Mittwoch, 11. Juni 2014

II. Wir waren wo - und zwar in Sevilla


Ja, liebe Leser, wir waren wo, und zwar in Sevilla. Am Samstag früh fuhren wir los, am Dienstag früh fuhren wir zurück. Am Dienstag mittag waren wir in Mérida, aber davon erzähle ich Euch (vielleicht) ein anderes Mal. 
Ich war von Sevilla positiv überrascht. Wir waren vor der Hitze gewarnt worden, das Wetter war aber sehr angenehm: um dreißig Grad, aber in den engen Gassen war überall Schatten, es wehte ständig eine leichte Brise, es gab sehr viele Brunnen, auf den breiteren Straßen stehen massenweise Orangenbäume (tooolll, es sind nämlich keine gewöhnlichen Orangenbäume. Die Früchte riechen wunderbar, ein bisschen wie Mandarinen. Ich habe mir ein paar Kerne mitgenommen, die ich in die Erde stecken werde. Mal sehen, was daraus wird. Leute, wie muss es hier erst duften, wenn die Bäume blühen!) Kennt Ihr das berühmte Lied von Los del Río (das sind die von "Macarena") Sevilla tiene un color especial (Sevilla hat eine besondere Farbe)? Das stimmt auch. Mein Gatte fragte mich, was mir in Sevilla am besten gefallen hätte und auch nach längerem Überlegen konnte meine Antwort nur lauten: Die Farbe des Himmels und die Palmen und Gärten davor. Sevilla hat wirklich ein besonderes Licht.
Okay, fangen wir an mit dem, was wir gesehen haben: Auf dem ersten Bild seht Ihr die berühmte Kathedrale und ihren Glockenturm, ein ehemaliges Minarett.
La Giralda
Das zweite Bild zeigt den Blick vom maurischen Palast Reales Alcázares zurück zur Giralda. Wunderschöne Gebäude, Palme, Himmel, vielleicht wird hier ein bisschen deutlich, was ich meine.

Und hier ein Blick in die andere Richtung, in die traumhaften Gärten der Reales Alcázares. Hier kann man sich vorstellen, wie Prinzen und Prinzessinnen an heißen Tagen zwischen üppigen Pflanzen lustwandelten, begleitet vom Murmeln der vielen Brunnen... Du meine Güte, wenn es eine Stadt gibt, die zum Entspannen einlädt, dann ist es diese!
Unterhalb des Palasts befand sich dieses Gewölbe, das sich in der Zisterne spiegelte. Sieht es nicht beinahe verwunschen aus?
Das haben wir auch im Garten des Palastes gesehen. Was ist es? a) ein Dinosaurierfuß; b) ein besonders schwerer Fall von Elephantiasis; c) mal wieder meine Fußzehen; d) ganz was anderes
d) ganz was anderes, nämlich Baumwurzeln, hahaha.
Blick auf den Innenhof des Hotels Alfons XIII. Wir nahmen dort eine Erfrischung zu uns. Ein Hamburger oder ein Sandwich mit allem Pipapo kostet dort so um die zwanzig Euro. Dafür bekommt Ihr Genuss pur. Es ist ein herrlicher Ort. In den Ecken stehen schöne Pflanzen, in der Mitte sprudelt ein Brunnen. Habe ich schon erwähnt, dass Sevilla eine Stadt ist, die extrem zum Ausruhen einlädt?
Weiter geht's im Park María Luisa. Dort gab es diese schönen, gekachelten Bänke (und gekachelte Geländer und also mögliche sonstige Gekachelte).
Und Pferdekutschen...
Wir entschieden uns aber für eine Fahrt auf einem Fahrrad für sechs Personen (mein Bruder mit seiner Gattin und seinen zwei Kindern, mein Gatte und ich, je zwei in drei Reihen, das Ganze überdacht, 30 Minuten = 20 Euro). Leute, wir haben so gelacht auf dieser Fahrt... Wir fuhren flott dahin, da war plötzlich vor uns ein Zweierfahrrad (nebeneinander sitzendes romantisches Pärchen). Mein Bruder und mein Gatte fühlten sich bemüßigt, die beiden zu überholen und traten heftiger in die Pedale. Das war an sich schon lustig. Wir fuhren dann wieder gemütlich weiter, plötzlich kam von hinten das Pärchen angebraust, überholte uns heftig gestikulierend und raste davon. Was sich bei den beiden zwischen dem Moment, als sie von uns überholt wurden, und dem Moment, als sie zu rasen begannen, abgespielt hat, können wir nur erahnen. 
Die Kathedrale haben wir nicht nur von außen angeschaut, sondern auch von innen. Sie ist riesig! Falls Ihr hinfahrt, plant viel Zeit ein! In der Kathedrale befindet sich auch die Grabstätte von Christoph Kolumbus. Siehe unten. Schön, ne?
Die Giralda, den Turm der Kathedrale, kann man besteigen. Einen Aufzug gibt es nicht, aber auch keine Treppenstufen. Man erklimmt den Turm auf Rampen. Von oben hat man eine wunderschöne Aussicht, z.B. auf die Dachterrassen von Sevilla...
und die Stierkampfarena, in der wir eine Führung mitmachten, spanisch und englisch. Ich setzte mich auf einen Platz in dem Bereich, in dem die Herzogin von Alba normalerweise Platz nimmt.
Blick von oben auf das Dach der Kathedrale:
"Und zu Futtern gab's nix?" werdet Ihr Euch spätestens jetzt fragen. Am ersten Tag aßen wir die andalusische Spezialität Tortillitas de Camarones, auf die sich mein Gatte sehr gefreut hatte. Das sind kleine Pfannkuchen mit Krabben. Sie sehen so ähnlich aus wie Kartoffelpfannkuchen und sind leeecker!!! Dazu gab es noch Pescaditos fritos, frittierte Fischchen, ebenfalls eine andalusische Spezialität. Abends gönnten wir uns eine gemischte Platte Montaditos, das sind kleine, belegte Brote. Die meisten waren mit den in Spanien üblichen Belägen versehen, z.B. Olivenöl, Tomatenmus und Schinken, Mayo und Thunfisch, usw. Ein Montadito ragte aber heraus: Süße Kondensmilch (vom schon häufiger erwähnten Typ "Milchmädchen") und Anchovis!!! Und das war guuut! Man sollte es nicht glauben, nicht wahr, klingt total beschissen, aber... Und natürlich verleibte ich mir auch einen Teller Salmorejo ein, das ist eine kalte Suppe/ein Püree aus Tomaten, Brot, Olivenöl, Essig, Knoblauch und Salz. Ich muss gestehen, dass ich gelegentlich das fertige Salmorejo von Mercadona kaufe, das sehr gut ist. Ich lege dann einfach nur noch ein hartgekochtes Ei in Scheiben und ein paar Streifchen Serrano-Schinken obendrauf und fertig.
Ich habe in Sevilla auch ordentliche Lammkotelettchen gegessen, verhungern muss dort keiner, aber Ihr wisst ja, wie das ist mit dem Essen in Touristengegenden, mal hat man Glück, mal nicht so. Ach übrigens, was ich Euch noch nicht gezeigt hatte: Unser Hotelzimmer!
Im Hotel "Europa" in der Calle Jimios. Zentraler geht's nicht. 55 Euro die Nacht, ohne Frühstück, plus 17 Euro pro Nacht für das sehr enge Parkhaus. Wenn Ihr ein großes Auto habt, rate ich von diesem Parkhaus ab. Gutes spanisches Frühstück mit guter Bedienung gab's gleich, wenn man rauskommt, rechts um die Ecke, in der ersten Gaststätte. Übrigens: Ich wollte das Hotel im Internet reservieren, rief dann aber an, um wegen der Parkmöglichkeiten zu fragen. Ich wurde gefragt, für wie viel ich das Zimmer im Internet buchen würde. Ich sagte "Für 65 Euro". Daraufhin bot mir meine Gesprächspartnerin das Zimmer 10 Euro billiger an. Bloß, dass Ihr's wisst. In Frankreich ist mir allerdings auch schon das Gegenteil passiert, nämlich dass ich beim Hotel buchen wollte und dann darauf hingewiesen wurde, dass es im Internet 10 Euro billiger sei.
Ein Ausflug führte uns in das Stadtviertel Triana auf der anderen Seite des Flusses Guadiana. Dort stießen wir auf die Werkstatt eines Herrgottschnitzers! Triana ist nicht nur als Heimat von Toreros, Flamencosängern und Seefahrern berühmt (der Typ, der als Erster "Tierra!!!" gerufen hat, als Amerika entdeckt wurde, war Rodrigo de Triana), sondern auch für seine Keramikwerkstätten. Ich wollte mir dort Kacheln mit einer Muttergottes drauf für eine Wand im Hof kaufen, aber ich habe nicht genau das gesehen, was ich wollte, also kam ich mit etwas anderem zurück, nämlich mit einer Tortillaplatte und bunten, fröhlichen Keramikschälchen für die Knabbersachen für die Fußballweltmeisterschaft, die ja morgen beginnt. Ich werde Euch noch Bilder davon zeigen.
Das Bild unten zeigt den Goldturm, den Torre de Oro, den man besonders gut von den Brücken oder vom Fluß aus sieht (eine Bootsfahrt haben wir natürlich auch gemacht).
So, und auf dem letzten Bild seht Ihr die Kathedrale bei Nacht, aufgenommen von der Dachterrasse eines Hotels aus, auf der wir uns ein paar Erfrischungen gönnten. Drinks auf Dachterrassen, das hat sowas Erhabenes, stimmt's? Es ist etwas ganz Besonderes (für uns zumindest, es war erst unser zweites Mal).
Und das war's auch schon mit meinem Reisebericht. Nein, ich habe wichtige Sachen vergessen: wir haben auch die "Esperanza de Triana" und den "Jesús del Gran Poder", zwei der wichtigsten Figuren der Prozessionen der Karwoche gesehen. Wenn ich da jetzt auch noch was dazu schreiben würde, würde es zuviel. Also, zusammenfassend meine ich, dass Sevilla auf jeden Fall eine Reise wert ist, wobei man die Sommermonate sicher meiden sollte.

Montag, 2. Juni 2014

I. Wunderschönes Wort gefunden: Rügeobliegenheit

Heute ist mir dieses wunderschön klingende Wort begegnet: Rügeobliegenheit. Ja, ich muss Euch gestehen, ich kannte es vorher nicht. Ich zitiere die Bedeutung aus Wikipedia: "Beim Handelskauf trifft den Käufer die Obliegenheit, die Ware unverzüglich zu untersuchen und, wenn er Mängel feststellt, diese zu rügen. Unterlässt er dies, verliert er v.a. sein Recht auf Gewährleistung." Zu Deutsch: Wenn man etwas kauft, muss man gleich schauen, ob es okay ist, später kann man nicht mehr reklamieren. So verstehe ich es wenigstens. Genaueres findet man im § 377 des Handelsgesetzbuches (nicht gelesen). Es geht ja auch nicht um die Bedeutung des Wortes, sondern um seinen Klang: Rügeobliegenheit. Es gibt auch die Mängelrügeobliegenheit, die finde ich aber ein bisschen too much.  
Leider, leider kann ich mir keine Alltagssituation vorstellen, in der ich dieses Wort verwenden kann. Schade. Oder doch? T-Shirt gekauft, zu Hause festgestellt, dass eine Naht nicht richtig geschlossen ist: "Ich sollte meiner Rügeobliegenheit nachkommen!" Geht doch, oder? Ah, die Freude an den kleinen Dingen des Lebens, wie zum Beispiel schöne Wörter.

Freitag, 30. Mai 2014

Bevor ich mit den zehn positiven Blogeinträgen beginne, hier noch eine traurige Nachricht aus den Reihen der Spanienblogger

Ja, der letzte Eintrag im Spanien-Blog http://auswandern-nach-spanien.blog.de/ ist erschütternd. Der Autorin Karin geht es sehr, sehr schlecht. Ich kenne Karin nicht persönlich, sondern nur als langjährige, gelegentliche Leserin ihres Blogs. 2007 zog sie mit ihrem Mann Jochen nach Spanien. Die beiden mussten aber aus gesundheitlichen Gründen nach fünf Jahren nach Deutschland zurückkehren.
Ich begann zu lesen, weil mich ihre Abenteuer in Spanien interessierten, blieb ihnen aber auch nach ihrer Rückkehr treu, weil ich den positiven, netten Blog mochte. Karin kocht toll, präsentiert toll (schaut Euch auf ihrem zweiten Blog "Schlemmertour" diese aus einer Erbeere geschnitzte Rose an: http://schlemmertour.blog.de/2014/04/06/erdbeeren-geschnitzte-rosen-18174041/), sie dekoriert schön, hat schöne Pflanzen usw. Und jetzt diese schlimme Nachricht. Hoffentlich glaubt Karin an einen Himmel, wo sie diejenigen wiedersieht, die ihr vorangegangen sind, denn dieser Gedanke ist enorm trostreich.

Donnerstag, 29. Mai 2014

Bevor ich mit den zehn positiven Blogeinträgen beginne (die römische Nummern tragen werden)

Von links nach rechts und von oben nach unten:
die neue Lesebrille vom Optiker, die vorletzte (Aldi, hat die Farbe verloren, Reinigung in der Geschirrspülmaschine),
die andere neue vom Optiker, Ihr ahnt es schon: die klappbare
und im Vordergrund die aus der Apotheke.
Die komischen Flecken auf dem Bild sind die Geranien der spanischen Terrasse, die sich auf der Tischplatte spiegeln.
Liebe Leser, ich hatte Euch zehn positive Blogeinträge hintereinander versprochen und schon nach dem zweiten habe ich schlapp gemacht! Buuuh! So eine Gedankenlosigkeit. Und das nur, weil ich das mit der demographischen Entwicklung und den Folgen der Pest so interessant fand. Echt, hey. Gute Neuigkeiten gibt's von der Lesebrillenfront. Stand zum heutigen Tag: 2 neue Brillen vom Optiker, klappbare Brille in einer Handtasche gefunden, vorletzte Brille wiedergefunden (war mir im Auto aus der Hosentasche gefallen), 1 Brille aus der Apotheke, 1 Brille ohne Bügel fortgeworfen. Also 5 im Ganzen. Und das soll jetzt auch eine Weile so bleiben! Der Optiker bzw. die Optikerin, es war eine Frau, hat mir gesagt, ich soll mir diese billigen Brillen vom Aldi etc. nicht kaufen, da ich fast eine ganze Dioptrie Unterschied zwischen den Augen hätte (2,25 und 3) und zusätzlich Astigmatismus. Also beauftragte ich sie mit der Anfertigung zweier Brillen, wobei es auf die zweite beträchtlichen Rabatt gab (beide zusammen um 100 Euro). Da ich eine ganze Woche auf die Brillen warten musste, kaufte ich mir in der Zwischenzeit eine in der Apotheke (2,5 Dioptrien, 25 Euro). Also, die Brillenversorgung ist jetzt wieder für eine Weile gesichert. Die beiden guten vom Optiker sollen nach Möglichkeit immer daheim bleiben, denn das Haus verliert nix, haha.
Das mit dem Kettchen an der einen neuen Brille, hmhmhmhmhm, das ist noch ein bisschen gewöhnungsbedürftig. Ehrlich gesagt finde ich es nicht so toll, wenn mir die Brille auf dem Busen hängt, gerade bei der Hausarbeit, also schob ich sie mir auf den Rücken (ich weiß, ich weiß, das macht kein Mensch, und ich weiß auch, wieso) und vergaß sie dort. Bis ich mich mit Schwung auf's Sofa fallen ließ. Da stört mich was, da stört mich was, dachte ich mir und drückte mich tiefer in die Kissen. Bis es mir einfiel: Die Brille!!! Naja, Qualitätsware, sie hat es unbeschädigt ausgehalten. Jetzt schiebe ich sie mir wieder in die Haare, so, wie andere Frauen ihre Sonnenbrillen. Sonnenbrillen benutzte ich überhaupt nicht. Ich bin kein Freund davon. Ich besitze eine einzige, zum Autofahren, die sage und schreibe über dreißig Jahre alt ist (Ray Ban!). Ich setze sie auf, wenn ich bei Sonnenuntergang gen Westen fahre. Da ich nicht so oft bei Sonnenuntergang gen Westen fahre, ist sie noch wie neu. Wenn ich aber bei Sonnenuntergang gen Westen fahre, ist sie phantastisch und extrem nützlich.
Ohne mehr für heute...

Dienstag, 20. Mai 2014

Immobilienpreise in Spanien - langfristige Entwicklung

Heute habe ich in der spanischen Online-Zeitung El Confidencial einen ziemlich interessanten Artikel zum Thema Entwicklung der Immobilienpreise gelesen. Naja, so interessant war der Artikel auch wieder nicht, aber einer der angesprochenen Punkte war Hammer!, wie die jungen Leute sagen:
Hier ist der Link: hier klicken. S. McCoy hat den Artikel verfasst. Er trägt den Titel (übersetzt) "Warum sich der spanische Wohnungsmarkt nicht erholen wird". McCoy zitiert aus einem Artikel in der Financial Times, nämlich diesem: hier klicken oder nicht, man muss sich nämlich anmelden, um zu lesen. Ich übersetze mal rasch, was in beiden Artikeln steht: Nach Angaben des spanischen Instituts  für Statistik INE wird in den Jahren zwischen 2013 und 2023 die Anzahl der Einwohner Spaniens zwischen 25 und 29 Jahren um 28,07 Prozent zurückgehen, die der Menschen zwischen 30 und 34 um [sage und schreibe] 39,56 Prozent, 35 bis 39 um 37,14 Prozent und 40 bis 44 um 15,62 Prozent.
Und das sind ja die Altersgruppen, die normalerweise Wohnungen kaufen. In der Financial Times heißt es weiter, dass die Einwohnerzahl Spaniens zum letzten Mal vor 650 Jahren in vergleichbarer Weise gesunken sei, nämlich in Zeiten der Pest. Wahnsinn, ne? Das war's, was ich so beeindruckend fand, die demographische Entwicklung mit der Pest zu vergleichen. Wobei der riesengroße Unterschied natürlich darin besteht, dass bei der Pest die Leute starben und in unserer heutigen Zeit wurden sie gar nicht erst geboren. Und die FT fügt hinzu, dass die Zahlen nicht in allen Altersgruppen so schlecht sind, die Anzahl der Menschen zwischen 95 und 99 wird nämlich um 104 Prozent steigen. Haha, oder?
Vor Jahren habe ich mal in Spanien im Radio gehört, dass es ziemlich genau doppelt so viele 32-Jährige gibt wie 16-Jährige. Ich kann Euch sogar ungefähr sagen, wann das war, einer meiner Söhne war nämlich damals 16. Es war vor 8 Jahren. Also gibt es heute doppelt so viele 40-Jährige wie 24-Jährige. Dieses Zahlenverhältnis hat mich damals so beeindruckt, dass ich es mir bis heute gemerkt habe.
Weiterhin geht die Zahl der Bewohner Spaniens zurück, weil Einwanderer, z.B. aus Lateinamerika, das Land wieder verlassen und die Opfer einer Jugendarbeitslosigkeit von über 50% auch zum Teil ihr Heil woanders suchen. Ob die Kombination dieser Faktoren wohl Einfluss auf die Entwicklung der Wohnungspreise haben wird? Nööö, ne? Geht doch schon wieder aufwärts.

Freitag, 16. Mai 2014

Das Menü anlässlich der 1. Hl. Kommunion

Zuvor noch eine lustige Bemerkung des Kommunionvaters an seine Tochter: "Dein Sündenzähler steht jetzt auf null. Bitte sorge dafür, dass das eine Weile so bleibt!" Haha, fand ich witzig, das hatte ich noch nie gehört.
Also, das Wetter war am letzten Sonntag sehr gut. Um 12.15 Uhr war der Gottesdienst, der schön gestaltet war. Es gab zwölf Kommunionkinder. 
Als Bubenmutter und Friseurtochter fand ich die Kleider und Frisuren der Mädchen etwas schlicht. Meine Tochter wäre in Locken, Spitzen und Blümchen ertrunken!!! Aber vielleicht sind es ja auch die Kinder selbst, die sagen: "Ach, Mutti, ich will's nicht ganz so arg."
Anschließend waren wir in einem Park, wo massenhaft Fotos gemacht wurden. Das Kommunionkind mit einzelnen Gästen, das Kommunionkind mit seinen Gästen in verschiedenen Kombinationen, wobei bei sechzig Gästen die Kombinationsmöglichkeiten endlos sind. Als A. es leid wurde, wurde sie darauf hingewiesen, dass es Filmstars jeden Tag so geht, dass sie sich mit Hinz und Kunz fotografieren lassen müssen. Da posierte sie wieder bereitwillig. Ah, da fällt mir folgende Geschichte ein: Wir waren einmal abends spät auf dem Flughafen Madrid Barajas, der jetzt Adolfo Suárez heißt. Ist schon ein paar Jahre her. Wir saßen in einer ruhigen Ecke auf einer Bank und langweilten uns. Meine Söhne liefen herum und kamen plötzlich aufgeregt zurück: Wir saßen Rücken an Rücken mit dem spanischen Fußballstar David Villa!!! Und hatten es nicht bemerkt!!! Heftiges Getuschel, das kann er doch gar nicht sein, warum sollte der da sitzen, der wäre doch bestimmt in einem VIP-Bereich. Ich drehte mich vorsichtig um, das Etikett seines T-Shirts hing heraus, Größe M, der Gigant des runden Leders ist im richtigen Leben überraschend schmächtig. Ich widerstand der Versuchung, das Etikett reinzuschieben. Ist er's oder nicht? Auf dem Bildschirm liefen Sportberichte und wie es nicht anders sein konnte, erschien nach kurzer Zeit auch ein Interview mit ihm. Er trug dieselben Ohrringe wie der Typ, mit dem wir Rücken an Rücken saßen. Wow!!! Er war es tatsächlich. Er saß da einfach so und langweilte sich. Meine Söhne fragten ihn, ob sie sich mit ihm fotografieren lassen könnten, einer rechts, einer links. Er sagte ja und wir machten zwei Fotos. Die einzigen Promifotos, die wir haben. Wir sehen sonst nie berühmte Leute.  
So, und jetzt zurück zur Kommunion. Schnallt Euch an, es wird ernst: Um 14.15 kamen wir im Hotel an und durften an Tisch 1 sitzen.
Da es ziemlich heiß war, wurden als erstes Erfrischungsgetränke gereicht. Dann kam die erste Vorspeise:
1. Iberischer Schinken, Manchego-Käse
Dann die zweite:
2. Entenleberpastete auf einem Dattelbett
Dann die dritte:
3. Carpaccio vom Thunfisch mit Olivencreme
Und die vierte, von der ich ein Bild machte, weil ich dieses Gericht nicht kannte:
4. Gefüllte Seeigel (für jeden einen)
Die fünfte:
5. Gegrillte Meeresfrüchte
Anschließend ein Zwischengang:
6. Sorbet San Francisco
Dann kam der Hauptgang: 
7. Man konnte wählen zwischen einem Kalbssteak vom Grill, einer Kalbslende Jägerart, einem Kabeljau mit Kräuterkruste und einer Dorade vom Grill.
Dann kamen die Nachspeisen:
8. Stillleben von frischen Früchten 
9. Halbgefrorene Vanille-Haselnusstorte
Ja, das war der neunte Gang, zu dem es Sekt gab. 
Die halbgefrorene Torte war fünfstöckig, oben drauf stand eine Puppe von einem Kommunionmädchen. Unglaublich, nicht? Das Kommunionkind erhielt ein riesiges Schwert, um sie anzuschneiden. "Was soll ich denn mit diesem Schwert machen?" fragte sie ihre kleine Freundin, die neben ihr stand. "Hol' die Puppe herunter und hack' ihr den Kopf ab," empfahl die Freundin. Das war ernst gemeint. "Heute abend werde ich mit meiner Tochter ein ernstes Wort reden," sagte ihre Mutter. Hahaha. Denkt aber bitte nicht, dass die Kinder die ganze Zeit dabei sitzen mussten. Nee. Sie saßen an einem großen Tisch in der Mitte, hatten ein anderes Menü und einen eigenen Kellner, der auch auf sie aufpasste. Nach ihrem Essen wurden sie abgeholt und zusammen mit den Kindern von anderen Feiern in einem anderen Raum belustigt. Das war damals bei der Kommunion meiner Kinder auch schon so. Da wurden die Kleinen von Clowns abgeholt und woanders belustigt. Ich finde das sehr praktisch. Die Erwachsenen, bei denen es sich ja häufig um Leute handelt, die sich nur selten sehen, quasseln und quasseln ... die Kinder kommen dann irgendwann mit Luftballonfiguren o.ä. zufrieden zurück.
10. Anschließend gab es Kaffee.
Dann wurde zum Tanz in die Disko des Hotels eingeladen. Diese Möglichkeit wurde von den Kindern und Jugendlichen genutzt.     
11. Cocktails und - das fand ich interessant - Naschsachen wie Gummibären, Gummischlangen und Marshmallows und so.
So, das war's dann aber wirklich. Jetzt fragt Ihr Euch vielleicht, wie lange sich dieses Gelage hingezogen hat: Bis 20.15, also sechs Stunden. Anschließend gingen wir noch eine Weile mit der Familie in der angenehmen Abendluft spazieren, dann begaben wir uns zu Bett. Eine sehr gelungene Feier!

Mittwoch, 14. Mai 2014

Städtequiz

Es handelt sich um die spanische Stadt, die wir letztes Wochenende besucht haben.
1. Der erste Hinweis: Eine willkürlich ausgewählte Sehenswürdigkeit.
2. Die Stadt ist praktisch touristenfrei.
3. Ihr Patron ist der heilige Johannes der Täufer.
4. Das ist die Kathedrale von außen.
5. Und von innen:
6. Die Kathedrale wird nächstes Jahr 500 Jahre alt. Mein Gatte behauptet, dass sie nicht ausgemalt war, als er das letzte Mal drinnen war. Ich weiß nicht, ob diese Aussage belastbar ist.
7. Die Stadt hat keine international bekannten Söhne und Töchter.
8. Der spanische Nachrichtensprecher Pedro Piqueras kommt von dort.
9. Das alte Rathaus:
10. Es ist die spanische Messerstadt.
11. Der Hochgeschwindigkeitszug AVE hält dort.
12. Die berühmte Einkaufsgalerie:
Wer auf Mailand tippt, liegt falsch.
14. Eine Spezialität: Caracoles
Ja, die waren gekocht. Ja, wir haben sie gegessen. Ja, sie waren lecker.
15. Das Grand Hotel:
16. Die Stadt hat 170.000 Einwohner.
17. Ihr Name kommt aus dem Arabischen.
18. Übersetzt bedeutet er: Die Ebene
19. Sie liegt in einer sehr berühmten spanischen Landschaft.
20. Am 3. Januar 1971 wurden hier -24ºC (minus 24 Grad) gemessen.
Bitte beteiligt Euch per Kommentarfunktion am Quiz.

Dienstag, 13. Mai 2014

Die Gefahren des Internets

P.S.: (Ich schreibe das Postskriptum mal sicherheitshalber hier an den Anfang, bis zum Ende meines Eintrags liest sicher eh keiner.) Es wurde die Klage geäußert, dass ich immer so negatives Zeug schreibe. Hiermit verspreche ich, dass die nächsten zehn Einträge positiv werden, beginnend mit dem Quiz morgen. Küssli an alle Leser.
Blaue Sandalen, blauer Nagellack, schick, ne?
Dieses Foto hat meinen Gatten einmal mehr dazu bewogen, mich an die Gefahren des Internets zu erinnern und mir zu wiederholen, dass man auf keinen Fall persönliche Bilder hochladen soll.
Ich erzähle Euch: Wir waren dieses Wochenende zu einer Ersten Heiligen Kommunion in einer anderen spanischen Stadt eingeladen (vielleicht bald ein Quiz, bei dem Ihr raten könnt, um welche touristenfreie Stadt es sich handelt) und ich entschloss mich, mein dunkelblauweißes Kleid anzuziehen, zu dem diese Sandalen gehören. Meine Fußnägel sind in drei Schichten jeansblau metallic lackiert. Mir ist nämlich Folgendes passiert: Vor geraumer Zeit quetschte ich die Ecke meiner rechten großen Zehe, ich erspare Euch die Details, jedenfalls war der Nagel erst in schlechtem Zustand und ich hatte Angst, es wäre ein Nagelpilz, von dem ich gehört habe, dass man ihn nur sehr schwer wieder los wird, dann fiel er jedoch ab und wuchs wieder normal. Nachdem er gerade wieder schön war, fiel mir ein schweres Metallteil auf denselben Fußnagel, wonach er blutete. Ein schwarzer Fleck blieb zurück, der jetzt langsam rauswächst. Und um diesen abzudecken, brachte ich drei Lagen jeansblauen Metallic-Lack auf. Im Hotel machte ich aus Langeweile ein Bild von meinen Fußzehen und mein Gatte nahm dies zum Anlass für seine Ermahnung. Echt? Welche Gefahr soll denn von diesem Bild ausgehen? 
Bei der Familienfeier sahen wir auch meine Nichte, die guter Hoffnung ist. "Du musst unbedingt meine Facebook-Freundin werden," sagte sie zu mir, "auf Facebook dokumentiere ich die ganze Schwangerschaft und es gibt schöne Bilder, 4D-Ultraschall und alles." Ich habe kein Facebook, da meine Söhne, mein Patenkind und eine gute Freundin mir mitgeteilt haben, dass sie mich nicht als Freundin wollen. Die Jugend nicht, weil ich nicht alles wissen muss und meine Freundin nicht, weil ihre Facebook-Seite intellektuell sein soll. Aber das mit R.s Schwangerschaft hätte mich schon interessiert, ganz abgesehen davon, dass ich R. ziemlich gern mag. Auf der Heimfahrt ließ ich mir das mit Facebook durch den Kopf gehen. Ich hätte eine Seite mit meinem richtigen Namen und einem Foto. Dann könnten mich Leute von früher finden. Einerseits. Andererseits hat mein Gatte Angst, dass die Leute, die einen finden, dann irgendwas von einem wollen und diese Angst ist alles andere als unbegründet. Und mit den Leuten von früher ist es auch häufig so, dass man sich nicht mehr viel zu sagen hat, wenn man erst einmal das Thema "Was ist aus dir geworden?" abgearbeitet hat, und dann schläft die Beziehung gleich wieder ein, was traurig ist. Leute von früher, ein schwieriges Thema. Einmal hatte ich eine sehr gute alte Bekannte nach zwanzig Jahren zufällig am Telefon und mir kamen vor Freude die Tränen und ihr war's sooo wurscht. Peinlich. Dann erinnerte ich mich einmal (total positiv) an eine Freundin aus meiner Studienzeit und schwelgte eine Weile in meinen Erinnerungen und dachte mir: ach, google sie doch mal. Ich googelte sie und fand sie sofort. Sie ist ziemlich erfolgreich und arbeitet beim Fernsehen und als ich das sah, freute ich mich für sie. Ich rief sie an. "Was willst du von mir?" fragte sie mich. "Ich habe mich einfach an dich erinnert und wollte ein bisschen mit dir über die guten alten Zeiten schwätzen." "Ich habe keine Arbeit für dich," sagte sie mir. Ich war völlig verdattert. Die ganzen schönen Bilder in meinem Kopf verschwanden schlagartig. Unangenehm.        
Bei StayFriends bin ich angemeldet. Das ist der einzige Ort, wo ich im Internet zu finden bin. Ich bin aber kein Premium-Member und kann da nix machen, nur die Namen von Leuten von meinen alten Schulen sehen. Jemand von früher hat schon x-mal versucht, mich über StayFriends zu kontaktieren, ist aber zu geizig selbst die 20 Euro herauszuschwitzen, die es kosten würde, mich kontaktieren zu können. Das ist sooo typisch für diesen Arsch. Da sieht man, dass er sich in 30 Jahren nicht geändert hat. Dieser Typ war ein völliger Loser, auf den Frauen total abfuhren. Und die, die ihm gefiel, war ich, das war ziemlich schmeichelhaft. Aber der Spuk war rasch vorbei: Weltschmerz und Gedichte im Mondschein können eine wunderbare Sache sein, aber nicht am Tag vor wichtigen Klausuren.
Und dieser Typ will, dass ich jetzt eine Premium-Mitgliedschaft erwerbe, um die mutmaßliche Kacke zu sehen, die er mir schreibt. Interessiert mich nicht. Was aus ihm geworden ist, kann ich mir denken: Sicher ist er Gleichstellungsbeauftragter oder Traumtherapeut oder irgendwas bei den Grünen. Ich habe seinen Namen gegoogelt, ihn aber nicht gefunden. Wahrscheinlich hat er den Nachnamen seiner Frau angenommen. 
Nach diesen Überlegungen war das Thema Facebook für mich gegessen. Meine Kinder sind Facebook-Freunde meiner Nichte, vielleicht lassen sie mich ja bei Gelegenheit mal die Bilder angucken. Oder soll ich doch?????

Dienstag, 6. Mai 2014

Immobilienpreise in Spanien

Ja, obiges soll das Thema meines heutigen Blogeintrages werden. Aber zuerst: Loooiiite, ich habe meine vorletzte Brille verloren!!! Jetzt habe ich nur noch eine und bei der fehlt ein Bügel! Miiist! Wie ich bereits an anderen Stellen angedeutet habe (Uhr verloren, Handy verloren, anderes Handy verloren usw.), verliere ich einfach alles, was nicht an mir festgetackert ist. Heute war ich in der Stadt, auf der Bank (gleich mehr dazu) und für den Fall, dass ich irgendwas Gedrucktes lesen müsste, nahm ich meine vorletzte Brille mit. Ganz schlechte Idee, jetzt ist sie nämlich fort. Miiist!!! Als ich vor ein paar Jahren feststellte, dass ich ohne Sehhilfe nix mehr lesen konnte, schaffte ich mir mehrere Lesebrillen an (6 oder 7 Stück, in weiser Voraussicht alle von Aldi o.ä., außer einer, einer guten vom Optiker, weiß Gott, wo die ist), jetzt habe ich nur noch eine, bei der ein Bügel fehlt. Eine andere, die winzig Zusammenklappbare, ist noch irgendwo im Haus, ich habe sie nämlich neulich irgendwo gesehen und gedacht: Huch, warum liegt denn diese Brille hier? Aber wo das war... Ja, ich bin ein arger Schussel. Zum Thema: 
Wie komme ich schon wieder drauf? Anlass ist das Haus, das so ist wie unseres (im Folgenden: Haus wie unseres oder HWU) und zum Verkauf steht. Ich habe schon mal davon erzählt, es ist auf zwei Webseiten im Internet gelistet, von zwei verschiedenen Maklern, einmal für 270.000 Euro und einmal für 250.000 Euro. Warum die Makler diese Preise nennen, ist dem Verkäufer nicht bekannt, er ist nämlich unter keinen Umständen bereit, sein Anwesen für weniger als 300.000 Euro herzugeben. 250.000 Euro ist meiner Meinung nach ein sehr guter Preis, wir waren nämlich auch schon bei 400.000. Wisst Ihr, wie viele Interessenten sich bei 250.000 Euro gemeldet haben? Ihr ahnt es, gell? 0, in Worten: null. Bei 400.000 gab es Käufer, für 250.000 will es keiner. Das HWU soll deshalb verkauft werden, weil der Besitzer, der sich im siebenten Lebensjahrzehnt befindet, das Haus noch vor seinem Tod verkaufen möchte, damit seine Frau keine Last damit hat, denn wenn er nicht mehr ist, wird sie es weder halten können noch wollen. Sie beabsichtigen also, das HWU zu verkaufen und in die Stadt zu ziehen. Und da sehen wir schon sehr schön einen Teil des Problems: Wo, um alles in der Welt, liegt denn das Preisniveau, zu dem jemand kaufen würde? 
Theoretisch, laut offizieller Propaganda, gibt es eine "aufgestaute Nachfrage", nämlich Leute, die eigentlich kaufen möchten, aber nicht kaufen, weil sie warten wollen, bis die Preise weiter fallen (für die, die's noch nicht wissen: die Immobilienpreise in Spanien sind bereits um 40% gefallen). Das stimmt, dieser Meinung bin ich auch, es gibt diese aufgestaute Nachfrage (spanisch: demanda embalsada). Aber, und das wird in der Propaganda der Medien nie angesprochen: es gibt auch ein riesiges "aufgestautes Angebot". Ich weiß, dass z.B. eine meiner Freundinnen ihr Haus gerne verkaufen würde, wenn nur die Preise endlich wieder anzögen. In Spanien sind 82% aller Familien Besitzer ihrer Wohnungen. In der Mittelschicht haben viele Familien zusätzlich eine Wohnung am Meer oder in dem Dorf, aus dem ihre Vorfahren kommen. Und die Mittelschicht ist gegenwärtig einem enormen Druck ausgesetzt, z.B. durch stark sinkende Löhne und Gehälter, stark steigende Steuern und Gebühren, eine Arbeitslosigkeit über 25% und nicht zuletzt durch die Jugendarbeitslosigkeit, die über 50% beträgt. Es gibt Familien in der Mittelschicht, denen ihr Geld nicht mehr reicht, um ihren Lebensunterhalt zu finanzieren. Leute, die irgendwelche Rechnungen einfach nicht bezahlen, weil sie nicht können, die eigentlich ihre Wohnung oder ihr Haus verkaufen müssten und denen das auch klar ist, die es aber nicht verkaufen können, weil es zu dem Preis, den sie verlangen würden, wenn sie es denn anböten, keiner kaufen würde. Z.B. siehe oben, das HWU: Mein Haus ist 300.000 Euro wert, keiner will's. Also gut, dann eben 250.000. Keiner will's. Also gut, dann eben 200.000 (das ist ungefähr der Preis, zu dem er vor vielleicht zehn, zwölf Jahren gekauft hat). Und es will immer noch keiner. Igitt, nicht wahr? "Was für eine beschissene Situation", würde Hape Kerkeling sagen. Die Regierung tut, was sie kann: das mittlerweile abgeschaffte spanische Wohnungsbauministerium forderte die Menschen schon zum Wohnungskauf auf, als die Preise erst um fünf Prozent gefallen waren. Das wäre jetzt der Boden. Ja, gut. 20% gefallen? Das ist jetzt aber wirklich der Boden. 40% gefallen? Das ist jetzt aber wirklich echt und ehrlich der Boden. Ja, zu diesem Thema gäbe es so viel zu sagen. Ich versuche nur, meine Gedanken zu ordnen.
Und in ein paar Jahren werde ich dann sagen: Huch, das war tatsächlich der Boden und wir haben es nicht bemerkt.
Der Typ auf der Bank hat mir heute gesagt, dass jetzt doch der ideale Zeitpunkt zum Erwerb von Wohneigentum in Spanien sei. Die Hypothekenzinsen lägen bei 2% (Hä? Das müsste man erstmal überprüfen), die Preise völlig am Boden. Und die Krise natürlich vorbei. Sagte er mir. Ich sei so schrecklich pessimistisch, da solle doch lieber mal mein Mann kommen. Sagte er mir. Mein Gatte ist der Ansicht, dass man solche Verbrecher (Bänker/Bankangestellte allgemein) aufhängen oder zumindest ins Gefängnis werfen sollte, er differenziert da nicht so. Der Bankbeamte kann froh sein, wenn ich komme und nicht er, haha. 
Gestern habe ich mit einem Freund gesprochen, den das Thema Immobilien auch (hobbymäßig) interessiert und der die offizielle Propaganda (Boden erreicht, Krise vorbei etc.) glaubt. "Die Immobilienpreise ziehen doch schon wieder an", meinte er. "Sag' mir doch mal einen einzigen Grund, warum das so sein sollte", forderte ich ihn auf. Da fiel ihm nix ein. Es fiel ihm nur ein Argument für das Gegenteil ein, nämlich die auf dem Kopf stehende Bevölkerungspyramide in Spanien. Wobei die Jungen nicht nur viel weniger sind als die Alten, sondern auch viel ärmer. Es bleibt spannend!!!

Sonntag, 20. April 2014

Semana Santa - die Karwoche in Salamanca II

So, hier die Bilder von gestern. Die Prozession der Bruderschaft Nuestra Señora de la Soledad, die um Mitternacht begann und wohl um fünf Uhr morgens endete.Wir waren in der Straße Palominos, in der man auch einen schönen Blick auf die Clerecía, die Kirche im Hintergrund, hat.
Wir warten auf die Prozession. Zeit für ein Schwätzchen und den Austausch von Anekdoten. Hier gebe ich eine wieder: Eine der Bruderschaften, nämlich die Hermandad de Nuestro Padre Jesús del Perdón,  lässt alljährlich einen Gefangenen aus der hiesigen Justizvollzugsanstalt begnadigen. Der Freigelassene läuft dann mit dem Capirote genannten spitzen Hut bei der Prozession dieser Bruderschaft mit. Einmal nutzte der frisch begnadigte, ehemalige Strafgefangene das Durcheinander nach der Prozession, um die Brüder zu bestehlen und wurde umgehend wieder festgenommen.   
 Die Vorhut der Prozession.
 Die Bruderschaft "Unsere liebe Frau von der Einsamkeit".
Hier ihr zweiter Paso, der vor wenigen Jahren angeschafft werden musste, weil gar so viele Leute tragen wollten. Die dicken Engelchen werden im Volksmund "Los Tocinillos", "Die Speckbröckelchen" genannt.
 Eine der Musikgruppen. Diese Prozession ist riesig. 
 Eine Gruppe Damen mit Mantillas. Das ist für Salamanca ziemlich untypisch.
 Und dann kam sie endlich, Nuestra Señora de la Soledad.

Und da geht sie hin. Dies ist die beliebteste und am meisten verehrte Darstellung der Muttergottes in Salamanca. Man kann die Figur immer anschauen, wenn sie nicht gerade in den Straßen ihrer Stadt unterwegs ist. Sie steht in der Kathedrale vorn links in einer eigenen Kapelle, wo man ihr auch Kerzen anzünden kann. Die Figur stammt aus dem Jahr 1941. 
Nächtliche Impression aus Salamanca. Der Turm der neuen Kathedrale (ja, man kann ihn besteigen).
Hier seht Ihr La Soledad ein paar Stunden später auf der Plaza Mayor. Wenn sie vor dem Rathaus eintrifft, werden die Lichter abgeschaltet und eine Sängerin singt ein Ave María. Da war es fast vier Uhr morgens. Bedenkt, dass bei dieser Prozession auch etliche Kindergruppen dabei sind! Anschließend gingen wir noch eine heiße Schokolade trinken, dann machten wir uns auf den Weg nach Hause. Die Semana Santa in Salamanca, man kann sie nicht genug empfehlen.

Freitag, 18. April 2014

Semana Santa - die Karwoche in Salamanca

Wie ich Euch schon vor drei Jahren angedeutet habe, nämlich hier, ist die Semana Santa, die Karwoche, in Salamanca weiterhin ein absoluter Geheimtipp. Hier ein paar Bilder von gestern:
Wir waren in der Straße Tentenecio, ziemlich weit oben. Als erstes wurde der gekreuzigte Christus vorbeigetragen. Unten seht Ihr die Träger.
 Dann kam eine Musikkapelle.
Die Stelle, an der wir über eine Stunde warteten, bis die Prozession kam, ist die beste Stelle auf dem ganzen Weg. Es ist beeindruckend, wenn die Prozessionsfigur, von vielen Kerzen beleuchtet, um die Ecke kommt. Vom Dach des Hauses wurden Blütenblätter geworfen, die Musik spielte, nämlich diesen Prozessionsmarsch (hier klicken), der berühmt ist und "La Saeta" heißt. Joan Manuel Serrat hat mit dieser Melodie ein Gedicht von Antonio Machado vertont. 
Die Muttergottes, die Ihr unten seht, wird nur von Frauen getragen. Der Nachteil dieser engen Stelle, an der nur eine Reihe Zuschauer erlaubt ist, war, dass in dem Moment, als die Heilige Jungfrau um die Ecke kam, plötzlich zig Fotografen von irgendwo angeschossen kamen und sich vor die Zuschauer stellten. Fotografen mit professionellen Kameras, denn die Zuschauer mit ihren Handy- oder Klickkameras, die brav an ihrem Platz stehen bleiben, stören ja keinen. Ich frage mich, wo diese Bilder erscheinen werden. Wenn sie dazu dienen, ausländischen Touristen die Schönheit und Würde der Semana Santa in Salamanca nahezubringen, dann wäre das ja wunderbar.  


Eine weitere Musikgruppe:
Dies war die Prozession von El Arrabal. Dieser Stadtteil liegt auf der anderen Seite des Tormes und die Prozession kommt über die römische Brücke in die Stadt herein. 
Heute abend gehen wir wieder zu einer Prozession. Sie beginnt um Mitternacht, wenn Nuestra Señor de la Soledad in einem Blütenregen die Kathedrale verlässt. Das erinnert mich an eine Anekdote, die wir vor ein paar Jahren in der Karwoche erlebten. Wir warteten auf der Plaza de Anaya, direkt vor der Kathedrale, auf den Beginn einer Prozession. Am Himmel war eine große, schwarze Regenwolke aufgezogen und bei Regen dürfen die Pasos, die Prozessionsfiguren, nicht hinaus, damit die teilweise Jahrhunderte alten Figuren nicht nass werden. Man wartete also erst einmal ab. Schließlich schien die Wolke vorüber zu ziehen und die Prozession kam heraus. Kaum war der größte Teil der Teilnehmer und der eine oder andere Paso draußen, als ein heftiger Platzregen einsetzte. Die riesige Prozession kehrte stehenden Fußes um, was an sich schon sehenswert war, die Zuschauer strömten ebenfalls Schutz suchend in die Kathedrale. Es schüttete, was vom Himmel konnte, und die Mitglieder der Bruderschaft und die Zuschauer füllten gemeinsam das riesige Gotteshaus, während es draußen blitzte und donnerte. Nach einer Weile war der Spuk vorbei, das Publikum ging zuerst hinaus, die Prozession begann endlich. War irgendwie gut.

Mittwoch, 9. April 2014

Dabbischkeit, verlass misch nitt!


Das erste Gewitter des Jahres! Ich war draußen im Garten (Umstellung von Winter- auf Sommerbetrieb, positiv!)... also gut, ich schreibe das jetzt mal einfach als "Ein Kessel Buntes" und beginne mit dem Garten. Wir haben heuer den Verlust von sechs Geranien zu beklagen. Woran könnte das bloß liegen, nicht wahr? Vielleicht daran, dass ich sie im Herbst nicht rechtzeitig rein geholt habe? Nun, zum Ausgleich habe ich die Übriggebliebenen besonders früh raus, nämlich heute. Gewagt, gewagt, ne? Ja, und während ich draußen war und mich mit der italienischen und der spanischen Terrasse beschäftigte, zog ein Gewitter auf. Ich mag diese Minuten kurz vor einem Gewitter, wenn es ganz windstill ist und rumpelt und pumpelt und zwischendurch ein bisschen blitzt. 
Früher war ich bei Gewitter auch gerne draußen auf der Terrasse oder am Fenster, jetzt habe ich es aber schon zweimal erlebt, dass es sehr laut gedonnert oder sogar in der Umgebung eingeschlagen hat, da bin ich vorsichtiger geworden. Das zweite Mal war letztes Jahr, da war ich mit meinem Gatten auf der italienischen Terrasse und auf einmal tat es einen Schlag... dass wir echt ziemlich erschrocken sind. Muss man sich nicht antun. Mittlerweile hat es außerdem angefangen zu regnen. Wir haben eine neue Regentonne! Regelmäßige Leser wissen, wieso. Preppers rule!
So, und jetzt zum Grund für die Überschrift: Ich habe alle Fotos, die ich im schönen Monat März gemacht habe, verloren. Buhuhuhuhuh. Hauptsächlich handelte es sich um Fotos von Blüten im Garten und so, aber auch die Bilder von den portugiesischen Krokettchen und von der portugiesischen Nachspeise Baba de Camelo waren darunter (die Nachspeise werde ich nochmal machen und fotografieren, die war nämlich ziemlich gut). Falls sich wirklich eine meiner Leserinnen für die Croquetes de Bacalhau e Chouriço, die ich zubereitet hatte und von denen ich schöne Bilder in den verschiedenen Phasen der Herstellung gemacht hatte, die nun im Orkus der ungespeicherten Fotos verschwunden sind, interessieren sollte und ihr das portugiesische Video unten von der Website Saborintenso nicht aussagekräftig genug ist, dann werde ich die Zutaten und die Anleitung übersetzen, sobald ich von einem Kommentar Kenntnis erhalten habe, in welchem dem Wunsch nach deutscher Übersetzung des Rezepts Ausdruck verliehen wurde. Andernfalls gehe ich davon aus, dass es sowieso keine Sau interessiert hätte.
Mich haben diese Bacalhau-Kroketten nicht vollständig überzeugt, weil der Chorizo-Geschmack doch den Bacalhau ein wenig übertönt. Den Portugiesen macht das nichts aus, weil Bacalhau für sie ein Grundnahrungsmittel ist und wenn der Bacalhau gestern und morgen nach Bacalhau geschmeckt hat, dann macht es nichts aus, wenn er heute mal nach Chorizo schmeckt. Vielleicht kann man die Wurst auch einfach weglassen. Die Konsistenz war übrigens perfekt und meiner Familie haben diese Krokettchen sehr gut geschmeckt.
Ja, so und so ähnlich waren die Fotos, die ich versehentlich vernichtet habe. Schade war es um ein paar Bilder von meinen drei erwachsenen Söhnen, die zusammen auf dem Boden saßen und ein Gesellschaftsspiel spielten. Je älter die Kinder werden, desto seltener werden solche Bilder. Tja, nicht wahr? Das waren die einzigen Bilder, um die es schade war. Ach ja, und dann hatte ich noch ein Bild von unserem Loch gemacht, wir hatten nämlich unser eigenes Privatloch, weil in unserer Siedlung ein neues Gas verlegt wird. Fragt nicht, ich habe keine Ahnung, um welches Gas es sich handelt und welches Gas wir bisher hatten, wir haben uns aber dafür angemeldet.   
So, und hier zum Abschluss noch ein Bild von der Paella, die ich gestern gemacht habe und die ziemlich schön geworden ist (sie war auch lecker!). Was gibt es sonst noch Neues bei uns? Neee, eigentlich nichts. Ich muss mich echt mal um die Fotos kümmern und ein paar ausdrucken lassen und die übrigen ordnen.
Ach nein, es gab doch noch etwas, das ich Euch erzählen wollte: Am 19. März war Blog-Geburtstag!!! Ich lege ihn offiziell auf den 18. März fest, denn das kann ich mir leichter merken, weil es der Geburtstag meiner Mutter seligen Angedenkens ist. Der vierte Bloggeburtstag! Wer hätte das gedacht. Tausende strömen auf meine Seite, um den Preis eines bestimmten Sofas eines berühmten französischen Möbelherstellers zu erfahren, tausende hoffen bei mir Info über ein gewisses Kleintier aus der Familie der Wühler zu finden, das hauptsächlich in Kasachstan beheimatet ist. Ich schreibe die Namen des Sofas und des Wühlers nicht hin, um nicht noch mehr einschlägig interessierte Menschen anzulocken. Ich weiß weiterhin nicht, wie Google funktioniert, habe aber auch nicht versucht, mich kundig zu machen. Warum Leute, die "Hausfrau Kleidchen hoch und Höschen runter" eingeben, zu mir geschickt werden, aber niemand, der Info über die Krise in Spanien sucht, über die ich ja auch manchmal was schreibe, weiß ich nicht. Über Feedback meiner Leser würde ich mich riesig freuen, aber ich muss wohl damit leben, dass ich fast keins bekomme. Allen treuen Lesern danke ich herzlich für ihre Besuche und wünsche ihnen alles Gute. 

Freitag, 4. April 2014

Vorbeiene Krise in Spanien: Die Immobilienpreise

Heute habe ich folgende treffende Zusammenfassung der offiziellen Verlautbarungen zur Immobiliensituation in Spanien gelesen:
2003 - es gibt keine Blase
2004 - es gibt keine Blase
2005 - es gibt keine Blase
2006 - es gibt keine Blase
2007 - es gibt keine Blase
2008 - es gibt keine Blase
2009 - wir haben die Talsohle erreicht
2010 - wir haben die Talsohle erreicht
2011 - wir haben die Talsohle erreicht
2012 - wir haben die Talsohle erreicht
2013 - wir haben die Talsohle erreicht
2014 - wir haben die Talsohle erreicht

Und hier ist eine Graphik, die das Ganze bildlich wiedergibt:
Hahaha, ne? Ich ordne diesen Beitrag aber trotzdem nicht unter "Spaß oder Ernst" ein.
P.S.: Die Graphik habe ich, wie Ihr sicher ahnt, rasch selbst erstellt. Ich weiß nicht, was man im Internet kopieren darf und was nicht. Aber die Graphiken, die man googeln kann, sehen - was die Form betrifft - auch nicht viel anders aus.

Mittwoch, 2. April 2014

Aus meinem Leben

Als ich so dreizehn, vierzehn war, also vor fast vierzig Jahren, als es noch keine Handys gab und auch kein Whats App, ging ich mehrmals die Woche abends zum Schwimmtraining. Im Sommer fuhr ich mit dem Fahrrad, im Winter ging ich zu Fuß und mein Vater holte mich mit dem Auto ab. Es kam aber vor, dass er aus beruflichen Gründen verhindert war und nicht rechtzeitig kommen konnte. Die anderen Mädchen wurden dann abgeholt und ich stand allein auf dem dunklen, verlassenen Hof und wartete noch ein Weilchen, bis ich mich zu Fuß auf den Heimweg machte. Ich war ein ängstliches Mädchen. Auf dem ersten, schwach beleuchteten Wegstück waren links Kleingärten, rechts ein Bahndamm. Dann kamen Büsche, dann ging es über eine kleine Eisenbahnbrücke, über eine vierspurige Straße, dann links ein weitläufiger Park, rechts zuerst eine Seniorenresidenz, dann eine Kirche. Hier war abends niemand unterwegs. Dann ging es ein Stückchen durch ein Wohngebiet, in dem auch kein Mensch auf der Straße war. Auf der anderen Seite des Wohngebiets kam links ein großes Einkaufszentrum, das um diese Uhrzeit längst geschlossen hatte, auf der rechten Seite ein ehemaliges Fabrikgelände. Ja, wie aus einem Horrorbuch. Dann ging es in eine Straße mit vier-, fünfstöckigen Häusern, dazwischen dunkle Hofeinfahrten. Dann über eine lange Eisenbahnbrücke...
Ich war ein ängstliches Mädchen und aus Gründen, die mir nicht bekannt sind, lag bei uns zuhause in der Küche in einem Schrank ein italienisches Springmesser von der Sorte, wo die Klinge vorn rausspringt. Ich begann, dieses Messer nach Einbruch der Dunkelheit mitzuführen. Es gab mir Sicherheit. Ich trug es im Ärmel meiner Winterjacke, direkt über dem Handgelenk. Ich übte die Verwendung wie einen Zaubertrick: Ich ließ das Messer in meine Handfläche gleiten, betätigte mit Daumen und Zeigefinger den Mechanismus, die Klinge sprang heraus. Es funktionierte perfekt. Es war sehr einfach. Meine Mutter wusste davon und meinte, das Messer wäre gefährlich, ich würde einem potenziellen Angreifer eine Waffe liefern, aber ich hatte mir das schon überlegt. Er würde das Messer gar nicht zu Gesicht bekommen. Ich probierte an einem Sauerbraten, den meine Mutter eingelegt hatte. Gar nicht weit ausholen, kurz und mit aller Kraft, in einer Bewegung von unten nach oben. Im Erstfall unterhalb der Rippen.
Dann geschah es eines Tages tatsächlich. Jemand folgte mir. In der Straße mit den hohen Häusern und den dunklen Hofeinfahrten bemerkte ich es. Ich lief abwechselnd schneller und langsamer. Jemand folgte mir. Um nach Hause zu gelangen, musste ich nach rechts abbiegen, über die spärlich beleuchtete, völlig verlassene, lange Bahnbrücke mit den schmalen Bürgersteigen gehen, auf der ich nicht nach den Seiten ausweichen konnte. Die andere Möglichkeit war geradeaus weiterzugehen, an Bahnanlagen entlang, die in völliger Dunkelheit lagen, dann wären nach einer Weile Bahngebäude und der Bahnhof gekommen. Ich überlegte mir, zum Bahnhof zu gehen und dort von einem Münzfernsprecher aus meine Mama anzurufen. Aber da musste ich an den ausgedehnten Bahnanlagen vorbei. Wenn ich nach rechts auf die Brücke abbog, würde mich mein Verfolger eine Weile nicht sehen, bis er selbst die Ecke erreicht hatte und in dieser Zeit könnte ich rennen und hätte einen gewissen Vorsprung und vielleicht würde ich schneller und ausdauernder rennen können oder es wäre ihm einfach zu blöd, mir hinterher zu laufen. Ich ging also normal auf die Straßenecke zu, bog ab und rannte um mein Leben. Ich hatte erst wenige Meter zurückgelegt, als mein Vater mit dem Auto kam. Ich überquerte die Straße und stieg ein.
Zwei Jahre später wurde ein Mädchen aus unserer Straße umgebracht, das im Winter am frühen Abend auf dem Heimweg von einem Kurs war. Dieses Verbrechen wurde niemals aufgeklärt. Jemand hat im Internet ein virtuelles Kerzchen für sie aufgestellt, das ich schon ein paar Mal angezündet habe. Es brennt dann zwei Wochen lang.
Ja, diese Geschichte ist wahr.  

Samstag, 29. März 2014

Gruß aus der Küche: Entrante de Marisco - Meeresfrüchtedip

So, ich habe das Menü aus dem Restaurant letzten Sonntag nachgekocht, bis auf den Arroz de Bogavante, den Reis mit Hummer, weil ich noch keinen gescheiten Hummer gefunden habe. Alles andere wurde gemacht und fotografiert. Beginnen wir heute mit dem Amüs Göll. Okay, ich suche, wie man's richtig schreibt: Beginnen wir heute mit dem Amuse Gueule, dem Meeresfrüchtedip. 
Vor ein paar Jahren war auf der Packung des spanischen Bimbo-Brotes (Pan Bimbo nennt man in Spanien das Sandwich-Brot) ein Rezept für "Entrante de Marisco", das ungefähr so schmeckte wie der Gruß aus der Küche im portugiesischen Restaurant. Ich hatte es mir damals ausgeschnitten und schon öfter gemacht. Rezepte auf Packungen sind normalerweise immer gut und ziemlich unfehlbar, oder? Also, hier ein Blick auf die Zutaten:
2 hartgekochte Eier, 1 Dose Anchovis, 1 kleine Dose Muscheln, abgetropft, 6 Surimi-Stäbchen, 4 Esslöffel Mayonnaise. Alles in eine Schüssel schmeißen und pürieren. Fertig. Praktisch für die Osterzeit: Man bringt zwei hartgekochte Eier unter die Leute. Was macht man mit dieser Creme? Man kann sie als Dip servieren, auf Canapés oder Sandwiches streichen und so weiter. Sehr einfach, gell?
Und so sieht es dann fertig aus, so sah es auch im Restaurant aus:  
 Welches der beiden Fotos gefällt Euch besser?

Dienstag, 25. März 2014

Essen gehen

Wir waren mal wieder essen und zwar in einem portugiesischen Restaurant in unserem Ort in Spanien. Es war uns von Freunden empfohlen worden, wir hatten schon öfter Gutes darüber gehört. Wir hatten reserviert und das war auch nötig, denn die etwa 30 Plätze waren, als wir ankamen, alle entweder besetzt oder reserviert. Die Dekoration entspricht einer etwas gehobenen Dorfwirtschaft: Sauber, weiße Wände mit Balken und alten Schwarzweiß-Fotos aus Portugal. Schlicht und schön.
Die Bedienung war sehr ansprechend: Eine ältere Dame empfing uns und führte uns zu unserem Platz. "Waren Sie schon einmal hier?" fragte sie. "Nein," antworteten wir. Sie erklärte uns nun ganz ausführlich die Speisekarten und welches ihre Spezialitäten seien usw.
Wir waren zu viert und bestellten als Vorspeise Buñuelos de Bacalao (Kabeljaukrokettchen) und als Hauptgericht einen Arroz con Bogavante, einen Reis mit europäischem Hummer, das ist ein Gericht, das hier zurzeit sehr in Mode ist. Wir rechneten nicht damit, Nachspeisen zu bestellen, denn in portugiesischen Restaurants in Portugal sind die Portionen normalerweise riesig. Die Omi (man fühlte sich wirklich, als wäre man bei einer besonders lieben Omi zu Gast) wies uns darauf hin, dass das Reisgericht speziell für uns zubereitet würde (der Laden ist für seinen Reis berühmt) und dass das etwa 25 Minuten dauern würde. Das war uns recht.
Eine junge, schweigsame Bedienung brachte uns einen Gruß aus der Küche in Form von winzigen Glasschüsselchen mit jeweils eineinhalb Teelöffel Creme de Mariscos, Meeresfrüchtencreme, in denen kleine, gewürzte Brotstangen steckten. Das war lecker, nett und witzig. 
Wie Ihr wisst, kommt in Portugal vor dem Essen normalerweise Brot und statt Butter eine Anchoviscreme oder eine Thunfischcreme auf den Tisch. Die Creme ist manchmal in Portiönchen abgepackt, so, wie die deutschen Marmelädchen, nur ein bisschen größer. Hier war sie frisch gemacht. 
Dann kamen die Kabeljaukrokettchen zu 11,95 Euro. Auf der iberischen Halbinsel geht man normalerweise davon aus, dass Vorspeisen zum Teilen sind und nicht jeder Esser eine hat. Es waren also sechs Krokettchen, die um zwei Salatblätter und zwei Tomatenscheiben herum lagen. Gemäß der neuen EU-Verordnung wurden dazu Essig und Öl statt in Flaschen in eingeschweißten Einzelportionen serviert. 
Wenn man sieht, dass da vier Esser sitzen, wie kann man denn da sechs Krokettchen bringen? Kann man da nicht aus Gnade und Barmherzigkeit noch zwei dazu legen??? Oder man berechnet sie. Naja gut, bei einem Preis von zwei Euro pro Krokettchen wären wir da ja schon bei 16 Euro für acht kleine Krokettchen. Wie waren sie im Geschmack? Normal. Es fiel mir allerdings auch schwer, mich auf den Geschmack zu konzentrieren, denn es war etwas peinlich, die Krokettchen aufzuteilen, das hatte so etwas Armseliges, und dann kam noch der Kampf mit den verschweißten Essig- und Öltütchen hinzu.
Dann wurde das Hauptgericht serviert. Wir hatten noch nie zuvor Arroz con Bogavante gegessen und freuten uns darauf. Hummerbesteck wurde gebracht, die Vorfreude stieg. Der Preis des Gerichts für vier Personen: 49,95 Euro. Eine große Schüssel wurde gebracht, in der sich der Reis und ein sehr kleiner, in vier Teile geteilter europäischer Hummer befanden. Der Koch kam aus der Küche und servierte persönlich stolz den Reis und den Bogavante. Das war eine nette Geste. Um es kurz zu machen: Der Hummer war völliger Müll. Er war total zerkocht ... ich weiß gar nicht, wie man den so hinbringen kann. Es war, als hätte er vorher ein, zwei Jahre uneingepackt in der Tiefkühltruhe verbracht, aber das kann ja wohl nicht sein, denn dieses Gericht ist eine der Spezialitäten des Hauses. Auf jeden von uns kamen etwa eineinhalb Kaffeelöffel ausgelaugtes Hummerfleisch. Für unsere 50 Euro hatten wir also praktisch nichts anderes als eine Schüssel voll Reis. Völlig zerkochten, versalzenen Reis. Billigen Langkornreis. 
Der Koch hatte uns erklärt, dass er seinen Reis in einer speziellen Fischbrühe gekocht und mit Cilantro/Koriandergrün gewürzt habe. Cilantro ist ein sehr intensiv schmeckendes Kraut, das so ähnlich aussieht wie Petersilie und das ich sehr gerne mag. Ich konnte dieses Gewürz im Arroz con Bogavante nicht erschmecken. Gar nicht. Auch nicht, als ich wusste, dass es drin war. Im Reis waren winzige, also wirklich winzige, Elemente, die wie Bruchteile von getrocknetem Dill aussahen. Da das Gericht auch nicht nach Dill schmeckte, nehme ich mal an, dass es sich dabei um den Cilantro handelte.
Ihr wisst, dass ich mild und auch salzarm koche, dass ich also leicht schon mal was für "Versalzen" erkläre. Aber dieses Gericht war völlig versalzen. Wir haben sogar einen objektiven Beweis dafür: Am nächsten Vormittag, als der Körper das durch das Salz eingelagerte Wasser anscheinend wieder freigab, mussten mein Sohn und ich pinkeln wie die Weltmeister, bei meinem Gatten trat dieser Effekt gegen Abend ein. Und wieso war der Reis denn zerkocht??? Wir saßen doch am Tisch und warteten darauf. Da hätten sie ihn doch einfach fünf (oder zehn!!!) Minuten eher gebracht. Und wie kann man denn für ein Gericht, bei dem der Reis derartig im Mittelpunkt steht, einen so minderwertigen Reis verwenden??? Das ist am falschen Ende gespart.
Als wir mit dem Arroz con Bogavante fertig waren und sich kein Reiskorn mehr in der Schüssel befand, sagte mein Gatte: "So, und jetzt ein schönes Steak!" Hahahaha.
Den Gefallen haben wir den Wirtsleuten aber nicht getan und bestellten stattdessen noch eine Nachspeise, und zwar Baba de Camelo, Kamelsabber, ein Dessert, das anscheinend in Portugal grad groß in Mode ist. Der Name ist irreführend, es ist lecker. Ich habe schon das Rezept dafür gefunden, ich werde Euch mehr davon erzählen.
Zusammenfassung: Die Bedienung war erstklassig. Dass der Koch aus der Küche kommt, um zu servieren, das war eine gute Idee. Die Krokettchen waren widersinnig, der Reis war schlecht. Der Nachtisch war lecker. Vorspeise und Hauptgericht waren heillos überteuert. Schade. Gesamtpreis: 105 Euro, ungefähr das Doppelte von dem, was ich für angemessen gehalten hätte. Ich werde das komplette Gericht nachkochen, aber ordentlich, und Euch Infos dazu hochladen.

Sonntag, 23. März 2014

Frühlingsanfang

Ja, der Frühling hat angefangen und auch an unserem Garten geht er nicht spurlos vorbei... 
Hier ein paar Bilder:
                                                               
  SAKURA!!!


Zahllose Bienen umschwirren den Baum und abends duftet er herrlich.
Unser japanischer Kirschbaum hat eine Besonderheit: Er war jahrelang der einzige in unserer Siedlung, der nicht blühte. "Nicht blühte" im Sinne von keine einzige Blüte. Aber das holt er jetzt alles nach. Er blüht wie bekloppt. 
 Hier noch eine Nahaufnahme
Und die Osterglocken stehen in voller Pracht... 
 Letztes Jahr hatten wir über 150 Blüten, dieses Jahr habe ich sie noch nicht gezählt, es dürften aber ungefähr genauso viele sein.
Allgemeiner Blick auf unseren Vorgarten. Die Forsythie links müsste mal von unten heraus verjüngt werden. 
Und auf unseren hinteren Garten. Diese beiden Bäume stehen auf dem Nachbargrundstück, wir dürfen sie aber trotzdem betrachten.

Dienstag, 18. März 2014

Der Chinese ist weg

Ja, Leute, der Chinese ist weg. An meine alten Blogeinträge, in denen ich Euch davon erzählte, dass der Chinese kam, werdet Ihr Euch nicht mehr erinnern, und jetzt ist er weg. Ich fasse deshalb kurz zusammen: In unserer etwas abgelegenen Siedlung in Spanien gab es sei eh und je ein Lebensmittelgeschäft, das früher sehr gut lief und seine Besitzerin reich machte. Dann wurde unsere etwas abgelegene Siedlung systematisch von Supermärkten umstellt. Es begann mit einem Leclerc, es folgte ein Día, dann ein Aldi, ein Mercadona, und schließlich ein guter Lidl mit angeschlossenem schönem Fischladen. Die erfolgreiche Gründerin des Supermarktes warf das Handtuch schon kurz nachdem der Leclerc aufgemacht hatte. Anschließend hatte der Laden einen Pächter nach dem anderen. Wenig überraschend machten alle pleite.
Nun gibt es in unserer Siedlung, abgesehen von den Leuten, denen der Supermarkt wurscht ist, zwei Fraktionen: die einen wollen, dass das Lädchen bleibt, weil es so praktisch ist und in Gehweite. Die andere Fraktion hasst die Vermieterin des Lädchens, die ihre Pächter regelmäßig abzockt, und wünscht deshalb ein rasches Scheitern der hoffnungsvollen Geschäftsleute, damit der Laden leer steht und der Besitzerin keine Einnahmen generiert.
Vor zwei Jahren ungefähr kam nun der Chinese, der sein Geschäft in chinesischer Weise führte: an jedem Tag praktisch rund um die Uhr geöffnet. Nee, ich übertreibe ein wenig. Er hatte, glaube ich, von morgens um zehn bis abends um elf geöffnet, an allen Tagen, nur sonntags nachmittags hatte er, glaube ich, geschlossen.
Sein Sortiment hatte natürlich wenig mit dem Sortiment der alten Besitzerin gemeinsam, die frischen Fisch, bestes Fleisch und herrliche Früchte anbot, weil sie genug Kunden hatte, die ihr die Waren jeden Tag abnahmen.
Der Chinese hatte keinen frischen Fisch. Das einzige Fleisch, das er in der Auslage liegen hatte, war Hähnchen, das er vorher bei Lidl geholt hatte. Der geringe Umsatz ermöglichte es auch nicht, reichlich schönes Obst und Gemüse zu bevorraten.
Ich hatte mir echt und ernsthaft vorgenommen, gar nicht erst anzufangen beim ihm einzukaufen, weil ich fürchtete, dass er nett war und dass es mir dann leid tun würde, wenn er, wie vollkommen absehbar, pleite machen würde. Ich ging dann aber doch hoch und er erwies sich als sehr nett und hatte eine sehr nette Familie. Ich war diejenige, die ihm verriet, dass vor ihm schon x andere Leute mit dem Lädchen gescheitert waren, das hatte ihm die Vermieterin nämlich nicht erzählt und sonst auch keiner. Ich war diejenige, die ihn darauf hinwies, dass sein Scheitern unausweichlich war. 
Früher hatte man hoch gehen können, wenn man nicht wusste, was man kochen sollte. Man schaute, was es Leckeres gab und richtete den Speiseplan danach. Zum Chinesen ging ich nur wenn ich frisches Hähnchen für meinen Arroz con Pollo wollte. Dann konnte man sich auf das frische Hähnchen auch nicht mehr verlassen. "Ich habe tiefgefrorene Hamburger," sagte er mir einmal verlegen, aber tiefgefrorene Hamburger sind ein Produkt, das mir nicht in die Küche kommt (Nee, auch nicht im Notfall. So einen Notfall, in dem man tiefgekühlte Hamburger benötigt, gibt es in meiner Welt nicht.) Darauf, dass das Gemüse immer frisch war, konnte man sich auch nicht verlassen, und darauf, dass er einen Krautkopf hatte, wenn man einen wollte, auch nicht.
Ich schämte mich in Grund und Boden, wenn ich in den Laden ging und nichts von dem, was ich wollte, war verfügbar (z.B. eine rote Paprikaschote und eine Zitrone). Also hörte ich auf, bei ihm zu kaufen.
Und dann war er vor drei Wochen von einem Tag auf den anderen verschwunden, der Laden zu. Er hatte den letzten Kunden eine rührselige Geschichte erzählt und seiner Vermieterin, die am nächsten Tag noch ein paar der verderblichen Lebensmittel verkaufte, versprochen, er würde bald wiederkommen. Auf rührselige Geschichten, die mit der Familie zu tun haben, fahren die Spanier total ab. Da wird echt alles geglaubt. Da hat unser Chinese die spanische Mentalität völlig korrekt eingeschätzt. 
"Ich kann heute nicht zur Arbeit kommen. Meine Großtante hat leichtes Fieber und ich muss sie zum Arzt begleiten," ist in Spanien Standard, insbesondere unter Beamten und auf dem Land. Alles andere würde als Grausamkeit gegen einen älteren Menschen empfunden. Das Leben und das letzte Hemd für die Familie zu opfern, das ist das Mindeste, was erwartet wird.
Und da hat unser in Rede stehender Chinese also so eine Geschichte erzählt. Und sie wurde von jedem, mit dem ich gesprochen habe, geglaubt. Ich habe mit etlichen/vielen Leuten gesprochen und ich habe das Gefühl, alle haben ihm die Geschichte geglaubt. Aber bei mir kam meine deutsche Mentalität durch, die deutsche Härte, die in Spanien gar nicht gut ankommt. Ich habe dem Chinesen die Geschichte nicht abgenommen. Ein Chinese schaltet seinen Verstand in wirtschaftlichen Dingen nicht völlig ab, da steht er dem Deutschen näher als dem Spanier, glaube ich zumindest. Der Chinese (Ist Euch übrigens schon mal aufgefallen, wieviel Ausländer investieren müssen, an Zeit, an Freundschaft, bevor sie nicht mehr der Chinese, der Türke oder die Deutsche sind? Bevor sie einen Namen bekommen und ihre Herkunft zweitrangig wird??? Der Chinese hatte einen Namen.), der Chinese also, dessen Namen ich hier nicht herschreiben möchte, weil ich denke, irgendwann mal findet jemand, der mich hier kennt und der deutschen Sprache mächtig ist, zufällig meinen Blog und dann möchte ich nicht wie ein völliger Depp dastehen -, der Chinese also, muss völlig ruiniert sein. Die Miete, die er für den schrottigen Laden zahlte, war abartig hoch. Dazu kommen noch sonstige Kosten und Sozialabgaben ... Ich hatte seiner Vermieterin einmal, als ich sie beim Spazierengehen traf, gesagt, dass die Miete unmöglich hoch sei und dass ich mir nicht erklären könne, wovon ihr Mieter lebt. "Er kann die Miete bezahlen, also ist sie nicht zu hoch," antwortete sie mir. "Und außerdem können chinesische Familien von 300 Euro im Monat leben," sagte sie mir. Leute, ich hätte ihr irgendwie Kontra geben müssen, den Chinesen verteidigen müssen, aber ich bin total auf den Mund gefallen. Mir fällt da keine Antwort ein. Ich sage dann feige: "Naja, so wird's wohl sein."
Und jetzt ist er weg, der Chinese. Sein Lieferwagen steht noch vorm Laden.
Eine Freundin von mir war bei der Vermieterin, um die Schulden, die sie im Laden hatte, zu begleichen. Es ist nämlich so, dass in unserer Siedlung viele Leute wohnen, die Haushälterinnen haben und die Haushälterinnen gehen dann einkaufen, bezahlen aber nicht, und die Herrinnen gehen von Zeit zu Zeit, wenn ihnen der Sinn danach steht, in den Laden und bezahlen. Meine Freundin hat erzählt, sie hätte bei der Vermieterin einen ganzen Packen unbezahlter Schuldscheine gesehen. Die Vermieterin hat ihr gesagt, sie wüsste nicht, was sie machen sollte, wenn bald die Stromrechnung käme, die wäre nämlich sehr hoch und wenn sie sie nicht bezahlen würde, würde der Strom für die Kühlvorrichtungen abgestellt. Sie glaubt die Geschichte des Chinesen und seiner Rückkehr. Ich bin echt die Einzige, die glaubt, dass sich dieser Mann und seine Familie nicht mehr blicken lassen werden. Wir werden sehen.

Donnerstag, 6. März 2014

Lustiger Wortwechsel

Mein Sohn erzählte, dass ein Bekannter von ihm morgen ein Vorstellungsgespräch als Schweinebesamer hat. Daraufhin fiel meinem Gatten einer seiner alten Lieblingswitze wieder ein. Für den Fall, dass Ihr den Witz noch nicht kennt: Ein Mädchen führt einen Stier einen Weg entlang. Ein Mann kommt entgegen und fragt: "Wo gehst du denn hin mit dem Stier?" "Der soll die Kuh besteigen", antwortet das Mädchen. "Kann das nicht dein Vater machen?" empört sich der Mann. "Nein, es muss der Stier sein", entgegnet das Mädchen. Hahahahahahahahahahaha. Gut, ne?

Dienstag, 4. März 2014

Immobilienpreise in Spanien: Die Bodenbildung

Ja, liebe Freunde, ich habe schon ewig nichts mehr über den spanischen Immobilienmarkt geschrieben, Ihr habt Euch vielleicht gewundert. Aber ich sage Euch wieso: Bei uns laufen Irre durch die Straßen und murmeln wirre Zahlen. Das findet Ihr interessant. Bei uns laufen Irre durch die Straßen und murmeln wirre Zahlen. Das findet Ihr interessant. Bei uns laufen Irre durch die Straßen und murmeln wirre Zahlen... Deshalb. Das war eine Kurzbeschreibung des spanischen Immobilienmarktes in den letzten Jahren.
So, also. Wie immer vom Allgemeinen zum Besonderen, Zahlen und Graphik, wie immer, von www.fotocasa.es:
grafica
Ich empfehle Euch diese Website, da könnte Ihr Euch auch die Preise für bestimmte Zeiträume und bestimmte Gegenden anschauen. 
Preisrückgang seit der Spitze im April 2007: 41,3 Prozent. HALLO!!! Habt Ihr das gelesen? 41,3 Prozent. Happig, ne? Derzeitige Fallgeschwindigkeit: um 0!!! Sollte das tatsächlich die Bodenbildung sein? Ich glaub's nicht. Ich glaube, es handelt sich höchstens um einen vorläufigen Boden, denn die jungen Menschen mit ihren reduzierten Löhnen können auch die um 40% reduzierten Preise nicht stemmen. Zumal zu jedem Kaufpreis noch knapp fünfzehn Prozent an Steuern, Gebühren etc. hinzukommen. Es gibt noch mehrere andere Gründe, aus denen ich glaube, dass der endgültige Boden nicht erreicht ist, die alle aufzuzählen würde aber zu weit führen (Immigranten verlassen das Land wieder, Spanier müssen das Land verlassen, um Arbeit zu suchen, umgekehrte Bevölkerungspyramide, massenhaft Einzelkinder, die Wohnungen erben etc., etc.).
So, und nun lasst mich zu den Immobilien kommen, die ich seit drei Jahren gemeinsam mit Euch beobachte (Ihr könnt rechts auf "Immobilien in Spanien" klicken, um die alten Einträge zu lesen). 
Der Grund, warum ich das Thema Immobilien heute aufgegriffen habe, ist, dass am 1. März mal wieder ein Haus wie unseres auf den Markt gekommen ist. Geforderter Preis: 270.000 Euro. Meiner Meinung nach ist das "priced to sell", wie die Amerikaner sagen, also ein für den Käufer interessanter Preis. Ich würde es zu diesem Preis aber auch nicht kaufen, denn, wie gesagt, meiner Meinung nach ist noch deutlich Luft nach unten. Der Rekordpreis, zu dem ein derartiges Haus hätte verkauft werden können und um ein Haar verkauft worden wäre, war 400.000 Euro. Warum ging die Transaktion in die Hose? Die potenziellen Käufer schauten sich das Haus an, einigten sich mit den Verkäufern auf 400.000 Euro und ließen dann vier Wochen nichts mehr von sich hören. Dann kamen sie und wollten den Kauf unter Dach und Fach bringen. Da wollten die Verkäufer aber schon 480.000 Euro. Ja, Ihr habt richtig gelesen. Die Käufer wendeten sich empört ab und das war's dann auch schon. Das in Rede stehende Haus war zuletzt für 360.000 Euro auf dem Markt, da wollte es aber auch keiner. Die Verkäufer haben es vom Markt genommen, weil es 360.000 Euro wert ist und niemand bereit ist, diesen Preis zu zahlen. Dieses Haus ist aufgrund ausgeführter Verbesserungen wohl 20-30.000 Euro mehr wert als das, das jetzt für 270.000 Euro angeboten wird. Also, dies zum Thema "Häuser wie unseres".
Der Immobilienmakler, mit dem ich im Juni 2012 gesprochen habe, Link hier, im Juni 2012 also, als in der Innenstadt 400 Immobilien mit einem durchschnittlichen Quadratmeterpreis von 3500 Euro angeboten wurden, und der behauptete, dass die Preise in der Innenstadt nicht sinken würden, hat seine Pforten geschlossen. Zurzeit werden ebendort 490 Immobilien zu einem durchschnittlichen Quadratmeterpreis von 2800 Euro angeboten. Einfach zu berechnen, ne? Das ist ein Minus von genau 20% beim Preis und ein Plus von über 20% beim Angebot. In nicht einmal 2 Jahren. Wow.
Und was ist aus unseren beobachteten Immobilien geworden? Kurzfassung: In den letzten drei Jahren wurde keine einzige davon verkauft. An den Reihenhäusern ist kein Schild, keins wurde verkauft. An der Wohnung mit der Festbeleuchtung ist auch kein Schild mehr, sie wurde aber auch nicht verkauft (Preis von 98.000 runter auf 59.000, wollte sie auch keiner, also wieder rauf auf 98.000, dann wurde sie vom Markt genommen). 
Das Haus unserer Bekannten wurde auch nicht verkauft, hat aber noch sein "Se Vende"-Schild, denn sie wollen es wirklich loswerden.  
Leute, ich hab' gerade noch mal gecheckt: Das Haus wie unseres kostet auf einer anderen Webseite nur 250.000!!! Das ist wirklich billig im Vergleich zu den übrigen auf dem Markt befindlichen Objekten. Kauft's, bevor's weg ist! (Spässle) Ich glaube, dieses Haus gehört einer Freundin meiner Nachbarin. Es kann sein, dass ich herausbringe, wie viel dafür gezahlt wurde, falls es irgendwann tatsächlich den Besitzer wechseln sollte. Es ist auf jeden Fall das preisgünstigste Objekt von allen, die in unserem Ort angeboten werden. Ich werde Euch auf dem Laufenden halten, aber Ihr seht ja, da gibt es nicht viel auf dem Laufenden zu halten, obwohl 250.000 wirklich relativ billig ist. Wenn etwas wirklich relativ billig ist, wird es normalerweise schnell gekauft. Ya veremos. 
Ein anderes Haus in unserer Straße, das deutlich größer und moderner und luxuriöser als unseres ist, hat folgenden Preisverlauf hinter sich: Vor vielen Jahren (zehn?) wurde es gebaut und für 600.000 Euro auf den Markt gebracht. Niemand wollte es. Der Verkäufer verzweifelte fast und bot es schließlich vor ein paar Jahren (vier?) für 400.000 Euro "zum Selbstkostenpreis" an. Jetzt steht es wieder für 550.000 Euro im Internet. Interessant, ne? That's Spain for you.