Donnerstag, 4. Oktober 2012

Nachmittagskaffee mit einer Freundin

Vor Ewigkeiten habe ich Euch mal von einer Freundin erzählt, nämlich hier, die immer das Essen anderer Leute heruntermacht. Heute hat sie mich angerufen und gesagt, sie hätte vor geraumer Zeit einen Kalten Hund (Kekstorte) gemacht, ob ich nicht Lust hätte, sie zu besuchen und mit ihr Kaffee zu trinken und von diesem Kalten Hund zu essen.
"Gerne", antwortete ich und machte mich auf den kurzen Weg zu ihrem Haus.
Sie hatte den Tisch auf der Terrasse liebevoll gedeckt und einen schönen Kaffee gekocht. Auf meinem Teller lag die Hälfte einer recht dicken Scheibe Kalter Hund, auf ihrem eigenen Teller lag etwa ein Viertel einer Scheibe.
Sie ist Mitglied der Thermomix-Gemeinde und informierte mich, dass es ihr ohne dieses Gerät gar nicht möglich gewesen wäre, dieses doch etwas komplizierte Backwerk herzustellen.
In welcher Phase der Zubereitung eines Kalten Hundes (Fett und Schokolade in einem Töpfchen schmelzen, Puderzucker unterrühren, die Masse abwechselnd mit Keksen in eine Kastenform schichten, oder?) man den Thermomix benötigt, ich weiß es nicht, ich weiß nur, dass wahre Thermomix-Fans dieses enorm vielseitige Gerät, das alle anderen Haushaltsgeräte überflüssig macht, für alles verwenden, auch zum Hemden bügeln und zum Hof kehren.
Ich führte ein kleines Stückchen Kalten Hundes zum Mund.
"Dieses Zeug ist extrem kalorienreich, weißt du?" sagte sie.
Ich ließ das Gebäck in meinem Mund schmelzen.
"Es besteht praktisch nur aus Fett und Zucker", sagte sie.
Sie hatte ihr Stück schon komplett verdrückt.
Ich lud das nächste Bröckchen auf meine Gabel.
"Dass du so etwas essen kannst ...", sagte sie.
Nun war ich völlig verwirrt. Ich legte das Bröckchen zurück und schob das Tellerchen mit der halben Scheibe Kalter Hund, von der nur ein kleines Eckchen fehlte, von mir.
"Dann esse ich es eben nicht", sagte ich.
Damit war sie zufrieden und wir begannen angeregt über andere Dinge zu sprechen.

Mittwoch, 3. Oktober 2012

Alt und neu - Seit' an Seit'


Ein letztes Mal Seit' an Seit' ... tschüss, alter Abfalleimer.
Ja, wir haben heute den neuen Abfalleimer in Betrieb genommen. Das Erste, was hinein kam (abgesehen von zwei Müllbeuteln), war ein Stück Schokoladengebäck unbekannter Herkunft, das seit ein paar Tagen im Kühlschrank lag. Mein Gatte meinte, wir hätten zur Einweihung ein Band durchschneiden sollen (ribbon cutting ceremony!). War mir dann aber zu aufwändig.
Okay, das ist jetzt das letzte Mal, dass ich mit meinem neuen Mülleimer angegebe.

Dienstag, 2. Oktober 2012

Mein Auto, mein Mülleimer, meine Tafel Lindt-Schokolade

So, hier kommt das lang ersehnte Foto: Das neue Auto, der neue Mülleimer und eine Tafel Lindt-Schokolade (an der Fahrerseite auf der Windschutzscheibe liegend). Dieses Foto hat für meinen Gatten und mich enormen Symbolcharakter.
Wo soll ich anfangen? Also, zuerst einmal die Details: Beim Auto handelt es sich um einen Audi A 4 in Lavagrau mit Perleffekt. Beim Mülleimer handelt es sich um das Modell Erpa Typ 420 von Manufactum. Die Schokolade ist eine 300 g Tafel Alpenvollmilch-Nuss der Marke Lindt.
Ja, was hat das alles zu bedeuten? Es ist schwer zu erklären. Es gibt Menschen, bei denen können bestimmte Autos Wunden heilen, für erlittene Schmach entschädigen. Nach einer Kindheit in Armut, einer an Entbehrungen reichen Jugend leuchtet plötzlich ein Stern vor ihnen auf und verschafft ihnen einen späten Triumph. "Als ich den Stern vor mir sah, habe ich geweint", vor Freude, versteht sich. Sie können Minderwertigkeitsgefühle kompensieren. "Als ich meinen Benz zwischen die anderen Mercedes und BMW stellte, das war schon ein gutes Gefühl."
Wir wollten einen Audi und überlegten, ob ein A6 ausreichen würde, um unser kompliziertes Seelenleben in einen psychologischen Garten Eden zu verwandeln.
Lohnt es sich, 45.000 Euro auszugeben, um zu versuchen, Leute zu beeindrucken, die einem eigentlich am Arsch vorbeigehen sollten?
Außerdem hätte er nicht gut in unsere Garage gepasst.
Der Mülleimer. Ist dieser Mülleimer mit 146 Euro überteuert? Ich hatte den Mülleimer schon mehrmals vorher sehnsüchtig angeschaut, aber immer von einem Ankauf abgesehen, weil mir das Geld zu schade war. Er sieht solide aus, er erinnert an mich an meine Kindheit, an unseren Friseurladen. Ein Mülleimer für's Leben. Meine Lieben freuen sich darüber, da bei unserem alten Abfalleimer seit Ewigkeiten das Tretding zum Aufmachen kaputt war und ich schon mehrfach dazu aufgefordert worden war, einen neuen anzuschaffen. Also gut, so einen teuren hätt's nicht gebraucht. Ich glaube nicht, dass ich damit Gäste beeindrucken kann. Ich glaube, die nehmen das Ding nicht wahr, auch nicht, wenn sie in die Küche kommen. So, wie er auf dem Foto dargestellt ist, würde er natürlich schon Aufmerksamkeit erregen. An den Ampeln würde ich den Motor aufheulen lassen und dann würde die Leute in ihren schäbigen alten Karren zu mir herüber schauen und mein geiles Auto und meinen Luxus-Mülleimer sehen.
Und was hat es mit der Schokolade auf sich? Die hat über 5 Euro gekostet.
Die menschliche Psyche ist etwas Komplexes. Wie viele Autos, Häuser, Schmuckstücke werden wohl gekauft, wie viele hohe Posten angestrebt und erreicht, wie viele sportlichen Leistungen erzielt, weil irgendwer irgendwas kompensieren möchte?
Wie gesagt: Mein Auto, mein Mülleimer, meine Tafel Lindt-Schokolade. Macht uns alles ein bisschen froher, der psychologische Megaeffekt blieb aus. Das mit dem Stern klappt nicht bei jedem.

Donnerstag, 27. September 2012

Ochsenschwanzsuppe im Test

Wie Ihr wisst, ist Ochsenschwanzsuppe ein Thema, das mich ziemlich interessiert (siehe Link hier und hier). Da ich heute mit meinem ältesten Sohn zum Mittagessen allein war, dachte ich, ach, man könnte mal wieder eine Ochsenschwanzsuppe verkosten und zwar diese hier:


Eine Oxtail-Soup von Marks & Spencer.
Testbericht: Es handelt sich um eine Dosensuppe, die einfach nur heiß gemacht werden muss. Der optische Eindruck ist gut. Man sagt "das Auge ist mit", in diesem Fall hätte man aber vielleicht das Auge allein essen lassen sollen, die Suppe schmeckt nämlich völlig fad, im Abgang hat sie jedoch eine ganz leichte, unerklärliche Schärfe. Obwohl sie in Dosen verkauft wird, hat sie deutliche Karton-Noten. Wie die Engländer ihre unvergleichlichen Fertiggerichte hinbekommen, ich weiß es nicht.
Falls ich diese Suppe nachkochen sollte, würde ich wie folgt vorgehen: Zutaten laut Dosenaufschrift (und ich übersetze): Wasser, Karotten, Kartoffeln, Zwiebeln, Mehl, Rindfleisch (3 %), Tomatenmark, Maismehl, Ochsenschwanz (1 %), karamelisierter Zucker, Zucker, konzentrierte Rinderbrühe, Rotwein, Hefeextrakt, Meersalz, Petersilie, Thymian, Currypulver, Lorbeerblatt, schwarzer Pfeffer.
Bisschen wenig Fleisch, aber daraus müsste man eigentlich doch etwas machen können.
Zubereitung: Als erstes bringe ich einen Liter abgestandenes Wasser (z.B. aus der Regentonne) mit 5 Salzkörnchen zum Kochen. Dann schneide ich eine von diesen riesigen, rissigen, nach nichts schmeckenden Gelberüben in große Stücke und gebe sie hinein. Ich schäle eine Kartoffel aus dem Vorjahr und gebe sie ebenfalls grob geschnitten hinzu. Von einer Zwiebel entferne ich die faulen Stellen und die Triebe und gebe ein Achtel davon in die Brühe. Es folgen 35 Gramm Rindfleisch (3 % des Ganzen), eine Messerspitze Tomatenmark, 10 Gramm Ochsenschwanz (1 % des Ganzen), eine Messerspitze Brühe und 2 Esslöffel Rotwein. Hefeextrakt habe ich nicht, stattdessen gebe ich ein 10 x 10 cm großes Stück Karton (was ich halt gerade da habe, alter Buchdeckel, Verpackungskarton o.ä.) in groben Stücken und 1 Wacholderbeere im Mörser gequetscht (meinte ich herauszuschmecken) hinzu. Ich würze mit einem Blatt getrockneter Petersilie, einer Messerspitze Currypulver (Ablaufdatum Mai 1993), einem Eichenblatt, einem schwarzen Pfefferkorn und einer Prise von den Kräutern, die meine Urgroßmutter seit ihrer Jugend aufbewahrt. Dies alles koche ich fünf Stunden im Schnellkochtopf. Anschließend suche ich mit einem feinen Sieb und einer Lupe die Fleischstückchen und nehme sie heraus.
Für die braune Farbe karamelisiere ich in einem zweiten Topf eine Prise Zucker, die ich dann mit 6 Esslöffel Mehl in die Suppe rühre. Ich püriere nun alles und gebe das Fleisch wieder hinzu. Mit 2 Esslöffeln Worcestersauce und 5 Tropfen Tabasco schmecke ich ab. Fertig. Ich glaube, das würde dem Original ziemlich nahe kommen.

Donnerstag, 20. September 2012

Der Hirschrücken bzw. die Hirschlende

Wie ging es weiter mit meinem Hirschrücken bzw. meiner Hirschlende? Etliche Rezepte empfahlen zu beizen. Dass dies nicht nötig war, war mir aber von Anfang an klar. Man sah auf den ersten Blick, dass es sich um ein wunderbares Stück Fleisch handelte, das eine solche Behandlung nicht nötig hatte. Ich suchte ein Rezept mit einer möglichst kurzen Garzeit. Johann Lafer schneidet seinen Hirschrücken in Medaillons. Das wollte ich auch nicht.
Fündig wurde ich schließlich auf der Seite eines Wildhändlers vom Münchner Viktualienmarkt, nämlich hier: http://www.schillers-wild-gefluegel.de/hirschlende_mit_wacholderrahm.html. Wie von den Schillers empfohlen, heizte ich den Ofen auf 120º Grad vor, würzte das Filet mit Salz und Pfeffer, briet es in 2 Esslöffeln Olivenöl von allen Seiten 5-6 Minuten an, wickelte es in Alufolie und legte es für 35 Minuten in den Backofen. Dann wollte ich es eigentlich servieren. Meine Esser standen bereit. Leute, es war innen noch vollkommen roh. Also wieder in den Backofen, diesmal 10 Minuten bei 150º. Dann wollte ich es servieren. Meine Esser waren ungeduldig, mein Braten innen noch roh. Ich befürchtete eine Meuterei meiner Lieben. Also goss ich ein Glas Rotwein in meinen Schnellkochtopf, brachte den Wein zum Kochen, schüttete die Sauce dazu (superlecker, gleich mehr), legte das Fleisch hinein, 5 Minuten bei Volldampf = perfektes Ergebnis, fast durch, aber nicht ganz. Ja, das war Zufall.
Falls einem meiner unerfahrenen Leser das Gleiche passiert, Niedrigtemperatur, Braten nicht durch, dem rate ich, es genauso zu machen: Zum Essen passenden Wein im Schnellkochtopf zum Kochen bringen, Fleisch reinschmeißen. Wenn das Stück zu groß ist, durchschneiden! Desperate times call for desperate measures! Bei Rindfleisch würde ich es mit 10 Minuten bei vollem Druck versuchen.
So, nun zur Sauce. Okay, da habe ich mich auch nicht an das Rezept der Schillers gehalten, sondern mich nur inspirieren lassen: Ich machte die Pfanne, in der ich das Fleisch angebraten hatte, wieder heiß (nicht zwischendurch sauber machen), 15 Wacholderbeeren mit Salz und Pfeffer zerstoßen, in die Pfanne geben, mit etwas Gin ablöschen, Wildfonds hatte ich keinen, Creme Fraiche auch nicht, stattdessen goss ich 200 ml Sahne zu, statt 1 Esslöffel Johannisbeergelee nahm ich 2. Dies gab ich dann zum kochenden Rotwein in den Schnellkochtopf. Weiter ging's siehe oben. Sehr lecker, sehr zart. Ein Superbraten.
Ich habe kein Foto vom fertigen Essen. Wenn ich auch noch angefangen hätte, zu fotografieren, wäre ich von meinen Essern wahrscheinlich gelyncht worden.
Den Rest habe ich heute kalt aufgeschnitten:


Ich überlegte mir, irgendeine Sauce dazu zu reichen, Cumberlandsauce, Preiselbeersahne, o.ä., aber das Fleisch war sooo gut, der leichte Wildgeschmack ... der röhrende Hirsch auf der Waldlichtung war in zarten Scheiben perfekt eingefangen. Da gab's für mich nichts mehr zu verbessern oder zu unterstreichen. Wir aßen also einfach Brot und Butter dazu.

Dienstag, 18. September 2012

Gerade geschenkt bekommen:


Einen Hirschrücken mit einem Gewicht von 850 Gramm. Von der Gattin eines Jägers (Nachbarin). Ein so tolles Teil von einem so tollen Tier! Ich huschte dann schnell rüber zu ihr und brachte ihr ein paar Stücke von dem Zwetschgenkuchen, den ich frisch gebacken hatte. Sie führte mich in ihr Semi-Souterrain, wo sich die Familie ein Jagdzimmer eingerichtet hat, komplett mit ausgestopften Wildschwein- und Hirschköpfen, Rehgeweihen, etc. Toll. Ich mag so was. Ist nicht für jeden, ich weiß. Dann zeigte sie mir die kleine Küche neben dem Jagdzimmer, wo die Kühltruhe steht, bis oben hin voll mit Hirschfleisch. Beeindruckend. 
Jetzt muss ich nur noch irgend ein tolles Rezept suchen, das meinem Braten gerecht wird.   
Wenn Besuch kommt, mache ich normalerweise eine Lammkeule, bisher immer im Römertopf, nach einem Rezept von meiner Mama. Diesen Sommer probierte ich aber ein neues Rezept, in meinem neu angeschafften La Creuset-Topf (ich weiß, ein Gerät, das echt keiner braucht, ich wollte auch definitiv keinen, warum soll ich so einen Haufen Geld für einen Dibbe ausgeben, aber dann sah ich einen in himmelblau, in einer Farbe, der ich nicht widerstehen konnte, und auch noch ganz günstig (im Vergleich zur allgemeinen Ungünstigkeit dieser Töpfe), und ich griff zu. Mein Gatte war so freundlich, das Ding nach Hause zu schleppen (großes Modell, Gewicht ungefähr 2 Tonnen). Ich probierte ein neues Lammkeulenrezept aus (statt 2 Stunden bei 200 Grad im Römertopf im La Creuset-Topf auf dem Herd angebraten, dann 4 Stunden im Ofen bei 145-150 Grad). Sehr lecker. So zart, das Fleisch fiel vom Knochen. Ich kombinierte das Rezept dann mit dem von meiner Mama und bereitete es diesen Sommer wiederholt zu. Ja, vielleicht blogge ich es irgendwann mal. 
Also, wie man das Zeug brät etc., das macht echt einen Unterschied. Für meine Hirschdelikatesse werde ich mich also gründlich umschauen, was es da so für Möglichkeiten gibt. Und dann brauche ich ja auch noch Beilagen, die auf der Höhe meines Bratens sind ... Rotkraut und Klöße fallen mir da als erstes ein. Birnen mit Preiselbeeren ... Kastanien gibt es, glaube ich, noch nicht. Ja, ich habe einen konservativen Geschmack, meine Esser auch. Mal sehen.   

Donnerstag, 6. September 2012

Eis und Brombeeren mal anders


Eigentlich wollte ich Eis mit Heiß machen, also Vanilleeis mit heißer Brombeersauce, aber die Beeren, die mein Sohn direkt vor dem Mittagessen geerntet hatte, waren sooo süß, sooo dick und perfekt, dass ich es nicht über's Herz brachte, sie zu einer Sauce zu zerkochen. Nach einem Augenblick der Ratlosigkeit kam mir folgender Gedanke: Ich mache das Vanilleeis heiß! Also gab es heute als Nachspeise "Sonnenwarme Brombeeren auf heißem Vanillespiegel". Köstlich!

Dienstag, 4. September 2012

Internet: Interessante Möglichkeiten für Familien

Nach einem ausgiebig genossenen Sommer hat mich der Alltag wieder. Meinen ersten Blogeintrag will ich aber nicht den sehr glücklichen Tagen im Kreise meiner Lieben (ziemlich lange alle drei Kinder beisammen, juhuu!) und unseren Ausflügen in die Umgebung (einschließlich einer Schiffsfahrt auf dem Main und einer Bootsfahrt mit abschließendem Zusammenstoß), den Shopping-Orgien (Highlight: der neue Mülleimer, dem möglicherweise ein eigener Blogeintrag zuteil werden wird (soviel verrat' ich schon mal: von Manufaktum in Frankfurt!!!)) und den mit ausgiebigem Futtern untermalten Familientreffen widmen, sondern kleineren Fakten, die sich im Laufe der Tage aufgetan haben. Alles begann damit, dass mein Vater erzählte, dass ein Verwandter von seinem Vater beauftragt worden war, einen Gegenstand, den dieser für damals sehr viel Geld erstanden hatte ("Investition! Gibt nur ganz wenige!! Du kriegst einen, weil du mein Freund bist!!!"), für dieselbe Summe wieder loszuwerden. Und als er sich ans Verkaufen machte, stellte der Verwandte fest, dass der Gegenstand viel weniger wert/nix wert war. 
In unserer Familie haben wir so unsere Erfahrungen mit Internetchecks. Ein Beispiel: Eine beliebte Erzählung im Familienkreis war immer die der Schwester meines Urgroßvaters väterlicherseits, die (wahrscheinlich um der Enge ihres Dorfes zu entkommen, wie man heute interpretieren würde) Nonne wurde und als solche nach England geschickt wurde. Sie lebte ein paar Jahre dort und heuerte dann bei einer sehr reichen Familie als Kindermädchen an. Sie begleitete diese unfassbar reiche Familie auf ihren Reisen um die Welt. Sie lebte in Südamerika, wo sie auch starb. Höhepunkt der Lebensbeschreibung dieser Dame ist ... sie war auf der Titanic und wurde mit der Familie gerettet. Wie oft durften wir als Kinder diese Geschichte hören!
Vor ein paar Jahren nun betrachteten wir im Internet die Passagierlisten der Titanic und in Sekundenschnelle fanden wir heraus, dass der Name der Schwester unserer Urahnen nicht drauf stand. Wir konsultierten andere Listen. Weder unter den Namen der Lebenden noch der Toten noch der Erste-Klasse-Passagiere noch der Dienstboten war sie zu finden. ??? Schade, ne???
Heuer beschlich uns nun der Verdacht: Wieviel sind die Dinge, von denen die Familie glaubt, dass sie sehr wertvoll sind, tatsächlich wert? 
Wir hatten einen Großonkel, der vor wenigen Jahren gestorben ist, der ein sehr wertvolles äthiopisches Vortragskreuz besaß. Ich schätze mal, dass es so 35 Jahre her ist, dass er dieses Kreuz gekauft hat und ich glaube, jedes Mitglied der engeren und weiteren Verwandtschaft erinnert sich an diese Zeit. Den Aufstand, den er darum machte! Es bekam den besten Platz an der Wand im Wohnzimmer. Gleich beim Eintreten fiel der Blick darauf. Und das Schlimmste: Seine ständige Fragerei, ja, ich meine STÄNDIGE Fragerei: "Wem vermache ich das mal?", mit der er versuchte, Unfrieden unter seinen Erben zu säen und sich selbst und seinen Sch... zu erhöhen. Also, das Kreuz war superwertvoll. Es war ein äthiopisches Vortragskreuz!!! Ich schätze mal, einfach aufgrund der Dimension der Aufregung um das Ding, dass es mehrere tausend Mark gekostet hat. 
Irgendwann näherte sich das Ende des Lebens dieses Onkels und er verschenkte viele seiner Sachen. Er war fast blind und fast taub und irgendwann war das Ding weg. Seine Erben liefen Amok. Der einzig wertvolle Gegenstand war verschwunden (sein übriger Besitz, ebenfalls vom Typ "Wem vermache ich das wohl mal?" hatte sich bereits als völlig, ja, völlig, wertlos erwiesen).
Unsere liebe M.-L. hat uns diesen Sommer ein Objekt gezeigt, das sie bei einem Afrika-Festival für 3 Euro erworben hatte. Schock: identisch wie das Vortragskreuz, nur klein. Verdacht: Das große Kreuz ist auch nichts wert. Check: "Ethiopian processional cross E-Bay" bei Google eingegeben (auf Englisch findet man mehr), Preis: so um die 100 Euro.
Für den, der das Ding an sich genommen hat: Hihihihi. 
Ich empfehle folgende Antwort an alle, die da fragen: "Wem vermache ich das wohl mal?" - "Wir werfen es in dein Grab." (Das ist bei kleineren Gegenständen erlaubt.)
Und dann besitze ich noch diesen Ersttagsbrief, der mir als Kind anvertraut wurde. Superwertvoll, lebenslang drauf aufpassen, ein rohes Ei ist Dreck dagegen. Das glaubten die Vorbesitzer wirklich (ich weiss nicht mehr, von wem ich ihn habe, ich glaube, von meiner Oma). Preis: 1 Euro bei E-Bay.
Also, das sind die kleinen Fakten, die vielleicht jemandem zur Anregung dienen.

Mittwoch, 1. August 2012

Heute beim Schrank Aufräumen gefunden


Was ist das?

So sieht das Ding in seine Einzelteile zerlegt aus.
Wir waren heute bei IKEA und wenn ich aus diesem Laden komme, fühle ich mich immer inspiriert, meine Bude zu verschönern und zu organisieren. Heute war der Teil des Küchenschranks dran, in dem ich Zeug wie diverse Schüsseln, die Waage, die Plastikschüsseln zum Einfrieren, meine Backformen und alles, was man möglicherweise irgendwann mal gebrauchen könnte, aufbewahre. Ihr wisst schon, welches Fach das ist: ein schlimmes. Mein ältester Sohn war so freundlich, mich beim Aufräumen zu unterstützen. Ohne ihn hätte es nicht so gut geklappt. Es bringt echt viel, wenn einem ein Außenstehender wertvolle Tipps gibt, wie "Wäääckschmaaaiiisen", z.B. die Plastikschüsselchen, die dazu neigen, Nester mit Dutzenden von Jungen zu bilden. Guter Tipp von M.: "Schmeiß' alles weg, was hinten steht, das ist das Zeug, das du nicht benutzt." Stimmt, ne? Da hat er recht.
Wie dem auch sei, in der hinteren Reihe stand auch das Ding, das Ihr auf den Fotos seht. Wisst Ihr, was es ist? Ich hatte mir überlegt, einen Preis für die richtige Antwort auszuloben (da müsste ich aber aus technischen Gründen die Teilnehmerzahl auf 10.000 beschränken und das wäre nicht sehr gerecht gegen meine vielen Leser (Spässle)).
Okay, ich spanne Euch nicht länger auf die Folter und verrate, was es ist: eine Hamburgerpresse. Ich erstand sie anno 1979 auf der ersten Tupperware-Party, die ich je besucht habe. Und wenn ich es mir recht überlege: auf der einzigen Tupperware-Party, die ich je besucht habe. Ich bin kein Gegner dieser Partys, es hat mich nur nie wieder jemand dazu eingeladen. Schnief!
Seitdem bin ich so oft umgezogen ... ich weiß gar nicht, wie oft (rasche, grobe Rechnung, einschließlich Studentenbuden, etc.: über zehnmal). Dabei habe ich dieses Ding immer mit geschleppt ... und noch nie benutzt. Was nicht heißen soll, dass ich keine Hamburger mache. Selbstverständlich mache ich gelegentlich Hamburger. Aber es ist mir noch nie in den Sinn gekommen, dafür diese Vorrichtung zu benutzen. Ich werde sie morgen in einer schmucklosen Zeremonie entsorgen. Tschüss, Hamburgerpresse, tschüss, kleine, sinnfreie Lebensbegleiterin. 

Dienstag, 31. Juli 2012

Cristina's Supersalat, perfekt für den Sommer


Unsere Freundin C. behauptet, üüü-berhaupt nicht kochen zu können. Dennoch ist sie die Erfinderin dieses perfekten Sommersalats, den ich heute mal wieder gemacht habe. Ich glaube, in diesem Salat ist jedes Vitamin drin, das es überhaupt nur gibt. Und er schmeckt lecker!!! Auch Kinder werden ihn sicher mögen. Dieser Salat ist ein vollwertiges Mittag- oder Abendessen. Sehr empfehlenswert. 
C.'s Originalrezept: 2 Kiwis, 1 Apfel, 2 oder 3 Gelberüben, grob gehackte Walnüsse, pro 2 Personen 1 Avocado, Eisbergsalat, Käsewürfelchen, gekochter Schinken, Olivenöl, 2 Deckel Balsamico (sie benutzt den Deckel der Essigflasche zum Messen, das habe ich auch noch nie zuvor gesehen), viel Honig. Alles mischen. Fertig.
Ich habe den Salat heute so gemacht: Ich habe 3 Esslöffel Olivenöl, 2 Esslöffel Apfelessig und 1-2 Teelöffel Honig in einer Schüssel gut verrührt. Dann schnitt ich 100 g gekochten Schinken und 100 g Käse (war Maasdammer, kann aber auch Feta oder jeder andere Käse, der Euch schmeckt, sein) sowie das Obst und das Gemüse klein, hackte die Nüsse grob und mischte alles. Den Salat (halber Kopf Eisbergsalat) hob ich als letztes unter, damit er möglichst frisch und schön bleibt. Guuut!
Dann rannte ich mit meiner Salatschüssel nach draußen in die Sonne, um das Ergebnis meiner Bemühungen zu fotografieren. Ich habe nämlich letztens gelesen, dass man Speisen immer bei natürlichem Licht ohne Blitz ablichten soll, und zwar auf diesem Blog, foodiewife-kitchen.blogspot.com, den ich zufällig entdeckt habe und der tolle Bilder und schöne Rezepte hat. Ein Blog so ganz nach meinem Geschmack.

Sonntag, 29. Juli 2012

Vichyssoise - Zucchiniverwertung


Diese kalte Suppe (sprich: Wittschisoas, als ob's französisch wäre) ist in Spanien im Sommer sehr beliebt. Auch in meiner Familie wird sie gerne gegessen (Lieblingssuppe meines Gatten!) und ich mache sie häufig. Sie ist äußerst preiswert - vor allem für Gartenbesitzer - und leicht zuzubereiten. Man benötigt: Olivenöl, Butter, 2 Stangen Lauch, 1 Zweiglein Thymian (oder eine Prise getrockneten Thymian, der Thymian ist aber meine Geheimzutat, der gehört da, glaube ich, offiziell gar nicht rein), 2 mittelgroße Zucchini, 300 g geschälte Kartoffeln, 1 l Hühnerbrühe, Salz und Pfeffer, 1 griechisches Joghurt. 
Ich bereite sie wie folgt zu: Etwas mehr als einen Teelöffel Olivenöl und einen Teelöffel Butter erhitzen. Den grob kleingeschnittenen Lauch und den Thymian darin kurz anbraten, z.B. während die Kartoffeln (Info für die, die keine Waage haben: 3 mittelgroße) geschält und gewürfelt werden. Kartoffeln zum Lauch geben und weiterbraten während die Zucchini geschält und ebenfalls grob gewürfelt werden. Nun wandern die Zucchini auch in den Topf. 3-5 Minuten unter gelegentlichem Rühren bei mittlerer Hitze weiterbraten, dann 1 Liter Hühnerbrühe dazu gießen. Hühnerbrühe?!? Ja, was ist das, gell? Gourmets kochen ein Huhn, Gewürze und Gemüse aus, diejenigen, die rasch fertig sein wollen, nehmen fertige Hühnerbrühe z.B. aus dem Tetrapack, das ganz anspruchslose Fußvolk nimmt zwei Brühwürfel und einen Liter Wasser (oh, the horror!). 30 Minuten köcheln lassen, dann zum Abkühlen beiseite stellen. Bei Gelegenheit pürieren (vorher das Thymianzweiglein rausfischen!!!). Manche geben noch ein bisschen Sahne dazu. Wenn ich gerade eine offene Sahne habe, mache ich das auch, sonst nicht. So, ab in den Kühlschrank. Die Vichyssoise wird kalt serviert, ich gebe auf jeden Teller noch einen gehäuften Esslöffel griechisches Joghurt. Lecker!

Sonntag, 22. Juli 2012

Neues aus meiner Gelateria - Leckeres Schokoladeneis

Das Schokoladeneis
Dieses Rezept für Schokoladeneis stammt aus dem Rezeptbüchlein meiner alten Eismaschine und ist sehr empfehlenswert. Es schmeckt gut und man kann es auch noch in letzter Minute zubereiten, da nichts über Nacht gekühlt werden muss. Bitte beachtet, dass die Menge für höchstens 6 nicht riesige oder vier große Portionen reicht.
Man benötigt: 3 Eigelb, 100 g Puderzucker, 250 ml Vollmilch, 200 ml süße Sahne, 15 g Kakao-Pulver (ich nehme 20 g, damit's schokoladiger schmeckt), 1 Teelöffel Instantkaffee.
Zubereitung: Eigelb mit dem Zucker, dem Kakao-Pulver, dem Instantkaffeepulver und 50 ml der Milch schlagen, bis sich der Kakao völlig gelöst hat. Restliche Milch hinzugeben und alles gründlich rühren. Sahne steif schlagen, Kakao-Mischung unterrühren. In der Eismaschine zubereiten. Ich servierte das Eis mit einer Praline in der Mitte. Lecker!!!

Neues aus meiner Gelateria - Kiwi-Minzsorbet

Das Kiwi-Minzsorbet
Wie Ihr wisst, habe ich eine neue Eismaschine der Marke Krups. Das beiliegende Rezeptbuch ist leider schlecht im Sinne von das Eis nach den Rezepten im Buch schmeckt nicht gut. Die Rezepte wurden vom Küchenchef der Auberge de Letraz in Savoyen, Frankreich, entwickelt. Da wissen wir schon, wo wir nicht hinmüssen, gell? Ich habe irgendwie den Eindruck, das Büchlein sei von Häagen-Dasz gesponsert, damit die Leute ihr Eis doch lieber kaufen (ja, ich habe die Schreibung von Häagen-Dasz gegoogelt). Glücklicherweise habe ich noch das Rezeptbüchlein von meiner alten Eismaschine, einer Philips, das ist nämlich gut und enthält auch allgemeine Tipps und erklärt die Grundprinzipien der Speiseeisherstellung. Das erste Krups-Eis, das ich machte, war Kiwi-Minzsorbet mit Pfefferminzlikör. Da hatte ich echt Hoffnungen, dass das gut wird. Hier das Rezept: Zutaten: 8 sehr reife Kiwis, 250 g Zucker, 10 Blätter frische Minze, 200 ml Wasser, 4 cl Pfefferminzlikör. Anleitung: Wasser, Minze und Zucker aufkochen (wer keine frische Minze hat, darf bestimmt stattdessen ein Beutelchen Pfefferminztee benutzen) und zwei Minuten kochen lassen. Die 8 Kiwis pürieren und mit dem Likör vermischen (ich hatte Marie Brizard Pfefferminzlikör, den ich extra gekauft hatte, und der mich auf den Gedanken brachte, mal ein After-Eight-Eis zu machen. Das muss supergut sein). Alles vermischen. Mindestens 12 Stunden in den Kühlschrank und dann in der Eismaschine zubereiten. Es schmeckte grauenvoll. Habt Ihr schon einmal Echinacin-Tropfen zur Stärkung der Abwehrkräfte genommen? So ungefähr dürft Ihr Euch den Geschmack vorstellen.
Kiwi plus Minze geht gaahh nicht. "Sooo schlecht schmeckt es doch gar nicht", lobte meine Familie, aber keiner wollte eine zweite Portion und den Rest warf ich nach ein paar Tagen weg. Aber gut. Vielleicht sucht jemand dieses Rezept oder möchte seine sehr reifen Kiwis rasch los werden ... Gut aussehen tut's, ne? 

Freitag, 20. Juli 2012

Krise in Spanien: "¡Que se jodan!"

Mit diesen Worten, die man vielleicht neudeutsch mit "fuck them" oder "fick' sie" (die Arbeitslosen) übersetzen könnte, bejubelte Andrea Fabra, eine Abgeordnete der spanischen Regierungspartei, die Ankündigung des Ministerpräsidenten, das Arbeitslosengeld zu kürzen. Andrea Fabra ist die Tochter von Carlos Fabra, dem Präsidenten der Provinzialverwaltung von Castellón (in fünfter Generation der Familie). Carlos Fabra ist der, der den Flughafen von Castellón zu verantworten hat, diesen Flughafen des Volkes, auf dem keine Flugzeuge starten und landen, von dem ich Euch schon erzählt habe. Vor den Flughafen hat Carlos Fabra eine 23 Meter hohe Statue zu Ehren von Carlos Fabra stellen lassen, die 300.000 Euro gekostet hat. Finde ich nicht viel für so ein Riesending.
Die Kürzung des Arbeitslosengeldes war jedoch nicht die einzige Maßnahme, die da vor ein paar Tagen verkündet wurde: Die allgemeine Mehrwertsteuer wird von 18 auf 21% erhöht, die ermäßigte Mehrwertsteuer für manche Sachen wie Friseurbesuch, Zahnarzt usw. wird von 8 auf 21% erhöht. Beamte und Beschäftigte im öffentlichen Dienst bekommen kein Weihnachtsgeld mehr, was einer Lohnkürzung von 7% entspricht. Die Förderung des Erwerbs von Wohneigentum wird eingestellt. Und so weiter. Dadurch sollen 65 Milliarden Euro eingespart werden.
Und weil sie so brav sind und auf einem guten Weg, bekommen die Spanier 100 Milliarden Euro geliehen, mit denen sie ihre Banken retten sollen. Also werden praktisch jedem Spanier, auch Kindern und Greisen, auch denen, die ihre Hypotheken nicht zurückzahlen können, weil sie ihren Job verloren haben und jetzt von ihrer Bank auf die Straße gesetzt werden, und denen, die gerade von den Banken um ihre Ersparnisse betrogen worden sind, 2500 Euro Schulden zwecks Weitergabe an die Banken aufgedrückt.
Ich bin keine ausgebildete Wirtschaftswissenschaftlerin und besitze auch keine hellseherischen Fähigkeiten. Trotzdem wage ich folgende Prognose: Dadurch, dass die Einkommen sinken und alles teurer wird (Strom, Gas, Benzin, MwSt., etc.), werden die Menschen ärmer (nein, ich bin wirklich keine der fünf Wirtschaftsweisen). Die Leute kaufen weniger. Noch mehr Betriebe müssen schließen. Noch mehr Menschen werden arbeitslos. Die Steuereinnahmen sinken, Ausgaben müssen gekürzt werden. Diese Spirale, die gewünscht ist, nennt man interne Abwertung. Sie ersetzt die Möglichkeit der Abwertung der Pesete, die es ja durch den Euro nicht mehr gibt.
So, und jetzt schreibe ich bis zum nächsten Krisengroßereignis, sagen wir mal "Das völlig Unerwartete, das, womit keiner, aber auch wirklich absolut keiner, rechnen konnte, geschieht: Spanien schlüpft unter den Rettungsschirm" nichts mehr zum Thema Krise in Spanien. Mir kommt das Thema nämlich langsam zu den Ohren raus. Es wird hier von nichts anderem mehr geredet.
Wer sich für das Thema Immobilien in Spanien interessiert ... auch hierzu eine Prognose von meiner Wenigkeit: Durch den Wegfall der Förderung des Erwerbs von Wohneigentum zum 1. Januar 2013 wird es zu einer kurzen Scheinblüte bei den Immobilienpreisen kommen. Diese wird sich durch einen Rückgang der Geschwindigkeit des Preisverfalls (derzeit - 10,3% pro Jahr) ausdrücken, die sich bis März nächsten Jahres fortsetzen wird. Danach geht es wieder steil bergab. Wieso wage ich als Hausfrau solche Prognosen? Leute, als die Förderung das letzte Mal gekürzt wurde, war es genauso.
Neu auf meinem Radar: Das Haus von Bekannten, die zu dem Preis verkaufen wollen, zu dem sie auf dem Höhepunkt der Blase gekauft haben, nämlich 440.000 Euro. Wie Ihr wisst, beobachte ich nur zum Spaß. Wir leben in spannenden Zeiten. Von unseren übrigen Versuchstierchen/-häuschen gibt es nichts Neues.

Samstag, 7. Juli 2012

Megaweihnachten, Ausflug und auch sonst noch allerhand


Ja, ich habe schon eine Weile nichts mehr geschrieben. Ich verrate Euch mal, warum: Wie Ihr bereits wisst, haben wir die Wohnung in London aufgelöst. Letzte Woche kam der gesamte Plunder (der Inhalt einer für fünf Personen ausgestatteten Dreizimmerwohnung) in unserem komplett ausgestatteten Haus in Spanien an. Am Donnerstag fragte D.'s Freundin, ob es recht ist, wenn sie die Ausstattung ihres Zimmers bis zum Beginn des neuen Semesters in unserer Garage lagert. "De perdidos al río", antwortete ich ihr. Spanier, die Englisch können, sagen oft auch scherzhaft "From lost to the river". Es bedeutet "Das macht's jetzt auch nicht mehr fett". Am Freitag holte mein Gatte meinen Sohn, der ein Jahr in Madrid gelebt hat, dort ab und brachte dessen Sachen hierher. Eine Wagenladung (Kombi!) voll. Am Freitag nachmittag brachte ein Gartencenter 12 Pflanzen, die wir in den Garten setzen müssen. Eine Aufmerksamkeit einer sehr lieben Person, der ich einmal erzählt hatte, dass ich nicht so der Freund von Schnittblumen bin, weil man ihnen prinzipiell ja nur beim Sterben zuschaut. Hier ein Blick auf einen Teil der Pflanzen:

Als ich bekannte, dass ich einfach keine Ahnung hätte, was ich mit dem Kram aus London machen sollte, sagte mein Sohn M.: "Pack' doch einfach alles aus und stell' dir vor, es wäre Weihnachten." (Daher der Titel "Megaweihnachten".) Über's Wochenende kam ein befreundetes Ehepaar aus New York zu Besuch. Ich richtete ein Abendbrot, nämlich meine In-8-Minuten-auf-dem-Tisch-Vorspeisenplatte in Abendessengröße (siehe hier) und eine kleine Käseplatte. Der Tisch sah recht schön aus und D. forderte mich auf, ein paar Fotos zu machen. Hier sind sie:


                                                    

Die Holzvögel habe ich aus Brighton mitgebracht, den Leuchtturm aus Whitby, kam jedoch ursprünglich alles aus China.
Am Sonntag gingen wir zum Essen in ein Restaurant, das hier gerade ziemlich angesagt ist. Wir bestellten das siebengängige Probiermenü, das uns sehr empfohlen worden war. Es war gut, aber arg reichlich. Die Freunde wollten nach dem Essen einen Verdauungsspaziergang machen, mein Gatte und ich bestanden jedoch darauf, erstmal eine Siesta zu halten. Wir hatte so an eine halbe Stunde gedacht. Unsere Freunde tauchten erst nach vier!!! Stunden wieder auf und erklärten, sie hätten noch nie im Leben so gut geschlafen wie in unserem Haus. Das hat mich sehr gefreut, denn wie Ihr wisst, haben wir im Rahmen der Unser-Haus-soll-schöner-werden-Maßnahmen einen ehemals fensterlosen Kellerraum in ein Gästezimmer umgebaut und ich hatte Befürchtungen, der Raum könnte zu klaustrophobisch sein. Wir haben in die Wand zwischen dem großen Souterrain-Raum, der zur Hälfte unter der Erde liegt, und dem Nebenraum ein Fenster schlagen lassen und dann das äußerst bequeme Bett, das wir in New York gekauft hatten, hinein gestellt. Hier ist es außerdem sehr ruhig. Bei geschlossenem Fenster hört man nachts nichts, bei geöffnetem Fenster hört man manchmal in der Ferne eine Kuh muhen oder einen Hund bellen. Im Morgengrauen beginnen die Vögel mit etwa 130 Dezibel den neuen Tag zu begrüßen. Ich bin echt erleichtert, dass man in dieser Kammer so gut schläft. Die Deko fehlt noch, dazu hatte ich noch keine Zeit.
Abends schauten wir uns das Endspiel der Fußball-Europameisterschaft an.   
Am nächsten Tag machten wir einen Ausflug nach Plasencia, einem schönen Städtchen:

 
Am Montag, zur Mittagszeit, war die Plaza Mayor voll mit Leuten, die ein Bierchen tranken oder einen anderen Aperitif zu sich nahmen. Das ist es, was Ausländer am spanischen Lebensstil so schätzen (kein Foto gemacht). 


Schöne Kühlschrankmagneten, stimmt's? Ich habe aber keine gekauft.
Zum Mittagessen gingen wir in den Parador:


Der ganz, ganz toll möbliert ist. Zum Beispiel:


Es handelt sich bei dem Parador um ein altes Kloster. Wir speisten im Refektorium:


Ob das zu den Zeiten, als hier Mönche lebten, wohl auch schon so luxuriös eingerichtet war?


Nee, die Frage war nicht ernst gemeint. Es war auch kein Vorleser da, der uns Bibelstellen zu Gemüte führte.
So sah meine Nachspeise aus: Toll, gell?


Anschließend fuhren wir weiter, weil wir noch die römische Brücke in Alcántara besichtigen wollten. Auf dem Weg sahen wir, dass weiter fleißig an der AVE-Strecke Madrid-Lissabon gebaut wird (dem spanischen Hochgeschwindigkeitsnetz), obwohl die Portugiesen bereits gesagt haben, dass sie nichts mehr damit zu tun haben wollen. Dann wird eben bis an die Grenze gebaut, ne? In dieser völlig einsamen, menschenleeren Gegend.


Über Straßen, über die ich lieber kein Wort verlieren möchte, kamen wir schließlich zur Römerbrücke:


Sie ist fast zweitausend Jahre alt und wird heute noch benutzt. Hier der Link zum entsprechenden Wikipedia-Eintrag: http://de.wikipedia.org/wiki/Br%C3%BCcke_von_Alc%C3%A1ntara. Diese Brücke ist echt Wahnsinn, aber sie befindet sich ... etwas abgelegen. An der Brücke stand eine Inschrift, die sinngemäß lautete: Jeder, der eine Brücke bauen möchte, sollte sich erst einmal die Römerbrücke von Alcántara anschauen. Aufgrund der abgeschiedenen Lage möchte man als Laie fast sagen: Nur, wer eine Brücke bauen möchte, sollte sich die Römerbrücke von Alcántara anschauen. 
Daneben befinden sich diese aufgegebenen Terrassenanlagen:


Man sieht's nicht gut, aber hinter dieser Modifikation der Landschaft steckte eine wahnsinnige Arbeit. Naja, damals hatten die Leute noch mehr Zeit, da gab's noch kein Fernsehen und kein Internet.
600 Meter weiter flußaufwärts (der Fluss ist der Tajo) steht diese Talsperre:


So, das war's. Unsere Freunde reisten weiter, mein Gatte und ich fuhren zurück nach Hause.

Donnerstag, 28. Juni 2012

Lustiger Wortwechsel

Mein Sohn D. und ich haben vor drei Tagen das neue Auto abgeholt. Der Verkäufer erklärte uns eine Stunde lang technische Einzelheiten und übte zuerst mit meinem Sohn und dann mit mir das Fahren (Automatik!). Unter anderem erklärte er auch das/den??? Bluetooth und stellte ihn/es auf das Handy meines Sohnes ein. "Du sagst "Mama anrufen" und dann kannst du mit deiner Mutter sprechen," fasste er die Bluetooth-Funktion zusammen.
Heute ist mein Gatte zum ersten Mal mit dem neuen Auto gefahren und ich erklärte ihm die technischen Einzelheiten, an die ich mich noch erinnerte.
"Bluetooth, was ist das eigentlich?" fragte er.
"Bluetooth ist eine Verbindung, da sagst du "Mama anrufen" und dann kannst du mit deiner Mutter sprechen", antwortete ich.
"Wenn das stimmt, was du da sagst, dann wäre es ein wunderbares Gerät", antwortete er. (Seine Mutter ist vor 20 Jahren gestorben.)

Sonntag, 24. Juni 2012

Aufregung in unserer Siedlung in Spanien

Vor ein paar Stunden: Ich war im Badezimmer und zog gerade meinen Badeanzug an, als ein Hubschrauber sehr niedrig am Fenster vorbeiflog. Es kommt hier gelegentlich vor, dass Flugzeuge niedrig fliegen, aber das war schon extrem. Ich schaute genauer: es war der Rettungshubschrauber. Er landete auf einer Wiese hinter den Häusern, die unseren Häusern gegenüber stehen. Ich zog mich fertig an, schnappte meine Badetasche und machte mich auf den Weg ins Schwimmbad, das sich neben der Wiese, etwa 3 Gehminuten von unserem Haus, befindet. Schon von weitem sah ich, dass viele Kinder auf dem Dach des Maschinenhäuschens in einer Ecke des Schwimmbads standen und über die Hecke auf die Wiese starrten.   
Die allgemeine Aufregung war für einen gewöhnlichen Herzinfarkt o.ä. eigentlich zu groß. Schon hörte ich die ersten Gerüchte: Jemand hat sich mit der Motorsäge ins Bein gehackt. Das nächste Gerücht: Jemand hat sich mit der Motorsäge in den Hals gehackt! Das dritte Gerücht, das nicht mehr korrigiert wurde und bei dem es dann blieb: Jemand hat sich mit einem Winkelschleifer den Arm abgeschnitten. Unfassbar. Sofort brannte sich dieses Bild in unsere Hirne ein. Meine Freunde und ich versuchten angestrengt, über andere Dinge zu reden und kamen doch immer wieder auf das Thema. Nach einer Weile kam auch noch ein Krankenauto. Es muss jemand aus den Häusern, die unseren Häusern gegenüber stehen, gewesen sein. Aber wer? Pepe war es nicht, der sitzt gerade auf seiner Terrasse und schaut mit seiner Familie Fußball. Aurelio war es nicht, der ist ein Intellektueller und weiß wahrscheinlich nicht einmal, was ein Winkelschleifer ist. Die im nächsten Haus kommen nur im Sommer und sind noch nicht da. Der nächste, Carlos, heimwerkelt, glaube ich, ein bisschen. Gerardo kann's nicht gewesen sein, der war selbst im Schwimmbad. Die Leute im nächsten Haus kenne ich nicht, dann kommt ein Megaheimwerker. Da heute Sonntag ist, glaube ich nicht, dass es ein Arbeiter war, der bei jemandem tätig war.
Der Sonntag ist der Tag des Herrn, am Sonntag ruh' und bete gern, haben wir als Kinder gelernt. 
Der Hubschrauber flog dann weg, der Mann wurde im Krankenauto mitgenommen, berichteten die Kinder. Es wurde vermutet, der Hubschrauber sei losgeflogen, Ärzte zum Wiederannähen einzusammeln. Die medizinische Fürsorge ist wirklich beeindruckend. Ich schätze, die Flugzeit von unserer Siedlung zur Uniklinik beträgt 5 Minuten. Ich weiß, wovon ich spreche, wir haben ein paar Jahre lang in einer Wohnung mit Blick auf einen Hubschrauberlandeplatz gelebt. Die Autofahrt dauert etwa 15-20 Minuten.
Schrecklich, schrecklich. Man muss für jeden Tag dankbar sein, an dem man gesund ist. Wie schnell kann aus fröhlichem Heimwerken eine Tragödie werden.

Update vom nächsten Tag: Was tatsächlich geschah und warum der Rettungshubschrauber kam: Es war der Megaheimwerker. Während er mit einem Winkelschleifer arbeitete, zersprang die Schleifscheibe. Ein Stück schnitt ihm tief in die Hand, zwischen Daumen und Zeigefinger. Die Beobachtungen der Kinder "der Arm hing weg" oder "der Arm wurde separat in einer Kühltasche transportiert" waren falsch. Ein Stück der Schleifscheibe landete in seinem Hals. Die Frau des Heimwerkers rief den Intellektuellen, der von Beruf Arzt ist. Er stellte fest, dass man das Metallstück nicht entfernen konnte, weil die Gefahr bestand, dass das Blut aus der Halsschlagader schießen würde. Deshalb wurde der Rettungshubschrauber gerufen. Die Crew stabilisierte den Verletzten, dann wurde er ins Krankenhaus gefahren. Das Metallstück wurde chirurgisch entfernt, die Hand wurde genäht. In drei, vier Tagen darf er wieder nach Hause, bleibende Schäden werden nicht erwartet. Wahnsinn, wie nah unser Nachbar dem Tod war. Ein schöner Schreck für die ganze Siedlung.    

Dienstag, 19. Juni 2012

Unser Versicherungsvertreter in Spanien

Ja, ich muss mir mal wieder was von der Seele schreiben. Wie in einem anderen Eintrag kurz angedeutet, hat unser lieber, treuer, achtzehnjähriger Packesel (Passat) nach einem Auffahrunfall einen Totalschaden. Gott sei Dank wurde keiner verletzt, das ist das einzige, was wirklich zählt.
Wir sind die Geschädigten, ich musste bereits fünfmal persönlich beim Versicherer antreten, um die Sache voranzubringen, dazu kommen ungezählte Telefonanrufe. Wobei der Vorgang eigentlich völlig klar ist. Dazu will ich auch gar nichts sagen. Ich lasse das jetzt einfach ruhen und wenn sie irgendwann die 1000 Euro bezahlen, die sie uns zugesagt haben, dann ist das recht (ich will den Namen des Versicherers gar nicht nennen, da wir mit ihm nicht besonders unzufrieden sind und da ich auch nicht glaube, dass die anderen besser sind). Wir haben einen neuen Wagen gekauft und versuchen nun, von eben diesem Versicherungsvertreter einen Kostenvoranschlag für eine Vollkaskoversicherung zu bekommen. 
Leute, ich bin die allerletzte, die anderen Menschen gute Ratschläge gibt, da ich mir meiner eigenen Mängel sehr bewusst bin. Gerade eben konnte ich aber doch nicht länger an mich halten. Der Versicherungsheini ist ein dicker Bub, der mit irgendwem verwandt sein muss, anders kann ich mir nicht erklären, warum er da sitzt. (Okay, sein Körpergewicht und sein Alter hätte ich nicht erwähnen dürfen, da sie für seine Unfähigkeit sicher irrelevant sind, auch dünne Menschen im mittleren Alter können völlige Versager sein. Ich wollte nur, dass vor Eurem geistigen Auge irgendwas erscheint (vergesst das durchgeschwitzte Hemd nicht!).) Gestern hatte ich ihn angerufen und ihn einmal mehr um einen Kostenvoranschlag gebeten. Er versprach einen Rückruf, der nicht kam. Ich sprach auf seinen Anrufbeantworter und bat um einen Rückruf ... siehe oben. Ihr denkt jetzt vielleicht, wir sind gewohnheitsmäßige Versicherungsbetrüger und keiner will uns als Kunden. Weit gefehlt. Mein Gatte ist seit dreißig Jahren Kunde dieser Firma und hat noch keinen einzigen Schaden verursacht. In dreißig Jahren wurde sein Wagen einmal abgeschleppt. Dann war mal die Frontscheibe kaputt. Das ist alles. Wir sind der Traum eines jeden Versicherers. Hausrat seit zwanzig Jahren beim selben Laden - noch nie etwas gemeldet.
Heute früh rief ich also nochmal an und bat nochmal eindringlich um einen Kostenvoranschlag. "Ich ruf' dich dann zurück und sag' dir was", antwortete das Bubele. "Nein, du rufst mich nicht zurück und sagst mir was", fuhr ich ihn an. "Du schickst mir eine E-Mail an die Adresse, die du hast. Darin machst du mir ein ausführliches Angebot, auch mit verschiedenen Selbstbeteiligungen. Dabei bedenkst du, dass ich schon andere Angebote habe, die du unterbieten musst. Deine Angebote müssen verbindlich sein. Deinen Anrufbeantworter hörst du entweder ab und bearbeitest, was darauf gesagt wird, oder du schaltest ihn aus. Den Anrufbeantworter einfach zu ignorieren macht einen ganz schlechten Eindruck. Ebenso wie dauernd zu versprechen, zurückzurufen und es nicht zu tun. Versprich nichts, was du nicht halten kannst. Wenn dir jemand seine Telefonnummer gibt, schreib' sie so auf, dass du sie wiederfindest und frage nicht jedesmal neu, nur um dann doch nicht zurückzurufen." Das war's, glaube ich, was ich ihm geraten habe. De nada (das ist spanisch und ist die Antwort auf Gracias, aber bedankt hat er sich natürlich nicht). McKinsey hätte für diese Beratung 1000 Euro genommen.
Nachtrag: Ihr wollt vielleicht wissen, wie das mit unserer Vollkaskoversicherung weiterging: Das Bubele rief irgendwann zurück und sagte mir was.
Sein Angebot lag 50 Euro unter dem nächsten Angebot, das uns in einer schönen, übersichtlichen, ausführlichen E-Mail zugesandt worden war. "Ich weiß gar nicht, warum du mich so angeschnauzt hast", sagte er, "Ich war doch immer nett zu dir, wenn du kamst. Ich war auch nett zu deinen Kindern, als die da waren." (Stimmt! Das hatte ich ja ganz vergessen, D. war einmal dort, weil er als Unfallopfer unterschreiben musste, P. war dort, weil er die Original-Fahrzeugpapiere hintrug, damit der Versicherungsvertreter sie noch einmal fotokopieren konnte, weil er seine ersten Fotokopien verschlampt hatte.). "Ich war auch am Telefon immer nett zu dir," sagte er. "Weißt du was, R.", sagte ich zu ihm, "ich möchte gar nicht mit dir sprechen, ich will auch nicht immer wieder hierher kommen müssen, auch wenn du noch so nett bist, bearbeite unseren Vorgang, überweise die Kohle und fertig, mehr will ich nicht von dir," sagte ich. "Und der Anrufbeantworter, da sind wir nicht schuld, wir wissen einfach nicht, wie er funktioniert," sagte er. Nichts von dem, was ich ihm gesagt hatte, war angekommen. Aber er bemüht sich sehr. Mejor malo conocido que bueno por conocer, dachte ich. Das ist ein spanisches Sprichwort. Übersetzt würde es heißen: Besser das Schlechte, das man schon kennt, als das Gute, das man erst kennenlernen muss. Er ist nett, er bemüht sich. Der Grund, warum die Unfallgeschichte noch nicht geklärt ist, ist folgender: Das Nummernschild des Fahrzeugs, auf welches der Passat meines Sohnes geschoben wurde (also des zweiten Geschädigten), gehörte nicht zum Auto, die Handynummer, die der Fahrzeugführer angab, existierte nicht, usw. Er hatte sich auch von der Unfallstelle entfernt, bevor die Polizei kam, sein kleiner Schaden war ihm egal. "Vielleicht war das Auto gestohlen," vermutete ich. "Na, wir wollen doch nicht gleich etwas Schlechtes denken," sagte unser Versicherungsvertreter. Er hat ein gutes Herz. Die anderen sind auch nicht besser, nehme ich mal an. Also habe ich bei ihm abgeschlossen.

Sonntag, 17. Juni 2012

Immobilien in Spanien: Das Mysterium der Preisfindung

Ich weiß, meine Einträge zum Thema "Immobilien in Spanien" sind bei meinen Lesern unbeliebt, ebenso wie die Einträge zur Krise in Spanien. Ich schreib's halt mehr oder weniger für mich, damit ich später nachschauen kann, wann was los war.
Okay, wie üblich vom Allgemeinen zum Besonderen: Preisrückgang in ganz Spanien seit der Spitze im Mai 2007: knapp über 30 %. Derzeitige Fallgeschwindigkeit 8,4 % pro Jahr. Die Zahlen stammen, wie immer, von www.fotocasa.es.
Neulich war ich in der Stadt und ging spaßeshalber in eines der übrig gebliebenen Maklerbüros. Höflich fragte ich, ob es irgendwelche gute Angebote gäbe. Die Maklerin sah in mir einen üblen Schnäppchenjäger und erklärte, häufig kämen Leute in ihren Laden, die meinten, es gäbe irgendwas geschenkt. Es gibt aber nichts geschenkt. Gute Wohnungen in der Innenstadt haben ihren Preis. Da hat sich noch nichts bewegt, da sinkt nichts und wird auch nichts sinken [sic!!!!!].
"Okay", antwortete ich.
"Die Leute hören da irgendwas im Fernsehen oder im Radio und schon meinen sie, die Preise sinken", schimpfte sie, "die sinken nicht, höchstens in einsamen Gegenden und an der Küste".
"In unserem Ort aber schon", sagte ich.
"Ja, dort vielleicht", antwortete sie, "dort will ja auch keiner hin".
"Okay", sagte ich.
Die Leute wollen in die Stadt und in der Stadt ist es teuer. Gerade erst habe sie an einen Herrn, der eine Wohnung in einem bestimmten Gebäude in einer bestimmten Straße wollte, ebendiese zu einem horrenden Preis verkauft. Wer etwas will, muss dafür bezahlen, informierte sie mich.
Der Durchschnittspreis in der Innenstadt liegt bei 3500 Euro pro Quadratmeter, es gibt gut 400 Wohnungen im Angebot.
Ich zuckte mit den Schultern. Mir ist es recht. Und tschüss.
Wer kauft zurzeit eigentlich? Schnäppchenjäger werden praktisch rausgeworfen, die Tochter von unserem Freund (der, der hofft, dass er Enkel bekommt, wenn seine Tochter in ein großes Haus zieht, dessen Tochter aber eine Wohnung in der Stadt möchte, wie ich Euch in einem anderen Post geschildert habe), die ernsthaft kaufen möchte und über die nötige Kohle verfügt, hat die Suche aufgegeben, da die Preise in der Innenstadt echt und ehrlich NICHT fallen. Es würde mich nicht wundern, wenn das durchschnittliche Lebensalter der Innenstädter deutlich über sechzig liegen würde. Keine junge Familie kann sich die Preise dort leisten. Ich frage mich, ob die Preise irgendwann mal einfach zusammenbrechen oder ob sie runtertröpfeln werden.
Spanien befindet sich im freien Fall. Die Löhne fallen auf eine Art und Weise, die man vor zwei Jahren noch für unmöglich gehalten hätte. Gestern erst hat mir eine Frau erzählt, dass in der Firma, in der ihre Tochter arbeitet, alle Mitarbeiter entlassen wurden (alter Nettolohn: 1200 Euro) und zum Teil für 800 Euro wieder eingestellt wurden. Ihre Tochter hat sich für's erste in die Arbeitslosigkeit begeben, da stellt sie sich finanziell günstiger. Mitarbeiter mit Familie und/oder Hypothekenjoch haben das Angebot angenommen. Nein, das ist kein Schauermärchen und auch kein seltener Fall, das ist das tägliche Brot hier. Und, Leute, warum soll ich denn jemandem 1200 Euro zahlen, wenn sich auch bei 800 Euro die Leute um den Job kloppen? Tja.
So, und nun zu unseren Versuchstierchen: Die Reihenhäuschen, die ich am 24.10.2011 beschrieben habe, deren Preis von 345.000 Euro auf 245.000 Euro gesenkt wurde, sind nicht auf den Radarschirm zurückgekehrt, verkauft wurde auch keins. Nehmen wir also an, dass sie sich im Eigentum einer Bank befinden und diese sich noch nicht dazu aufgerafft hat, die Häuschen auf den Markt zu bringen.
Die drei Häuser in unserer Straße: Das von der feinen Dame - sie kam persönlich bei mir vorbei, um mich in Kenntnis zu setzen, dass sie den Preis ihres Anwesens von 420.000 Euro auf 360.000 Euro heruntergesetzt hat. Das ist lieb, nicht wahr? 360.000 Euro deshalb, weil das letzte Haus, das in unserer Straße verkauft wurde, zu ungefähr diesem Preis den Besitzer wechselte. Ich dachte mir, sagte aber nichts, weil ich diese gute Verkäuferin, die sich in einer schwierigen Situation befindet, ziemlich bewundere: Wenn das Haus vor über einem Jahr zu diesem Preis verkauft worden ist und die Preise seit dem um mindestens 8,4 % gefallen sind, müsste der neue Preis eigentlich 330.000 Euro betragen. Ich sagte aber nichts. Es entspann sich folgendes Gespräch: 
Sie: "Weißt du, das mit den Preisen, dahinter steckt die unsichtbare Hand."
"Welche unsichtbare Hand?" fragte ich.
Sie: "Weißt du das nicht? Die unsichtbare Hand? Adam Smith?"
Sie setzte dann zu einem wissenschaftlichen Diskurs an, von dem ich nichts mitbekam, weil ich vor Entsetzen die Ohren zu machte. 
Mein Sohn klärte mich später darüber auf, dass Adam Smith der von "Wenn jeder an sich denkt, ist an alle gedacht" ist. Ich habe keine Ahnung von Wirtschaftswissenschaften und aufgrund meiner Unaufmerksamkeit habe ich auch nicht mitbekommen, warum Adam Smith dafür verantwortlich ist, dass sie den Preis für ihr Haus nicht weiter senkt.
Dann sind mittlerweile noch zwei weitere Häuser in unserer Straße im Angebot, eins zu 360.000 und eins zu 450.000 Euro, beide identisch, beide schlechter als das der feinen Dame. Wisst Ihr, was ich mir mittlerweile gedacht habe? Ich meine, es ist doch echt hirnrissig, für einen identischen Gegenstand 90.000 Euro mehr zu verlangen als der Wettbewerber ... vielleicht sind die Verkäufer Freunde und das eine Haus steht gar nicht zum Verkauf, es soll nur das andere billiger aussehen lassen. Das ist die einzige Erklärung, die mir einfällt. Nun ja, die Preise stehen alle unter meiner Beobachtung. Einfach so, spaßeshalber. Wenn ich noch einmal jung wäre und Wirtschaftswissenschaften oder Psychologie studiert hätte, würde ich zu diesem Thema forschen. Naja, macht bestimmt irgendwo irgendwer, wir werden es nur nicht zu lesen bekommen. Man könnte ja mal suchen, im Internet ...

Montag, 11. Juni 2012

Lustig, oder?

Spanischer Bekannter mit deutschem Migrationshintergrund: "Wenn das so weiter geht mit der Krise, gehe ich mit meiner Familie nach Deutschland ... mein Geld ist eh schon dort."

Samstag, 9. Juni 2012

Krise in Spanien - Von starken Mächten unterstützt


"100 Milliarden Euro für die Banken - und damit hat sich's dann aber auch. Ganz sicher." Uahahahahahaha, hihihihihihihihi- (Schenkel klopf) - bruhahahahahahah - (Tränen aus den Augen wisch) - hihi. Ähemm.
100 Milliarden Euro für die Banken - die sind aber mit Auflagen verbunden, nur für die Banken natürlich, der Staat darf weiter wirtschaften wie bisher.
Was könnten diese Auflagen sein? Ich vermute mal, die folgenden Dinge sind es nicht
- Die alten Leute, denen die Banken ihre Lebensersparnisse durch Verkauf von "preferentes" gestohlen haben, erhalten ihr Geld zurück (Participaciones referentes sind Papiere, für die die Banken nur Zinsen zahlen, wenn sie Gewinne in gewisser Höhe erzielen, ansonsten nicht, Laufzeit endlos. Den Kunden wurde erzählt, sie könnten ihr Geld jederzeit zurückbekommen.) 
- Die Familien, die die Hypotheken für ihre völlig überteuert gekaufen Wohnungen nicht bezahlen können, weil ein Familienmitglied arbeitslos geworden ist, werden nicht mehr zwangsgeräumt (zurzeit werden aus diesem Grund allein in Madrid 500 Familien pro Monat vor ihre eigene Wohnungstür gesetzt, habe ich im Radio gehört). Es wird eine gerechte Lösung gesucht. Es ist mir schon klar, dass man den Leuten die Wohnungen nicht schenken kann. 
- Die Menschen, die durch den Verkauf von Bankia-Aktien betrogen wurden ... okay, die haben es nicht anders gewollt, aber konnten die ahnen, dass sie innerhalb eines Jahres 70 % ihrer Geldanlage verlieren? Okay, wenn sie 70 % Gewinn erzielt hätten, hätten sie auch nicht gejammert.
- Die Bankmanager, die das Chaos verursacht haben und jetzt mit Abfindungen in Millionenhöhe heim gehen dürfen, erhalten diese Abfindungen nicht.
- Die Banken werden gezwungen, die hunderttausende von Wohnungen, die sich mittlerweile in ihrem Besitz befinden, zu Preisen, die die Menschen bezahlen können, zu verkaufen (hihihihihihi, hahahahahaha, nein, ich bin nicht auf Drogen).
Usw., usw., usw., all diese Auflagen sind es natürlich nicht. Ehrlich gesagt ist es ist mir völlig wurscht, was die Auflagen sind. Ich finde es nur erstaunlich, wie frech man uns belügt. Stellt Euch mal vor, Ihr hättet jemanden in der Familie, der so lügt wie ein Politiker ... das Zusammenleben wäre unmöglich. Für die Spanier ist jede finanzielle Planung unmöglich. Alles, was einem der spanische Bankberater empfiehlt, kann ein Versuch sein, das Geld des Kunden zu stehlen. 
100 Milliarden ist ganz schön viel, oder? Man hat gar kein Maß bei solchen Summen.
Werden die Südländer aus dem Euro fliegen? Ich glaube ja. Wann? Hoffentlich nicht mehr in diesem Jahr. Echt schade, was im Moment abgeht. Warum erklärt man uns nicht, was wirklich los ist? Ich würde es gern wissen. Ich habe keine Ahnung. Ich lese gerade das Buch "This Time is different"/"Dieses Mal ist alles anders" von Carmen Reinhart und Kenneth Rogoff - für Hausfrauen nicht einfach zu lesen, aber ich möchte versuchen zu verstehen, was los ist. Diese beiden Wissenschaftler haben Krisen der vergangenen 800 Jahre untersucht und zeigen anhand der Geschichte so allerhand auf. Es ist für mich als Bürgerin beleidigend, von den Politikern und Medien so belogen zu werden.

Donnerstag, 7. Juni 2012

Lustiger Wortwechsel

Heute hatte ich mit meinem fast erwachsenen Sohn, der auch nicht durch den Anfangsbuchstaben seines Namens identifiziert werden möchte, folgenden Wortwechsel:
Er: "Wie lange dauert eigentlich die Fußball-Europameisterschaft?"
Ich: "Ich glaube, vier Wochen."
Er: "Vier mal sieben ... das sind fünfzig ... das sind drei Wochen."
?!?

Sonntag, 3. Juni 2012

Unsere Reise durch England und Schottland - Stratford-upon-Avon

Stratford-upon-Avon hat, wie gesagt, unsere Erwartungen weit übertroffen. Wir waren gar nicht mal so sicher, ob wir überhaupt hinfahren sollten, weil wir es uns total überlaufen vorstellten, aber dann dachten wir: Nee, wir können England nicht verlassen ohne uns die Shakespeare-Stadt angeschaut zu haben. Sie ist einfach ein Muss, ob man will oder nicht. Auf dem ersten Foto seht Ihr Shakespeares Geburtshaus. Es war Mitte Mai. Seht Ihr, wie überlaufen es war?


Und das Wetter war ausgezeichnet. So sehen in Stratford-upon-Avon die Straßen aus:


In diesem Haus hat Shakespeare ebenfalls gelebt:


Was wir heutzutage häufig nicht beachten, insbesondere Schüler, die mit Shakespeare gequält werden, ist, dass Shakespeare zu seiner Zeit gar kein klassischer Autor war. Er schrieb in der Sprache seiner Zeit, seine Stücke waren keine Bildungsliteratur, sondern dienten der Unterhaltung. Die Rezeption zu seinen Lebzeiten war ganz anders als heute, wo man schon vor Bildungswut strammt steht und ein ehrfürchtiges Gesicht aufsetzt, wenn man nur seinen Namen hört. 


Das Städtchen war so ruhig und ... peaceful. Seht Ihr, wie krumm und schief das Gebäude ist, in dem die Polizeistation untergebracht ist?


Einfach nur schön:




 Ann Hathaways Cottage: In diesem Haus wuchs Shakespeares Frau auf, hier hat er sie besucht. Es liegt etwas außerhalb des Städtchens, man kann gemütlich hinspazieren.


Stratford war unsere letzte Station, bevor wir nach London zurückkehrten.

Jubilee!

Your Majesty, if thou, by any chance, readest these lines: Congratulations!

First things first, gell?
Wie Ihr wisst, war ich vor kurzem in England/Schottland. Ich war beeindruckt, was es da alles mit der britischen Flagge drauf gab. Hier ein paar Beispiele:

Teegeschirr, Gebäckdosen, ein Tablett, das vor dem Tablett ist ein Kofferradio, das rechts daneben eine Thermoskanne, das längliche Kissen ist für unten an die Türe, damit die Kälte nicht rein kommt (ob das wohl als Dämmung subventionsfähig ist?).
Von links nach rechts: Feuerzeug, Spielkarten, Kugelschreiber, Golfbälle, Regenschirme ... wer das küssende Paar auf dem einen Teller ist, will mir gerade nicht einfallen, ich meine die beiden aber schon öfter gesehen zu haben.
Schnapsgläschen, Keksdosen, die Pfundzeichen mit der Flagge drauf sind Salz- und Pfefferstreuer, Minitellerchen, auf denen man seine gebrauchten Teebeutel ablegen kann, Marmelade.
Taschentücher (Toilettenpapier mit dem Union Jack drauf habe ich nicht gesehen, aber wenn man seine Nase hinein schneuzt, ist das anscheinend okay), Kühlschrankmagneten, bei den silbernen Kästchen dachte ich, sie enthielten Kondome, stimmt aber nicht, sie enthielten Minzpastillen, naja, wenn sie leer sind, kann man ja hinein tun, was man will. Das ganz rechts sind Labellos.  
Teegeschirr, Muffinförmchen. Die Muffinförmchen (aus Papier) und noch mehr England-Backdeko habe ich gekauft. Der Laden in Stratford-upon-Avon hieß "Lakeland". Er hat ein tolles Sortiment. Außerdem habe ich noch krönchenförmige Ausstechförmchen gekauft. Süß! Mein Gatte wartete draußen und hörte einem Straßensänger zu, der das berühmte Lied  "Hallelujah" von Leonard Cohen zum Besten gab. Welches mein Gatte dann für den Rest des Nachmittags vor sich hin summte. Und auch mir als Ohrwurm einpflanzte. Meine Lieblingsversion ist diese hier von Rufus Wainwright: http://www.youtube.com/watch?v=kB67HO8tkQs  Die gekauften Sachen sind noch in England. Ich werde sie Euch bei Gelegenheit zeigen. Ich will damit mal so einen richtigen High Tea mit allem Luxus machen.
Papierteller ... und der Grund, warum ich dieses Schaufenster fotografierte: Face Paint in den Nationalfarben.
Ratet mal, was dieser Laden verkaufte? Richtig, es war ein Optiker.

Ich habe noch mehr Fotos, aber ich will Euch nicht allzu sehr langweilen. Weitere Dinge, die man nicht sofort mit dem Union Jack assoziieren würde, die aber dennoch davon geziert wurden: Wärmflaschen, Bettwäsche, Ober- und Unterbekleidung (Bikinis, BHs, Unterhosen, T-Shirts, Jacken...), Handtücher, Möbel, Kissen, Teppiche ... ich glaube, wenn man möchte, könnte man seine Wohnung und sich selbst ausschließlich mit Union Jack-Sachen ausstatten.