Samstag, 26. März 2011

Immobilien in Spanien

Aus einem Artikel, der heute in der spanischen Zeitung El Pais erschienen ist:
Im Jahr 2006, auf dem Höhepunkt des Baubooms, wurde mit dem Bau von 665.000 Wohnungen begonnen (ohne sozialen Wohnungsbau). Vier Jahre später, 2010, wurde mit dem Bau von 63.090 Wohnungen begonnen.
Interessant, gell? Ein Minus von mehr als 90 %. Wer mit dem Gedanken spielt, sich in Spanien was zu kaufen, sollte angesichts dieser geringen Zahl jedoch nicht verzweifeln, es stehen nämlich mehr als 1.000.000 fertige, neue!, Wohnungen herum, die bisher noch niemand gewollt hat. Die Preise sinken nicht mehr - oder nicht schneller -, weil sich mittlerweile ein großer Teil der Wohnungen in Besitz der Banken befindet und diese die Werte in ihren Büchern noch nicht berichtigen möchten. Wie das weitergehen soll ... es bleibt auf jeden Fall spannend. Jetzt wird erst mal Portugal gerettet und dann ... ich muss an das spanische Sprichwort denken: "Cuando las barbas de tu vecino veas cortar, pon las tuyas a remojar", das ich mit "Wenn du siehst, dass dein Nachbar rasiert wird, kannst du deinen Bart schon mal einseifen" übersetzen würde. Es bedeutet: Du bist als nächstes dran und das, was dich erwartet, ist meist nichts Gutes. Obwohl, gerettet werden ist doch eigentlich immer gut. Also, freuen wir uns auf unsere baldige Rettung.

Mittwoch, 23. März 2011

Merluza oder Pescadilla im Sonderangebot

In unserem Supermarkt war Merluza/Pescadilla/Seehecht für 4,90 Euro das Kilo im Angebot. Ein wahres Schnäppchen, aber dann muss man sich auch nicht wundern, wenn die Meere leer gefischt sind. Jedenfalls habe ich zugegriffen und für 8,80 Euro einen Fisch mit einem Gewicht von 1800 g erstanden. Damit bringe ich gut und gerne 10-12 Leute satt. Da wir aber keine 10-12 Leute am Mittagstisch waren, habe ich den Fisch in zwei Teile teilen lassen, ein Teil am Stück, nur ohne Gräten (spanische Anweisung an den Fischverkäufer: "una parte la dejas entera, sólo le quitas la espina, por favor" (Das "por favor" kann man gerne auch weglassen. Beobachtet mal, in welchem Kommandoton spanische Hausfrauen mit Fisch- oder Fleischverkäufern sprechen!), den anderen Teil in Filets "la otra parte me la haces filetes, por favor". Dann wird man gefragt, ob man die Gräte und den Kopf mitnehmen möchte. Ich antworte: "Me lo llevo todo". Das bedeutet: "Ich nehme alles mit". Aus der Gräte und dem Kopf koche ich zum gegebenen Zeitpunkt eine Fischbrühe oder eine Fischsuppe, bis dahin lege ich sie in den Tiefkühlschrank. Da habe ich einen Plastikbeutel, in dem ich die Fischabfälle ansammle, bis sie genug sind. Wer gar kein Spanisch kann, diesen Einkauf aber trotzdem tätigen möchte, schreibt Folgendes auf ein Zettelchen: Una merluza/pescadilla, la mitad en filetes, la otra mitad entera, pero sin espina. Me llevo la cabeza y la espina. Das müsste eigentlich klappen. 

Schnelles Fischrezept für die Mikrowelle



 Dieses Rezept stammt von einer meiner Schwägerinnen. Ich benötige dazu den Teil der Merluza/Pescadilla/des Seehechts, der ganz geblieben ist und aus dem ich nur die Gräte habe entfernen lassen. Ich spüle ihn kurz unter fließendem Wasser ab, salze und pfeffere die Innen- und Außenseite, lege ein Thymianzweiglein hinein, klappe ihn wieder zu, lege ihn in eine ofenfeste Form und umwickle oder belege ihn dicht mit Speckscheiben. Anschließend decke ich ihn mit mikrowellenfester Klarsichtfolie oder sonst irgendetwas ab. Dann wandert der Fisch für sieben Minuten (bei 1000 W) in die Mikrowelle. Bei einer schwächeren Leistung der Mikrowelle würde ich es mit zehn Minuten versuchen, nachbehandeln kann man immer, falls der Fisch noch nicht durch sein sollte. Rausholen, mit etwas Pfeffer bestreuen, in dicke Scheiben schneiden, fertig. Dieses Gericht kann ich in zehn Minuten auf dem Tisch haben. Das Rezept meiner Schwägerin für ultraschnelles Kochen umfasst aber eigentlich noch einen weiteren Punkt: Bevor sie den Fisch in die Form legt, schüttet sie noch eine Packung Kartoffelchips darunter. Ich habe das ausprobiert und die Chips waren unter dem Fisch und an den Stellen, an denen sie Fischsaft aufsaugen konnten, köstlich, aber an allen anderen Stellen schmeckten sie einfach wie Chips, die sieben Minuten in der Mikrowelle verbracht haben. Man könnte nun auf den Gedanken kommen, Fischbrühe aus einem Brühwürfel über die Chips zu gießen. Meiner Meinung nach ist das aber keine gute Idee, weil die Chips eh schon viel Salz haben und der Brühwürfel dann noch mehr Salz dazu brächte = ungesund = unterlassen. Was man machen könnte ist, die Chips mit ein bisschen Weißwein anfeuchten oder aus den Fischabfällen rasch eine fade Fischbrühe kochen (Kopf und Gräten von zwei Fischen ( im Idealfall) in einen Topf, eine halbe Zwiebel, ein Lorbeerblatt, zwei Nelken, eine Gelberübe, eine Lauch- und eine Selleriestange dazugeben, mit Wasser bedecken, noch weitere drei bis fünf Zentimeter Wasserhöhe hinzugießen (je nachdem, ob es sich um einen breiten oder hohen Topf handelt), ohne Salz (wir wollen es ja fad) zehn bis fünfzehn Minuten kochen, durch ein Sieb gießen, Siebinhalt wegschmeißen, mit der Brühe weiterarbeiten) und über die Chips gießen, damit sprengen wir aber unser Zeitlimit (ultraschnell gleich in weniger als 15 Min. auf dem Tisch) und erhalten womöglich eine unappetitliche Kartoffelpampe, ich hab's noch nicht ausprobiert. Ich wollte Euch nur das Fischrezept geben, das ich gelegentlich zubereite, und Euch auf das Extra meiner Schwägerin hinweisen. Wer im Kühlschrank Gemüsereste hat (Ratatouille, Lauchgemüse ... ) oder Kartoffeln vom Vortag, kann sie auch unter den Fisch legen. Lecker! Schnelle Beilagen sind Reis und vorgewaschener Salat aus der Tüte.

Dienstag, 22. März 2011

Merluza en salsa verde oder Seehecht in grüner Sosse


Für die Merluza en salsa verde benutze ich den Teil des Fischs, den ich "en filetes" habe schneiden lassen. Mein Rezept, das von meiner Schwiegermutter, ebenfalls seligen Angedenkens, stammt, ist sehr einfach und sehr spanisch. Für vier Personen benötige ich etwa 700 g Fisch in 8 Stücken. Ich salze und pfeffere die Filets auf beiden Seiten, wende sie dann in Mehl, schüttle das überschüssige Mehl wieder ab und brate sie in einer Pfanne in etwa 4 Esslöffeln Olivenöl bei ziemlich grosser Hitze auf beiden Seiten an, bis sie beginnen, Farbe zu bekommen. Dann entnehme ich sie dem Fett und brate in derselben Pfanne bei geringerer Hitze 5 klein gehackte Knoblauchzehen (waren mittelgroß) an. Wenn das Olivenöl mittlerweile verschwunden ist, fülle ich 1 oder 2 Esslöffel nach. Die Knoblauchzehen dürfen nicht braun werden, sonst schmecken sie bitter, dies ist also nicht der richtige Moment, um sie allein zu lassen. Anschließend kommt ein halber Bund gehackte Petersilie hinzu. Ich lasse das Ganze unter Aufsicht noch ein Momentchen dünsten, dann kommt ein gehäufter Esslöffel Mehl hinzu, der sorgfältig untergerührt wird. Mittlerweile habe ich 225 ml Weißwein und 225 ml Wasser sowie einen Fischbrühwürfel vorbereitetet (jajaja, so bin ich, selbst, wenn ich die Fischbrühe vorrätig habe, benutze ich Brühwürfel und koche aus dem Fischsud eine Suppe). Als erstes gebe ich nun den Würfel zum Sofrito (so heißt der Gemüsekleinkram, der für Soßen angebraten wird, auf Spanisch), dann unter ständigem Rühren (damit sich das Mehl gleichmäßig verteilt und keine Klümpchen bildet) die Flüssigkeiten. Wenn mir die Soße zu dick ist, gebe ich einfach mehr Wein oder Wasser oder von beidem hinzu. Bedenkt, dass die Soße dicker wird, wenn sie eine Weile steht. Aufkochen lassen, fertig. Nun schalte ich den Herd ab und gebe den Fisch wieder in die Soße. Da darf er durchziehen, bis er serviert wird. Als Beilagen schmecken Reis, Kartoffeln oder typisch spanisch: Patatas fritas.

Samstag, 19. März 2011

Renovierung bzw. Upgrade unseres Hauses

So, dies sind die Bilder, die ich meinem Vater, einem Hobbyofenfachmann, der von Deutschland aus hilflos zusehen muss bzw. nicht mit ansehen kann, was hier in Spanien geschieht, schon für gestern versprochen hatte:

So, das war unser Kamin vorher. Ihr werdet jetzt sagen: "Der war doch gut!" und Ihr habt recht, die Heizleistung war aber 0 und es tut einem doch echt leid, Holz wirkungslos zu verbrennen

So, das war der Kamin, nachdem er weg war und die Wand zu unseren Nachbarn isoliert war.

So, und das ist der Neurohbau. Ich habe noch ein Bild über ein Zwischenstadium, aber da ist der Handwerker halb drauf und außerdem sieht man darauf auch nicht, dass sich hinter der Mauer noch ein ziemlich großer Metallaufsatz und Röhren, die die Warmluft nach draußen befördern sollen, befinden.

So, und hier der derzeitige Stand der Dinge. Seht Ihr, wie schön alles abgeklebt ist? Denkt Ihr, das haben die Handwerker gemacht? Hahahah. Ha.
 Wie im Bloggeburtstagspost geschrieben, ist es im Moment zeitlich bei mir eng, also, bei Gelegenheit gibt's mehr zum Thema.

1. Bloggeburtstag!


Ja, liebe Leute, heute wird mein Blog ein Jahr alt. Zu diesem Thema möchte ich mich natürlich auch in epischer Breite äußern, werde aber wahrscheinlich die nächsten Tage keine Zeit haben. Ich habe mir schon allerhand Gedanken gemacht ... nein, ich fange jetzt nicht an. Ich habe beruflich viel zu tun, dann hatte bzw. habe ich die Handwerker im Haus und die letzten paar Tage war ich ziemlich erkältet. Vor zwei Tagen ungefähr lief mir die Nase wie noch nie zuvor, also wirklich, wie ein offener Wasserhahn, aber das will sicher gar niemand wissen. Der abgebildete Muffin bzw. die abgebildete Madalena (so nennen sie die Spanier) wurde nach einem superguten Rezept (von mir zusammengebastelt) gebacken, das ich unbedingt mit Euch teilen möchte. Nee, ich fange jetzt nicht an!!!

Allen, die im vergangenen Jahr hier vorbeigeschaut haben, Dank und ein Bussi/Beso. 

Mittwoch, 16. März 2011

Habe ich da richtig gesehen?

Vorgestern ab 20.45 Uhr bei der ARD-Sondersendung zur Katastrophe in Japan, bei der Zuschauer anrufen konnten: Alle ExpertInnen waren Männer und alle TelefonistInnen waren Frauen? Es mag ja sein, dass kurzfristig keine Expertin für Erdbeben und Atomkraft zur Verfügung stand, aber es muss sich doch ein Mann auftreiben lassen, der in der Lage ist, einen Telefonhörer abzuheben, nur, damit das Ganze etwas harmonischer ausschaut. (Wir haben allerdings nur den ersten Teil der Sendung gesehen.) 
Die Gedanken weilen bei den Menschen in Japan, denen wir nicht anders helfen können als durch unser Gebet.

Montag, 14. März 2011

Unsere Familie hat Zuwachs bekommen


Und zwar in Gestalt eines Russischen Zwerghamsters. Auf der ausgezeichneten und sehr informativen Website www.hamsterinfo.de wird er als „Dsungarischer Zwerghamster“ bezeichnet.
Wir hatten schon einmal solch ein Tier, es trug den Namen Speedy. Zwerghamster sind supersüß, leider ist ihnen kein langes Leben beschieden.
Unser neuer Freund ist schon seit drei Tagen bei uns und hat noch keinen Namen. Er gehört meinem jüngsten Sohn. P. möchte durch Beobachten feststellen, wie das Tier heißt oder welcher Name am besten zu ihm passt. Der Name soll königlich sein, aber nicht der Name eines Königs, besonders klingen, aber nicht gekünstelt wirken. Aha. Vorgeschlagen wurden bisher von seinen Brüdern: Anonymus, gefällt aber nicht, und Romeo, was für einen alleinlebenden Macho etwas zynisch wirkt, Borat, wegen seiner kasachischen Heimat, Cäsar, Augustus, „Nichts, was mit Griechen und Römern zu tun hat“, und Hamlet. Natürlich ist die Namensgebung eine wichtige Entscheidung und die Idee, ihn erst einmal zu beobachten, nicht grundsätzlich schlecht, ich glaube aber nicht, dass wir damit rechnen dürfen, dass der Dsungar früher oder später ein Schildchen hochhält, auf dem ein Name steht.
Update: P. hat gerade erklärt, dass die Namensgebung noch heute stattfinden wird. Die Spannung steigt!
Das Ergebnis ist da! Der dsungarische Zwerghamster wird den Namen Rousseau tragen.

Freitag, 11. März 2011

Deutschunterricht

Wenn mich jemand fragt, was mir zum Deutschunterricht einfällt, den ich als Kind und Jugendliche genossen habe, dann fallen mir spontan zwei Wörter ein: "Arschlöcher" und "Dreck". Schlimm, nicht wahr? Ich bin nämlich kein sechzehnjähriger Schulabbrecher mit Migrationshintergrund, sondern eine achtundvierzigjährige Akademikerin. Alles, was ich im Deutschunterricht gelernt habe, habe ich schon in der Grundschule bei Herrn Hucke gelernt: Lesen, Schreiben, ein Aufsatz besteht aus Einleitung, Hauptteil und Schluss, Hauptwort, Tuwort, Wiewort. Einmal durfte jeder von uns eine Ansichtskarte schreiben und wir haben gelernt, wo die Adresse hinkommt und wie man den Text formuliert. Das muss in der zweiten Klasse gewesen sein. Das war toll, daran kann ich mich heute noch erinnern.
In den neun Jahren im Gymnasium kam dann nicht mehr viel dazu. Die ersten Jahre waren besonders schlimm, da wollte ich nämlich gut sein und habe mich angestrengt, trotzdem kam ich nie über eine Drei hinaus. Das war frustrierend. Aus dieser Zeit ist mir nur noch der Satz "Ein Hearing ist kein Hering" in Erinnerung, über den ich lange nachdachte (aus einem Schulbuch für bayerische Gymnasien). Ich wusste nicht, was ein Hearing ist. Es hat sich auch im Laufe des Unterrichts nicht aufgeklärt. Bei mir zu Hause wusste es keiner.
Aus dem Unterricht bei Frau Toth sind mir noch ihr fürchterliches Make-Up, ihre auf die Stirn gemalten Augenbrauen und das Wort "jambisch", das irgendwas mit Versen zu tun hat, in Erinnerung. Ich finde das Wort "jambisch" wunderschön, aber in dreißig Jahren ist es mir nicht gelungen, es in ein Gespräch einzuflechten.
Dann kam ein schleimiger Lehrer mit Bart, der immer auf der Kante seines Pults saß und breit grinste. Aus seinem Unterricht kann ich mich an nichts erinnern, auch nicht an seinen Namen. In einem Schuljahr hatten wir eine Lehrerin mit einem französischen Doppelnamen. Sie war ein extremer Kotzbrocken und kleidete sich im Stil der Fünfziger-/Sechzigerjahre. Nachdem ich mich einmal sehr bemüht hatte und einen meiner Meinung nach ganz tollen Aufsatz geschrieben hatte, auf den ich "Thema verfehlt" bekam, gab ich alle weitere Bemühungen auf. Für eine Drei reichte es immer. Die weiteren Jahre Deutschunterricht rauschten dann an mir vorbei. Ich erinnere mich, dass wir "Maria Stuart" gelesen haben und irgendwas von Dürenmatt. Textinterpretationen waren mir verhasst und davon gab es reichlich. Was will uns der Autor damit sagen, lautete die Frage. Ich dachte mir immer, lass doch den Text einfach so stehen, wie er ist, jeder denkt sich selber, was er möchte oder er denkt sich gar nichts. Nein, das durfte nicht sein. Alles musste ausgequetscht und zu Tode interpretiert werden. Wenn mir ein Text gefiel, konnte ich sicher sein, dass ich überhaupt keine Freude mehr daran hatte, wenn er erst einmal durch die Deutschlehrermühlen gedreht worden war. Und alle spielten bei diesem Spiel mit. Gerade die Gescheitesten in der Klasse taten sich bei diesem Mist diesen Übungen besonders hervor.
Nachspiel: Als ich Jahre später in Spanien studierte, wurde das berühmte Gedicht “Se equivocó la paloma” von Rafael Alberti behandelt (deutsch unter anderem als “Getäuscht hat sich die Taube” übersetzt. Ihr könnt es googeln, es ist ein schönes Gedicht, es lohnt sich. Man kann es sich auch auf Youtube von Ana Belén oder Joan Manuel Serrat (beide superberühmt) vorsingen lassen). Wie dem auch sei, ich wurde wieder einmal Opfer einer Textinterpretationssitzung. Das Gedicht bezieht sich auf den spanischen Bürgerkrieg, wurde als Vermutung geäußert, auf Albertis Exil, auf unerfüllte Liebe. Deutsche hätten sicher, wie damals üblich, auf den Holocaust getippt. Aber mir reichte es. Ich war mit der Schule fertig. Ich wollte anderer Leute Textinterpretationen nicht mehr hören. Ich meldete mich also und sagte: “Ich glaube, der Dichter will uns nichts Bestimmtes sagen. Er hat das einfach so geschrieben, weil es ihm so eingefallen ist.” In der Schule hätte ich damit nur empörte Blicke geerntet. Aber hier sagte einer, den ich als blitzgescheit und hochgebildet kannte: “Ja, das glaube ich auch.” Ich wäre am liebsten aufgestanden und hätte ihm die Füße geküsst. Naja, auf jeden Fall war ich sofort schwerst verliebt. Alles, was danach geschah, verschwimmt im Nebel. So geht’s im Leben.

Donnerstag, 10. März 2011

Risotto



Gestern sind mir im Supermarkt (wieder in Spain) gekochte und geschälte Kastanien begegnet, fast gleich daneben lagen Artischocken im Angebot zu 1 Euro das Kilo. Das nahm ich als Zeichen, endlich mal das Risotto nachzukochen, das mir im Clarke's (siehe Blogeintrag "Restaurant in London: Clarke's") so geschmeckt hatte. Die Bezeichnung auf der Speisekarte, nämlich "Pancetta and artichoke risotto with onion, celery, white wine, chestnuts, parsley and cavolo nero" enthielt ja praktisch schon das gesamte Rezept.
Die vakuumverpackten Kastanien trugen das Logo "Tierra de Sabor", einer Initiative des Landwirtschaftsministeriums von Castilla y León, das hochwertige regionale Produkte kennzeichnet. "Tierra de Sabor" bedeutet "Land des Geschmacks". Es steht auf Honig, Würsten, eingelegten Gemüsen und vielem mehr und ermöglicht mir als Verbraucherin, bewusst lokale Produzenten zu unterstützen. Hoffentlich ist noch eine Weile Geld für diese Kampagne da. Bei mir zumindest ist sie ein voller Erfolg.
Also, für das Risotto benötige ich außer den Kastanien, wie gesagt, Speck, Artischocken, Zwiebeln, Staudensellerie, Weißwein, Petersilie und theoretisch "Cavolo Nero", eine italienische Krautsorte, zu der ich keinen Zugang habe und die deshalb durch frischen Spinat vertreten wurde. Dazu Sahne und frische Gemüsebrühe (in meinem Fall frisch aus einem Brühwürfel, wo sonst hätte ich heute mittag Gemüsebrühe hernehmen sollen???)
Für vier Personen lasse ich als erstes 80 g sehr fein gewürfelten Speck in 2 Esslöffel Olivenöl aus und brate ihn knusprig. Dann entnehme ich ihn dem Fett und lege ihn auf Küchenpapier, wo er bis auf Weiteres verbleibt. Im selben Fett brate ich nun eine halbe Zwiebel und drei Stangen Staudensellerie, ebenfalls sehr fein gewürfelt, sowie gehackte Petersilie. Von den Artischocken waren bei Clarke's nur die kleingeschnittenen Böden im Risotto. Also schnitt ich von meinen Artischocken die Blätter weg, das tat mir aber gleich wieder leid, denn wir zuzeln eigentlich ganz gerne die Blätter aus. Zwei frische Artischockenböden fanden ihren Weg ins Risotto, die übrigen Artischocken hebe ich für morgen auf, dann werden sie gekocht und die Blätter in Soße getaucht und auslutscht. Ich machte dann noch eine Dose Artischockenherzen auf und verwendete diese. Ich muss Euch aber sagen, die Artischockenböden bei Clarke's waren meiner Ansicht nach nicht aus der Dose, so erklären sich vielleicht die Preise. Also, Zwiebel, Sellerie, Petersilie und Artischocken braten nun vor sich hin. Wenn sie glasig sind, kommt 1 Tasse Arborio-/Rundkorn- oder Paellareis hinzu (bei Clarke's war's Dinkel, aber Dinkel hatte ich auch keinen) und wird ebenfalls ein Weilchen angebraten. Dann lösche ich das Ganze mit einem Glas Weißwein ab. Das Risotto unterscheidet sich vom gewöhnlichen Reis ja dadurch, dass die Flüssigkeiten nach und nach unter Rühren hinzugegeben werden. Die nächste Flüssigkeit, die ich zugab, war eine halbe Tasse Sahne. Es folgten 1 1/2 Tassen Gemüsebrühe. Etwa fünf Minuten vor Ende der Kochzeit gab ich 150 g frischen Spinat und 150 g gedrittelte Kastanien dazu. Das Risotto ist fertig, wenn die Soße schön sämig (hmhmhm) und der Reis noch ein bisschen bissfest ist. Zum Abschluss bestreute ich jede Portion mit gebrutzeltem Speck. Dieses Essen ist echt schnell gemacht. Normalerweise hat man nur keine gekochten und geschälten Kastanien bei der Hand und die sind wirklich entscheidend für dieses Gericht. Wenn man den Speck weglässt - und der ist nicht so dringend nötig - ist das Essen auch noch vegetarisch. So, das ist die Hausfrauenversion von Clarke's Risotto.

Montag, 7. März 2011

Unsere Londoner Wohnung

Es wurde der Wunsch geäußert, einen Blick in unsere Londoner Wohnung zu werfen. Er sei hiermit gewährt:

Ein Blick in den Wohnbereich, links, und ein Blick in den Küchenbereich, rechts. Die Küche gehört zur Wohnungsausstattung. Die Möbel im Wohnbereich sind diesselben, die wir in New York hatten. Wer uns dort besucht hat, kennt sie ja.
Im Schlafzimmer haben wir die Toile de Jouy-Deko, die wir auch aus NY mitgebracht haben. Die verträgt sich natürlich überhaupt nicht mit dem Stil der Wohnung, deshalb auch kein Bild (Toile de Jouy ist dieser weiße Stoff, auf den einfarbige (in unserem Fall blaue) Schäferszenen aufgedruckt sind). Im Kinder- bzw. Gästezimmer stehen auch die bekannten Möbel. Die Bäder der Wohnung sind schick und wie die ganze Wohnung frisch renoviert. Ich habe auch Fotos gemacht, die aber leider nicht gut geworden sind (aus verschiedenen Gründen: vergessen, die Zahnbürstchen und das Duschgel aus dem Bild zu räumen, gegen die Glasscheibe der Duschkabine geblitzt etc.).

Sonntag, 6. März 2011

Fasan vom Lidl (+ Kloßrezept)



Also, ich muss gestehen, ich kaufe gerne die Enten, Fasane, Lammkeulen usw., also die Sonntagsbraten, vom Lidl. Ich finde die Qualität top. Ich weiß, ich weiß, wenn ich einen Fasan will, sollte ich ihn mir eigentlich selber schießen oder von Dir schießen lassen oder zumindest in einem tollen Laden kaufen, aber es ist eben so geschehen, dass ich einmal zufällig und probeweise bei Lidl eine gefrorene Ente erstand, die sehr gut war, woraufhin ich noch eine kaufte ... und dann einen Fasan ... und so bin ich in diese Spirale hineingeraten. 
Und dann habe ich ja diesen Römertopf, in dem alles so saftig bleibt und lecker wird ... Wer keinen Römertopf hat, dem möchte ich wärmstens empfehlen, sich einen anzuschaffen. Römertopf und Schnellkochtopf, das sind zwei Leistungsträger in meiner Küche. Für den Fasan, bei dem ja die Gefahr besteht, dass er zu trocken wird, setzte ich den Römertopf ein. Ich brauche dieses Tongeschirr gar nicht mehr einzuweichen, ich habe es schon so oft benutzt und es hat sich schon mit so vielen Säften vollgesogen, dass die Poren gar kein Wasser mehr aufnehmen. Wer aber einen neuen oder relativ neuen Römertopf hat, der sollte ihn unbedingt vor dem Benutzen wässern.
So, den Fasan, der aus Schottland stammte, hatte ich am Vortag der Tiefkühltruhe entnommen, damit er in Ruhe auftauen konnte. Leider war er nicht besonders gut gerupft, also war ich erst einmal eine Weile damit beschäftigt, das tote Tier in einen appetitlichen Zustand zu versetzen. Damit der Fasan saftig blieb, bestrich ich ihn mit einer Mischung aus 20 oder 30 g Butter (hab's nicht gewogen, es war ein Stück, das weder sehr groß noch sehr klein war), 2 Esslöffel Portwein, 1 Teelöffel Thymian, Salz und Pfeffer, die ich 30 Sekunden in die Mikrowelle stellte, damit sie sich besser verrühren ließ. Damit bestrich ich das Tier gründlich von außen und auch ein bisschen von innen und legte es in den Römertopf. Dazu kamen zwei geachtelte Äpfel. Oben drauf legte ich ein paar zerquetschte Wacholderbeeren. Nun goss ich noch 150 ml Portwein dazu. Deckel auf den Topf und auf die unterste Schiebeleiste des kalten Backofens stellen (Römertopf immer in den kalten Backofen!). 80 Minuten bei 200 Grad braten. Dann aus dem Backofen holen. Die Soße, die sich gebildet hat, in ein hohes Glas (Kölschglas) gießen und kalt stellen, den Fasan noch eine halbe Stunde im geschlossenen Römertopf außerhalb des Ofens stehen lassen. Währenddessen kann man sich ja um Vor- oder Nachspeise oder um die Beilagen (heute Wurzelgemüse, Rot- bzw. Blaukraut und Klöße) kümmern. Kloßrezept: Wer im Ausland lebt, hat oft keinen Zugang zu fertigem Kloßteig und darf deshalb feststellen, wie einfach es ist, diesen selbst zu machen. Ich koche 1100 g ungeschälte Kartoffeln bis sie weich sind. Es ist ziemlich wurscht, was es für eine Sorte ist. Dass es irgendeine bestimmte Sorte sein muss, ist ein Mythos, der von denen gepflegt wird, die Nachahmer abschrecken oder ihren fertigen Kloßteig loswerden wollen. Dann werden die Kartoffeln geschält und von mir durch eine Spätzlepresse gepresst, weil ich eine habe. Wer keine hat, reibt die Kartoffeln grob auf einer Reibe. Zu der Masse werden ein geschlagenes Ei und 125 g Mehl, eine große Prise Salz und eine winzige Prise Muskat gegeben, dann wird alles vorsichtig vermischt. Nicht fest kneten, einfach nur in eine homogene Masse verwandeln. Wenn das Ganze zu klebrig ist, noch etwas Mehl zu geben. Einen großen Topf gesalzenes Wasser heiß machen. Hände mit Mehl bestreuen, einen Kloß formen und in das knapp kochende Wasser legen und schauen, ob er hält. Er sollte halten, wenn nicht, noch etwas Mehl an den Teig geben und noch mal probieren. Ich mag die Klöße eher klein, so, dass jeder zwei oder drei essen kann. Fünfzehn Minuten im heißen, aber nicht sprudelnd kochenden Wasser ziehen lassen. Rausnehmen. Soße nicht vorm Fenster oder im Kühlschrank vergessen, sondern wieder rein bzw. raus holen, Fett vorsichtig abschöpfen, fertig. Fasan zerteilen und mit den Apfelstücken umlegt servieren. Dazu die Soße und die übrigen Beilagen servieren. Mein Fasan hatte 900 g und reichte für vier Personen.

Montag, 28. Februar 2011

Ich hab Ehrfurcht vor schneeweissen Haaren

Heute, Marks and Spencer, Queensway. An der Kasse bediente mich eine uralte Frau. Meiner Meinung nach war sie mindestens 75. Sie trug einen Anstecker mit der Aufschrift "M&S celebrating 125 years". So alt war sie, glaube ich, dann aber doch nicht.
P.S.: In der Überschrift vermeinte ich, Heino aus dem Gedächtnis zu zitieren. Ich habe mich dann aber noch einmal im Internet vergewissert. Die unvergessliche Zeile stammt von Bobbejaan Schoepen. Damit Ihr's wisst.

Donnerstag, 24. Februar 2011

Englische Küche

Fündig geworden! Ja, es stimmt, ich bin fündig geworden. Ihr wisst, ich bin jemand, der stets das Gute in jedem Menschen, an jedem Ort und in jedem Augenblick sucht (zumindest wäre ich das gerne) und ich konnte einfach nicht glauben, dass die englische Küche immer und grundsätzlich schlecht ist. Leute, wenn man von Stansted mit dem Express nach London reinfährt und kommt an grünen Weiden vorbei, auf denen glückliche Kühe und selige Lämmer grasen, an Teichen, auf denen muntere Enten schwimmen und an denen zufriedene Angler stehen, in deren Umgebung fette Gänse watscheln, vorbei an Gärten, in denen die schönsten Gemüse angebaut werden, an Obstbäumen, ja, sogar an einem riesigen Feigenbaum fährt man vorbei, an Wäldern, in denen sich zweifellos Wild tummelt ... England ist ein Land, in dem Milch und Honig fliessen. Hier friert es im Winter kaum, hier regnet es bis zum Abwinken, die Sonne verbrennt nix. Du meine Güte, hunderte von Kilometern Meeresküste mit den entsprechenden Meeresfrüchten ... und in diesem Land soll es nichts Gescheites zu essen geben????? Fortnum und Mason, die Lebensmittelabteilung von Harrods, Märkte wie der Borough Market ... die sind Weltklasse und mit all diesen Herrlichkeiten wissen die Engländer nichts, aber auch gar nichts anzufangen? 
Was hat das britische Weltreich dem Rest der Welt kulinarisch gebracht? Das Sandwich, ne? Und das mythische Lamm mit Minzsosse, das ich schon immer mal probieren wollte, das mir aber noch nie irgendwo begegnet ist. Ach ja, und die mad-cow disease. Wahnsinn! Und das Killer-Frühstück: das Full English Breakfast. Macht ihnen auf der Welt keiner nach, ich möchte wissen, wieso (triefende Ironie). Was für eine verheerende Bilanz!
Die englische Küche ist gesamtumfänglich hart am Rande des Geniessbaren. Echt? Man möchte es manchmal wirklich glauben. 
Ich hatte gehört, dass in England Gastropubs in Mode sind. Wir waren in einem. Ich bestellte mir ein Roast of the Day, das mit Tiefkühlerbsen, Dosenkarotten und einer Art Spachtelmasse, die die englische Bezeichnung "mashed potatoes" trug, serviert wurde. Dies erinnerte mich an einen besonders üblen Tag in der Mensa, in der ich als Studentin oft ass (meist gar nicht mal so schlecht). An einen Tag, an dem heftig diskutiert wurde, von welchem Tier das unsägliche Fleisch, das auf unseren Tellern gelandet war, wohl stammte. Ist schon über fünfundzwanzig Jahre her und mir wurde bis zu besagtem Tag im Pub nichts Vergleichbares serviert. Ich stocherte ein bisschen in meinem Essen herum, brachte aber praktisch nichts runter. Ihr fragt jetzt: "Warum hast Du denn nicht die Dosenkarotten gegessen?" und ich antworte: "Schon der Anblick des Fleisches hat mir den Appetit verdorben." Ihm fehlte die bratentypische Faserstruktur und mir ist keine Kochtechnik bekannt, mit der man Fleisch in diesen gallertartigen Aggregatszustand versetzen könnte. Der Geschmack gab auch keine Anhaltspunkte preis, denn das Roast of the Day schmeckte typisch englisch, nämlich nach gar nichts. Damit war das Thema Pub food gegessen (pun intended).
Und weiter: Habt Ihr schon einmal die Fertiggerichte von Tesco oder von Marks and Spencer probiert? Den Sheperd Pie und so? Ich finde es toll, dass die Hersteller auf Menschen Rücksicht nehmen, die salzarm essen sollen - und auf Menschen, die keine Zähne mehr haben. Das ist lobenswert. Aber es wird auch Rücksicht genommen auf Menschen, die keinen Muskat mögen, und keinen Thymian, keinen Pfeffer, keinen süssen oder scharfen Paprika, kein Rosmarin oder sonst irgendein Gewürz. Vielleicht geht die Rücksichtnahme eine Idee zu weit.
Glaubt nicht, dass ich mich von ein paar Fehlschlägen entmutigen lasse. Ich beschritt eben einen anderen Weg, nämlich selber kochen. Ich koche gern, Ihr wisst das. Ich kaufte mir das Buch "british food" von Mark Hix, das ich irgendwo im Angebot sah. Das erste Rezept, das ich ausprobierte, waren die Cucumber Sandwiches: Englisches Brot oder jedes beliebige andere Brot mit Frischkäse bestrichen und mit dünn geschnittenen Gurkenscheiben belegt, Salz und Pfeffer drauf, fertig. Naja, okay, dafür brauche ich kein Kochbuch, werdet ihr jetzt sagen. Stimmt, aber ich hatte es so noch nie gegessen (deutsches Brot mit Butter, Tomatenscheiben, Salz und Pfeffer aber schon und oft, lecker!) und dieses englische Sandwich, das man gegebenenfalls mit einer Scheibe Lachs und etwas frischem Dill zur vollständigen Mahlzeit aufmotzen kann, kommt auf jeden Fall in mein Repertoire für den Sommer. Gut ist auch die amerikanische Variante:  Brot mit Frischkäse bestreichen, darauf eine dünne Scheibe Salami und einen Berg Kresse. Hmhm. Aber gut, wir waren bei meinem englischen Kochbuch. Also, was ich noch nachgekocht habe, war ein Fischpie, der bei meiner Familie relativ gut ankam (ich musste das Rezept natürlich modifizieren, so viel Butter tu ich nirgendwo dran). Vielleicht werde ich Euch bei Gelegenheit mehr vom Fischpie erzählen. Vielleicht! Jetzt aber zurück zum eigentlichen Thema, nämlich der Tatsache, dass ich in Sachen gutes, englisches Essen fündig geworden bin. Und zwar an folgendem Ort:

Restaurant in London: Clarke's

Dieses Restaurant befindet sich in der Kensington Church Street, ein Stück westlich vom Hyde Park. Wer auf den Pfennig oder das Pfund achten möchte oder muss, ist hier falsch. Als wir dort vor zwei Tagen speisten, war gerade auch eine Cousine der Queen zu Gast (ich kannte bzw. kenne sie nicht, wurde aber darauf hingewiesen: "Heee, dort sitzt die Cousine der Queen", der Name fiel unserer Begleiterin allerdings nicht ein). Wir waren ja auch nicht zum Promi-Beobachten dort, sondern um uns angenehm zu unterhalten und um gut zu essen. Und was uns bei Clarke's serviert wurde, war überraschend gut: Ich hatte ein "Pancetta (Speck) and artichoke risotto with onion, celery, white wine, chestnuts, parsley und cavolo negro (dunkles Kraut)". Es war nicht mit Reis zubereitet, sondern mit Dinkel. Es war unglaublich cremig und würzig. Speck war nur ganz wenig dabei, ein paar knusprig gebackene Streifchen lagen oben drauf. Die Kastanien im Risotto waren eine perfekte Bereicherung. Die Konsistenz war genau richtig, dafür sorgte die ideale Mischung von Weisswein, Sahne und Gemüsebrühe. Ich würde 10 von 10 Punkten geben und das passiert bei mir nicht oft. Als zweiten Gang hatte ich ein "Grass fed Angus rib eye roasted with thyme, garlic butter and char grilled vegetables", also ein Steak mit Knoblauchbutter und gegrilltem Gemüse. Boah! Das Fleisch zerging auf der Zunge. Und war natürlich perfekt gebraten. Ziemlich roh, aber dieses Stück Fleisch schrie danach, genau so zubereitet zu werden. Die Knoblauchbutter schiebe ich normalerweise beiseite, in diesem Fall habe ich sie gegessen, sie passte einfach dazu. Auch hier 10 von 10 Punkten. Eigentlich wollten wir ja keine Nachspeise bestellen, aber dann taten wir es doch. Ich hatte einen "Sicilian style ricotta cheesecake with candied peel". Also, da muss ich sagen: ich backe meinen Käskuchen nach alter Mütter Sitte mit Magerquark und mein Käskuchen schmeckt praktisch gleich und hat auch die gleiche Konsistenz. Insofern war die Nachspeise für mich etwas enttäuschend, da es etwas war, was ich genauso zu Hause haben kann. Im Unterschied zu meinem hatte dieser Kuchen ein Teiggitter oben drauf und wurde halt allgemein schöner serviert, nämlich mit einem mit Puderzucker bestäubten Minzzweiglein obendrauf und mit einer Sosse aus verdünnter Orangenmarmelade.
Summa Summarum: Das Restaurant ist auf diese besondere Art, wie es viele "reiche" Leute mögen, schlicht. Es ist ruhig, gediegen und gemütlich. Es waren auch junge, aber keine sehr jungen Leute da. Für Familien mit kleinen Kindern ist dieses Restaurant ungeeignet, obwohl ihnen das Essen sicher schmecken würde. Pro Person muss man 45-50 Pfund rechnen, auch wenn man nur Wasser trinkt (wie wir es getan haben). Abends ist es noch deutlich teurer, habe ich mir sagen lassen. Zu den Preisen auf der Karte kommen 12,5 % Service charge hinzu. Würde ich wieder hingehen? Auf jeden Fall, mit meinem Gatten, wenn es etwas Besonderes sein soll, mit Besuchern, denen man beweisen möchte, dass englische Küche toll sein kann. In unserem Führer stand, dass die Küche "mediterran" ist. Das finde ich nicht, ich fand das Angebot durchaus englisch: beetroot cured Scottish salmon (mit roten Rüben gebeizter schottischer Lachs), Jerusalem artichokes (ein mir unbekanntes Wurzelgemüse), spring rhubarb sorbet (Rhabarber-Sorbet) ... das ist für mich alles nicht mediterran, aber mir scheint, dass mittlerweile "mediterran" zum Synonym für ordentlich zubereitetes Essen geworden ist.
P.S.: Auf der Speisekarte stand, dass die Besitzerin dieses Restaurants ein Kochbuch herausgegeben hat. Es ist im Laden gleich nebenan erhältlich. Ich begab mich also in den Shop, um das Buch in Augenschein zunehmen. Ich sagte zum Verkäufer: "Ich will es bestimmt nicht kaufen, ich will nur mal einen Blick reinwerfen" (auf Englisch, natürlich). Ich schaute kurz rein, setzte mich dann an ein Tischchen, um noch mal genauer reinzuschauen ... und verliess den Laden dann eben doch mit dem Buch. Ich werde Euch berichten.

Montag, 21. Februar 2011

Restaurant in London: Inamo


Das orientalische Restaurant "Inamo", das uns wegen seiner  Besonderheit, dem interaktiven Bestellsystem, empfohlen wurde, liegt in Soho. An jedem Platz ist ein Touchpad eingelassen, mit dem man sich auf dem Tisch die Speisekarte anzeigen lassen kann. Bilder der Gerichte, die man anklickt, werden von oben auf die Tischplatte projiziert. Wenn man bestellen möchte, so tut man dies ebenfalls per Touchpad. Man kann sich auch jederzeit ansehen, wie hoch die Rechnung ist, die bereits aufgelaufen ist, man kann den Kellner rufen, die Tischplatte individuell gestalten, also das darauf projizierte Hintergrundbild ändern, per Kamera in die Küche schauen, Spiele spielen und sich nach abgeschlossenem Mahl ein Taxi rufen. All dies ist durchaus witzig bzw. interessant.
Was haben wir gegessen? Die sehr gute Servicekraft empfahl uns, eine Vorspeise zwecks "sharing" zu bestellen. Wir entschieden uns für das Tuna Benito Maki für 8 Pfund. Es handelte sich dabei um mit Thunfisch und Mango gefüllte Röllchen (5 Stück). Ich freute mich schon auf die Geschmackskombination von Thunfisch und Mango, die ich noch nie probiert hatte. Die Makis, die dann kamen, waren winzig, die erwartete Geschmacksexplosion blieb aus, die Kombination von rohem Thunfisch und Mango schmeckte nach nichts, das muss man erst einmal hinbekommen. Als zweiten Gang hatte sich mein Gatte Mackerel with Asian Pesto (12,50 Pfund) bestellt. Als dann ein kleines Fischlein mit etwas Sosse kam, war er überrascht, denn er hatte sich seinen Hunger für den Restaurantbesuch aufgehoben. Mit einem raschen Klick auf den Touchpad bestellte er eine Portion Reis dazu, die auch prompt gebracht wurde. Mein Sohn und ich hatten das Set Menu, nämlich eine Lunch Box (8,50 Pfund), gewählt. Diese beinhaltete einen Praew Salad, der köstlich war. Ich muss mich unbedingt kundig machen, um was für ein Gemüse es sich dabei handelte (thailändisch). Ausserdem gehörten dazu Gyoza (kleine, gefüllte Teigtaschen), perfekt gebratene Entenbrust, Edamame (orientalische Bohnen) und Reis, alles richtig gut. Zum Nachtisch bestellte mein Gatte Creme Brulee (die Akzente schenke ich mir jetzt einfach mal, weil ich auf einem amerikanischen Computer schreibe, dessen Tastatur auf Spanisch umgestellt ist. Was auf den Zeichentasten steht, stimmt also nicht mit dem überein, was dann auf dem Bildschirm erscheint. Oder kurz: weil ich nicht weiss, wo die Akzente bei diesem Computer sind.). Die Creme Brulee (6,25 Pfund) war gut. Mein Sohn bestellte Thai Basil Panna Cotta with coconut foam, tropical fruits (war Mango) and coconut tuile (war wie eine dünn ausgewalzte Kokosmakrone) und dieser Nachtisch war hervorragend (5,25 Pfund). Sehr, sehr lecker. Ich werde nach einem Rezept dafür suchen und dies gegebenenfalls mit Euch teilen (sharing!). Das Panna Cotta schmeckte jedoch weniger nach Basilikum als vielmehr nach frischer Minze. Naja, wir werden sehen, wie ich das zum gegebenen Zeitpunkt umsetze.
Also, summa summarum: Das Restaurant hat Event-Charakter, das Publikum ist jung und hipp, für Familien mit kleinen Kindern ist es ungeeignet. Das Essen war gut. Am Tisch neben uns sassen zwei junge Frauen, die erst Cocktails bestellten, dann eine Vorspeise nach der anderen, dann Hauptgericht und Nachspeise. Sie hatten sichtlich Spass, aber dieser Spass kann teuer werden, denn zu allen Preisen kommen noch 10 % Servicecharge. Würde ich wieder hingehen? Ja, mit meinen Kindern, die noch nicht dort waren, aber nicht wegen des Essens, sondern wegen des Event-Charakters.
P.S.: In Soho gibt es ziemlich viele Fusion-Restaurants, zum Beispiel "Indian Tapas" usw. Mein Sohn meinte dazu: "Was ist wohl Japanese-Spanish-Fusion? Chorizo Teriyaki???" Hahahaha (den Gedanken an ein Stück Chorizo in Teriyaki-Sosse fanden wir witzig).

Mittwoch, 16. Februar 2011

Beobachtung in Zentralspanien

Ich fuhr heute durch ein Industriegebiet. An viel zu vielen Hallen hingen Schilder mit der Aufschrift "Se alquila" (sprich nicht "se allkwilla", sondern "seh allkilla"), deutsch "Zu vermieten", oder "Se vende" (sprich: "seh wéndeh"), "Zu verkaufen". An einer Halle hing ein riesiges Plakat mit der Aufschrift "Abierto" (sprich: abi-erto), deutsch "Geöffnet". Mannomannomann. 

Samstag, 12. Februar 2011

Lustiger Witz

Ein Nachbar zum anderen: "Haben Sie gehört, wie ich gestern nacht gegen Ihre Wand geklopft habe?"
"Ach, das macht nichts, wir waren auch nicht gerade leise." Hahahaha.

Donnerstag, 10. Februar 2011

Gelbe Motzis


Diese Nachspeise hat für unsere Familie besondere Bedeutung: Es sind die berühmten "Gelben Motzis". Mein ältester Sohn war etwa zwei, als er den Wunsch äußerte, seine Mutter möge "Motzis" zubereiten. Ich wollte meinem Ein und Alles seinen Wunsch natürlich erfüllen, dies gestaltete sich jedoch unmöglich, da ich nicht wusste, was Motzis sind.
"Was meinst Du denn mit "Motzis"?" fragte ich ihn.
"Motzis", antwortete er (er war zwei).
"Ich kann Dir aber keine Motzis kochen, wenn ich nicht weiß, was Motzis sind."
"Nur Motzis."
"Nudeln? Kartoffeln? Hackküchelchen?"
"Nein, nein, nein, nur Motzis."
"Gelberüben? Blumenkohl?"
"Gelbe Motzis."
Er begann zu weinen, mir blutete das Herz. 
"Irgendein Süßkram?"
"Nahihihin, Motzis."
Ich konnte ihm seinen Wunsch nicht erfüllen.
"Gelbe Motzis! Buhuhuhuuu."
Er war untröstlich. Und wenn ein Kind "gelb" sagt, bedeutet das ja auch nicht unbedingt "gelb", es kann auch rot oder grün oder knusprig gemeint sein. Ich versuchte es trotzdem mit dem Gelbsten, was mir einfiel: "Ich weiß, was Du meinst: Vanillepudding mit Bananen."
Erschöpft von unserer anstrengenden Konversation stimmte er zu. Mit dem Ergebnis war er zufrieden. So kamen die gelben Motzis auf unseren Speiseplan. Für die Zubereitung von 6 Portionen benötige ich 1 Päckchen Dr. Oetker Vanillepudding zum Kochen, 1/2 l Milch, knapp 3 Esslöffel Zucker, 1 Ei und drei große oder vier kleine Bananen. Ich bereite den Pudding nach Packungsanleitung zu, füge der Zucker-Puddingpulvermischung jedoch noch ein Eigelb hinzu, bevor ich sie mit Milch anrühre. Wenn der Pudding ein bisschen abgekühlt ist, gebe ich die in kleine Würfel geschnittenen Bananen dazu und hebe das zu Schnee geschlagene Eiweiß unter. Zum Abschluss reibe ich etwas Schokolade darüber. Lecker! Fast hätte ich es vergessen: Diese Speise genießt man lauwarm. Es gibt auch die Variante "Lilane Motzis", bei der die Bananenstückchen durch ein, zwei Hände voll Brombeeren ersetzt werden. Lilane Motzis isst man kalt.

Dienstag, 8. Februar 2011

Juhuu, unser Siebzehnjähriger hat es auf Anhieb durch den TÜV geschafft!

Ja, ich war heute mit unserem Auto, Baujahr 1993, 234.000 km, beim spanischen TÜV. Zuerst die Abgasuntersuchung: Ein gnädiger Prüfer beschied mich mit den Worten "Latte gestreift". Im letzten Jahr hatte ich, bzw. unser Wagen, die Latte noch gerissen und wir mussten in die Werkstatt, einen Filter auswechseln lassen.
"Höhertourig fahren, nicht so früh schalten, den Motor gelegentlich mal röhren lassen, ein Diesel braucht das", diese Empfehlungen gab er mir mit auf den Weg. Ich habe eigentlich das Gegenteil gelernt, nämlich früh schalten, niedertourig fahren. Er erklärte mir, der Wagen bräuchte einfach mehr Bewegung. Naja, da ist er nicht der einzige.
Alles Weitere, Lichter, Bremsen, Gurte, etc., war dann nur noch Formsache. Schön, nicht wahr?

Montag, 7. Februar 2011

Traubenstöcke bzw. Reben vermehren


So, dies ist nun mein zweiter Versuch, nachdem der erste im letzten Jahr gescheitert ist. Ich habe zwei Traubenstöcke im Garten: der erste stammt aus dem Gartencenter und trägt kleine weiße Trauben. Jedes Jahr erkrankt er an Mehltau und unsere Ernte an essbaren Trauben beträgt exakt 0. Ich weiß, ich könnte ihn schwefeln oder mit irgendwelchem Zeug behandeln, aber das möchte ich eigentlich nicht (oder modern: nicht wirklich, hihi). Der zweite Traubenstock trägt blaue Trauben. Sie sind etwas größer, haben eine ziemlich dicke Haut und ziemlich dicke Kerne, aber einen hervorragenden Geschmack. Diese Rebe, die wie ein Weltmeister trägt, ist ein Ableger eines Traubenstocks in Deutschland, der von meinem Urgroßvater stammt (mindestens) und bestimmt schon 100 Jahre alt ist. Diese Trauben erkranken nie, an nichts. Diesen Stock möchte ich nun vermehren.
Ich halte mich dabei an die Anweisungen von Josef, aus dem Königreich Flieden (wo auch immer das sein mag), der im http://www.gartenforum.de/ schreibt. Er empfiehlt (und ich kopiere, ich hoffe, das ist recht so): "Du schneidest in den Monaten Januar bis März von einem Weinstock die vorjährigen Triebe (hellen Triebe), die bereits verholzt sind, auf eine Länge von 4 - 5 Augen (es können ruhig mehrere sein), füllst ein größeres Gefäss mit einer Torf-Sandmischung (1:1), steckst diese Triebe mit mindestens zwei Augen in diese Mischung, dabei Wuchsrichtung beachten, und hälst das ganze immer schön feucht. Stellt man dieses Gefäß in ein Treibhaus oder ein anders geschütztes Eckchen und der Erfolg bleibt bestimmt nicht aus. Du kannst auch ein ganzes Bündel der oben genannten Triebe mit zwei bis drei Augen in ein Gefäß mit Wasser stellen und dies in eine dunklere Ecke. Auch hier kommt es zum Wurzeltreiben.
Nach dem Wurzelaustreiben bitte in Töpfe mit Erde pflanzen bis bis sich ein Wurzelballen bildet. Danach läßt sich der Stock zu beliebiger Jahreszeit an Ort und Stelle verpflanzen.
Viel Erfolg und mit gärtnerischem Gruß, Josef aus dem Königreich Flieden."
Danke für die Tipps, Josef.
Letztes Jahr versuchte ich, die beiden Tipps von Josef zu kombinieren (den mit der Erde und den mit dem Wasser) und steckte meine Ableger einfach in Matsch, den ich immer schön matschig hielt. Ist nichts geworden. Von mir könnt Ihr also lernen, wie man es nicht macht. Heuer werde ich versuchen, nicht so besserwisserisch zu sein und mich genau an seine Anweisungen zu halten. Ich werde Euch auf dem Laufenden halten!

Samstag, 5. Februar 2011

Oeufs bénédictes au saumon

Klingt das nicht viel eleganter als "Verlorene Eier mit holländischer Soße auf Lachs?"
Géraldine berichtet in ihrem wunderbaren Blog http://creationcoeuretpassion.blogspot.com/ von einem Brunch in New York (wo auch sonst), in einem Lokal mit einer "clientèle trendy", wo ihr besagtes Eiergericht serviert wurde. Dazu postet sie ein Bild, dass einem das Wasser im Mund zusammenläuft. Es ist mir nun leider verwehrt, das in Rede stehende Lokal in nächster Zeit aufzusuchen, aber die Oeufs...! Die sehen schon megaappetitlich aus, die will ich auch. Also habe ich sie mir selber gekocht. Heute gab's bei uns zum Mittagessen (wir sind keine Bruncher, wir brauchen unser Mittagessen) "Oeufs bénédictes au saumon":


 
Eigentlich ist dieses kleine Essen ganz einfach zuzubereiten. Ich hatte ein bisschen Angst, weil ich noch nie eine Hollandaise oder holländische Soße gemacht hatte (vielleicht ganz gut so, ist nämlich nicht gerade gesund), aber es war überhaupt kein Problem. Ich benötigte pro Person zwei kleine Scheiben Weißbrot, 50 g kanadischen Wildlachs (Klingt gut, gell? War aber vom Aldi), ein oder zwei Eier, je nachdem, wie groß der Hunger oder wie hoch der Cholesterinspiegel ist - aber bei diesem Essen ist eh Hopfen und Malz verloren -  die Hollandaise (Anleitung folgt) und etwas Kaviar (ich benutzte wie immer, wenn Kaviar angesagt ist, den spanischen Kaviarersatz der Marke Avruga, der sehr, sehr lecker schmeckt. Wer in Spanien ist, sollte ihn mal probieren, steht im Supermarkt im Kühlregal). Zuerst werden die Eier pochiert. Dazu fülle ich einen Topf gut eihoch (querliegendes Ei) mit Wasser und gebe fünf Esslöffel Essig dazu. Dann bringe ich das Wasser zum Kochen. Das Ei wird aufgeschlagen und kommt in ein Schüsselchen oder auf ein Tellerchen, von dem aus man es vorsichtig ins heiße Wasser gleiten lässt. Das Ei muss unbedingt frisch sein, sonst funktioniert es nicht, weil sonst das Eiweiß nicht beim Dotter bleibt. Es bleibt nun ungefähr solange wie ein Frühstücksei (der eine mag's flüssig, der andere mag's fest) im knapp kochenden Wasser. Dann wird es vorsichtig mit einem Schöpflöffel mit Löchern oder einem gewöhnlichen großen Löffel herausgeholt. Zwischenzeitlich wird auch das Brot getoastet.
Die Hollandaise habe ich so gemacht: Für vier Personen gab ich 2 Eigelb von extragroßen Eiern, 1 1/2 Esslöffel Zitronensaft sowie Salz und Pfeffer in eine Schüssel. Ich pürierte sie 15 Sekunden mit dem Pürierstab. Anschließend gab ich 90 g geschmolzene und kochend heiße Butter langsam unter ständigem Pürieren hinzu, pürierte weitere 30 Sekunden, fertig. Es geht also ungefähr wie Mayo, nur dass man statt Öl heiße Butter verwendet. Das Ganze war nun auch so fest wie Mayo, also zu fest für eine Soße. Ich gab noch zwei oder drei Esslöffel heißes Wasser hinzu, um sie wieder flüssiger zu bekommen. Das Gröbste war nun geschafft. Toast auf den Teller, Lachs auf den Toast, Ei auf den Lachs, Hollandaise drüber, mit Kaviar verzieren und auf den Tisch. Lecker!

Mittwoch, 2. Februar 2011

Indira - Hol de Radio

Es gibt Lieder, die sind einfach schlecht und deshalb uninteressant. Es gibt Lieder, die sind so schlecht, dass sie schon wieder interessant sind. Heute habe ich ein Lied gehört, das so schlecht war, dass es mir die Sprache verschlagen hat. Ich habe das neue Lied von Indira (dschungelcampprominent) gehört. Und ich gestehe, ich war voreingenommen: Ich beabsichtigte, es gut zu finden und hier kein Wort darüber zu verlieren.
Was ich dann auf youtube hörte,


überraschte mich zuerst, veranlasste mich dann, so ab der 25. Sekunde, zum Fremdschämen, schliesslich musste ich lachen. Bitte achtet auch auf den Text. Eine schöne Frau, eine schöne Stimme und ein Lied, das man mit Worten nicht beschreiben kann. Es ist ein Kunstwerk, hört es Euch an. (Wenn ich jetzt auf einen verfrühten Aprilscherz reingefallen bin, lösche ich diesen Text einfach wieder).

Schaut mal, was ich gefunden habe ...


Ja, Du siehst richtig, eine Tüte Knorr Ochsenschwanzsuppe (mit spanischer Beschriftung). Das letzte Mal, dass ich eine Knorr Ochsenschwanzsuppe gegessen habe, das muss fast dreißig Jahre her sein, da hat meine Mutter noch gelebt. Mein Bruder aß sie besonders gerne. Ich verbinde damit schöne Erinnerungen. Da ich gestern einkaufen war, habe ich viel frisches Zeug im Haus, aber wenn das aufgebraucht ist, werde ich die Suppe kochen. Ich freue mich schon darauf! Hoffentlich schmeckt sie so wie früher ...

Freitag, 28. Januar 2011

Arbeitslosigkeit in Spanien

Steht es mir als Hausfrau zu, mich zu diesem Thema zu äußern? Es steht mir als Mutter zu. Die Jugendarbeitslosigkeit, also die Arbeitslosenrate der unter 25-Jährigen, beträgt in Spanien 43,6 Prozent. Das ist Rekord in der europäischen Gemeinschaft. Glücklicherweise wird über diese wahrhaft gruselige Zahl nicht oft berichtet, nur heute, weil neue Daten veröffentlicht wurden. Die allgemeine Arbeitslosigkeit liegt bei 20,66 Prozent. Bei einer Einwohnerzahl von 47 Millionen sind 4,7 Millionen Menschen ohne Arbeit.
Das Thema, das in diesen Tagen am meisten diskutiert wird, ist jedoch die Erhöhung des Rentenalters von 65 auf 67 Jahre. Mitarbeiter in dieser Altersklasse sind anscheinend unersetzlich. Ein Schelm, wer das irgendwie anders interpretiert.
Mir ist heute aufgefallen, dass in unserem Ort die erste Bankfiliale zugemacht hat. Der Ort hat etwa 15 000 Einwohner und bis vor wenigen Tagen gab es 12 Bankfilialen. Von den sechs oder sieben Immobilienmaklern haben auch schon zwei oder drei zugemacht. Jetzt machen überall Obst- und Gemüsegeschäfte auf. Eltern, die genügend Kohle haben, richten diese für ihre geistig nicht allzu regen Kinder ein. Kinder, die gescheit sind, studieren einfach immer weiter. Noch ein Master, noch ein unbezahltes Praktikum, Sprachkurse, eine Doktorarbeit. Eine gut - ich will nicht sagen sehr gut - ausgebildete Generation steht vor dem Nichts. In unserem Supermarkt haben die Kassiererinnen BWL studiert, die Regale werden von Praktikanten kostenlos eingeräumt. Die zählen nicht zum Heer der Arbeitslosen. 

Lachs schnell

Wenn's mal schnell gehen soll: Lachssteak(s) salzen, pfeffern und mit etwas Dill bestreuen. Einen Tropfen Olivenöl in einen Teller, um ihn einzufetten. Lachssteaks drauflegen. Ein paar kleine Butterflöckchen auf den Lachs. Mit Frischhaltefolie abdecken, Löchlein in die Frischhaltefolie machen. Ab in die Mikrowelle. 3 Minuten bei 1000 Watt. Wenn die Mikrowelle weniger Watt hat, dauert es halt ein bisschen länger. Folie entfernen, mit etwas Zitronensaft beträufeln, fertig. Und man hat nicht mal eine Pfanne zu spülen!
Bedenke, dass man Lachs heutzutage nicht mehr so völlig durchbrät wie früher oder heute noch in Restaurants, wo es echt besser ist, wenn alles gründlich durchgebraten wird. In guten Lokalen wird man sogar wie bei Steaks gefragt, wie man den Lachs möchte. Lachs aus der Pfanne, der außen kross und innen fast roh ist - ich war ja am Anfang skeptisch, aber das ist guuut. Für diese Zubereitungsart muss der Fisch aber anders geschnitten sein, nämlich in Filet- und nicht in Kotelettform.
Also, den Lachs nur kurz in die Mikrowelle, dann kann man ja prüfen, wie er aussieht. Wenn er einem noch nicht gefällt, gibt man noch die eine oder andere Minute zu, wenn er aber erstmal vertrocknet und der Saft verdunstet ist, kann man dies nicht mehr gutmachen.  

Samstag, 22. Januar 2011

Ach, übrigens ... ich hatte die “Butterblümchen” gebacken



Vor Weihnachten stand in der Bild-Zeitung das Rezept für die Lieblingsplätzchen des Papstes. Es stammt von Agnes Heindl, der 85-jährigen Haushälterin seines Bruders. Rezepte von 85-jährigen Pfarrhausköchinnen können nicht schlecht sein, dachte ich mir und probierte es mal aus. Es handelt sich um ein einfaches Buttergebäck, dessen Besonderheit für mich darin liegt, dass der Teig zwischen zwei Plastikfolien dünner ausgerollt wird, als ich das normalerweise mache. Die Technik des Ausrollens zwischen Frischhaltefolien oder aufgeschnittenen Gefrierbeuteln kannte ich nicht, ich muss Euch aber sagen, ich bin davon begeistert und werde sie künftig auch für andere Plätzchen benutzen. Ich rolle Plätzchenteig eigentlich auf einer bemehlten Arbeitsfläche aus, wie man das schon immer gemacht hat. Dadurch werden die Plätzchen – besonders die letzten – natürlich mehliger. Durch die neue Technik wird das vermieden und es haftet auch kein Teig am Nudelholz an, also: Supi! und es funktioniert wirklich.
Das Rezept lautet wie folgt: Zutaten: 300 g Mehl, 185 g Butter, 90 g Zucker, 3 Eidotter. Zubereitung: Butter, Zucker, Eidotter gut schaumig rühren, das Mehl dazu geben. Teig ruhen lassen, ausrollen, ausstechen, bei mäßiger Hitze backen und noch warm in feinem Zucker wälzen. Das Geheimnis: Vor dem Ausstechen in einer Plastikfolie messerklingendünn ausrollen. Kaum aus dem Ofen (7-8 Minuten) ... in eine Lebkuchendose und in einen kühlen Raum.
Ich habe erst die Butter, die Raumtemperatur hatte, mit dem Handmixer schaumig gerührt, dann den Zucker dazugegeben, weitergerührt, dann die Eidotter dazugegeben, weitergerührt, dann das Mehl dazugegeben und idem. Dann wickelte ich den Teig in Frischhaltefolie und legte ihn über Nacht in den Kühlschrank. Am nächsten Tag rollte ich ihn wie oben beschrieben aus, stach die Blümchenförmchen aus und buk die Plätzchen sechs bis sieben Minuten lang bei 160 Grad (das ist für mich eine mäßige Temperatur). Dann legte ich sie kurz in Vanillezucker. Dadurch bleibt ein kleines bisschen Zucker haften, aber nicht zu viel. Der Butterduft in der Wohnung … hmhm, himmlisch!
Fazit: Leckeres, durch das dünne Ausrollen besonders feines Buttergebäck. Speziell für ältere Menschen geeignet (Geschmack wie früher, zergeht tatsächlich auf der Zunge, hat pro Stück nur halb so viele Kalorien, da nur halb so dick). Wird es in mein Standardrepertoire aufgenommen? Nein, denn es passt nicht zu meinem etwas gröberen Sortiment. Für den Transport (auch nach Rom an den Heiligen Stuhl) sind diese Plätzchen - im Gegensatz zum Beispiel zu einem Lebkuchen oder einem Betmännchen - besonders schlecht geeignet, denn sie sind sehr zerbrechlich.

Mittwoch, 12. Januar 2011

Heute morgen auf einem Amt ...

Heute um zehn vor elf auf einem Amt in S.: "Guten Morgen, ich hätte gerne mit Frau ... gesprochen."
"Oh, die ist gerade einen Kaffee trinken gegangen."
"Na, dann warte ich."
"Die kommt aber frühestens in einer halben Stunde wieder."
Soso ...

Freitag, 17. Dezember 2010

Bockwürste erhitzen

Bei der Zubereitung der Würste für den Heiligen Abend helfen Männer gerne. Die anspruchsvolle Tätigkeit bietet ihnen die Gelegenheit, ihr kulinarisches Können zu zeigen. Würstchen erwärmen ist gar nicht so leicht wie Hausfrauen vielleicht glauben. Das Wasser darf nämlich nicht kochen. Es sollte genau 70 Grad haben, das wissen Männer aus dem Internet, wo sie sich auf die Herausforderungen des Heiligen Abends vorbereitet haben.
Viele Hausfrauen glauben, dass Wasser 70 Grad hat, wenn es richtig heiß ist, aber nicht kocht. Männer können angesichts solch unwissenschaftlicher Herangehensweise nur müde lächeln. Wofür gibt's denn Thermometer? Gut, ein geeignetes Thermometer ist im Haushalt nicht vorhanden oder nicht auffindbar (Raumthermometer und Fieberthermometer tun's nicht), aber man kann doch rasch in die Stadt fahren und eins besorgen, oder? Dann ist Mann zwar stundenlang nicht zuhause, aber die letzten Vorbereitungen kann die Hausfrau ja auch wirklich alleine erledigen.
Wenn das Thermometer dann da ist, ist Mann zur Tat bereit. "Schatz, wo ist denn der große Topf?" Schatz holt den großen Topf, stellt ihn unter den Wasserhahn und befüllt ihn. Mann stellt ihn auf den Herd, schaltet den Herd an, stellt sich mit dem Thermometer in der Hand daneben. Schatz deckt den Tisch, füllt den Senf ins Steinguttöpfchen, legt die Brezel und das Brot in den Brotkorb, rührt den Kartoffelsalat noch einmal durch, stellt alles auf den Tisch, holt die Getränke im Keller und begrüßt die Gäste.
"Schatz, das Wasser hat jetzt 67,5 Grad. Wo sind denn die Würstchen?"
Schatz holt die Würstchen aus dem Kühlschrank, packt sie auf und legt sie neben den Herd.
"Das Wasser hat jetzt 70 Grad", erklärt Mann den Gästen, die sich mittlerweile in der Küche eingefunden haben, um den Gastgeber zu begrüßen und der Meisterklasse beizuwohnen. "Das Wasser muss genau 70 Grad haben, nur so werden die Würstchen perfekt. Schatz, wir hatten da doch mal so eine Zange ...". Schatz holt die Zange. Mann befördert mit der Zange ein paar Würstchen ins Wasser, Schatz wirft den Rest mit den Händen hinterher. Die Gesellschaft steht bewundernd um den Topf.
Nach zehn Minuten entnimmt Schatz die Würstchen wieder und serviert sie, denn Mann hat sich mittlerweile mit den Gästen zu Tisch begeben. Er lächelt stolz. Durch sein kundiges Tun sind die Würstchen wieder einmal perfekt geworden.

Menü für Heiligabend

Bei uns gibt es an Heiligabend Bockwürste oder Wiener Würste und Kartoffelsalat. Diese Tradition stammt sicher aus der Zeit, als meine Mutter am Heiligen Abend noch bis in den Nachmittag hinein arbeiten musste. Es ist einfach das Praktischste. Man muss sich nicht wegen des Essens verrückt machen und hat Zeit für andere, wichtigere Dinge. Den Kartoffelsalat kann man schon am Vortag machen. Die Würstchen sind schnell heiß gemacht. Man muss sich keine Gedanken machen und allen schmeckt's.

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Mittwoch, 15. Dezember 2010

Unser neues Sofa ist da!


Ja, wir brauchten ein neues Sofa, das alte in unserem Fernsehzimmer sah nämlich so aus und war völlig durchgesessen:


Konsens war, dass das Sofa “englisch” aussehen sollte, also gemütlich, wie in einem englischen Club. Nicht, dass wir schon einmal in einem englischen Club gewesen wären und wüssten, wie die Sitzmöbel dort aussähen, aber es sollte eben so aussehen, wie man sich die Sofas in englischen Clubs vorstellt, also braunes Leder. Ich durchforstete mehrere Möbelhäuser, aber ich fand nichts, was mich überzeugte. Der Möbelmarkt ist hier mittlerweile aufgespalten in billigen Schrott (90 %) und teueres Designerzeug, die Mittelklasse ist kaum noch vertreten. Unser altes Sofa war billiger Schrott und trug außerdem in den letzten Jahren noch einen waschbaren Schonbezug. Es war das Sofa, auf dem man Joghurt essen durfte und tropfendes Eis und Salamibrote, auf dem es keine Einschränkungen gab. Nun wollten wir aber ein hochwertigeres Möbelstück. In den letzten Jahren ist hier viel Werbung für “Stressless” gemacht worden, also schaute ich mir als erstes die Stressless-Sofas an. Vom Aussehen her entsprachen sie nicht ganz meinen Vorstellungen und die Preise waren einfach horrend, so um die 4500 Euro (bedenkt, dass ein Preis von 4500 Euro allein fast 750 Euro Mehrwertsteuer beinhaltet, dass man also fast 750 Euro abdrücken muss, um das 3750 Euro teure Sofa erwerben zu dürfen). Dazu wäre beim Stressless außerdem ein separates Fußteil gekommen, auf dem sich bei uns in null Komma nichts Zeitschriften ansammeln würden und das damit lästig zu benutzen wäre.
Im Internet fand ich dieses Sofa von Roche-Bobois, das unseren Anforderungen mehr oder weniger entsprach:


Ich rief im Roche-Bobois-Laden an, ob das Sofa vorrätig sei und man mal probesitzen könne. Es war nicht vorrätig und man konnte nicht probesitzen. Man hätte es aber bestellen und kaufen können. Neee. Wir saßen auf einem anderen Roche-Bobois-Sofa probe, nämlich diesem, dem Mah Jong, das nach meinem Dafürhalten schauderhaft aussieht und höchstens für ein Kinderzimmer oder die Wohnung sehr junger Menschen geeignet ist (die gewiss kein Geld dafür haben, denn es ist teuer).


Es ist überraschend bequem, sehr bequem sogar, aber wer will denn so etwas zwanzig Jahre lang anschauen? Naja, man gewöhnt sich an alles. Irgendwann mal wird es wahrscheinlich ein Designer-Kultobjekt sein.
Unser altes Sofa war mittlerweile schon so durchgesessen, dass man nur noch quer drauf sitzen konnte. Die Sitzfläche war so weit abgesackt, dass sich die Holzlatte vorn in die Kniekehlen grub.
Wir probierten es mal in Medina del Campo. Medina del Campo ist eine kastilische Möbelstadt. Sie hat 22.000 Einwohner und über 30 Möbelgeschäfte. An jenem Tag begleitete mich zufällig mein Mann. Gleich im zweiten Laden geschah es: Ein Strahlen glitt über sein Antlitz. Wir waren fündig geworden. Wir kauften nicht sofort. Nach einem Tag Bedenkzeit riefen wir jedoch an und bestellten, vier Wochen später wurde schon geliefert.
Was sagt Ihr dazu? Auf Bild 1 diskret und englisch, auf Bild 2 completely over the top. Mit einem Hebel an der Seite kann man das Fußteil hochstellen (Zeitschriften können sich nicht ansammeln, da man es zum Aufstehen wieder runterklappen muss!), außerdem gibt es eine Liegeposition. Die mittlere Lehne kann man herunterklappen, sie bildet dann ein Tischchen. Das Leder ist dünn, weich und anschmiegsam, man kann kaum glauben, dass es richtiges Leder ist (ist es aber). Jetzt brauchen wir noch ein schönes Tischen für rechts daneben und müssen den Rest unseres Fernsehzimmers ein bisschen an das neue Sofa anpassen.
 

Montag, 13. Dezember 2010

Lebkuchen - altes Familienrezept



Das folgende, traditionsreiche Lebkuchenrezept stammt aus der Familie meiner Oma, die man hier im Kreise ihrer neun Geschwister, Eltern und Großmutter sieht. Meine Oma ist die zweite von links in der ersten Reihe. Das Bild stammt nach meiner Schätzung aus dem Jahr 1928.
So sehen die Lebkuchen im Jahr 2010 aus (wobei ich sagen muss, dass sie heuer so gut geworden sind wie nur selten zuvor. Wir haben zu dritt daran gebacken und das Sprichwort "Viele Köche verderben den Brei" Lügen gestraft):


Für die Lebkuchen benötige ich 500 g Honig (im Originalrezept heißt es Kunsthonig, aber in unserer heutigen Zeit kommt man leichter an natürlichen Honig als an Kunsthonig, er ist auch billiger und schmeckt besser), 500 g Farinzucker (braunen Zucker), 250 g Margarine, 1 kg Mehl, 4 Backpulver, 4 Vanillezucker, 6 Eier, 400 g gemahlene Walnüsse (oder Haselnüsse), 100 g Orangeat, 200 g Zitronat (im Originalrezept steht vor Orangeat und Zitronat “gegebenenfalls”, ich nehme an, beides war in der wechselvollen Geschichte nicht immer verfügbar), gemahlene Nelken, Muskat, Pfeffer, Zimt, Kardamon, Rum, Zitronenaroma (wer es sich einfach machen möchte, nimmt statt der einzelnen Gewürze einfach 2 Päckchen Lebkuchengewürz).
Zubereitung: Zucker, Honig und Margarine aufkochen, verrühren, auf Raumtemperatur oder etwas wärmer abkühlen lassen. Mehl mit Backpulver und Gewürzen mischen, unter die Honigmasse rühren. Eier, Nüsse, Orangeat und Zitronat sowie Rum zugeben. Kräftig rühren, aber nur solange, bis alles gut vermischt ich. Auf Oblaten setzen (das geht am besten mit einem Eisbällchenportionierer (4,3 cm Durchmesser, nicht so ein Riesending)). 20 Min bei 175º C backen. Nach dem Erkalten mit Schoko- oder Zuckerguss bestreichen. Eventuell noch eine halbe Nuss oder eine Mandel draufsetzen. Das Rezept reicht für etwa 80 Lebkuchen (Beachtet die Größe der Familie!). Man kann’s ja auch halbieren. Ich backe aber 80 Lebkuchen. Ein paar werden verschenkt, der Rest hält in einer Metallschachtel wochenlang. Zu einem schönen warmen Milchkaffee sind diese Lebkuchen ein Genuss und eine Stärkung für Körper und Seele.

Sonntag, 12. Dezember 2010

Ich lasse meine Plätzchen nicht länger beleidigen!


Hier in Spanien, wo selbstgebackene Weihnachtsplätzchen Seltenheitswert haben, habe ich eine Bekannte, die sehr auf ihre Linie achtet. Beim letztjährigen Adventskaffee mit einem schönen, bunten Plätzchenteller, ging das so: “Für mich nur ein Viertel von einem Lebkuchen. Die machen ja sooo dick”, “Ich nehme mir mal ein Eckchen von einem Vanillekipferl. Die haben so viel Zucker, das will ich mir nicht antun”, “Buttergebäck? Um Gottes Willen! Das Cholesterin!!!”, “Du nimmst noch einen Lebkuchen? Ja, dir sind dein Gewicht und dein Aussehen egal … auch eine Lebenseinstellung.” So ging das die ganze Zeit. Das verdirbt mir die Freude an meinen Backwaren. Vielleicht möchte ich den Gästen noch ein paar Plätzchen für ihre Familien zuhause mitgeben, aber das traue ich mich dann gar nicht, angesichts der gesundheitlichen Gefahren, die davon ausgehen.
Das letzte Mal, als sie bei uns zum Essen (zum Grillen) eingeladen war (und das letzte Mal für viele Jahre), ging das so: “Für mich nur ein halbes Bratwürstchen, die machen ja sooo dick”, zu einem anderen Gast: “Wenn ich das Steak auf deinem Teller nur ansehe, steigt schon mein Harnsäurespiegel”, zu einem älteren Herrn: “Ein Holzfällersteak trotz Bypass? Ist das mutig oder schon tollkühn?” Die Dame ist sehr dominant und niemand wagt, ihr etwas zu sagen.
Ja, und nun ist wieder die Zeit für den Adventskaffee gekommen. Ich lud sie diesmal allein ein. Auf den hübschen Plätzchenteller legte ich ein paar Spekulatius von Lidl (die sind recht gut). Fertig. Ihr hättet ihr Gesicht sehen sollen. Ein Gedicht … “Hast du dieses Jahr keine selbstgebackenen Weihnachtsplätzchen???”, “Nööö”, (zumindest nicht für dich).



PS: Die in Rede stehende Dame sagte mir später: "Ohne Deine selbstgebackenen Plätzchen ist es für mich gar keine richtige Vorweihnachtszeit." Das fand ich rührend.
Sie raffte sich sogar auf und backte - vollkommen unspanisch - selbst Plätzchen. Wenn das kein Kompliment für unsere deutsche Weihnachtsplätzchentradition ist! 

Freitag, 10. Dezember 2010

Schneller Salat 1



Dieser Salat wurde uns von einer kanadischen Hausfrau serviert und er war so lecker, dass er seitdem zu meinem Standardrepertoire gehört. Hier ist meine Version: Ich benötige eine Vinaigrette (oder, wenn es superschnell gehen soll, ein Päckchen Knorr Salatkrönung, Geschmacksrichtung Paprika, damit schmeckt es am besten. Ich verwende etwas weniger Öl und etwas mehr Wasser als auf der Packung angegeben). In die Salatsoße gebe ich eine Handvoll getrocknete Cranberries. Diese Mischung zieht, während ich einen Mozarella in kleine Würfel schneide und einen oder zwei Beutel fertig gewaschene Mesclun-Salatmischung (150-200 g) in eine Salatschüssel gebe. Salat, Mozarella, Cranberries und Soße mischen, fertig.
Wenn man die Salatkrönung nicht erst irgendwo hinten unten im Schrank suchen oder die Cranberries halbieren muss, weil sie zu groß sind, sollte dieser Salat in max. 4 Min. auf dem Tisch stehen.

Mittwoch, 8. Dezember 2010

Nikolaus

Ich habe es nicht vermocht, meinen Kindern das Nikolausfest in geeigneter Weise näherzubringen. Und ich erinnere mich auch, wie das kam: Mein ältester Sohn war vielleicht drei oder vier Jahre alt, als ich ein Gespräch mit folgenden (oder ähnlichen) Worten eröffnete: ”Bald kommt der Nikolaus.” Und er antwortete mir (so oder so ähnlich): ”Wer ist denn das?” Ich entgegnete: ”Es ist ein heiliger Mann, der am Nikolausabend kommt und guten Kindern kleine Geschenke bringt und böse mit einer Rute haut.”“Woher weiß denn der Nikolaus, welche Kinder gut sind und welche böse?” Das war die kritische Stelle in unserem Gespräch. Hätte ich mich für folgenden Verlauf entschieden: “Weil ihm eure Mutter das mitteilt.” wäre es weiter gegangen mit: “Wie denn? Wie kontaktierst du denn den Nikolaus? Schriftlich? Mündlich? Fernmündlich?”, so etwas war bei meinem kleinen Inquisitor absehbar. ”Wenn du mich belohnen oder bestrafen willst, warum musst du dann einen unbeteiligten Dritten dazwischenschalten?” wäre es weitergegangen. Da ich also meinen Pappenheimer zu kennen glaubte, entschied ich mich für: “Der Nikolaus sieht alles und weiß alles.” Das war ganz falsch. Entsetzen breitete sich auf dem kleinen Gesichtchen aus. “Der beobachtet mich immer?”“Öhhh, ja.”“Das will ich nicht.”“Du bist doch immer brav, dir kann es doch egal sein.”“Ich will nicht, dass der mich beobachtet. Ich will auch kein Geschenk von dem. Der soll nicht kommen.” Ich ruderte sofort zurück, erzählte die Geschichte vom Heiligen Nikolaus, dem Bischof von Myra, an den man erinnert, indem Äpfel, Nüss’ und Mandelkern verschenkt werden, aber es war zu spät. Die Figur des Nikolaus blieb suspekt, sein Besuch war nicht erwünscht.
Akzeptabel war, dass “jemand” die Haustür lärmend öffnete und schloss, “hohoho” rief, Nüsse prasselnd in den Hausflur warf und ein paar Leckereien hinstellte, aber, wie gesagt, auf den Nikolaus hat sich hier keiner gefreut. Leider.
P.S.: Um kleinen Kindern die Präsenz der zahlreichen weißbärtigen, rot gekleideten Herren in den Innenstädten zu erklären, habe ich von entfernten Bekannten gehört, dass sie zwischen dem heiligen Nikolaus, dem belohnenden und bestrafenden, und den Weihnachtsmännern, die nur beim Weihnachtsbetrieb helfen, unterscheiden. Das fand ich ganz sinnvoll.

Montag, 6. Dezember 2010

Unser Weihnachtsschmuck



Ja, ich weiß, es ist noch viel zu früh, aber aus logistischen Gründen sahen wir uns gezwungen, bereits an diesem Wochenende für Weihnachten zu dekorieren. Gefällt Euch unsere gemütliche Advents- bzw. Weihnachtsecke? Auf dem roten Sessel sitzen wir normalerweise, wenn wir länger telefonieren. Es ist unser Telefonier- und Lesesessel. Die Schaffelle liegen da ganzjährig. Ich gehöre zu den wenigen, die auch im Auto ihren Sitz noch mit Schaffell bezogen haben, auch ganzjährig, auch in Spanien. Wie diese Sitte je außer Mode kommen konnte, ist mir unbegreiflich. – Felle sind doch sooo angenehm. Ich habe noch niemanden sagen hören: “Nimm doch bitte das Fell weg, bevor ich mich hinsetze, ich mag das nicht.” Aber ich schweife ab.
Bei unserem Christbaum handelt es sich, wie Ihr sicher auf den ersten Blick erkannt habt, um einen Mehrwegbaum. Der Strohstern oben drauf stammt vom Münchner Weihnachtsmarkt, ebenso wie der Weihrauch vom Typ “Pontifikal”, dessen Schwaden durch’s Foto ziehen. Die Schleifen am Baum habe ich mit einer lieben Freundin gebastelt. Beim Dekorieren kommen viele schöne Erinnerungen auf. Der Engel, der an der Fensterklinke hängt, sollte eigentlich mitten vor der Fensterscheibe hängen, damit er schön leuchtet. Ich habe aber im Moment keinen geeigneten Faden, um ihn so aufzuhängen, wie mir das vorschwebt (no pun intended, haha).
Vor der roten Kiste links vom Baum auf dem Möbel stand ich eine Weile (in dem Ramschladen “Casa”) und überlegte, ob ich sie kaufen sollte oder nicht, denn es fiel mir keine Verwendung dafür ein. Aber sie war sooo süß … sie ist mit rotem Stoff bezogen, der Deckel ist gepolstert und mit gestricktem Material überzogen. Sie stammt aus China und war daher voll billig. Also ging ich nach ein paar Tagen zurück und kaufte sie doch. Sie beinhaltet nun Streichhölzer, Weihrauch, Teelichter, Kerzchen u.ä.
Und ja, das Krippchen (auf dem Möbel, unter der Palme) steht auch schon, ich schäme mich, ich mag das nicht, wenn die Weihnachtssachen zu früh rauskommen. Zu diesem Zeitpunkt befanden sich Maria und Joseph sicher noch in Nazareth, womöglich war noch nicht einmal der Befehl des Kaisers Augustus ergangen, dass sich ein jeder in seine Stadt begeben solle.
Auf dem Kaminsims steht eine kleine Weihnachtspyramide. Es stimmt, sie sind brandgefährlich. Aber auch die reifere Jugend liebt den Anblick, wenn die heiligen drei Könige und ihre Kamele (auf dem äußeren Rand) mit einem Affenzahn vorwärts oder rückwärts um die Heilige Familie (in der Mitte, feststehend) kreisen. Ist kurz lustig, dann wird die Pyramide sofort wieder ausgemacht. Ja, natürlich könnte man sie auch so einstellen, dass die Post nicht so extrem abgeht, aber das Beaufsichtigen einer Weihnachtspyramide ist schon stressig und Stress wollen wir ja in der Heiligen Zeit vermeiden.
Als ich die winterlichen Kissen auf’s Sofa legte, hatte ich irgendwie das Gefühl, ich hätte sie gerade erst weggeräumt. So schnell vergeht die Zeit …