Sonntag, 20. Juli 2014

X. Aus meinem Garten

Wie ich Euch in meinem Eintrag über unsere Reise nach Sevilla erzählt habe, gab es dort sehr viele wunderbare Orangenbäume als Straßenbäume. Die Orangen sind zum Verzehr nicht geeignet, es sind Bitterorangen, ihre Blüten duften aber köstlich. Ich hob mir zwei Früchte vom Boden auf und nahm die Kerne mit nach Hause. Ich hatte das riesengroße Glück, im Internet einen 65-seitigen, wissenschaftlichen Bericht über die Orangen Sevillas zu finden, der vom Umweltamt der dortigen Stadtverwaltung erstellt worden ist. Wenn Ihr ihn einsehen wollt, hier klicken, ist aber auf spanisch. Aus diesem Bericht erfährt man so ziemlich alles über die in Rede stehende Frucht. Zuerst die beste Nachricht: DIESE ORANGEN SIND SORTENECHT!!! So nennt man das, glaube ich, wenn man die Bäume aus Kernen ziehen kann und sie nicht veredeln muss. Für alle, die hier gelandet sind, weil sie bei Google eingegeben haben "Orangenbäume aus Kernen ziehen": Man kann DIESE Orangen, bei denen es sich, genauer gesagt, um Pomeranzen handelt, aus Kernen ziehen, andere müssen veredelt werden. Man sät die Kerne im zeitigen Frühjahr, steht im Bericht, und es dauert zwanzig bis sechzig Tage, bis sie keimen. Ich habe sie nicht im zeitigen Frühjahr gesteckt, sondern vor ungefähr dreißig Tagen. Da sprießt nix und ich glaube, da kommt auch nix mehr. Ich gieße sie täglich und sprühe sie zwei-, dreimal täglich mit dem Frufru ein (unsere Perle nennt Sprühflaschen Frufrú (Betonung auf dem zweiten u), ich finde das so lustig, ich habe es übernommen). Ich hatte 19 Kerne, die Erde ist eine Mischung aus Blumentopferde und Sand, die ich in einen Eierkarton gab, der auf einem Plastiktablett steht, auf das ich das Wasser gieße. Also Frufru von oben, Gießwasser von unten. Ich glaube, es wird nix. Und ich habe mir schon überlegt, was ich mit meinen 19 Pomeranzenbäumen machen soll. Ich wollte unseren Wintergarten/das Gartenzimmer in Orangerie umbenennen! Wissen die Kerne, dass jetzt nicht zeitiges Frühjahr ist? Wie wollen die das denn wissen? Merken die, dass die Tage kürzer statt länger werden? Und denken dann: So nicht! Zeitiges Frühjahr haben wir gesagt und nicht Sommer! 
Jetzt mal ehrlich: Woher wollen die Kerne denn wissen, welche Jahreszeit es ist??? Es kann ihnen doch wurscht sein, ich pflege sie gut.
Noch was Interessantes, das im Bericht steht: Aus diesen sevillanischen Bitterorangen wird die berühmte englische Marmelade gemacht, fast die gesamte Ernte wird nach England exportiert. Man kann die Schalen auch kandieren (Orangeat wird aus Bitterorangen gemacht) und ich vermute mal, auch zum Backen verwenden. Vielleicht keimen sie ja doch noch. Wenn Ihr irgendwas über Pomeranzen wissen wollt (Düngung, optimale Erde, etc.) und kein Spanisch könnt, dann sagt es mir, dann schaue ich es für Euch im Bericht nach.
Ihr fragt Euch jetzt vielleicht: Gehen die botanischen Experimente der Hausfrau eigentlich immer alle in die Hose? Und die Antwort lautet ganz klar: Nein!!! Manche sind erfolgreich und manche nicht, wie das halt so ist im Leben. Ich zeige Euch mal ein paar Sachen in unserem Garten (alle Fotos von heute): Mein größter Erfolg: Die Trauben tragende Tanne.

Was hat es mit der auf sich? Ich hatte diesen Traubenstock, der an einer theoretisch günstigen Stelle stand und jedes Jahr irgendwelche Krankheiten hatte. Irgendwann war ich es leid und pflanzte ihn in eine völlig dunkle Ecke und dachte: so, hier kannst du machen, was du willst. Er wollte sich an eine benachbarte Tanne schmiegen, wuchs an ihr empor, hatte keine Krankheiten mehr und trug fleißig. Wer also fragt: Ist eine Tanne als Rankhilfe für einen Traubenstock geeignet? JA!
Und da wir gerade beim Thema Trauben sind:
Aus einem in Wasser gestellten Ästchen gezogen (ist eine andere Sorte als oben).
Die Mama von obigem Traubenstöckchen, die ihrerseits von einem Traubenstock meines Urgroßvaters stammt. Geht aber auch nicht mit allen Traubensorten. Viele müssen veredelt werden.
So, und nach den Erfolgen mal wieder ein Fehlschlag: 
Jemand hat mir erzählt, dass Zucchini nur Wasser und Sonne zum Wachsen benötigen. Also setzte ich ein paar Pflanzen an Stellen, an denen der Rasen schlecht wächst, weil der Boden so schlecht ist. Werden nix, Zucchini brauchen zum Wachsen mehr als nur Wasser und Sonne.
Und wieder ein Erfolg: 
 Meine tausendjährige Eiche 4/996. Foto von heute.
Mein Weihnachts- oder Osterkaktus. Dieses Ding ist viele Jahre alt. Es stand im Haus und blühte nie. Letzten Herbst dachte ich: raus mit dir, du faules Ding. Friss oder stirb.
Er verbrachte den Winter also im Freien, direkt am Fenster des Arbeitszimmers. Er überlebte und blühte im späten Frühjahr wie bekloppt. Merke für nächsten Winter: Draußen, aber vor Frösten geschützt.
 Brombeeren, gezogen aus einem im Boden bewurzelten Ästchen. Rekordernte vor ein paar Jahren: 11 kg.
Oleander. Foto von heute, gestern hatten wir ein Unwetter, bei dem die Blüten gelitten haben. Abgeschnittenes Ästchen in ein Glas Wasser gestellt, irgendwann kamen Würzelchen. Bei dieser Vermehrungsmethode muss man echt Geduld haben. Und manchmal wird es natürlich auch nichts, wie zuletzt bei den Ästchen einer besonders guten Minze, die mir eine Freundin gegeben hatte. Obwohl Minze normalerweise eine sehr sichere Bank ist, gingen die Ableger sang- und klanglos ein.
Und weil er heuer gar so schön da steht: Unser Zitronenbaum. Vor vielen Jahren gekauft, ein ewiges Sorgenkind. Der hat, glaube ich, schon alle Krankheiten gehabt, die ein Zitrusbaum haben kann. Ich will ihn jedoch nicht spritzen, damit ich verwendbare, natürliche Zitronenschalen ernten kann. M.-L. hat mal persönlich sämtliche Schildläuse, die er damals hatte, abgelesen. Theoretisch ist es ein schönes Stämmchen mit einer schönen Krone. Ich ließ dieses Jahr jedoch alle Triebe unten rauswachsen, er wird also langsam zum Busch, aber dafür ist die Zitronenausbeute für seine bescheidenen Verhältnisse riesig. Das Bäumchen hatte vielleicht einfach nur Probleme mit seiner Identität und wollte lieber ein Busch sein.
Und zum Schluss noch unsere Esskastanie, die auch schon etliche Jahre auf dem Buckel hat. Die ersten verbrachte sie in einem Blumentopf. Sie wurde von einem Nachbarn aus einer Kastanie gezogen. Heuer trägt sie zum ersten Mal. Wenn Ihr genau hinschaut, seht Ihr vielleicht die grünen, stacheligen Hüllen. Ein Freund hat gesagt, Esskastanien müssten unbedingt veredelt werden, sonst bekämen sie nur kleine, minderwertige Früchte. Naja, wir werden bald sehen, nicht wahr?
 So, das war's mit meinem kleinen Überblick über mehr oder weniger gelungene botanische Experimente (von den misslungenen Experimenten bleibt ja meist nicht mehr als ein wenig Kompost, hahaha).

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