Sonntag, 29. Mai 2011

Die Lage auf dem spanischen Arbeitsmarkt - ¿Hasta cuándo?

Als ich vor drei, vier Wochen in Spanien beim Aldi an der Kasse stand und bezahlen wollte, kam eine Frau herein und fragte die Kassiererin, ob sie ihren Lebenslauf / eine Bewerbung abgeben dürfte. Sie durfte. Ich fand das ein bisschen unpassend und peinlich.
Als ich das nächste Mal bei Aldi war und an der Kasse stand, gab die Frau, die vor mir war, beim Bezahlen der Kassiererin einen Lebenslauf. Die Empfängerin überflog ihn kurz: "Du hast in Hotels gearbeitet?", "Ja, die lassen mich einen Monat unentgeltlich als Zimmermädchen probearbeiten, dann entlassen sie mich wieder. Das mache in Zukunft nicht mehr."
Während ich meine Einkäufe einpackte, kam ein Pärchen herein. Beide gaben der Kassiererin eine Bewerbung. Da fand ich es schon schockierend. Man wird sich daran gewöhnen müssen.
Es handelt sich bei diesen Lebensläufen um ein mit dem Computer gestaltetes DIN-A4-Blatt, oben in der rechten Ecke ein Farbfoto, der kurze Lebenslauf hübsch gegliedert.
Mein Sohn erzählte mir von einem Bekannten, der jeden Nachmittag durch die Industriegebiete läuft und überall seinen Lebenslauf abgibt.
Was soll denn das? Wie verzweifelt müssen die Menschen sein ... Wie lange soll das noch so gehen? = ¿Hasta cuándo?

Donnerstag, 26. Mai 2011

M., Bilder aus Deinem Zimmer

Morgens, kurz vor neun. Der Charme einer Jugendherberge ...

Alle Regale sind leer geräumt. Vor dem Ausräumen haben wir von jedem einzelnen Regalbrett ein Foto gemacht, damit wir alles wieder genau so einräumen können, wie es vorher war.

Ein Stündlein später: Die Maler haben die Möbel abgedeckt und Defekte im Verputz korrigiert.

So, die Wand, an der vorher die Regale standen, ist fertig gestrichen. Zum Thema Wandfarbe gibt's mehr in einem späteren Post.

Wo ist denn der ganze Plunder? Hier, im Master Bedroom. Klingt doch viel besser als Elternschlafzimmer, oder? Wir freuen uns auf ein 5000-Teile-Puzzle, wenn wir alles so wieder einräumen wie's war. Juhuu!

Die Renovierung unseres Hauses IV: Christo und Jeanne-Claude waren da

Erinnert sich noch jemand an die Beiden? Die den Reichstag verpackt haben? Und jetzt auch unsere Möbel?

Montag, 23. Mai 2011

Schauspiel am Himmel

Ich habe gerade am Telefon erzählt, wie toll der Himmel aussah, fünf Minuten vor dem Gewitter, aber besser als alles Beschreiben ist natürlich ein Bild:


Das spanische Schulsystem II oder El fracaso escolar

In Spanien wird das Konzept „Gemeinsamer Schulbesuch bis zum sechzehnten Lebensjahr“ konsequent umgesetzt. Meine Kinder sind in Deutschland (Bayern), Spanien und den USA in die Schule gegangen, ich hatte also Gelegenheit, verschiedene Schulsysteme zu erleben und glaube deshalb, mir ein gewisses Urteil erlauben zu dürfen. Das spanische System ist das Schlechteste. In den USA gehen Kinder mit unterschiedlichem Potenzial zwar gemeinsam zur Schule, sie haben aber die Möglichkeit, je nach Neigung und Leistungsfähigkeit unterschiedliche Kurse zu besuchen. In Spanien ist diese Möglichkeit nicht gegeben.
Die natürliche Neigung der Kinder ist jedoch, als Störenfried mit den anderen Störenfrieden abzuhängen und als Streber mit den Strebern (vereinfacht ausgedrückt). Kinder, denen das Lernen schwer fällt, wollen nicht mit Überfliegern in einer Klasse sein und frustriert mitanschauen, wie der Banknachbar nach einem raschen Blick ins Buch verstanden hat, worum es geht, während sie selbst für die gleiche Übung Stunden brauchen.
„Gleich und gleich gesellt sich gern“, sagt der Volksmund und ich kann aus eigener Anschauung Folgendes berichten: Ich weiß nicht mehr, in welchem Jahr das war (am spanischen Schulwesen wird ununterbrochen herumgedoktert, alles ist in ständigem Fluss, was heute gilt, muss morgen schon nicht mehr gelten), als für die Klasse meines Sohnes die Möglichkeit bestand, zwischen Mathe-Werkstatt und Französisch zu wählen. Ich glaube, es war in der siebten Klasse. Da mein Sohn gerne Mathe machte, wollte er die Werkstatt wählen. Zusätzlichen, interessanten Unterricht, in dem die, dies nicht interessiert, einfach mal nicht dabei sind. Falsch gedacht. In die Mathe-Werkstatt gingen die, die in Mathe schlecht waren. Die Mathe-Fans gingen in Französisch. Gleichzeitig wurde eine Klasse mit katholischem Religionsunterricht gebildet und eine Klasse ohne (die Schüler hatten in dieser Stunde frei). Eine tolle Chance, die die Kinder sofort erkannten und wahrnahmen, bot sich: Französisch und Reli = Klasse mit guten, fleißigen Schülern. Die Lehrer lobten diese Klasse, die sich gebildet hatte, als die Schüler ein winziges Fenster hatten, um sich zu sortieren. Dieses Fenster wurde natürlich mittlerweile wieder geschlossen.
Es ist einfach entsetzlich, wenn man alle bis zum sechzehnten Lebensjahr zusammensperrt und ihnen Unterricht knapp unter Gymnasialniveau erteilt: die, die nicht mitkommen, sind im besten Fall still und frustriert, im schlimmsten Fall stören sie. Die, denen alles zufliegt, langweilen sich, weil der Lehrer soviel Zeit damit verbringen muss, Ruhe in die Klasse zu bringen. Die, denen der Unterricht in etwa gerecht würde, kriegen nicht viel mit, weil die Störer stören und die Lehrer meckern. Als mein Sohn in der 6. Klasse war, entschuldigte sich sein Lehrer bei mir: Er könne leider nichts dafür, aber er müsse mehr als die Hälfte der Unterrichtszeit dafür aufwenden, für Ruhe zu sorgen. Ungelogen. Diesen Lehrer hatte er drei Jahre lang (war kein besonders schlechter Lehrer, Durchschnitt, würde ich sagen). Mein Sohn saß jahrelang täglich ein paar Stunden da und wartete, bis der Unterricht vorüber war. Was hätte man in dieser Zeit alles lernen können.
In keinem anderen Bereich käme man auf den Gedanken, die unterschiedlichsten Menschen mit den unterschiedlichsten Fähigkeiten zusammenzusperren. Man stelle sich vor, hundert Kinder müssten in vier Fußballmannschaften eingeteilt werden: Fünf sind Leistungssportler, fünf gehen an Krücken, zehn haben keinen Bock auf Fußball und würden lieber Handball spielen, fünf wünschen ihre Mannschaft zu sabotieren, zehn sind fleißig und talentiert, zehn sind fleißig und unbegabt, zehn sind schlecht und faul, der Rest ist Mittelmaß.
Eine Kommission wird einberufen, die darüber entscheiden soll, wie man am besten Mannschaften bildet, in denen die Spieler möglichst glücklich sind und möglichst optimal gefördert und auf die Welt des Fußballs vorbereitet werden. Herausragende Experten werden konsultiert, die Geschichte des Fußballs wird studiert, Franz Beckenbauer und Pep Guardiola werden an die Spitze der Kommission berufen. Nach Jahren das Ergebnis: In Mannschaft A spielen die Katholischen, in Mannschaft B die Evangelischen, in Mannschaft C die, die sich dem Islam zugeneigt fühlen und in Mannschaft D die, die mit Religion nichts am Hut haben. Ein Aufschrei: Gettobildung!
Die Kommission tritt erneut zusammen. Jahre später ein neues Ergebnis:
In Mannschaft A spielen diejenigen, deren Namen mit einem Buchstaben von A bis F beginnt, in Mannschaft B spielen die von G bis M und so weiter.
Meiner Meinung nach darf man sich das hiesige Schulwesen in etwa so vorstellen (mit dem Unterschied, dass in der Kommission keine wirklichen Experten sitzen würden, sondern Gewerkschafter und die Verwandten von irgendwem).
Harte Worte, werdet Ihr sagen, aber mir fallen momentan keine härteren ein.
Ja, me he despachado a gusto.
Selbstverständlich würde ich dies alles nicht laut und persönlich sagen. Ich verstecke mich hinter der Anonymität des Blogs. In Spanien reden alle vom „Fracaso escolar“, dem Scheitern der Schule und der Schüler, aber wenn man sagen würde, dass man bei der Bildung der Klassen oder beim Verteilen auf Schulen die Leistungsfähigkeit der Schüler berücksichtigen sollte, würde man gleich als „Facha“ (sprich: Fattscha) gelten, als Faschist, als extrem Rechter, der die naturgegebene Gleichheit aller Menschen in Abrede stellt. Und man gilt doch lieber als „Progre“ (sprich: Progreh).
Vor einer Weile kam von Regierungsseite der Vorschlag, die allgemeine Schulpflicht bis auf das achtzehnte Lebensjahr auszudehnen. Es folgte ein Aufschrei der Lehrer, die sagten, sie könnten angesichts der vielen Untersechzehnjährigen, die in der Schule scheiterten, sowieso kaum unterrichten und das Letzte, was das System bräuchte, wären Sechzehn- bis Achtzehnjährige, die gegen ihren Willen in der Schule festgehalten würden. Daraufhin verschwand der Plan gleich wieder in der Versenkung.

Sonntag, 22. Mai 2011

Die Proteste in Spanien

Ich war gestern bei der Veranstaltung in unserer Studentenstadt mit ihren 170.000 Einwohnern. Es waren etwa 100 Leute da. Fast alle jung. Ich war vor drei Tagen schon einmal da, da waren es ein paar mehr und auch mehr Ältere. Die meisten der jungen Menschen saßen da und lernten eifrig. Ein paar Mädchen waren Studentinnen der Krankenpflege (ja, das ist in Spanien ein Studium und wer sehr fleißig ist und Glück hat, wird irgendwann mal verbeamtete Krankenschwester). Die Jugend in der Ausbildung befindet sich nämlich mitten in der Prüfungszeit. Da gestern der Tag vor den Kommunal- und Regionalwahlen, der „Tag des Nachdenkens“, war, an dem keine Propaganda gemacht werden darf, war es ziemlich ruhig. Auf einem Plakat stand: „Silencio! Wir denken nach!“ Lustig.
Wogegen wird protestiert? Ich habe in einer deutschen Online-Zeitung gelesen, es würde gegen irgendwelche Reformen protestiert. Das stimmt nicht.
- Protestiert wird unter anderem gegen die Perspektivlosigkeit bei einer Jugendarbeitslosigkeit von über 45 %. Die jungen Menschen werden als „generación perdida“, als „verlorene Generation“ bezeichnet. Das ist inakzeptabel.
- Gegen Korruption
Unter den Kandidaten, die für die heutigen Kommunal- und Regionalwahlen aufgestellt wurden, befinden sich, wie ich gehört habe, 110 Menschen, die offiziell der Korruption beschuldigt werden. Ihre Chancen gewählt zu werden, verringern sich dadurch nicht, weil die Wähler davon ausgehen, dass alle gleich korrupt sind, nur die einen wurden eben erwischt, die anderen noch nicht.
- Gegen den Mangel an Demokratie
Man hat das Gefühl, die Ratingagenturen und Wall Street sowie die spanischen Banken würden anordnen, wie Spanien zu regieren sei (Rentenalter, Rechte der Arbeitnehmer usw.) und Angela Merkel gibt auch noch ihren Senf dazu (weniger Feiertage für die Spanier, effizienter arbeiten etc.)
- Und gegen weitere diverse Kleinigkeiten wie die Tatsache, dass über eine Million Wohnungen leerstehen und nicht verkauft werden können, während die jungen Menschen bei ihren Eltern und in Wohngemeinschaften wohnen müssen, weil diese Wohnungen zu teuer für sie sind und weil sie aufgrund der Lage am Arbeitsmarkt keine Familien gründen können.
Es wird also gegen das ganze System protestiert. Auf manchen Plakaten ist zu lesen: „Ich bin nicht gegen das System, das System ist gegen mich.“
Es waren gestern etwa 100 Leute da. Ich habe die Menschen auf einem Viertel des Platzes gezählt und das waren um die 25. Auf dem Platz nebenan war ein Junggesellenabschied im Gange, da war deutlich mehr los. Wie viele Leute hier gewesen wären, wenn Belén Esteban sich die Ehre gegeben hätte, mag ich mir gar nicht ausmalen. Wer ist Belén Esteban, werdet Ihr Euch jetzt in Deutschland fragen. Belén Esteban ist „la princesa del pueblo“, „die Prinzessin des Volkes“. Fragt nicht.
45 % Jugendarbeitslosigkeit, dazu diejenigen, die unbezahlte Praktika machen, die in ausbeuterischen Arbeitsverhältnissen stecken, weil es sonst nichts gibt – mein Sohn erzählte von einem Freund, der sechs Tage die Woche je zehn Stunden in einer Gaststätte in der Küche arbeitete und dafür 500 Euro bekam. Ich sagte: „Na, das sind mehr als 8 Euro die Stunde, das ist doch gar nicht so schlecht.“ Mein Sohn antwortete mir: „Es sind doch 500 Euro im Monat!“
Dazu kommen diejenigen, die Fächer „sin salida“, ohne Zukunftsperspektive, studieren. Ich wollte jetzt ein paar dieser Fächer aufführen, aber es sind eigentlich fast alle. Die Leute studieren um des Studierens willen, denn eine gute Bildung ist heutzutage und hierzulande Garantie für gar nichts.
In Salamanca gilt es als Erfolg, nach einem abgeschlossenen Studium der spanischen Philologie oder der Rechtswissenschaften die Beamteneinstellungsprüfung für Gefängniswärter zu bestehen und dann als ebensolcher in eine hunderte von Kilometern entfernte Stadt geschickt zu werden.
Ja, Ihr meint jetzt, ich würde gegen Spanien schimpfen. Nee. Ich erzähle nur von kleinen Missständen / Mistständen. Solange Spanien die Füße unter den europäischen Tisch streckt, muss eben gemacht werden, was Mutti Merkel und der IWF sagen. Ich finde es aber erschütternd, dass gestern nur so wenige Menschen da waren. Ich glaube, die Bewegung 15-M wird sich bald wieder in Wohlgefallen auflösen (meine Zukunftsprognosen sind aber erstaunlicherweise (denn manchmal müsste ich ja zufällig rechthaben) fast immer falsch, es besteht also Hoffnung). Im Radio (Cadena Ser) hörte ich ein Interview mit einem Sprecher der Bewegung, das ganz gut lief, bis der junge Mann auf dem Puerta de Sol-Platz sagte: „Wir werden hier bleiben, bis wir unser Ziel erreicht haben.“ und die Reporterin fragte: „Was ist denn euer Ziel?“ woraufhin er ins Stottern geriet. Man wird sehen. Es bleibt spannend.

Donnerstag, 19. Mai 2011

Das spanische Schulwesen I

Wie Ihr wisst, macht unser jüngster Sohn in diesem Jahr in Spanien Abi. Eines der angebotenen Fächer war "Weltliteratur" und als Literaturfreund ließ er es sich nicht nehmen, dieses Fach zu wählen. Umfangreiches Privatwissen sollte selbstverständlich kein Anlass für gute Schulnoten sein (Chancengleichheit!), aber manchmal sollte es vielleicht doch das eine oder andere Pünktchen extra geben (Spässle, natürlich sollte es das nicht). Jedenfalls wurde das Thema "Russischer Realismus" behandelt und da durfte auch Alexei Tolstoi, der Autor unter anderem von "Krieg und Frieden" und "Anna Karenina", nicht unerwähnt bleiben.

Bitte beachtet Punkt 4.1
Der Geburtsort ist auch falsch geschrieben
Mein Sohn, dessen Mutter ein Tolstoj-Fan ist und der kurz zuvor das Werk "Kindheit, Knabenalter, Jünglingsjahre" auf dem Couchtisch hatte liegen sehen, wagte zu fragen: "Heißt der nicht Leo oder Lew mit Vornamen?" Dem Lehrer, der die staatliche Erlaubnis zum Unterrichten des Fachs "Weltliteratur" auf Abitur-Niveau hat, war dies nicht bekannt. Er versprach, sich kundig zu machen, kam aber nie mehr auf das Thema zurück. 
Karl-Heinz Mann (der Autor der "Buddenbrooks", ej), der ein Bewunderer Tolstojs war, würde sich im Grab umdrehen. Wer sich für das Lehrbuch interessiert, hier ist eine Abbildung, es ist für 32,40 Euro im spanischen Buchhandel erhältlich. 
Titel: Literatura Universal (+ CD), Bachillerato
Autoren: Arevalo, Ayala, Duran, Lopez, Martin
Verlag: Casals
ISBN: 978-84-218-4030-6

Dieses Buch hat sechs Autoren

Mittwoch, 18. Mai 2011

Renovierung unseres Hauses III: Der Tüncher / Maler ist da

Ja, er ist da. Gerade jetzt, in diesem Moment ist er da und es ist schon der dritte Tag seiner Anwesenheit. Am Tag bevor er kam, überlegte ich mir kurz, ob ich in lähmende Panik verfallen sollte (oh nein, der wird meine Möbel / den Fußboden zerkratzen / zerstören, einen unsäglichen Dreck machen wie der Stuckateur, diese Wildsau ... und ich kann nichts dagegen tun. Ich bleibe einfach still hier sitzen und füge mich in mein Schicksal) oder in hektischen Aktionismus und Sachen von A nach B tragen sollte, alles raus (die Aktion begann in unserem Schlafzimmer), Kommode ausräumen, Kommode raus, Bilder abhängen, Nachtkästchen ausräumen? raus? Bett verrücken? Gardinen ab? Teppich raus? wohin? sonst soll doch auch überall gestrichen werden? ins bad? in den begehbaren kleiderschrank? in einkinderzimmer?badausräumen?begehbarenkleiderschrankausräumen?wäschekorbrauswohininskinderzimmerdamusserdochauchstreichenirgendwasirgendwoabhängenhinlegenhintragenumräumenplatzmachen....
Aber dann dachte ich: Der Handwerker, der zu uns kommt, streicht ja nicht zum ersten Mal ein Haus, in dem jemand wohnt. Der kommt jeden Tag zu irgendwelchen hysterischen Tussen, die Angst haben, dass er Schäden anrichtet und die nicht wissen, was aus dem Weg geräumt werden muss und was nicht. Und er kann ja nicht jeden Tag die Aufregung seiner Auftraggeber teilen, wenn er doch eigentlich nur in aller Ruhe den Pinsel schwingen will. Der Gedanke, dass wir einen erfahrenen Tüncher ausgewählt haben, beruhigte mich dann. Und noch mehr beruhigte mich der Gedanke, dass der Mann über zwanzig Jahre in der Schweiz getüncht/gemalt hat und dass sein großer Geschäftserfolg darauf beruht, dass er in Spanien Schweizer Wertarbeit leistet.
Er nahm seine Tätigkeit bei uns auf, indem er mit einem Kollegen die (halb geleerte) Kommode und das Bett (von dem ich das Bettzeug und die Matratzen entfernt hatte) in die Zimmermitte rückte, die (oben drauf leergeräumten) Nachtkästchen ins Kinderzimmer trug usw. und alles sorgfältig mit Plastik abdeckte. Na also, geht doch. Als ich dann nach einer Weile ins Schlafzimmer schaute und die Decke und die Wände so frisch leuchteten, da war das doch ein tolles Gefühl und ich war froh, dass ich das Anstreichen lassen in Angriff genommen habe. 

Samstag, 14. Mai 2011

Zum Muttertag

Letztes Jahr habe ich zum Muttertag mein erstes Handy bekommen. Da ich es im Januar schon wieder verloren hatte, habe ich heuer zum Muttertag Folgendes bekommen:


Einen immateriellen Vermögensgegenstand, den ich nicht verlieren kann.
Wir hatten zwei meiner Nichten, die hier studieren und am Muttertag nicht nach Hause fahren konnten, zum Mittagessen eingeladen und mein Gatte und meine Buben halfen mir, ein schönes Essen für uns alle zu kochen. Mancher mag daran nichts Besonderes finden und daran, dass meine Söhne sich in der Küche nützlich machen, ist auch nichts Besonderes, aber meinen Gatten dazu zu bringen, ein paar Zwiebel zu schneiden, ist normalerweise unmöglich und nach 24 Ehejahren versuche ich das auch gar nicht. Am Muttertag standen wir aber alle zusammen einträchtig, zufrieden und in guter Stimmung in der Küche und schnippelten vor uns hin. Mir hat das riesigen Spaß gemacht. Es war ein herrliches Muttertagsgeschenk, das ich ganz sicher nicht verlieren, sondern unter „Beiträge zu meinem großen Glück“ in meinem Herzen bewahren werde. Danke!

Samstag, 7. Mai 2011

Impressionen aus unserem Garten



Azalee und Stiefmütterchen
 

Ich finde diese Kombination aus schrillem Pink, frischem Grün, elegantem Weiß und edlem Königsblau toll. 
  
Morgentau - Freudentränchen auf der Rhododendronblüte

Donnerstag, 5. Mai 2011

Cinco de Mayo


Gestern war ich mit meinem jüngsten Sohn im Supermarkt und wir sprachen darüber, was heute auf den Tisch kommen soll. "Morgen ist Cinco de Mayo", erinnerte er mich. Er kennt diesen Feiertag aus unserer Zeit in New York, dort ist der "Cinco de Mayo", deutsch der "Fünfte Mai", eine ziemlich große Sache, so, wie das Chinese New Year oder Saint Patrick's Day.
Wir waren beide im Glauben, es handelte sich um den mexikanischen Nationalfeiertag, den Tag der Unabhängigkeit von Spanien. Nicht, dass wir einen Grund für diese Annahme hatten, es war einfach das Nächstliegende. P. hat sich jetzt aber mal kundig gemacht und herausgefunden, dass an diesem Tag an eine Schlacht erinnert wird, in der die Mexikaner die Franzosen!!! besiegten. In Mexiko ist es nur ein lokaler Feiertag in Puebla, aber in den USA ist es der Tag, an dem die Mexikaner gefeiert werden bzw. sich feiern.
Zum gemütlich Rumsitzen und Futtern ist eigentlich jeder Anlass recht. P. braucht es auch besonders, er macht dieses Jahr sein Abitur und hat logischerweise zur Zeit richtig viel Stress.
Wir kauften ein Burritos-Kit von Old El Paso und einen Beutel Guacamole-Mix und machten heute ein TexMex-Mittagessen. Wir mögen nichts Scharfes und obwohl ich die Version "mild" gewählt hatte, musste ich alles strecken. In die Fleischsoße gab ich noch 200 g gekochte weiße Bohnen (und P. sagte trotzdem, dass er es scharf fand!), vom Guacamole-Mix verwendete ich nur die Hälfte der auf der Packung angegebenen Menge. Zum Blattsalat und den Tomaten, die in die Burritos gerollt werden, gab ich noch eine Menge frischen Koriander. Frischer Koriander ist ein Gewürz, das in Mexiko reichlich verwendet wird. Außer den vorgeschriebenen Sachen und dem Koriander rollten wir noch milde rohe Zwiebelwürfelchen in die Burritos. Lecker! Fehlten nur noch die mexikanischen Fähnchen und ein bisschen Mariachi-Musik (und der/die eine oder andere Mexikaner/in, haha) . ¡Feliz Cinco de Mayo!


Dienstag, 3. Mai 2011

Lunes de Aguas (Wassermontag) und Hornazo (Wurstpastete)

In Spanien, in der Stadt Salamanca, gibt es einen kuriosen Feiertag und zwar den Lunes de Aguas, den Wassermontag, der am ersten Montag nach dem Ostermontag gefeiert wird. Er hat folgenden Ursprung: Ab dem 16. Jahrhundert war es Prostituierten verboten, sich während der Fastenzeit in der Stadt aufzuhalten und wehrlose Männer in Versuchung zu führen. Sie wurden an das andere Flussufer gebracht und dort von einem Priester, dem Padre Putas, beaufsichtigt. Am zweiten Montag nach Ostern wurden sie unter großem Hallo auf bunt geschmückten Booten zurück in die Stadt gebracht. 
Noch heute haben am Nachmittag dieses Tages in Salamanca alle frei und die Geschäfte sind geschlossen. Man begeht das Fest, indem man sich mit Freunden und Verwandten am Ufer des Tormes, auf Wiesen, in Parks oder privaten Gärten trifft und den traditionellen Hornazo isst. Im Radio hat eine Bäckerei damit geworben, dass sie das berühmte Gebäck für heimwehkranke Salamantinos in ganz Spanien verschickt. Die meisten Leute kaufen die Wurstpastete, denn die Herstellung ist ziemlich aufwe/ändig. Ich habe ein Rezept, das mir eine liebe Freundin gegeben hat, die bei einer berühmten salmantinischen Familie Köchin war, also ein 1A-Rezept, superlecker, aber nur für erfahrene Hausfrauen geeignet. Wer bei der Beschreibung denkt: ach, den Hefeteig, den mache ich in der Brotbackmaschine/Thermomix/so, wie die anderen 10.000 Hefeteige, die ich schon gemacht habe, der möge sich dran wagen, alle anderen ... sollten es sich überlegen.
Also, das Rezept, das mir Mari Carmen gegeben hat, lautet wie folgt: Man benötigt für den Teig 1 Kilo Mehl, 200 g Schweineschmalz (für diejenigen, die in Spanien sind: manteca de cerdo ibérico, ich hatte es im Supermarkt bei der Butter gesucht, aber dann im Wurstregal gefunden), 200 ml Weißwein, 2 + 1 extragroße Eier (oder 3 + 1 mittelgroße), 2 Päckchen Hefe und Salz. Für die Füllung etwa 9 etwa 0,5 cm dicke Minutensteaks vom Schwein (9 filetes de lomo), Chorizo in 0,5 cm dicken Scheiben (unterschätzt die Menge nicht, die ihr braucht), Schinken (jamón serrano) in dünnen Scheiben und drei hartgekochte Eier.
Okay. Wie geht's? Vom Schweineschmalz gibt man ein wenig in eine Pfanne und brät darin die Minutensteaks (filetes de Lomo). Anschließend brät man noch die dicken Chorizoscheiben und die dünnen Schinkenscheiben und nimmt sie aus dem Fett. Im nun ziemlich roten Fett in der Pfanne schmilzt man den Rest des Schweineschmalzes. Nur schmelzen, fertig.
Mari Carmens Rezept lautet wörtlich wie folgt: Schmalz in die Backschüssel, Wein, Hefe und geschlagene Eier (die zwei extragroßen oder drei mittelgroßen) sowie Salz zugeben, umrühren. Nun so viel Mehl zugeben, wie der Teig fassen kann (hier kommt die Erfahrung ins Spiel), verkneten, aufgehen lassen (Tipp von mir: 30 Sekunden bei Vollgas in die Mikrowelle stellen, mit einem Küchentuch zudecken und 30 Minuten in der ausgeschalteten Mikrowelle aufgehen lassen), dann in zwei Teile teilen.
Ich habe jedoch für die Teigzubereitung meine Brotbackmaschine wie üblich benutzt. Die Teigmenge passte natürlich nicht auf einmal rein, also bereitete ich den Teig in zwei Portionen.
Also, nun wird der erste Teil des Teigs (deutlich weniger als die Hälfte) rund ausgerollt und mit dem Lomo, darauf Chorizo, darauf die gekochten Eier in Scheiben, darauf der Schinken belegt. Man lässt einen Rand, den man später zwecks Zusammenkleben mit dem Eiweiss eines dritten/vierten Eis bestreicht. Das sieht dann zwischendurch irgendwann mal so aus:


Dann wird ein weiterer Teil des Teiges ausgerollt, diesmal eine Idee größer als der erste Teil, und kommt als Deckel oben drauf, am mit Eiweiß bestrichenen Rand gut festdrücken. Aus einem weiteren Teil des Teigs Deko anfertigen und ebenfalls mit Eiweiß festkleben, alles mit dem übrigen Eigelb bestreichen, mit einer Gabel Löchlein hineinstechen. Im Ganzen ist es zu viel Teig. Ich habe den Rest eingefroren. Den kann ich mal zu einem Pizzateig dazu schmeißen.


So, nun kommt das "Kunstwerk" in den vorgeheizten Ofen und backt bei 180º für 30 bis 45 Minuten, bis es eben appetitlich aussieht.


Und so sieht es dann in der Sekunde, bevor man hineinbeißt, aus:


Dazu ein kühles Bier oder Wasser, ein paar Oliven, ein paar Mandeln (jetzt wollte ich gerade schreiben "und die Nutten können kommen", aber das lasse ich, glaube ich, doch lieber bleiben). Also, ¡Feliz Lunes de Aguas!  

Montag, 2. Mai 2011

WTF?!?

Bin ich die Einzige, die gleich an Emmanuel Goldstein in George Orwells Buch "1984" denken musste, als heute früh der Tod Osama bin Ladens verkündet wurde? Emmanuel Goldstein ist eine Hassfigur, von der man nicht weiß, ob sie lebt oder tot ist, ob sie je als die Person, als die sie beschrieben wird, existierte.
Und irgendwann, wenn alles andere in die Hose geht (Afghanistan, Irak, Libyen, Banken usw.), kann man die Hassfigur dann für tot erklären. Juhuu. Und alle schlafen ruhig. Heute rasen dann wahrscheinlich auch die Aktienkurse hoch. Mir soll's recht sein.
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Am I the only one who was reminded of Emmanuel Goldstein in George Orwells's novel "1984" when Osama bin Laden's death was announced this morning (or last night)? Emmanuel Goldstein is a hate figure and it is never known whether he is actually alive or dead or if he ever existed as the person as which he is described.
And at some point, when all else fails (Afghanistan, Iraq, Libya, banks, etc.), you can declare the hate figure dead. Hooray! And everybody can sleep better. On the news stock prices are probably going to rise today. Fine with me.

Freitag, 29. April 2011

Hochzeit des Jahres

Wir befinden uns in illustrer Gesellschaft: die Obamas gehen nicht hin, die Blairs gehen nicht hin, der spanische König geht nicht hin und wir gehen auch nicht hin.

Donnerstag, 28. April 2011

Spanischer Witz zum 1. Mai


Wie auch im letzten Jahr, ein spanischer Witz zum 1. Mai:

Ein wohlhabender und einflussreicher Mann hat einen Sohn, der mit der Schule fertig ist, aber weder studiert noch arbeitet und den ganzen Tag nur herum lungert. Der einflussreiche Mann ruft seinen Sekretär: "Schau ... mein Sohn ... du kennst das Problem ... ich will nicht, dass der einfach nichts tut; der soll lernen, auf was es im Leben ankommt, der soll schaffen. Hör' dich doch mal um, ob du einen Job für ihn findest." 
Drei Tage später meldet der Sekretär: "Ich habe was gefunden! Berater des Präsidenten! 10 000 Euro im Monat und schaffen muss er überhaupt nichts."
"Also nein, so was will ich nicht. Er soll doch lernen, wie wichtig es ist, fleißig zu sein, damit man im Leben vorwärts kommt. Hör' dich weiter um, ich will es meinem Sohn nicht zu einfach machen."
Am nächsten Tag meldet der Sekretär: "Ich glaube, jetzt habe ich was, was Ihren Anforderungen entspricht: Assistent eines Rats der Regionalregierung. 6000 Euro im Monat, dafür macht er ein paar Telefonanrufe, schickt ein paar E-Mails ...."
"Du kapierst es nicht, he? Mein Sohn soll von unten anfangen, sich raufarbeiten, richtig schaffen, höchstens 1000 Euro im Monat, 40 Stundenwoche, unbezahlte Überstunden ..."
"Chef, das geht nicht. Er hat doch überhaupt keine Ausbildung! Bei solchen Stellen, da muss er sich gegen Mitbewerber durchsetzen, da braucht er einen ordentlichen Lebenslauf, ein abgeschlossenes Studium, Sprachkenntnisse, Berufserfahrung. Nein, Chef, so einen Job kriegt man nicht so leicht."

It's teatime!

Mir ist da heute was aufgefallen: Wenn Freundinnen spontan zu mir zum Teetrinken kommen, verursacht mir das immer ein bisschen Stress. Und heute kam mir die Erleuchtung, warum das so sein könnte. M. wünschte Natreen und ich dachte, wie praktisch, dass das gleich neben den Tassen steht. In diesem Moment trat ich aber eine ganze Gedankenlawine los: Das Natreen befindet sich also neben den Tassen im Küchenschrank mit dem Geschirr, das dauernd benutzt wird (obwohl der Süßstoff selten benutzt wird und sicher schon vier, fünf Jahre alt ist). Das Stövchen befindet sich im selben Schrank, aber ganz oben, und man muss einen Hocker, der in der Garage aufbewahrt wird, benutzen, um dran zu kommen. Die Teekanne ist im Schrank mit den Küchengeräten unten, der Wasserkocher im selben Schrank oben (kein Hocker erforderlich). Der Zucker ist in einer hübschen Zuckerdose beim guten Geschirr im Büfett im Wohnzimmer, die Milch ist im Kühlschrank, das Milchkännchen im selben Schrank, in dem auch das Stövchen war, aber ein Fach weiter unten. Die Zitronen sind im Winter in der Garage im Schrank mit den Äpfeln und Kartoffeln, im Sommer im Kühlschrank. Die Teebeutel sind im Küchenschrank mit den Frühstückssachen, zusammen mit Kaffee, Honig und Nutella.
Wenn ich etwas Gebäck zum Tee reichen möchte, muss ich in den Vorratsraum im Keller, wo ich Kekse aufbewahre, die nicht gleich gefuttert werden sollen. Die Streichhölzer, um das Stövchen anzuzünden, befinden sich zusammen mit ein paar Haushaltskerzen (für den Fall, dass mal der Strom ausfällt) im Schuhschrank bei der Haustür. Ersatzteelichter im Büfett im Wohnzimmer. Teelöffelchen in der Besteckschublade in der Küche. Nachdem ich also wie ein Irrwisch durch's ganze Haus gerannt bin (nein, auf den Dachboden muss ich nicht), kann ich mich endlich gemütlich hinsetzen. Da muss sich was ändern.
Mein Sohn meinte zum Thema: "Wieso? Es ist doch alles schön aufgeräumt und an seinem Platz!" Ja, aber vielleicht wäre es doch möglich, den Prozess Eine Kanne Tee und ein paar Kekse/Pralinen/Plätzchen servieren etwas zu optimieren.
Merke: Weise Lebensführung gelingt keinem Menschen durch Zufall. Man muss, solange man lebt, lernen, wie man leben soll. (Seneca)
Erste Maßnahme: Stövchen und Zucker in den Schrank mit den Frühstückssachen.

Mittwoch, 20. April 2011

Torrijas - Spanische Spezialität für die Karwoche

In der Karwoche, wenn man sich ja insbesondere beim Fleischverzehr zurückhalten sollte (Karfreitag!) sind Torrijas eine beliebte Spezialität. Sie ähneln den deutschen Armen Rittern/Kartäuserklößen. Ich bereite sie wie folgt zu: Während ich auf dem Herd einen halben Liter Milch mit 100 g Zucker, einer halben Zimtstange und einem halben Teelöffel Anis (wenn man den leichten Lakritzgeschmack mag, wenn nicht, lässt man ihn weg oder ersetzt ihn durch ein bisschen Zitronenschale) unter gelegentlichem Umrühren zum Kochen bringe, schneide ich ein zwei Tage altes Stangenweißbrot schräg in eineinhalb Zentimeter dicke Scheiben. Die Brotscheiben werden dann auf einen Teller - oder heute in meinem Fall auf eine Fleischplatte - gelegt und mit der heißen Milch übergossen. Während das Brot die Milch aufsaugt, gebe ich ein Ei in einen tiefen Teller und schlage es leicht. Dann mache ich in einer großen Pfanne etwas Olivenöl heiß. Die vollgesaugten Brotscheiben werden durch das Ei gezogen, dann im Öl ausgebacken. Ich machte das Öl erstmal richtig heiss, hatte es dann aber während der mehrminütigen Backphase auf 3 (von 6) stehen. So sahen die Torrijas aus, während sie in der Milch lagen (das braune Zeug sind Reste der Zimtstange und Aniskörner):
  

Und so, als sie fertig waren:


Die Torrijas werden gebacken, bis sie schön angebräunt sind und lecker! aussehen. Wann isst man sie? Warm oder kalt zum Frühstück, als Nachspeise, als Merienda (die spanische Stärkung am späten Nachmittag). Was gibt's dazu? Normalerweise nichts, außer einem Getränk. Während ich gerade meine Torrijas backte, kam meine Nachbarin herein und informierte mich, dass sie diese Spezialität anders zubereitet. Sie gibt weniger Zucker in die Milch, wendet dafür aber die fertigen Torrijas noch einmal in Zucker und Zimt. Okay. Ich kenne das Rezept so, wie ich es beschrieben habe, und ich finde es gut so. Zucker, der nicht außen dran ist, ist Zucker, der nicht hinterher herunterrieselt, wenn jemand die Torrija isst und dabei durch die Küche läuft. Kurzum, der Hauptunterschied zu den deutschen Armen Rittern, dem französischen Pain Perdu und dem amerikanischen French Toast liegt darin, dass das Brot in Olivenöl ausgebacken wird.   

Dienstag, 19. April 2011

Semana Santa - die Karwoche in Salamanca

Die Karwoche in Salamanca ist ein echter Geheimtipp für alle, die den wahren Geist der spanischen Semana Santa erleben wollen. Sie wurde zum "Fest von internationalem touristischem Interesse" erklärt, dennoch finden sich nur wenige ausländische Touristen ein. Die Besucher der Prozessionen sind hauptsächlich Einheimische, die aus religiösen Gründen kommen, und Leute aus anderen Teilen Spaniens, welche sich die Atmosphäre von rührender Volksfrömmigkeit vor atemberaubender historischer Kulisse anschauen wollen. Gestern standen Sevillanos, die vor ihren Touristenmassen geflohen waren, neben uns! Ein paar Franzosen haben wir auch noch gesehen. Die Prozessionen sind sehr ernst und feierlich. Wer so etwas noch nie gesehen hat, dem werden sie mit Sicherheit Gänsehaut verursachen. Sehr beeindruckend! Ein Erlebnis, das man im Leben nicht vergessen wird.




Samstag, 16. April 2011

Nachhaltige Osterdeko


Oh nein, was müsst Ihr für einen Eindruck von mir bekommen! Schon wieder was, was nix kost'! Es handelt sich um ein natürliches Vogelnest, gefüllt mit Wachteleiern. Das Nest habe ich im Spätherbst beim Heckenschneiden gefunden und es sah sehr ordentlich aus. Vogelnester sind so eine Sache, ich habe nämlich auch mal ein ekliges gefunden, das ich in der Hoffnung, es würde von allein sauber, in den Regen legte, wo es sich dann auflöste. In Vogelnestern können allerhand Parasiten sein, also Vorsicht, und man darf sie natürlich auf keinen Fall klauen, wenn die Vögel sie noch selbst benötigen könnten (also jetzt, um diese Jahreszeit, zum Beispiel nicht). Bei den Eiern handelt es sich um im Laden gekaufte Wachteleier, die ich ausgeblasen habe. Das geht genau wie bei Hühnereiern. Ich habe aus dem Ausgeblasenen dann Rühreier gemacht (5 Wachteleier entsprechen etwa einem Hühnerei). Die waren sehr lecker, denn Wachteleier haben im Verhältnis viel mehr Eigelb als Hühnereier und schmecken dadurch cremiger.
Da ich keine blaue Eierfarbe hatte und hier in Spanien auch keine bekommen kann, färbte ich ein paar der Eier mit blauer Lebensmittelfarbe. Ich füllte ein Wasserglas zur Hälfte mit kochendem Wasser, gab einen Esslöffel Essig und ein paar Tropfen Lebensmittelfarbe hinzu und ließ die ausgeblasenen Eier darin 15 Minuten liegen. Das Ergebnis seht Ihr oben. Ich find's schön.

Donnerstag, 14. April 2011

Inflation und Käskuchen nach einem alten Familienrezept

Die Hausfrauenversion von Clarke's "Sicilian style ricotta cheesecake with candied peel"

Um noch einmal auf den Käskuchen letztens bei Clarke's (siehe Eintrag: Restaurant in London: Clarke's) zu sprechen zu kommen: Ein Stück kostete 8 Pfund. Okay. Plus 12,5 % service charge. 9 Pfund. In Euro etwa 10,62. Und nun kommt's: In D-Mark 20,70. Zwanzig Mark und siebzig Pfennig für ein Stück Käskuchen. Für den ganzen Kuchen (x 12) zweihundertachtundvierzig Mark und fünfzig Pfennig. Holy Manoly, wie mein Sohn D. sagen würde. Ich weiss, ich weiss, wir müssen echt aufhören, Beträge in D-Mark umzurechnen, heute früh hat's mir mein Gatte erst wieder gesagt. Die Inflation liegt seit Jahren bei rund 2 % und fertig. Der Preis für ein Brot ist bei dem Bäcker, der uns in Spanien das Brot ins Haus bringt, seit Einführung des Euro vor acht Jahren von 30 auf 80 Cents gestiegen. Das sind doch 2 % pro Jahr, oder? Die Formel für die Berechnung ist mir im Moment nicht geläufig. 
Wie ich Euch bereits im entsprechenden Post zu Clarke's erzählt habe, schmeckte der Kuchen ziemlich genau wie der, den ich nach einem alten Familienrezept backe. Bei meiner Urgrossmutter seligen Andenkens gab es immer diesen Kuchen.


Auf diesem Foto seht ihr meine Urgroßmutter und mich auf ihrem Schoß. Wer jetzt meint, dieses Foto sei ja gar nicht aktuell, der hat recht. Es stammt aus dem Jahr 1965.
Ich glaube, wenn man ihr erzählen würde, dass man ein Stück Käskuchen für zwanzig Mark gegessen hat, wäre sie weniger überrascht als mancher Jüngere. Also, wer bei einem Materialwert von 3-4 Euro und einem Zeitaufwand von etwa einer Stunde ein Produkt herstellen möchte, das in manchen Lokalen für 140 Euro verkauft wird (hab' ich mich irgendwo verrechnet???), der holt jetzt seine Backschüssel heraus und heizt den Ofen auf 165º vor. Für den Teig benötigt man 150 g Mehl, einen halben Teelöffel Backpulver, 65 g Zucker, 1 Päckchen Vanillezucker, 1 Ei, 65 g Margarine. Diese Zutaten werden verknetet, 2/3 davon werden auf dem Boden einer Springform verteilt (vorher mit Backpapier bedecken). Das letzte Drittel Teig wird mit einem Esslöffel Mehl verknetet und als Rand verwendet. Ich bilde den Rand, indem ich eine Rolle forme, außenrum lege und etwas hochdrücke. Der Teig kommt nun 15 Minuten in den Ofen, herausnehmen, Rand vorsichtig von der Form lösen. Für die Creme werden 750 g Magerquark mit 150 g Zucker, 1 Päckchen Vanillezucker, 2 1/2 (zweieinhalb) Eigelb, Zitronenbacköl (oder einem Esslöffel Zitronensaft), 250 ml Milch und 1 Päckchen Käsekuchenhilfe verrührt (die Käsekuchenhilfe steht im Rezept, ich hatte aber natürlich keine und ersetzte sie durch 1 Päckchen Vanillepuddingpulver. Wer auch kein Vanillepuddingpulver hat (soll vorkommen), der nimmt 2 Esslöffel Speisestärke). Anschließend das Rührgerät unter fließendem Wasser abspülen, sonst gelingt es nämlich nicht, damit die 3 Eiweiß sehr steif zu schlagen. Steifgeschlagenes Eiweiß vorsichtig unter die Creme heben, Mischung auf dem Tortenboden verteilen, glattstreichen. Übrig gebliebene Eigelbhälfte mit etwas Milch mischen und den Kuchen damit bestreichen. 70 Minuten backen, dann den Rand sofort ablösen. Kuchen jedoch nicht aus dem Ofen nehmen, sondern den Ofen abschalten, 10 cm öffnen, 10 Minuten warten, weitere 10 cm öffnen,  weitere 10 Minuten warten, dann den Kuchen im ganz offenen Ofen abkühlen lassen. So verhindert man, dass der Kuchen zusammenfällt. So, Handwerkszeug in die Spülmaschine, fertig.
Bei Clarke's war ein mit Puderzucker bestäubtes Minzzweiglein drauf (bei mir heute auch), dazu gab es ein Orangensößchen. Das Sößchen machte ich aus Bitterorangenmarmelade (ich kaufte eine mit möglichst viel Schalenstreifchen, so war's nämlich auch bei Clarke's), die ich beim ersten Versuch mit Cointreau verrührte (der Cointreau hat alles erschlagen, das war keine gute Idee), beim zweiten mit Wasser und einem Tropfen Cointreau, das war richtig gut. 
Bei Clarke's lag noch ein Teiggitter obendrauf. Wer auch ein Teiggitter auf seinem Kuchen haben möchte, macht einfach doppelt soviel Teig, schneidet die Hälfte in feine Streifchen und legt ihn gitterförmig auf die Quarkmasse.   

Nachhaltige Frühlingsdeko


Bezaubernde Quittenblüten ...

Dienstag, 12. April 2011

Resteverwertung, aber lecker: Hähnchensalat Véronique


Die Zutatenliste mag vielleicht den einen oder anderen abschrecken, aber der Salat ist viiiel besser als die Summe seiner Zutaten. Meine Kinder mögen zum Beispiel keinen Stangensellerie und lieben diesen Salat. Ich benötige (ich habe heute einfach mal gewogen, was ich rein habe, ich nehme natürlich nicht unbedingt 200 g Hähnchenreste, sondern so viel, wie ich eben habe) also: 200 g Hähnchenfleisch ohne Haut und Knochen, das ich in Würfel schneide, 250 g Stangensellerie (nach dem Putzen gewogen), den ich fein würfle, 300 g Trauben, rot oder weiß oder von beiden, je nach Größe halbiert oder geviertelt, entkernt oder gleich kernlos gekauft. Für die Soße mische ich 3 Esslöffel Mayonnaise, 3 Esslöffel Naturyoghurt, 2 Esslöffel Zitronensaft, eine kräftige Prise Salz und nicht zu wenig frisch gemahlenen Pfeffer. Soße über den Salat schütten, alles gut verrühren und wenn die Esser nicht schon am Tisch sitzen und mit den Bestecken klappern, ein Weilchen durchziehen lassen.

Montag, 11. April 2011

Der Fresskorb

Es wurde der Wunsch geäußert, den Fresskorb, den D. am Samstagabend bei einem Wohltätigkeitsabendessen, das die Kirche zugunsten eines bolivianischen Dorfes veranstaltet hat, gewonnen hat, genau zu sehen:


Er stammt von der Bäckerei/dem Feinkosthändler La Tahona und beinhaltet/e Folgendes: eine Flasche Rotwein aus Navarra, eine Flasche Weißwein aus Castilla y León, belgische Luxusplätzchen, ein süßes Brot mit Kastanienmehl und roten Früchten, französische Entenlebermousse, in Armagnac eingelegte Entenstückchen aus Aragón, feinstes andalusisches Olivenöl, katalonische Luxuspralinen, italienische Nudeln und einen Gran Reserva Balsamico-Essig aus Pedro Ximénez-Trauben sowie einen Käse mit dem Namen Serrat del Triadó, den wir bereits angeschnitten haben, weil wir nicht wussten, wie lange er hält. Wir durften feststellen, dass es sich um einen kräftigen und doch milden Bergkäse handelt, der sicher lange haltbar ist, jedoch nicht bei uns, denn er ist wahrhaft köstlich. Außerdem befanden sich in dem Korb noch ein kleiner Kuchen und zwei Tafeln Schokolade, die D. gleich verschenkte. Den Rest heben wir auf für Ostern, wenn unsere Lieben kommen. Glückwunsch, D.!

Freitag, 8. April 2011

Schrecklich!

Rousseau wurde aus unserer Mitte gerissen! Als mein Sohn heute von der Schule nach Hause kam und mit seinem kleinen Freund spielen wollte, war Rousseau nicht zu sehen. P. rief seinen Namen, klopfte an sein Häuschen ... nichts. Sein schlimmer Verdacht wurde zur traurigen Gewissheit: das Tier lag reglos in seinem Häuschen. In seiner Nase steckte ganz fest ein Holzsplitter von seiner Streu. Er war so ein fröhlicher Gesell gewesen, so süß, die großen Augen, die winzigen Fingerchen, so aktiv ... er hangelte sich an der Decke seines Kastens entlang, schaukelte sich sogar an einem Arm und drehte sich so schnell in seinem Laufrad, dass es ihn manchmal sogar raushaute ... Ruhe sanft, Rousseau.
(Er wurde gleich im Garten neben seinem Artgenossen beigesetzt.)

Immobilien in Spanien: Weil ich es mir wert bin

Dieser Spruch aus der L'Oréal-Werbung wird gelegentlich auf die ansonsten unerklärliche Preisfindung auf dem spanischen Immobilienmarkt angewendet. Nun, jetzt dürfen wir einmal eine Preisfindung aus nächster Nähe beobachten: Bei uns in der Straße wird nämlich ein Reihenhaus verkauft, das dem unseren mehr oder weniger entspricht, ich kenne seine sämtlichen Vor- und Nachteile. Es handelt sich um eine für spanische Verhältnisse hochwertige Immobilie mit etwa 280 qm Wohnfläche. Weitere Details sind unwichtig, Ihr wollt sie ja eh nicht kaufen.
Die Anbieterin ist eine erfolgreiche Unternehmerin und exzellente Verkäuferin. Der Nachfrager ist ein zusammengebrochener Markt. Das Haus wurde 1996 für rund 30 Millionen Peseten (= 180.000 Euro, Immobilienpreise werden in Spanien immer noch in Peseten betrachtet) gekauft und für ca. 30.000 Euro erweitert und aufgehübscht. Seitdem wurde es in 2 oder 3 Sommern als Ferienhaus genutzt. Dauerhaft gewohnt hat hier noch nie jemand. Wohnraum zu kaufen und leerstehen zu lassen ist in Spanien durchaus üblich, als Investition, für die Kinder oder weil ich es mir wert bin. Der Verkaufspreis beträgt 420.000 Euro. Diese Preisvorstellung entspricht ziemlich genau dem, was wir ratschenden Hausfrauen und Nachbarinnen erwartet haben. Die zwei letzten Häuser, die unserer Straße verkauft wurden, kamen für 450.000 Euro auf den Markt und wechselten schließlich, nach über einem Jahr, für 350.000 Euro den Besitzer. Hier haben wir es aber, wie gesagt, mit einer superguten Verkäuferin zu tun, die mir erst einmal verklickert hat, warum ihr Haus unvergleichlich viel besser ist als alle anderen und warum ihr Garten einen einfach exorbitanten Wert hat. Ich bin ja so ein Typ, der immer alles glaubt, was ihm erzählt wird, auch, wenn der gesunde Menschenverstand aus allen Rohren feuert und meldet, dass es echt nicht so ist, ja, überhaupt nicht so sein kann, ich lasse mir trotzdem von Hinz und Kunz Bären aufbinden. Ein Garten, auch wenn er noch so gepflegt ist und der Gärtner seit Jahren wöchentlich kommt, hat nach meinem Dafürhalten keinen Wert an sich, denn es muss nur ein richtig trockener Sommer kommen, in dem man nicht gießen kann oder darf, und schon ist die Pracht dahin. Du meine Güte, nach ein paar Minuten Gespräch war ich selber überzeugt, dass die Immobilie so viel wert ist!
Seit ihrem Höchststand vor drei bis vier Jahren sind die Preise hier um etwa 20 % gesunken. Von 1996 bis 2007 haben sie sich etwa verzweikommafünf- oder verdreifacht (ich spreche von unserer Straße, nicht von Spanien im Allgemeinen, wo die Preise teilweise noch viel stärker gestiegen sind). 
Und noch etwas Allgemeines zum Thema: Die Uni von Salamanca ist sie nicht nur für ihr hohes Alter, ihr tolles Studentenleben und ihr megagutes Aussehen berühmt, sondern auch für die Schule von Salamanca, die im 16. Jh. eine wichtige Theorie bezüglich der Preisfindung entwickelte, deren Kern darin besteht, dass sich Preise nicht nur nach der Zeit und dem Aufwand für die Herstellung eines Produkts zu richten haben, wie man bis dahin glaubte, sondern dass Angebot und Nachfrage eine entscheidende Rolle spielen. Der derzeitige spanische Immobilienmarkt hat das Gesetz von Angebot und Nachfrage ausgehebelt und befindet sich in einer neuen Phase: Weil ich es mir wert bin.  

Samstag, 2. April 2011

Renovierung unseres Hauses II: Der Stuckateur war da

 
Unsere Decke vorher

Unser Eingang vorher
Eingang nachher (das ist dieselbe Lampe wie die links auf dem vorherigen Bild)
  
Sieht das nicht elegant aus?


Der Stuckateur ist ein Wesen, das bereits mit seinem Odem feinsten, weißen Staub absondert. So erklärt es sich wahrscheinlich auch, dass an seinen Nasenlöchern immer winzige weiße Flöckchen hängen. Berufsberater können potentielle Stuckateure und Gipser beim Beratungsgespräch leicht identifizieren: Kaum haben sie auf ihrem Stuhl Platz genommen, breitet sich auf dem Schreibtisch des Sachbearbeiters ein dünner, jedoch unverwechselbarer Belag aus. Wer in einem Reinraum arbeiten möchte, muss eine ärztliche Bescheinigung vorlegen, dass er nicht durch Stuckateure und Gipser erblich vorbelastet ist.
Okay, Spaß beiseite. Gestern abend gesaugt und geputzt, heute früh gesaugt und geputzt, um 16 Uhr kommt meine Perle und saugt und putzt noch einmal, dann ist die Wohnung hoffentlich wieder sauber. Als ich das erste Mal saugte (gestern mittag), war die erste Hälfte des Zimmers schon wieder staubig, während ich die zweite Hälfte saugte. Ich fragte meinen Handwerker, ob das Zeug von der Decke rieselte, er verneinte dies. Der Gips befindet sich in der Luft und rieselt gaaanz langsam herab. Ich glaube aber, dass nach vier Mal saugen und putzen alles wieder rein sein wird. Ob eine derartige Schweinerei unvermeidbar ist ... ich weiß es nicht. 
Der Stuck ist also an der Decke und ich finde ihn ganz toll. Ich weiß, man hat diese dekorativen Elemente im Moment nicht so, aber ich habe sie in New York oft gesehen, in den Townhouses, die 10 Millionen Dollar kosten (wenn sie heruntergekommen und zugig sind und in Europa nicht einmal die Mindestanforderungen an ein Einfamilienhaus erfüllen würden) oder 20 Millionen, wenn sie ein bisschen hergerichtet sind, wie gesagt, in den Stadthäusern und in den alten Wohnungen auf der Upper East- und West Side von Manhattan da werden solche Crown Moldings und Period Details sehr geschätzt. Da steigt der Preis schon mal schnell um eine halbe oder ganze Million, wenn da ein bisschen Gips an der Decke ist. Ungelogen. Und jetzt haben wir das auch. Hehe. Gefällt es Euch?

Der Frühling ist da!

Süß, gell?

Im Ganzen habe ich im Garten heute 158 Osterglocken gezählt! Da es verschiedene Sorten sind, kommen neue, wenn die alten abblühen. Toll, ne?

Blick aus P.'s Fenster

Samstag, 26. März 2011

Immobilien in Spanien

Aus einem Artikel, der heute in der spanischen Zeitung El Pais erschienen ist:
Im Jahr 2006, auf dem Höhepunkt des Baubooms, wurde mit dem Bau von 665.000 Wohnungen begonnen (ohne sozialen Wohnungsbau). Vier Jahre später, 2010, wurde mit dem Bau von 63.090 Wohnungen begonnen.
Interessant, gell? Ein Minus von mehr als 90 %. Wer mit dem Gedanken spielt, sich in Spanien was zu kaufen, sollte angesichts dieser geringen Zahl jedoch nicht verzweifeln, es stehen nämlich mehr als 1.000.000 fertige, neue!, Wohnungen herum, die bisher noch niemand gewollt hat. Die Preise sinken nicht mehr - oder nicht schneller -, weil sich mittlerweile ein großer Teil der Wohnungen in Besitz der Banken befindet und diese die Werte in ihren Büchern noch nicht berichtigen möchten. Wie das weitergehen soll ... es bleibt auf jeden Fall spannend. Jetzt wird erst mal Portugal gerettet und dann ... ich muss an das spanische Sprichwort denken: "Cuando las barbas de tu vecino veas cortar, pon las tuyas a remojar", das ich mit "Wenn du siehst, dass dein Nachbar rasiert wird, kannst du deinen Bart schon mal einseifen" übersetzen würde. Es bedeutet: Du bist als nächstes dran und das, was dich erwartet, ist meist nichts Gutes. Obwohl, gerettet werden ist doch eigentlich immer gut. Also, freuen wir uns auf unsere baldige Rettung.

Mittwoch, 23. März 2011

Merluza oder Pescadilla im Sonderangebot

In unserem Supermarkt war Merluza/Pescadilla/Seehecht für 4,90 Euro das Kilo im Angebot. Ein wahres Schnäppchen, aber dann muss man sich auch nicht wundern, wenn die Meere leer gefischt sind. Jedenfalls habe ich zugegriffen und für 8,80 Euro einen Fisch mit einem Gewicht von 1800 g erstanden. Damit bringe ich gut und gerne 10-12 Leute satt. Da wir aber keine 10-12 Leute am Mittagstisch waren, habe ich den Fisch in zwei Teile teilen lassen, ein Teil am Stück, nur ohne Gräten (spanische Anweisung an den Fischverkäufer: "una parte la dejas entera, sólo le quitas la espina, por favor" (Das "por favor" kann man gerne auch weglassen. Beobachtet mal, in welchem Kommandoton spanische Hausfrauen mit Fisch- oder Fleischverkäufern sprechen!), den anderen Teil in Filets "la otra parte me la haces filetes, por favor". Dann wird man gefragt, ob man die Gräte und den Kopf mitnehmen möchte. Ich antworte: "Me lo llevo todo". Das bedeutet: "Ich nehme alles mit". Aus der Gräte und dem Kopf koche ich zum gegebenen Zeitpunkt eine Fischbrühe oder eine Fischsuppe, bis dahin lege ich sie in den Tiefkühlschrank. Da habe ich einen Plastikbeutel, in dem ich die Fischabfälle ansammle, bis sie genug sind. Wer gar kein Spanisch kann, diesen Einkauf aber trotzdem tätigen möchte, schreibt Folgendes auf ein Zettelchen: Una merluza/pescadilla, la mitad en filetes, la otra mitad entera, pero sin espina. Me llevo la cabeza y la espina. Das müsste eigentlich klappen. 

Schnelles Fischrezept für die Mikrowelle



 Dieses Rezept stammt von einer meiner Schwägerinnen. Ich benötige dazu den Teil der Merluza/Pescadilla/des Seehechts, der ganz geblieben ist und aus dem ich nur die Gräte habe entfernen lassen. Ich spüle ihn kurz unter fließendem Wasser ab, salze und pfeffere die Innen- und Außenseite, lege ein Thymianzweiglein hinein, klappe ihn wieder zu, lege ihn in eine ofenfeste Form und umwickle oder belege ihn dicht mit Speckscheiben. Anschließend decke ich ihn mit mikrowellenfester Klarsichtfolie oder sonst irgendetwas ab. Dann wandert der Fisch für sieben Minuten (bei 1000 W) in die Mikrowelle. Bei einer schwächeren Leistung der Mikrowelle würde ich es mit zehn Minuten versuchen, nachbehandeln kann man immer, falls der Fisch noch nicht durch sein sollte. Rausholen, mit etwas Pfeffer bestreuen, in dicke Scheiben schneiden, fertig. Dieses Gericht kann ich in zehn Minuten auf dem Tisch haben. Das Rezept meiner Schwägerin für ultraschnelles Kochen umfasst aber eigentlich noch einen weiteren Punkt: Bevor sie den Fisch in die Form legt, schüttet sie noch eine Packung Kartoffelchips darunter. Ich habe das ausprobiert und die Chips waren unter dem Fisch und an den Stellen, an denen sie Fischsaft aufsaugen konnten, köstlich, aber an allen anderen Stellen schmeckten sie einfach wie Chips, die sieben Minuten in der Mikrowelle verbracht haben. Man könnte nun auf den Gedanken kommen, Fischbrühe aus einem Brühwürfel über die Chips zu gießen. Meiner Meinung nach ist das aber keine gute Idee, weil die Chips eh schon viel Salz haben und der Brühwürfel dann noch mehr Salz dazu brächte = ungesund = unterlassen. Was man machen könnte ist, die Chips mit ein bisschen Weißwein anfeuchten oder aus den Fischabfällen rasch eine fade Fischbrühe kochen (Kopf und Gräten von zwei Fischen ( im Idealfall) in einen Topf, eine halbe Zwiebel, ein Lorbeerblatt, zwei Nelken, eine Gelberübe, eine Lauch- und eine Selleriestange dazugeben, mit Wasser bedecken, noch weitere drei bis fünf Zentimeter Wasserhöhe hinzugießen (je nachdem, ob es sich um einen breiten oder hohen Topf handelt), ohne Salz (wir wollen es ja fad) zehn bis fünfzehn Minuten kochen, durch ein Sieb gießen, Siebinhalt wegschmeißen, mit der Brühe weiterarbeiten) und über die Chips gießen, damit sprengen wir aber unser Zeitlimit (ultraschnell gleich in weniger als 15 Min. auf dem Tisch) und erhalten womöglich eine unappetitliche Kartoffelpampe, ich hab's noch nicht ausprobiert. Ich wollte Euch nur das Fischrezept geben, das ich gelegentlich zubereite, und Euch auf das Extra meiner Schwägerin hinweisen. Wer im Kühlschrank Gemüsereste hat (Ratatouille, Lauchgemüse ... ) oder Kartoffeln vom Vortag, kann sie auch unter den Fisch legen. Lecker! Schnelle Beilagen sind Reis und vorgewaschener Salat aus der Tüte.

Dienstag, 22. März 2011

Merluza en salsa verde oder Seehecht in grüner Sosse


Für die Merluza en salsa verde benutze ich den Teil des Fischs, den ich "en filetes" habe schneiden lassen. Mein Rezept, das von meiner Schwiegermutter, ebenfalls seligen Angedenkens, stammt, ist sehr einfach und sehr spanisch. Für vier Personen benötige ich etwa 700 g Fisch in 8 Stücken. Ich salze und pfeffere die Filets auf beiden Seiten, wende sie dann in Mehl, schüttle das überschüssige Mehl wieder ab und brate sie in einer Pfanne in etwa 4 Esslöffeln Olivenöl bei ziemlich grosser Hitze auf beiden Seiten an, bis sie beginnen, Farbe zu bekommen. Dann entnehme ich sie dem Fett und brate in derselben Pfanne bei geringerer Hitze 5 klein gehackte Knoblauchzehen (waren mittelgroß) an. Wenn das Olivenöl mittlerweile verschwunden ist, fülle ich 1 oder 2 Esslöffel nach. Die Knoblauchzehen dürfen nicht braun werden, sonst schmecken sie bitter, dies ist also nicht der richtige Moment, um sie allein zu lassen. Anschließend kommt ein halber Bund gehackte Petersilie hinzu. Ich lasse das Ganze unter Aufsicht noch ein Momentchen dünsten, dann kommt ein gehäufter Esslöffel Mehl hinzu, der sorgfältig untergerührt wird. Mittlerweile habe ich 225 ml Weißwein und 225 ml Wasser sowie einen Fischbrühwürfel vorbereitetet (jajaja, so bin ich, selbst, wenn ich die Fischbrühe vorrätig habe, benutze ich Brühwürfel und koche aus dem Fischsud eine Suppe). Als erstes gebe ich nun den Würfel zum Sofrito (so heißt der Gemüsekleinkram, der für Soßen angebraten wird, auf Spanisch), dann unter ständigem Rühren (damit sich das Mehl gleichmäßig verteilt und keine Klümpchen bildet) die Flüssigkeiten. Wenn mir die Soße zu dick ist, gebe ich einfach mehr Wein oder Wasser oder von beidem hinzu. Bedenkt, dass die Soße dicker wird, wenn sie eine Weile steht. Aufkochen lassen, fertig. Nun schalte ich den Herd ab und gebe den Fisch wieder in die Soße. Da darf er durchziehen, bis er serviert wird. Als Beilagen schmecken Reis, Kartoffeln oder typisch spanisch: Patatas fritas.

Samstag, 19. März 2011

Renovierung bzw. Upgrade unseres Hauses

So, dies sind die Bilder, die ich meinem Vater, einem Hobbyofenfachmann, der von Deutschland aus hilflos zusehen muss bzw. nicht mit ansehen kann, was hier in Spanien geschieht, schon für gestern versprochen hatte:

So, das war unser Kamin vorher. Ihr werdet jetzt sagen: "Der war doch gut!" und Ihr habt recht, die Heizleistung war aber 0 und es tut einem doch echt leid, Holz wirkungslos zu verbrennen

So, das war der Kamin, nachdem er weg war und die Wand zu unseren Nachbarn isoliert war.

So, und das ist der Neurohbau. Ich habe noch ein Bild über ein Zwischenstadium, aber da ist der Handwerker halb drauf und außerdem sieht man darauf auch nicht, dass sich hinter der Mauer noch ein ziemlich großer Metallaufsatz und Röhren, die die Warmluft nach draußen befördern sollen, befinden.

So, und hier der derzeitige Stand der Dinge. Seht Ihr, wie schön alles abgeklebt ist? Denkt Ihr, das haben die Handwerker gemacht? Hahahah. Ha.
 Wie im Bloggeburtstagspost geschrieben, ist es im Moment zeitlich bei mir eng, also, bei Gelegenheit gibt's mehr zum Thema.

1. Bloggeburtstag!


Ja, liebe Leute, heute wird mein Blog ein Jahr alt. Zu diesem Thema möchte ich mich natürlich auch in epischer Breite äußern, werde aber wahrscheinlich die nächsten Tage keine Zeit haben. Ich habe mir schon allerhand Gedanken gemacht ... nein, ich fange jetzt nicht an. Ich habe beruflich viel zu tun, dann hatte bzw. habe ich die Handwerker im Haus und die letzten paar Tage war ich ziemlich erkältet. Vor zwei Tagen ungefähr lief mir die Nase wie noch nie zuvor, also wirklich, wie ein offener Wasserhahn, aber das will sicher gar niemand wissen. Der abgebildete Muffin bzw. die abgebildete Madalena (so nennen sie die Spanier) wurde nach einem superguten Rezept (von mir zusammengebastelt) gebacken, das ich unbedingt mit Euch teilen möchte. Nee, ich fange jetzt nicht an!!!

Allen, die im vergangenen Jahr hier vorbeigeschaut haben, Dank und ein Bussi/Beso. 

Mittwoch, 16. März 2011

Habe ich da richtig gesehen?

Vorgestern ab 20.45 Uhr bei der ARD-Sondersendung zur Katastrophe in Japan, bei der Zuschauer anrufen konnten: Alle ExpertInnen waren Männer und alle TelefonistInnen waren Frauen? Es mag ja sein, dass kurzfristig keine Expertin für Erdbeben und Atomkraft zur Verfügung stand, aber es muss sich doch ein Mann auftreiben lassen, der in der Lage ist, einen Telefonhörer abzuheben, nur, damit das Ganze etwas harmonischer ausschaut. (Wir haben allerdings nur den ersten Teil der Sendung gesehen.) 
Die Gedanken weilen bei den Menschen in Japan, denen wir nicht anders helfen können als durch unser Gebet.