vertrauen in diese Tierchen verloren und zwanzig Jahre lang keine gegessen.
Nach den Austern bestellten wir das Weekend Lunch Menu. Mein Gatte hatte als Vorspeise Deep-fried Cod Chitterlings with sauce gribiche. Ich muss mal feststellen, was "chitterlings" sind, das Zeug war nämlich unglaublich gut. Erste Forschungen im Internet weisen darauf hin, dass es sich um die Eier eines männlichen Kabeljaus handelt (male cod roe). Frittiert. Ich habe selten so etwas Zartes, Leckeres gegessen. Was auch immer es gewesen sein mag, es zerging auf der Zunge. Ich hatte Marinade Salmon, shaved fennel, endive and blood orange salad. Auf dem Foto seht ihr meinen Nachbau in Abendessengröße. 

Mein Nachbau der Vorspeise in Abendessengröße
Bei Sheekey handelte es sich um Chicorée (ja, auch wenn oben Endivie steht), Blutorangenfilets, Fenchelstreifchen, Feldsalatröschen und Lachs. Der Lachs war für meinen Geschmack zu kompakt und zu salzig, die ganze Kombination war nichts Besonderes, aaauuußer der Kombination von Fenchel und Blutorangen, die war guuut. Also, mein Nachbau sah wie folgt aus (für zwei Personen): Ich machte eine Salatsauce aus zwei Esslöffeln Olivenöl, einem Esslöffel Apfelessig, einem Esslöffel Orangensaft, etwas Honig, Salz und Pfeffer. Davon nahm ich einen guten Esslöffel weg und legte meinen möglichst dünn aufgeschnittenen Räucherlachs hinein, auf dass er etwas Salz verlöre und besser zu den übrigen Zutaten passen möge. Dann legte ich für jeden einen Teller mit etwas Endivie aus. Die beiden Blutorangen schälte ich mit dem Messer, um auch die weiße Haut komplett zu entfernen, dann löste ich die einzelnen Schnitzen so aus, dass gar nichts Weißes mehr dran war (sieht schöner aus). Hier heißt es Obacht: Die Blutorangenschnitzen müssen von allem anderen ferngehalten werden, sonst färben sie es rot! 
So, Fenchel in dünne Streifchen schneiden, Salat putzen (ich hatte keinen Feldsalat und habe anderen genommen). Fenchel und Salat mit der Sauce mischen, eine Schicht auf den Chicorée geben, Lachsstreifchen drauf, Blutorangen drauf, restlichen Salat drauf, die restliche Sauce, die beim Lachs war, drüber gießen ... guuut!
Hauptgericht hatten wir beide dasselbe, nämlich Fillet of Sea Bass, Olive mash and ratatouille. Das war ein Filet vom Loup de mer, in der Pfanne ordentlich gebacken. Es lag auf Kartoffelbrei... von Olive war da nichts zu schmecken, es war aber ein ordentlicher Schuss Sahne dran ... und auf Ratatouille, die ebenfalls anders war, als ich sie mache. Bei mir hat sie viel Flüssigkeit, in die man schön sein Brot tunken kann. Die bei Sheekey war so, als wäre sie - mit viel Olivenöl - so lange in der Pfanne oder im Ofen gebraten worden, bis die ganze Flüssigkeit verschwunden war, das schmeckte auch sehr gut. Also, das Hauptgericht war nicht weiter der Rede wert. 
Dann kam der Nachtisch: Mein Gatte hatte Cornish Fudge & Clotted Cream Ice Cream with Shortbread, das war eine Art Sahneeis mit Toffee, eine ziemliche Menge und sehr lecker. Ich hatte was ganz was Gutes: Steamed Yorkshire Rhubarb Sponge mit custard. Der steamed Pudding war ein super saftiger kleiner Kuchen, der wohl irgendwie in irgendeinem Dampf (steam!) gewesen war. Darauf befand sich eingekochter Rhabarber. Dazu wurde eine dicke, köstliche Sahnesauce mit echtem Vanille gereicht. Guuut! Nachdem ich ungefähr die Hälfte gegessen hatte, konnte ich nicht mehr.
Was haben wir für diese Fressorgie hingelegt? Mit zwei großen Flaschen Mineralwasser und zwei Bier ziemlich genau 100 Pfund.
Als wir aufstanden, waren wir pappsatt.
Wenn wir uns in dieser Gegend befinden, gehen wir normalerweise noch gerne in einem der Buchläden an der Charing Cross Road stöbern. Dort gibt es Geschäfte, die gebrauchte Bücher verkaufen, und schöne Filialen von Foyles und Blackwell's. Nach diesem Essen war uns nicht danach. Wir liefen weiter und mussten beide feststellen, dass wir uns überfressen hatten. Die Austern, die frittierten Fischeier, der in Butter gebackene Fisch, der angereicherte Kartoffelbrei, die sahnige Nachspeise... überrascht es jemand? Ja, wir sind nicht mehr die Jüngsten, wir vertragen nicht mehr so viel Fett. War aber gut. Wir fuhren dann gleich nach Hause und machten ein Mittagsschläfchen. Ist das Restaurant empfehlenswert? Hmhm, ja. Ist es für Familien mit kleinen Kindern geeignet? Ich habe am Sonntag keine kleinen Kinder gesehen und ich denke auch nicht, dass es das ideale Restaurant für kleine Kinder ist, aber unwohl fühlen werden sie sich dort auch nicht - und die Chitterlings werden sie bestimmt lieben! Würde ich wieder hingehen? Dagewesen, abgehakt, würde ich sagen, aber Ideen mitgenommen, nämlich den Salat (siehe oben) und meine Nachspeise (noch nichts diesbezügliches unternommen).

Donnerstag, 16. Februar 2012

Krise in Spanien: Dörfliches Idyll

Die Siedlung, in der sich unser Häuschen in Spanien befindet, ist eigentlich ein richtiges Dörfchen, wenngleich die ältesten Häuser erst dreissig Jahre alt sind. Es gibt eine Kirche, eine Kneipe, eine Apotheke ... und ein Lebensmittelgeschäft und das Lebensmittelgeschäft ist es, von dem ich Euch heute erzählen will. Es ist ein kleiner Laden, soll er mal 80-90 Quadratmeter haben, der sich bis vor etwa acht Jahren (schätz' ich jetzt mal so, es können auch zehn oder sieben gewesen sein) im Besitz einer tüchtigen Geschäftsfrau befand. E. und ihre Familie führten ihren Laden ausgezeichnet, zu ihrem Nutzen und zum Nutzen ihrer Kunden. Sie brachten den besten Fisch, gutes Fleisch und schöne Früchte vom Grossmarkt und es machte Spass, im Laufe des Vormittags zu ihrem Laden zu spazieren, dort mit ziemlicher Sicherheit Bekannte zu treffen, mit denen man ein bisschen schwatzen konnte, und sich von ihr beraten zu lassen. Wenn man nicht wusste, was man kochen sollte ... E. wusste immer Rat: "Schau mal, was für einen schönen Fisch ich habe!" oder "Warum machst du nicht mal eine gefüllte Hühnerbrust?" Wenn man nicht wusste, wie man etwas zubereiten sollte, erklärte sie es einem schnell. Man konnte sich die Einkäufe nach Hause bringen lassen, man konnte sogar anrufen und seine Bestellung durchgeben und bekam ruck zuck alles gebracht. 
Ein Jahr war unsere Siedlung an Sylvester eingeschneit. Im Laufe des 31. Dezembers hatte es angefangen zu schneien und nicht mehr aufgehört. Wer zu einer Party in die Stadt wollte, musste zuhause bleiben. E. liess an jenem Abend ihren Laden bis um 22 Uhr auf, damit man noch Sachen für eine Feier daheim kaufen konnte. So clever war sie, so gingen die Jahre ins Land. 
Natürlich kaufte ich nicht alles bei ihr, denn ihr Laden war nicht gerade billig. Um nicht zu sagen er war teuer. Ich kaufte also haltbare Sachen in einem grossen, recht weit entfernten Supermarkt und frische Sachen in unserem kleinen Lebensmittelgeschäft. 
Nun kam es aber so, dass der Fortschritt auch in unserer abgelegenen Gegend Einzug hielt. Ein grosser Supermarkt machte in der Nähe auf. Der Umsatz des Lädchens ging zurück und damit auch die Qualität der Waren. Einmal hatte ich eine halbfaule Paprika in meinem Einkaufskorb. "Was soll denn das?" fragte ich, "Warum hast du mir denn die gegeben?" "Soll ich sie selber essen?" war die Antwort. So etwas vergisst man nicht. Bald darauf bekam ich ein Pfund faule Erdbeeren. Danach ging ich kaum noch hin und schliesslich schloss der Supermarkt. Das war aber nicht weiter schlimm, denn mittlerweile hatten wir auch einen Aldi in der Nähe, dann kam ein Mercadona ... wir wurden von Supermärkten praktisch umzingelt. Gut.
Rasch mal hoch sprinten, wenn ein Ei fehlte, oder gemütlich hoch spazieren und ein frisches Brot kaufen, das gab es nicht mehr. Man kann nicht alles haben.
Nach kurzer Zeit übernahm eine andere Familie das Lebensmittelgeschäft: Die Mutter, eine Schwägerin der Mutter und der Sohn, der an der Kasse stand. Obwohl diese Leute nett waren und versuchten, E.'s Tradition fortzuführen, war es nicht dasselbe. E. hatte ihnen erzählt, dass man mit dem Lädchen viel Geld verdienen konnte - und das hatte auch lange Zeit gestimmt, aber diese Zeit war vorbei. Der Laden war meist leer, es machte keinen Spass mehr, dort zu kaufen. Die neue Familie tat, was sie konnte und machte den Laden dann wieder dicht. 
Dann kam eine Frau, die ich mal die Tussi nennen will, die sich ganz doll was einbildete, weil sie eine Geschäftsfrau war. Ich suchte den Laden immer seltener auf. Die Waren in den Regalen wurden auch immer weniger. Und weniger. Eines Tages sagte ich zur Tussi: "Warum machen Sie den Laden denn nicht einfach zu?" Sie erklärte mir, dass sie irgendeine Subvention zurückzahlen müsse, wenn sie den Laden nicht mindestens zwei Jahre hätte. Nach zwei Jahren schloss sie die Türen endgültig.
Dann kamen die Zahnlosen. Die Zahnlosen waren natürlich nicht wirklich völlig zahnlos, ich nenne sie nur so, um in meinem Gedächtnis Ordnung zu halten. Es handelte sich um einen Mann und eine Frau, denen je der eine oder andere Zahn fehlte. Sie hatten den Laden angeblich für ihren Sohn übernommen, damit der eine Beschäftigung hätte. Der wurde aber nie gesehen. Die Beiden waren so ungepflegt ... nachdem sie mir einmal mein Fleisch aufgeschnitten hatten, ging ich nicht mehr hin. Wie lang hatten die den Laden? Weiss nicht, ein paar Monate.
Dann kamen die Portugiesen. Ein Vater übernahm das Lebensmittelgeschäft, um seine vier arbeitslosen Kinder in Lohn und Brot zu bringen. Könnte mir eigentlich wurscht sein, aber eines der Kinder war ein guter Freund von einem meiner Kinder und ich wusste, dass es sich um sehr liebe Menschen handelte. Also kaufte ich wieder dort ein. Das Mädchen, das den Fisch filetieren sollte, hatte noch nie zuvor Fisch filetiert und Fisch kunstvoll filetieren kann man nicht in fünf Minuten lernen. Auch nicht in einer Woche. Macht nix, man muss ihnen halt Zeit geben. Ich versuchte, Reklame für den Laden zu machen, forderte Freunde auf, doch mal wieder dort einzukaufen. Eine Bekannte sagte: "Weisst du, ich will, dass die Leute so schnell wie möglich Pleite machen. E. knöpft ihnen für diese alten, heruntergekommenen Geschäftsräume jeden Monat 1200 Euro ab. Das gönne ich ihr nicht." Wow. So hatte ich die Sache noch nie betrachtet. Es machte aber Sinn, denn neben dem Supermarkt hatte sich einst ein Zeitschriftenladen befunden, den die Besitzerin auch geschlossen hatte, weil E. ihr horrende Mieten abverlangte. Nun steht er schon seit Jahren leer. Okay, von meiner Familie alleine konnten die Portugiesen auch nicht leben. In den Frischetheken lagen immer weniger Waren. Einmal kam ich hoch, da lagen nur ein Fisch, ein frisches Hähnchen und etwa ein Pfund Hackfleisch in den Fisch- und Fleischtheken. Echt. Hinter der Theke stand mit traurigem Gesicht die Mutter. Wenigstens dauerte die Agonie nicht sehr lange. Und zu. 
Dann war erst mal Ruh'. Gut. 
Ich hoffte, dass der Laden nicht wieder aufmachen würde, weil mir die Leute leidtun, die sich Hoffnungen machen und womöglich ihr Herzblut an das Geschäft hängen. Andere hofften, dass der Laden nicht wieder aufmachte, weil sie E. für eine unverschämte, unsägliche Abzockerin hielten und ihr die Mieteinnahmen nicht gönnten. Wie dem auch sei ... nach gut einem Jahr hat er wieder aufgemacht!!! Angeblich führen ihn jetzt Chinesen. Ich habe mir vorgenommen, nicht hinzugehen. Vielleicht sind es liebe Chinesen, die ich ins Herz schliessen würde und dann tut es mir leid, wenn sie in den Ruin getrieben werden. Das will ich mir ersparen. Aber auch wenn es unsympathische und unverschämte Chinesen sind, tun sie mir leid. Der Gedanke, dass sich Menschen Hoffnungen machen, sich voller Vorfreude in die Arbeit stürzen, weil ihnen jemand den Bären aufgebunden hat, dass mit dem alten Lädchen Geld zu verdienen sei ... 100 Euro Miete wären echt genug, Ihr müsstet mal den Zustand des Ladens sehen. Naja, jetzt bin ich erstmal in England, da kann es mir eh' egal sein. Am Anfang werden zumindest aus Neugier ein paar Leute hingehen. Eine Nachbarin sagte: "Die Chinesen können mit allem Geld verdienen." Ich meine, mit einem Laden, in dem niemand einkauft, können auch Chinesen kein Geld verdienen.

Freitag, 10. Februar 2012

Speed Dating

Wie Ihr wisst, befinde ich mich zurzeit in London. Gestern war ich in einem Laden und als ich an der Kasse bezahlte, fragte mich die Kassiererin, ob ich Lust hätte, an einem Speed Dating teilzunehmen. Ich wusste gar nicht, dass es das tatsächlich gibt. Ich kannte das nur aus amerikanischen Filmen: Je ein Mann und eine Frau (wenn es sich um Heten handelt) sitzen einander gegenüber und haben 10 Minuten Zeit, um sich ein bisschen kennenzulernen und um festzustellen, ob sie möglicherweise zu einander passen oder nicht. Dann wird zur nächsten Person gewechselt. Sehr, sehr interessant, gell? Wie hoch ist da wohl die Wahrscheinlichkeit, dass man auf einen Menschen trifft, der tatsächlich zu einem passt? Meine allgemeinen Beobachtungen im Leben haben mich (fast fünfzig) gelehrt, dass Männer deutlich weniger anspruchsvoll sind als Frauen. Männer wollen praktisch das Gleiche, was sie schon seit Anbeginn der Menschheit wollen. Seit man um's Feuer sass und Speerspitzen schnitzte, hat sich da nix geändert.
Frauen wollen jemanden, der ihnen zu hört. Ich, zumindest. Stellt Euch mal vor, man sitzt mit dem Typen beim Speed Dating und der steht auf und sagt: "Ich geh' mir mal schnell ein Bier holen. Red' du ruhig weiter, ich höre dich auch von der Theke aus." Nee, nee, nee. 
Persönliche Interessen: Er kann ruhig seltsame Hobbys haben, aber er muss sie alleine pflegen können. "Das Höchste für mich sind Geländemärsche bei rauem Wetter und ich freue mich schon, wenn du dann immer dabei bist."Oder: "Oh, was wird das schön, wenn wir dann jeden Samstag gemeinsam am Angelsee sitzen!" Nee, nee, nee.
Er muss denken, dass ich nett bin und ein wertvoller Mensch. Er muss mich gut finden. "Naja, die tut's" tät's bei mir nicht. 
Das sind, glaube ich, Sachen, die für alle Frauen gelten.
Ich hätte dann noch folgenden Wunsch: Bildung. Ich mag es, wenn Leute gescheit und gebildet sind. Ist für eine kurze Affäre natürlich nicht erforderlich, langfristig aber schon. Friedrich Nietzsche verstand die "Ehe als langes Gespräch", alles andere in einer Beziehung sei transitorisch, meinte er. Ich finde auch, dass man möglichst viel haben sollte, worüber man quatschen kann. 
Sonderpunkte gäb's, wenn jemand dasselbe Hobby hätte wie ich.
Aussehen: Mit dem Aussehen ist es so eine Sache. Man hat da bestimmte Vorstellungen, aber dann lernt man jemanden kennen, der völlig anders aussieht und der gefällt einem dann auch, z.B. weil er einem zuhört oder weil er einen wertschätzt. Und selbst ist man ja auch nicht gerade das Mass aller Dinge, zumindest ich nicht.
Kohle: Ob der andere Kohle hat oder nicht, finde ich nicht so wichtig, da ich anspruchslos bin und mich in der Lage sehe, selbst genug ranzuschaffen für das, was ich brauche. Im Leben geht es so oft auf und ab. Was nützt einem der grösste Reichtum, wenn man eine schlimme Krankheit bekommt oder sonst unglücklich ist?
Ach ja, das noch: Da ich selbst ein ziemlicher Trauerkloss bin, würde ich mich über einen fröhlichen Menschen freuen. 
Jeder hat halt andere Prioritäten. 
Hingegangen zum Speed Dating bin ich natürlich nicht. Ich weiss nicht, was mein Gatte dazu gesagt hätte.

Montag, 30. Januar 2012

Spanischer Wintersalat - Ensalada de escarola y granada


Friséesalat mit Granatapfelkernen ist in Spanien im Winter sehr beliebt. Bei Mercadona wird der Salat (escarola) frisch, geputzt und gewaschen in einer Tüte angeboten,  die Granatapfelkerne gibt es ebenfalls fertig vorbereitet in einem Plastikschälchen zu kaufen. Was will man mehr? Wenn einem diese praktischen Produkte nicht zur Verfügung stehen, muss man den Salat halt selber putzen und die Kerne aus den Granatäpfeln holen (halbieren oder vierteln und Kerne rauspulen, kein Problem). Salatsoße: Salatsoßen sind nicht meine starke Seite. Ich bin seit fünfundzwanzig Jahren Hausfrau, aber die Kunst der Vinaigrette hat sich mir nie so recht erschlossen. Zurzeit mache ich meine Salatbrühe wie folgt: Ich gebe 2 Teelöffel sehr guten Honig, den uns ein befreundeter freilaufender Imker geschenkt hat, mit 2 Esslöffeln frisch gepresstem Orangensaft oder gewöhnlichem Orangensaft oder Wasser in eine kleine Flasche und stelle sie kurz in die Mikrowelle, damit der Honig flüssig wird. Dann gebe ich 1/2 Teelöffel Dijon-Senf und 1 Teelöffel von meiner hausgemachten Gewürzmischung, die ich am 12. September 2011 beschrieben habe, dazu. Ich vervollständige die Vinaigrette mit 3 Esslöffeln Champagner-Essig und 8 Esslöffeln sortenreinem Arbequina-Olivenöl. Alles vom Feinsten, es soll nichts unversucht bleiben beim Streben nach bestmöglichem Salat. Die Menge reicht ungefähr für 10 Portionen; was ich nicht gleich brauche, verwende ich an den folgenden Tagen. Eine Himbeer-Vinaigrette wäre vielleicht auch gut dazu ... naja, ich wollte nur den Tipp mit dem Friséesalat und den Granatapfelkernen geben, denn diese Kombination ist prima.

Samstag, 28. Januar 2012

Brownies - ausführliches Rezept

Ich habe heute mal wieder Brownies gebacken. Das Rezept habe ich vor Jahren von einer Backschokoladenpackung abgeschrieben. Es ist lecker, ganz einfach und hat den Vorteil, dass man außer dem Backofen, der Mikrowelle und einem Kochlöffel keine Geräte braucht und nur eine Schüssel schmutzig macht. Man benötigt 200 g Backschokolade, 125 g Butter, 200 g Zucker, 2 Eier, 250 g Mehl und 100 g grob gehackte Walnüsse und geht wie folgt vor: Ofen auf 160º Grad vorheizen. Flache Form mit Backpapier auslegen.
Nun müssen Butter und Schokolade ge- und verschmolzen werden. Mit diesem Ziel zerteilt man die Schokolade grob und gibt sie mit der Butter in eine Schüssel. Dann erhitzt man beides vorsichtig und kurz in der Mikrowelle. Wenn die Hitze zu stark ist oder die Mischung zu lange in der Mikrowelle steht, wird die Schokolade bröselig und eklig, alles schon da gewesen, also vorsichtig. Lieber zwischen durch, so nach 45 Sekunden, mal umrühren.  Man hat nun eine  homogene, dick-flüssige Schokoladensoße/-pampe, in die man den Zucker rührt. Die Eier werden in einer Tasse leicht geschlagen und kommen ebenfalls dazu und werden untergerührt. Dann geht's ans Mehl, das ebenfalls untergerührt wird. Wer keine grob gehackten Walnüsse hat, sondern diese selbst hacken muss, tut dies mit einem großen Messer auf einem großen Schneidbrett. Alle Nüsse auf einen Haufen, Messer in Schneidposition bringen, Messerspitze mit der linken Hand in Position halten und nicht schneiden, sondern immer rauf und runter über die Nüsse fahren. Als wär's ein Papierschneider, wie dieses Gerät, mit dem die Fotografen Passfotos auseinander schneiden. So. Nüsse auch noch unter den Teig mischen. Teig browniehoch in die Form geben (der Teig geht nicht auf, ist ja kein Backpulver drin). 20 bis 22 Minuten backen, rausholen, auch wenn die Brownies noch nicht fertig scheinen (so stand's im Rezept und meine Erfahrung bestätigt die Richtigkeit dieser Empfehlung). Abkühlen lassen, in Rechtecke schneiden. Fertig. Einfacher geht's kaum noch, oder? 
Heute begab es sich nun aber in meiner Speisekammer, dass unter der Tafel Schokolade, als ich sie hochhob, eine Packung getrocknete Aprikosen lag. Hm. Ein Zeichen, ein Wink? Hm. Ich hackte 100 g Trockenaprikosen ... Hier haben sich in letzter Zeit auch etwa 10 Packungen Cranberries angesammelt. Wisst Ihr, wie das geschah? Cranberries gab es ja früher in Deutschland oder Spanien überhaupt nicht. Wer sie wollte, musste sie aus den USA mitbringen oder sich mitbringen lassen. Jetzt sieht man sie manchmal in Läden. Okay, ich sah sie beim Aldi. Heh, toll, gleich mal drei Packungen mitgenommen. Dann sah ich sie in einem anderen Laden. Heh, toll, gleich mal zwei Packungen mitgenommen. Usw. Anscheinend gibt's die jetzt überall. Ich benutze sie hauptsächlich für den schnellen Salat, den ich in meinem Eintrag vom 10. Dezember 2010 beschrieben habe. Kurz und gut: Ich hackte auch noch 100 g Cranberries und gab sie mit den Aprikosen zusammen an den Teig. Ich backte den Teig fünf Minuten länger als üblich. Foto siehe oben. Ein Riesenerfolg bei meiner Familie! Saftiger als sonst. Und natürlich auch eine Idee gesünder, wenn man im Zusammenhang mit Plätzchen überhaupt das Wort "gesund" in den Mund nehmen darf. Enjoy! 

Mittwoch, 25. Januar 2012

Immobilien in Spanien: Festhalten, jetzt geht es richtig abwärts

So, liebe Leser, wie bin ich mal wieder auf das Thema Immobilien gekommen?
Ich bin bei einem der in unserem Ort noch verbliebenen Maklerbüros vorbei gekommen und friki wie ich bin musste ich natürlich ins Schaufenster schauen und alle Angebote betrachten. Dabei entdeckte ich eine (Mini-)Wohnung (50 Quadratmeter) in unserer Siedlung zum Preis von 59.000 Euro. Ich war mir ganz sicher, diese Wohnung im Internet für -ja, Leute, lest und staunt - deutlich über 100.000 Euro gesehen zu haben. Zuhause vergewisserte ich mich rasch und tatsächlich, auch im Internet war der Preis herabgesetzt worden, nämlich auf 98.000 Euro. Aha. Interessant. Die in Rede stehende Wohnung, deren Preis sich anscheinend im freien Fall befindet, hat einen riesigen Nachteil: Sie liegt im ersten Stock neben einer Apotheke und die Apotheke hat ein superhelles, grün leuchtendes Apothekenschild, das direkt in die Wohnung scheint. Ach, so hell kann das gar nicht sein, werdet ihr jetzt denken. Doch, Leute. Eine genaue Wattzahl kann ich Euch natürlich nicht nennen. Wieviel Watt oder Lux hat denn die Flutlichtbeleuchtung im Bernabeu-Stadion? So ungefähr dürft Ihr Euch das vorstellen. Aber in Grün.
Okay, also, Immobilienpreise in Spanien. Erst das Allgemeine: Derzeitige Fallgeschwindigkeit: 6,4 % per annum. Seit dem Höchststand im Jahr 2007: - 28,5 %. Diese Zahlen stammen von der Website http://www.fotocasa.es/. Hier ein Link zu ihrem Jahresbericht für 2011 für Interessenten, die der spanischen Sprache mächtig sind oder die einfach mal die Zahlen auf sich wirken lassen wollen:
Und wie geht es unseren Versuchstierchen? Vom Haus in unserer Straße, das ich am 8. April und am 22. Juli 2011 besprochen habe, gibt es, wie erwartet, nichts Neues. Gähn. Die Fabrik der Besitzer hat Pleite gemacht, aber das wisst Ihr ja schon.
Bei den Reihenhäusern, denen ich meinen Blogeintrag vom 14. Oktober 2011 gewidmet habe, gibt es was Neues: Nachdem der Preis von 345.000 auf 245.000 Euro gesenkt wurde, sind sie nun ganz aus dem Internet verschwunden. Was kann das bedeuten? Zum Beispiel, dass die Bank die Häuschen übernommen hat. Seit meinem Eintrag vom Oktober ist jedenfalls keins verkauft worden. Spanische Logik einer Bekannten, nein, ich schreibe SPANISCHE LOGIK, denn das ist einfach etwas, was in der Welt nicht seinesgleichen hat: "Dem Bauunternehmer ist es wurscht, ob er diese Häuschen verkauft oder nicht, der hat nämlich noch über 100 in Malaga zum Verkauf stehen, da gleicht sich das aus." Hallo??? Wenn man die spanische Logik in Sachen Immobilien wissenschaftlich untersuchen möchte, welche Disziplin würde man wohl damit betrauen? Die Wirtschaftswissenschaften? Die Psychologie? Oder gleich die Psychiatrie?
In der Überschrift habe ich geschrieben: "Jetzt geht es richtig abwärts". Warum meine ich das? 
In unserem Ort liegt der Quadratmeterpreis von Neubauwohnungen, die hauptsächlich von den Banken auf den Markt geworfen werden, sage und schreibe 340 Euro unter dem Quadratmeterpreis von Altbauwohnungen!!!, die von Privaten angeboten werden. Was das für die Privatanbieter bedeutet, kann sich jeder selbst ausmalen. 
Zusammenfassend: Es kracht im Gebälk.
P.S.: Ich schreibe so fröhlich darüber, aber ich muss Euch sagen, die Entwicklung in Spanien ist beängstigend.

Montag, 23. Januar 2012

Entspannendes Viertelstündchen


Heute Abend ist bei uns der Strom ausgefallen. Eine Viertelstunde lang, von 20.15 Uhr bis 20.30 Uhr. Das war sooo entspannend. Wir sitzen immer noch da, wo wir uns hingepflanzt hatten, nachdem wir die Kerzen an unserem Leuchter (siehe oben) und noch ein Dutzend Teelichter angemacht hatte. Zuerst dachte ich: naja, da schau' ich halt bei Kerzenlicht fern ... aber das ging ja nicht! Man konnte nichts machen. Die Kinder, die sich mitten in der Prüfungszeit befinden, konnten nicht lernen (kein Licht in ihrem Zimmer). Überraschenderweise klingelte unser einziges nichtschnurloses Telefon: eine Nachbarin, die fragte, ob wir auch kein Licht und kein Wasser hätten. Das mit dem Wasser hatten wir gar nicht bemerkt, stimmte aber. Wir saßen also zum Nichtstun verurteilt im Kerzenschein. Schön! Wir hörten gute Musik vom I-Pod (ganz konnten wir es halt doch nicht lassen ...). Mein Sohn sagte. "Das müsste man häufiger machen." Stimmt.
In dem Haus, in dem wir in New York wohnten, lebten auch viele Juden, von denen manche sich streng an den Sabbat hielten. Das bedeutete unter anderem, dass sie an diesem Tag keine elektrischen Geräte ein- und ausschalten konnten. Auch nicht den Herd (es gibt programmierbare Herde, die zur vorgesehenen Zeit das im Topf auf der Platte befindliche Essen heiß machen, ohne dass man einen Schalter betätigen muss). Sie durften auch die elektronischen Zugangskarten, die man in Abwesenheit des Doormans verwenden sollte, um ins Haus hinein oder aus dem Haus hinaus zu gelangen, nicht benutzen. Da gab's ein bisschen Zoff und es mussten zusätzliche mechanische Schlösser installiert werden. Alle Samstage ohne Handy, Computer, Fernseher etc. Nicht schlecht, oder?
Naja, jetzt haben wir wieder Strom und um 22.15 Uhr kann ich in aller Ruhe das "Dschungelcamp" gucken.