Samstag, 12. November 2011

Jamie Oliver: Earl Grey Tea Loaf


Leute: Wow. Wow. Gestern gemacht und ich muss Euch gleich berichten: Wow.
Earl Grey Tea Loaf ist ein Früchtebrot, das mit Earl-Grey-Tee gewürzt wird. Es ist saftig und köstlich. Wer jetzt sagt: „Igitt, Earl-Grey-Tee kann ich gar nicht leiden“, für den ist das Rezept natürlich nicht geeignet, denn man sollte wirklich Earl-Grey-Tee verwenden und nicht irgendeinen anderen schwarzen Tee, denn das feine Bergamotte-Aroma ist es, das dem Brot seine besondere Note verleiht.
Also, was braucht man? 6 Beutel Earl Grey Tee, 400 g Trockenfrüchte (Rosinen, Sultaninen, Kirschen, Cranberries) (Im Laden hatten sie keine getrockneten Kirschen, wohl aber getrocknete Blaubeeren, also ersetzte ich die Kirschen durch Blaubeeren. Ich glaube, alle Trockenfrüchte sind okay und man könnte auch Aprikosen oder Zwetschgen etc. nehmen.), 1 Orange, 1 großes Ei von freilaufenden Hühnern (möchte Jamie. Wie spezifisch wird’s denn noch??? 1 großes Ei vom freilaufenden männlichen Zwerghuhn??? Ich hatte jedenfalls nur ein kleines freilaufendes Ei. Außerdem hatte ich meine Zweifel, ob ein einziges Ei den ganzen Teig zusammenhalten könnte (kann’s), deshalb verwendete ich zwei kleine Eier von freilaufenden Hühnern unbekannter Rasse), 300 g golden Caster Sugar (golden Caster Sugar ist ein besonders feiner brauner Zucker, irgendwo zwischen gewöhnlichem Zucker und Puderzucker. Nach meinem Dafürhalten kann man für dieses Rezept entweder braunen Zucker in der Kaffeemühle etwas feiner mahlen oder man nimmt einfach irgendeinen Zucker. Ich glaube, die Zuckersorte ist wurscht. Ich hatte Caster Sugar, aber keinen goldenen/braunen.), 400 g self-raising flour (das gibt es in Deutschland ja auch nicht, ist aber kein Beinbruch, man nimmt einfach gewöhnliches Mehl und die entsprechende Menge Backpulver (4/5 von einem Päckchen, denn die Päckchen sind ja normal für 500 g) sowie eine Prise Salz), 1 gestrichener Teelöffel Mixed Spice (Das ist eine englische Gewürzmischung, die Zimt, Piment, Muskat und eventuell Nelken, Koriander oder Ingwer usw. enthält. Ich nehme jetzt mal einfach so an, dass Ihr diese Mischung auch nicht vorrätig habt. Meiner Meinung nach kann man sie durch Lebkuchengewürz ersetzen. Ob ein gestrichener Teelöffel Lebkuchengewürz eventuell zu viel ist, das muss jeder für sich selbst entscheiden. Ich hatte chinesische Fünf-Gewürze-Mischung, da ist auch so ähnliches Zeug drin, die habe ich verwendet, die ist auch okay. Oder man nimmt einfach, was man eben hat), noch etwas Muskat zusätzlich, 1 Zitrone und gegebenenfalls Wensleydale-Käse zum Servieren. Ich habe extra Wensleydale-Käse gekauft, der ist sehr, sehr gut - Käse können sie, die Engländer -, aber zum Geschmackserlebnis des Earl-Grey-Tea-Loaf trägt er meiner Meinung nach nichts bei (im Gegensatz zu guter Butter, aber darauf komme ich noch).
Also, wie geht’s? 4 der Teebeutel mit 300 ml kochendem Wasser übergießen, ein paar Minuten ziehen lassen, dann die Teebeutel aus dem Wasser nehmen. Getrocknete Früchte in eine Backschüssel geben, Schale der Orange darüber reiben, alles mit dem heißen Tee übergießen, umrühren, ein paar Stunden stehen lassen, idealerweise über Nacht.
Ofen auf 180 Grad vorheizen. Kastenform mit Backpapier auslegen. Das Ei schlagen, zu den Früchten geben. 200 g vom Zucker dazu geben. Mehl (gegebenenfalls mit Backpulver und Salz), Gewürze, Muskat und den ausgepressten Saft unserer Orange dazu. Durchrühren. Jamie weist darauf hin, dass diese Mischung, auch wenn sie etwas zu trocken aussehen mag, okay ist. So, ab in die Form und ab in den Ofen, wo der Tea Loaf 1 Stunden und 10 Minuten verbleibt. Alllso, ich habe meinen Kuchen nach einer guten halben Stunde mit Alufolie abdecken und die Temperatur 10 Grad tiefer schalten müssen, sonst wäre er zu schwarz geworden. Das lag vielleicht daran, dass ich einen Umluftherd benutzte. Die letzten Minuten entfernte ich die Alufolie wieder.
Während der Kuchen so vor sich hin backt, macht man den Sirup, die Krönung des Kuchens. Die zwei übrigen Teebeutel in ein Töpfchen mit 200 ml Wasser geben, dazu die Schale der Zitrone (diesmal habe ich sie nicht abgerieben, sondern mit einem Kartoffelschäler abgeschält) und ihren Saft. Zum Kochen bringen, nach ein paar Minuten die Teebeutel entfernen. Die übrigen 100 g Zucker dazu geben. Ohne Umrühren (warum das denn?) wieder zum Kochen bringen und dann bei kleiner Hitze 5 bis 10 Min. köcheln lassen bis sich die Mischung auf die Hälfte reduziert hat.   
Jamie füllt den goldenen Sirup nun in einen Krug (Was hat er bloß mit seinen Krügen? Ich hab’ keinen dreckig gemacht.).
Sobald der Kuchen aus dem Ofen kommt mit einem Cocktail- oder sonstigen Spieß viele kleine Löcher oben in den Kuchen machen und den Sirup darüber schütten. Ich machte mir da ein bißchen Gedanken wegen der Löcher und dem Sirup ... ich dachte, wenn der Sirup richtig reinziehen soll, dann nimmt man vielleicht besser einen etwas dickeren Spieß. Ich löffelte den Sirup dann vorsichtig auf die Kuchenoberfläche.  Der Kuchen war der totale Erfolg. Wenn der ganze Sirup aufgesaugt ist, nimmt man den Kuchen aus der Form und lässt ihn abkühlen. Zum Servieren empfiehlt Jamie eine Tasse Tee und Butter oder ein paar Gläschen Sherry und Wensleydale-Cheese als After-Dinner-Treat. Wie gesagt, Wensleydale ist ein sehr leckerer, leicht säuerlicher, krümeliger Kuhmilchkäse und ich bin froh, dass ich ihn durch diese Empfehlung kennengelernt habe, aber zu diesem Kuchen würde ich ihn nicht essen. Mit guter Butter bestrichen ist der Earl-Grey-Tea-Loaf ein Traum.

Donnerstag, 10. November 2011

Jamie Oliver: Toad-in-the-hole

So, heute habe ich das erste Rezept aus dem neuen Kochbuch ausprobiert. Toad in the hole (Kröte im Loch) ist ein englisches Gericht, das aus Bratwürsten in Yorkshire-Pudding besteht. Ich habe es noch nie zubereitet. Heute habe ich mich aber an Jamie Olivers Variante versucht, die eigentlich “Toad outside the hole” heißen müsste, weil die Würste und der Yorkshire-Pudding separat zubereitet werden.  Jamie begründet das damit, dass bei der Original-Toad-in-the-hole der Teil der Wurst, der im Teig steckt, oft weich und blass ist, während der Teil, der rausguckt, knackig ist und eine gesunde Farbe hat. Und er will halt, dass die ganze Wurscht gleich gut ist. 


Sein Rezept für 6 Personen.
Man benötigt für den Teig: 3 große Eier von freilaufenden Hühnern, 100 g Mehl, 250 ml 1,5%-Milch, Meersalz.
Für die Würste und die Soße: 2 große, geschälte Zwiebeln,  3 Äpfel, ein großes Stück Butter (war bei mir ein Kaffeelöffel voll), Olivenöl (bei mir selbe Menge), 4 Zweiglein Rosmarin, Meersalz und Pfeffer, 2 Esslöffel flüssiger Honig, 12 große Cumberland-Würste (in Deutschland eben rohe Bratwürste. 12 große für 6 Personen finde ich aber ein bisschen viel, Cumberland-Würste sind etwas kleiner), 1 gehäufter Esslöffel Mehl, 250 ml Cider (Apfelwein), 250 ml Fleischbrühe aus Biofleisch (bei mir halber Brühwürfel und 250 ml Wasser, killt mich), Worcestershire Sauce.
So: Eier, Mehl, Milch und eine Prise Salz verrühren, schlagen, dass ein bisschen Luft in den Teig reinkommt (Jamie füllt seinen Teig dann von der Schüssel in einen Krug, aus dem er schütten kann. Echt, hey. Ich mache nicht gern so extrem viel Geschirr dreckig). Ofen auf 240 Grad vorheizen. Zwiebel und Äpfel schälen und in 1 cm dicke Scheiben schneiden. Pfanne mit Butter und Öl (siehe oben) heiss machen. Zwiebel, Äpfel und die Nadeln von zwei Zweiglein Rosmarin hinzugeben. 20 Min. unter gelegentlichem Rühren golden braun braten. Weg vom Herd, Honig und etwas Wasser zugeben  Würstchen in eine Backform (30x40 cm) legen, etwas Olivenöl dazu geben, 20 Min. im Ofen braten.  Dann Würste in eine ofenfeste Form legen und mit der Hälfte der Apfel-Zwiebel-Soße mischen. Mit Alufolie abdecken (hab’ ich vergessen). Fett aus der Backform abschütten (brauchte ich nicht, meine Würstchen waren mager), durch Olivenöl ersetzen, Nadeln der restlichen beiden Rosmarin-Zweiglein in die Form streuen. Hier bin ich von Jamies Rezept abgewichen. Er macht die Form nun auf dem Herd wieder heiss, gießt dann den Teig hinein und schiebt sie ins Rohr. Ich habe eine Glasform, die stelle ich nicht auf den Herd. Ich habe sie also kurz im Ofen heiss gemacht (der war doch bei 240 Grad, mehr kann man nicht verlangen) und goss dann den Teig hinein. Und jetzt ist es absolut wichtig, dass man den Ofen 8 bis 10 Minuten lang nicht aufmacht. Gar nicht. Das spektakuläre Ergebnis seht ihr auf diesem Bild. Die mit Alufolie abgedeckten Würstchen hat er die ganze Zeit im Ofen dabei stehen.



So. Der Rest der Apfel-Zwiebel-Mischung kommt jetzt wieder auf’s Feuer, das Mehl wird sorgfältig untergerührt. Dann kommen der Apfelwein, die Brühe und zwei große Schuss Worcestershire-Sauce hinzu. Das Ganze lässt man dann einkochen, bis die gewünschte Konsistenz erreicht ist.
Jamie serviert so: die heiße Sauce stellt er mitten auf den Tisch, dann deckt er seine Würstchen auf (große Geste) und stellt den Yorkshire-Pudding (da war ich echt überrascht, dass der bei mir was geworden ist) auf ein schönes Brett. Er serviert etwas Grünes und Frisches wie Bohnen, Salat oder  Mangold dazu.
Mein erstes Jamie Oliver Rezept. Note: Lecker. So sah es dann auf dem Teller aus:

Mittwoch, 9. November 2011

Von Pessimisten und Optimisten

Diese schöne Geschichte habe ich gestern meiner Stiefmutter erzählt. Ich hatte eigentlich gedacht, die kennt schon jeder, es scheint aber nicht so zu sein. Es ist ein steinalter, amerikanischer Witz, es soll der Lieblingswitz von Ronald Reagan gewesen sein. Für meine Blogleser, die ihn vielleicht nicht kennen:
Eine Familie hat Zwillinge, zwei Buben, fünf oder sechs Jahre alt. Der eine ist der totale Optimist, der andere ein völliger Pessimist. Die Eltern machen sich Sorgen und gehen mit den Kindern zum Psychologen. Der Psychologe behandelt zuerst den Pessimisten. Er führt den Bub in ein bis oben hin mit den schönsten Spielzeugen gefülltes Zimmer und lädt ihn ein, mit den Sachen zu spielen. Der Bub beginnt zu weinen.
"Warum weinst Du denn?" fragt der Psychologe.
"Wenn ich mit den Sachen spielen würde, würden sie ja nur kaputt gehen."
Als nächstes kümmert sich der Psychologe um den kleinen Optimisten. Er führt ihn in ein Zimmer, das von oben bis unten mit Pferdemist gefüllt ist.
"Juhuu", schreit der Bub voller Freude und klettert auf den Misthaufen und beginnt mit seinen bloßen Händchen im Mist zu graben.
"Was soll denn das jetzt?" fragt der Psychologe überrascht.
Das Kind jubelt: "So viel Mist, hier muss irgendwo ein Pony sein."

Dienstag, 8. November 2011

Das neue Buch von Jamie Oliver: Jamie’s Great Britain


Liegt in London gerade bergeweise in jedem Buchladen.
Erst mal dran geschnüffelt, bei Harrod’s. Preis: 30 Pfund. Aber toll anzuschauen.  Andere Bücher betrachtet, zurückgelaufen, noch einmal angeschaut … hmhmhm, ich hab’ doch schon so viele Kochbücher (nee, stimmt gar nicht, so übermässig viele hab’ ich gar nicht, ich müsste sie bei Gelegenheit mal zählen). Ooohhh, die Bilder sind so schön … und so viele, ein bisschen im Shabby Chic-Stil. Ein tolles Buch. Buch hinlegen, heimgehen.
Wenige Tage später, bei Waterstone’s: Preis 15 Pfund. Ach, so ein schönes Buch! Britische Rezepte, britische Kultur, gleichzeitig wird die Präsenz der zahlreichen Einwanderer aus aller Herren Länder anerkannt. Das eine oder andere karibische Rezept, jemenitische Pfannkuchen, indische Gewürze … das England der Bowler-Hats, das Schirm- und Melone-England, von dem ich in meiner Schulzeit gelernt hatte, das gibt es echt nicht mehr. NOCH ein Kochbuch. MUSS das sein? Nee, hey. Buch hinlegen, heimgehen. So schöne Fotos, so angenehmes Papier … wenn ich es hätte, würde ich es einbinden, damit es auch ja lange hält.
Bei amazon.co.uk geschaut … 13,99 Pfund. Vier von fünf Sternen. Das einzige Negative, was manche Kunden vermelden, ist, dass manche Rezepte Rezepten aus seinen anderen Büchern gleichen. Da ich seine anderen Bücher nicht besitze und keine Rezepte von ihm kenne, ist mir das egal.
Wenige Tage später bei W.H. Smith: Preis 15 Pfund. Wieder davor gestanden. Mein Bruder stand neben mir: “Ein schönes Buch, ne?” sprach er.  “Oh ja, ganz toll,” schwärmte ich. Er ergriff ein Exemplar und entschwand Richtung Kasse. Sonst hätte ich es heut’ noch nicht.

Freitag, 28. Oktober 2011

Arbeitslosigkeit in Spanien - die 5 Millionen werden bald geknackt

Und nicht nur geknackt. Sie werden von der Hoffnungslosigkeit zerschmettert.

http://www.elpais.com/articulo/economia/paro/roza/millones/marcar/nuevo/maximo/verano/elpepueco/20111028elpepueco_2/Tes

4.978.300 Arbeitslose = 21,52 %, 1595 neue Arbeitslose pro Tag im letzten Quartal, Neuwahlen am 20. November ... Das müsste ganz klar vorher noch zu schaffen sein.
Ich habe neulich jemanden sagen hören: "Jedes Mal, wenn Elena Salgado lächelt, geht ein Arbeitsplatz verloren." Elena Salgado ist die spanische Wirtschaftsministerin. Ich habe das mal grob nachgerechnet: Wenn man annimmt, dass sie sieben Stunden schläft, dann hätte sie während ihrer Wachphasen alle vierzig Sekunden lächeln müssen. Ich glaube nicht, dass das stimmt.

Mittwoch, 19. Oktober 2011

Kassenzettel oder Rechnung: Lektion gelernt

Mein Sohn D. behauptet, ich wäre besonders blauäuig und würde mir alles Mögliche einfacher vorstellen, als es dann tatsächlich ist. Nun ja. Jetzt hat er aber mal selber einen Vorgang unterschätzt.
Um was ging’s? Wir haben am 5.12.2009 beim spanischen Händler Menaje del Hogar einen Samsung-Fernseher gekauft. Vor ein paar Wochen war plötzlich auf dem Flachbildschirm rechts oben ein runder, schwarzer Fleck zu sehen. Er war ungefähr so groß wie der Sat-1-Ball. Meine Reaktion: Okay, da hat der Fernseher halt jetzt einen schwarzen Fleck. Mit dem Sat-1-Ball können wir ja auch leben.
D.’s Reaktion nach einer raschen Konsultation der Unterlagen: „Aha, ein Garantiefall.“
Ich: „D., Du unterschätzt das. Auch ein Garantiefall ist keine so einfache Sache.“
D.: „Ich kümmere mich drum.“
Seine Mami: „Du unterschätzt das.“
Alllso. Rasche und ergebnislose Suche nach der Rechnung. Das Kaufdatum war durch die Scheckkartenabrechnung leicht festzustellen: 5.12.2009. Garantiezeit: Zwei Jahre. Anruf bei Menaje del Hogar: „Türülü, Türülü, drücken Sie 1, Türulü, Türülü, drücken Sie 3946 etc.“
Ich: „Ich finde die Rechnung nicht. Könnten Sie mir einen Ersatz ausstellen?“
„Haben Sie sich den Fernseher nach Hause liefern lassen?“
„Nein.“
„Dann haben Sie doch auch gar keine Rechnung. Dann haben Sie nur einen Kassenzettel.“
Ach so.
Kurze Suche, der Kassenzettel taucht auf. Thermopapier, kaum noch zu lesen. Na toll. Kaum noch zu lesen, aber das Kaufdatum ist bei genauem Hinschauen doch erkennbar.
Mein Sohn ruft bei Samsung an: „Türülü, Türülü, drücken Sie 1, Türulü, Türülü, drücken Sie 3946 etc.“
D.: „Wir haben da einen Garantiefall ...“
Am nächsten Tag stand ein junger Mann vom Reparaturdienst Vazquez auf der Matte und nahm den Fernseher mit. „Ihr müsst mir aber den Kaufnachweis scannen und mailen.“
Ist gut. Der junge Mann vom Reparaturdienst: „In zwei, drei Tagen habt Ihr Euren Fernseher wieder!“
Ach? Toll.
D. scannt und mailt den Kaufnachweis. In der gescannten Form ist das Kaufdatum aber wirklich praktisch nicht mehr zu lesen, nur das Jahr, 09, ist deutlich erkennbar.
Ich schlage vor, den alten Fernseher an die Stelle des Flachbildschirms zu stellen, solange dieser beim Reparaturdienst ist. D.: „Das lohnt sich nicht, der andere kommt doch bald wieder.“
Nach zehn Tagen stellen wir doch den alten an die Stelle des neuen und ich rufe bei Herrn Vazquez an.
Herr Vazquez: „Das ist kein Garantiefall. Ich habe den Kaufnachweis an Samsung weitergeschickt und die haben die Garantie abgelehnt, weil das Datum nicht lesbar ist.“
Ich: „Ja, aber das ist der Kaufnachweis, den ich habe. Dann sollten die eben für ihre Kassenzettel kein Thermopapier nehmen, das man nach eineinhalb Jahren nicht mehr lesen kann.“
Herr Vazquez: „Wie dem auch sein, es ist kein Garantiefall.“
Anruf bei Samsung (Mutti hat die Sache übernommen, mein Sohn soll lieber für eine bessere Welt lernen und seine Zeit nicht mit so einem Mist verschwenden): „Türülü, Türülü, drücken Sie 1, Türulü, Türülü, drücken Sie 3946 etc.“
Ich schildere die Sachlage.
Antwort Samsung: „Beschaffen Sie einen Ersatzkaufnachweis.“
Anruf bei Menaje del Hogar: „Türülü, Türülü, drücken Sie 1, Türulü, Türülü, drücken Sie 3946 etc.“ Dann: „Unsere Archive reichen nicht so weit zurück.“
Anruf bei Samsung: „Türülü, Türülü, drücken Sie 1, Türulü, Türülü, drücken Sie 3946 etc.“
Ich: „Die Archive von Menaje del Hogar reichen nicht so weit zurück.“
Samsung: „Das ist Quatsch. Gehen Sie halt dorthin, wo sie den Fernseher gekauft haben und versuchen Sie dort, einen Ersatzkaufnachweis zu bekommen.“
Ich gehe also zu Darty, dem Rechtsnachfolger der mittlerweile verschwundenen Firma Menaje del Hogar. Der Laden ist praktisch leer, vier Mitarbeiter lungern an der Kasse/dem Informationsbereich ïn der Mitte des Ladens herum. Während ich mich nähere, verschwinden sie ALLE. Ich warte kurz, dann fragt eine junge Frau nach meinem Begehr, das ich ihr kurz schildere.
„Oh, so etwas, das würden Sie aber besser direkt telefonisch beantragen oder im Internet.“
Ich: „Nein, ich möchte den Ersatzkaufnachweis von Ihnen. Ich kann doch nichts dafür, dass man den alten nicht mehr lesen kann.“
Verkäuferin: „Ich kann auch nur bei Menaje del Hogar anrufen.“
Ich: „Ja, dann machen Sie das doch bitte.“
Verkäuferin ruft bei Menaje del Hogar an. Für sie ist es anscheinend doch einfacher.
Dann setzt sie mich in Kenntnis: „Sie können den Ersatzkaufnachweis in zwei, drei Tagen hier abholen.“
Ist recht.
Drei Tage später hole ich ihn ab und maile ihn an Herrn Vazquez, der ihn an Samsung mailt.
Eine Woche danach rufe ich Herrn Vazquez an und frage ihn nach dem Stand der Dinge. Alles in bester Ordnung, Samsung hat die Reparatur genehmigt, Herr Vazquez hat das Panel schon bestellt. In zwei, drei Tagen ist der Fernseher fertig. Toll.
Am selben Nachmittag ein Anruf von Samsung: „Die Reparatur wurde nicht genehmigt. Auf dem Ersatzkaufnachweis steht, dass es sich nicht um eine Rechnung handelt und das Datum ist von Hand hinzugefügt.“
Ich: „Ja, aber das ist der Ersatzkaufnachweis, den ich von Menaje del Hogar bekommen habe.“
Samsung: „Der tut’s nicht. Sorry, Garantie abgelehnt.“
Ich rufe Herrn Vazquez an und erzähle ihm, was passiert ist. Herr Vazquez ist ungehalten, weil er das Panel schon bestellt hat und weil er ahnt, dass ich die etwa 300 Euro teure Reparatur (Neupreis des Fernsehers: 599 €) nicht ausführen lassen werde, wenn ich sie selbst bezahlen muss. Herr Vazquez fordert mich auf, dringend etwas zu unternehmen, um in den Genuss der mir zustehenden Garantieleistung zu kommen. Er verrät mir, dass die Abteilungsleiterin bei Samsung, die Gebieterin über die Genehmigung oder Ablehnung von Garantiefällen, die, zu der ich als gewöhnliche Samsung-Kundin niemals vordringen könnte, Nieves heißt.
Ich rufe bei Samsung an. „Türülü, Türülü, drücken Sie 1, Türulü, Türülü, drücken Sie 3946 etc.“
Ich: „Ich hätte gerne mit Doña Nieves, der Leiterin der Garantie-Abteilung gesprochen.“
Über das Telefon spüre ich, wie die Call-Center-Mitarbeiterin am anderen Ende der Leitung erblasst. Ein sterblicher Anrufer hat einen heiligen Namen ausgesprochen!
„Um was handelt es sich bitte?“
Ich schildere die Sachlage kurz.
„Macht es Ihnen etwas aus, einen Moment zu warten?“
Wer nun glaubt, ich sei in den Genuss gekommen, mit Frau Nieves persönlich zu sprechen, der irrt natürlich.
Oana, so hieß die Dame, die mir bei Samsung Gehör schenkte, informierte mich einmal mehr, dass die gewünschte Leistung abgelehnt werden müsse; dass mir nichts anderes übrig bliebe, als zu versuchen, einen Kaufnachweis zu beschaffen, der Nieves genehm ist. Ich wies sie noch einmal auf das Absurde der Situation hin: Nieves ist mit dem Kaufnachweis nicht zufrieden, informiert Untergebene, die mich informieren. Ich fahre zu Darty, beantrage den Ersatz, die fordern ihn von Menaje del Hogar an, ich hole ihn nach drei Tagen ab, schicke ihn an Vazquez, der schickt ihn an Samsung, wo ihn die Untergebenen Nieves vorlegen, die dann entscheidet. Wie wär’s denn, wenn ich Darty veranlassen würde, Menaje del Hogar zu veranlassen, den Ersatzkaufnachweis direkt an Nieves zu schicken? Und wenn sie nicht zufrieden ist, teilt sie das Menaje del Hogar umgehend mit, damit die es noch einmal versuchen? Und Oana und ich und die Leute von Darty und der Herr Vazquez bleiben einfach außen vor? Ich bekam Nieves’ E-Mail-Adresse nicht. Oana bat mich, sie abschließend durch Klicken auf eine Taste von 1 bis 9 zu bewerten. Ich erklärte ihr, ich würde ihr gerne die Höchstnote geben, aber unter den gegenwärtigen Umständen sei das nicht möglich, denn der Kundendienst von Samsung hätte bisher nichts geleistet. Ich hätte mir aber ihren Namen notiert und würde ihre Vorgesetzten, falls ich die Möglichkeit dazu bekäme, darüber informieren, was für eine hervorragende Mitarbeiterin sie ist.
Zehn Minuten nachdem ich aufgelegt hatte, rief Oana wieder an. Unser Fall ist jetzt zum „Incidente“, zum Zwischenfall, erklärt worden. „Was bedeutet das für mich?“, fragte ich. „Was soll ich denn Herrn Vazquez erzählen, der mir mit seinem Panel im Nacken sitzt?“ „Erst mal gar nichts tun und weitere Instruktionen abwarten“, antwortete mir Oana. „Herrn Vazquez nicht anrufen“, forderte sie mich auf. Samsung und Herr Vazquez kommunizieren natürlich auch. Wir sind jetzt ein „Incidente“. Vielleicht bedeutet das, dass Nieves direkt bei Menaje del Hogar anruft und fragt, ob es stimmt, dass die Hausfrau am 5.12.2009 dort ein Fernsehgerät der Marke Samsung gekauft hat? Aber das weiß sie ja schon längst. (Stand der Dinge zum 18. Okt. 2011).
P.S.: Über was für Dinge wir uns aufregen und woanders verhungern die Menschen.
Zusatz vom 21.10.2011:

Mein Sohn D. ist der Meinung, dass die Tatsache, dass in Afrika Menschen verhungern, Samsung nicht davon entbindet, der Pflicht zur Erbringung einer Garantieleistung nachzukommen.
Wie ging’s also weiter? Gestern am frühen Nachmittag erhielt ich einen Anruf der Abteilung für „Incidentes“ von Samsung. Teresa teilte mir gleich eingangs unseres Gesprächs mit, dass Nieves keineswegs eine Chefin oder vergleichbares sei, sondern dass sie in der Schicht direkt über den Callcenter-Mitarbeitern säße, wo mehrere Menschen niedrigschwellige Entscheidungen träfen. Mit Nieves oder anderen Mitarbeitern auf dieser Ebene könne man aber in keinem Fall sprechen. Okay. Ich hatte den Namen „Nieves“ gar nicht noch einmal erwähnt, den hatte sie den Notizen entnommen.
Weiterhin erklärte sie mir, dass ich das mit der Garantie vergessen könne, solange ich keinen Kaufnachweis beibrächte, auf dem nicht stünde, dass es sich nicht um eine Rechnung handelte, und auf dem es keine handschriftlichen Zusätze gäbe. Es sollte mir doch eigentlich ein Leichtes sein, einen solchen bei Menaje del Hogar anzufordern.
Ich rufe wieder bei Menaje del Hogar an und schildere dem Callcenter-Mitarbeiter die Sachlage. Carlos erklärt mir die rechtlichen Unterschiede zwischen einer Rechnung und einem Kassenzettel. Nach Teresa, Rumäninnen und Afrikanerinnen bei Samsung habe ich nun anscheinend einen arbeitslosen Juristen an der Strippe. Zur Kenntnisnahme: Rechnungen unterscheiden sich von Kassenzetteln vor allem dadurch, dass sie ausführlicher sind und z.B. auch den Namen und in Spanien die Steuernummer des Käufers enthalten. Kassenzettel sind nicht zur Vorlage beim Finanzamt zwecks steuerlicher Geltendmachung geeignet, Rechnungen schon. Um diese Tatsache zu verdeutlichen, steht auf den Kassenzetteln von Menaje del Hogar, dass es sich nicht um eine Rechnung handelt. Aha. Carlos fordert mich auf, Samsung anzurufen und meine Gesprächspartner darüber zu informieren, dass Kassenzettel naturgemäß keine Rechnungen sind, wohl aber Kaufnachweise im Sinne der Inanspruchnahme von Garantieleistungen. Okay.
Anruf bei Samsung, zufällig werde ich wieder mit Teresa verbunden. Sie hat für solche rechtliche Feinheiten keinen Sinn. Samsung hat sein übliches Prozedere, daran hätte ich mich - ebenso wie die Handykäufer, die das Gros der Anrufer beim Kundendienst ausmachen - zu halten.
Ich mache mich wieder auf den Weg zu Darty. Dort hatte mir bei meinem vorherigen Besuch ein Mitarbeiter angeboten, durch Erwärmen des Thermopapiers von unten mit einem Feuerzeug die Zahlen auf dem Menaje del Hogar-Kassenzettel wieder zum Erscheinen zu bringen. Dieser Mitarbeiter ist aber nicht da. Ich frage Monica, ob ich den Kassenzettel vielleicht auf die Herdplatte legen sollte und sobald die Zahlen klarer erscheinen, wegziehen sollte. Von dieser Methode rät sie mir ab. Sie erklärt sich bereit, noch einmal mit Menaje del Hogar zu telefonieren und zu versuchen, einen der Einheit, die ich weiterhin „Nieves“ nennen möchte, genehmen Kaufnachweis zu erwirken.
Ich fahre wieder nach Hause. Dort erwartet mich mein Sohn P. mit dem Fernseher, der junge Mitarbeiter von Herrn Vazquez hat ihn zurückgebracht.
„Herr Vazquez hatte die Schnauze voll und wollte das Ding nicht länger in seiner Werkstatt rumstehen haben“, vermute ich.
„Ich glaube, er ist repariert“, sagt mein Sohn.
Ich rufe bei Herrn Vazquez an. Frau Vazquez sagt, der Fernseher sei repariert, Samsung hätte die Garantieleistung genehmigt.
Hmhm. Kann es daran liegen, dass wir zwei Kundennummern hatten? Als ich von D. übernahm, ließ ich mir eine Kundennummer geben, weil ich nicht wusste, dass wir schon eine hatten. Anders kann ich es mir nicht erklären. Ich weise Frau Vazquez darauf hin, dass es möglicherweise noch Probleme geben könnte, Samsung hätte mir gegenüber die Garantieleistung nämlich abgelehnt.
Sobald Darty mich anruft und mir mitteilt, dass der neue Ersatzkaufnachweis von Menaje del Hogar eingetroffen ist, werde ich diesen abholen und an Herrn Vazquez schicken. Der kann dann entscheiden, was er damit macht.
Und was haben wir daraus gelernt? Wenn wir etwas Teures kaufen, dann lassen wir uns in Zukunft IMMER eine Rechnung ausstellen und geben uns nicht mit dem Kassenzettel zufrieden. Sicher ist sicher und was man hat, das hat man.
(Anmerkung: Dies ist eine verkürzte Darstellung. In Wirklichkeit gab es mehr Telefonate. Oana, Monica, Nieves und Teresa heißen tatsächlich so, Carlos und Herr und Frau Vazquez nicht.) 

Freitag, 14. Oktober 2011

Immobilien in Spanien: Beobachtungen

Diese Reihenhäuser stehen in der Provinz in Zentralspanien, also nicht an der Küste und auch nicht im Umland von Madrid. Sie haben eine Nutzfläche von 156 Quadratmetern. Die Grundstücke sind sehr klein. Im Ganzen sind es 22 Stück. Sie liegen an der Strasse, die Ihr auf diesem Foto seht, und an einer Hauptstrasse mit relativ viel Verkehr (die Häuser, die Ihr auf dem dritten Foto seht). Von 22 sind 4 verkauft und bewohnt.



So sehen sie aus, wenn sie bewohnt sind. Zu einem Haus gehört das Garagentor, der halbe Hauseingang (also in diesem Fall die rechte Tür), das eine der beiden kleinen Fenster oben und das Balkönchen. Die Fassaden sind mit schönem Stein verkleidet, ich weiss nicht, was für ein Stein das ist, sieht aber gut aus. Vor den vier bewohnten Häuschen stehen diese kugelförmigen Bäumchen. Vielleicht haben die Leute die zum Einzug vom Verkäufer geschenkt bekommen. Zu den braunen Garagentoren, Türen und Fenstern und zur Fassadenverkleidung sehen die Bäumchen elegant aus.


Das sind die Häuser, die an der ziemlich stark befahrenen Hauptstrasse stehen.
Und nun zu dem, was uns wirklich interessiert: die Preisentwicklung. Sie werden seit dem Höhepunkt der Immobilienblase im Jahr 2008 angeboten. Ursprünglich kosteten sie ab 345.500 Euro. Zur Erinnerung: etwa 690.000 Mark. 2009 kosteten sie genauso viel. 2010 auch. Jetzt kosten sie ab 245.000 Euro. Aber zu diesem Preis will sie anscheinend auch keiner. Die Frage ist: Zu welchem Preis würde der Bauträger seine Häuschen wohl los werden? Und zu welchem Preis würden die Leute sie ihm aus den Händen reißen? Ich hätte gute Lust, mal 100.000 Euro dafür zu bieten, aber ich befürchte, nach kurzem Handeln würde ich es für 120.000 bekommen und wir haben momentan echt keine Verwendung dafür. Warum ich Euch das erzähle? So, wie es hier ist, ist es an vielen Orten.

Vogel des Jahres 2012


Die Dohle wurde zum Vogel des Jahres 2012 gewählt. Juhuu! Glückwunsch an alle Dohlen!

Samstag, 8. Oktober 2011

Frische Ochsenschwanzsuppe - und ein paar Gedanken


Ich sah gestern beim Metzger einen wunderschönen Ochsenschwanz (etwa 1750 g). Obwohl ich eigentlich etwas anderes geplant hatte, nahm ich als alter Ochsenschwanzsuppenfan Letzteren mit nach Hause. Ich bereitete ihn auf folgende Weise in meinem großen Schnellkochtopf zu: Ich salzte und pfefferte die Schwanzstücke und briet sie in zwei Esslöffeln Olivenöl von allen Seiten schön braun an. Dann nahm ich sie aus dem Fett und briet zwei grob gewürfelte Zwiebeln, 4 in große Stücke geschnittene Gelberüben, 2 Stangen Lauch in Stücken, idem 1 rote Paprikaschote, 2 große, reife Tomaten und 2 gehackte Knoblauchzehen an. Ich würzte die Mischung mit 2 Lorbeerblättern, 6 Zweiglein frischem Thymian, 2 Teelöffeln süßem Paprika, 2 Teelöffeln Salz, 6 Nelken und 25 halben Umdrehungen Pfeffer und ließ sie kurz weiterbraten. Dann gab ich einen halben Liter Rotwein und eineinhalb Liter Wasser dazu. Ich brachte alles zum Kochen, dann kam das Fleisch wieder hinein. Ich schloss den Schnellkochtopf und ließ ihn 50 Minuten bei vollem Druck kochen. Dann dampfte ich ihn ab und holte die Fleischstücke, Lorbeerblätter und Thymianästchen wieder heraus und pürierte das Gemüse, damit die Suppe sämig würde. Ich rundete mit 3 Esslöffel Worcestershire-Sauce ab. Dann löste ich das Fleisch von den Knochen, schnitt es klein und gab es wieder in die Suppe. Lecker! Ich schätze mal, dass ich so zehn, zwölf Portionen hatte. Was übrig ist, kann man ja einfrieren. Oder als Sauce zu Kartoffeln, Nudeln etc. verwenden.
Mein Vater und mein Bruder essen auch sehr gern frisch gekochte Ochsenschwanzsuppe. Ich hätte ihnen gerne einen Teller gefaxt, aber das geht ja nicht. So weit ist die Technik noch nicht und der, dem ich am ehesten zugetraut hätte, eine Möglichkeit zu finden, Ochsenschwanzsuppe zu faxen, ist seit drei Tagen nicht mehr. RIP Steve Jobs.
Ihr meint, meine Erwartungen an technische Neuerungen seien zu hoch? Überlegt mal, was sich in den letzten Jahren getan hat. Ich erinnere mich an meine Kindheit: wir wohnten in einem dreistöckigen Haus. Im Erdgeschoss war der Friseurladen meiner Mutter, wo sich während der Öffnungszeiten das Telefon befand. Abends wurde das Telefon in den ersten Stock, wo sich die Wohnung meiner Oma befand, getragen. Dort stand es auf der abgerundeten Armlehne des Sofas, das am meisten benutzt wurde. Wir wohnten ganz oben, da gab es gar kein Telefon. Es wurde auch nicht sonderlich viel telefoniert. Ein Telefonat, Ortsgespräch, kostete 20 Pfennig, wir wurden so oft daran erinnert, dass ich es heute noch weiß.
Ein Gutes hatten die alten Telefonapparate: Der Hörer befand sich stets am Ende der Schnur. Man musste nie nach ihm suchen.
Manchmal stellten wir Überlegungen an, wie das wohl wäre, wenn man die Person, mit der man telefonierte, sehen könnte.
Heute habe ich ein I-Pad mit Skype, da kann ich auf der Terrasse sitzen - oder auf dem Sofa oder in der Küche, in England, Spanien oder Deutschland - und mit meinen Lieben im selben Dorf oder am anderen Ende der Welt sprechen, sie sehen mich und ich sehe sie und es kostet nix extra. Wenn uns damals jemand gesagt hätte, dass es irgendwann mal die Gelegenheit geben würde, mit so einem winzigen Kasten – es ist ja noch nicht einmal ein Kasten, es ist wenig mehr als ein Schulheft – durch leichtes Berühren mit den Fingerspitzen sekundenschnellen Zugang zum ganzen Wissen der Menschheit zu haben, in jede Straße schauen zu können (Google Earth!), durch Knopfdruck Seiten ausländischer Zeitungen sofortigst übersetzen zu lassen, ich hätte es nicht geglaubt. Ich hätte es für Hexerei gehalten.
Also, heute kann ich ihnen die Ochsenschwanzsuppe leider noch nicht faxen, aber für die Zukunft würde ich das Faxen oder Beamen von Ochsenschwanzsuppe nicht ausschließen. Ich werd’s aber wohl nicht mehr erleben.

Donnerstag, 29. September 2011

Nachhaltige Herbstdeko mit Kastanien

Juhuu, endlich mal wieder Zeit für einen Blogeintrag.
Hier seht Ihr meine erste Herbstdeko. Meinen IKEA-Bambusteller (keine Ahnung, wie das Modell heißt, womöglich heißt es Bambuustella, aber ich bin mir nicht sicher) habe ich mit Kastanien mit und ohne Schale, Kastanienblättern, Hagebutten und einer Kerze (Modell Åpfelkättsa?) bestückt. Er steht auf dem großen Tisch im Wintergarten/Gartenzimmer. Meinen Lieben gefällt er. Mir gefällt er auch. Die Kombination ist auch interessant anzuschauen: Die Kastanienschalen öffnen sich von Tag zu Tag weiter, die Blätter und die Hagebutten trocknen ... der Teller gibt die Natur gut wieder und die Kombination hat irgendwie was entspannendes. Gut, dass es in unserer Gegend zwei Kastanienalleen gibt, ich hatte nämlich Angst, keine zu finden. Hausfrauen sammeln für die Herbstdeko, Schulkinder sammeln für ihre Basteleien (die eine Allee führt direkt an der Schule vorbei) und spielen Fußball damit.


So sah der Teller übrigens im Sommer aus (das hatte ich Euch gar nicht gezeigt):  
  

Hier noch einmal ein Bild vom Herbstteller (er sieht in Wirklichkeit viel besser aus, echt):

Mittwoch, 14. September 2011

Tiramisu


Unsere Küchenfeen werden immer jünger. Mein gerade mal dreizehnjähriges Patenkind hat uns mit einem wundervollen dreigängigen italienischen Menü überrascht, das sie allein und praktisch ohne Hilfe in meiner Küche zubereitet hat. Höhepunkt des Festmahls war ein Tiramisu nach altem Familienrezept. Altes Familienrezept bedeutet in diesem Fall, dass ich es vor vielen Jahren, als Tiramisu in Mode kam, von einer Löffelbiskuitpackung abgeschrieben habe und dass es seitdem schon oft zubereitet wurde. Ich mache normalerweise die eineinhalbfache Menge, die für meine etwa 26 cm x 17 cm große Form ideal ist. Diese Menge reicht für mindestens sechs bis acht Personen. Mit der einfachen Menge halten wir uns gar nicht erst auf. Außerdem, wenn es am nächsten Tag heißt: "Ist noch was vom Tiramisu von gestern da?" und die Antwort lautet "Nein", wie steht man denn dann als Hausfrau da??? Ich meine, irgendwann ist es natürlich notwendigerweise alle und da es rohe Eier enthält, sollte man es am nächsten Tag schon fertigessen, aber zwei Stücke pro Person müssten drin sein. Also, für die Originalmenge, die 4 recht große (oder 8 kleine) Stücke ergibt, benötigt man 200 g Löffelbiskuit, 250 g Mascarpone, 2 getrennte Eier, 75 g Zucker, 5 Esslöffel Amaretto, 1/2 Tasse starken, kalten Kaffee, 5 g Gelatine, Kakaopulver zum Bestreuen.
Man rührt die Eigelbe mit dem Zucker schaumig, rührt dann den Mascarpone unter, anschließend gibt man den Likör dazu. Die Gelatine bereitet man nach Packungsaufschrift vor und mischt sie mit der Creme (ich weiche die Gelatine mit 2-3 Esslöffeln Wasser gut 5 Minuten in einer Tasse ein und stelle die Tasse dann in ein Wasserbad, bis die Mischung wieder flüssig ist). Dann werden die Eiweiss steif geschlagen und unter die Creme gehoben.
Biskuits im Kaffee wenden, aber nicht durchweichen lassen. Den Boden der Form mit den Biskuits auslegen, die Hälfte der Creme daraufstreichen, zweite Lage Biskuits, zweite Schicht Creme, fertig. Mit Frischhaltefolie abdecken und mindestens 3 Stunden in den Kühlschrank stellen. Mit Kakaopulver bestreut servieren.
Schön, dass Kochen bei der Jugend so in Mode ist. Unsere kulinarische Zukunft ist sicher! 

Montag, 12. September 2011

Praktische Gewürzmischung und Erinnerungen an Paula Deen

Als wir in den USA lebten, schaute ich mir gerne Kochshows des Senders Foodnetwork an. Eine der Starköchinnen war Paula Deen, eine fröhliche, witzige Frau, deren Südstaaten-Akzent ich süss fand. Paula Deen ist eine erstaunlich schlechte Köchin. Ich kochte insgesamt zwei ihrer Rezepte nach: einmal Blaubeerpfannkuchen und einmal Nudeln mit Drei-Käse-Sauce - oder so ähnliche Sachen. Beides war fad und hatte eine unappetitliche Konsistenz.
Einmal verriet sie aber, dass sie in der Küche ihres Restaurants eine Gewürzmischung einsetzt, die man auch für einen Haufen Geld auf ihrer Website kaufen kann, nämlich ihr berühmtes House Seasoning, eine Mischung aus Salz, Pfeffer, Zwiebel- und Knoblauchpulver. Klang interessant. Aber Ihr kennt mich altes Sparbrötchen: ich wollte natürlich für eine derartig simple Sache nicht so viel Geld ausgeben und stellte mir die Mischung selbst zusammen: 2 Teile Salz, 1 Teil schwarzer Pfeffer, 1 Teil Zwiebelpulver, 1 Teil Knoblauchpulver. Ich machte erst mal eine Probemischung, bei der 1 Teil 1 Esslöffel bedeutete. Ein Hit! Superpraktisch. Wenn's schnell gehen soll ist die Gewürzmischung ein kleiner Nothelfer: Sauce ist zu fad geworden, Kinder klingeln schon an der Tür = große Prise Gewürzmischung an die Sauce. Statt nur Salz und Pfeffer Gewürzmischung an die Salatsauce = hei, gut. An gekochtes Gemüse, an Reis ... man verwendet im Endeffekt weniger Salz, da Zwiebel- und Knoblauchpulver ja auch Geschmack bringen. Hier seht Ihr die Mischung, die ich heute gemacht habe. Bevor ich's verrührt habe, sah's toll aus, oder?










Aber zurück zu Paula Deen. Wie soll man ihren Kochstil beschreiben? Kamikaze? Sie kocht ohne jede Rücksicht auf die Gesundheit ihrer Esser. Einmal habe ich sie einen Donut-Burger zubereiten sehen. Dieser bestand aus einem quer halbierten Donut mit Zuckerguss, dem gegrillten Hamburgerfleisch, einem von beiden Seiten gebratenen Spiegelei, darauf zwei Scheiben gebratenem Speck, darauf als Deckel die obere Donut-Hälfte. Wer sich nicht vorstellen kann wie das aussieht (ich werde es ganz sicher nicht zubereiten): Bei Google "Donut Burger" eingeben und auf "Bilder" klicken.
Hier ein Link, da könnt Ihr Paula Deen mal zuschauen, wie sie fritierten Käskuchen zubereitet.


Eigentlich müsste man eine Warnung einblenden: "Nicht zuhause nachmachen! Nicht für den menschlichen Verzehr geeignet!" Sie nimmt ein Stück Käskuchen, legt es auf ein viereckiges Stück Fertigteig, den sie mit einer Milch-Ei-Mischung bestrichen hat. Auf den Käskuchen gibt sie geriebene Schokolade, dann schließt sie das Teigpäckchen und backt es in schwimmendem Fett aus. Sie nimmt es aus dem Fett und wälzt es in Puderzucker. Zum Servieren schneidet sie es entzwei, beträufelt es mit reichlich fertiger Schokoladensauce und ebensolchem Erdbeersyrup. Anschließend bestäubt sie alles wieder mit Puderzucker. Ihr habt das Gefühl, da fehlt noch was? Richtig. Paula Deen serviert das Ganze mit einem großen Löffel voll Schlagsahne.
(Nein, nicht alle Amis sind so.) 

Dienstag, 6. September 2011

Lustiger Wortwechsel II

Unerwünschter Anruf während ich draußen war und Wäsche abhängte. Es ist ein Internetanbieter.
Fremde Dame: "Guten Abend, Frau XY, mein Name ist Blablabla, ich möchte Ihnen ein Internetangebot unterbreiten".
Ich: "Ja?"
Fremde Dame: "Haben Sie Internet?"
Ich: "Nein, wir haben kein Internet."
Fremde Dame: "Haben Sie einen Computer?"
Ich: "Nein, wir haben keinen Computer."
Mein Sohn D. aus dem Hintergrund: "Wir haben noch nicht einmal ein Telefon!"
Hahahaha.
Fremde Dame: "Vielen Dank, auf Wiederhören."
Ich: "Ich danke auch, guten Abend."

Sonntag, 4. September 2011

Schnelle Vorspeisenplatte - Ziel: in 8 Minuten auf dem Tisch

Ich gehöre ja zu diesen Leuten, die auch für die einfachsten Sachen stundenlang brauchen können. Kennt Ihr das Parkinsonsche Gesetz "Arbeit dehnt sich in genau dem Maß aus, wie Zeit für ihre Erledigung zur Verfügung steht" oder im englischen Original "Work expands so as to fill the time available for its completion"? So ist es bei mir. Wenn ich für eine Arbeit zwei Stunden Zeit habe, brauche ich zwei Stunden, wenn ich zehn Minuten Zeit habe, brauche ich zehn Minuten (überspitzt dargestellt). Ich überliste mich manchmal selbst, indem ich mir knappe Fristen setzen. Zum Beispiel heute: Ziel war, in 8 Minuten eine mediterrane Vorspeisenplatte auf den Tisch zu bringen. Was drauf sein soll, hatte ich mir selbstverständlich schon vorher überlegt. Tatsächlich brauchte ich zehn Minuten für die Zubereitung. Vorspeise für sechs Personen oder Abendessen für drei:


Eine Melone vierteln, von einem Viertel 6 Scheiben abschneiden. Melonenstücke mit halbierten Schinkenscheiben (Serrano, Schwarzwälder, Parma, o.ä.) umwickeln. Auf die Platte legen. 3 Brotstangen halbieren, jede Hälfte mit einer dünnen Scheibe Salami oder Salchichon o.ä. umwickeln. Auf die Platte legen. Mozarella in 6 Scheiben schneiden, auf die Platte legen, mit Tomatenscheiben belegen, mit Pesto beträufeln ... hier habe ich wertvolle Zeit verloren. Ich hatte ein angebrochenes Glas Pesto im Kühlschrank, das ich zu verwenden beabsichtigte. Als ich das Glas öffnete, war das Pesto verdorben. Ich rannte in den Keller ... nur rotes Pesto ... durchwühlte kurz den Vorratsschrank ... nichts. Ich war in dem Glauben, Pesto verdürbe nicht, weil es so viel Öl hat. Ich hatte unrecht. Also, rasch ein bisschen getrocknetes Basilikum über die Tomaten gestreut und etwas Vinaigrette (die ich immer auf Vorrat zubereite) darüber geträufelt. Pesto plus ein bisschen frisches Basilikum wäre natürlich besser gewesen. Drei Schälchen auf die Platte stellen. In eins Salzmandeln geben, in eins Oliven oder eine Oliven-Gürkchen-Silberzwielbelmischung wie auf den Fotos, ins dritte ein paar Artischockenböden aus der Dose, die ich mit italienischer Gewürzmischung bestreute und mit etwas Olivenöl beträufelte. Dazu frisches Baguette. Fertig! Besser organisierte Hausfrauen kriegen das sicher in 8 Minuten oder weniger hin.


Donnerstag, 1. September 2011

Woman vs. Wild oder die Nacktschneckenplage


Als ich heute morgen an meinen Kompostkasten ging, begegneten mir mehrere (3) Nacktschnecken. Als ich in meinen Kompostkasten schaute, sah ich dort mehrere (5) superfette, riesige Nacktschnecken. In der direkten Umgebung des Kastens entdeckte ich noch mehr (?).
Ich muss Euch ganz ehrlich sagen, ich bin kein Nacktschneckenfreund. Meine Güte, ich füttere diese Dinge mit meinen Salatabfällen! Ich mäste sie! Und dann wundere ich mich über die Schäden, die sie anrichten.
Ich kenne folgende Methoden, sie loszuwerden:
a) Bierfallen: Man gräbt einen mit etwas Bier gefüllten Jogurtbecher in den Boden ein. Schnecken lieben Bier. Sie beugen sich über den Rand, fallen in den Becher und ertrinken im Bier. Theoretisch. Ich habe das schon in anderen Jahren ausprobiert und es funktioniert überhaupt nicht (im Sinne von null Schnecken im Jogurtbecher).
b) Mit Salz bestreuen oder mit kochendem Wasser übergießen: Schon als Kind habe ich folgenden Satz verinnerlicht: Quäle nie ein Tier zum Scherz, denn es fühlt wie du den Schmerz. Zwar kann ich mir kein Urteil über die Schmerzempfindlichkeit von Schnecken erlauben, aber ich stelle mir einen Tod durch Überstreuen mit Salz oder durch Übergossen werden mit kochendem Wasser ziemlich schlimm vor.
c) Schneckengift: Neee, ich probier's erstmal ohne.
d) Nacktschnecken mit der Gartenschere in der Mitte durchschneiden:
Letztere Methode erinnert mich an die Feldmausplage, die wir vor vielleicht zehn oder zwölf Jahren hatten. Diese Plage war so extrem ... auf den Straßen liefen Feldmäuse herum und verschreckten die überforderten Katzen. Diese Plage war so extrem und unerklärlich, dass sich sogar eine Legende bildete, die von der Lokalverwaltung dementiert werden musste: In unserer Gegend gibt es ziemlich viele Raubvögel, auch seltene und bedrohte Arten. Die Anwohner gelangten zu der Überzeugung, dass Umweltschützer aus niedrig fliegenden Flugzeugen Säcke mit Millionen von "topillos", "Feldmäusen", abgeworfen hätten, um den Raubvögeln etwas Gutes zu tun. Dadurch wäre die Plage ausgelöst worden. Diese Geschichte stimmt aber wohl nicht. 
Jedenfalls siedelte sich auch in unserer Garage eine Feldmausfamilie an. Fragt nicht. Ich wollte sie auf schonende Weise loswerden, quasi hinauskomplimentieren. Aber wie? Ich traf folgende Entscheidung: Falls ich eine Maus sähe, würde ich einen umgestülpten Putzeimer darüber werfen und sie dann mitsamt dem Putzeimer von meinem Grundstück schieben. Kurze Zeit später gelang auch der erste Teil meines Plans: Ich warf einen Putzeimer über eine Feldmaus. Er landete aber so unglücklich, dass die Maus nur zur Hälfte darunter war und ich ihr das Rückgrat brach! Völlig geschockt starrte ich auf meine gelähmte Maus. Feldmäuse sind so ziemlich die putzigsten Tiere, die es überhaupt nur gibt! Ich rief meinen Gatten im Büro an (er arbeitete damals in etwa 20 Autominuten Entfernung) und bat ihn, sofort nach Hause zu kommen und sich um die gelähmte Maus zu kümmern. "Ganz sicher nicht", antwortete er mir. "¡Remátalo!" befahl er mir. Das ist spanisch und bedeutet "Gib ihr den Gnadenstoß!"
"Kannst Du nicht vielleicht ...?" fragte ich, aber ich glaube, da hatte er schon aufgelegt.
Am ganzen Körper zitternd griff ich mir einen Spaten, ging in die Garage und tötete das Tier, indem ich den Spaten in seinen Nacken rammte. Danach setzte ich mich in eine Ecke und weinte.
Das war am Anfang der Feldmausplage. Ohne vergleichbare Gefühlswallungen tötete ich dann noch mehrere Feldmäuse. So erklärt sich wahrscheinlich die Brutalität auf unserem Erdball. 
Ich legte auch Gift in kleinen Beutelchen aus, das war effektiv. An den beschädigten Beutelchen erkannte man, dass die Mäuse vom Gift gefressen hatten. Irgendwann war die Plage wieder vorbei.
Die Nacktschnecken schnitt ich übrigens mit der Gartenschere durch. Ich denke, das ist die Methode, die die Nacktschnecken selbst wählen würden, wenn sie die Wahl hätten. Ich denke, so leiden sie am wenigsten.  

Sonntag, 28. August 2011

Sommerliche Fußbekleidung für kühlere Tage

Mein Sohn trägt an kühleren Tagen oder während der kühleren Stunden des Tages gern Socken zu Flip-Flops. Ich finde das nicht sehr schick und es sieht auch etwas unbequem aus (ist es aber, laut seiner Aussage, nicht). Ich erinnerte mich an die Socken mit separatem großem Zeh, die ich an den Füßen traditionell gekleideter Japaner gesehen habe und riet ihm, solche Socken, die Tabi heißen, im Internet zu bestellen. Mittlerweile kam er aber an einem MUJI-Laden vorbei und kaufte sich dort zwei Paar dieser Socken. MUJI hat auch einen Online-Shop (http://www.muji.de/), wo man die Tabi für 3,95 Pfund bestellen kann. Ungefähr so viel haben sie auch im Laden gekostet. Sieht die Socken-Flip-Flop-Kombo jetzt nicht viel besser aus?

Vorher

Nachher
 
Und so sehen die Socken aus


Mich wundert, dass sich diese Socken zu Flip-Flops noch nicht durchgesetzt haben. Tennissocken zu Birkenstocks und wollene Wandersocken zu Riemensandalen sieht man doch auch allerorten (an Männerfüßen). Naja, vielleicht im Herbst. Mein Sohn ist kein Trendsetter und trägt die Kombination vorläufig nur zu Hause.

Dienstag, 23. August 2011

Zum Tode Loriots

Loriot ist gestorben! Für meine Familie hatte er besondere Bedeutung. Er war uns zeitweise Deutschlehrer und Babysitter, fast ein virtueller Opa. Und das kam so: Als meine Kinder klein waren, lebten wir ständig in Spanien. Sie sollten zweisprachig aufwachsen und ich sprach immer und ausschließlich deutsch mit ihnen, aber ich sprach Dialekt, da dies für mich natürlich ist. Außer uns gab es am Ort kaum Deutsche, meine Kinder hörten also stets mich und wenn wir nach Deutschland zur Familie fuhren oder wenn Besuch kam, hörten sie auch nur Dialekt. Wir hatten deutsche Videos (das war vor knapp zwanzig Jahren, da gab es noch kein Internet und es gab auch keine deutschen Fernsehsender in Spanien), z.B. Jim Knopf, Urmel aus dem Eis und andere Sachen von der Augsburger Puppenkiste, und Kassetten von Benjamin Blümchen, aber meine Kinder hörten fast nie Erwachsene in der deutschen Hochsprache über Erwachsenensachen reden, was ja für die Sprachentwicklung auch wichtig ist. Und dann kam die Loriot-Videobox heraus: Die Spielfilme, die Geburtstage und viele Sketche auf drei Videos. Fortan konnten wir deutsche Erwachsene in deutscher Hochsprache über Erwachsenensachen reden hören. Die Kinder hatten gleich Spaß daran, an der Steinlaus, am Mann, der unpassende Anzüge anprobiert, an der Bananenschale auf dem Flughafen ..., da konnte man sie schon mal eine Weile vor dem Fernseher sitzen lassen oder mit ihnen vor dem Fernseher kuscheln. Eine Zeitlang waren also die einzigen Erwachsenen, die meine Kinder hochdeutsch sprechen hörten, Loriot und Co. Es gibt schlechtere Vorbilder.
Ja, mit Loriot verbinde ich viele schöne Erinnerungen. Wie ich einmal mit meiner Mutter über den Sketch mit dem Klavier gelacht habe ... Ein Klavier! Ein Klavier! Hahaha ... Mutter, wir danken dir! Hahaha ... Während meiner Studienzeit habe ich mit Freunden zusammen Loriots 60. Geburtstag im Fernsehen gesehen und dabei so gelacht, dass mir das Zwerchfell so weh tat, dass ich aufstehen und vom Fernseher weggehen musste. Wir lachten alle dermaßen, dass die Mieterin der Wohnung über uns herunterkam und sich über die Lautstärke beschwerte. Da Loriot im Alter von 87 Jahren gestorben ist, muss das 27 Jahre her sein. Es war ein unvergesslicher Abend. Eine schöne Art und Weise, den Menschen in Erinnerung zu bleiben. RIP.

Sonntag, 21. August 2011

Gazpacho de Melón oder Melonen-Gazpacho

Dieses Rezept stammt vom berühmten spanischen Fernsehkoch Arguiñano. Er serviert diese kalte Suppe noch mit vier Gambas (Scampi) pro Person. Ich finde sie aber ohne Scampi besser, die Scampi haben in dieser Suppe irgendwie nichts verloren.


Also: Man benötigt eine halbe Melone und zwar von dieser Sorte, die auf Spanisch "Piel de Sapo" ("Krötenschale") heißt:


Die Melonenhälfte schälen und die Kerne entfernen. In Stücke beliebiger Größe schneiden (es wird eh alles püriert). Eine halbe, möglichst milde Zwiebel (in unserem Fall; wer's gern scharf hat, kann natürlich auch eine entsprechende Zwiebel nehmen) in Stücke schneiden. Eine Tomate und eine grüne Paprikaschoten ebenfalls in Stücke schneiden. 4 Scheiben Toastbrot würfeln. Eine halbe Knoblauchzehe schälen. Alles nach und nach in einen Mixer oder in eine Schüssel, in der man pürieren kann, schmeißen. Mit 2 Esslöffeln Essig und 2 Esslöffeln Olivenöl sowie einer großen Prise Salz pürieren. Fertig. Das Gazpacho wird mit Schinkenstückchen bestreut. Arguiñano legt noch vier gekochte Gambas über jeden Tellerrand und dekoriert mit einem Petersilienzweiglein, das ist sein persönliches Markenzeichen. Ich habe Arguiñano diese Suppe schon vor ein paar Jahren im Fernsehen machen sehen. In Spanien ist man ja immer auf der Suche nach einer guten Kaltschale für heiße Tage. Ich hatte meine Zweifel bezüglich der Kombination Melone-Tomate-Paprika-Zwiebel, aber dieses Gazpacho ist guuuut, allseits beliebt und gehört zu meinem festen Repertoire.

Samstag, 20. August 2011

Lachssauce

Hier ist das Rezept für die Lachssauce, die Dir heute so gut geschmeckt hat. Foto habe ich keins, das Rezept stammte von mir selbst, wie sollte ich denn ahnen, dass das so gut wird??? Das wurde erst klar, als alles verputzt war. Da war's zu spät für ein Foto.
Also: Für vier hungrige Personen schneidest Du 400 g rohen Lachs in etwa 0,5 cm dicke kleine Scheiben oder in Würfel mit einer Kantenlänge von 1,5 cm (je nachdem, was einfacher ist, also je nachdem, welche Form das Stück Lachs hat, von dem Du ausgehst). In einer Pfanne erhitzt Du 1 Tl Butter und 1 Tl Olivenöl stark. Darin brätst Du den Lachs ganz kurz an. Er soll außen höchstens leicht gebräunt und innen noch roh sein. So brät man Lachs heutzutage. Er kommt ja auch am Schluss noch ein Sekündchen in die heiße Sauce. Angebratenen Sekundenlachs wieder raus aus der Pfanne. Eine große Zwiebel würfeln und in der Pfanne glasig braten. Ich meine: für dieses Gericht lieber nicht bräunen. Eine ganz fein geschnittene Knoblauchzehe hinzu (oder auch nicht, je nach Geschmack). Wenn die Zwiebelstückchen weich sind (aber nicht matschig), einen Fischbrühwürfel dazu geben (wer keinen hat, nimmt mehr Salz und Pfeffer). Mit 200-250 g Sahne und derselben Menge trockenen Weißweins ablöschen. In einer Tasse oder einem Schüsselchen 1 gehäuften Esslöffel Mehl mit zwei, drei Esslöffeln von der Sauce ganz glatt rühren, zum Rest der Sauce geben, einrühren, aufkochen und ein bisschen einkochen lassen (paar Minuten). Ich waaaiiisss, dass die Verwendung von Mehl in Saucen die sofortige Verbannung des Kochs aus den Reihen der Gourmets nach sich zieht. Naja, die Worte "man nehme einen Brühwürfel" genügen wahrscheinlich auch schon für einen kulinarischen Todesstoß. 
Also, wo waren wir? Die Sauce ist jetzt praktisch fertig. Du hackst jetzt noch ein bisschen frischen Dill (oder nimmst eine große Prise getrockneten Dill) und rührst ihn darunter und schmeckst mit Salz und Pfeffer ab. Lachs wieder rein, vom Feuer nehmen, fertig. Einfach, gell? Dazu reicht man 500 g al dente gekochte Nudeln. Ich finde Nudeln, die möglichst viel Sauce aufnehmen, am besten dazu, z.B. Penne rigate (die mit den Rillen). Wir hatten heute "Radiatori", das sind solche, die wie winzige Heizkörper aussehen.    

Donnerstag, 11. August 2011

Unerwünschte telefonische Werbung

Als ich ein Kind war, vielleicht so 6 oder 7, spielten wir manchmal ein lustiges Spiel, das Schelle klobbe hieß. Schelle klobbe bestand darin, durch die Straßen zu streunern und bei fremden Menschen zu klingeln, im Falle von Wohnblöcken an möglichst vielen Klingeln, und dann davonzulaufen.
Wenn ich mich recht erinnere, war uns schon im Alter von 9 oder 10 Jahren klar - oder klar gemacht worden -, dass es eine Ungezogenheit ist, fremde Menschen durch willkürliches Anklingeln zu nerven.
Heutzutage ist diese Ungezogenheit bei vielen Firmen in Form des Telefonmarketings Teil des Geschäftsmodells.
Warum die Tussi, der ich schon mehrmals gesagt habe, dass wir keinen Wein über's Telefon kaufen, immer wieder anruft ... ich weiß es nicht. Hier in London haben sie uns schon mehrmals angerufen und uns erklärt, unser Computer hätte einen Virus.
"Was?!? Ich hab' doch ein Anti-Viren-Programm!"
"Nein, es liegt an Ihrem Provider."
"Was?!? Da muss ich die British Telecom anrufen und mich beschweren."
"Nein, Sie müssen blablabla von uns kaufen."
NERVT NET!
Gestern rief einer an: "Ich möchte nichts verkaufen."
"Ja."
"Es ist nur eine Umfrage."
"Ja."
"Sind Sie Angestellte, Selbstständige oder Rentnerin?"
"Ja."
"Angestellte, Selbstständige oder Rentnerin?"
"Ja."
"Sie können diese Frage nicht mit "Ja" beantworten.
"Ja."
"Warum sagen Sie denn immer "Ja"?
Ich wollte noch einmal "Ja" sagen, konnte aber nicht mehr, weil ich so lachen musste.
Selllllbstverständlich ist mir bekannt, dass es sich bei den Anrufern um Menschen handelt, die sich ehrlich und im Schweiße ihres Angesichts ihren Lebensunterhalt verdienen und bevor ich meine Kinder verhungern lasse, würde ich auch als Telemarketerin arbeiten. Und wir müssen Verständnis haben und froh sein, dass sie nicht von einem Subunternehmen des Verbands der Zahntechniker dafür bezahlt werden, uns ehrlich und im Schweiße ihres Angesichts die Zähne einzuschlagen, damit die Zahntechniker mehr zu tun haben. Selllllbstverständlich müssen wir diese Anrufer respektieren. Auch wenn sie uns aus dem Schlaf reißen. Wenn sie uns aus dem Bad holen. Wenn wir aus der letzten Gartenecke heranschießen müssen. Der Fall meiner Nachbarin, die auf Strümpfen die Marmortreppe herunterrannte, stürzte und sich den Arm brach ... das kann bei wichtigen und unwichtigen Anrufen passieren.
"Heb' doch einfach nicht ab!" raten manche Schlaumeier. Aber wenn ich auf das Display schauen kann, dann bin ich doch schon vom Keller hoch oder aus dem Garten rein gerannt!
Ich gehöre nicht zu den Leuten, die die Telemarketer einfach beschimpfen. Die unfreiwilligen Telefongespräche können ein Anlass sein, in andere Persönlichkeiten zu schlüpfen oder unsere Schüchternheit abzulegen und unsere komische Seite zu erforschen. 
"Hallo? Hallo? Ich muss erst mein Hörgerät holen. Moment, bitte!" habe ich schon ins Telefon gebrüllt und mir dann alles x-mal wiederholen lassen.
Oder: "Ach, Gabi, lass doch den Blödsinn. Ich weiß, dass Du es bist."
Mit schlimmen Sprachfehlern gesprochen oder mit übertriebenen ausländischen Akzenten (Hape Kerkeling inspiriert zum Beispiel mit Evje van Dampen, der "Mutter Teresa der lebensabschnittspartnerschaftlichen Beziehungsarbeit"). Doch, da geht was, wenn sie einen schon völlig ungebeten anrufen.
In den USA war's schlimmer, denn da wurde man meist von Anrufmaschinen belästigt: Ans Telefon gerast, abgehoben, am anderen Ende ein Tonband: "Ihre Autoversicherung läuft bald ab." Wir hatten gar kein Auto. "Press 1 for blablabla ...". Da kriegt man eine derartige Wut ... das ist Telefonterror.
Die neueste Variante in Spanien sind Anrufe, bei denen man abhebt und am anderen Ende ist keiner. Wenn einem das ein paar Tage hintereinander passiert, kriegt man schon ein bisschen Angst. Eine rasche Recherche im Internet klärte die Sache auf: Der Weltkonzern Telefonica lässt maschinell anrufen und die armen Säue im Callcenter (in Peru oder Bolivien, aus naheliegenden Gründen), die mit den armen Säuen zu Hause an den Apparaten in Spanien sprechen sollen, sind noch nicht bereit, das Gespräch zu beginnen. Dann spielt Musik oder es herrscht einfach Funkstille. Je nachdem, in welchem seelischen Zustand ich mich befinde und abhängig davon, ob ich für die Annahme des Anrufs extra von draußen reingerannt bin, rufe ich manchmal zurück. Die 1004-Hotline von Telefonica kostet nix. "Sie haben mich gerade angerufen. Leider war ich nicht schnell genug am Apparat. Ihr Anruf ist mir wichtig. Um was geht's denn?" Die Person von der Hotline weiß natürlich von nichts. "Könnten Sie bitte feststellen, wer mich da angerufen hat und um was es sich handelt?" Telefonica hat mich doch sicher nicht nur angerufen, um ein Schwätzchen zu halten. Naja, die Rache des ganz, ganz kleinen Mannes eben.
Ich habe auch schon telefonisch Angebote erhalten, die mich womöglich tatsächlich interessiert hätten, zum Beispiel von billigen Telefonanbietern. Ich habe dann gesagt: "Könnten Sie mir Ihr Angebot bitte schriftlich zukommen lassen? Es klingt interessant, ich möchte es mir in Ruhe anschauen." Ich habe darauf niemals, never, nunca eine Antwort erhalten.
Unerwünschte telefonische Werbung ist also wohl tatsächlich keine Form der Geschäftsanbahnung, sondern eine Variante der Arbeitsbeschaffung und als solche müssen wir sie wohl akzeptieren. Bleibt uns eh nichts anderes übrig.

Mittwoch, 3. August 2011

Tagesausflug von London aus: Hampton Court

Ein Ausflug nach Hampton Court ist uneingeschränkt zu empfehlen. Wir nahmen den Zug von der Waterloo Station (Preis 3,20 Pfund mit der Oystercard, Fahrzeit etwas über eine Stunde). Vom Bahnhof aus ist es noch ein kurzer Spaziergang, bei dem man die Themse überquert. Der wunderschöne, atemberaubende, herrliche Palast besteht eigentlich aus zwei Palästen: der erste wurde von Heinrich VIII. (dem mit den vielen Weibern) ab 1514 gebaut, der zweite ab 1690 von Wilhelm III. Der Eintritt ist mit 15,95 Pfund natürlich wieder teuer, aber der Besuch lohnt sich total. Man erhält einen fantastischen Audioguide (im Preis eingeschlossen, auch auf Deutsch), der macht, dass man am liebsten drei Tage im Palast bleiben und sich alles erklären lassen möchte. Der Rundgang beginnt in der Küche und schon hier erklärt der Audioguide Spektakuläres: Lebensmittelhistoriker erklären dem Interessierten jedes Detail der Kücheneinrichtung, der damaligen Lebensmittelaufbewahrung, der Speisenzubereitung. Das ist äußerst interessant. Die Wissenschaftler haben alles nachgestellt und haben zum Beispiel an der unten abgebildeten, sicher über zwei Meter hohen Feuerstelle ganze Ochsen gebraten, um zu sehen, wie man das damals wohl gemacht hat (und wie die Küchenjungen geschwitzt haben).


Man ließ antikes Koch- und Essgeschirr nachbauen, wie das Zinnzeug, welches auf dem folgenden Foto zu sehen ist:


(Wen das mit den Lebensmittelhistorikern interessiert, hier habe ich gerade einen ausführlichen Link gefunden:)

Dann geht es in die Gemächer Heinrichs VIII. Über den Audioguide erfährt man vieles aus der hochinteressanten Lebensgeschichte dieses Mannes. Hier ein Blick aus dem Thronsaal in den wunderschönen Garten:


Die Anlage ist immens ... schaut Euch ruhig im Internet noch ein paar Bilder von besseren Fotografen an. Ich kann hier nur minimale und eigentlich nichtssagende Bruchstücke wiedergeben. Auf den großen Wiesen darf man picknicken. Wir hatten uns belegte Brote von zu Hause mitgebracht, Wasser haben wir vor Ort gekauft, weil wir es nicht stundenlang herumschleppen wollten.


Ja, Gärten, Blumen, Stauden ... das können sie, die Engländer. Der Irrgarten von Hampton Court (The Maze) ... naja, wir kennen den Irrgarten im Schönbusch in Aschaffenburg, wir sind in Sachen Irrgarten schwer zu beeindrucken und waren dann auch nicht enttäuscht, weil unsere Erwartungen nicht sehr hoch waren.

Wow, gell?
Vom 1768 gepflanzten Weinstock, der bis zu 910 Kilo blaue Trauben im Jahr spendet, hatten wir uns auch nicht allzu viel erwartet, waren dann aber schwer beeindruckt.


So schöne Ansichten gibt es in Hampton Court in praktisch endloser Zahl:



Montag, 1. August 2011

Kinder-Schokolade

Wer erinnert sich an die Diskussion, die vor ein paar Jahren entstand, als der Kevin auf der deutschen Kinder-Schokoladeverpackung ausgetauscht wurde? So sieht Kinder-Schokolade in England aus: