Dienstag, 24. April 2012

Update: Gilbert lebt

Seit Sonntag hat ein erfahrener Humanmediziner die Leitung der Behandlung unseres Hamster übernommen. Als erstes wies er uns darauf hin, dass wir uns gar keine Hoffnungen machen dürften, das Tier durchzubringen. Okay, das war schon klar. Das Beinchen ist schwarz und vertrocknet, darüber befindet sich eine riesige Schwellung.
Anschließend empfahl er folgende Behandlung: Antibiotikum nach Körpergewicht verabreichen, Beinchen mit Betadine (Jod) einstreichen. 
Antibiotikum nach Körpergewicht, das war die erste Schwierigkeit. Das Tier wiegt 30 g. Wir haben Clamoxyl (Amoxicillin, ein Breitspektrumpenicillin) in Päckchen mit 250 mg Inhalt, das dem kleinen Bruder von P.s Freundin vor Jahren verordnet worden war. Dieses Medikament ist für die Behandlung von 25 Kilo schweren Kindern geeignet. Wir mussten also etwas mehr als ein Tausendstel der Kinderdosis verabreichen. Wir lösten das Antibiotikum nach Vorschrift in 200 ml Wasser auf. Gilbert sollte davon 0,2 ml zu sich nehmen. 1 ml sind 20 Tropfen, er müsste also von der Lösung 4 Tropfen zu sich nehmen. Für Gilbert ist das eine riesige Menge. Wir versuchten, das Medikament mit einem Teelöffel zu verabreichen, aber er mochte es nicht. Dann legten wir einen Tropfen Lösung auf einen Krümel Knuspermüsli. Davon aß er, aber er blieb natürlich weit hinter der erforderlichen Dosis zurück. Vielleicht gelangte gar kein Penicillin-Molekül in seinen Körper. Anschließend verabreichten wir etwas Joghurt mit lebenden Kulturen zur Wiederherstellung der Darmflora, für den Fall, dass er doch etwas Penicillin abbekommen hatte.
Sein Beinchen und die Umgebung strichen wir mit Hilfe einer Gaze mit reichlich Betadine ein.
Er hat die Nacht zum Montag überlebt. Die Penicillinzubereitung hatten wir gut verschlossen im Kühlschrank aufbewahrt. Am Montag wiederholten wir die Behandlung in Abständen von acht Stunden.
Nach 24 Stunden bereiteten wir eine frische Lösung zu, diesmal aber doppelt so konzentriert. Außerdem verwendeten wir nur ein halbes Päckchen Clamoxyl, weil wir im Ganzen nur zwei Päckchen haben. Also halbes Päckchen Clamoxyl, 50 ml Wasser. Da er den Geschmack nicht mag, tränkten wir einen Krümel Knuspermüsli mit dem Antibiotikum. Er schob einen Teil in seine Backen und brachte den Rest in sein Häuschen. Wir können also nicht kontrollieren, wann er das Medikament einnimmt.
Deutlich besser geworden ist die Schwellung nicht. Das Beinchen ist sowieso perdu. (Stand vom 24. April, 23 Uhr). Das Rote auf dem Foto ist Jod. Der Arzt hat gemeint, das Beinchen könnte sogar abfallen (für "abfallen" hat er ein aus dem Lateinischen kommendes Wort verwendet, das ich vergessen habe; "desprendieren" war es nicht.) Die nächsten zwei, drei Tage würden über Gilberts Leben oder Tod entscheiden. Zwei Tage sind schon rum. 

                                                
Was ich einfach unglaublich finde, ist, wie widerstandsfähig dieses Tier ist. Dsungarische Zwerghamster sind auch nicht so dumm, wie man im Internet liest. Gilbert ist durchaus lernfähig. Wenn wir mit unserem Knuspermüsli anrücken - da kam er am Anfang gleich aus seinem Häuschen geschossen - ahnt er jetzt schon, dass wir ihn wieder mit Medikamenten traktieren wollen und kommt nur ganz vorsichtig raus.
Ich werde Euch auf dem Laufenden halten.

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