Montag, 25. Juli 2011

Wir waren in Kew Gardens, dem botanischen Garten von London

Heute will ich Euch mal nicht so extrem die Augen voll schwätzen. Stattdessen ein paar Bilder (und ein paar Worte am Schluss):

Jurassic Park im Tropenhaus

Schön, oder?

An einer Stelle gab es einen kurzen Baumkronenrundweg. Man stieg 118 Stufen hinauf und konnte
dann in luftiger Höhe zwischen den Wipfeln flanieren. 

Englische Parklandschaft wie aus dem Bilderbuch

Japanische Gärten finde ich toll. Der Kies war wie ein Fluss angeordnet.
Beachtet links das Brückchen. So was hätte ich auch gern in meinem Garten
(den Kies mit dem Brückchen, nicht das Tor im Stile des 16. Jhds.).

Englische Moorlandschaft? Hound of the Baskervilles?

Tolle Blickachsen

Im Seerosen-Haus

Auch dort

Perfekter Rasen, gestochen scharfe Kanten, ja, da wird der faule Hobbygärtner neidisch
Was man auf den Bildern nicht sieht, ist, dass, alle 70 Sekunden ein Flugzeug über den botanischen Garten donnerte (ja, wir haben es gestoppt, wir sind so). Kew Gardens liegt in der Einflugschneise von Heathrow und am Wochenende haben in England die Ferien begonnen.
Für den Besuch reserviert man am besten einen ganzen Tag. Wir haben es nicht geschafft, alles zu sehen. Ich denke, man kommt idealerweise schon morgens und bringt sich einen Picknickkorb bzw. ein paar belegte Brote mit. So amortisiert man auch den Eintritt, der mit 14 Pfund (16 Euro und zur Erinnerung: fast 32 Mark pro Person) nicht gerade niedrig ist. Für Untersechzehnjährige ist der Eintritt frei, Familien werden also nicht komplett ausgeblutet.
Es gibt sehr viel zu sehen. Mir hat die Redwood Grove gut gefallen. Dort stehen Sequoias, diese Riesenbäume aus Kalifornien. Diese Bäume anzufassen ist toll. Ich war nicht die einzige, die diese Kerle streichelte. Ich musste an den Ausdruck "Tree hugger" denken, eine abfällige Bezeichnung für Naturschützer. Aber die Sequoias sind schon echt kuschelig ... Wir haben auf dem Boden nach Samen gesucht (die wir dann in unseren Zwergengarten gepflanzt hätten), es ist aber nicht die richtige Jahreszeit dafür, die erstaunlich kleinen Tannzapfen waren alle leer. M. hat das Klima im Tropenhaus besonders genossen. Das Seerosenhaus fanden wir auch toll (und dabei hätten wir es um ein Haar verpasst, weil wir da schon ziemlich müde waren).
Wir waren im Pavillion-Restaurant zum Essen, nachfolgenden Besuchern würde ich davon abraten. Als wir den Laden betraten, sagte mein ältester Sohn: "Hier ist es ja wie im Altersheim!" und es stimmte: helle, freundliche skandinavische Tische und Stühle, Tabletts mit Essen und massenhaft weisshaarige Damen. Wir schnappten uns was zum Essen (räusper) und gingen mit unseren Tabletts nach draussen. Da war es gemütlich, wie in einem Biergarten. Zwischen den Tischen spazierten Pfauen herum. 
Also, der Londoner botanischen Garten ist toll, für diejenigen, die sich länger in der Stadt aufhalten, lohnt sich der Besuch.

Freitag, 22. Juli 2011

Immobilien in Spanien: Im Südwesten nix Neues

Ja, doch, es landen gelegentlich Leute auf meinem Blog, die Informationen zum Thema Immobilienpreise in Spanien suchen. Daher als allgemeine Info: Der Preisrückgang seit dem Höchststand 2007 oder 2008 (je nach Ort) beträgt bisher (je nach Quelle) zwischen 15 und 20 %. Die derzeitige Fallgeschwindigkeit liegt bei 5,1 % pro Jahr. Und damit Ihr seht, dass ich mir diese Zahlen nicht aus dem Finger sauge, hier ein Link:
www.elpais.com/articulo/economia/precio/vivienda/sigue/ajuste/cae/51/abril/junio/tasa/interanual/elpepueco/20110718elpepueco_4/Tes
So, nun aber vom Allgemeinen zum Besonderen, nämlich dem Haus in unserer Strasse, dessen Preisfindung ich (und die gesamte Nachbarschaft) beobachte. Ich habe die Sachlage in meinem Eintrag vom 8. April 2011 beschrieben, wenn Ihr rechts auf "Immobilien in Spanien" klickt, könnt Ihr ihn leicht finden. Was gibt es also Neues? Nix. Der geforderte Preis liegt unverändert bei 420.000 Euro. 
Es gibt aber interessante Stimmen zum Thema:
Bei einem Abendspaziergang mit einem Bekannten, seines Zeichens Dozent an der wirtschaftswissenschaftlichen Fakultät, kommen wir am in Rede stehenden Haus vorbei. Er sieht das "Se vende"-Schild und fragt: "Wisst ihr, was die dafür wollen?" Ich antworte ihm: "420.000 Euro. Findest du das zu viel?" Er nach kurzem Überlegen: "Nein, das finde ich genau richtig ... zu diesem Preis wird es aber niemand kaufen."
Gespräch mit einem lieben Freund, Lehrer im Ruhestand, dessen Tochter sich mit ihrem Mann in der Stadt eine kleine Wohnung kaufen möchte. Er hätte aber gern, dass sie ein grosses Haus ausserhalb kauft  (würde ungefähr gleich viel kosten), da er meint, dass die Wahrscheinlichkeit, dass er einmal Enkel bekommt, höher ist, wenn seiner Tochter mehr Wohnraum zur Verfügung steht. Er fragte mich also: "Was kostet denn das Haus, das bei euch in der Strasse verkauft wird?" Ich: "420.000 Euro. Findest Du das viel?" Er: "Nein, das ist okay, soviel kostet so ein Haus. Die Wohnungen in der Stadt kosten auch soviel." Ich: "Meinst du nicht, dass deine Tochter warten sollte? Die Preise fallen doch." Er: "Nein, die fallen nicht. Die Preise für die guten Wohnungen nicht. Ausserdem sind hier in der Gegend alle Häuser abbezahlt und die Leute haben es nicht eilig mit dem Verkaufen. Die haben genug Geld. Die gehen mit dem Preis nicht runter. Das Angebot wird nur immer grösser. Die warten einfach, bis die Preise wieder steigen."
Häh??? Wann war das eigentlich, als das Gesetz von Angebot und Nachfrage ausser Kraft gesetzt wurde? Ich hab's irgendwie nicht mitbekommen. Die Logik hier ist einfach grauenvoll. 
Stimme der Vernunft: unsere liebe Nachbarin M., deren Mann früher Metzger war und dann im Rahmen des Booms Bauunternehmer wurde (nee, da hat er keine Zusatzausbildung benötigt). Sie meinte: "420.000? Ich glaube nicht, dass sie mehr als 300.000 für ihre Hütte bekommen werden."
Also, ich tippe auf 350.000. Ihr braucht nicht gespannt auf der Stuhlkante sitzen und an den Nägeln kauen. Es kann lange dauern, bis sich da was bewegt - dann kann es aber sehr schnell gehen. Ich werde Euch, so Gott will, informieren.

Mittwoch, 20. Juli 2011

Kolumbianisches Rezept: Sudao



Ja, Leute, ein neues Rezept für die Sammlung, nämlich die kolumbianische Spezialität "Sudao", zu deutsch "Geschwitzt". Eine liebe Freundin hat sie für uns zubereitet: ein achtzehnjähriges Mädchen, das kochen, schnippeln und dabei die Küche in Schuss halten konnte wie ein Profi. Hut ab. Es war erstaunlich. 
Wie ging sie vor? Sie begann damit, dass sie eine halbe rote und eine halbe grüne Paprikaschote sowie eine halbe, durchschnittlich grosse Zwiebel in feine Würfel schnitt. Schon daran, wie sie alles zerkleinerte, erkannte man die erfahrene Hausfrau. Wow. Man erwartet es eben nicht bei einem so jungen Menschen. Sie gab zwei Esslöffel Olivenöl in unseren Schnellkochtopf, erhitzte sie, gab die Gemüsewürfelchen dazu und briet sie etwa fünf Minuten an. Dazu kamen dann zwei ebenfalls klein geschnittene Tomaten und 200 g pürierte Dosentomaten (eine halbe kleine Dose). Das Ganze briet kurz weiter, dann kamen 1/2 Esslöffel Salz und 3 Tassen (750 ml) Wasser dazu. Während nun alles vor sich hinköchelte, schälte sie zwei Kochbananen und zerteilte sie in etwa 4 cm lange Stücke. Diese kamen auch in den Topf, ebenso wie eine Yuca (Maniokknolle, etwa 500 g). Das sind so braune, längliche Rüben. Ich hatte sie schon oft im Supermarkt gesehen und gedacht: "Wer kauft das bloss? Was macht man bloss damit?" Jetzt weiß ich es. Die Südamerikaner kaufen sie und machen leckere Sachen damit. Man schält sie, bis sie ganz weiß sind, halbiert sie längs und schneidet sie in große Stücke. Ab damit in die Brühe. Es folgten pro Personen eine halbe, eher kleine Kartoffel, in Scheiben geschnitten, und ein enthäutetes, in Stücke geschnittenes Hähnchen. Sie verwendete das Hähnchen ohne Haut, damit der Eintopf nicht so fett würde. Gut so. Falls man für weniger Personen kocht (diese Menge reicht für 8 hungrige Esser), nimmt man besser Hähnchenschenkel o.ä., meinte sie. So, nun teilte sie noch 2 Maiskolben in so viele Teile, wie Personen am Tisch saßen, gab auch diese in die Brühe und machte den Schnellkochtopf zu. 15 Minuten volle Pulle. Topf öffnen, fein gehacktes frisches Koriandergrün unterrühren. Fertig. Das Gericht wird auf Reis serviert.
Sie bereitete den Reis so zu: Wasser zum Kochen bringen (2 Tassen Wasser auf eine Tasse Reis), Salz, Öl, einen Hühnerbrühwürfel und den gewaschenen Reis hinzugeben, ein paar Mal umrühren, dann einfach bei geringer Hitze stehen lassen, bis er fertig ist. 
Wir streuten dann noch reichlich Koriandergrün obendrauf. Mir ist bekannt, dass dieses Kraut nicht jedem schmeckt. Man könnte stattdessen sicher auch Petersilie nehmen (aber mit dem Koriandergrün ist es schon sehr lecker). Da der Sudao jedem schmeckte, kommt dieses Rezept ganz sicher in unser Repertoire.
Die Kolumbianer haben übrigens heute ihren Nationalfeiertag, den "Día de la Columbianidad", den "Tag der Kolumbianität". Interessant dieser Satz, den sie in ihren Pässen stehen haben: "El buen nombre de COLOMBIA en el mundo depende del respeto que usted dé a las leyes y costumbres de las naciones que visita." Zu Deutsch: "Der gute Ruf KOLUMBIENS in der Welt hängt von dem Respekt ab, den Sie den Gesetzen und Gebräuchen der Länder entgegen bringen, die Sie besuchen." Eine eigenartige Ermahnung, nicht wahr? Ob jemand sein (geplantes) Verhalten ändert, weil er diese Zeilen liest? "Eigentlich wollte ich ja Sangría aus Eimern saufen, aber jetzt mache ich es doch nicht, weil ich den Ruf meines Landes nicht beschädigen will." Ob's da statistische Untersuchungen zur Wirksamkeit dieses Hinweises gibt?  
Sudao kann man übrigens auch mit Rind- oder Schweinefleisch oder mit Fisch machen. Für Spanier lustig ist der Satz: "Me encanta el olor a sudao", "Ich mag's, wenn's nach Schweiß riecht", der für unsere Köchin "Ich mag's, wenn's nach Sudao riecht" bedeutete. 

Mittwoch, 13. Juli 2011

So war die Gartenparty bei der Queen

(Rasch ein Blogeintrag, bevor ich es zehnmal am Telefon erzählen muss/darf):
Alllso, wie war's bei Lisbeth und Philip?
Kurzfassung: Toll.
Langfassung: Am in Rede stehenden Tag, um kurz nach zwei, begann ich, mich in Schale zu werfen. Die Klamotten, die ich Euch im vorherigen Post beschrieben habe, waren genau richtig. Die Pfennig-Absätze sanken ein bisschen im Rasen ein, aber gut, so wird er vertikutiert, gell? Ich hatte mir am Ende doch noch einen Hut gekauft und war froh drum. Viele Frauen hatten nur aufwändige Haarspangen, aber ein Hut war schon besser. Ich hatte noch nie zuvor einen Hut getragen und ich muss sagen, das Gefühl war ganz angenehm. Man fühlt sich irgendwie beschützt, im wahrsten Sinne des Wortes "behütet". Da kann man auch die islamischen Frauen verstehen, die halbe Moscheen auf dem Kopf spazieren tragen. Nach zwei Stunden mit dem Deckel auf dem Kopf wurde es mir aber etwas warm darunter und ich war froh, ihn wieder abnehmen zu können ("Bevor dein Hirn vollends geschmolzen ist", sagte mein Sohn. Haha. Ha.). Mein Gatte trug einen guten, dunklen Anzug. Das war richtig. Manche Männer trugen Frack und Zylinder, das war auch okay, Schottenröcke oder Soutanen (alles okay), Militäruniformen oder regionale Trachten (darauf komme ich später noch). Wie ich in einem englischen Forum gelesen habe: It's easy for the blokes. 
So. Um halb drei fanden wir uns im Büro meines Gatten ein (8 Minuten Fussweg), wo eine Kollegin wartete, die über einen Wagen mit Fahrer verfügt. Unterwegs holten wir noch eine weitere Dame ab. Schon bald kamen wir in die Nähe des Buckingham Palasts, wo wir eine riesige Schlange behüteter Damen und ihrer "blokes" sahen. ("bloke" ist ein Wort aus dem englischen Englisch, das wohl "Mann" bedeutet. Ich habe keine Ahnung, ob das irgendwelche Konnotationen hat, ich find's einfach ein lustiges Wort.)
Die eine Dame im Wagen sagte: "Wir brauchen uns da nicht anstellen. Wir fahren bis ans Tor." Ich dachte, das wäre ein Witz und schlug in dieselbe Kerbe: "Ja, ne? Wir spazieren einfach an allen vorbei." Ich hatte echt gedacht, es wäre ein Witz. Ich bin nämlich die Leute, die sich immer brav hinten anstellen (und dann womöglich noch zehn anderen den Vortritt lassen). Aber es war kein Witz gewesen. Wir fuhren bis direkt vor's Tor, zeigten unsere Einladungen und spazierten hinein. Tja. so geht das. Deshalb haben es diese Damen eben im Leben beruflich auch zu etwas gebracht und ich nicht. Wow, da kann man nur den Hut ziehen. Ich hab' dann auch nicht mehr versucht, noch irgendwas witziges zu sagen.
Nun ging es in den Vorhof und von dort durch den Palast in den Garten, den wir letzten Sommer schon bei einer Besichtigung gesehen hatten. Sicherheitsmassnahmen? Null.
Im Garten hatten sich schon viele Untertanen Ihrer Majestät versammelt. Es hatte etwas Rührendes: All diese vielen Menschen (tausende), die sich nach bestem Wissen und Gewissen schick gemacht hatten und die Ehre genossen, bei Königin Elisabeth eingeladen zu sein. Es war eine sehr angenehme Stimmung. Alle super gelaunt und entspannt ... es gab Fotografier- und Handyverbot. Das trug auch viel zur guten Atmosphäre bei, glaube ich: Die Besucher entspannen sich, sie müssen sich nicht überlegen, oh, wen oder was fotografiere ich jetzt, vorsichtig, ich laufe anderen Leuten durch's Bild. Es wird nicht fotografiert, punktum und Ruh' is'. Fand ich gut. (In den Ecken des Parks wurde dann doch fotografiert, aber das störte nicht). Für das Handyverbot auch ein dickes Lob. Die Leute flanierten durch den Park ... es war herrlich. Alle zufrieden, alle froh, dass sie da sein durften. Auf jeder Seite des grossen Rasens spielte eine Musikkapelle. Die meisten Besucher waren weisse Engländer, eine Bevölkerungsgruppe, die man im Londoner Stadtbild oft vergeblich sucht.
Um 16 Uhr erklang die Nationalhymne und Ihre Königliche Hoheit kam aus dem Palast. Die Gäste hatten ein Spalier gebildet, durch das sie lief. Wir standen ganz am Ende. Und die Queen kam und kam nicht. Mittlerweile gab es im Teezelt schon Tee und Kuchen. Als zünftige Kleinbürger wurden wir natürlich von panischer Angst befallen, es könnte kein Tee und Kuchen mehr für uns übrig sein, wir müssten uns zwischen Tee und Queen entscheiden ... Nervös warteten wir ein Weilchen, dann entschlossen wir uns, um das Teezelt herumzurennen (nicht wörtlich) und uns in den gesonderten Bereich zu begeben, auf den wir ein Anrecht hatten (wir raffen's nicht). Also, husch, husch ins Teezelt und dort auf Ihre Heiligkeit gewartet. ("Zelt" ist eigentlich das falsche Wort, denn es handelt sich um einen luxuriösen, nach drei Seiten offenen Unterstand.) Die Logistik im Teezelt war perfekt: Man nahm sich einen rechteckigen Porzellanteller mit einer Vertiefung, in die man die Teetasse oder ein Glas Saft etc. stellen konnte und griff dann bei den Häppchen zu. Die Häppchen nahm man sich mit der Hand, das fand ich gut. Wenn es Zangen gegeben hätte, dann hätte bestimmt die eine oder andere auf dem Boden gelegen, auf den Platten wären zerquetschte Törtchen gewesen, bei den Cucumber-Sandwiches fünf Zangen und bei den Schinken-Käse-Sandwiches keine. Man kennt's doch. Wem's zu unhygienisch ist, der kann's ja bleiben lassen. Es gab auch keine Servietten. Auch gut. Servietten, die nicht da sind, fliegen auch nicht zusammengeknüllt auf dem Boden herum, und wer sich richtig einsaut, der hat bestimmt ein Taschentuch dabei oder lässt sich von irgendwem eins geben. Was gab's also? Verschiedene Sandwiches, Törtchen, z.B. sehr dichte Schokoladentörtchen (etwa 2,5 auf 2,5 cm) mit Krönchen-Verzierung, süssss! Törtchen aus rundem Mürbteig (Durchmesser 2,5 cm) mit Vanillecreme und Himbeeren, mit sehr leckerer Zitronencreme, mit Lachs, Früchtebrot und verschiedene andere leckere Sachen, an die ich mich nicht mehr erinnere. Es war für viele tausend Menschen von allem genug da, das finde ich toll. Ausserdem liefen auf dem Rasen noch Helfer herum, die Eis in kleinen Bechern verteilten (mir unbekannte englische Marke, ich hab's auch nicht probiert) und den Müll wieder einsammelten. Toll. Das Geschirr (ich hab's extra umgedreht) stammte auch aus England. Uff, eine Erleichterung. Mein Gatte sagte: "Hast Du echt geglaubt, das Geschirr bei der Gartenparty der Queen wäre Made in China?". Ich musste ihm antworten: "Ja." In unserer heutigen Zeit ...
Wir standen also da und warteten auf die Queen ... und dann kam sie, in einem gelben Kleid mit gelben Hut. Warum ich gedacht hatte, sie wäre gross und kräftig, so eine Übermama, keine Ahnung. Sie ist schmächtig und - obwohl sie supergut beim Zeug ist - auch nicht mehr die Jüngste. Als sie zu dem Punkt kam, an dem wir standen, war sie bereits 50 Minuten durch die Menge marschiert. Sie strahlte in unsere Richtung, die Besucher lächelten zurück und klatschten ein bisschen. Ein sehr schöner Moment. Eine Erinnerung für's Leben. "Creating memories", wie die Amerikaner sagen. Dann begab sie sich in's königliche Zelt. Etwa eine Minute später tauchte überraschenderweise auch noch Prinz Philip auf. Er ist neunzig und in einem Topzustand. Erstaunlich. Was diese Menschen im Laufe ihres Erdendaseins alles erlebt haben ... Das müssen superinteressante Leute sein. "Schade, dass solche Leute keine Memoiren schreiben", sagte mein Gatte.
Königin Elisabeth und Prinz Philip befanden sich nun also im königlichen Zelt und assen unter den Augen tausender Besucher, die sich in gebührendem Abstand befanden, Kuchen, tranken Tee und schwätzten mit ausgewählten Gästen. Die eine Frau hatte ich schon in Zeitschriften gesehen, weiss aber nicht, wer sie ist. Im selben Zelt waren auch die eingeladenen Botschafter. Apropos regionale Trachten: ein Mensch mit schwarzer Hautfarbe in einem weissen Anzug, enge Hose, langer Kaftan mit riesigen Stoffmengen und weisser Turban ... volle Punktzahl. Araber in weissen Kitteln mit ganz dünnen schwarzen Kitteln mit Goldbesatz darüber, das sah superelegant aus. Die dazu gehörige Dame, mit schickem Schleier, trug einen Armreif ... einen der schönsten Armreifen, die ich je gesehen habe. Er sah aus wie eine grosse Sprungfeder aus Gold. Wow. Dann gab es noch zwei dicke Männer in schwarzen, langen Röcken mit Baströcken darüber. Obenrum trugen sie normale Sakkos, weisse Hemden und Krawatten. Aber die Röcke! Jemand vermutete, dass es sich um die Vertreter Hawaiis handelte. Hmhmhm. Es wären ja dann Vertreter der US-amerikanischen Botschaft gewesen - die Röcke, insbesondere die Baströcke, passten nicht so zu dem martialischen Bild, das die Amerikaner ja gern vermitteln. Jemand tippte dann auf Tonga. Gibt's das überhaupt? Das Wort passte irgendwie zum Bild. Dabei blieb's dann. Tonga.
Wir spazierten dann noch eine Weile durch den Park.
Nach einer knappen Stunde gingen die Queen und Prinz Philip (und liefen wieder direkt an uns vorbei). Sie machten einen netten, gut gelaunten Eindruck. Ich war positiv überrascht. Die Nationalhymne spielte und zeigte das Ende des Nachmittags an.
Voller positiver Eindrücke machten wir uns auf den Heimweg. Ein schöner und sehr gelungener Nachmittag.  

Sonntag, 10. Juli 2011

Einladung zur Gartenparty bei der Queen

Ja, Leute, ob Ihr es glaubt oder nicht: mein Gatte wurde zur Gartenparty Ihrer Königlichen Hoheit eingeladen und ich darf ihn begleiten. Wow, gell? Ich bin so nervös, dass ich mich kaum freuen kann. Dabei sind wir natürlich nicht die einzigen Gäste, ein paar tausend Andere haben ebenfalls diese große Vergnügen. Übermorgen ist es so weit.

"Bob has a cat, Maud has a hat." Wer erinnert sich? 
Als mein Gatte mich von der Einladung in Kenntnis setzte, war meine zweite Frage natürlich: "Was zieht man denn da an????" (Die erste war: "Willst Du mich veräppeln?")
Mein elegantestes Kleidungsstück war bisher ein schwarzer Hosenanzug, aber für eine Gartenparty ist der sicher unpassend. Ich begab mich also (ich war in Spanien, als ich die Neuigkeit erhielt) zum Corte Inglés, um mal zu schauen, was da so kleidermäßig in Frage kommen könnte. Es war am Tag bevor der Sommerschlussverkauf begann. Ich dachte, ich schaue mal, was sie so alles haben, dann gehe ich am nächsten Tag, wenn alles runtergesetzt ist, hin und kaufe. Was, um alles in der Welt, wollte ich überhaupt? Ich nahm mir drei Kleider mit in die Kabine: ein blaues Cocktailkleid mit Volants, ein Etuikleid in einer wunderschönen Farbe, nämlich dunkelpink, klinkt doof, sah aber ganz toll aus, und ein Kleid aus einem sehr feinen, durchsichtigen Stoff mit Unterkleid. Das Cocktailkleid passte gleich, ich konnte aufatmen, ohne was würde ich nicht nach Hause gehen. Es hatte aber schmale Träger und man kann ja nie wissen, wie das Wetter in London wird. Was zieht man denn bei kühler Witterung über ein Kleid mit Volants? Eine Strickjacke? Einen Blazer?
Das Etuikleid passte auch (und hatte angeschnittene Ärmel, war also nicht gar so nackig). Dann probierte ich noch das superdünne Kleid mit dem Unterkleid. Das sah an mir nicht gut aus. Aaaber: als ich es ausziehen wollte ... ich weiss nicht, wie es geschehen war, ich hatte es über den Kopf gezogen, hatte den linken Arm halb draußen, aber in der rechten Achsel hatte sich das Oberkleid irgendwie mit dem Unterkleid verheddert und ging weder vor noch zurück. "Keep calm and carry on", sagen die Engländer. Also, Nerven behalten. Da das Kleid nach oben nicht raus ging, zog ich es wieder runter, um noch einmal zu versuchen, es auszuziehen. Kleid vorsichtig wieder runter, vorsichtig wieder hoch, linken Ärmel lockern, halb über den Kopf ziehen ... unter meinem rechten Arm verwandelte sich das feine Gespinst wieder in Stahlbeton. Wieder vorsichtig runter - das ging mittlerweile auch nicht mehr so gut -, schön glätten, wieder vorsichtig hoch ... es wäre ein gefundenes Fressen für die versteckte Kamera gewesen. Als wir Kinder waren, ermahnte uns unsere Oma immer, stets saubere Unterwäsche zu tragen, für den Fall, dass wir von einem Auto überfahren würden. Ungelogen. Echt. Aber nicht nur, wenn man blutüberströmt unter einem Fahrzeug liegt, möchte man ein gutes Bild abgeben. Es ging nicht. Ich bekam das Kleid nicht über meine rechte Achsel. Sollte ich es mir einfach vom Leib reissen? Und die Fetzen wieder über den Bügel hängen und so tun, als ob nichts gewesen wäre? Ein letzter Versuch: Linken Arm lockern, Kleid halb über den Kopf ... nichts ging mehr. Weder vor noch zurück. Die Arme steckten in den Ärmeln fest. Ich stülpte das Kleid wieder über meinen Kopf, damit ich etwas sehen konnte, öffnete die Kabinentür und rief nach der Verkäuferin, die sich glücklicherweise in der Nähe befand. Sie zog am Kleid und es glitt mir problemlos vom Leibe (sie hatte einen günstigeren Winkel zum Ziehen). Uff. Sie erkannte gleich, was für ein hilfloses Hascherl sie da vor sich hatte und nahm sich meiner an. Sie schlug ein ganz anderes Kleid vor, nämlich das, welches Ihr auf dem Foto unten seht. Da es der Tag vor dem Beginn des Schlussverkaufs war, war der Laden praktisch leer. Sie brachte mir das Kleid mit Jäckchen erst in einer Größe, dann in einer anderen. "Was passt denn da dazu, an Schmuck und so?" fragte ich. Sie brachte mir noch die Kette (von Adolfo Dominguez). Ich besitze kaum Schmuck, wertvollen Schmuck sowieso nicht, da ich alles verliere, was nicht an mir festgetackert ist. Mir fallen Kreolen aus den Ohren, Ringe von den Fingern, Uhren vom Handgelenk. Sogar die Uhr, die ich von meiner Mutter geerbt hatte, verlor ich wenige Jahre nach ihrem Tod. Damals beschloss ich: ich will lieber erst gar nichts als mich hinterher zu ärgern, wenn ich was verloren habe.
Die Verkäuferin brachte mir noch eine Handtasche (und erklärte mir die Benutzung!). Sie fragte mich übrigens, ob ich den ganzen Plunder für eine Hochzeit wollte und ich sagte ja. Wenn ich gesagt hätte "nein, ich gehe zu einer Gartenparty bei der Queen", hätte sie wahrscheinlich gedacht, dass ich einen an der Klatsche habe. Die Handtasche gefällt mir total gut. Sie kostete nur 20 Euro und kommt aus China, sieht aber aus als wäre sie schon 100 Jahre alt. Sie sieht irgendwie aus, als käme sie aus dem Jugendstilmuseum. Man verwendet sie wie folgt (ich bin der Verkäuferin echt dankbar): erst einmal trägt man sie in der Hand oder unter dem Arm. Wenn dann der Tee oder die Cocktails oder was auch immer serviert wird, dann nimmt man eine der beiden Ketten, die sich in der Tasche befinden, heraus und hängt sie sich über die Schulter oder um das Handgelenk. Mir war das nicht bekannt.
Mit dem Armreif konnte sie mir nicht mehr helfen. Den fand ich wenige Tage später bei Bijou Brigitte. Schuhe hatten sie beim Corte Inglés auch sehr schöne und passende, die kosteten aber fast 200 Euro. Ihr kennt das, man ist dann im Kaufrausch, denkt, ach, das nehm' ich auch noch mit ... ich habe mich aber zurückgehalten und fand dann am selben Tag, an dem ich auch den Armreif fand, im spanischen Billigschuhladen Mary Paz die unten abgebildeten Schlappen (23 Euro). Meine Größe war leider nicht vorrätig, aber so drücken die Dinger wenigstens vom ersten Tag an nicht.  
Das Kleid war richtig teuer, aber es war auf die Hälfte heruntergesetzt. Schon am Tag vor dem Schlussverkauf.
Auf der Gartenparty ist Hutzwang. Ich dachte, das neben den Schuhen abgebildete fedrig Ding tät's vielleicht, aber mein Gatte hat mich darüber informiert, dass es sich bei dieser Haarspange definitiv nicht um einen Hut handelt. Morgen muss ich mich also noch auf die Suche nach einem grauen/silbrigen Hut machen.

Ich werde Euch berichten, wie die Party war!

Donnerstag, 7. Juli 2011

Restaurant in London: Portrait Restaurant in der National Portrait Gallery


Dieses Restaurant befindet sich im Obergeschoss der National Portrait Gallery (Eintritt frei) und wird aufgrund der guten Aussicht, die man von dort aus genießt, in vielen Reiseführern empfohlen. Okay, probieren wir es mal aus: Zuerst besichtigen wir das Museum. Man beginnt oben mit den ältesten Werken und arbeitet sich chronologisch nach unten vor. Besonders gut gefiel uns die BP-Ausstellung im Erdgeschoss.
Nachdem die Kulturarbeit geleistet war, begaben wir uns wieder nach oben, ins Restaurant. Der Blick gleich beim Betreten desselben war atemberaubend (siehe oben): Die Statue von Admiral Nelson auf dem Trafalgar-Square, dahinter Whitehall und das Parlament. Der schönste Blick auf London, den ich bisher gesehen habe. Auf jeden Fall schöner als vom London Eye aus. Da es recht voll war (obwohl es schon 14 Uhr war), bekamen wir keinen Platz am Fenster. Das machte aber nichts, wir hatten trotzdem eine prima Aussicht.
Wir bestellten uns beide dasselbe Menü mit zwei Gängen: Tea cured salmon, papaya, pineapple & mango salsa, lime & chive creme fraiche und als Hauptgang Barnsley lamb chop, potato gratin, braised baby gem, rosemary jus. Englisches Essen und sehr, sehr gut. Der teegebeizte Lachs war eine Delikatesse. Ich habe im Internet flüchtig geschaut: man bereitet ihn wie Gravad-Lachs zu, nur mit Teeblättern statt Dill. Hoffentlich finde ich mal eine Gelegenheit, dieses Gericht nachzumachen. Die Salsa aus exotischen Früchten war ebenfalls hammermäßig. Die Creme Fraiche - tja, da war es so, dass uns als erstes drei winzige Brötchen (naja, sooo winzig waren sie auch wieder nicht, halt recht klein, oder einfach klein) serviert worden waren und da wir ziemlich Hunger hatten, hatten wir sie gleich verputzt und nun standen sie uns zur Creme Fraiche nicht mehr zur Verfügung und noch mehr Brötchen bestellen wollten wir auch nicht. Die Vorspeise war nicht sehr reichlich, die drei hauchfeinen, aber, wie gesagt, köstlichen und sehr frischen Lachsscheiben wogen vielleicht knapp 30 g, die Salsa war ein Esslöffel voll, die Creme Fraiche ebenfalls ein Esslöffel voll und da ich mit meinem im Wachstum befindlichen Sohn unterwegs war, hatte ich schon Angst, es wäre nicht genug, aber der Hauptgang war dann doch mengenmäßig angemessen. Das Lammkotelett war perfekt gebraten, à point, super. Im Kartoffelgratin war Käse drin, den hätte ich nicht rein, denn das Fleisch war schmackhaft, die Rosmarinsauce ein Gedicht, die gegrillten Salatherzen super, super, super, die werde ich auf jeden Fall nachmachen, ich hatte sie noch nie zuvor probiert, und so einfach zuzubereiten: Salatherzen mit Öl, Salz und Pfeffer in die Pfanne hauen und braten, hmhmhm. Also, den Käse im Gratin hätt's nicht gebraucht. Aber gut. Im Ganzen ist das Restaurant empfehlenswert. Ich würde mit London-Besuchern auf jeden Fall wieder hingehen. Wir hatten zweimal das Menü (20 Pfund) zuzüglich 12,5 % service charge und eine große Flasche Mineralwasser, das kam auf insgesamt 50 Pfund. Das Ehepaar am Nebentisch, dessen Rechnung uns versehentlich gebracht wurde, hatte noch eine Flasche Wein, Bellinis und Nachspeisen, dafür wurden 104 Pfund fällig. Die Bedienung war sehr freundlich. Der Laden ist aufgrund seiner Einrichtung ziemlich laut, also für romantische Essen eher nicht geeignet. Für kleine Kinder auch nicht. Das Publikum waren reifere Semester und Familien mit älteren Kindern. An Vegetarier ist gedacht. Wir hatten nicht reserviert, uns wurde aber gesagt, dass es empfehlenswert ist, zu reservieren und das würde ich beim nächsten Mal auch machen. Bei Sonnenuntergang soll es im Restaurant der Portrait Gallery besonders schön sein. Also, nichts wie hin. 

Mittwoch, 29. Juni 2011

Gegrillter Camembert in Weinblättern - mnjam, mnjam, mnjam


Mein Bruder ist durch Weber's Grillbibel (GU-Verlag) zum Grillexperten geworden. Sein Lieblingsrezept ist das Bierdosen-Hähnchen. Daran werde ich mich auch mal versuchen - und Euch darüber berichten. Wird aber wahrscheinlich zwei Monate dauern bis ich dazu komme.
N. war so begeistert von diesem modernen Standardwerk der Grillkunst, dass er uns auch ein Exemplar schenkte. Auf der Suche nach "was Vegetarischem" haben wir uns als erstes am "Brie in Weinblättern mit Trauben-Salsa" versucht. Die Webers verwenden, wie gesagt, einen Brie, wir hatten Camembert und zwar den günstigsten. Statt gekaufter Weinblätter in Salzlake hatten wir Traubenblätter aus unserem Garten. Die erste Ladung Blätter kochte ich kurz in Salzwasser, die zweite (der erste Camembert war sooo supergut!) nahmen wir einfach so, vom Traubenstock. Wir packten den Käse in die Blätter, die wir mit Küchengarn sicherten. Wie der Käse einzuwickeln und zu verschnüren ist, wird in der Grillbibel genau erklärt, aber ich glaube, eine intuitive Herangehensweise kann durchaus auch zum Erfolg führen. Der verpackte Käse kommt auf den Grill bis er sich auf Druck schön weich anfühlt. Laut Buch dauert dies bei mittlerer Hitze vier bis fünf Minuten, bei uns hat es etwas länger gedauert.
Die Webers servieren eine "Traubensalsa" dazu. Wir hatten ja unsere Zweifel, aber dann dachten wir, probieren wir's doch einfach mal: Man erhitzt einen Esslöffel Balsamico-Essig mit einem 1/2 Teelöffel Zucker in einem Töpfchen auf dem Herd. Dann gibt am 300 g kernlose oder entkernte rote oder blaue Trauben, grob gehackt, dazu und dünstet sie 2 Minuten (wir haben länger gedünstet). Vor dem Servieren gibt man einen Esslöffel gehackte frische Minze dazu (wir haben mehr dazu gegeben (wir haben im Ganzen mehr Soße gemacht)). Diese Soße passt SUPER zum gegrillten Käse. Die Webers grillen noch ein paar Scheiben Baguette dazu, auf die sie dann den Käse und die "Salsa" geben. Lecker, lecker, lecker. Mit dieser Köstlichkeit auf dem Grill braucht man keine Angst vor vegetarischen Gästen zu haben. Die einzige Gefahr, die vom in Traubenblättern gegrillten Camembert ausgeht, ist, dass auch alle Nichtvegetarier davon haben wollen - so gut ist der (also genug bereitstellen!).


Sonntag, 26. Juni 2011

Ja, die Jugendarbeitslosigkeit in Spanien (45%)

Heute habe ich diesen schönen Kommentar, der die Lage in einem Satz zusammenfasst, gehört:

"En España, acabada la carrera tienes tres salidas: por tierra, mar y aire."

Wenn man das spanische Wortspiel versteht, ist der Satz witzig und treffend.
Es basiert auf der doppelten Bedeutung von "salida", das zum einen "Berufsmöglichkeiten" bedeutet. Also würde der erste Teil des Satzes lauten: "In Spanien, wenn man mit dem Studium fertig ist, hat man drei Möglichkeiten, ins Berufsleben zu kommen:" (die der Gesprächspartner nun zu hören erwartet, da "carrera", "Studium", und "salida", "Berufsmöglichkeiten", die übliche Kombination sind). Zum anderen bedeutet es aber auch "Auswege" und darauf bezieht sich der zweite Teil des Satzes: "auf dem Landweg, über das Meer oder auf dem Luftweg". Also würde der spanische Witz, jetzt unlustig und ohne Wortspiel, auf Deutsch heißen: "In Spanien bleibt einem, wenn man mit dem Studium fertig ist, nichts anderes übrig als abzuhauen".
(Manchmal landen Leute auf meinem Blog, die bei Google "spanischer Witz" eingegeben haben. Ich weiß nicht, ob das Schüler sind, die einen Witz für ihre Spanisch-Hausaufgaben brauchen. Hier ist jedenfalls mal ein Witz mit ausführlicher Erklärung (auch wenn die Witzischkeit jetzt ein bisschen gelitten hat).   

Mittwoch, 15. Juni 2011

Guilty pleasures – „Goodbye Deutschland! Die Auswanderer“ auf Vox

Diese Sendung ist zurzeit meine Lieblingssendung. Es werden Leute gezeigt, die irgendwohin „auswandern“ möchten, üblicherweise ohne Kenntnis der Landessprache, ohne Wissen über Land und Leute und mit einem völlig hanebüchenen Businessplan. Überraschenderweise scheitern diese Leute meistens. Dabei zuzuschauen ist interessant, denn das Experiment ist ja nicht wirklich gefährlich, in Deutschland wartet in Gestalt von Hartz IV ein alles verzeihender Vater, der die verlorenen Söhne und Töchter wieder mit offenen Armen aufnimmt.
Nachdem sie letzte Woche schon spannende Kandidaten hatten (eine junge Familie, die in Dänemark mit einem Angelsee für ihre bescheidenen Verhältnisse grandios scheiterte), gab es diese Woche wieder schöne Exemplare (nicht die Familie in Portugal, die sich mit harter Arbeit und mittlerweile auch Portugiesisch-Kenntnissen eine Surfschule aufbaut und dabei kleinere Scharmützel mit wohlwollenden Behörden erlebt. Die wird langsam langweilig. Die verdienen auch sicher viel mehr, als sie zugeben.).
Aber zum interessanten Teil der Sendung: eine junge Familie aus Sachsen, die bar jeden Vorwissens, erstaunlicherweise aber mit einem sicheren Job, nach Rio de Janeiro auswanderte. Ich hoffe mal, dass Baumann nicht ihr richtiger Name ist. Was waren das doch für naive Weicheier! Sie hatten einen Job! Warum haben sie nicht portugiesisch gelernt? Sie hatten eine Wohnung! Beteten aber zu Gott um eine bessere Wohnung. Was ist denn das für eine Religion, in der man hoffen kann, per Gebet zu einer schönen, großen, preiswerten Wohnung mit Blick auf’s Meer in einer Weltstadt zu kommen? Die katholische nicht, so erklären sich vielleicht auch die Favelas. Gott sollte für alles sorgen. Ich glaube, Familie „Baumann“ verwechselt Gott mit dem deutschen Sozialversicherungswesen. „Obwohl ich frist- und formgerecht gebetet habe, habe ich die Wohnung, auf die ich ein Anrecht zu haben glaube, nicht erhalten.“ Was für eine Mentalität schimmert denn da durch? (Sie haben es nicht wörtlich so gesagt, aber so gemeint.) Realer Sozialismus meets Pfingstbewegung.
Ich kenne viele Leute, die aus den verschiedensten Ländern in die verschiedensten Länder ausgewandert sind. Solche Geschichten, wie sie bei Vox gezeigt werden, gibt es dabei nicht.
Nicht jeder Lebensabschnitt im Ausland ist auch gleich mit „Auswandern“ gleichzusetzen. In unserer globalisierten Welt wird es doch immer häufiger, dass Menschen mal ein paar Jahre fern der heimischen Scholle verbringen. Und wenn sich der Rentner bei Pflegebedürftigkeit wieder in heimische Gefilde begibt, wer möchte es ihm verdenken.
Aber gut, hoffen wir, dass Vox noch viele von diesen untypischen Leuten findet und uns noch viele interessante Sendungen beschert (hoffentlich werden die Dummerle wenigstens gut bezahlt!)
Wen es entspannt, sich an der Blödheit anderer Leute zu laben – Dienstags 21.15 Uhr auf Vox.

Samstag, 11. Juni 2011

Juhuuu, die neue Eismaschine ist da!

Geht Euch das auch so? Wenn ich was im Internet bestelle und es kommt an und ich kann es auspacken ... das ist ein Gefühl wie Weihnachten.
Warum habe ich die Eismaschine aber im Internet bestellt? Ich habe in den Läden nichts gefunden, was meinen Wünschen entsprach. Beim Corte Inglés hatten sie für 110 Euro ein italienisches Designermodell. Ich fragte die Verkäuferin nach etwas Billigerem. Sie wies mich darauf hin, wie wunderschön doch das italienische Modell im Chrom-Design sei und wie hübsch das aussehen würde, wenn es bei mir in der Küche stünde. „Nee, nee,“ bzw. „No, no“, antwortete ich ihr, bei mir in der Küche steht schon genug Zeug rum, die Eismaschine kommt in den Schrank, die braucht nicht schön zu sein.
Bei Media-Markt hatten sie diverse Billig-Teile (möchte ich nicht, ich bin eine Frau im mittleren Alter und kann es mir leisten, ein höherwertiges Gerät zu kaufen, an dem ich vermeintlich mehr Freude habe) sowie ein Kenwood-Gerät der mittleren Preislage mit einem geringen Fassungsvermögen. (weiß nicht mehr, vielleicht 700 ml). Also, wenn ich meine Familie schon mit frisch gemachtem Eis verwöhne, dann möchte ich doch, dass auch genug da ist. Ich fragte die Verkäuferin, ob man ein größeres Kenwood-Gerät bestellen könnte oder ob das irgendwann von allein käme. „Nur, was da ist“ bzw. „Sólo lo que hay“, antwortete sie mir und damit war das Thema erledigt. Ich ging in mehrere Geschäfte und fand nix, was mir zusagte. Also schaute ich im Internet bei Amazon. Die hatten eine Krups mit über hundert Bewertungen, Durchschnittsnote 4,5 von 5 und Testsiegerin bei irgendeinem Test. Fassungsvermögen 1,6 Liter, das ist sogar ein bisschen größer als meine alte Eismaschine. Von Krups sind auch unsere Kaffeemaschine und unser Orangensaftauspresser, ich bin mit dieser Marke recht zufrieden. Kleine Enttäuschung, als ich die Kiste öffnete: Made in China. Metallrand sehr scharfkantig. Muss das sein???
Als wir in den USA lebten, stellte ich überrascht fest, dass dort auch Waren mittleren Preises und mittlerer Qualität aus China kamen. Damals war es in Europa noch so, dass Billigwaren aus China kamen und der Rest aus Europa. Nun hat sich das bei uns auch geändert. Innerhalb sehr weniger Jahre. Hmhmhmhm.
Okay, zurück zur Eismaschine. Wir hatten ja schon mal eine. Mein Sohn erinnerte an unseren damaligen Renner, das Oreo-Eis mit Oreo-Cookies. Könnt Ihr glauben, dass ich das von mir entwickelte Rezept nirgendwo aufgeschrieben habe? Ich glaube, das Grundrezept war „Leche Merengada“, eine spanische Spezialität, für die ich ein ganz tolles Rezept habe (und ich weiß, wo es ist!!!). So Gott will, werde ich es früher oder später bloggen, jetzt, wo die neue Eismaschine da ist, juhuuu. Lecker war auch unser Bananen-Eis. Ein Renner bei spanischen Gästen war Eis mit Heiß, nämlich Vanilleeis mit heißen Brombeeren.
Im neuen Krups-Rezeptbuch stehen seltsame Sachen wie Quarksorbet mit grünem Spargel, Tomatensorbet mit kandierten Tomaten, Olivensorbet mit eingelegten Oliven (mit Oliven und Honig, ich glaube, das werde ich irgendwann mal ausprobieren, es klingt schräg, aber interessant) und salziges Karameleis.
Einweihen wollte ich das Gerät eigentlich mit einem Erdbeereis, da wir uns noch in der Erdbeerzeit befinden, aber heute hat mir eine Freundin 5 Kilo Kirschen von ihrem eigenen Baum vorbeigebracht, also werde ich wohl mit einem Kirscheis beginnen.

Kirscheis

(und ich würde das Rezept hier nicht wiedergeben, wenn es nicht ... (positiven Superlativ einsetzen) wäre)


Das Rezept im Rezeptbuch meiner neuen Eismaschine verlangte nur 250 g Kirschen und enthielt außerdem noch jede Menge Sahne und 4 Eigelb, deshalb entschied ich mich für ein anderes Rezept mit mehr Kirschen und weniger Fett. Es war der absolute Hit! Ich fand es phantastisch, meine Lieben waren begeistert. Es ist das Rezept für Kirscheiscreme-Mousse, das bei meiner alten Eismaschine (Philips) dabei gewesen war. Man benötigt 550 g entkernte Kirschen, 300 ml Sirup, den Saft einer ½ Zitrone, 2 Eiweiß, 50 ml süße Sahne und 2 Esslöffel Maraschino.
Alllllso: Am Vortag stellte ich den Sirup her, indem ich 200 g Zucker in 200 ml Wasser bei mittlerer Temperatur und unter gelegentlichem Umrühren in einem Topf auf dem Herd auflöste. Im Rezept steht, man solle den sich bildenden Schaum abschöpfen, aber bei mir hat sich da kein Schaum gebildet. Eine Minute lang kochen lassen, dann vom Herd nehmen und abkühlen lassen. Den Sirup über Nacht in den Kühlschrank stellen. Die übrigen Zutaten ebenfalls im Kühlschrank aufbewahren.
Maraschino ... ich wusste nicht mal, was das ist, hatte aber den Verdacht, dass es sich um Kirschenschnaps/-likör handelte. Ein kurzer Check im Internet bestätigte ihn. Ich überlegte, den Maraschino durch einen Löffel Wodka und einen Löffel Kirschmarmelade zu ersetzen, entschloss mich aber dann doch, einen Kirschlikör zu erwerben (richtige Entscheidung). Ich kaufte ein Produkt aus Kirschen aus dem berühmten Jerte-Tal (Valle del Jerte), dem spanischen Kirschenparadies (6,50 Euro). Lecker! Süß und köstlich! Da darf man sich echt nicht dran gewöhnen.
Ich entkernte die Kirschen und pürierte sie mit dem Zitronensaft, dem Kirschlikör meiner Wahl und dem Sirup. Dann schlug ich die beiden Eiweiße steif, die Eigelbe fror ich einzelnen ein, die kann ich mal für ein anderes Rezept verwenden. Dann zog ich das Eiweiß unter die pürierten Zutaten und rührte noch 2 ½ Esslöffel Sahne unter (das sind 50 ml). Anschließend goss ich die Masse in die Eismaschine ... ich sah es schon kommen, dass das gut werden würde ... es war noch besser als erwartet. Mhmhmhmhmhm.

Mittwoch, 8. Juni 2011

Lustiger Wortwechsel

Ich: "Es ist schon zehn und es ist noch nicht dunkel."
Mein Sohn D.: "Ja, das ist der Klimawandel."
Hahahaha.

Gestern so passiert

Mein Sohn, der sich in London befindet, hat sich über das Internet in Spanien für eine Sache angemeldet. Die Anmeldegebühr in Höhe von 50 Euro musste auf der Bank (BBVA) eingezahlt werden, eine Überweisung online war nicht möglich. Der Einzahlungsnachweis musste gescannt und mit dem Anmeldeformular an den Veranstalter gemailt werden. Ich ging also auf die Bank (das war vor zwei Wochen) und erledigte diese Kleinigkeit für ihn: einzahlen, Beleg scannen, mailen, anschließend Beleg irgendwo hinlegen, vielleicht auf irgendeinen der Papierstapel, die sich in unserem Haus befinden, vielleicht auch nicht.
Es kommen die Maler, die Papierhaufen werden in Kisten geschmissen, in andere Zimmer getragen, durcheinander geworfen, es wird ein bisschen ausgemistet.
Gestern ruft mich mein Sohn an und erklärt in aller Unschuld, er benötige den physischen Einzahlungsnachweis nächsten Freitag in Madrid. Schock! Ich hatte nämlich nicht die leiseste Ahnung, wo der Beleg gelandet sein könnte. Ich erklärte ihm, der Beleg wäre zurzeit verschollen, ich würde ihn aber gewiss irgendwie wieder finden, andernfalls würde ich versuchen, von der Bank einen Ersatz zu bekommen.
Warum Kinder, auch erwachsene Kinder, ihren Eltern so grenzenlos vertrauen ist mir schleierhaft. Es war gut möglich, dass ich den Zettel weggeschmissen hatte. In jedem Fall würde ich Tage brauchen, um mich durch alle Papierstapel in unserem Haus zu graben. Noch einmal bezahlen ging nicht, die Frist war schon längst abgelaufen. Ich würde mich vor der Bankangestellten in den Staub werfen müssen, um einen Ersatzbeleg zu bekommen ... Ich hegte kurz die irre Hoffnung, der Beleg läge noch im Scanner ... grad so lange, wie ich brauchte, um nachzuschauen und festzustellen, dass er dort nicht lag. Er lag auch nicht auf dem Computertisch im Souterrain. Auf dem Schreibtisch meines Gatten auch nicht, warum hätte er dort auch liegen sollen. Blieben eigentlich nur noch etwa fünf riesige Papierstapel, in denen der Beleg sein konnte – oder auch nicht. Blick in meine Handtasche ... da war er natürlich auch nicht. Auf dem Schreibtisch meines Sohnes? Hatte ich den Beleg auf den Papierstapel in seinem Zimmer gelegt? Und dann, für die Malerarbeiten, in eine Kiste gestopft? Ich checkte also die einfachsten Stellen ... nix.
Dann setzte ich mich ins Wohnzimmer aufs Sofa, um über mein weiteres Vorgehen nachzudenken. Ich müsste mir fromme Gedanken machen, dachte ich. Aus unerfindlichen Gründen kam mir das Lied „Religious Man“ aus dem Film „Nacho Libre“ in den Sinn. Ich hob den Blick ... aus dem vor mir liegenden Papierstapel (dem letzten, in dem ich gesucht hätte) ragte auf mittlerer Höhe ein gelb-weißer Zettel mit blauem Streifen heraus. Ich wagte nicht zu hoffen ... ein Einzahlungsnachweis von BBVA. Wahrscheinlich ein steinalter ... ich zog ihn vorsichtig heraus .... es war der richtige. Suchdauer: die Dauer eines Wimpernschlags.
Hier kann man das Lied der mexikanischen Band Mister Loco hören und dazu die Bilder von irgendjemands Australienurlaub sehen:
Die Musik fängt erst in der 17. Sekunde an.
Oder hier, mit blöden Bildern aus dem Film und Untertiteln. Vorsicht, Ohrwurm!
https://www.youtube.com/watch?v=TJ0I_x3Ow14&feature=related

Samstag, 4. Juni 2011

Schauspiel am Himmel II

Der Eintrag "Schauspiel am Himmel" inspirierte religiöse Gefühle. Und nicht zu unrecht, denn es sah wirklich aus wie eine Pforte zum Himmel. Hoffen wir, dass sie für uns noch eine Weile verschlossen bleibt, aber sich dereinst öffnen wird. Also noch ein kleiner Nachtrag:


(Achtung! Dieses Bild wurde stark bearbeitet)

Sonntag, 29. Mai 2011

Die Lage auf dem spanischen Arbeitsmarkt - ¿Hasta cuándo?

Als ich vor drei, vier Wochen in Spanien beim Aldi an der Kasse stand und bezahlen wollte, kam eine Frau herein und fragte die Kassiererin, ob sie ihren Lebenslauf / eine Bewerbung abgeben dürfte. Sie durfte. Ich fand das ein bisschen unpassend und peinlich.
Als ich das nächste Mal bei Aldi war und an der Kasse stand, gab die Frau, die vor mir war, beim Bezahlen der Kassiererin einen Lebenslauf. Die Empfängerin überflog ihn kurz: "Du hast in Hotels gearbeitet?", "Ja, die lassen mich einen Monat unentgeltlich als Zimmermädchen probearbeiten, dann entlassen sie mich wieder. Das mache in Zukunft nicht mehr."
Während ich meine Einkäufe einpackte, kam ein Pärchen herein. Beide gaben der Kassiererin eine Bewerbung. Da fand ich es schon schockierend. Man wird sich daran gewöhnen müssen.
Es handelt sich bei diesen Lebensläufen um ein mit dem Computer gestaltetes DIN-A4-Blatt, oben in der rechten Ecke ein Farbfoto, der kurze Lebenslauf hübsch gegliedert.
Mein Sohn erzählte mir von einem Bekannten, der jeden Nachmittag durch die Industriegebiete läuft und überall seinen Lebenslauf abgibt.
Was soll denn das? Wie verzweifelt müssen die Menschen sein ... Wie lange soll das noch so gehen? = ¿Hasta cuándo?

Donnerstag, 26. Mai 2011

M., Bilder aus Deinem Zimmer

Morgens, kurz vor neun. Der Charme einer Jugendherberge ...

Alle Regale sind leer geräumt. Vor dem Ausräumen haben wir von jedem einzelnen Regalbrett ein Foto gemacht, damit wir alles wieder genau so einräumen können, wie es vorher war.

Ein Stündlein später: Die Maler haben die Möbel abgedeckt und Defekte im Verputz korrigiert.

So, die Wand, an der vorher die Regale standen, ist fertig gestrichen. Zum Thema Wandfarbe gibt's mehr in einem späteren Post.

Wo ist denn der ganze Plunder? Hier, im Master Bedroom. Klingt doch viel besser als Elternschlafzimmer, oder? Wir freuen uns auf ein 5000-Teile-Puzzle, wenn wir alles so wieder einräumen wie's war. Juhuu!

Die Renovierung unseres Hauses IV: Christo und Jeanne-Claude waren da

Erinnert sich noch jemand an die Beiden? Die den Reichstag verpackt haben? Und jetzt auch unsere Möbel?

Montag, 23. Mai 2011

Schauspiel am Himmel

Ich habe gerade am Telefon erzählt, wie toll der Himmel aussah, fünf Minuten vor dem Gewitter, aber besser als alles Beschreiben ist natürlich ein Bild:


Das spanische Schulsystem II oder El fracaso escolar

In Spanien wird das Konzept „Gemeinsamer Schulbesuch bis zum sechzehnten Lebensjahr“ konsequent umgesetzt. Meine Kinder sind in Deutschland (Bayern), Spanien und den USA in die Schule gegangen, ich hatte also Gelegenheit, verschiedene Schulsysteme zu erleben und glaube deshalb, mir ein gewisses Urteil erlauben zu dürfen. Das spanische System ist das Schlechteste. In den USA gehen Kinder mit unterschiedlichem Potenzial zwar gemeinsam zur Schule, sie haben aber die Möglichkeit, je nach Neigung und Leistungsfähigkeit unterschiedliche Kurse zu besuchen. In Spanien ist diese Möglichkeit nicht gegeben.
Die natürliche Neigung der Kinder ist jedoch, als Störenfried mit den anderen Störenfrieden abzuhängen und als Streber mit den Strebern (vereinfacht ausgedrückt). Kinder, denen das Lernen schwer fällt, wollen nicht mit Überfliegern in einer Klasse sein und frustriert mitanschauen, wie der Banknachbar nach einem raschen Blick ins Buch verstanden hat, worum es geht, während sie selbst für die gleiche Übung Stunden brauchen.
„Gleich und gleich gesellt sich gern“, sagt der Volksmund und ich kann aus eigener Anschauung Folgendes berichten: Ich weiß nicht mehr, in welchem Jahr das war (am spanischen Schulwesen wird ununterbrochen herumgedoktert, alles ist in ständigem Fluss, was heute gilt, muss morgen schon nicht mehr gelten), als für die Klasse meines Sohnes die Möglichkeit bestand, zwischen Mathe-Werkstatt und Französisch zu wählen. Ich glaube, es war in der siebten Klasse. Da mein Sohn gerne Mathe machte, wollte er die Werkstatt wählen. Zusätzlichen, interessanten Unterricht, in dem die, dies nicht interessiert, einfach mal nicht dabei sind. Falsch gedacht. In die Mathe-Werkstatt gingen die, die in Mathe schlecht waren. Die Mathe-Fans gingen in Französisch. Gleichzeitig wurde eine Klasse mit katholischem Religionsunterricht gebildet und eine Klasse ohne (die Schüler hatten in dieser Stunde frei). Eine tolle Chance, die die Kinder sofort erkannten und wahrnahmen, bot sich: Französisch und Reli = Klasse mit guten, fleißigen Schülern. Die Lehrer lobten diese Klasse, die sich gebildet hatte, als die Schüler ein winziges Fenster hatten, um sich zu sortieren. Dieses Fenster wurde natürlich mittlerweile wieder geschlossen.
Es ist einfach entsetzlich, wenn man alle bis zum sechzehnten Lebensjahr zusammensperrt und ihnen Unterricht knapp unter Gymnasialniveau erteilt: die, die nicht mitkommen, sind im besten Fall still und frustriert, im schlimmsten Fall stören sie. Die, denen alles zufliegt, langweilen sich, weil der Lehrer soviel Zeit damit verbringen muss, Ruhe in die Klasse zu bringen. Die, denen der Unterricht in etwa gerecht würde, kriegen nicht viel mit, weil die Störer stören und die Lehrer meckern. Als mein Sohn in der 6. Klasse war, entschuldigte sich sein Lehrer bei mir: Er könne leider nichts dafür, aber er müsse mehr als die Hälfte der Unterrichtszeit dafür aufwenden, für Ruhe zu sorgen. Ungelogen. Diesen Lehrer hatte er drei Jahre lang (war kein besonders schlechter Lehrer, Durchschnitt, würde ich sagen). Mein Sohn saß jahrelang täglich ein paar Stunden da und wartete, bis der Unterricht vorüber war. Was hätte man in dieser Zeit alles lernen können.
In keinem anderen Bereich käme man auf den Gedanken, die unterschiedlichsten Menschen mit den unterschiedlichsten Fähigkeiten zusammenzusperren. Man stelle sich vor, hundert Kinder müssten in vier Fußballmannschaften eingeteilt werden: Fünf sind Leistungssportler, fünf gehen an Krücken, zehn haben keinen Bock auf Fußball und würden lieber Handball spielen, fünf wünschen ihre Mannschaft zu sabotieren, zehn sind fleißig und talentiert, zehn sind fleißig und unbegabt, zehn sind schlecht und faul, der Rest ist Mittelmaß.
Eine Kommission wird einberufen, die darüber entscheiden soll, wie man am besten Mannschaften bildet, in denen die Spieler möglichst glücklich sind und möglichst optimal gefördert und auf die Welt des Fußballs vorbereitet werden. Herausragende Experten werden konsultiert, die Geschichte des Fußballs wird studiert, Franz Beckenbauer und Pep Guardiola werden an die Spitze der Kommission berufen. Nach Jahren das Ergebnis: In Mannschaft A spielen die Katholischen, in Mannschaft B die Evangelischen, in Mannschaft C die, die sich dem Islam zugeneigt fühlen und in Mannschaft D die, die mit Religion nichts am Hut haben. Ein Aufschrei: Gettobildung!
Die Kommission tritt erneut zusammen. Jahre später ein neues Ergebnis:
In Mannschaft A spielen diejenigen, deren Namen mit einem Buchstaben von A bis F beginnt, in Mannschaft B spielen die von G bis M und so weiter.
Meiner Meinung nach darf man sich das hiesige Schulwesen in etwa so vorstellen (mit dem Unterschied, dass in der Kommission keine wirklichen Experten sitzen würden, sondern Gewerkschafter und die Verwandten von irgendwem).
Harte Worte, werdet Ihr sagen, aber mir fallen momentan keine härteren ein.
Ja, me he despachado a gusto.
Selbstverständlich würde ich dies alles nicht laut und persönlich sagen. Ich verstecke mich hinter der Anonymität des Blogs. In Spanien reden alle vom „Fracaso escolar“, dem Scheitern der Schule und der Schüler, aber wenn man sagen würde, dass man bei der Bildung der Klassen oder beim Verteilen auf Schulen die Leistungsfähigkeit der Schüler berücksichtigen sollte, würde man gleich als „Facha“ (sprich: Fattscha) gelten, als Faschist, als extrem Rechter, der die naturgegebene Gleichheit aller Menschen in Abrede stellt. Und man gilt doch lieber als „Progre“ (sprich: Progreh).
Vor einer Weile kam von Regierungsseite der Vorschlag, die allgemeine Schulpflicht bis auf das achtzehnte Lebensjahr auszudehnen. Es folgte ein Aufschrei der Lehrer, die sagten, sie könnten angesichts der vielen Untersechzehnjährigen, die in der Schule scheiterten, sowieso kaum unterrichten und das Letzte, was das System bräuchte, wären Sechzehn- bis Achtzehnjährige, die gegen ihren Willen in der Schule festgehalten würden. Daraufhin verschwand der Plan gleich wieder in der Versenkung.

Sonntag, 22. Mai 2011

Die Proteste in Spanien

Ich war gestern bei der Veranstaltung in unserer Studentenstadt mit ihren 170.000 Einwohnern. Es waren etwa 100 Leute da. Fast alle jung. Ich war vor drei Tagen schon einmal da, da waren es ein paar mehr und auch mehr Ältere. Die meisten der jungen Menschen saßen da und lernten eifrig. Ein paar Mädchen waren Studentinnen der Krankenpflege (ja, das ist in Spanien ein Studium und wer sehr fleißig ist und Glück hat, wird irgendwann mal verbeamtete Krankenschwester). Die Jugend in der Ausbildung befindet sich nämlich mitten in der Prüfungszeit. Da gestern der Tag vor den Kommunal- und Regionalwahlen, der „Tag des Nachdenkens“, war, an dem keine Propaganda gemacht werden darf, war es ziemlich ruhig. Auf einem Plakat stand: „Silencio! Wir denken nach!“ Lustig.
Wogegen wird protestiert? Ich habe in einer deutschen Online-Zeitung gelesen, es würde gegen irgendwelche Reformen protestiert. Das stimmt nicht.
- Protestiert wird unter anderem gegen die Perspektivlosigkeit bei einer Jugendarbeitslosigkeit von über 45 %. Die jungen Menschen werden als „generación perdida“, als „verlorene Generation“ bezeichnet. Das ist inakzeptabel.
- Gegen Korruption
Unter den Kandidaten, die für die heutigen Kommunal- und Regionalwahlen aufgestellt wurden, befinden sich, wie ich gehört habe, 110 Menschen, die offiziell der Korruption beschuldigt werden. Ihre Chancen gewählt zu werden, verringern sich dadurch nicht, weil die Wähler davon ausgehen, dass alle gleich korrupt sind, nur die einen wurden eben erwischt, die anderen noch nicht.
- Gegen den Mangel an Demokratie
Man hat das Gefühl, die Ratingagenturen und Wall Street sowie die spanischen Banken würden anordnen, wie Spanien zu regieren sei (Rentenalter, Rechte der Arbeitnehmer usw.) und Angela Merkel gibt auch noch ihren Senf dazu (weniger Feiertage für die Spanier, effizienter arbeiten etc.)
- Und gegen weitere diverse Kleinigkeiten wie die Tatsache, dass über eine Million Wohnungen leerstehen und nicht verkauft werden können, während die jungen Menschen bei ihren Eltern und in Wohngemeinschaften wohnen müssen, weil diese Wohnungen zu teuer für sie sind und weil sie aufgrund der Lage am Arbeitsmarkt keine Familien gründen können.
Es wird also gegen das ganze System protestiert. Auf manchen Plakaten ist zu lesen: „Ich bin nicht gegen das System, das System ist gegen mich.“
Es waren gestern etwa 100 Leute da. Ich habe die Menschen auf einem Viertel des Platzes gezählt und das waren um die 25. Auf dem Platz nebenan war ein Junggesellenabschied im Gange, da war deutlich mehr los. Wie viele Leute hier gewesen wären, wenn Belén Esteban sich die Ehre gegeben hätte, mag ich mir gar nicht ausmalen. Wer ist Belén Esteban, werdet Ihr Euch jetzt in Deutschland fragen. Belén Esteban ist „la princesa del pueblo“, „die Prinzessin des Volkes“. Fragt nicht.
45 % Jugendarbeitslosigkeit, dazu diejenigen, die unbezahlte Praktika machen, die in ausbeuterischen Arbeitsverhältnissen stecken, weil es sonst nichts gibt – mein Sohn erzählte von einem Freund, der sechs Tage die Woche je zehn Stunden in einer Gaststätte in der Küche arbeitete und dafür 500 Euro bekam. Ich sagte: „Na, das sind mehr als 8 Euro die Stunde, das ist doch gar nicht so schlecht.“ Mein Sohn antwortete mir: „Es sind doch 500 Euro im Monat!“
Dazu kommen diejenigen, die Fächer „sin salida“, ohne Zukunftsperspektive, studieren. Ich wollte jetzt ein paar dieser Fächer aufführen, aber es sind eigentlich fast alle. Die Leute studieren um des Studierens willen, denn eine gute Bildung ist heutzutage und hierzulande Garantie für gar nichts.
In Salamanca gilt es als Erfolg, nach einem abgeschlossenen Studium der spanischen Philologie oder der Rechtswissenschaften die Beamteneinstellungsprüfung für Gefängniswärter zu bestehen und dann als ebensolcher in eine hunderte von Kilometern entfernte Stadt geschickt zu werden.
Ja, Ihr meint jetzt, ich würde gegen Spanien schimpfen. Nee. Ich erzähle nur von kleinen Missständen / Mistständen. Solange Spanien die Füße unter den europäischen Tisch streckt, muss eben gemacht werden, was Mutti Merkel und der IWF sagen. Ich finde es aber erschütternd, dass gestern nur so wenige Menschen da waren. Ich glaube, die Bewegung 15-M wird sich bald wieder in Wohlgefallen auflösen (meine Zukunftsprognosen sind aber erstaunlicherweise (denn manchmal müsste ich ja zufällig rechthaben) fast immer falsch, es besteht also Hoffnung). Im Radio (Cadena Ser) hörte ich ein Interview mit einem Sprecher der Bewegung, das ganz gut lief, bis der junge Mann auf dem Puerta de Sol-Platz sagte: „Wir werden hier bleiben, bis wir unser Ziel erreicht haben.“ und die Reporterin fragte: „Was ist denn euer Ziel?“ woraufhin er ins Stottern geriet. Man wird sehen. Es bleibt spannend.

Donnerstag, 19. Mai 2011

Das spanische Schulwesen I

Wie Ihr wisst, macht unser jüngster Sohn in diesem Jahr in Spanien Abi. Eines der angebotenen Fächer war "Weltliteratur" und als Literaturfreund ließ er es sich nicht nehmen, dieses Fach zu wählen. Umfangreiches Privatwissen sollte selbstverständlich kein Anlass für gute Schulnoten sein (Chancengleichheit!), aber manchmal sollte es vielleicht doch das eine oder andere Pünktchen extra geben (Spässle, natürlich sollte es das nicht). Jedenfalls wurde das Thema "Russischer Realismus" behandelt und da durfte auch Alexei Tolstoi, der Autor unter anderem von "Krieg und Frieden" und "Anna Karenina", nicht unerwähnt bleiben.

Bitte beachtet Punkt 4.1
Der Geburtsort ist auch falsch geschrieben
Mein Sohn, dessen Mutter ein Tolstoj-Fan ist und der kurz zuvor das Werk "Kindheit, Knabenalter, Jünglingsjahre" auf dem Couchtisch hatte liegen sehen, wagte zu fragen: "Heißt der nicht Leo oder Lew mit Vornamen?" Dem Lehrer, der die staatliche Erlaubnis zum Unterrichten des Fachs "Weltliteratur" auf Abitur-Niveau hat, war dies nicht bekannt. Er versprach, sich kundig zu machen, kam aber nie mehr auf das Thema zurück. 
Karl-Heinz Mann (der Autor der "Buddenbrooks", ej), der ein Bewunderer Tolstojs war, würde sich im Grab umdrehen. Wer sich für das Lehrbuch interessiert, hier ist eine Abbildung, es ist für 32,40 Euro im spanischen Buchhandel erhältlich. 
Titel: Literatura Universal (+ CD), Bachillerato
Autoren: Arevalo, Ayala, Duran, Lopez, Martin
Verlag: Casals
ISBN: 978-84-218-4030-6

Dieses Buch hat sechs Autoren

Mittwoch, 18. Mai 2011

Renovierung unseres Hauses III: Der Tüncher / Maler ist da

Ja, er ist da. Gerade jetzt, in diesem Moment ist er da und es ist schon der dritte Tag seiner Anwesenheit. Am Tag bevor er kam, überlegte ich mir kurz, ob ich in lähmende Panik verfallen sollte (oh nein, der wird meine Möbel / den Fußboden zerkratzen / zerstören, einen unsäglichen Dreck machen wie der Stuckateur, diese Wildsau ... und ich kann nichts dagegen tun. Ich bleibe einfach still hier sitzen und füge mich in mein Schicksal) oder in hektischen Aktionismus und Sachen von A nach B tragen sollte, alles raus (die Aktion begann in unserem Schlafzimmer), Kommode ausräumen, Kommode raus, Bilder abhängen, Nachtkästchen ausräumen? raus? Bett verrücken? Gardinen ab? Teppich raus? wohin? sonst soll doch auch überall gestrichen werden? ins bad? in den begehbaren kleiderschrank? in einkinderzimmer?badausräumen?begehbarenkleiderschrankausräumen?wäschekorbrauswohininskinderzimmerdamusserdochauchstreichenirgendwasirgendwoabhängenhinlegenhintragenumräumenplatzmachen....
Aber dann dachte ich: Der Handwerker, der zu uns kommt, streicht ja nicht zum ersten Mal ein Haus, in dem jemand wohnt. Der kommt jeden Tag zu irgendwelchen hysterischen Tussen, die Angst haben, dass er Schäden anrichtet und die nicht wissen, was aus dem Weg geräumt werden muss und was nicht. Und er kann ja nicht jeden Tag die Aufregung seiner Auftraggeber teilen, wenn er doch eigentlich nur in aller Ruhe den Pinsel schwingen will. Der Gedanke, dass wir einen erfahrenen Tüncher ausgewählt haben, beruhigte mich dann. Und noch mehr beruhigte mich der Gedanke, dass der Mann über zwanzig Jahre in der Schweiz getüncht/gemalt hat und dass sein großer Geschäftserfolg darauf beruht, dass er in Spanien Schweizer Wertarbeit leistet.
Er nahm seine Tätigkeit bei uns auf, indem er mit einem Kollegen die (halb geleerte) Kommode und das Bett (von dem ich das Bettzeug und die Matratzen entfernt hatte) in die Zimmermitte rückte, die (oben drauf leergeräumten) Nachtkästchen ins Kinderzimmer trug usw. und alles sorgfältig mit Plastik abdeckte. Na also, geht doch. Als ich dann nach einer Weile ins Schlafzimmer schaute und die Decke und die Wände so frisch leuchteten, da war das doch ein tolles Gefühl und ich war froh, dass ich das Anstreichen lassen in Angriff genommen habe. 

Samstag, 14. Mai 2011

Zum Muttertag

Letztes Jahr habe ich zum Muttertag mein erstes Handy bekommen. Da ich es im Januar schon wieder verloren hatte, habe ich heuer zum Muttertag Folgendes bekommen:


Einen immateriellen Vermögensgegenstand, den ich nicht verlieren kann.
Wir hatten zwei meiner Nichten, die hier studieren und am Muttertag nicht nach Hause fahren konnten, zum Mittagessen eingeladen und mein Gatte und meine Buben halfen mir, ein schönes Essen für uns alle zu kochen. Mancher mag daran nichts Besonderes finden und daran, dass meine Söhne sich in der Küche nützlich machen, ist auch nichts Besonderes, aber meinen Gatten dazu zu bringen, ein paar Zwiebel zu schneiden, ist normalerweise unmöglich und nach 24 Ehejahren versuche ich das auch gar nicht. Am Muttertag standen wir aber alle zusammen einträchtig, zufrieden und in guter Stimmung in der Küche und schnippelten vor uns hin. Mir hat das riesigen Spaß gemacht. Es war ein herrliches Muttertagsgeschenk, das ich ganz sicher nicht verlieren, sondern unter „Beiträge zu meinem großen Glück“ in meinem Herzen bewahren werde. Danke!

Samstag, 7. Mai 2011

Impressionen aus unserem Garten



Azalee und Stiefmütterchen
 

Ich finde diese Kombination aus schrillem Pink, frischem Grün, elegantem Weiß und edlem Königsblau toll. 
  
Morgentau - Freudentränchen auf der Rhododendronblüte

Donnerstag, 5. Mai 2011

Cinco de Mayo


Gestern war ich mit meinem jüngsten Sohn im Supermarkt und wir sprachen darüber, was heute auf den Tisch kommen soll. "Morgen ist Cinco de Mayo", erinnerte er mich. Er kennt diesen Feiertag aus unserer Zeit in New York, dort ist der "Cinco de Mayo", deutsch der "Fünfte Mai", eine ziemlich große Sache, so, wie das Chinese New Year oder Saint Patrick's Day.
Wir waren beide im Glauben, es handelte sich um den mexikanischen Nationalfeiertag, den Tag der Unabhängigkeit von Spanien. Nicht, dass wir einen Grund für diese Annahme hatten, es war einfach das Nächstliegende. P. hat sich jetzt aber mal kundig gemacht und herausgefunden, dass an diesem Tag an eine Schlacht erinnert wird, in der die Mexikaner die Franzosen!!! besiegten. In Mexiko ist es nur ein lokaler Feiertag in Puebla, aber in den USA ist es der Tag, an dem die Mexikaner gefeiert werden bzw. sich feiern.
Zum gemütlich Rumsitzen und Futtern ist eigentlich jeder Anlass recht. P. braucht es auch besonders, er macht dieses Jahr sein Abitur und hat logischerweise zur Zeit richtig viel Stress.
Wir kauften ein Burritos-Kit von Old El Paso und einen Beutel Guacamole-Mix und machten heute ein TexMex-Mittagessen. Wir mögen nichts Scharfes und obwohl ich die Version "mild" gewählt hatte, musste ich alles strecken. In die Fleischsoße gab ich noch 200 g gekochte weiße Bohnen (und P. sagte trotzdem, dass er es scharf fand!), vom Guacamole-Mix verwendete ich nur die Hälfte der auf der Packung angegebenen Menge. Zum Blattsalat und den Tomaten, die in die Burritos gerollt werden, gab ich noch eine Menge frischen Koriander. Frischer Koriander ist ein Gewürz, das in Mexiko reichlich verwendet wird. Außer den vorgeschriebenen Sachen und dem Koriander rollten wir noch milde rohe Zwiebelwürfelchen in die Burritos. Lecker! Fehlten nur noch die mexikanischen Fähnchen und ein bisschen Mariachi-Musik (und der/die eine oder andere Mexikaner/in, haha) . ¡Feliz Cinco de Mayo!


Dienstag, 3. Mai 2011

Lunes de Aguas (Wassermontag) und Hornazo (Wurstpastete)

In Spanien, in der Stadt Salamanca, gibt es einen kuriosen Feiertag und zwar den Lunes de Aguas, den Wassermontag, der am ersten Montag nach dem Ostermontag gefeiert wird. Er hat folgenden Ursprung: Ab dem 16. Jahrhundert war es Prostituierten verboten, sich während der Fastenzeit in der Stadt aufzuhalten und wehrlose Männer in Versuchung zu führen. Sie wurden an das andere Flussufer gebracht und dort von einem Priester, dem Padre Putas, beaufsichtigt. Am zweiten Montag nach Ostern wurden sie unter großem Hallo auf bunt geschmückten Booten zurück in die Stadt gebracht. 
Noch heute haben am Nachmittag dieses Tages in Salamanca alle frei und die Geschäfte sind geschlossen. Man begeht das Fest, indem man sich mit Freunden und Verwandten am Ufer des Tormes, auf Wiesen, in Parks oder privaten Gärten trifft und den traditionellen Hornazo isst. Im Radio hat eine Bäckerei damit geworben, dass sie das berühmte Gebäck für heimwehkranke Salamantinos in ganz Spanien verschickt. Die meisten Leute kaufen die Wurstpastete, denn die Herstellung ist ziemlich aufwe/ändig. Ich habe ein Rezept, das mir eine liebe Freundin gegeben hat, die bei einer berühmten salmantinischen Familie Köchin war, also ein 1A-Rezept, superlecker, aber nur für erfahrene Hausfrauen geeignet. Wer bei der Beschreibung denkt: ach, den Hefeteig, den mache ich in der Brotbackmaschine/Thermomix/so, wie die anderen 10.000 Hefeteige, die ich schon gemacht habe, der möge sich dran wagen, alle anderen ... sollten es sich überlegen.
Also, das Rezept, das mir Mari Carmen gegeben hat, lautet wie folgt: Man benötigt für den Teig 1 Kilo Mehl, 200 g Schweineschmalz (für diejenigen, die in Spanien sind: manteca de cerdo ibérico, ich hatte es im Supermarkt bei der Butter gesucht, aber dann im Wurstregal gefunden), 200 ml Weißwein, 2 + 1 extragroße Eier (oder 3 + 1 mittelgroße), 2 Päckchen Hefe und Salz. Für die Füllung etwa 9 etwa 0,5 cm dicke Minutensteaks vom Schwein (9 filetes de lomo), Chorizo in 0,5 cm dicken Scheiben (unterschätzt die Menge nicht, die ihr braucht), Schinken (jamón serrano) in dünnen Scheiben und drei hartgekochte Eier.
Okay. Wie geht's? Vom Schweineschmalz gibt man ein wenig in eine Pfanne und brät darin die Minutensteaks (filetes de Lomo). Anschließend brät man noch die dicken Chorizoscheiben und die dünnen Schinkenscheiben und nimmt sie aus dem Fett. Im nun ziemlich roten Fett in der Pfanne schmilzt man den Rest des Schweineschmalzes. Nur schmelzen, fertig.
Mari Carmens Rezept lautet wörtlich wie folgt: Schmalz in die Backschüssel, Wein, Hefe und geschlagene Eier (die zwei extragroßen oder drei mittelgroßen) sowie Salz zugeben, umrühren. Nun so viel Mehl zugeben, wie der Teig fassen kann (hier kommt die Erfahrung ins Spiel), verkneten, aufgehen lassen (Tipp von mir: 30 Sekunden bei Vollgas in die Mikrowelle stellen, mit einem Küchentuch zudecken und 30 Minuten in der ausgeschalteten Mikrowelle aufgehen lassen), dann in zwei Teile teilen.
Ich habe jedoch für die Teigzubereitung meine Brotbackmaschine wie üblich benutzt. Die Teigmenge passte natürlich nicht auf einmal rein, also bereitete ich den Teig in zwei Portionen.
Also, nun wird der erste Teil des Teigs (deutlich weniger als die Hälfte) rund ausgerollt und mit dem Lomo, darauf Chorizo, darauf die gekochten Eier in Scheiben, darauf der Schinken belegt. Man lässt einen Rand, den man später zwecks Zusammenkleben mit dem Eiweiss eines dritten/vierten Eis bestreicht. Das sieht dann zwischendurch irgendwann mal so aus:


Dann wird ein weiterer Teil des Teiges ausgerollt, diesmal eine Idee größer als der erste Teil, und kommt als Deckel oben drauf, am mit Eiweiß bestrichenen Rand gut festdrücken. Aus einem weiteren Teil des Teigs Deko anfertigen und ebenfalls mit Eiweiß festkleben, alles mit dem übrigen Eigelb bestreichen, mit einer Gabel Löchlein hineinstechen. Im Ganzen ist es zu viel Teig. Ich habe den Rest eingefroren. Den kann ich mal zu einem Pizzateig dazu schmeißen.


So, nun kommt das "Kunstwerk" in den vorgeheizten Ofen und backt bei 180º für 30 bis 45 Minuten, bis es eben appetitlich aussieht.


Und so sieht es dann in der Sekunde, bevor man hineinbeißt, aus:


Dazu ein kühles Bier oder Wasser, ein paar Oliven, ein paar Mandeln (jetzt wollte ich gerade schreiben "und die Nutten können kommen", aber das lasse ich, glaube ich, doch lieber bleiben). Also, ¡Feliz Lunes de Aguas!  

Montag, 2. Mai 2011

WTF?!?

Bin ich die Einzige, die gleich an Emmanuel Goldstein in George Orwells Buch "1984" denken musste, als heute früh der Tod Osama bin Ladens verkündet wurde? Emmanuel Goldstein ist eine Hassfigur, von der man nicht weiß, ob sie lebt oder tot ist, ob sie je als die Person, als die sie beschrieben wird, existierte.
Und irgendwann, wenn alles andere in die Hose geht (Afghanistan, Irak, Libyen, Banken usw.), kann man die Hassfigur dann für tot erklären. Juhuu. Und alle schlafen ruhig. Heute rasen dann wahrscheinlich auch die Aktienkurse hoch. Mir soll's recht sein.
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Am I the only one who was reminded of Emmanuel Goldstein in George Orwells's novel "1984" when Osama bin Laden's death was announced this morning (or last night)? Emmanuel Goldstein is a hate figure and it is never known whether he is actually alive or dead or if he ever existed as the person as which he is described.
And at some point, when all else fails (Afghanistan, Iraq, Libya, banks, etc.), you can declare the hate figure dead. Hooray! And everybody can sleep better. On the news stock prices are probably going to rise today. Fine with me.